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Politisches

Hydrail – Wasserstoff im Schienenverkehr, Beispiel in Bremervörde

Der Einsatz von Wasserstoff im Schienenverkehr mittels Brennstoffzellen (Hydrail) gilt als große Hoffnung für umweltfreundlichen Verkehr auf nicht elektrifiztierten Schienenstrecken.

Über 40 Prozent des Schienennetzes in Deuschland sind derzeit nicht elektrifiziert und werden nahezu ausschließlich im Diesel-Betrieb genutzt. Hier liegt ein großes Potenzial für umweltfreundlichen Schienenverkehr. Voraussetzung: die Verwendung von ‘grünem Wasserstoff‘, Wasserstoff der unter Einsatz von Strom aus erneuerbaren Quellen produziert wurde.

In Bremervörde im Norden von Niedersachsen wird der Einsatz von Wasserstoff im Schienenverkehr bereits seit 2018 erfolgreich getestet.

Inzwischen wird der Regelbetrieb vorbereitet und die erforderliche Infrastruktur aufgebaut.

seit 2018: Wasserstoff-Züge im Personenverkehr zwischen Bremervörde und Cuxhaven

Seit 17. September 2018 setzen die Elbe-Weser-Verkehrsbetriebe EVB auf der – nicht elektrifizierten – knapp 100 km langen Verbindung zwischen Buxtehude und Cuxhaven zwei Fahrzeuge Alstom Coradia iLint ein. Zum ersten Mal weltweit werden hier im öffentlichen Linienverkehr Brennstoffzellen – Schienenfahrzeuge (Vorserienfahrzeuge im Pilotbetrieb) im Regelbetrieb eingesetzt.

Brennstoffzellen-Antrieb: Alstom Coradia iLint 2019 im Bahnhof Bremervörde
Brennstoffzellen-Antrieb: Alstom Coradia iLint 2019 im Bahnhof Bremervörde

Die iLint-Züge von Alstom wurden erstmals am 20. September 2016 vorgestellt (erster Personenzug in Serienfertigung mit Wasserstoff-Antrieb). Sie können eine maximale Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h erreichen, die Reichweite liegt zwischen 600 und 800 km. Am 14. März 2017 fanden die ersten Probefahrten statt.

Alstom Coradia iLint 2019 im Bahnhof Bremervörde Wasserstoff Brennstoffzelle
Alstom Coradia iLint 2019 im Bahnhof Bremervörde

Für die Wasserstoff-Versorgung der Brennstoffzellen (2x 20 kW Leistung) befinden sich zwei jeweils 90kg Wasserstoff fassende Tanks auf dem Dach

Am 11. Juli 2018 wurden die Fahrzeuge des Typ iLINT für den kommerziellen Fahrgasteinsatz in Deutschland zugelasssen.

2020: die weltweit erste Wasserstoff- Tankstelle für Personenzüge entsteht in Bremervörde

In der Region Bremervörde soll 2022 der Regelbetrieb von Wasserstoffzügen im Schienenpersonenverkehr starten. Zu deren Versorgung wird eine Wasserstofftankstelle errichtet.

Die Bauarbeiten für die in der Nähe des Bahnhofs Bremervörde gelegenen Wasserstoff-Tankstelle für Züge begannen im September 2020. Errichtet wird sie im Auftrag der LNVG Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen vom Gas- Unternehmen Linde.

Die LNVG wurde 1996 gegründte und ist zu 100% im Besitz des Landes Niedersachsen. Sie unterhält einen landeseigenen Fahrzeugpool (LNVG beschafft und vermietet).

Die Fertigstellung ist geplant für Mitte 2021. Sie soll eine Kapazität von nominal 1.600 kg Wasserstoff pro Tag haben (und wäre damit eine der größten Wasserstofftankstellen der Welt).

Die Wasserstofftankstelle Bremervörde dient nach Inbetriebnahme der Versorgung der Wasserstoffzüge im Regelbetrieb (s.u.). Sie ist damit die erste Wasserstofftankstelle für Personenzüge.

Eine spätere Erweiterung der Wasserstofftankstelle um eine Anlage zur vor-Ort- Herstellung von grünem Wasserstoff ist angedacht. Zunächst wird der Wasserstoff aus Stade und Hamburg sowie den Niederlanden per LKW angeliefert.

ab 2022: Wasserstoff-Züge im Regelbetrieb in Niedersachsen

Ab 2022 sollen Wasserstoff-Züge in Niedersachsen im Regelbetrieb eingesetzt werden.

Zunächst ist der Einsatz von 14 Alstom- Regionalzügen vorgesehen. Diese hat die Landesverkehrsgesellschaft Niedersachsen zwischenzeitlich bestellt. Der am 9. November 2017 unterzeichnete Vertrag umfasst die Beschaffung sowie 30 Jahre Instandhaltung durch Alstom in der EVB-Werkstatt Bremervörde.

Hergestellt werden die Züge im Alstom-Werk in Salzgitter (Niedersachsen). Die Fahrzeuge werden Teil des Fahrzeugpools der LNVG und an die EVB vermietet. Eingesetzt werden sollen die Wasserstoffzüge zwischen Cuxhaven, Bremerhaven, Buxtehude und Bremervörde.

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Kulturelles

die expressionistische Malerin Emma Ritter

Die heute weitgehend in Vergessenheit geratene expressionistische Malerin Emma Ritter lebte und wirkte ab 1946 bis zu ihrem Tod in Oldenburg.

Emma Ritter wurde am 18. Dezember 1878 in Vechta geboren. 1898 bis 1902 studierte sie Malerei an der ‘Damen-Malschule‘ von Willy Spatz in Düsseldorf, 1903 bis 1905 bei Lovis Corinth (Berliner Secession) in Berlin. Sie war vermutliche eine der ersten Frauen in Deutschland, die Malerei studierte.

Von 1909 bis 1912 verbrachte Emma Ritter immer wieder Zeit in Dangast, in engem Austausch mit den Malern Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel der Künstlergruppe Die Brücke die sich dort zu sommerlichen Studienbesuchen aufhielten. Besonders mit Karl Schmidt-Rottluff war Ritter freundschaftlich verbunden, sowie mit der Kunsthistorikerin Rosa Schapire.

In der NS-Zeit wurde neben zahlreichen Werken anderer Brücke-Künstler auch ein Werk von E. Ritter aus der Sammlung des Oldenburger Landesmuseums als ‘Entartetet Kunst’ beschlagnahmt.

1944 wurde ihr Berliner Atelier zerstört, zahlreiche Werke gingen verloren. Ritter zog kurzzeitig nach Exten (bei Rinteln im Weserbergland), wo ihre Schwester lebte. 1946 zog sie wieder nach Oldenburg.

Infolge eines Oberschenkelhalsbruchs, den sie 1951 erlitt, konnte sie nicht mehr an der Staffelei arbeiten. Sie konzentrierte sich auf Aquarelle. Zuletzt lebte Emma Ritter in Oldenburg Eversten Bodenburgallee

Emma Ritter starb im Alter von 92 Jahren am 23. März 1972 in Oldenburg. Ihr Grab befindet sich auf dem Gertrudenfriedhof.

Grabstein Emma Ritter Oldenburg
Grabstein Emma Ritter auf dem Gertrudenfriedhof in Oldenburg
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Politisches

Karl Popper über Toleranz

Der österreichisch- britische Philosoph Karl Popper über Toleranz

“Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet und die Toleranz mit ihnen.”

Karl Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, 1945
Karl Popper, etwa 1980 (LSE libraryhttps://www.flickr.com/photos/lselibrary/3833724834/in/set-72157623156680255/, No known Copyright Restrictions)

Karl Popper wurde am 28. Juli 1902 in Wien geboren. Der POhiloisoph gilt als einer der bedeutendsten Verteidiger westlich- liberaler Gesellschaften. Popper starb am 17. September 1994 in London. Er wurde in Wien auf dem Friedhof am Küniglberg beigesetzt.

“Die offene Gesellschaft und ihre Feinde” gilt als wesentliches Werk der politischen Philosophie und prägte (neben Henri Bergson) den Begriff der Offenen Gesdellschaft mit. Popper wendet sich dezidiert gegen totalitaristische Staatsformen und plädiert für Meinungs- Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit sowie religiöse Neutralität [vgl. Trennung von Staat und Kirche in Frankreich]. Popper vertritt die Ansicht, die Demokratie sei die beste Staatsform.

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Kulturelles

August Schwartz Erfinder der Ansichtskarte

Der Oldenburger Drucker und Buchhändler August Schwartz verschickte am 16. Juli 1870 erstmals eine bebilderte Postkarte – Schwartz gilt damit als Erfinder der Ansichtskarte.

August Schwartz (1837 – 1904)

August Schwartz wurde am 29. Mai 1837 in Dortmund geboren. Nach abgebrochenem Philosophie-Studium in Bonn wurde er zum Militärdienst eingezogen.

Auguts Schwartz Erfinder Ansichtskarte Bildpostkarte
August Schwartz 1837 – 1904 (Relief auf seinem Grabstein)

!861 zog Schwartz nach Oldenburg und begann eine Lehre in der Buchhandlung Carl Ferdinand Schmidt (Markt 13). Bereits 1863 gab er die erste Werkausgabe des ebenfalls in Oldenburg lebenden Dichters Julius Mosen heraus.

Im gleichen Jahr heiratete er Maria Berndt (8.8.1842 – 27.7.1921), Tochter des Inhabers der Schulzeschen Buchhandlung – die ab 1875 Hof-Buchhandlung und Hof-Druckerei wurde. Schwartz trat in das Unternehme ein und leitete ab 1877 die Schulzsche Buchhandlung bis zu seinem Tod (bis 1884 mit seinem Schwager Karl Berndt, ab 1893 mit seinem Sohn Rudolf (1864 – 1943)).

August Schwartz starb am 23. Mai 1904 in Oldenburg. Sein Grab befindet sich auf dem Gertrudenfriedhof.

Grabstätte August Schwartz auf dem Gertrudenfriedhof in Oldenburg

August Schwartz – die erste Ansichtskarte

August Schwartz druckte im Sommer 1870 auf eine Postkarte zuzsätrzlich ein kleines Bildmotiv, eine Artillerie-Darstellung eines Kanoniers (es war die Zeit der Mobilmachung Deutsch-Französischer Krieg).

Am 16. Juli 1870 (Tag der Mobilmachung gegen Frankreich) verschickte Schwartz die Karte an seine Schwiegereltern in Magdeburg.

Diese bebilderte Postkarte gilt damit als erste Ansichtskarte der Welt und August Schwartz als Erfinder der Ansichtskarte.

Erfinder der Ansichtskarte - August Schwartz Correspondenz-Karte 1870 - die erste Ansichtskarte bebilderet Vorderseite
August Schwartz Correspondenz-Karte 1870 – die erste Ansichtskarte (bebilderte Vorderseite)

Von der Postkarte zur Ansichtskarte

Bereits 1760 gab es in Paris erste offen lesbare Mitteilungen bei der petit poste. 1840 wurde in England erstmals eine Briefmarke verwendet.

In den USA wurde am 27. Februar 1861 erstmals der Versand privat gedruckter Karten mit der Post per Gesetz erlaubt.

Am 1. Juni 1865 wurde in Preußen die Offene Karte (‘Aviskarte‘) eingeführt, ein Vorläufer der Postkarte in Deutschland. Am 1. Juli 1870 trat im Norddeutschen Bund (in dem das Großherzogtum Oldenburg seit 1867 Mitglied war) die ‘Verordnung betr: die Einführung der Correspondenzkarte‘ in Kraft – die Einführung der Postkarte in Norddeutschland.

Nur gut zwei Wochen später am 16. Juli 1870 verschickte August Schwartz die erste Ansichtskarte von Oldenburg nach Magdeburg …

der erste Ansichtskarten-Verlag

Im Herbst 1875 veröffentlichte August Schwartz erstmals eine kleine Auflage von 25 Ansichtskarten als Handelsartikel. Damit wurde er zum ersten kommerziellen Verleger von Ansichtskarten, begründete den ersten Ansichtskarten-Verlag der Welt.

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Landesbibliothek Oldenburg Digital: Der Litterarisch-gesellige Verein zu Oldenburg : Denkschrift zum 50-jährigen Stiftungsfeste / von August Schwartz

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Erinnerungen

der ehemalige Rockpalast Delmenhorst

Er war Ende der 1970er Jahre kurze Zeit eine Pilgerstätte der musikbegeisterten Jugend aus Delmenhorst und umliegenden Dörfern: der Rockpalast Delmenhorst.

Der Rockpalast Delmenhorst befand sich in Delmenhorst auf der Oldenburger Strasse 112 am Rand des Tiergartens – jenes um 1560 angelegten Mischwalds, der einst den Delmenhorster Grafen bis 1647 zur Jagd diente. Dort war ein ehemaliger Schützenhof zur Pilgerstätte der Jugend geworden …

Der Ort hat auch als Vergnügungsstätte eine bewegte Geschichte: ein zuvor hier existierendes Gasthaus mit Tanzsaal wurde 1867 nach dem Bau der Eisenbahn durch einen Neubau ersetzt – der bis heute steht, wenn auch deutlich umgebaut:

der ehemalige Rockpalast Delmenhorst - heute eine Tanzschule
der ehemalige Rockpalast Delmenhorst – heute eine Tanzschule

In diesem Gebäude – das Einheimische lange den ‘Schützenhof‘ nannten – befand sich u.a. nacheinander ein Hotel, Schützenhaus, Ballhaus, die ‘Tanz- und Vergnügungsstätte zum Tiergarten’ (Friedrich Schmidt), sowie mehrere Tanzschulen.

Und – nachdem Schmidt seine Tanzgaststätte aufgegeben hatte – ab 1977 der ‘Rockpalast‘.

1978 war ich bei der Bundeswehr, in Oldenburg, machte zaghaft meine ersten schwulen Gehversuche. Im Rockpalast Delmenhorst war ich viel und gerne, hörte ich u.a. 1978 Iron Butterfly. Am meisten aber beeindruckte mich ein Konzert: Nina Hagen.

Nina Hagen spielte am 18. November 1978 im Rockpalast Delmenhorst, noch angekündigt als ‘Nina Hagen und ihre Band Lokomotive Kreuzberg‘. Das Konzert war (in heutiger Sprache) ein ‘record release‘ – es fand statt noch vor der offiziellen Veröffentlichung ihres ersten Albums “Nina Hagen Band” zwei Tage später, am 20. 11. 1978.

Nina Hagen hatte am 28. Dezember 1976 die DDR verlassen, aus Solidarität mit ihrem aus der DDR ausgewiesenen Stiefvater Wolf Biermann. Zunächst ging sie nach London, bewegte sich in der dortigen Punk-Szene. Nach Berlin zurückgekehrt, gründete sie 1977 die Nina Hagen Band.

Vom Nina Hagen Konzert im Rockpalast Delmenhorst erinnere ich besonders ihr WPOD ‘White Punks on Dope’ – Cover ‘Ich glotz TV’. Und dass das Konzert nicht besonders gut besucht war. Und das Pubikum sehr gemischt reagierte. Waren die einen sehr begeistert und euphorisch, fand sie bei anderen weniger Begeisterung – die vermutlich eher ‘klassische Rockmusik’ erwartet hatten, schließlich hatte ‘Lokomotive Kreuzberg‘ (1972 – 1977, Vorläufer der Nina Hagen Band) einen guten Ruf als Politrock-Band.

Ulli 1978
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Deutschland

Johann Ludwig Mosle, Initiator des Hunte – Ems – Kanals

Johann Ludwig Mosle war Oldenburger Diplomat, Offizier und Minister. Mosle gilt als Mit- Initiator des Hunte – Ems – Kanals. Aus dem Hunte – Ems – Kanal entstand durch Ausbau ab 1922 der Küstenkanal, der am 28. September 1935 in Betrieb genommen wurde.

Johan Ludwig Mosle wurde am 2. Januar 1794 in Varel geboren. Nach Besuch des Gymnasiums in Oldenburg studierte Mosle Jura in Straßburg. Antifranzösisch und national eingestellt, machte er im oldenburgischen Militär Karriere, wurde 1843 Oberst.

1848 Gesandter des Deutschen Bundes in Frankfurt am Main, wurde Mosle bald Vertreter der ‘kleindeutschen Lösung’. 1849 schloss er in Berlin den Vertrag über den Beitritt Oldenburgs zum Dreikönigs-Bündnis von Preußen, Hannover und Sachsen ab. 1849 übernahm er die Leitung des Oldenburger ‘Außenministeriums’.

Johann Ludwig Mosle starb am 24. Oktober 1877 in Oldenburg. Sein Grab befindet sich auf dem Gertrudenfriedhof in Oldenburg.

Grab von Johann Ludwig Mosle auf dem Gertrudenfriedhof in Oldenburg
Grab von Johann Ludwig Mosle auf dem Gertrudenfriedhof in Oldenburg

Hunte – Ems – Kanal

Der Hunte – Ems – Kanal verlief von Oldenburg (Abzweig nahe dem Hunte Wasserkraftwerk) bis Barßel. Die Bauarbeiten begannen am 22. September 1855. Am 1. Oktober 1893 war mit dem Durchstich bei Kampe der Kanal fertiggestellt. Durch die Realisierung einer neuen 29 km langen West-Strecke bis zur Ems entstand der Verlauf, der dem heutigen Küstenkanals entspricht.

Der Hunte – Ems – Kanals sollt sowohl der Anbindung Oldenburgs an die Seefahrt dienen, als auch vornehmlich der Entwässerung und Erschließung von Moorgebieten.

Das alte Aussehen des Hunte – Ems – Kanals kann noch heute erlebt werden: auf dem Elisabethfehn-Kanal. Bereits 1935 wurde dieser frühere Nord – Süd – Ast des Hunte – Ems – Kanals für den Durchgangsverkehr außer Betrieb genommen. So hat sich hier das Aussehen des alten Hunte – Ems – Kanals weitgehend original erhalten. Mit vier Holzschleusen (handbetrieben) und sechs Klappbrücken ist er zudem der letzte durchgängig befahrbare Fehnkanal in Deutschland.

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Deutschland

Eisenbahn Klappbrücke Oldenburg

Die Eisenbahn Klappbrücke Oldenburg überquert die hier 60m breite Hunte. Sie steht unter Denkmalschutz.

Eisenbahn Klappbrücke Oldenburg
Eisenbahn Klappbrücke Oldenburg

Die Brücke dient den beiden Bahnstrecken OldenburgBremen und Oldenburg – Osnabrück. Erbaut wurde sie 1946 bis 1954 nahe dem Bahnwasserturm Oldenburg als Ersatz für die 1945 zerstörte Drehbrücke aus dem Jahr 1866. Sie ist für Zugverkehr (zweigleisig, seit Elektrifizierung 1982 mit Oberleitung) sowie Fußgänger und Radfahrer.

Bhanwasserturm und Klappbrücke vom Zug aus gesehen

Technisch ist die Eisenbahnklappbrücke Oldenburg eine Rollklappbrücke nach dem System Scherzer (William Donald Scherzer 1858 – 1893, us-amerikanischer Ingenieur) mit Antrieb am Drehpunkt und Drehlager über Zahnschiene.

Blick auf die Zahnschiene

Zwei jeweils 20m breite Durchfahrten für Schiffe können unabhängig voneinander hydraulisch gesteuert werden können. Der Öffnungs-Winkel beträgt 86 Grad. Die Brücke gehört der Deutschen Bahn und wird gesteuert von einem Stellwerk nördlich direkt an der Brücke.

Blick auf Stellwerk und Klappbrücke

Die Osternburger Klappe (Klappe 2) wurde bereits am 26. Juli 1952 erstmals gehoben, 1953 Klappe 1 (Bahnhofs-Seite). Hergestellt wurde die Brücke von MAN (Gustavsburg).

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Frankreich Politisches

Résistance Gedenkort – mur des fusillés in Dijon Montmuzard

Gedenkort Montmuzard bei Dijon: Zwischen 1940 und 1944, der Zeit der Besetzung Frankreichs durch NS-Truppen, wurden in Dijon Montmuzard 126 Menschen als Geiseln oder nach Verurteilungen ermrodet oder starben unter Folter.

Frankreich war in den Jahren von 1940 bis 1944 von NS-Truppen besetzt, von 1940 bis 1942 war Frankreich durch eine Demarkationslinie geteilt. Im ganzen Land wurden Widerstandskämpfer verfolgt und ermrodet. In Dijon (Cote d’Or) starben während der Besatzungszeit 126 Widerstandskämpfer unter Folter oder nach Verurteilung durch ein deutsces Militärgericht oder als Geisel. Die Hinrichtungen fanden ab dem 31. August 1940 auf einem Schießstand in Monmuzard in Saint Apollinaire (Großgemeinde Dijon) statt. Daran erinnert der Gedenkort Montmuzard:

Gedenkort Mur des fusilés Montmuzard
Gedenkort Montmuzard – Mur des fusilés Montmuzard

ICI 126 PATRIOTES ONT ÉTÉ FUSILLÉS
1940 1944
RESPECTEZ CE LIEU.

(Hier wurden zwischen 1940 und 1945 126 Patrioten erschossen. Verhalten Sie sich bitte repektvoll. [Übers. UW])

Die Mehrzahl der Ermordeten stammte aus der Region Burgund. Neun stammten aus den Niederlanden, sechs aus Nordafrika und einer aus Indochina.

An einer Ewigen Flamme erläutert eine Gedenktafel:

À LA MÉMOIRE
DES HÉROS DE LA RÉSISTANCE
FUSILLÉS DEPORTÉS
SOLDATS SANS UNIFORME
QUI PAR IDÉAL
SE SONT ENGAGÉS VOLONTAIREMENT
DANS LA LUTTE CLANDESTINE
SE SONT SACRIFIÉS
POUR LA LIBÉRATION DE LEUR PAYS
ET LA LIBERTÉ DU MONDE

Montmuzard Gedenkort - Ewige Flamme
Montmuzard Gedenkort – Ewige Flamme

Mémorial du Mur des fusillés
Rue Jean Moulin
rond-point du 8 Mai 1945

Memorial Jean Moulin

Am Eingang zum Gedenkort Mur des fusilés Montmuzard erinneert eine Gedenkplakette an den Widerstandskämpfer Jean Moulin (1899 – 1943), höchsten Repräsentanten der Résistance in Frankreich.

Gedenkort Mur des fusilés Montmuzard – Gedenktafel Jean Moulin

LA VILLE DE DIJON
À LA MÉMOIRE DE JEAN MOULIN
PRÉSIDENT DU CONSEIL NATIONAL DE LA RÉSISTANCE
NÉ EN 1899
ARRÊTÉ TORTURÉ MORT POUR LA FRANCE EN 1943
AUJOURD’HUI JEUNESSE PUISSES-TU PENSER À CET HOMME COMME
TU AURAIS APPROCHE TES MAINS DE SA PAUVRE FACE INFORME
DU DERNIER JOUR DE SES LEVRES QUI N’AVAIENT PAS PARLÉ
CE JOUR LÀ ELLE ÉTAIT LE VISAGE DE LA FRANCE.
ANDRE MALRAUX
19 DECEMBRE 1964 AU PANTHÉON

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Frankreich

Tous Anti Covid – Coronavirus Tracing App in Frankreich

Sieit 22. Oktober 2020 steht mit Tous Anti Covid eine neue Coronavirus Tracing App in Frankreich zum Download zur Verfügung. Nach dem Scheitern der ersten App StopCOVID ist dies der zweite Anlauf.

Tous Anti Covid - Coronavirus Tracing App in Frankreich
Tous Anti Covid – Coronavirus Tracing App in Frankreich (gouvernement.fr)

TousAnti Covid – zweite Coronavirus Tracing App in Frankreich

Seit 22. Oktober 2020 macht Frankreich mit der Corona Tracing App Tous Anti Covid (Alle gegen Covid) einen Neustart beim Coronavirus Tracing per App.

Am 12. Oktober 2020 kündigte Premierminister Jean Castex an, ab 22. Oktober werde die neue Version der Tracing App zur Verfügung stehen. Diese werde dann auch den Namen wechseln und zukünftig Tous Anti COVID heißen. Ein Unterschied soll Medienberichten inhaltlich sein, dass nun Kontakte ab 5 (statt zuvor 15 Minuten) als Schwelle für eine Meldung gelten. Zudem soll die Regierung zukünftig über die App lokale Warnmeldungen verbreiten können.

Wie die erste App StopCOVID verfolgt auch die neue App Tous Anti COVID (anders als die Mehrzahl der Coronavirus Tracing Apps in Europa) den zentralen Ansatz – sie ist damit weiterhin nicht kompatibel mit der europäischen Datenaustausch-Platform für Coronavirus Tracing Apps. Gründe der ‘nationalen Souveränität’ seien entscheidend für das Festhalten am zentralen Ansatz, so die Regierung.

Im Gegensatz zur alten App soll Tous Anti Covid nur im Bedarfsfall (z.B. Restaunrantbesuch) eingeschaltet werden. Die frühere App StopCOVID,
die ständig aktiv sein musste, war auch wegen ihres hohen Akku- Verbrauchs unbeliebt.

EU- Interoperabilität von Corona Tracing Apps - auch mit TousAntiCovid weiterhin ohne Frankreich (Grafik: EU-Kommission)
EU- Interoperabilität von Corona Tracing Apps – auch mit TousAntiCovid weiterhin ohne Frankreich (Grafik: EU-Kommission)

Tous Anti Covid sei eine ‘angereichtere und interaktive’ Weiterentwicklung der ersten App StopCOVID, kündigte der Gesundheitsminister an. [Angesichts weitgehend gleichgebliebener Kernfunktionalität scheint es sich mehr um ein Re-Design und Re-Branding der alten App zu handeln] Die Oberfläche sei optisch und ergonomisch optimiert worden. Ergänzt wurde eine Informationsbereich zur Covid-19 – Situation in Frankreich (teils in Echtzeit). Zudem ebsteht nun mit “DépistageCovid” direkter Zugang zur Liste der Corina test Zentren in Frankreich. Unter “MesConseilsCovid” können personalisierte Ratschläge eingeholt werden.

Die Einführung soll von einer Marketing- Kampagne auf sozialen Netzwerken begleitet werden. An die Anwender der bisherigen App wird die neue Version per Update verteilt.

Am 26. Oktober sollen bereits 4 Millionen Downloads erreicht worden sein – allerdings seit 2. Juni 2020, also inklusive der (ca. 2,6 Mio.) Downloads der Vorgänger- App StopCOVID (s.u.). Am 29. Oktober berichteten Medien über 4,6 Mio. Downloads, am 30. Oktober von 6 Mio.. Mitte November berichteten Medien von gut 9 Mio. Downloads der App.

Die französische Regierung strebt an, bis Mitte Dezember 15 Millionen User der App zu erreichen.

Ersten Anwender- Berichten aus Deutschland zufolge muss scheinbar für die Nutzung von Tous Anti Covid die deutsche Corona Warn App deaktiviert werden, eine parallele Nutzung beider Apps sei nicht möglich. Gerade für Pendler im Grenzbereich keine optimale Lösung …

Flop Stop Covid – gescheiterte erste Corona Tarcing App in Frankreich

Vom 2. Juni bis 21. Oktober 2020 wurde in Frankreich die Coronavirus Tracing App Stop Covid angeboten – sie scheiterte. Eine Chronologie:

Premierminister Edouard Philippe bezeichnete in seinem Ausstiegsplan am 28. April eine tracing App als wesentlichen Bestandteil. Das französische Parlament stimmte dem Einsatz der App am 27. Mai 2020 zu, am Folgetag auch der Senat. Unter Frankreichs Parlamentariern war der Einsatz einer Tracing App zuvor umstritten. Die Debatte über eine solche App war zuvor wegen Kritik an Grundrechte-Verletzungen vertagt worden.

Unter dem Namen StopCovid (‘tracage’ oder ‘suivi de contact’) wurde in Frankreich eine Bluetooth-basierte Tracing App entwickelt, die auf den zentralen Ansatz setzte. Entwickler waren die Unternehmen Withings, Orange (Telekommunikation) und Dassault unter Beteiligung des Institut national de recherche en informatique et en automatique (Inria, Projekt-Seite) mit ihrem Protokoll für einen zentralen Ansatz, Robert (vgl. PEPP-PT oder DP-3T).

Cédric O, Staatssekretär für Digitales, bestätigte, dass StopCovid die einzige App sein werde, die vollkommen in das Gesundheitssystem Frankreichs integriert werde. Frankreich werde am zentralen Ansatz festhalten. Dies sei eine Frage nationaler Souvernität.

Die App StopCovid war aufgrund des zentralen Ansatzes nicht komplett kompatibel mit der Bluetooth-Lösung von Apple und Google (Apple gibt permanente Bluetooth Nutzung im Hintergrund nicht frei; die App muss ständig im Vordergrund laufen). IPhones haben in Frankreich einen Marktanteil von geschätzt 20%

Am 11. Mai zeichneten sich zunächst Schritte des Inria ab, doch noch eine Lösung anzustreben, die mit anderen europäischen Apps kompatibel sein könnte. Mitte Mai zeichnet sich zunehmend Kritik am Festhalten am zentralen Ansatz ab, mehrere Medien spekulieren ein ‘Einstampfen’ der App stehe kurz bevor. Dennoch wurde am zentralen Ansatz festgehalten.

Aufgrund des zentralen Ansatzes konnte die französische Corona App nicht in die geplante EU- Austauschplatform für Corona Apps einbezogen werden (mit deren Entwicklung SAP und Telekom beauftragt wurden).

Einer Stellungnahme der nationalen Datenschutzbehörde CNIL vom 26. April 2020 zufolge soll die App mit Datenschutz-Regeln / DSGVO übereinstimmen (pdf). Voraussetzungen seien Freiwilligkeit und Anonymität. Am 26. Mai genehmigte CNIL den Einsatz der App.

Ein erster Teil des Quellcodes der App wurden am 12. Mai veröffentlicht werden. Die App StopCovid sollte ursprünglich am 11. Mai einsatzbereit sein. Der Start erfolgte dann mit einer ersten einsatzfähigen App am 2. Juni.

Seit Dienstag 2. Juni stand die App zum Download zur Verfügung. Nach einem Tag hätten bereits 600.000 Menschen das Programm heruntergeladen, zeigte sich Digital- Staatssekretär Fréderic O erfreut. Am 6. Juni sei sie bereits eine Million Mal aktiviert worden. Am 20. Juni hatten 1,7 Millionnen Personen die App geladen. Ende Juli waren knapp 2,5 Millionen Downloads erreicht, vor der Einstellung im Oktober 2,6 Mio.

“Ja, ich fordere die Franzosen dazu auf, sie zu nutzen, aber ich will ehrlich sein – ich selbst nutze sie nicht.”

Jean Castex, Premierminister Frankreichs

Anfang Oktober 2020 sprachen französische Medien von 2,2 Mio. aktiven Nutzern der App (etwa 3% der Bevölkerung). 6.512 QR-Codes (die einen Nutzer als Corona-positiv melden) seien eingescannt worden. 800 Personen hätten Benachrichtigungen über die App erhalten.

Inzwischen hat die Organisation AntiCor Anzeige erstattet, weil sie Betrugsvorwürfe bei der App-Entwicklung und -Pflege befürchtet. So sollen monatliche Kosten für die Pflege der App in Höhe von 100.000 € entstanden sein.

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Allgemein

Wilhelm Heinrich Schüssler in Oldenburg

Ab 1831 lebte der Begründer der Schüßler-Salze, der homöopathische Arzt Wilhelm Heinrich Schüssler in Oldenburg. Dort starb er 1898.

Wilhelm Heinrich Schüßler wurde am 21. August 1821 in Bad Zwischenahn geboren. 1831 kam er nach Oldenburg. Am 1. März 1855 wurde er – laut wikipedia.de ‘ohne Abgabe einer Dissertation, ohne Leistungsnachweise und in Abwesenheit‘ promoviert zum Dr.med.

Sein Antrag auf Zulassung als Arzt wurde aufgrund fehlender Studienbelege sowie fehlenden Abiturs abgelehnt. Nach Reifeprüfung am Alten Gymnasium in Oldenburg bestand er schließlich 1857 die Staatsprüfung mit ‘hinlänglich gut‘.

Am 2. Januar 1858 erhielt Schüßlert die Zulassung zur Niederlassung als Arzt (‘Concession zur medicinischen, chirurgischen und geburtshülflichen Praxis‘) in Oldenburg mit der Zusicherung, nur als homöopathischer Arzt tätig zu werden.

An dem Haus, in dem sich Schüßlers Praxis in Oldenburg befand, erinnert eine Plakette an ihn:

Schüßler in Oldenburg - Gedenktafel an einem Wohnhaus in Oldenburg  Kurwickstrasse
Schüßler in Oldenburg – Gedenktafel an einem Wohnhaus in Oldenburg Kurwickstrasse 23

“In diesem Hause begann im Jahre 1857 Dr.med. Schüßler * 21.8.1821 + 30.3.1898 sein Lebenswerk: ‘Biochemie’ (natura in minimis maxima)”.

Schüßler entwickelte in den 1870er Jahren eine ‘Therapie’ der Behandlung vrschiedener Krankheiten mit homöopathisch zubereiteten Salzen (12, später 11 ‘Schüßler-Salze‘). 1874 veröffentlihcte er hierüber ‘Eine abgekürzte Therapie, gegründet auf Histologi und Cellular-Pathologie‘.

Am 30. März 1898 starb der Junggeselle Wilhelm Heinrich Schüssler in Oldenburg an den Folgen eines Schlaganfalls. Bis zu seinem Tod hatte er praktiziert. Sein befindet sich auf dem Gertrudenfriedhof in Oldenburg .

Grab von Wilhelm Heinrich Schüssler auf dem Gertrudenfriedhof in Oldenburg

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Oldenburger Landesbibliothek digital:
Wie urtheilt man in Oldenburg über die Homöopathie?“, Dr. Schüßler 1861

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Für die Wirksamkeit der Schüßler-Salze existiert kein Wirksamkeitsnachweis, der wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Sie können dennoch über Apotheken und Internet erworben werden.