Michel de Montaigne (1533 – 1592)

Der französische Philosoph und Politiker Michel de Montaigne wurde bekannt durch seine Essais, in denen er sich mit Fragen der Zeit beschäftigte. In seinem wohl bekanntesten Essay formuliert er ein Ideal der Freundschaft – inspiriert durch seine intensive Freundschaft zu de la Boétie.

Denkmal für Michel de Montaigne, Bordeaux place des Quinconces
Denkmal für Michel de Montaigne, Bordeaux place des Quinconces

Michel Eyquem de Montaigne wurde am 28. Februar 1533 auf Schloß Montaigne im Perigord geboren. Nach einem Studium des Rechts in Toulouse bekleidete er das Amt eines Gerichtsrats, zunächst in Périgeux, ab 1557 in Bordeaux. In der Zeit der Hugenottenkriege diente er als Kammerherr sowohl bei Heinrich III. als auch Heinrich von Navarra.

Bereits 15712 beendete er seine Tätigkeit als Richter, zog sich ins Privatleben auf sein Schloss zurück (auch wenn er sich nach der Bartholomäusnacht kurzzeitig wieder der königlichen Armee anschloß). Ab Dezember 1581 bis 1585 war er Bürgermeister von Bordeaux, bemühte sich um Dialog zwischen Katholiken und Reformierten.

Montaignes schriftstellerisches Hauptwerk sind die zwischen 1572 und 1592 entstandenen Essais – bereits zu Lebzeiten erreichten sie vier Auflagen. Die ersten beiden Bände erschienen erstmals am 1. März 1580, der dritte Band 1586.

Michel de Montaigne Essais, erstes Buch, 1611
Michel de Montaigne Essais, erstes Buch, 1611

1591 – drei jahre nach seinem Tod – erscheint erstmals eine Gesamtausgabe. Sie basiert im wesentlichen auf dem Exemplaire Bordeaux EB, in dem er nach seiner Zeit als Bürgermeister von Bordeaux (1581 – 1585) zahlreiche Änderungfen und Ergänzungen an den Essais zusammenführte (digital bei Gallica verfügbar).

Am 13. September 1592 starb Michel de Montaigne auf Schloß Montaigne an den Folgen von Diphterie. Sein Grabmal ist heute im Musée d’Aquitaine in Bordeaux zu sehen:

Michel de Montaigne Grabmal, um 1593
Michel de Montaigne Grabmal, um 1593
Michel de Montaigne Grabmal lateinisches Epitaph
Michel de Montaigne Grabmal lateinisches Epitaph

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Étienne de la Boétie und Michel de Montaigne

Michel de Montaigne war ab 1559 mit Étienne de la Boétie (1530 – 1563 Bordeaux) befreundet. Beide waren in Bordeaux Parlamentsräte.

„Wenn man in mich dringt, ich soll sagen, warum ich meinen Freund Boetius liebte, so fühle ich wohl, daß sich das nicht anders ausdrücken läßt, als wenn ich antworte: ‚Weil er es war, weil ich es war.'“

Die intensive Freundschaft zu de la Boétie (die er eine ‚vollkommene‘ nennt) veranlasste ihn zwanzig Jahre nach dessen Tod zu seinem Essay ‚Über die Freundschaft‘. Freundschaft sei eine Verbindung ohne Zweck. Wahre Freundschaft bestehe in einer „vollständigen Verschmelzung zweier Seelen„, der wahre Freund kenne uns besser als wir uns selbst. Aufgrund des umfassenden Wesens dieser Art von Freundschaft könne man nur einen wahren Freund haben.

Über seine aufgrund dessen frühen Todes nur vier Jahre währende Freundschaft zu de la Boétie schreibt er u.a.

„Wenn ich dieses ganze Leben, sage ich, mit den vier Jahren vergleiche, in denen es mir gegeben ward, die innige Vertrautheit und Gesellschaft dieses Mannes zu genießen: so ist es nichts als dunkle und freudlose Nacht. Wir haben diese Freundschaft so restlos und innig zwischen uns gehalten, dass sich kaum in der Überlieferung ähnliche finden und unter den heutigen Menschen sicherlich keine Spur davon anzutreffen ist. Es muss soviel zusammentreffen, um dergleichen zu erreichen, dass es viel ist, wenn das Schicksal es einmal in drei Jahrhunderten zustande bringt.“

Montaigne formuliert ein Ablehnen jeglicher sexuellen Ebene in ‚wahrer Freundschaft‘. Der Geist sei wichtiger als der Körper. Aus physischer Liebe und sexueller Anziehung entstehe keine wahre Freundschaft.

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Michel de Montaigne Essay ‚Über die Freundschaft‘

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In einem seiner Reisebücher, in Tagebuch einer Reise nach Italien über die Schweiz und Deutschland berichtet Montaigne 1581 über Homoehe im 16. Jahrhundert …

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