Pier Paolo Pasolini (1922 – 1975)

Zuletzt aktualisiert am 26. Februar 2018 um 14:00

Pier Paolo Pasolini war ein Künstler mit beeindruckender Produktivität.

Träume sind manchmal schlechte Lehrmeister, Dunya, denn die ganze Wahrheit ist nie nur in einem Traum zu finden. Die ganze Wahrheit findet sich nur in vielen Träumen.
(’Il fiore delle mille e una notte’, 1973)

Die Ermordung Passolinis

Am 2. November 1975, wurde Pier Paolo Pasolini (geb. 5. März 1922 in Bologna) in der Nähe von Ostia ermordet aufgefunden.

Der Tod macht eine fulminante Montage aus unserem Leben, das heißt, er wählt dessen wirklich signifikante … Momente aus und stellt sie in eine Folge. Er macht also aus unserer infiniten, instabilen und unsicheren und also linguistisch nicht beschreibbaren Gegenwart eine klare, stabile und sichere und also linguistisch … beschreibbare Vergangenheit.
(in: Empirismo eretico, 1967)

Ich liebe das Leben wild und verzweifelt. Und ich glaube, daß diese Wildheit und diese Verzweiflung mich an mein Ende führen… Ich bin skandalös.
(Pasolini in seinem letzten Interview, 31.10.1975)

Er hat es doch so gewollt„, soll der Christdemokrat Andreotti, damals Regierungschef, die Ermordung Pasolinis kommentiert haben.

Warum diese Verachtung?
In Italien hat kaum jemand Pasolini gemocht, denn er war unbequem für alle Italiener“ (Rossana Rossanda).

Pier Paolo Pasolini, Portrait von Graziano Origa 1976 (wikimedia commons / origafoundation)
Pier Paolo Pasolini, Portrait von Graziano Origa 1976 (wikimedia commons / origafoundation; Lizenz cc by-sa 3.0)

Pier Paolo Pasolini, portrait by italian artist Graziano Origa, pen&ink, 1976OrigafoundationCC BY-SA 3.0

Pino Pelosi, der damals 17jährige Stricher, war womöglich kein Einzeltäter, darauf deuteten 2014 neue Ermittlungsergebnisse hin. Pelosi selbst sagte inzwischen aus, mindestens sechs weitere Männer seien am Tatort anwesend gewesen. zudem sollen DNA-Spuren vion drei Personen auf Pasolinis Kleidung nachgewiesen worden sein.

Petrolio – Der unvollendete Roman

Eines seiner Werke, der Roman „Petrolio“ („Erdöl“), ist unvollendet.  Er gilt als Schlüsselroman, als Enthüllungsroman. Steht die Ermordung von Rasolini am 2. November 1975 in Zusammenhang mit diesem unvollendeten Roman? Dies wurde immer wieder spekuliert. Immerhin, das 21. Kapitel fehlt bis heute …

2010 sei das fehlende Kapitel 21 des unvollendeten Romans wieder aufgetaucht, behauptete ein Senator. Er habe es selbst in den Händen gehabt, und es habe einen „beunruhigenden Inhalt„, teilt er Roman Herzog mit, der dies in ‚Briefe und Kommentare‘ in der aktuellen ‚Lettre‘ berichtet.

Leider sei seine Quelle nie wieder aufgetaucht. Aber immerhin, aufgrund der Ankündigung seien die Ermittlungen über die Umstände der Ermordung Pasolinis wieder aufgenommen worden – immer wieder waren massive Zweifel an der These des ‚Alleintäters‘ Pelosi aufgekommen.

Herzog erinnert in ‚Lettre‘ anlässlich der Geschichte um das fehlende Kapitel 21 an die Zeit Ende der 1970er Jahre in Italien, an die Zeit des „historischen Kompromisses“ zwischen (Euro-) Kommunisten der PCI und Aldo Moros Christdemokraten, an die Ermordung Moros, an die bleierne Zeit danach.

Aldo Moro. PPP. Zwei Morde. Zwei Tabus.

Der Senator berichtet, ebenso wie Herzog, von bizarren Allianzen. Von einem Pakt zwischen abtrünnigen (von Aldo Moros Linie abweichenden) Christdemokraten um Andreotti und Moskau-treuen (und von Berlinguers Linie abweichenden) Kommunisten.

Pasolini – ebenso wie Aldo Moro ein Opfer von Machenschaften, die einem Zweck dienten, dem Aufrechterhalten des status quo?

Nun also neue Ermittlungen zur Ermordung Pasolinis.
Und das fehlende 21. Kapitel?

(Roman Herzog: ‚Pasolini, der Senator, das Buch‘; in: Lettre International 92, Frühjahr 2011)

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Pasolini : Salo oder die 120 Tage von Sodom

Roman Herzogs Lettre-Artikel über Pasolini wartet in einer Fußnote mit einer Information auf, die mir bisher nicht bekannt war: der Film „Salo“ (den ich sehr schätzte) sei aus von Pasolini ursprünglich aussortierten B-Sequenzen (doppelt gedrehten Szenen) erneut zusammengeschnitten worden. Die Originale, von Pasolini ausgewählt, seien verloren und fehlten bis heute.

Ich denke ja, dass Aufsehen erregen ein Recht und Anstoß nehmen ein Vergnügen ist. Wer auf dieses Vergnügen verzichtet, ist ein Moralist, ein so genannter Moralist.
(Pasolini über seinen letzten Film ‘Salo’ in seinem letzten Interview, 31.10.1975)

Pasolini hatte ‚Salo oder die 120 Tage von Sodom‘ kurz vor seiner Ermordung fertiggestellt. Schon wenige Tage nachs einem gewaltsamen Tod wurde der Film in Italien verboten, später auch in Frankreich.

Am 30. Januar 1976 kam Salo in die Kinos in West-Deutschland – unter Schnittauflagen der FSK. Seit 1987 und bis heute darf Salo in Deutschland nicht im TV gezeigt werden.

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01. Februar 2016 zwei Pasolini-Texte zu einem zusammengeführt

 

4 Antworten auf „Pier Paolo Pasolini (1922 – 1975)“

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