KZ Gedenkstätte Dachau – Homosexuelle NS-Opfer und das einst schwierige Gedenken

Seit 1995, fünfzig Jahre nach Ende der NS-Herrschaft, werden in der KZ-Gedenkstätte Dachau homosexuelle NS-Opfer mit einer Gedenktafel erinnert. Zehn Jahre zuvor war ein erster Versuch eine Gedenktafel anzubringen an Widerstand gescheitert.

Es brauchte zehn Jahre nach Fertigstellung eines Gedenksteins, bis in der KZ-Gedenkstätte Dachau Homosexuelle als Opfergruppe der NS-Herrschaft in Form eines Gedenksteins erinnert werden konnten – 1995, 50 Jahre nach Kriegsende:

Dachau Homosexuelle - die erste für die KZ-Gedenkstätte Dachau erstellte Gedenktafel an homosexuelle NS-Opfer
die erste für die KZ-Gedenkstätte Dachau erstellte Gedenktafel an homosexuelle NS-Opfer

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Berlin Nollendorfplatz Rosa Winkel – Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

Seit 1989 hängt am U-Bahnhof Berlin Nollendorfplatz eine Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen – damals das erste Gedenken an homosexuelle NS-Opfer im Öffentlichen Raum.

Die Gedenktafel wurde am 24. Juni 1989 am U-Bahnhof Nollendorfplatz (am Ende der Motzstrasse) enthüllt. Die Gedenktafel – eine dreieckige Tafel aus rotem Granit, in Erinnerung an den ‚Rosa Winkel‘ – trägt den Text

TOTGESCHLAGEN
TOTGESCHWIEGEN
DEN
HOMOSEXUELLEN OPFERN
DES
NATIONALSOZIALISMUS

Berlin Nollendorfplatz Rosa Winkel - Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, Berlin Nollendorfplatz
Rosa Winkel – Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, Berlin Nollendorfplatz

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Francois Fillon – stramm konservativ und antihomosexuell

Der französische Politiker Francois Fillon ist Kandidat der Konservativen für die Wahl des nächsten Präsidenten Frankreichs im Frühjahr 2017. Der gesellschaftspolitisch stramm konservative Fillon äußert sich immer wieder homophob, vertritt seit Jahrzehnte antihomosexuelle Positionen.

Francois Fillon wurde am 4. März 1954 in Le Mans als erster Sohn eines Notars und einer Historikerin geboren. Er studierte in Le Mans Jura, anschließend in Paris öffentliches Recht und Politikwissenschaft. Fillon ist verheiratet und hat fünf Kinder.

Francois Fillon im November 2008 (Foto Remi Jouan, Lizenz cc-by-sa 2.5)
Francois Fillon im November 2008 (Foto Remi Jouan, Lizenz cc-by-sa 2.5)

Ab 1976 arbeitete Fillon als Parlamentsassistent des Abgeordneten Joël Le Theule, wurde 1977 nach dessen Berufung als Verkehrsminister sein Büroleiter. 1981 wurde er als dessen Nachfolger als Abgeordneter gewählt, mit 27 Jahren als damals jüngster Parlamentarier.

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Homoehe im 16. Jahrhundert

Die Homoehe – eine Erfindung der Neuzeit? Nein, bereits 1581 berichtet Michel de Montaigne über Eheschließungen zweier Männer – Montaigne und Homoehe im 16. Jahrhundert :

Michel de Montaigne, durch seine Essais bekannt gewordener Schriftsteller und Philosoph, erwähnt auch Eheschließungen Homosexueller. In Tagebuch einer Reise nach Italien über die Schweiz und Deutschland berichtet er 1581 über Homoehe im 16. Jahrhundert :

Montaigne und Homoehe im 16. Jahrhundert

Montaigne kommt am 18. März 1581 gerade vom Petersdom, als er einen jungen Mann trifft, der ihm Erstaunliches berichtet. In der Kirche San Giovanni a Porta Latina hätten“vor ein paar Jahren gewisse Portugiesen eine seltsame Bruderschaft geschlossen„.

Roma, San Giovanni a Porta Latina (Foto: Lalupa, cc-by-sa 3.0)
Roma, San Giovanni a Porta Latina (Foto: Lalupa, cc-by-sa 3.0)

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Mahnwache Opfer von Orlando Hamburg 13. Juni 2016

Mehrere Hundert Menschen nahmen am 13. Juni 2016 vor dem US-Generalkonsulat in Hamburg an der Mahnwache Opfer von Orlando am 12. Juni 2016 teil.

Mahnwache Opfer von Orlando - mehrere Hundert Teilnehmer in Hamburg
Mahnwache Opfer von Orlando – mehrere Hundert Teilnehmer in Hamburg

49 Tote, 53 zum Teil schwer Verletzte – das Massaker im Schwulen- und Lesbenclub ‚Pulse‘ in Orlando war ein Anschlag gezielt auf LGBTI, und indirekt auf die Freiheit an sich. Es war das schlimmste Schusswaffen-Massaker eines Einzeltäters in der US-Geschichte. Und es war einer der, wenn nicht der größte Anschlag gegen Lesben und Schwule überhaupt.

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Gedenkstein homosexuelle NS Opfer KZ Neuengamme

Im ehemaligen KZ Neuengamme erinnert seit 1985 ein Gedenkstein an die homosexuellen NS-Opfer. Er war damals der erste Gedenkstein für homosexuelle NS-Opfer in Deutschland.

Am 11. Mai 1985 setzten Vertreter verschiedener Hamburger Schwulengruppen auf Initiative der UHA Unabhängige Homosexuelle Alternative (seit 2014 ‚mhc e.V.‘) und mit Unterstützung des Hamburger Senats und in Anwesenheit des SPD-Bundestagsabgeordneten Freimut Duve im ehemaligen KZ Neuengamme einen Gedenkstein für homosexuelle NS-Opfer.

Gedenkstein homosexuelle NS Opfer KZ Neuengamme (Foto: Fabius / gemeinfrei)
Gedenkstein homosexuelle NS Opfer KZ Neuengamme (Foto: Fabius / gemeinfrei)

Der Gedenkstein trägt die Inschrift

„Den homosexuellen Opfern des Nationalsozialismus
1985“

Der Gedenkstein war damals der zweite Gedenkstein für homosexuelle NS-Opfer überhaupt (erster 1984 in Mauthausen durch HOSI Wien), und der erste in Deutschland.

1995 wurde der Gedenkstein um 50 Meter versetzt – Angehörige hatten befürchtet, man könne ihre Toten für Homosexuelle halten. 1996 wurde die Anlage neu gestaltet, eine Informationstafel wurde ergänzt.

Das Konzentrationslager Neuengamme wurde 1938 von der SS als Außenlager des KZ Sachsenhausen errichtet; ab 1940 fungierte es als eigenständiges KZ. Die Akten des KZ Neuengamme sind nur unvollständig erhalten, bisher sind annähernd 300 Homosexuelle im KZ Neuengamme nachweisbar (Rosenkranz/Lorenz).

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siehe auch

Übersicht über die Denkmale für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

Den homosexuellen Opfern des Nationalsozialismus
Der Gedenkstein in Neuengamme
eine Dokumentation der Unabhängigen homosexuellen Alternative UHA
Hamburg 1985

2mecs – Häftlingsart Homo
2mecs – Denunziation Homosexueller, Hamburg 1937

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Text zuletzt aktualisiert 16. Dezember 2016

Josef Kohout (1915 – 1994) und Heinz Heger (1914 – 1978)

Ein Homosexueller berichtet über seine Zeit im KZ – ‚Die Männer mit dem Rosa Winkel‘ von Heinz Heger war bei seinem Erscheinen 1972 der erste Erfahrungsbericht eines schwulen Mannes über seine Zeit im KZ. Schnell wurde das Buch bekannt – die Verwirrung um Autor, Protagonist und Pseudonym löste sich erst viel später auf.

Der ‚Rosa Winkel‘ war in der NS-Zeit das Kennzeichen für homosexuelle Häftlinge in KZs (sofern sie wegen ihrer Homosexualität dorthin verschleppt wurden) – ein Stoffaufnäher, ein auf der Spitze stehender rosafarbener Winkel mit einer Nummer, der an der Häftklingskleidung auf der linken Brustseite getragen werden musste. Die ‚Männer mit dem Rosa Winkel‘ wurde so zum Begriff für die Gruppe homosexueller KZ-Insassen – und zum Titel eines bedeutenden Buches, Heinz Hegers im Januar 1972 veröffentlichtes ‚Die Männer mit dem Rosa Winkel‚.

Lange Zeit wurde – u.a. aufgrund der Erzählstruktur des Ich-Erzählers – davon ausgegangen, dass ‚Die Männer mit dem Rosa Winkel‚ ein autobiographischer Bericht und der Autor Heinz Heger derjenige KZ-Häftling sei, über den das Buch berichtet.

Doch weder war Heinz Heger der wahre Name des Autors, noch waren Autor und Protagonist die gleiche Person.

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KZ Buchenwald Gedenkstein homosexuelle NS Opfer (2006)

Am 3. September 2006 wurde in der KZ Gedenktstätte Buchenwald ein Gedenkstein für die homosexuellen NS-Opfer des KZ Buchenwald enthüllt.

Der Gedenkstein mit dem Symbol des ‚Rosa Winkel‘ erinnert an die zahlreichen Homosexuellen, die zwischen 1937 und 1945 im KZ Buchenwald interniert waren, gefoltert und teils für ‚medizinische‘ Experimente missbraucht wurden.

Buchenwald Gedenkstein homosexuelle NS Opfer
Buchenwald Gedenkstein homosexuelle NS Opfer (enthüllt am 3. September 2006)

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Jean-Luc Romero: 3 Monate Haft auf Bewährung nach Morddrohungen gegen offen schwulen Politiker

Drei Monate Haftstrafe auf Bewährung – wegen homophober Beleidigungen und Morddrohungen gegenüber dem französischen Politiker Jean-Luc Romero wurde am 4. Februar 2016 ein 31-Jähriger in Paris angeklagt. Drei Monate Haftstrafe auf Bewährung lautete das Urteil am 31. März 2016.

sommaire en français: Trois mois de prison pour un jeune homme de la region de Paris à cause des insultes homophobes et des menaces de mort contre l’homme politique français Jean-Luc Romero a été le verdict le 31 Mars 2016.

Der Täter Tarek L., ein 31jähriger Mann aus der Region Paris, hatte den Politiker 2013 mehrfach homophob beleidigt und ihm mit Ermordung gedroht.

Jean-Luc Romero (geb. 30. Juni 1959 in Béthune) ist offen schwuler Politiker der PS (früher Mitglied der UMP) und Vize-Bürgermeister für Kultur und Tourismus (12. Arrondisement von Paris). Seit September 2013 ist er mit seinem Lebenspartner verheiratet.

Romero war der erste Politiker Frankreichs, der seine HIV-Infektion der Öffentlichkeit mitteilte (im Mai 2002). Seit 1995 ist er Vorsitzebnder der von ihm gegründeten Gruppierung ELCS (Élus locaux contre le sida; Abgeordnete gegen Aids). Seit 2005 ist er Mitglied des ‚Conseil national du sida‘ (französisches Pendant zum Nationalen Aids-Beirat), seit 2010 Präsident (als erster offen Positiver) des CRIPS (Centre régional d’information et de prévention du sida) Île-de-France.

Jean-Luc Romero (Foto: Claude_Truong-Ngoc, September 2013)
Jean-Luc Romero (Foto: Claude Truong-Ngoc, September 2013)

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Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle in Lübeck

Seit Januar 2016 hat die Hansestadt Lübeck ein Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle in Lübeck.

Auch in Lübeck wurden in der NS-Zeit schwule Männer verfolgt, im Zeughaus gefoltert, teilweise in Lager gebracht. Gedacht wurde ihrer in Lübeck bis Ende 2015 offiziell nicht. Seit 23. Januar 2016 gibt es das Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle in Lübeck:

Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle in Lübeck
Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle in Lübeck

Um diese bisherige Nicht-Nennung zu ändern, initiierte der Verein ‚Lübecker CSD e.V.‘ 2014 die Erweiterung der 1986 geschaffenen ‚Gedenkstätte für Verfolgte des Nationalsozialismus‘ (die in Lübeck der zentrale Ort des Gedenkens und Erinnerns ist) um ein Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle in Lübeck. Der Text an dieser Gedenkstätte lautete bis Ende 2015

„Dem Gedenken der Lübecker Bürger, die in den Jahren 1933 bis 1945 aus politischen, religiösen und rassischen Gründen Opfer der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden. Ihr Leidensweg begann in vielen Fällen hier, in den Haftzellen der Geheimen Staatspolizei im Keller des ehemaligen Zeughauses.“

noch ohne Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle in Lübeck: Gedenkstätte Opfer des Nationalsozialismus in Lübeck im Jahr 2008 (Foto: Kresspahl / cc-zero)
noch ohne Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle in Lübeck: Gedenkstätte Opfer des Nationalsozialismus in Lübeck (Foto 2008: Kresspahl / cc-zero)

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