Jean-Luc Romero -Michel

Zuletzt aktualisiert am 1. Juli 2019 um 8:01

Der französische Politiker Jean-Luc Romero-Michel ist 2002 der erste Politiker Frankreichs, der seine HIV-Infektion öffentlich machte. 2016 wurden er und sein Ehemann homophob bedroht, der Täter wurde verurteilt. Am 29. Mai 2018 starb überraschend sein Ehemann Christophe Michel – Romero im Alter von 31 Jahren.

Jean-Luc Romero (geb. 30. Juni 1959 in Béthune) ist offen schwuler Politiker der PS (früher Mitglied der UMP) und Vize-Bürgermeister für Kultur und Tourismus (12. Arrondisement von Paris). Er ist Mitglied der Gruppe RCDEC (Radical, Citoyen, Démocrate, Ecologiste et Centriste) im conseil régional d’Île-de-France.

Seit 27. September 2013 war Jean-Luc Romero mit seinem Lebenspartner Christophe Michel – Romero († 29. Mai 2018) verheiratet.

Romero ist der erste Politiker Frankreichs, der seine HIV-Infektion der Öffentlichkeit mitteilte (im Mai 2002). Seit 1995 ist er Vorsitzebnder der von ihm gegründeten Gruppierung ELCS (Élus locaux contre le sida; Abgeordnete gegen Aids).

Seit 2005 ist er Mitglied des ‚Conseil national du sida‘ (französisches Pendant zum in Deutschland 2016 abgeschafften Nationalen Aids-Beirat), seit 2010 Präsident (als erster offen Positiver) des CRIPS (Centre régional d’information et de prévention du sida) Île-de-France.

Jean-Luc Romero (Foto: Claude_Truong-Ngoc, September 2013)
Jean-Luc Romero (Foto: Claude Truong-Ngoc, September 2013)

Jean-Luc Romero en septembre 2013. Claude Truong-Ngoc / Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0

2018 – Tod des Ehemanns Christophe Michel

Am Nachmittag des 29. Mai 2018 teilte Jean-Luc Romero – Michel per Twitter mit, sein Ehemann Christophe Michel – Romero sei völlig überraschend verstorben.

Christophe Michel, geboren am 1. Oktober 1986 in Paris, interessierte sich früh für das Theater. Im Alter von 17 Jahren veröffentlichte er seine erstes Buch ‚Le Coeur de Paris‚. Er engagierte sich für Sterbehilfe, sowie ab 2013 bei der Vereinigung der Abgeordneten gegen Aids (deren Gründer und Vorsitzender sein Ehemann Romero war).

Seit seiner Heirat mit Christophe Michel benutzt Jean-Luc Romero den Namen Jean-Luc Romero-Michel.

2016: drei Monate Haft auf Bewährung nach Morddrohungen gegen Jean Luc Romero

Im September und Oktober 2013, nach seiner Hochzeit, 2015 waren der bekannte Politiker der sozialistischen Partei und sein Ehemann Christophe auf dem Kurznachrichten-Dienst Twitter mehrfach homophob bedroht worden. Er wurde der Pädophilie beschuldigt, konkrete Morddrohungen wurden öffentlich formuliert.

Romero erstattete Anzeige – er wolle nicht weiter hinnehmen, dass solche Drohungen ungestraft möglich erfolgen könnten.“Einige verbringen ihre Zeit damit, anonym Hass zu verbreiten. Sie müssen verstehen, dass Beleidigungen und Drohungen wie diese, dass Homophobie nicht Teil der Republik sind„, bemerkte er bei einer Anhörung vor Gericht am 1. Oktober 2015.

Einen Tag vor der Verhandlung ergänzte Romero via Tweet, Twitter sei kein rechtsfreier Raum, dies sollten auch Homophobe wissen:

Der Täter Tarek L., ein 31jähriger Mann aus der Region Paris, hatte den Politiker 2013 mehrfach homophob beleidigt und ihm mit Ermordung gedroht.

Am Nachmittag des 4. Februar 2016 fand die Verhandlung vor dem Bezirksgericht (Tribunal de Grande Instance) in Paris statt. Der Staatsanwalt forderte eine dreimonatige Haftstrafe auf Bewährung, Romero und seine Anwältin einen symbolischen Euro Geldstrafe sowie 4.000 € Gerichtsgebühren. Maximal wäre eine Strafe von 5 Jahren Haft und 75.000 € Geldstrafe möglich gewesen.

Der Fall sei symptomatisch für üble Fouls in sozialen Netzwerken, so der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Deswegen fordere eine Strafe zur Abschreckung.

Das Urteil wurde am 31. März 2016 um 13:30 Uhr verkündet, eine Haftstrafe von 3 Monaten auf Bewährung. Zudem wurde der Täter wie von der Anklage gefordert zur Zahlung eines symbolischen Schmerzensgeldes von einen Euro verurteilt.

Romero selbst betonte auf seinem Blog, er erwarte das Urteil voller Ungeduld, auch soziale Netzwerke dürften kein straffreier Raum sein. Selbst wenn er diesesmal keine Anzeige gegen Twitter selbst erstattet habe, habe er ein eindeutiges Signal setzen wollen. Twitter müsse deutlicher gegen Hass und Homophobie vorgehen.

Falls homophobe Vorfälle wie dieser sich wiederholten, wolle er beim nächsten Mal auch direkt gegen Twitter vorgehen, kündigte Romero vor der Presse an. Er erwäge gemeinsam mit Vincent Autain (2013 erste Homoehe Frankreichs, homophob gestört) angesichts zahlreicher homophober Tweets und ausbleibenden Reaktionen von Twitter eine Sammelklage gegen den Internetdienst, berichtete Romero in einem Interview.

Schwule Medien sprachen von einem ‚beispielhaften Fall‘.

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Der Abgeordnete wurde in dem Verfahren vertreten von der Rechtsanwältin Caroline Mécary, offen lesbische Rechtsanwältin und Politikerin der Grünen (EE-LV), Landrätin Ile-de-France.

Sowohl Romero als auch Mécary waren nach den Anschlägen von Paris im November 2015 mit Äußerungen an die Öffentlichkeit gegangen. Frankreich werden ein multikulturelles und pluriethnisches Land bleiben, betonte Romero. Mécary forderte, dem Totalitarismus zu widerstehen und die republikanischen Werte Frankreichs zu verteidigen.

Homophob motivierte Morddrohungen gegen offen schwule Politiker werden des öfteren bekannt in Frankreich. So wurde 2014 ein bekanter rechtsextremer Aktivist wegen Mordrohungen gegen den damaligen offen schwulen Bürgermeister von Paris, Bertrand Delanoë, zu zwei Monaten haft verurteilt. Der offen schwule Bürgermeister von Sigolsheim Thierry Speitel im Elsaß erhielt 2013 Morddrohungen – und eine Patronenhülse per Post.
Für das Jahr des Inkrafttretens des Gesetzes über die Homoehe 2013 hatte der Verein SOS Homophobie einen deutlichen Anstieg homophober Attacken und Gewaltangriffe in Frankreich konstatiert.

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