Sorry Angel / Plaire, aimer et courir vite (Frankreich 2018)

Christophe Honorés Film Plaire, aimer et courir vite ( international: Sorry Angel ) kehrt in die Aids-Krise der frühen 1990er Jahre zurück, in die Jahre ohne hochwirksame Medikamente, in die Jahre auch von ACT UP. Doch anders als in dem Film 120BPM über ACT UP Paris (mit dem er u.a. die Energie, den drive teilt) geht es hier nicht um Aktivismus und den Kampf gegen Aids. Plaire, aimer et courir (gefallen, lieben und schnell davon laufen) rückt vielmehr die Liebe in den Vordergrund, und die Frage welcher Raum, welche Möglichkeiten ihr in Zeiten von Aids bleiben – Lebenslust bis zum Schluß.

Jacques (beeindruckend Pierre Deladonchamps; in Deutschland am besten bekannt durch L’inconnu du lac / Der Fremde am See) ist in den Dreißigern, gutaussehend, erfolgreicher aber mittelloser Schriftsteller. Er lebt in Paris [an der Wand seiner Wohnung ein Poster des Films Querelle]. Seinen Sohn Louis zieht er gemeinsam mit dessen Mutter groß. Jacques ist mit HIV infiziert.

Arthur (Vincent Lacoste, 24) ist mit seinen 20 Jahren deutlich jünger als Jacques. Er lebt in Rennes [an der Wand u.a. Hervé Guibert], entdeckt gerade erst, dass er neben seiner Freundin auch auf Männer steht.
In einem Kino in Rennes lernen beide sich kennen, verlieben sich in einander.

Cannes 2018 / Plaire, aimer et courir vite / Sorry Angel (Foto: George Biard, lizenz cc by-sa 4.0)
Cannes 2018 / Plaire, aimer et courir vite / Sorry Angel (Foto: George Biard, lizenz cc by-sa 4.0)

Zwei Männer verlieben sich in einander. Beschliessen eine Strecke Weg gemeinsam zu gehen. Eine an sich banale Situation. Und doch, ihre Situation, ihre Perspektiven sind so verschieden. Arthur befindet sich noch am Anfang seines Weges, entdeckt sein Schwulsein und lebt es aus. Jacques hingegen weiß, und seine Ärzte bestätigen es ihm, seine Prognose ist schlecht, viel Zeit bleibt ihm nicht. Erste Liebe, letzte Liebe.

Wie viel Weg ist da gemeinsam? Wie viel Raum für Leben ist da, angesichts der Verzweiflung?

Christophe Honoré, Regisseur von Plaire, aimer et courir vite, ist damit wie Robin Campillo (120 BPM) ‚Zeitzeuge‘. Er lebte während seines Studiums in Rennes, zu recht genau der Zeit, in der der Film spielt. Dieser Film, berichtete er auf einer Pressekonferenz während der Filmfestspiele Cannes 2018, sei ihm eine Herzensangelegenheit, wenn auch mit Verzögerung:

„Moi, le petit étudiant de cinéma à Rennes qui rêvait de Koltès ou Truffaut, arrivé à Paris en 1994, j’ai compris rapidement que, même dans les milieux homosexuels, le sida était un sujet qu’on abordait peu. Beaucoup de nos proches sont morts pendant cette période et ceux qui restaient se sentaient presque coupables d’être encore là. C’est aussi pour cela que Robin et moi avons mis plus de vingt ans pour en parler. Il fallait laisser le temps à la maturation“, erzählte er zur Premiere einer Boulevard-Zeitschrift.
[‚Ich, kleiner Filmstudent in Rennes, der von Truffaut oder Koltès träumte, kam 1994 nach Paris. Ich verstand sehr schnell, dass Aids selbst in der Schwulenszene ein Thema war, um das man sich nur wenig kümmerte. Viele unserer Freunde starben in dieser Zeit, und diejenigen die überlebten fühlen sich fast schuldig, immer noch da zu sein. Auch aus diesem Grund haben Robin und ich mehr als zwanzig Jahre gebraucht, um darüber zu sprechen. Es brauchte diese Zeit der Reifung.‘]

Eine Nähe, die dem Film mit autobiographischen Anklängen anzumerken ist, in seiner Sensibilität, Nähe zu den Figuren, Charme. Bei aller Härte, mit der er alltägliche Realitäten zeigt [Realitäten, die ich damals, in diesen Jahren, mit selbst und mit Jean-Philippe nur zu intensiv erlebte], dabei – sehr französisch – nicht ohne Witz und Charme.

„Je n’ai pas envie de mourir chez mes parents, trop déprimant“
(‚Ich habe keine Lust bei meinen Eltern zu sterben, das ist mir zu deprimierend‚; Nachricht eines Freundes von Jacques, um Hilfe bittend, auf seinem Anrufbeantworter)

Arthur – Darsteller Vincent Lacoste, selbst geboren in dem Jahr, in dem der Film spielt, sieht sich im Film ein wenig als ‚alter ego‘ des Regisseurs, während Deladonchamps als Jacques ein Amalgam verschiedener damaliger, an Aids verstorbener Idole Honorés sei, u.a. Hervé Guibert und Bernard-Marie Koltes.

Plaire, aimer et courir vite und 120 BPM – der Höhepunkt der Aids-Krise als Thema im französischen Film

Plaire, aimer et courir vite spielt annähernd zur gleichen Zeit wie 120 BPM, der Film über ACT UP Paris, der 2017 für Furore sorgte. Zwei Filme, die die Verwüstungen zeigen die Aids anrichtete. Beide befassen sich mit der Zeit um den Höhepunkt der Aids-Krise. Beide Filme machen dies auf sehr unterschiedliche Weise, und wirken dabei dennoch eigentümlich verwandt (und nicht nur, wenn ACT UP auch in Honorés Film erwähnt wird).

Wo Robin Campilos 120 BPM den Aktivismus als Weg des Umgangs mit der Aids-Krise thematisiert, widmet sich Plaire, aimer et courir vite der persönlichen Ebene. Stellt die Frage, wie kann man leben, wie (und wie intensiv, wie lange) kann man lieben in Zeiten von Aids. Eine Frage, die der Film – so viel kann verraten werden, ohne die Spannung am und Lust auf den Film zu nehmen – auf seine Weise beantwortet: Leben und Lieben – leidenschaftlich, bis zum Schluß.

Zur damaligen Zeit, dem Umgang mit HIV und Aids in Frankreich siehe auch Homosexuelle und Aids in Frankreich in den 1980er Jahren – Reaktionen in französischen Schwulenszenen in den ersten Jahren der Aids-Krise.

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Alain Resnais letzter Film Aimer, boire et chanter fragte 2014, wie sich leben und lieben lässt angesichts schwerer Erkrankung (hier: Krebs des nie und doch immer präsenten George). Doch Resnais Film spielte an einem unbestimmten Tag, in irgend einem (schönen?) Mai. Greift Honoré mit Plaire, aimer et courir vite hierauf (mehr als nur mit Titel-Anklängen) zurück, auch wenn dieser nicht im Theater und in Vorgärten, sondern eben in grauer Aids-Realität Mitte der 90er spielt?

Plaire, aimer et courir vite – 2018 auch nach Deutschland

Plaire, aimer et courir vite (ursprünglicher Arbeitstitel Plaire, baiser et courir vite) wurde für den Wettbewerb um die Palme d’Or Cannes 2018 ausgewählt. Regisseur Christophe Honoré war sowohl für die Goldene Palme als auch die Queer Palm nominiert.

Die Dreharbeiten fanden ab Juni 2017 in der Bretagne (in der Gemeinde Binic sowie in der Innenstadt von Rennes) und in Paris und Amsterdam statt.

Der Film hatte seine Uraufführung in Cannes am 10. Mai 2018 unter dem Festival- und internationalen Titel Sorry Angel.

Beim Marché des Filmfestivals in Cannes 2018 sicherte sich Salzgeber die Rechte für Deutschland. Der Film kommt Ende Oktober 2018 in Deutschland in die Kinos (Salzgeber), unter seinem internationalen Titel Sorry Angel.

Die Rechte für Großbritannien erwarb der Independant Vertrieb  Thunderbird Releasing.

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Plaire, aimer et couriri vite / Sorry Angel – Trailer und zwei Interviews

Christophe Honoré, Regisseur von Plaire, aimer et courir vite, in einem Interview auf Arte (französisch, deutsch untertitelt)

Pressekonferenz Plaire, aimer et courir vite während des Filmfestivals in Cannes  (englisch)

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Sorry Angel – Filmplakat in einem Kino, Plakat Salzgeber)


Plaire, aimer et courir vite (Original-Titel)
Sorry Angel (Festival- und internationaler Titel)
Frankreich 2018
132 Minuten
Regie und Drehbuch: Christophe Honoré
Darsteller: Vincent Lacoste, Pierre Deladonchamps, Denis Podalydès, Rio Vega, Willemijn Kressenhof
Kamera: Rémy Chevrin
Produktion: Les Films Pelléas, ARTE France Cinéma

Uraufführung 10. Mai 2018 Cannes, Frankreich, gleichzeitig Kinostart in Frankreich
Kinostart in Deutschland 25. Oktober 2018 (französische OV mit deutschsprachigen UT)
Erstaufführung USA 30. September 2018 (New York Film Festival)

in Frankreich auf DVD und BluRay veröffentlicht 25. September 2018

Auszeichnungen
Festival de Cannes 2018 – Sélection officielle, Nominierung Goldene Palme, Auszeichnung Queere Palme
Festival du Film de Cabourg 2018 – Auszeichnung als beste Darsteller für Pierre Deladonchamps und Vincent Lacoste
Chicago Film Festival 2018 – Nominierung Gold-Q Hugo
International Cinephile Society Awards 2018 – Auszeichnung ICS Cannes Award

Fiertés / Mut zur Liebe – Arte Mini-Serie über Homosexualität von Mitterrand bis Homoehe

Der französisch-deutsche TV-Sender Arte zeigte im Frühjahr 2018 die Mini-Serie Mut zur Liebe / Fiertés. In drei Episoden wird von den Errungenschaften schwuler Bewegungen von Beginn der Präsidentschaft von François MItterrand 1981 bis zur Einführung der Homoehe unter Hollande 2013 erzählt.

Fiertés / Mut zur Liebe – Homosexuellen-Geschichte in drei Episoden

10. Mai 1981. François Mitterrand wird zum Präsidenten Frankreichs gewählt. Nur wenige Monate später, endlich wird unter Justizminister Robert Badinter das Sonderstrafrecht gegen Homosexuelle abgeschafft. Erst 1942 war es unter dem Kollaborations-Regime Pétain eingeführt worden.

1982 folgt die Einführung des Pacs, einer Art Lebenspartnerschaft, einer zivilrechtlichen Gestaltungsmöglichkeit homo- wie auch heterosexueller Partnerschaften.

Schließlich der 23. April 2013 – das französische Parlament stimmt abschließend für die Einführung der Ehe für alle, mit der die Homoehe ermöglicht wird (Promulguation 18. Mai 2013).

Diese wesentlichen Etappen von LGBT-Bewegungen seit 1982 in Frankreich verfolgt die Mini-Serie Fiertés, die der französisch-deutsche TV-Sender Arte Anfang Mai 2018 ausstrahlt.

In drei Episoden behandelt die Mini-Serie von Philippe Faucon die drei wesentlichen Schritte zwischen 1982 und 2013, verpackt in eine Liebesgeschichte über drei Generationen:

  • 1982 : dépénalisation de l’homosexualité – Straffreiheit für Homosexualität
  • 1998 : loi sur le PACS – Das Gesetz über den Pacs
  • 2013 : loi sur le mariage pour tous – das Gesetz zur Ehe für alle (Einführung der Homoehe)

Philippe Faucon, Regisseur von Fiertés / Mut zur Liebe , bei den Césars 2016 (Foto Georges Biard, Lizenz cc by-sa 3.0)
Philippe Faucon, Regisseur von Fiertés / Mut zur Liebe , bei den Césars 2016 (Foto Georges Biard, Lizenz cc by-sa 3.0)

Philippe Faucon à la cérémonie des César du cinémaGeorges BiardCC BY-SA 3.0Cette image contient des personnes qui peuvent avoir des droits qui légalement restreignent certaines réutilisations de l’image sans leur consentement.

Mut zur Liebe – Stolz im Plural

Mut zur Liebe erzählt über diese gesellschaftlichen Entwicklungen eingebettet in die Geschichte der Entwicklung des zu Beginn 17jährigen Victor (Benjamin Voisin / Samuel Theis) und seiner Beziehung während dreier Epochen. Prägend an Faucons Miniserie ist ein Blick voll Sympathie auf seine Figuren. Die Veränderungen in ihren Leben wie auch der gesellschaftspolitischen Situation wird von heiterer Leichtigkeit getragen, die doch gleichzeitig Ernsthaftigkeit wahrt, nie in Klamauk abgleitet. „Ein großer narrativer Entwurf„, kommentiert Daland Segler in der FR, und bemerkt über die französische Arte-Produktion „wieder so eine Erzählung, die man sich in diesem Mut, in dieser Größe und in dieser Konsequenz gerne auch im deutsche Fernsehen wünschen würde.“

Regisseur Philippe Faucon (geb. 26. Januar 1958) zum Verhältnis von Liebesgeschichten und Politischem:

„Avec José Caltagirone et Niels Rahou, les deux jeunes scénaristes qui m’ont apporté le projet, nous avons surtout travaillé les sentiments qui les lient, les situations que la société, c’est-à-dire le regard des autres, complique. La dimension politique de la série passe avant tout par la revendication, l’affirmation, le prisme de l’intime.“
(‚Gemeinsam mit den beiden Autoren José Caltagirone und Niels Rahou, die mir das Projekt vorschlugen, haben wir vor allem an den Gefühlen gearbeitet, die sie verbinden, den Situationen die die Gesellschaft, das heißt der Blick der anderen, erschwert. Die politische Dimension der Serie kommt zuvorderst durch Anspruch, durch Affirmation, durch das Prisma des Intimen.‘ Übers. UW)

Das Thema Aids findet in Fiertés auf angenehme Weise statt, nicht in den Vordergrund gerückt (es ist keine Mini-Serie über Aids, sondern über Erfolge schwuler Bewegungen), aber auch nicht vergessen. [hierzu siehe auch Homosexuelle und Aids in Frankreich in den 1980er Jahren – Reaktionen in französischen Schwulenszenen in den ersten Jahren der Aids-Krise]

Ausstrahlung aller drei Folgen auf Arte am 3. Mai 2018.

Im Begriff ‚fierté‚ (Stolz; kann in der französischen Sprache auch im Plural fiertés verwendet werden) klingt auch die in Frankreich übliche Bezeichnung für die CSD an: marche des fiertés. In Frankreich finden seit 1981 jährlich Demonstrationen von Lesben und Schwulen statt, seit den 2000er Jahren unter dem Begriff marche des fiertés (hier eine Liste der CSD in Frankreich im Jahr 2018).

Die Miniserie Mut zur Liebe / Fiertés wurde vom 2. Mai bis 16. Juni 2017 in der Region Paris (teilw. XX. Arr.) gedreht. Darsteller sind u.a. Emmanuelle Bercot, Jérémie Elkaïm, Chiara Mastroianni, Samuel Theis, Frédéric Pierrot, Stanislas Nordey, Sophie Quinton und Loubna Abidar.

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Fiertés / Mut zur Liebe – Veröffentlichung

In einer Art ‚Vor-Premiere‘ in kleinem Kreis war Fiertés (nach dem Festival SerieSeries / Cinemaketet in Oslo) in Frankreich bereits für alle Abgeordneten des französischen Parlaments zu sehen – auf einem Empfang, den Francois de Rugy, Präsident der Assemblée Nationale, am 20. März 2018 für SOS Homophobie gab.

Die Mini-Serie erschien in Frankreich am 25. April 2018 auf DVD.

Schon vor TV-Ausstrahlung wurde Fiertés auf dem Festival de Luchon mit dem Pyrénées d’Or als beste Serie ausgezeichnet.

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Fiertés / Mut zur Liebe
TV-Mini-Serie
engl. Welt-Titel Proud
1 Staffel, 3 Episoden à 48 Minuten
Arte Frankreich, 2018
Regie Philippe Faucon

Uraufführung Frankreich 8. Februar 2018 (Festival des Créations Télévisuels Luchon)
Erstausstrahlung auf Arte am 3. Mai 2018
in der Arte Mediathek vom 26. April bis 16. Mai 2018

Deutsche Synchronisation von Masn Abou-Dakn.

In Frankreich erschien Fiertés am 25. April 2018 auf DVD (3 Folgen plus 48 Minuten Bonus; leider nur mit Tonspur in französischer Sprache). Eine deutsche DVD-Veröffentlichung ist nach Angaben von Arte nicht absehbar.

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Tri-Ergon – 1919 wird in Berlin ein Verfahren für Tonfilm erfunden

Wie können stumme Bilder im Kino tönen? Drei Berliner Erfinder hatten 1919 eine Lösung – Tri Ergon. In Berlin-Wilmersdorf erinnert eine Gedenktafel an ihr ‚Laboratorium für Kinematographie‘.

Tri-Ergon – ein Begriff, der inzwischen nahezu in Vergessenheit geraten ist. Ganz anders in den 1920er Jahren. Die Anfänge des Tonfilms. In Berlin sind drei Männer ganz vorne mit dabei, bei der Entwicklung von Techniken zur Kombination von Bild und Ton.

Wie läßt sich Schall photographisch auf einem  Medium mit Bild kombinieren – zum Tonfilm? Damit beschäftigen sich in den 1920er Jahren Josef Engl, Hans Vogt und Joseph Massolle. Sie entwickeln das ‚Lichtton – Verfahren‘. Und gründen nebenbei auch noch ein Schallplattenlabel.

Tri Ergon - Gedenktafel für das 'Laboratorium für Kinematographie in Berlin'
Tri Ergon – Gedenktafel für das ‚Laboratorium für Kinematographie in Berlin‘

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zero patience – ein politisches Aids Musical (1993)

‚Zero Patience‘, einer der wohl bemerkenswertesten Aids-Filme mindestens der 1990er Jahre, hatte am 11. September 1993 sein offizielles Debut auf dem ‚Festival of Festivals‘ im kanadischen Toronto. Gelassenheit und Ironie, das zeigt das Aids-Musical ‚Zero Patience‘, war auch zu schlimmsten Zeiten der Aidskrise möglich.

Ist Geduld eine Tugend? Oder wollen wir Sünder in der Hölle sein? Und kann man über Aids ein Musical drehen, gar mitten in der Aidskrise Anfang der 1990er Jahre? Am Schluss des kanadischen Films ‚Zero Patience‚ mag man sich diese Frage vielleicht neu stellen.

5 – 4 – 3 – 2 – 1 – zero patience

Der Titel Zero Patience spielt bewusst mit der (besonders von Randy Shilts propagierten) ‚urban legend‘ des ‚patient zero‚ – jenes kanadischen Flugbegleiters, der als ‚Index-Patient‘ vermeintlich Auslöser der HIV-Epidemie in den USA sein sollte (siehe unten).

Zero Patience (1993, div. Medien)
Zero Patience (1993, div. Medien)

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Remi Laurent (1957 – 1989)

Remi Laurent, französischer Schauspieler, wurde in Deutschland insbesondere bekannt durch die beiden Filme ‚Her mit den kleinen Engländerinnen‚ sowie ‚Ein Käfig voller Narren‚. Er starb 32jährig 1989 an den Folgen von Aids.

Rémi Francois Simon Laurent wird am 12. Oktober 1957 in Suresnes geboren. Er verbringt seine Jugend gemeinsam mit einem Bruder und einer Schwester in Paris (16. Arrondissement). Er lernt Klavier, entscheidet sich früh Schauspieler zu werden.

Er hat eine Beziehung mit der Schauspielerin Anne Caudry (Anne-Marie-Louise-Jehanne Bernanos, 28.5.1957 – 23.8.1991; an den Folgen von Aids verstorben).

Am 23. Oktober 1984 heiratete Rémi Laurent in Budapest die Tänzerin Emöke Masznyik.

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Race d’Ep (Soukaz Hocquenghem1979)

Race d’Ep – ein aus der Schwulenbewegung Frankreichs 1979 entstandener vierteiliger Dokumentarfilm über das Entstehen eines homosexuellen Selbstbewusstseins, von Lionel Soukaz und Guy Hocquenghem.

Die Schwulenbewegung entstand nicht in den 1960er Jahren, sondern bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts – dies ist der strukturierende Grundgedanke des französischen Dokumentarfilms ‚Race d’Ep‘. Bei dem Entstehen eines homosexuellen Selbstbewusstseins komme der gerade aufkommenden Photographie eine besondere Bedeutung zu, sie „schuf eine neue Defintion von Männlichkeit„, so die Autoren (die sich dabei implizit auf Foucault beziehen). Sie ziehen in 4 Teilen eine Linie von Gloeden über Hirschfeld  bis zu Guy Hocquenghem (der im vierten Teil selbst auftritt) – oder, wie der Film selbst sagt „de Gloeden jusqu’à la pornographie actuelle„.

Wie es zu dem Titel des Dokumentarfilms kam, berichtet Hocquenghem im Vorspann:

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Bordeaux rue de la Tour du Pin – Fotos

Die rue de la Tour du Pin in Bordeaux verläuft in der Altstadt parallel zu den Quais. Sie hat ihren Namen von einem Turm. Er war unter dem Namen porte de Pey-Miqueu ein Tor der mittelalterlichen Stadtbefestigung.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurde dieser Turm unter dem Namen eines Bürgers der Stadt bekannt, Bertrand du Pin. Er wurde zum Tour du Pin (auch Tour Dupin) – und die Straße zur rue de la tour du pin.

Die Straße ist wie viele Straßen der Altstadt von Bordeaux sehenswert, wird oft zu den schönsten Straßen der Altstadt von Bordeaux gezählt. Zur Seite der Quais: wegen ihres Bestands an alten Gebäuden, der Masken aus Stein, der hohen Fenster der Balkongitter mit teils sehr aufwendigen Schmiedearbeiten. Zur Straße hin hingegen recht schlichte Fassaden mit einfachen Hauseingängen.

Und die rue delatourdupin ist neben anderem auch einer der wesentlichen Drehorte von „Die Bartholomäusnacht“ (Patrice Chéreau 1994).

rue de la tour du pin – Fotos

Bordeaux rue de la Tour du Pin 1

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Die Bartholomäusnacht (Patrice Chéreau 1994)

‚Die Bartholomäusnacht‘ war der erfolgreichste Film des französischen Autors, Schauspielers und Regisseurs Patrice Chéreau. Gedreht wurden viele Szenen des Films über das Massaker an den Hugenotten nicht an Originalorten in Paris, sondern in Bordeaux.

Patrice Chéreau drehte seine Film „Die  Bartholomäusnacht“ (La Reine Margot, Koproduktion Frankreich – Italien – Deutschland) 1993 nach der Vorlage des Romans von Alexandre Dumas aus dem Jahr 1845. Darsteller/innen sind u.a. Isabelle Adjani, Daniel Auteuil, Jean-Hugues Anglade und Virna Lisi (sowie Thomas Kretschmann in einer frühen Rolle als Nançay).

Paris im Jahr 1572, Zeit der Konfessionskriege. Aus politischen Gründen, um einen lange währenden Glaubenskrieg zu beenden, heiratet Margarete von Valois, die Schwester des (katholischen) Königs von Frankreich, den (protestantischen) Heinrich, König von Navarra. Noch am Abend der Hochzeit jedoch begegnet sie einem geheimnisvollen Fremden (ebenfalls Protestant). Zwei Männer, die fortan ihr Leben bestimmen. In eben dieser Nacht werden Tausende Protestanten auf Befehl der Mutter des Königs umgebracht – das Massaker der Bartholomäusnacht, das Chéreau in seinem Film bildgewaltig (aber nicht immer den historischen Fakten entsprechend) ausmalt.

Szene im Schlafzimmer Margaretes von Valois während der Bartholomäusnacht, Alexandre-Évariste Fragonard (1780–1850)
Szene im Schlafzimmer Margaretes von Valois während der Bartholomäusnacht, Alexandre-Évariste Fragonard (1780–1850)

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Nacht und Nebel – der Schriftsteller Jean Cayrol

Der französische Poet, Essayist und Schriftsteller Jean Cayrol (1911 – 2005) ist in Deutschland wenig bekannt – wohl aber eines seiner bekanntesten Werke, ‚ Nacht und Nebel ‚.

Jean Cayrol

Jean Raphaël Marie Noël Cayrol wurde am 6. Juni 1911 in Bordeaux geboren. Seine Kindheitstage verbrachte Cayrol oft im nahe Bordeaux am Atlantik gelegenen Lacanau Océan. Bereits mit 16 Jahren gründete er seine erste Literatur-Zeitschrift. Nach einem ohne Abschluss beendeten Jurastudium arbeitete er in Bordeaux als Bibliothekar.

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The Boys : queer as folk – Autor realisiert Serie über Aids in den 80ern

Russel T. Davies, Autor der Erfolgs-Serie ‚queer as folk‘ und der in Großbritannien 2015 gestarteten Trilogie ‚Cucumber Banana Tofu‚, will sich in seinem neuen Projekt ‚The Boys‘ mit schwulen Männern und der Aids-Krise in den 80er Jahren befassen. Die Produktion soll 2019 stattfinden.

Schwule Männer in den 1980er Jahren, zu Beginn und auf dem Höhepunkt der Aids-Krise, sollen im Mittelpunkt der neuen Serie von queer as folk – Autor Russel T. Davies stehen. Die ursprünglich für 2016 geplante Serie, so berichtete Davies anlässlich eines Launch-Events seiner neuen Trilogie ‚Cucumber Banana Tofu‚ 2015,  sei zwar fiktional, aber autobiographisch inspiriert. Er sei damit auch sein bisher persönlichstes Werk, erklärt Davies, dessen Partner vor kurzem lebensbedrohlich erkrankt war. Es gebe eine Menge zu erzählen über diese Zeit.

plant mit 'The Boys' Film über Aids in den 1980ern: Russell T. Davies, Schöpfer von Queer as Folk (Foto: Tony Hassall)
plant mit ‚The Boys‘ Film über Aids in den 1980ern: Russell T. Davies, Schöpfer von Queer as Folk (Foto: Tony Hassall, cc-by 2.0)

Russell T Davies – Tony Hassall from Manchester, EnglandCC BY 2.0

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