Baptisterium Saint Jean Poitiers – ältestes christliches Bauwerk Frankreichs

Es ist das älteste christliche Bauwerk in Frankreich – das Baptisterium Saint Jean in Poitiers.

Im 7. Jahrhundert, in der Merowinger-Zeit, wurde in Poitiers ein Zivilbau zur Taufkirche umgebaut. Dieser Zivilbau stammte aus gallo-römischer Zeit, aus dem 4. Jahrhundert Geschätzt um 360). Auf diesde Weise entstand die Taufkirche Heiliger Johannes – das Baptisterium Saint Jean (Baptistère Saint-Jean). Es gilt damit als ältestes christliches Bauwerk in Frankreich.

Baptisterium Saint Jean Poitiers
Baptisterium Saint Jean Poitiers

„Baptisterium Saint Jean Poitiers – ältestes christliches Bauwerk Frankreichs“ weiterlesen

historisches Glockenspiel Beauvais (1302)

Sie gilt als die älteste noch funktionstüchtige Glockenspiel-Uhr der Welt: das historische Glockenspiel Beauvais von 1302 in der Kathedrale St. Pierre.

Im jahr 1302 wurde die Glockenspiel-Uhr bestellt. Installiert wurde sie in der Kathedrale Saint Pierre der nordfranzösischen Kleinstadt Beauvais (ca. 55.000 Einwohner) wohl 1304.

historisches Glockenspiel Beauvais aus dem Jahr 1302
die historische Uhr mit Glockenspiel Beauvais aus dem Jahr 1302 / 1305

„historisches Glockenspiel Beauvais (1302)“ weiterlesen

Die Bartholomäusnacht (Patrice Chéreau 1994)

‚Die Bartholomäusnacht‘ war der erfolgreichste Film des französischen Autors, Schauspielers und Regisseurs Patrice Chéreau. Gedreht wurden viele Szenen des Films über das Massaker an den Hugenotten nicht an Originalorten in Paris, sondern in Bordeaux.

Patrice Chéreau drehte seine Film „Die  Bartholomäusnacht“ (La Reine Margot, Koproduktion Frankreich – Italien – Deutschland) 1993 nach der Vorlage des Romans von Alexandre Dumas aus dem Jahr 1845. Darsteller/innen sind u.a. Isabelle Adjani, Daniel Auteuil, Jean-Hugues Anglade und Virna Lisi (sowie Thomas Kretschmann in einer frühen Rolle als Nançay).

Paris im Jahr 1572, Zeit der Konfessionskriege. Aus politischen Gründen, um einen lange währenden Glaubenskrieg zu beenden, heiratet Margarete von Valois, die Schwester des (katholischen) Königs von Frankreich, den (protestantischen) Heinrich, König von Navarra. Noch am Abend der Hochzeit jedoch begegnet sie einem geheimnisvollen Fremden (ebenfalls Protestant). Zwei Männer, die fortan ihr Leben bestimmen. In eben dieser Nacht werden Tausende Protestanten auf Befehl der Mutter des Königs umgebracht – das Massaker der Bartholomäusnacht, das Chéreau in seinem Film beildgewaltig (aber nicht immer den historischen Fakten entsprechend) ausmalt.

Szene im Schlafzimmer Margaretes von Valois während der Bartholomäusnacht, Alexandre-Évariste Fragonard (1780–1850)
Szene im Schlafzimmer Margaretes von Valois während der Bartholomäusnacht, Alexandre-Évariste Fragonard (1780–1850)

„Die Bartholomäusnacht (Patrice Chéreau 1994)“ weiterlesen

Säkularismus und Laizismus in Frankreich

Laizismus ist ein Kernelement des französischen Staats. In welchem Verhältnis stehen Staat und Kirche zu einander?

Laizismus ist eines der Grundprinzipien der französischen Republik. Selbst ein Tag ist ihm seit 2013 gewidmet, jährlich am 9. Dezember wird die „Journée de la laïcité“ begangen.

Neben der Trias aus Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (Liberalité Egalité Fraternité) ist der Laizismus (Laicité) geradezu zum vierten definierenden Begriff der französischen Republik geworden:

Ausdruck des Laizismus in Frankreich: die Werte der Republik (Freiheit Gleichheit brüderlichkeit) im Tympanon einer Kirche (St. Pancrace, Aups, Var; Foto: Greudin)
Ausdruck des Laizismus in Frankreich: die Werte der Republik (Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit) im Tympanon einer Kirche (St. Pancrace, Aups, Var; Foto: Greudin)

„Säkularismus und Laizismus in Frankreich“ weiterlesen

Sainte Marie Madeleine in Vézelay Burgund

In der kleinen burgundischen Gemeinde Vézelay liegt mit der Basilika Saint Marie Madeleine eine der bedeutenden romanischen Kirchen Frankreichs. Sie ist seit 1979 UNESCO Weltkulturerbe.

Schon von weitem sind sie zu sehen, das Städtchen Vézelay im Morvan und die Basilika Sainte Marie Madeleine. Nach früheren durch Feuer zerstörten Vorgängerbauten wurde die heutige Basilika im Jahr 1185 begonnen.

von weitem zu sehen: Vézelay
von weitem zu sehen: Vézelay

„Sainte Marie Madeleine in Vézelay Burgund“ weiterlesen

Lovely Rita? – ‚zweimal Rita und zurück‘ Teil 2

1995 / 96 erkrankte ich schwer, war mehrere Male im Krankenhaus. In der Mini-Serie „zweimal Rita und zurück“ erzähle ich aus dieser Zeit. Mit Husten fuhren wir nach Mallorca, zurück ich direkt ins Krankenhaus – Teil 2: „Lovely Rita?
(Übersicht über alle Teile der Mini-Serie siehe Ende des Textes):

.

Ich fahre von der Uniklinik nachhause. Merke selbst wieder wie schwer mir selbst dieser kurze Weg fällt. Packe Waschzeug und ein T-Shirt ein, bestelle mir ein Taxi ins Klösterchen.

Von da an geht alles sehr schnell. An der Anmeldung muss mein Name schon bekannt sein, ich solle direkt den Gang bis zum Ende durch, mich dort melden, ich würde direkt untersucht.

Zwei Stunden später liege ich in einem Zweibett-Zimmer auf der zweiten Etage, Station ‚Rita‘. Mit mehreren Schläuchen die mir u.a. Sauerstoff in die Lungen drücken. Verdacht auf PcP, sagte mir der untersuchende Arzt schon nach wenigen Minuten.

‚Rita‘, seltsamer Name für eine Station in einem Krankenhaus, oder? ‚3A‘ oder ‚Wöchnerinnen-Station‘, ja das klingt nach Krankenhaus. Aber ‚Rita‘?

Station Rita
Station ‚Rita‘

Hier heißen alle Stationen nach irgend welchen Frauen, das sehen Frank und ich bald. Aber warum? „Heilige, was sonst?“, Franks Mutter, die schon einen Tag später aus Hamburg kommt, hat die nahe und uns doch so fern liegende Erklärung. Und hinter der Glastür zur Station finden wir dann auch ein Bild der Heiligen Rita, und eine kurze Erläuterung. Eine die es in sich hat.

Auf Frank aufgestützt, machen wir einen kleinen Spaziergang von ‚meinem‘ Zimmer aus über den Flur der Station. Bis zur Tür ist es endlos weit, nur mit großer Mühe und sehr langsam schaffe ich die 20 Meter. Da hängt sie, die Erklärung. Erwartungsfroh lesen wir, was die ‚Heilige Rita‘ so alles bewirken, für wen sie da sein soll.

Heilige Rita - Erläuterungen auf der Station
Heilige Rita – Erläuterungen auf der Station

Die heilige Rita

Wer also war diese Rita?

Margherita Lotti, so ihr Geburtsname, trat nach unglücklicher Ehe 1407 in das Kloster der Augustinerinnen ein. Sie führte ein Leben „in strengster Entsagung und Buße“ (Heiligenlexikon). Bereits kurz nach ihren Tod sollen sich an ihrem Grab zahlreiche Wunder ereignet haben, bald habe sie als „Helferin in aussichtslosen Nöten“ gegolten. Rita wurde 1627 seelig und 1900 heilig gesprochen.

Rita Seligsprechung ("Wie St. Rita seliggesprochen wurde', Wandgemälde in der Augustinerkirche Würzburg)
Ritas Seligsprechung („Wie St.Rita seliggesprochen wurde“, Wandgemälde in der Augustinerkirche Würzburg)

Auch im Klösterchen informiert eine kurzer Erläuterungstext über die Namenspatronin der Station: Die Heilige Rita werde verehrt als „Heilige des Unmöglichen“ sowie „Helferin in aussichtslosen Anliegen“, informiert ein kurzer Text unter dem Heiligen-Portrait.

Da liege ich nun. Auf Station ‚Rita‘. Und frage mich, was wollen die mir damit sagen? Was schon. Die wollen mir dezent (wirklich dezent?) etwas sagen. Mir deutlich machen, dass meine Situation aussichtslos war? Dass eine Therapie unmöglich ist? Oder vielleicht doch nicht, wenn ich nur der Entsagung und Buße frönen würde?

So war ich also unfreiwillig in der Obhut von Rita, als einer ihrer aussichtslosen Fälle.

Wie man sich da fühlt?

.

(Katholischer) Gedenktag der Heiligen Rita ist der 22. Mai.

.

zweimal Rita und zurück
1. Husten auf Mallorca
2. Lovely Rita?
3. Sauerstoff zu Weihnachten
4. Absturz im Mai
5. Wie es (doch) weiter ging …

.

It’s a sin – Die sieben Todsünden

Die sieben Todsünden sind ein Begriff aus dem Katechismus der katholischen Kirche. Der christliche Mönch und orthodoxe Mystiker Evagrios Ponticus (355 bis 399) formulierte erstmals eine Aufstellung menschlicher Verfehlungen und gilt als Begründer der ‚Achtlasterlehre‘. Unter Papst Gregor I. (ca. 540 bis 604) wurde die Aufstellung überarbeitet, verdichtet und ergänzt – der bis heute verwendete Katalog der ’sieben Todsünden‘ entstand. Seit dem Mittelalter werden den ’sieben Todsünden‘ oftmals die ‚Kardinaltugenden‘ gegenüber gestellt.

.

Die sieben Todsünden sind eigentlich – keine Sünden. Sondern schlechte Charaktereigenschaften, aus denen heraus erst die Sünde entsteht.

Sünde, Ausstellungsplakat in Salzburg, 2008 (Foto: Immanuel Giel)
Sünde, Ausstellungsplakat in Salzburg, 2008 (Foto: Immanuel Giel)

„It’s a sin – Die sieben Todsünden“ weiterlesen

ACT UP Paris Proteste in Notre Dame 1991 – Video

An Allerheiligen 1991 protestierte ACT UP Paris mit einer Aktion vor und in Notre Dame gegen die Haltung der katholischen Kirche zu Homosexualität und Kondomen.

Die Aids-Aktionsgruppen ACT UP protestierten Anfang der 1990er Jahre  gegen die Haltung der katholischen Kirche – in den USA, in Europa, in Deutschland. Die ACT UP Gruppen in Deutschland machten dies während des Abschlussgottesdienstes der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda am 29. September 1991- mit Aktionen vor und im Dom zu Fulda.

„ACT UP Paris Proteste in Notre Dame 1991 – Video“ weiterlesen

ACT UP Proteste im Dom zu Fulda – Ullis ACT UP Erinnerungen 5

Die ACT UP Proteste im Dom zu Fulda waren die wohl bekannteste Aktion von ACT UP in Deutschland. Wie kam es dazu?

Dies ist der fünfte Teil der Mini-Serie Ullis ACT UP Erinnerungen. Im ersten Teil habe ich über die Entstehung von ACT UP in Deutschland geschrieben, im zweiten Teil über ACT UP in Deutschland. Der dritte Teil befasste sich mit ACT UP Köln, der vierte beschäftigte sich mit dem Verhältnis von ACT UP Deutschland und den USA.

Sonntag 29. September 1991. In Fulda findet der Abschlussgottesdienst der Herbsttagung der Deutschen Bi­schöfe (Deutsche Bischofskonferenz) statt. Nahezu die gesamte Spitze der katholischen Kirche in Deutschland ist versammelt. Mitten während des Gottesdienstes erklingen plötzlich statt süßer Orgelklängen schrille Trillerpfeiffen. Transparente mitten im Kirchenraum. Vor dem Altar liegen Aids-Aktivisten auf dem Boden, ein ‚Die-in‘. ACT UP Proteste im Dom zu Fulda. ACT UP protestiert lautstark und unübersehbar gegen die Haltung der katholischen Kirche zu HIV und Aids, und besonders gegen Äußerungen und Politik des Fuldaer Bischofs Dyba.

ACT UP Proteste im Dom zu Fulda / Titel der Nürnberger Schwulenpost November 1991 (© NSP)
ACT UP Proteste im Dom zu Fulda / Titel der Nürnberger Schwulenpost November 1991 (© NSP)

.

im Zentrum der Kritik: Johannes Dyba, Bischof von Fulda

Johannes Dyba (* 15.9.1929 Berlin, † 23.7.2000 Fulda) war seit 1983 und bis zu seinem Tod 2000 Bischof von Fulda sowie von 1990 bis 2000 Militärbischof der Bundeswehr. Dyba galt selbst innerhalb der katholischen Kirche als Vertreter äußerst konservativer Positionen. Abtreibung bezeichnete er als „Kinderholocaust“. Im September 1993 veranlasste er, das sein Bistum aus der Schwanger­schaftskonfliktberatung ausstieg. Als Militärbischof begrüßte er den Golfkrieg, bezeichnete (in an­derem Kontext) Militäreinsätze als „gerechten Krieg“ .

Über Homosexualität und Schwule hatte Dyba klare Vorstellungen: „Das sind wie andere eben widernatürliche Anlagen, die kann man nicht ausleben“ [Quelle]. Während der Debatten über das Lebenspart­nerschaftsgesetz (von der Rot-Grünen Koalition am 16. Februar 2001 verabschiedet) sprach Dyba 2000 von „homosexueller Liaison“ und „importierten Lustknaben“, die Lebenspartnerschaft Homo­sexueller sei „ein weiterer fataler Schritt in die Degeneration“.

Johannes Dyba hatte auch in Sachen HIV und Aids klare Positionen: Aids sei eine Folge des „Abfalls von Gott“, der eben „nicht ungestraft“ bleiben könne – Aids als Strafe Gottes, nicht nur damals eine be­liebte Kulisse rechtskonservativer Kirchenkreise.

Nach Abschluss der ACT UP Proteste im Dom zu Fulda stellt Johannes Dyba die Demonstranten in den Kontext von Nazi-Tätern: „Im Dritten Reich ist die SA auch schon auf dem Fuldaer Domplatz erschienen, um Gläubige einzuschüchtern. Aber noch nicht einmal im 3. Reich sind die Nazis in den Dom eingefallen.“ [Quelle 1, 2, 3]

.

Warum in den Dom? – Die Vorbereitungen

Begonnen hatte alles ganz ‚ordnungsgemäß‘:
Die Frankfurter ACT UP Gruppe hatte für die deutschen Gruppen die Aktion in Fulda ganz ordentlich angemeldet, als Demonstration vor dem Dom. Doch Bischof Dyba hatte enge Verbindungen zur Fuldaer Stadt­verwaltung – und diese nutze er. Er drängte die Stadtverwaltung,  die Demonstration gerichtlich verbieten zu lassen. Blieb ACT UP da anderes, als den Bischöfen im Dom die Meinung zu sagen?

Begonnen hatte die Aktion – noch ein wenig früher.
Sie ‚fiel nicht vom Himmel‘. Sondern war vorbereitet, intensiv vorbereitet sogar. In monatelanger Arbeit hatten wir recherchiert, eine umfangreiche Dokumentation (insbes. für die Medien) verfasst, Kontakte gezogen. Und – wir hatten geprobt. Schließlich, wie bekommt man ein riesiges Transparent an einen Kirchenturm? So dass es hängen bleibt, der Wind es weder zerfetzt noch die Sicht beeinträchtigt? Und überhaupt, wie sieht so eine Kirche von innen aus, wie könnten wir uns wo am besten ‚einbringen‘? Ein ganzes Wochenende ‚probten‘ wir verschiedene Szenarien, um in Fulda auf Eventualitäten vorbereitet zu sein.

.

ACT UP Proteste im Dom zu Fulda und die Folgen

Die ACT UP Proteste im Dom zu Fulda und davor war die wohl spektakulärste Aktion der deutschen ACT UP Gruppen: ‚Stoppt die Kirche‘ im September 1991 in Fulda. Und eine der folgenreichsten, zumindest was sowohl mediale Aufmerksamkeit als auch juristische Auseinandersetzungen betrifft: erstmals berichtete die ‚Tagesschau‘ zur prime time um 20:00 Uhr mehrere Minuten über eine Aktion von Aids-Aktivisten und HIV-Positiven, und deren Anliegen. Und Bischof Dyba kassierte eine Anzeige: er beschimpf­te die Teilnehmer der Aktion als „Chaoten“, „hergelaufene Schwule“ und „randalierende Aids-Posi­tive“. Die Reaktion: mehrere Strafanzeigen wegen Beleidigung, übler Nachrede und Ver­leumdung. Nachdem Dyba teilweise widerruft, werden die Verfahren eingestellt.

.

Spiegel 28.10.1991: Bischöfe – Römischer Furz
Siegel 10.07.2000: Importierte Lustknaben – Der Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba über das rot-grüne Gleichstellungsgesetz

.

ACT UP Erinnerungen:
1. Entstehung von ACT UP
2. ACT UP in Deutschland
3. ACT UP Köln
4. ACT UP Deutschland und die USA
5. ACT UP protestiert im Dom zu Fulda
6. Das Ende von ACT UP in Deutschland
7. nach ACT UP – was bleibt?

Diese kleine Mini-Serie bildet nur meine persönlichen Erinnerungen an meine ACT UP Zeit ab. Ich freue mich sehr über Anmerkungen, Korrekturen, Ergänzungen – ob per Kommentar oder persönlicher Nachricht!

 

.