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Politisches

Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma

Dr. Frank Reuter, Forschungsstelle Antiziganismus, Universität Heidelberg
Dr. Frank Reuter, Forschungsstelle Antiziganismus, Universität Heidelberg

Vortrag ‚Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma‘ – Dr. Frank Reuter, Forschungsstelle Antiziganismus am Historischen Seminar der Universität Heidelberg
Katharinenkirche Lübeck, 24. Mai 2023
Veranstaltet von Initiative Stolpersteine für Lübeck

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Kulturelles

Frederik Hahn aka Torch – Blauer Samt

Der Rapper, Autor und Aktivist Frederik Hahn wurde am 29. September 1971 in Heidelberg geboren. Bekannt wurde er als Torch / MC Torch sowie als DJ Haitian Star.

Frederik Hahn aka Torch am 11. Mai 2023 im Museum für Hamburgischer Geschichte
Frederik Hahn aka Torch am 11. Mai 2023 im Museum für Hamburgische Geschichte

Hahn betont, er sei Hiphoper, nicht ’nur‘ Rapper.

„Das Leben der Kultur ist das wichtige, nicht die Produkte die daraus entstehen.“

Frederik Hahn aka Torch, 11. Mai 2023

Rap auf Deutsch – geht das?

„Es hieß immer: Rap auf Deutsch, das geht nicht. Rap auf Deutsch wurde nicht als richtig oder authentisch erachtet.“

Smudo, in: Könnt ihr uns hören? Eine oral history des deutschen Rap (Berlin 2019)

Geht doch – Torch rappte in deutscher Sprache. Torch der erste Deutschrapper? Er betont eher ‚der erste Freestyler auf deutsch‚.

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Berlin Kulturelles

Im Herzen der Gewalt (Edouard Louis 2016 / Thomas Ostermeier 2018)

Edouard ist Student der Soziologie und schwul. Frühmorgens lernt er in Paris einen jungen Mann kennen, den aus Algerien abstammenden Reda. Sie verbringen eine ausgelassene Nacht miteinander – die in Gewalt endet. Edouard flieht zu seiner Schwester Clara in die Provinz in Nordfrankreich, aus der er kommt, zu der er aber fast alle Brücken abgebrochen hatte. Versucht zu verstehen, sowohl die schlimme Nacht als auch die Strukturen dahinter. Setzt sich mit nur mühsam kaschierter Homophobie, mit Rassismus, Gewalt auseinander.

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Kulturelles

Megaloh über Rassismus

„Der Song ‚Der Neger‘ von B-Tight hat mich richtig aufgeregt. Aggro haben damals Vorgruppe auf einem DMX-Konzert in der Columbiahalle gemacht. B-Tight steht auf der Bühne und fragt: ‚Wer hat das Gras geraucht?‘ Alle um mich herum brüllen aus voller Kehle: ‚Der Neger!‘. Ich hätte am liebsten jeden einzelnen umgeboxt – inklusive B-Tight, weil er den Leuten die Möglichkeit gegeben hat, das zu sagen. Ich bin seit meiner Kindheit mit diesem Wort beleidigt worden und hab es schon immer als Peitschenhieb empfunden. Ich spüre Schmerz, wenn ich dieses Wort höre! Das geht zurück in die Kolonialzeit, in der man versucht hat, einem ganzen Kontinent die Würde zu nehmen. All das steckt in diesem Wort. Jedes Mal, wenn man es sagt. B-Tight hat auf alles geschissen, was in diesem Wort steckt, und es für seine Aufmerksamkeit genutzt. Er hat das von Weißen geprägte Bild des bösen schwarzen Mannes überzeichnet, inklusive Blackfacing. Für ihn hat das funktioniert. Aber für mich hat es sich wie Hochverrat angefühlt.“

Megalo, in: Könnt ihr uns hören? Eine oral history des deutschen Rap (Berlin 2019)
Megaloh beim Watt en Schlick Fest 2021

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Uchenna von Capelleveen aka Megaloh wurde am 27. Februar 1981 geboren. Der Rapper niederländisch- nigerianischer Abstammung lebt in Berlin.

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Kulturelles Oldenburg Politisches

August Hinrichs (1879 – 1956)

Der in Oldenburg geborene Schriftsteller August Hinrichs war ein erfolgreicher Heimatdichter – und Nutznießer der NS-Politik und beteiligt an NS-Propaganda. Die ihm 1944 verliehene Ehrenbürgerwürde der Stadt Oldenburg wurde ihm 2015 aberkannt.

August Hinrichs Geburtshaus Oldenburg Gedenkstein
August Hinrichs Geburtshaus Oldenburg Gedenkstein (Foto November 2021)

Von 1934 bis 1945 war Hinrichs Landesleiter der Reichsschrifttumskammer (damaliger Gau Weser – Ems). 1937 wurde er Mitglied der NSDAP. Er galt als „ein treuer Paladin des Führers“ (Spiegel 1993).

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Kulturelles

Brinkmann Wandmosaik Hauptbahnhof Bremen

Zentral und gut platziert über der zentralen Anzeigetafel in der Haupthalle – das Brinkmann Wandmosaik im Hauptbahnhof Bremen erinnert nicht nur an Hafen, Handel und Stadtmusikanten, sondern auch an ein Stück Kolonialgeschichte.

Brinkmann Wandmosaik Hauptbahnhof Bremen, linker Teil
Brinkmann Wandmosaik Hauptbahnhof Bremen Tabakhandel
zentraler Teil
rechter Teil
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Politisches

Arisierungs-Mahnmal Bremen – Kühne + Nagel und der Holocaust

In Bremen befindet sich nahe dem Hauptsitz des Speditions-Konzerns Kühne + Nagel ein Mahnmal, das die Rolle des Unternehmens im Holocaust thematisiert, das Arisierungs-Mahnmal Bremen. Offizielle Einweihung war am 10. September 2023 (aus Anlaß des Tags des offenen Denkmals).

Arisierungs- Mahnmal Bremen
Arisierungs- Mahnmal Bremen
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Oldenburg Politisches

Stedingsehre – vergessene Blut und Boden -Kultstätte

Die „Stedingsehre auf dem Bookholzberg“ bei Oldenburg sollte einst eine Nazi- Kultstätte werden. Eine Freilichtbühne und Volksbelustigung mit Blut-und-Boden – Ideologie, die später in Vergessenheit geriet.

1934 (Uraufführung 27.5.34) wurde das Volksschauspiel „De Stedinge“ des Oldenburger Heimatschriftstellers August Hinrichs (1879 Oldenburg – 1956 Huntlosen) sehr erfolgreich aufgeführt auf der 700-Jahr-Feier der Schlacht bei Altenesch (für die er es extra verfasst hatte). Freie Stedinger Bauernfamilien wurden in der Schlacht bei Altenesch 1234 von Bremer und Oldenburger Bischof unterworfen (Stedingerkrieg).

„Stedingsehre ist ein Beispiel für Geschichtsverfälschung im Sinne ideologischer Indoktrination.“

Gerhard Kaldewei, Professor für Geschichte

Hinrichs war zuvor bereits u.a. mit der ‚Swienskomödi‚ (Titel hochdeutsch ‚Krach um Jolanthe‚) bekannt geworden. Die in großen Teilen in Wiefelstede gedrehte Verfilmung hatte im August 1934 Uraufführung im 2007 geschlossenen ‚Wallkino‘, damals noch Wall- Lichtspiele.

„Heimat als schicksalhafte Verbundenheit mit der Erde“

dem NS-Heimatfilm ‚Das alte Recht‘ vorangestelltes Zitat von August Hinrichs, der Film hatte am 27. Januar 1934 Premiere in den Wall Lichtspielen Oldenburg

NS-Gauleiter Carl Röwer (selbst gebürtiger Stedinger) beschloss nach dem großen Erfolg von ‚De Stedinge‘ die Errichtung einer ‚Thingstätte‘ mit Freilichtbühne und monumentalem Kulissendorf – ‚Stedingsehre‘.
Das Kulissendorf (Entwurf: Architekten Walter Reimann, Berlin & Ernst Behrens, Delmenhorst) soll im Stück das Dorf Altenesch darstellen. Es bestand neben zahlreichen reetgedeckten Fachwerkhäusern aus einer großen Kirche (Beton-Bau, Feldsteine nur außen als Verkleidung), Wassergraben und Deich.
Von den umgebenden nach Norden geöffneten Zuschauerränge hatten Besucher einen Blick auf Dorf und die dahinter liegende Wesermarsch-Landschaft – Theaterbühne und Landschaft vermischen sich.
Die Freilichtbühne bot Platz für über 20.000 Menschen.

 Stedingsehre Bookholzberg
Stedingsehre Bookholzberg, September 2010, Von Matthias Süßen – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11423120

Am 29. Oktober 1934 fand die Grundsteinlegung für die ‚Weihestätte Stedingsehre‘ statt, in Anwesenheit von Alfred Rosenberg und Heinrich Himmler. Am 14. Juli 1935 folgte die Einweihung.

Hinrichs Stück wurde hier als ‚Spiel vom Untergang eines Volkes‘ von 1935 bis 1937 von der Niederdeutschen Bühne Oldenburg mit großem Erfolg aufgeführt (Spielzeiten 1935 ca. 80.000 Zuschauer, 1937 ca. 150.000 Zuschauer). Hinrichs überließ die Rechte an seinem Heimatstück der ‚Stiftung Stedingsehre‘. Die UFA realisierte 1936 einen Kurzfilm über die Aufführungen.

1939 fand in Stedingsehre die Uraufführung des Stücks ‚Steding Renke. Spiel vom Opfergang eines Volkes‘ statt (Autor wieder August Hinrichs). Stedingsehre wurde neben seiner Verwendung als Freilichtbühne auch als Ort für Massenaufmärsche oder am 19. Juni 1939 eine Sonnenwendfeier (mit Rede des 1946 als Kriegsverbrecher hingerichteten NS- Chefideologen Alfred Rosenberg) genutzt. Planungen, Stedingsehre zu einer gigantischen Schulungsstätte (‚Gauschulungsburg‘, Planmung Architekt Ernst Behrens (1901 – 1988), Delmenhorst) und einem Nationaldenkmal auszubauen wurden nicht mehr realisiert.

Auch nach Ende der NS-Diktatur wurde das Gelände weiter genutzt – zunächst als ‚Kriegsversehrtendorf‘, später u.a. für Musikveranstaltungen und Theater-Aufführungen (so in den 1970er Jahren ‚Pipi Langstrumpf‘). Später geriet das Gelände in Vergessenheit.

August Hinrichs starb am 20. Juni 1956. Sein Grab befindet sich auf dem Gertrudenfriedhof Oldenburg. Seine Rolle in der NS-Zeit ist bis heute umstritten.

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Zuschauerränge und Reste des Kulissen-Dorfes (Spieldorf) stehen noch heute (auf dem Gelände des Berufsförderungswerks Bookholzberg, Dporfplatz weitgehend zugewachsen). Das Gebäude der Kirche wurde 1943 durch eine Fliegerbombe zerstört. Das Gelände steht seit 1992 unter Denkmalschutz. Es ist derzeit nicht frei zugänglich.

,,Dieser Ort muss zugänglich gemacht werden. Aber nur unter Bedingung, dass über den Hintergrund informiert wird.“

Prof. Lutz Walk

Stedingsehre ist auch Ziel von ‚Ausflügen‘ von Rechtsextremen, so im Juli 2023 (Bericht taz)

Mit der Geschichte von Stedingsehre befasste sich u.a. 2007 eine Ausstellung im Nordwestdeutschen Museum für Industriekultur auf der Nordwolle Delmenhorst.
Die Kulturetage Oldenburg widmete ihre Produktion ‚Visionen für einen Unort‘ 2021 der Auseinandersetzung mit diesem belasteten Ort.
Ein Förderverein plant ein IDZ Informations- und Dokumentationszentrum.

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Hamburg

Sklavenhandel in Hamburg

Kaufleute und Reeder aus Hamburg wie Altona waren am Sklavenhandel beteiligt. Allen voran: Heinrich Carl Schimmelmann.

Im europäischen Kolonialismus war Hamburg eines der Zentren (wie die Ausstellung ‚Grenzenlos – Kolonialismus, Industrie und Widerstand‘ im Museum der Arbeit 2020 gut aufzeigt). Anders als Bordeaux, das eine der Metropolen des Sklavenhandels war, hatte Hamburg im Sklavenhandel allerdings selbst eine kleinere Rolle.

Sklavenhandel war in Hamburg verboten – doch im nahen Altona war er erlaubt. Vieles wurde so über Dänemark und das nahe Altona ‚abgewickelt‘ oder aus Hamburg finanziert. ‚Sklavenschiffe‘ waren im Hamburger Hafen wohl nie zu sehen – dennoch ist die Rolle Hamburgs im und als Profiteur des Sklavenhandel nicht unbedeutend.

Reeder aus Hamburg und aus Altona (damals unter dänischer Verwaltung, erst seit 1937 zu Hamburg) waren im transatlantischen Dreieckshandel aktiv.

Und Hamburg profitierte vom Warenverkehr und Versklavungshanel – die Stadt war z.B. im 18. Jahrhundert das Zentrum in Europa für Rohzucker-Verarbeitung. Der Rohzucker stammte – aus Versklavungshandel, aus Plantagen in Übersee, nach Hamburg gebracht z.B. über Bordeaux. Hamburg, das selbst erklärte Tor zur Welt, war auch ein Tor zur kolonialen Welt.

Hamburg war aber auch Lebensort zahlreicher Sklaven – unter anderem, wie auf zahlreichen Gemälden zu sehen, als Personal und Diener in so mancher Elbvilla.

Anders als andere Städte hat Hamburg seine Geschichte von Kolonialismus und Sklaverei bisher wenig aufgearbeitet.

Heinrich Carl von Schimmelmann (1724 – 1782)

Der Kaufmann, Sklavenhändler und Sklavenbesitzer Heinrich Carl von Schimmelmann, geboren in Demmin (Vorpommern), war zu seiner Zeit einer der reichsten Männer Europas. Er war zugleich Finanzberater des Königs von Dänemark und wurde 1779 in den Grafenstand erhoben. Wandsbek damals Teil des Herzogtums Holstein, Lehen des Königs von Dänemark.

Hauptbeteiligt am Sklavenhandel in Hamburg - H. C. Schimmelmann, Portraitbüste von Hartmann Beeken, 1780
H. C. Schimmelmann (Portraitbüste des dänischen Bildhauers Hartmann Beeken, 1780)

Schimmelmann besaß vierzehn Schiffe, vier (1763 vom Staat Dänemark erworbene) Baumwoll- und Zuckerrohr-Plantagen im damaligen Dänisch-Westindien (seit 1917: us-amerikanisches Außengebiet Jungferninseln) und bis zu 1.000 Sklaven. Jedem seiner Sklaven wurde das Zeichen ‚BvS‘ (für Baron von Schimmelmann) auf eine der beiden Brusthälften gebrannt.

Schimmelmann war Dänemarks größter Sklavenhändler. und größter Steuerzahler und vermutlich auch reichster Bürger des Staates.

„Sclaven-Handel liegt mir am Herzen“

Heinrich Carl von Schimmelmann
Stammbaum Familie Schimmelmann, Schloss Ahrensburg, 20. Jhdt.

Schimmelmanns Vermögen basiert zum größten Teil auf dem atlantischen Versklavungshandel und der damit verbundenen Plantagenwirtschaft. Julian zur Lage (Forschungsstelle ‚Hamburgs (post)koloniales Erbe‘) kennzeichnet Schimmelmann 2021 als ‚transatlantischer Kolonialunternehmer und Symbolfigur des Versklavungshandels‘.

Schimmelmanns Sohn Heinrich Erich hatte später wesentlichen Anteil daran, dass der Handel mit versklavten Menschen auf dänischen Schiffen eingestellt wurde.

Schloss Ahrensburg – Familiensitz Schimmelmann 1759 – 1932

Von der Familie von Rantzau erwarb H. C. Schimmelmann 1759 das Schloß von Ahrensburg (Wasserschloss, erbaut zwischen 1570 und 1585) sowie 1762 vom König Dänemarks das Gut Wandsbek.

Schloss Ahrensburg, 1759 - 1932 im Besitz der Familie Schimmelmann
Schloss Ahrensburg, 1759 – 1932 im Besitz der Familie Schimmelmann

Schloss Ahrensburg war bis 1932 im Besitz der Familie Schimmelmann (Auszug 1934). 1932 war sie aus finanziellen Gründen zum Verkauf gezwungen.

Familienwappen Schimmelmann, Ahrensburger Schloss
Familienwappen Schimmelmann, Ahrensburger Schloss

Anschließend erwarb es die Sparkasse des Kreises Stormarn von der Famile. 1938 übertrug sie es dem Verein Schloss Ahrensburg e.V., Ende 2002 ging es in die Stiftung Schloss Ahrensburg über.

Seit 1955 ist Schloss Ahrensburg Museum. Das Museum behandelt in der Ausstellung zur Geschichte des Hauses auch die kolonialen Aspekte – wenn auch relativierend (‚zeittypisch‘).

Hamburg gedenkt Sklavenhändler Schimmelmann

Schimmelmann wurde in Hamburg lange noch gedacht. So hieß z.B. die Weihnachts-Auführung im Museum für Kunst und Gewerbe bis zum Jahr 2016 ‚Weihnachten bei Schimmelmanns‘.

Doch auch heute noch findet sich Schimmelmann-Gedenken in Hamburg:

nach Schimmelmann benannte Straßen

In Hamburg erinnern gleich drei Straßen an die Familie Schimmelmann:

  • Der Schimmelmannstieg in Hamburg Jenfeld (auf dem Gelände des nicht mehr existierenden früheren Wandsbeker Schlosses Schimmelmanns) trägt seinen Namen seit 1945
  • Die Schimmelmannallee in Jenfeld (seit 1951)
  • Die Schimmelmannstraße in Jenfeld (Name schon vor 1864) – ausgerechnet hier sitzt seit 1994 die ‚Hamburger Tafel‘.

Zahlreiche Forderungen nach Umbenennung dieser Straßen konnten bisher nicht realisiert werden.

Schimmelmann – Denkmal in Hamburg Wandsbek 2006 – 2008

Am 12. September 2006 (!) wurde für Schimmelmann ein Denkmal in Hamburg Wandsbek eingeweiht (gegenüber dem Rathaus Wandsbek). Gedacht werden sollte einer der bedeutendsten Persönlichkeiten Wandsbeks.

Nach massiven Protesten und Protestaktionen (die Büste wurde zweimal mit roter Farbe übergossen) allerdings wurde die Büste im Jahr 2008 wieder demontiert (Beschluss der Bezirksversammlung vom 8. Mai 2008).

Schimmelmann Mausoleum in Hamburg Wandsbek

Schimmelmann, 1782 in Kopenhagen gestorben, hatte in seinem Testament verfügt, in Wandsbek (seinem Lieblingsort) beigesetzt zu werden.

Schimmelmanns Mausoleum befindet sich noch heute in Hamburg Wandsbek nahe der Christuskirche:

Sklavenhandel in Hamburg - Mausoleum Schimmelmann in Wandsbek
Schimmelmann Mausoleum Hamburg Wandsbek
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Frankreich

Sklavenhandel in Bordeaux

Die südwestfranzösische Metropole Bordeaux verdankte ihren wirtschaftlichen Aufstieg einst auch dem Sklavenhandel. Heute setzt sie sich offen damit auseinander.

Von Reedern und Händlern aus Bordeaux wurden zwischen 1672 und 1837 (bisher bekannt) 508 Expeditionen des Sklavenhandels organisiert, davon 480 aus dem Hafen von Bordeaux. Gängigste Form war der Dreieckshandel – Produkte aus Europa wurden an die Küsten Afrikas gebracht. Dort wurden sie gegen Sklaven getauscht, die in die Kolonien in Amerika verschifft wurden. Aus diesen wurden ‚Kolonialwaren‚ wie Zucker, Tabak oder Baumwolle zurück nach Europa gebracht (darunter auch Zucker von Bordeaux nach Hamburg, das so auch indirekt am Versklavungshandel beteiligt war).

Bordeaux hatte mit annähernd 150.000 Sklaven einen Anteil von 11,4 Prozent am gesamten französischen Sklavenhandel. Damit liegt Bordeaux nach Nantes (41,3%) an zweiter Stelle. Wichtigestes Ziel war Saint-Domingue. 186 Reeder und Handelshäuser waren in dieser Zeit in Bordeaux am Sklavenhandel beteiligt. Einer der bekanntesten von ihnen war Pierre Balguerrie-Stuttenberg, auf den die pont de pierre in Bordeaux zurückgeht.

Entwicklung der zahl der jährlichen Expeditionen des Sklavenhandels von Bordeaux aus – Évolution annuelle du nombre d’expéditions bordelaises de traite armées par des maisons bordelaises (source : Saugera, 2002) – JohnNewton8 — Travail personnel – Lizenz CC BY-SA 4.0

Mit dem 1685 unter Ludwig XIV erlassenen Dekret Code Noir (zurückgehend auf Colbert) wurde die Beziehungen zwischen Sklavenhaltern und Sklaven in Frankreich regelt (gültig bis 1848).

code noir Sklavenrecht Frankreich
Coce noir – Von Royaume de France, Libraires Associez – Source http://www.clubsoleil.net/publication/code_noir.php, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=620245

Zugleich war Bordeaux auch Wohnort – im 18. Jahrhundert lebten mindewstens 4.000 Schwarze in Bordeaux, die meisten von ihnen als Sklaven oder Domestiken.

In den Jahren nach 1780 verstärkte sich der Sklavenhandel ab Bordeaux eher – Ursache waren wegbrechende Profite aus dem Kolonialhandel nach dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.

Im Gegensatz zu anderen Städten in Europa stellt sich Bordeaux seiner Vergangenheit als Metropole des Sklavenhandels seit über 20 Jahren, u.a. in Ausstellungen (Thematisierung im Musée d’Aquitaine in drei Sälen, eröffnet 10. Mai 2009) oder öffentlichen Hinweisschildern und Denkmälern. Seit Jahren gibt es eine ständige Kommission der Stadt Bordeaux zur Verbesserung des Gedenkens an den Sklavenhandel.

Denkmal für Al Pouessi, bekannt unter dem Namen Modeste Testas

Die Afrikanerin Al Pouessi (um 1765 – 1870, getauft auf den Namen Barthe Adélaide Modeste Testas) wurde nach ihrer Versklavung in West-Afrika von Sklavenhändlern aus Bordeaux gekauft und auf eine Plantage nach Saint-Domingue verbracht. Nach dem Tod ihres Besitzers wurde sie freigelassen. Sie starb 1870 im angeblichen Alter von 105 Jahren auf Land auf Haiti das ihr ehemaliger Besitzer ihr vermacht hatte. Zu ihren Nachkommen zählt u.a. François Denys Légitime, Präsident von Haiti von 1888 bis 1889.

Im Mai 2018 entscheid die Stadt Bordeaux Modeste Testas mit einem Denkmal gegen die Sklaverei zu ehren. Die Statue wurde von dem Künstler Woodly Caymitte Filipo aus Haiti realisiert und am 10. Mai 2019 eingeweiht.

Denkmal für Marthe Testas, vor der Bourse maritime Bordeaux

Vor der Statue informiert eine Tafel über das Leben von Testas:

Gedenktafel für Marthe Modeste Testas vor dem Denkmal (siehe Foto oben)

Denkmale gegen den Sklavenhandel in Bordeaux

Auf der Rue Fondaudège wurde bereits 2003 eine Gedenk-Plakette für Isaac Louverture eingeweiht (der hier lebte). Er war der Sohn von Toussaint-Louverture, schwarzer Politiker (Anführer der Revolution von Haiti 1791 – 1802; Aufstand der schwarzen bevölkerung Haitis gegen die französische Herrschaft; Haiti = bedeutendster Ort der Zucker-Herstellung) und General, wichtige Person der antikolonialen Bewegung und des Kampfes für die Abschaffung der Sklaverei.

2005 wurde auf der place Toussaint Louverture eine Büste des Politikers enthüllt, gestiftet von der Republik Haiti anlässlich den 200. Jahrestags der Gründung 2004.

Seit 10. Mai 2006 informiert eine Gedenktafel, dass die Quais von Bordeaux Ausgangspunkt des Sklavenhandels waren.

Gedenktafel Sklavenhandel, Bordeaux Garonne

Text der Gedenktafel:

„A la fin du XVIIème siècle, de ce lieu est parti le premier navire armé dans le port de Bordeaux pour la traite des Noirs.
Plusieurs centaines d’expéditions s’en suivirent jusqu’au XIX siècle.
La Ville de Bordeaux honore la mémoire des esclaves africains déportés aux Ameriques au mépri de toute humanité.“
(Tafel eingeweiht 10. Mai 2006)

Am 2. Dezember 2019 (Internationaler Tag der Abschaffung der Sklaverei) wurde eine Skulptur von Sandrine Plante-Rougeol enthüllt, die an die Sklavenhandels-Geschichte von Bordeaux erinnert. Sechs erläuternde Plaketten wurden an diesem Tag ebenfalls enthüllt und im Juni 2020 vor Ort gesetzt.

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Abschaffung der Sklaverei in Frankreich

  • Ende August 1789 – Sklaven-Aufstand auf Martinique
  • 22. / 23. August 17912 – Sklavenaufstand auf Saint-Domingue (damalige französische Kolonie auf dem Gebiet des heutigen Haiti)
  • 29. August / 4. September 1793 – die französischen Kommissare Sonthonas und Polverel schaffen die Sklaverei auf Saint-Domingue ab
  • 4. Februar 1794 – der Nationalkonvent beschließt die Abschaffung der Sklaverei in Frankreich und in den französischen Kolonien
  • 20. Mai 1802 Napoleon führt die Sklaverei ausdrücklich wieder ein
  • 29. März 1815 Napoleon schaftt den Sklavenhandel ab (100 Tage)
  • 1827 zweites Gesetz zur Abschaffung der Sklavenhandels in Frankreich
  • 22. Februar 1831 Abschaffung des Sklavenhandels unter Louis Philippe
  • 27. April 1848 endgültige Abschaffung des Sklaverei in Frankreich (Initiative Victor Schoelcher)

Für die Abschaffung der Sklaverei ließ sich Franreich zwanzig Jahre später ‚entschädigen‘. Mit Androhung von Krieg wurde das unabhängige Haiti gezwungen, 150 Millionen Franc Reparationszahlungen zu leisten, an ‚enteignete‘ Sklavenhalter. Die hierfür von Haiti aufgenommenen Schulden schwächten die haitianische Wirtschaft bis weit ins 20. Jahrhundert.

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Neben Bordeaux thematisieren auch andere Städte Frankreichs inzwischen ihre Beteiligung am Sklavenhandel. So behandelt das musée d’histoire von Nantes in mehreren Sälen den Sklavenhandel. Nantes war vor Bodeaux der französische Hafen mit dem größten Anteil am Sklavenhandel. Noch 1985 hatte das Bürgermeisteramt eine Ausstellung zu dem Thema verweigert – aus Angst vor Schaden für die Reputation der Stadt.