meine erste Schwulenbar – Oldenburg 1978

Meine erste Schwulenbar ?

Diese Geschichte spielt in Norddeutschland, Oldenburg im Jahr 1978, an einem trüben Montag Abend, kurz vor 9. Nieselregen. Seit einer Stunde schon streife ich um die Bar herum, kein Licht, Tür zu, nichts. Natürlich stehe ich nicht direkt davor, die Leute könnten ja denken ich sei – – – so einer. Von der gegenüberliegenden Seite des Platzes beobachte ich das Haus, in dessen Erdgeschoß sich die Bar befindet.

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Löwenbrücke im Tiergarten Berlin – seit 2008 eine unendliche Geschichte?

Die denkmalgeschützte Löwenbrücke im Berliner Tiergarten ist bereits seit 2008 gesperrt. Zunächst noch baulich vorhanden, wurde sie inzwischen endgültig entfernt. Ein denkmalgerechter Neubau war in Diskussion, doch die Planungen sind zurückgestellt. Bis auf weiteres bleibt – eine Lücke.

Einst war sie über 17 Meter lang – die Fußgängerbrücke über einen Zulauf zum Neuen See im Berliner Tiergarten. Die 1838 (als Nachbau der Löwen-Brücke in St. Petersburg) errichtete Brücke, die einzige Seilhängebrücke Berlins, war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. 1958 originalgetreu rekonstruiert, wurde sie nach 50 Jahren 2008 gesperrt. Inzwischen ist die denkmalgeschützte Brücke komplett demontiert. Auf den denkmalgerechten Neubau nach historischem Vorbild wird weiterhin gewartet.

Bis 2014 war die seit 2008 gesperrte Holz-Hängebrücke noch vorhanden … hier die Geschichte seit 2008:

Löwenbrücke 2008 – gesperrt

Bereits seit 20. Januar 2008 war die Löwenbrücke, einst u.a. auch das Symbol des schwulen Cruisings im Berliner Tiergarten, aufgrund von Sicherheitsbedenken gesperrt.

Löwenbrücke Gesperrt

Loewenbruecke Gesperrt 2008

Löwen-Brücke Gesperrt 2008

LoewenbrueckeGesperrt03

LoewenbrueckeGesperrt04

2008 – Löwen mit Maske

Im Juni 2008 schließlich zeigte sich einer der Löwen ‚maskiert‘ – er wurde saniert:

Löwe maskiert

Löwe der Löwen-Brücke in Sanierung

2012 – gesperrt aber vorhanden

Auch im Jahr 2012 ist die Brücke weiterhin gesperrt – aber immerhin noch vorhanden (wenn auch weiter verfallend):

Löwen-Brücke, Berlin Tiergarten, Ende Januar 2012
Löwenbrücke, Berlin Tiergarten, Ende Januar 2012

Löwenbrücke 2014

2014 aber sieht es an der Löwen-Brücke so aus:

Löwen-Brücke August 2014
Löwenbrücke August 2014

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Interior. Leather Bar – James Franco dreht vernichtete 40 Minuten von ‚Cruising‘ nach (Trailer)

James Franco (‚Planet der Affen: Prevolution‘) dreht derzeit zusammen mit Travis Mathew die vernichteten 40 Minuten des 1980er Skandal-Films ‚Cruising‘ nach. Ein erster Trailer ist nun veröffentlicht:

Bei seinem Erscheinen (und zuvor schon bei den Dreharbeiten) löste Friedkins Film ‚Cruising‘ massive Proteste aus. Schwulen-Aktivisten warfen dem Film eine homophobe Grundhaltung vor.

Die Kritik an Freidkins ‚Cruising‘-Verfilmung richtete sich vor allem auf drei Punkte: die Gleichsetzung von schwuler Subkultur und Gewalt, die heterosexualisierte Sicht auf Schwule sowie besonders, dass die Hauptperson des Films mit dem Entdecken der eigenen Homosexualität psychotisch wird und zu morden beginnt. Als Beispiel einer möglichen anderen Darstellung wurde oft Felice Picanos Roman ‘The Lure’ (Dt. ‚Gefangen in Babel‘ und ‚Der Köder‘) gesehen, ein Zeugnis schwulen Selbstbewusstseins in den 1970ern.

Cruising‚ -Regisseur William Friedkin selbst wies darauf hin, dass der Film zunächst länger gewesen sei. Um eine bessere Einstufung der Behörden zu bekommen als das ursprüngliche X-Rating (‘aufgrund sexueller oder gewalttätiger Inhalte nicht für Jugendliche geeignet’), habe er etwa 40 Minuten mit Szenen aus New Yorker Schwulen-Bars entfernt, überwiegend Sex-Szenen. Diese entfernten Szenen gelten als vernichtet und endgültig verloren.

Diese verlorenen 40 Minuten vesuchen Franco und Travis nun nachzuempfinden bzw. neu zu interpretieren.

Ob bzw. wann  ‚Interior. Leather Bar‘ (abseits von Festivals) jemals in die Kinos kommt (geschweige denn in Deutschland), ist derzeit unklar. Premiere soll auf dem Sundance Film Festival im Januar 2013 sein.

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taz 20.03.2012: Regisseur Travis Mathews über Pornos: „Das ist fast schon Punk“
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Man’s Country New York – Werbespot der 1970er Jahre

1973 eröffnete in New York ein ‚Bathhouse‘ – das „Man’s Country“. Die beiden Besitzer Chuck Renslow und Charles Fleck hatten die Räumlichkeiten in einem alten Büro-Gebäude bereits 1972 erworben, nach umfangreichen Renovierungsarbeiten eröffnete ‚Man’s Country‘ in 28 W. Fifteenth Street (zwischen 6th und 7th Avenue) in New York 1973.

Das ‚Mans Country‘ in New York wurde bald legendär, wenn auch nicht so bekannt und populär wie das ‚St. Marks Bath‘. Besonders bekannt wurde das ‚Man’s Country‘ für sein ‚Orgien-Zimmer‘. Die Wände der Sauna waren teils dekoriert mit Zeichnungen von ‚Etienne‘ (Dom Orejudos), neben Tom of Finland damals einer der in den USA bekanntesten Vertreter der ‚Leather Art‘.

Eine weitere in Chicago eröffnete Filiale existiert noch heute, die New Yorker Dependance hingegen wurde in den 1980er Jahren geschlossen.

Dieser Werbespot von Mitte der 1970er Jahre (Musik: ‚The Salsoul Orchestra‘) gibt einen Eindruck:

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Leather Archives and Museum: Durk Dehner (1999): Dom Orejudos aka Etienne
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Picano The Lure – Zeugnis schwulen Selbstbewusstseins in den 1970ern

Wie stellt man Schwule in Literatur, in Film dar? Gibt es Mittel und Wege, Schwule unprätentiös, unaufgeregt, ‚echt‘ – und mit Perspektive darzustellen? Finde ich mich da irgendwo wieder? Diese Fragen beschäftigten mich (frisch mein Schwulsein entdeckt, auf der Suche nach meinem Weg), damals Anfang der 1980er Jahre. In deutschsprachiger Literatur und im deutschsprachigen Film kannte ich damals nicht vieles über Schwule. Noch weniger etwas, das ich für mich als beispielgebend empfand.

Fast schon ein Highlight im Vergleich zu den mir damals bekannten, abfälligen Darstellungen Schwuler war zur damaligen Zeit „Die Konsequenz“ (Buch Alexander Ziegler 1975, Film Wolfgang Petersen 1977). Ich kann allerdings kaum sagen, welches von beiden ich (meinen Tagebüchern zufolge schon damals) als weinerlicher empfunden habe, als weiter weg von meiner eigenen Realität.

Dann kamen, kurz aufeinander, der Film ‚Cruising‘ (1979 gedreht, Uraufführung 1980) und der Roman ‚The Lure‘ (1979, deutsch: ‚Gefangen in Babel‘ 1981), auf den mich mein damaliger Lieblings-Buchhändler Dieter vom (inzwischen leider nicht mehr existierenden) schwulen Buchladen ‚Männerschwarm‘ aufmerksam machte. Beide waren auf ihre Weise für mich bedeutend.

Cruising‚ und ‚The Lure‘, beide befassen sich mit der Schwulenszene der USA Ende der 1970er Jahre. Beide behandeln u.a. das ‚Cruising‚, jenes Herumstromern auf der Suche nach schwulem Sex. Eine Insider-Formulierung, die damals noch weit davon entfernt war, ein wie heute umgangssprachlich gebräuchlicher und auch Heteros geläufiger Begriff zu sein. Und beide thematisieren  eine Reihe von Morden an Homosexuellen – allerdings mit grundsätzlich unterschiedlichen, oft konträren Haltungen und Darstellungsweisen.

Felice Picano ‚ The Lure ‚

Noel Cummings ist wie so oft früh morgens mit seinem Fahrrad unterwegs. Ein Geräusch, ungewohnt so früh am  Morgen, weckt seine Aufmerksamkeit. Wird er gerade Zeuge eines Mordes? Von einem etwas zwielichtigen, undurchschaubaren Agenten der New Yorker Polizei lässt er sich überreden, als verdeckter Ermittler in die Schwulenszene der Stadt einzutauchen. Er wird zum ‚Köder‘ (engl. lure) für den Mörder. Noel wird bald zum Objekt der Begierde – und mehr als das. Er wird Subjekt, beginnt seine eigene Homosexualität zu entdecken und, zunächst vorsichtig tastend, zu leben. Taucht dabei tief ein in die New Yorker Schwulenszene, Bars und Bar-Betreiber, wohlhabende Schwule und Männer, die sich engagieren – engagieren wofür? Immer bleibt er dabei auf der Suche – nach dem Mörder, im Auftrag der Polizei. Oder?

The Lure“ war der erste Roman des am 22. Februar 1944 in New York geborenen Felice Picano. Ein Thriller, 1979 veröffentlicht (Lawrence / Delacorte, New York) – und einer der ersten Bestseller mit schwulem Thema überhaupt.
Auf deutsch erschien ‚The Lure‚ erstmals 1981 (m.W. kurz vor der Frankfurter Buchmesse im Oktober 1981) unter dem Titel ‚Gefangen in Babel‚ (Schweizer Verlagshaus Zürich / Droemer Knaur, 1981; Übersetzung Kurt Wagenseil und Heinrich Zweifel). Eine zweite deutsche Ausgabe erschien Jahre später unter dem Titel ‚Der Köder‚ (Albino Verlag Berlin 1993, 2. Aufl. 1996). Zudem gab es kurzzeitig (zum Zeitpunkt des Erscheinens der ersten, damals sehr hochpreisigen deutschsprachigen Ausgabe) einen deutschsprachigen Raubdruckdruck, der in USA gedruckt worden war.

Picano selbst beschreibt ‚The Lure‘ 1996 in einem Interview als „the first and only gay mystery thriller“ – ein Thriller, der zudem erzählte, wie die Schwulenszene der 1970er Jahre entstand (und indirekt an in Vergessenheit geratende Errungenschaften und Heldinnen und Helden erinnert):

„Those who formed gay culture in the 70s did so despite overwhelming opposition and indifference. They didn’t know what they were doing, only that they had to do it. Many, many of them, men and women, are dead of AIDS and cancer. They were heroes. If we stand tall today it’s because we’re standing on the shoulders of giants, princes, queens, and butches. I think we should honor and salute them.“

Felice Picano, Autor von The Lure , 2008 (Foto: wikimedia)
Felice Picano 2008 (Foto: wikimedia)

‚The Lure‘ wirkte bei seinem Erschienen beinahe wie ein Gegen-Entwurf zum kurz zuvor 1980 herausgekommenen (von vielen Schwulen als homophob empfundenen) Film ‚Cruising‘ von William Friedkin. Der (zunächst heterosexuelle) Protagonist entwickelt sich hier nicht wie in ‚Cruising‘ degeneriert  zum mordenden schwulen Zombie, sondern ‚in Richtung eines vollwertigen Schwulseins‘ („in favor of a fully fledged gayness“, Davidson 2005).

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„The Lure“ hat mich damals gefesselt, sehr beeindruckt, ähnlich wie kurz darauf 1982 der Film „Querelle“ von Rainer Werrner Fassbinder.

„The Lure“ war lange Zeit einer meiner schwulen ‚Lieblings-Romans‘ – und ich lese ihn heute noch gerne. Und immer noch empfinde ich ‚The Lure‘ als eine Art Schlüsselroman. Nicht nur als Schlüssel zu einer untergegangenen Zeit (schwulen Lebens vor der Aids-Krise), sondern auch zu einem ‚unschuldige(re)n‘ und zugleich engagierten schwulen Leben.

Und immer noch frage mich, wann wird dieser wegweisende Roman, dieser spannende Thriller endlich verfilmt …

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Lesezeichen
Brian Ray Fruth 2007: „Media Reception, sexual identity, and public space“
Owen Keehnen 1996: „The Best is yet to come: A Talk with Felice Picano“
Guy R. Davidson 2005: Contagious Relations: Simulation, Paranoia, and the Postmodern Condition in William Friedkin’s ‚Cruising‘ and Felice Picano’s ‚The Lure‘

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Cruising (Film) – ‚homophobes Machwerk‘ & ‘Teil der queeren Geschichte’

Er führte zu heftigen Kontroversen und Debatten um Homophobie, und geriet schnell wieder in Vergessenheit: der Film ‚Cruising‘ von William Friedkin aus dem Jahr 1979/1980 mit Al Pacino in der Hauptrolle. Der Film „Cruising“ – ein ‚homophobes Machwerk‘ und zugleich ‘Teil der queeren Geschichte’.

‚Cruising‘

Ein heißer Sommer in New York. Eine Mordserie wühlt die schwulen Lederszene des ‚West Village‘ auf. Leichenteile schwimmen im Hudson River – die Polizei vermutet einen Serien-Killer, der seine Opfer in Schwulen-Bars kennen lernt. Undercover wird ein den Opfern ähnlich aussehender Polizist (Al Pacino als Steve Burns) in die Szene eingeschleust, dem sadistischen Täter auf der Spur. Der (nota bene heterosexuelle) Polizist entdeckt in den Bars des Village eine Szene der Drogen und des hemmungslosen Sex – und sieht sich mit seinen eigenen homosexuellen Anteilen konfrontiert. Er verdächtigt bald einen Barkeeper als Täter, von dem die Polizei mit Gewalt ein Geständnis  zu bekommen versucht. Doch die Spur erweist sich als falsch. Ist der wahre Täter unter den Schwulen zu suchen? Oder an ganz anderer Stelle?

‚Cruising‘, US-Trailer

William Friedkin drehte den Film ‚Cruising‘, zu dem er auch das Drehbuch verfasste, auf Basis des gleichnamigen 1970 veröffentlichten Romans des ‚New York Times‘-Autors Gerald Walker.

Friedkin filmte großenteils vor Ort in New Yorks Schwulenszene, im Greenwich Village, in schwulen Bars wie ‚Badlands‘, ‚Eagles Nest‘, ‚Ramrod‘. Und er zeigte ursprünglich viel vom schwulen Leben in den Bars. Friedkin selbst wies später darauf hin, dass der Film zunächst länger gewesen sei. Um eine bessere Einstufung der Behörden zu bekommen als das ursprüngliche X-Rating (‚aufgrund sexueller oder gewalttätiger Inhalte nicht für Jugendliche geeignet‘), habe er etwa 40 Minuten mit Szenen aus New Yorker Schwulen-Bars entfernt, überwiegend Sex-Szenen.

Uraufführung von ‚Cruising‘ war am 8.2.1980 (Release 15.2.1980) in New York. Die Kritiker zeigten sich von dem Film wenig angetan, an den Kinokassen war er international mäßig erfolgreich. Auch in Deutschland war ‚Cruising‘ kein großer Kassenschlager – nur 550.000 Zuschauer wollten den Film sehen.

‚Cruising‘ wurde für einen Preis nominiert: 1981 gleich dreifach für die ‚Goldene Himbeere‘ ‚(1st Golden Raspberry Award‘), in den Kategorien schlechtester Film, schlechtestes Drehbuch und schlechteste Regie. Es blieb die einzigen Preis-Nominierung dieses Films.

Das „Lexikon des Internationalen Films“ beschreibt ‚Cruising‘ trocken folgendermaßen:

„In der übertrieben auf nervenzerrende Effekte getrimmten Story mit brutal inszenierten Morden geht die Thematik von der Brüchigkeit humaner und sozialer Normen schnell verloren. Den Film interessiert allein die atmosphärische Ausbeutung des Milieus, das er als Inferno darstellt.“

Cruising – Proteste schon vor der Premiere

Bereits bei den Dreharbeiten zu ‚Cruising‘ kam es zu Protesten von Schwulen, die Dreharbeiten wurden gestört (auch wenn gleichzeitig Teile der schwulen Leder- und S/M-Szene New Yorks begeistert an den Dreharbeiten als Statisten mitwirkten). Über eintausend Demonstranten forderten in einem Protestmarsch die Stadt New York auf, ihre Unterstützung bei den Dreharbeiten zu beenden.

Demonstranten befürchteten, der Film könne zu einem Anstieg der Hass-Verbrechen (hate crimes) gegen Schwule führen. Insbesondere drei Dinge standen im Mittelpunkt dieser Proteste: die Gleichsetzung von schwuler Subkultur und Gewalt, die heterosexualisierte Sicht auf Schwule sowie besonders, dass die Hauptperson des Films mit dem Entdecken der eigenen Homosexualität psychotisch wird und zu morden beginnt (ein Vorwurf, dem Friedkin mit einem anderen Schnitt des Film-Endes, der diese Deutung offen lässt, meinte begegnen zu können).

Hauptdarsteller in Cruising - Al Pacino 1996 bei den Filmfestspielen in Cannes (Foto: G. Biard)
Hauptdarsteller in Cruising – Al Pacino 1996 bei den Filmfestspielen in Cannes (Foto: G. Biard)

Friedkin betonte angesichts der bald einsetzender Proteste, ‚Cruising‘ handele nicht von Homosexualität, er fälle keine Werturteile (eine Sichtweise, die er auch 2007 in einem Interview wiederholte).

„I’m trying to present a portrait of a group of people who get their sexual kicks in ways that society doesn’t approve, but I’m making no personal judgement of these people.“

Genau diese Beurteilungen würden – selbst falls Friedkin recht haben sollte – dennoch vom (fehlinformierten, vorurteilsbehafteten) Zuschauer getroffen, entgegneten ihm Kritiker. Umso mehr, als der Film sich um Authentizität bemühte.

Bald ergänzte Friedkin auf Anraten des um Rat gebetenen schwulen Autors John Rechy den Film um den Hinweis (der später in der 2007/2008-DVD-Version des restaurierten Films wieder fehlt):

„This film is not intended as an indictment of the homosexual world. It is set in one small segment of that world, which is not meant to be representative of the whole.“

Später allerdings merkte Friedkin an, dieser Hinweis sei ihm vom Verleiher United Artists „zur Beschwichtigung der Schwulengruppen“ aufgenötigt worden, damit der Film überhaupt zur Aufführung gelangen könne. Vito Russo, schwuler Film-Historiker, hingegen kommentierte in ‚The Celluloid Closet‘ trocken, welcher Regisseur würde solch eine Anmerkung ergänzen, wenn er wirklich überzeugt sei, dieser Film würde nicht als Darstellung der Schwulenszene in ihrer Gesamtheit gesehen werden. Diese Anmerkung sie „ein Schuldeingeständnis“:

„This disclaimer is an admission of guilt.“

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Al Pacino äußerte sich im Dezember 1979 (vor Uraufführung des Films 1980) im Interview mit Lawrence Grobel zu ‚Cruising‘. Der Film sei sein kontroversestes Projekt. Beim Lesen des Drehbuches sei ihm nie der Gedanke gekommen, der Inhalt könne homophob (‚antigay‘) sein. Er habe sich nicht vorstellen können, dass der Film solche Reaktionen hervorrufe. Vielleicht sei er mit seiner heterosexuell geprägten Herangehensweise nicht sensibel genug mit dem Thema umgegangen. Falls die Schwulen-Community sich in schlechtem Licht dargestellt fühle, auch wenn er das nicht hoffe, sei es gut wenn sie protestiere.

Auch 2008, ebenfalls im Gespräch mit Grobel (in: Lawrence Grobel: Al Pacino), bestätigte Pacino, ‚Cruising‘ sei sein kontroversestes Projekt gewesen, einfach kein sehr guter Film, aber nicht sein schlechtester Film.

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The phobia that that film refelcted seemed to anticipate the widespread renewal of fear and suspicion and supersticion that began as the first recorded deaths from AIDS began to be reported in the autumn of 1981.
(David Robinson über Friedkins ‚Cruising‘, European gay review Nr. 2, 1987)

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William Friedkin ‚ Cruising ‚ – ein Wiedersehen nach 30 Jahren (das ich nicht wiederholen muss) (10. Juli 2012)

Arte zeigt am Montag 9.7.2012 um 22:10 Uhr (Wiederholung 26.07.2012 um 00:50 Uhr) den Film ‚Cruising‘ mit Al Pacino in der Hauptrolle – ein ’sehenswertes homophobes Machwerk‘, das zudem nicht ganz unbedeutend ist in der Geschichte der Darstellung Schwuler im Film.

Homophobie – kann die sehenswert sein?

Ja – denn ‚Cruising‘ scheint mir für einige Mechanismen, Argumente und Denkweisen homophober Darstellung von Homosexuellen geradezu exemplarisch zu sein.

Nach über 30 Jahren sehe ich wieder den Film ‚Cruising‘ mit Al Pacino. Damals, Anfang der 1980er Jahre, empfand ich ‚Cruising‘ als ‚homophobes Machwerk‘. Konnte die massiven Proteste, die der Film in den USA, besonders in New York auslöste, nur zu gut verstehen.

Inzwischen sind über 30 Jahre vergangen. Die Rezeption des Films ist teils eine andere als damals, lese ich beim Recherchieren im Internet. Selbst das französische Schwulen-Magazin ‚Tetu‘ sieht in dem Film heute einen „gut gemachten Thriller“ („Avec le recul, on découvre aujourd’hui un thriller très bien mené …“).

Wie empfinde ich den Film ‚Cruising‘ heute – 30 Jahre später?

Nein, dies wird kein Versuch einer dilettierenden ‚Film-Kritik‘ [die hätte ich mir von anderer, kompetenter Stelle erhofft ;-)].

Stattdessen:
Spontane Gedanken, gesammelte Impressionen, Ideen, mit der Frage im Hintergrund, wie homophob der Film auf mich heute wirkt – oder vielleicht auch nicht. Impressionen, live mitgeschrieben, während ich auf Arte den Film schaue, und hinterher nur leicht redigiert:

  • In Teilen der der im Film dargestellten schwulen Szene fühle ich mich seltsam ‚zuhause‘. Ein Flashback in eine Zeit vor Aids, eine Zeit, die ich glücklicherweise erleben durfte.
  • Ist mir damals gar nicht aufgefallen, wie gut die Musik zum Film ist? War das Willy de Ville mittenmang?
  • die Leder- / SM-Kerle in den Bars wirken auf mich oft wie dahin gestellt, seltsam dressiert, Staffage, um einen bestimmten Zweck zu erreichen. Nicht wie eine lebendige Leder-Kneipen-Szene. Andererseits, vorgeführt werden sie nicht.
  • die Phasen, in der der Cop seine eigenen schwulen Anteile entdeckt, befremden. Darsteller wirken auf mich stellenweise wie aufgezogene Tanzbären, unter Drogen verändert er sich,  der Zuschauer wendet sich innerlich ab, der Cop wird schwul angesichts der (ihn umgebenden, schwulen) Verhältnisse, und zuhause wartet sehnsüchtig sein braves Mädchen, die Wohnung geputzt, das Essen steht bereit – wie homophob ist das?
  • SM-Praktiken werden als Schocker, als Grusel-Panoptikum präsentiert. Die beteiligten Schwulen als bizarre abschreckende Gestalten dargestellt – die dann unter Druck (Skip, der fälschlicherweise verdächtigte Schwule) sofort zu weinerlichen Memmen werden. Womöglich noch mit Vater-Komplex. Befremdlich wirkt das auf mich. Homophob?
  • Irgendwann gegen Ende des Films frage ich mich: gibt es in dem Film eigentlich auch sympathisch dargestellte Homos, irgendwann? Und finde keine Antwort.
  • ‚heterosexualisierte Präsentation von Schwulen‘? Ja, diesen Vorwurf kann ich nachempfinden. Warum? Es ist zunächst nur ein mitschwingender, doch immer wieder anklingender Eindruck. In dem Film scheint einer von zwei Schwulen immer der harte Kerl, der andere der Softi, oder gar die Memme sein zu müssen. Angst (der handelnden Personen) wird zu oft mit Schwäche assoziiert. Zwei Männer begegnen sich (im Film) fast immer nur im Kräftemessen, im ‚wer ist der stärkere, wer hat den längeren‘.

Der Film ist zuende. Wie war’s?
– denn Plot finde ich eigentlich vergleichsweise langwelig. Das Gefühl bleibt zurück ‚hätte man mehr draus machen können‘.
– der Schluss ist, insbesondere wenn man die friedkinschen Veränderungen am Schluss nicht kennt, unbefriedigend bis langweilig.
– Esprit, Witz, gar Ironie funkeln in ‚Cruising‘ nur äußerst versteckt und sehr selten auf.
– Mir fällt auf, der ‚Rechy-Satz‘ fehlt (wie auf der 2007er DVD).
– Seltsam, während des ganzen Films hab ich nicht an Aids gedacht. Aber jetzt hinterher. Wie viele der Darsteller, der Komparsen, leben wohl heute noch? Friedkin selbst wies in einem Interview darauf hin, dass viele der am Film Beteiligten an den Folgen von Aids gestorben sind- Al Pacino äußert sich in Interviews selten zu diesem Film. Scheint ihn beinahe zu meiden. Nun würde mich noch mehr interessieren warum

Warum der Film von einigen Kritikern heute geradezu gefeiert wird, kann ich nicht nachvollziehen. Als Thriller finde ich ihn (heute) mäßig (Tetu irrt hier m.E.), als Krimi nur bedingt unterhaltsam. Interessant höchstens als ‚Blick zurück‘, auf eine schwule Welt, die nicht mehr ist.

Zusammengefasst:

  • heterosexualisierte (heteronormative?) Präsentation von Schwulen? Ja – diesen damaligen Vorwurf kann ich auch heute verstehen (s.o.).
  • Homophobie? Ja, es gibt Szenen, Grundhaltungen in dem Film, bei denen ich Homophobie als latent im Hintergrund mitschwingend empfinde.
  • einige damalige Reaktionen empfinde ich heute als überspitzt. Einige damalige Aufregungen kann ich heute nicht mehr ganz verstehen.
  • ich frage mich aber, ob der Film damals zugespitzt, über-kritisch wahrgenommen wurde, oder ob nur mein Urteil heute, älter, mit Abstand, milder ausfällt?

insgesamt: möge die Zeit über den Film hinweg gehen …

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Die Rezeption von ‚Cruising‘ hat sich im Laufe der Zeit verändert. Äußerungen mancher Kritiker sind milder geworden. Bill Krohn bezeichnet ihn 2004 als eine „offensive Anomalie“ und „seiner Zeit voraus„. Adrian Martin feiert ‚Cruising‘ gar 2008 als ‚Meisterwerk des Kinos der 80er Jahre‘, interpretiert ihn als Film über ein ganzes soziales System aus sexueller Repression und mörderischen Impulsen („entire social system running on sexual repression and twisted, murderous impulses„).

ARTE selbst kommentiert die Ausstrahlung 2012 mit den Worten

„Tatsächlich ist der Film mehrdeutig, was seine Darstellung der Schwulenszene angeht, und viel hängt von der Wahrnehmung der schonungslos inszenierten Bilder ab.“

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Über ‚Cruising‘ ist die Zeit hinweg gegangen, der Film ist heute nur noch wenig bekannt.

‚Cruising‘ allerdings hatte, gerade aufgrund seiner latenten Homophobie, doch eine Wirkung: der Film wurde zum Auslöser massiver Proteste in den USA. Und führte so dazu, dass Hollywood sich erstmals massiv  mit Kritik daran konfrontiert sah, wie es bisher Schwule und Lesben darstellte. „Schluß mit dem ‚queer bashing‘!“, war dieser Tenor der Proteste.

Damit wurde ‚Cruising‘ auch, wie Raymond Murray, Herausgeber einer US-Enzyklopädie schwuler und lesbischer Filme, 1995 vermerkte, Synonym dafür, „wie ein verängstigtes Hollywood eine entrechtete Minderheit behandelte“ – und ist auf diese Weise doch „Teil der queeren Geschichte“.

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Lesezeichen:
Guy Davidson, “Contagious Relations: Simulation, Paranoia, and the Postmodern Condition in William Friedkin’s Cruising and Felice Picano’s The Lure,” GLQ 11.1 (2005): 23-64
Alex Simon: CRUISING WITH BILLY – Director William Friedkin restores his controversial classic for a new audience—and a new age. (Interview mit ‚Cruising‘-Regisseur William Friedkin, 2007)
Robin Wood 1986: The Incoherent Text
Bill Krohn 2004: Friedkin out
Vito Russo: The Celluloid Closet – Homosexuality in the movies. New York 1981

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Text zuletzt aktualisiert 28. Dezember 2016

Schellfischtunnel Einfahrt Hafen

Schellfischtunnel Einfahrt : Der Schellfischtunnel, war einst eine wichtige Güterverkehr-Verbindung im Altonaer Hafen: Und der Schellfischtunnel war zudem beliebtes schwules Cruising-Gebiet (besonders der Leder-Szene).

Seit seiner endgültigen Schließung gerät er zunehmend in Vergessenheit – auch wenn die Einfahr in den Schellfischtunnel weiterhin „zu entdecken“ ist – hinter dem Gebäude des ‘elbberg campus @altona’:

Schellfischtunnel, Einfahrt Hafen Altona
Schellfischtunnel, Einfahrt Hafen Altona
Schellfischtunnel, Einfahrt Hafen Altona
Schellfischtunnel, Einfahrt Hafen Altona

(Fotos Mai 2012)

Schellfischtunnel – einst beliebter Ort schwulen Cruisings

Der Altonaer Hafenbahn-Tunnel (im Volksmund ‚ Schellfischtunnel ‚ genannt) war bis 1992 wichtiger Bestandteil des Hafenbetriebs – und einst in Hamburg ein bei Schwulen, besonders in der schwulen Lederszene, beliebtes Cruising-Gebiet.

Er ist der älteste Eisenbahntunnel in Norddeutschland, der ‚ Schellfischtunnel ‚. Ab 1874 wurde er gebaut, am 18. Januar 1876 eröffnet. Er verbindet den Altonaer Bahnhof mit den erheblich tiefer liegenden Anlagen des Neumühlener Kais und des Fischereihafens. Zur Überwindung des Höhenunterschieds ist der zur Elbe gelegene Teil des Schellfischtunnels eine lang gezogene Rampe.

Die Geneigte Ebene in Altona um 1855, Ölgemälde von Georgine Fries
Die Geneigte Ebene in Altona um 1855 (weit vor dem Bau der Schienenwege), Ölgemälde von Georgine Fries

Die Lage des hafenseitigen Eingangs zum Schellfischtunnel zeigt gut das Modell ‚Hafenanlagen in Hamburg und Altona‘, das für den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung 1900 in Paris erstellt wurde. Das Modell ist im Museum für Hamburgische Geschichte zu sehen:

Eingang zum Schellfischtunnel (Modell 'Hafenanlagen in Hamburg und Altona, 1900)
Eingang zum Schellfischtunnel (Modell ‚Hafenanlagen in Hamburg und Altona, 1900)

Der ‚Schellfischtunnel‘ war Bestandteil der Altonaer Hafenbahn, die ausschließlich für den Güterverkehr genutzt wurde. Das Tunnelgewölbe von 1876 wurde in den 1930er Jahren umfangreich saniert. Im Zweiten Weltkrieg dienten die Tunnel vielen Altonaer Bürgern als (inoffizieller) Luftschutzraum. Noch in den 1950er Jahren wurde der Tunnel erweitert, eine Expressgut-Abfertigung mit Tunnelerweiterung entstand im Ostteil des Altonaer Bahnhofs.

Schienenanlagen Hafenbahn Altona
Schienenanlagen Hafenbahn Altona

Nach 1945 verlor der Handel mit Frischfisch zunehmend an Bedeutung. Der 1911 aufgenommene elektrische Betrieb im Tunnel (eine der ersten elektrifizierten Strecken in Deutschland überhaupt) wurde 1954 wieder eingestellt. Stattdessen wurden wieder Dampfloks eingesetzt, ab 1956 auch Dieselloks. Doch das Verkehrsvolumen auf der Altonaer Hafenbahn  ging immer weiter zurück, die Zahl der Beschäftigten sank von einst 16 auf 1978 nur noch 2 Mitarbeiter. 1978 stellte die Deutsche Bahn den Betrieb ein, das Hamburger Amt für Strom- und Hafenbau übernahm den Betrieb der Altonaer Hafenbahn bis zum Beginn der 1990er Jahre.

Andere Nutzer ‚entdeckten‘ den Schellfischtunnel nach 1945 für sich – er wurde (gemeinsam mit der nahe gelegenen Klappe an der Großen Elbstraße) zu einem beliebten Schwulen-Treffpunkt.

‚Cruising im Schellfischtunnel‘ – insbesondere für Ledermänner in den 1970er und 19890er Jahren war der Schellfischtunnel ein beliebter und ‚heißer‘ (wenn auch nicht besonders ‚wohlriechender‘) Treffpunkt. Und ein sicherer Treffpunkt, galt er doch als sicher vor Überfällen und Polizei-Razzien. Ein Zeitzeuge:

Anfang der 70-er Jahre bin ich häufig zum Schellfischtunnel gefahren. Lernte ich in der knatschengen Klappe einen Lederkerl kennen, gingen wir in den dunklen Tunnel. Dort ging es dann zur Sache. Das einzig Störende war der bestialische Fischgestank. Am Rande der Schienen standen Tonnen und Kisten mit Fischresten, die auch massenhaft Fliegen anzogen.“ [1]

Der Schellfischtunnel wurde bis 1992 genutzt, wobei die Einstellung des Güterverkehrs bereits 1989 erfolgte – zuletzt hatten nur noch zwei bis drei Transporte pro Monat stattgefunden. Mit Abwanderung der letzten Nutzer  (zuletzt noch durch ‚Protank‘, ‚Transthermos‘) wurde die Altonaer Hafenbahn aufgegeben, der Tunnel wurde geschlossen. Immer wieder standen in den vergangenen Jahren Überlegungen im Raum, den Tunnel zu reaktivieren (z.B. für den öffentlichen Nahverkehr), keine davon war bisher erfolgreich.

das verschlossene Südportal des Schellfischtunnels (Foto: Flo Beck)
das verschlossene Südportal des Schellfischtunnels (Foto: Flo Beck)

Seit Mitte der 1990er Jahre entsteht auf dem früheren Hafengebiet ein modernes Büro- und Geschäftsviertel. Der Bahnsteig am südlichen Ausgang des Schellfischtunnels ist inzwischen integriert in das Gebäude ‚elbberg campus @altona‘.

Zugänglich ist der 961 Meter lange Schellfischtunnel heute nicht mehr – außer einmal im Jahr am ‚Tag des offenen Denkmals‘ (zweites September-Wochenende), dann finden Führungen durch den Tunnel statt (Anmeldung empfohlen).

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[1] zitiert in Rosenkranz / Lorenz: Hamburg auf anderen Wegen. 2. Auflage Hamburg 2006

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Zanzi-Bar Älteste Schwulen-Bar Europas schließt 2010 – nach 125 Jahren

Eine Eisdiele ersetzt die “ Zanzi-Bar ” – in Cannes schließt Ende 2010 die älteste Schwulen-Bar Europas, nach 125 Jahren.

125 Jahre am gleichen Platz – das ‘Zanzi-Bar’ war eine Institution in Cannes an der französischen Mittelmeerküste. Ein Treffpunkt homosexuellen Lebens – Jean Cocteau verkehrte hier ebenso wie Jean Marais, Klaus Mann oder Frédéric Beigbeder. Doch nach 125 Jahren ist Schluss- die ‘Zanzibar’ wurde Ende 2010 geschlossen, wich einer profanen Eis-Diele.

die Zanzi-Bar 1997 (Foto: Stefan M. Weber)
die Zanzi-Bar 1997 (Foto: © Stefan M. Weber)

Der letzte Eigentümer der ‘Zanzibar’ Jean-Marie Wawruszczak, 60, bedauerte die Schließung selbst. Wawrusczak war 13 Jahre Chef der ‘Zanzibar’. Er habe sich über ein Jahr lang bemüht, einen seriösen Nachfolger für seine von den Gästen liebevoll ‘Zanzi’ genannte Bar zu finden – vergeblich. Letztlich seien Übernahmen meist an fehlenden Mitteln (Wawruscak forderte zwischen 350.000 und 400.000€) gescheitert.

Neben dem zunehmenden Wettbewerb sei auch eine deutliche Mieterhöhung von 1.500 auf 3.500 € monatlich Grund für ihn, aufzugeben. Zudem werde das Nachtleben in Frankreich zunehmend durch gesetzliche Regelungen erdrückt.

1885 wurde die ‘Zanzi-Bar’ als Matrosen-Kneipe eröffnet. Klaus und Erika Mann schrieben 1931 über die Zanzi-Bar

„Wer kleine Kneipen mit einem etwas speziellen Einschlag gern hat, kann an dem Platz hinterm Hafen die Zanzi-Bar aufsuchen …“.

Und Klaus Mann vermerkte 1949 in seinem Tagebuch

„Zanzi-Bar: Louis“

und am 20. Mai

„22 h: Louis (Zanzi-Bar)“

Es war der letzte Eintrag in seinem Tagebuch vor seinem Selbstmord am darauf folgenden Tag.

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Dank an Stefan M. Weber für das Foto!

Comeback des Cruising?

Gibt es ein Comeback des Outdoor-Cruisings? Ja, meint zumindest die Schwulen-Zeitschrift ‘Tetu’ in Frankreich zu beobachten.

Früher waren sie Paradiese gleichgeschlechtlicher Begegnung – Stadtparks, Baggerseen, bestimmte Wälder. Manche von ihnen errangen überregionale Berühmtheit als Orte der mann-männlichen Kontakt-Anbahnung, wie das Cruising-Gebiet nahe der Siegessäule in Berlin (mit der bekannten, inzwischen seit Jahren gesperrten Löwenbrücke), oder die Tuilerien in Paris.

Doch die Hoch-Zeit des nächtlichen (und stellenweise täglichen) Crusings ist längst vorbei. Viele Parks sind wieder in den Zustand unauffällig-langweiliger Grünanlagen zurück gekehrt, andere haben deutlich an Besucher-Frequenz eingebüßt. Chat- und Dating-Portale im Internet werden oft als ein Grund angenommen, HIV und Aids als ein weiterer.

Doch nun meint die französische Schwulen-Zeitschrift ‘Tetu’ zu beobachten, dass sich das Outdoor-Cruising wieder zunehmender Beliebtheit unter französischen Homos erfreue. Sie meldet “Drague en plein air: c’est reparti!” (“Freiluft-Cruising: wieder zurück!”).
Im ‘Bois de Vincenns’, einst (vor zwanzig Jahren) Schauplatz wildesten schwulen Cruisings, tummele sich inzwischen wieder auch schwules Leben, ähnlich wie in den Tuilerien, einst -neben dem Canal St. Martin und den Quais) einer der ‘lebendigsten’ Orte des schwulen Nachtlebens von Paris.

Nach Jahren der elektronischen Begegnung steht manchen vielleicht wieder der Sinn nach realem Tête à Tête …

Tetu 26.09.2010: Drague en plein air: c’est reparti!
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