Michel Foucault Grab

Der französische Philosoph Michel Foucault starb am 25. Juni 1984 – das Michel Foucault Grab befindet sich in seinem Ferien- und zeitweisen Wohnort Vendeuvre.

Michel Foucault, am 15. Oktober 1926 in Poitiers geboren, verbrachte mit seinen Eltern viele Urlaube auf ihrem – von Foucaults Großeltern 1875 erbauten – Landsitz ‚Le Piroir‘ in dem Ort Vendeuvre im Poitou. Hierhin zog sich die Familie auch 1944 bis 1945 zurück, nachdem das Wohnhaus der Familie in Poitiers von den Nazi-Truppen requiriert worden war (Vater Foucault lehnte die Vichy-Regierung von Pétain ab, engagierte sich jedoch nicht in der Résistance).

Immer wieder kehrte Michel Foucault nach Vendeuvre zurück. Das Haus befindet sich inzwischen nicht mehr in Familienbesitz. Eine Straße im Ort ist nach Michel Foucault benannt.

Eines von Foucaults Hauptwerken ist ‚histoire de la sexualité‚ (Sexualität und Wahrheit), ursprünglich auf sechs Bände angelegt. Drei Bände erschienen zu Lebzeiten, der erste ‚la volonté de savoir‚ (Der Wille zum Wissen) im Dezember 1976.

Bis April 1984 hielt Foucault noch Vorlesungen am Collège de France. Am 9. Juni 1984 wurde er in Paris mit neurologischen Komplikationen ins Krankenhaus ‚Hôpital de la Pitié Salpétrière‘ eingeliefert und starb dort am 25. Juni 1984 an den Folgen einer opportunistischen Infektion (Aids).

Etwa 50 Personen Personen nahmen in der Pitié Salpétrière an einer Trauerfeier und Aussegnung für Michel Foucault teil.Darunter Yves Montand, Simone Signoret, Élisabeth und Robert Badinter, Bernanrd Kouchner, Pierre Boulez, Claude Mauriac, Thierry Voeltzel, Hervé Guibert, Jean Le Bitoux und natürlich Daniel Defert.

Anschließend wurde er am 29. Juni 1984 in Vendeuvre-du-Poitou auf dem örtlichen Friedhof im privaten Kreis beigesetzt.

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Michel Foucault und HIV / Aids

Foucault bekam im Sommer 1983 einen trockenen Husten – bestand aber darauf, es handele sich um einen harmlosen Infekt. Erst im Krankenhaus wurde seine HIV-Infektion diagnostiziert, er wurde mit Antibiotika behandelt.

Am 9. Juni 1984 wurde Michel Foucault, der in der Küche seiner Wohnung in Paris zusammen gebrochen war, erneut in das Hôpital de la Salpêtrière eingeliefert, mit neurologischen Komplikationen. Er verstarb hier am 25. Juni 1984.

Foucaults HIV-Infektion war bis dahin nur engen Freunden bekannt. Am Tag nach seinem Tod meldete Liberaton u.a. das Gerücht, er sei an den Folgen von Aids verstorben. Eine Stellungnahme seiner Familie am darauf folgenden Tag hingegen ließ HIV / Aids unerwähnt.

Daniel Defert, Foucaults Lebenspartner, gründete nach dessen Tod die französische Aidshilfe-Organisation Aides.

Am zweiten Todestag von Michel Foucault 1986 teilte Daniel Defert offiziell mit (Advocate, März 1986), Foucault sei an den Folgen von Aids gestorben.

Einer breiteren Öffentlichkeit wird Foucaults HIV-Infektion und Aids-Tod erst 1990, mit Veröffentlichung des Romans ‘Dem Freund, der mir das Leben nicht gerettet hat‘ von Hervé Guibert bekannt.

Foucaults Umgang mit seiner HIV-Infektion wurde oftmals kontrovers diskutiert (siehe u.a. der ‚unveröffentlichte‘ „Letter to The Times Literary Supplement“ (pdf); siehe auch literarisch Hervé Guibert; Biographie Eribon; James Miller). Edmund White, 1983 nach Paris gezogen, berichtete, Foucault habe damals „über Aids gelacht„, dies sei „eine erfundene Krankheit, um die Schwulen für ihren ‚unnatürlichen‘ Sex zu bestrafen.“ Daniel Defert, Foucaults Lebensgefährte, berichtet, Foucault habe erst zwei Tage vor seinem Tod davon erfahren dass er Aids habe.

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Michel Foucault Grab – Fotos

Michel Foucault Grabplatte
Michel Foucault Grabplatte
Michel Foucault Grab
Michel Foucault Grab
M. Foucault Grab
M. Foucault Grab
Foucaults Grab
Foucault Grab

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„Je suis un artificier (…). Je ne suis pas pour la destruction mais je suis pour qu’on puisse avancer, pour qu’on puisse faire tomber les murs (…). Je considère mes livres comme des mines, des paquets d’explosifs.“
(„Ich bin ein Handwerker. Ich bin nicht für Zerstörung, aber ich bin dafür, dass wir vorwärts schreiten, dass wir die Mauern einreißen können … Ich betrachte meine Bücher als Minen, als Sprengstoff-Pakete.“ [Übersetzung UW]

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Michel Foucault wurde in der Grabstätte seiner Mutter beigesetzt. Die Zeile „Professeur au Collège de France“ auf Foucaults Grabstein geht auf seine Mutter zurück – zum Entsetzen seines Partners Daniel Defert, wie dieser 2015 berichtete.

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Michel Foucault Namen und Steine, Bonn

Michel Foucault Namen und Steine Tom Fecht Bonn 1993
Michel Foucault Namen und Steine Tom Fecht Bonn 1993

Stein für Michel Foucault, Namen und Steine – Kaltes Quadrat, Tom Fecht 1993 / Bonn Bundeskunsthalle

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Michel Foucault ‚erfand‘ auch den Namen des legendären bedeutenden französischen Schwulenmagazins Gai Pied, 1978, in der Küche seiner Wohnung (erinnert sich später Daniel Defert).

Foucaults Nachlass beschäftigt viele Jahre später die französische Kulturpolitik, nachdem Daniel Defert sich entscheidet, sich von einem Teil des Nachlasses zu trennen (siehe ‚wohin mit dem Nachlass von Michel Foucault ?‚). Inzwischen (2015) hat die Bibliothèque nationale de France das Foucault-Archiv Paris übernommen.

In seiner Zeit am Hamburger Institut Francais regte Foucault den Schriftsteller Rolf Italiaander (der sich auch für die Rechte Homosexueller einsetzte) zu einer Ausstellung über afrikanische Kunst an.

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Mort de Michel Foucault“
TV-Beitrag INA 25.6.1984

Obsèques de Michel Foucault“
TV-Beitrag INA 29.6.1984

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zuletzt aktualisiert 8. Dezember 2016

16 Antworten auf „Michel Foucault Grab“

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