Wiener Porno-Identität – porn identity

Zuletzt aktualisiert am 24. Februar 2017 um 9:46

Pornographie und Kunst stehen im Mittelpunkt einer Ausstellung in der Kunsthalle Wien. Porn identity –  Kunst? Porno? Spektakel?

“Die Sexualität ist die Triebkraft unseres Lebens”, betont Kunsthallen-Direktor Gerald Matt, bekannt für seine publikumswirksamen Ausstellungen. Und zeigt dem Publikum nun unter dem Titel ‘The Porn Identity’ “Expeditionen in die Dunkelzone”.

Porno ist überall, jeder ist Porno, wenn er will.
Von Anzeigen bis Pop-Video, von Erotik-Messe bis Pay-TV und literarischen Feuchtgebieten – Porno ist längst nicht mehr nur die Domäne schmieriger Hinterzimmer und Kaschemmen. Die Gesellschaft wird sexualisiert, pornografiert. Porno ist scheinbar nahezu Mainstream.
Warum dann nicht auch Porno als Kunst?

Deftig, deutlich geht es zu in der Wiener Ausstellung.

Eines der bemerkenswerten Exponate: eine Rekonstruktion eines Polizei-Überwachungsvideo von 1962, das schwulen Klappensex zeigt (‘Mansfield 1962′ von William E. Jones). Strafverfolgung, Homosexuellenverfolgung von einst – inzwischen zur Kunst gewandelt?

Elmgreen Dragset (die auch das Berliner ‘Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen‘ schufen) sind mit einer ‘Queer Bar’ vertreten, die sich auf Foucault und seine “machtverweigernden Architekturentwürfe” (so der Begleittext) bezieht.

Immerhin, Porno ist noch nicht so allgemein akzeptierst, als dass die Ausstellung frei zugänglich wäre. “Zutritt ab 18″ heißt es auch in Wien …

Eine offene, aufgeschlossene Auseinandersetzung der Kunst, des Kunstbetriebs, der Museen mit Porno ist noch selten – Wien hat hier einen bemerkenswerten Aufschlag gemacht.
Allerdings mit einer Ausstellung, die manchmal ein schales Gefühl hinterlässt – geht es um mehr als geschmäcklerisches Spektakel? Wo ist die tiefere Auseinandersetzung mit Porno, z.B. damit welche Auswirkungen Porno und dessen ‘Normalisierung’ auf unser Zusammenleben, unser Sexleben, unser Geschlechteridentitäten hat? Oftmals vermittelt die Ausstellung den Eindruck, zu sehr im Oberflächlichen zu verharren.
Sperma als Kunst-Objekt (Terence Koh), Dildos zu Kubrick  – zum Schluss bleibt oftmals, so auch in Wien, die Frage – ist es Kunst? ist es Porno?

The Porn Identity – Expeditionen in die Dunkelzone
Kunsthalle Wien Museumsplatz 1, 1070 Wien
bis 1. Juni 2009, Halle 2
täglich 10 – 19 Uhr, Do 10 – 22 Uhr

weitere Informationen:
FR 23.02.2009: Hosen runter
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