Rolf Italiaander (1913 – 1991)

Zuletzt aktualisiert am 21. Februar 2018 um 0:35

Der Schriftstellers, Übersetzers und Ethnografen Rolf Italiaander engagierte sich auch für die Rechte Homosexueller. Er starb am 3. September 1991. Sein Grab befindet sich in Hamburg auf dem Friedhof Ohlsdorf.

Rolf Italiaander wurde am 20. Februar 1913 in Leipzig geboren. Er gründete nach dem 2. Weltkrieg in Hamburg zusammen mit Hans-Henny Jahnn (Grab Hans Henny Jahnn in Hamburg-Nienstedten) und anderen die ‚Freie Akademie der Künste in Hamburg‘. Über 20 Jahre war er deren Generalsekretär.

Rolf Italiaander – Einsatz für die Rechte Homosexueller

1951 schrieb Italiaander, veranlasst durch die ‚Frankfurter Homosexuellen-Prozesse‘, das Stück „Das Recht auf sich selbst„. Es war das erste Nachkriegs-Theaterstück zum Thema Homosexualität. Am 2. April 1952 wurde es von Ida Ehre an den Hamburger Kammerspielen uraufgeführt.

1959 organisierte Italiaander auf Anregung von Michel Foucault im Hamburger ‚Institut Francais‘ (dessen Direktor Foucault 1959/60 für ein Jahr war) eine Ausstellung mit Kupferstichen afrikanischer Künstler.

Immer wieder lieferte er Texte für Homosexuellen-Magazine der Zeit. Insbesondere schrieb er für ‚Club 68‘, für den er 1969 [im Jahr des Stonewall-Aufstands!] den Text „Selbstverwirklichung und Integration der Homophilen“ verfasste (in Ausgabe 2/1969). Zudem veröffentlichte er in ‚Der Kreis‘, für den er auch Photographien und Zeichnungen lieferte, u.a. einen langen Aufsatz über Jean Genet. Dieser Genet-Aufsatz war die Basis für Italiaanders Text „Jean-Paul Sartre über Jean Genet„. Dieser Text war der bei Rowohlt 1955 erschienenen und nur auf Bestellung erhältlichen ersten deutschen Ausgabe von Genets „Querelle“ beigefügt.

Ende der 1960er Jahre zählte Italiander zu den bedeutendsten Unterstützern einer Reform des §175. 1968 veröffentlichte er als Herausgeber im Hamburger ‚Gala Verlag‘ mit „Weder Krankheit noch Verbrechen – Plädoyer für eine Minderheit“ eine Sammlung von Aufsätzen, Essays und Texten Prominenter, die sich gegen den Paragraphen 175 aussprachen.

Rolf Italiaander, Grabstätte Friedhof Hamburg Ohlsdorf, 2012
Rolf Italiaander, Grabstätte Friedhof Hamburg Ohlsdorf, 2012

Rolf Italiaander starb am 3. September 1991 in Hamburg. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Ohlsdorf (Hamburg).

In einem alten Bauernhaus, das Italiaander gemeinsam mit seinem Partner Hans Ludwig Spegg erworben hatte, gründete er 1970 das ‚Museum Rade im Naturpark Oberalster‘, das seine Kunstsammlung beherbergt. Das Museum zog 1987 um in eine Villa am Reinbeker Mühlenteich, ‚Museum Rade am Schloss Reinbek‘.

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6 Antworten auf „Rolf Italiaander (1913 – 1991)“

  1. Danke! Schön zu wissen, dass außer mir noch jemand die Erinnerung an diesen wichtigen und faszinierenden Vorkämpfer schwuler Emanzipation hochhält! Bei mir ist es noch nicht lange her, dass Italiaander viel mehr als irgendein Name ist, der im Zusammenhang mit Jahnn auftaucht. Alles, was ich seither von und über Italiaander gelesenn habe, hat mich aber überzeugt, dass der Mann völlig zu Unrecht praktisch vergessen ist.

  2. Danke, MERCI, „2mecs“, fuer diese wichtige Informationen ueber Rolf Italiaander – es ist eine besonders wichtige Leistung, meine ich, dass hier Rolf Italiaanders Lebenspartner Hans Ludwig Spegg Erwaehnung findet. Das Bild von dem gemeinsamen Grab von Italiaander und Spegg ist auf alle Faelle eindrucksvoll. Mir faellt auf, dass die beiden innerhalb von wenigen Monaten (im Jahr 1991) gestorben sind.

    Aber was mir noch viel mehr auffaellt, ist das totale Fehlen von solchen Informationen und von irgendeinem Hinweis auf Spegg auf – zum Beispeil – den Webseiten des Museums Rade. Der Inhalt von dem Museum Rade ist, so meine ich, die „Sammlung Italiaander-Spegg“ – eine Sammlung, die beide Maenner gemeinsam aufgebaut haben. Sie lebten zusammen; sie liegen zusammen begraben unter einem Grabstein, wie Ihr hier zeigt. Aber: das Museum Rade will das anscheinend nicht wahrhaben. Auf dessen Webseiten wird Spegg kein einziges Mal erwaehnt. Die lange Biographie dort von Italiaander laesst niemanden erraten, dass Italiaander ueberhaupt schwul war: kein Wort deutet darauf hin. Seine Schriften und Leistungen im Kampf gegen Ungerechtigkeit (naemlich Para. 175) – die Ihr hier wuerdigt – werden in dem sonst sehr ausfuehrlichen Lebensbild gar nicht erwaehnt. Auch ein laengerer Artikel in der „Zeit“* ueber die Sammlung im Museum Rade nennt Spegg ganz und gar nicht – und sagt nichts ueber Italiaanders Texte und sein Engagement (wie Ihr das oben ausdrueckt) „fuer die Rechte Homosexueller“. Da es dieses merkwuerdige Schweigen und Verschweigen immer noch gibt – noch heute, 2014! – ist Euer Beitrag hier umso mehr zu schaetzen.

    James Baaden, London

    (* Zeit -Artikel: http://www.zeit.de/2011/20/Museumsfuehrer-Rade)

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