citizen gay – David Girard (1959 – 1990)

Er prägte das schwule Nachtleben von Paris Ende der 1980er Jahre wie kaum ein anderer: der Geschäftsmann David Girard. Als einer der ersten baute er ein ’schwules Imperium‘ auf. Als ‚König des schwulen Nachtlebens‘ erwarb er sich den Spitznamen ‚citizen gay‘.

David (Jacques) Girard wird 1959 in der Kleinstadt Saint-Ouen nordwestlich von Paris (Départment Seine-Saint-Denis) geboren. Sein Vater ist ein aus Tunesien stammender Jude, seine Mutter arbeitet als Prostituierte. 1974, David ist 15 Jahre alt, stirbt seine Mutter. Er verläßt die Schule, schlägt sich zunächst mit Gelegenheitsarbeiten durch, bevor er nach Paris umzieht und als Jungkoch arbeitet.

David Girard

Mit 21 beginnt er als Stricher auf der rue Saint-Anne und im Bois de Boulogne zu arbeiten – ein Anfang einer Karriere als Geschäftsmann, den er auch später (ebenso wie die Arbeit seiner Mutter) nie leugnet.

Je ne sais pas si c’est vraiment le plus vieux métier du monde, en tout cas, c’est celui que faisait ma mère.“ (Beginn des Textes auf der Rückseite des Außenumschlags seiner Autobiographie)
(Ich weiß nicht, ob es wirklich das ‚älteste Gewerbe der Welt‘ ist, auf jeden Fall war es das, was eine Mutter machte. Übers. UW)

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Berlin Nollendorfplatz Rosa Winkel – Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

Seit 1989 hängt am U-Bahnhof Berlin Nollendorfplatz eine Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen – damals das erste Gedenken an homosexuelle NS-Opfer im Öffentlichen Raum.

Die Gedenktafel wurde am 24. Juni 1989 am U-Bahnhof Nollendorfplatz (am Ende der Motzstrasse) enthüllt. Die Gedenktafel – eine dreieckige Tafel aus rotem Granit, in Erinnerung an den ‚Rosa Winkel‘ – trägt den Text

TOTGESCHLAGEN
TOTGESCHWIEGEN
DEN
HOMOSEXUELLEN OPFERN
DES
NATIONALSOZIALISMUS

Berlin Nollendorfplatz Rosa Winkel - Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, Berlin Nollendorfplatz
Rosa Winkel – Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, Berlin Nollendorfplatz

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KZ Gedenkstätte Neuengamme

Das KZ Neuengamme, ab 1938 zunächst als Außenlager des KZ Sachsenhausen errichtet, wurde ab 20. April 1945 aufgelöst. Aber wie kam es nach 1945 zur heutigen KZ Gedenkstätte Neuengamme ? Und warum besteht sie erst seit 2005?

1938 erwarb ein Unternehmen der SS von der Stadt Hamburg das Gelände einer ehemaligen Ziegelei – zur Errichtung eines Konzentrationslagers und Lieferung von Tonziegeln für das Elbufer, finanziert durch die Stadt Hamburg. Am 12. Dezember 1938 wurde der Betrieb aufgenommen, zunächst als Außenstelle des KZ Sachsenhausen. Schon ab 1940 wurde Neuengamme selbständiges Konzentrationslager.

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Frank Wagner (1958 – 2016)

Frank Wagner, Kunsthistoriker und Kurator in Berlin, realisierte zahlreiche wegweisende Ausstellungen. Besonders bekannt wurde seine europaweit einmalige Ausstellung ‚VOLLBILD.‘ 1988, sowie deren Nachforschung nach 25 Jahren 2013/14 ‚LOVE AIDS RIOT SEX‘.

Frank Wagner im Januar 2014
Frank Wagner im Januar 2014

Frank Wagner wurde am 27. August 1958 geboren. Er studierte an der FU Berlin Kunstgeschichte, Philosophie und Literaturwissenschaft. Seit 1985 konzipierte und ab 1987 kuratierte er Kunstausstellungen; seit 1985 war er Mitglied von RealismusStudio der nGbK Berlin.

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Walter D. Schultz (1910 – 1964) – engster Freund von Kurt Hiller

Der Journalist Walter D. Schultz war ab 1948 Mitarbeiter, später Programmdirektor beim Norddeutschen Rundfunk NDR – und seit 1934 der engste Freund des Schriftstellers und schwulen Aktivisten Kurt Hiller, der in seinem Grab beigesetzt ist.

Walter Detlef Schultz – der sich Zeit seines Lebens Walter D. Schultz nannte – wurde am 5. Oktober 1910 in Hamburg geboren. Nach Schulzeit und kaufmännischer Lehre in Hamburg arbeitete er ab 1929 in Hannover und studierte parallel Betriebslehre, Staatswissenschaft und Literturgeschichte.

1930 trat Schultz aus der SPD aus und wurde in der KPD aktiv, enagierte sich gegen den Nationalsozialismus. Aufgrund seiner politischen Aktivitäten wurde er ab 1933 mehrfach in Konzentrationslagern (Mohringen, Oranienburg, Lichtenberg) inhaftiert. Im KZ Oranienburg lernte er 1933 oder 1934 den Schriftsteller und schwulen Aktivisten Kurt Hiller kennen, der sich in ihn verliebte.

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Josef Kohout (1915 – 1994) und Heinz Heger (1914 – 1978)

Ein Homosexueller berichtet über seine Zeit im KZ – ‚Die Männer mit dem Rosa Winkel‘ von Heinz Heger war bei seinem Erscheinen 1972 der erste Erfahrungsbericht eines schwulen Mannes über seine Zeit im KZ. Schnell wurde das Buch bekannt – die Verwirrung um Autor, Protagonist und Pseudonym löste sich erst viel später auf.

Der ‚Rosa Winkel‘ war in der NS-Zeit das Kennzeichen für homosexuelle Häftlinge in KZs (sofern sie wegen ihrer Homosexualität dorthin verschleppt wurden) – ein Stoffaufnäher, ein auf der Spitze stehender rosafarbener Winkel mit einer Nummer, der an der Häftklingskleidung auf der linken Brustseite getragen werden musste. Die ‚Männer mit dem Rosa Winkel‘ wurde so zum Begriff für die Gruppe homosexueller KZ-Insassen – und zum Titel eines bedeutenden Buches, Heinz Hegers im Januar 1972 veröffentlichtes ‚Die Männer mit dem Rosa Winkel‚.

Lange Zeit wurde – u.a. aufgrund der Erzählstruktur des Ich-Erzählers – davon ausgegangen, dass ‚Die Männer mit dem Rosa Winkel‚ ein autobiographischer Bericht und der Autor Heinz Heger derjenige KZ-Häftling sei, über den das Buch berichtet.

Doch weder war Heinz Heger der wahre Name des Autors, noch waren Autor und Protagonist die gleiche Person.

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Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle in Lübeck

Seit Januar 2016 hat die Hansestadt Lübeck ein Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle in Lübeck.

Auch in Lübeck wurden in der NS-Zeit schwule Männer verfolgt, im Zeughaus gefoltert, teilweise in Lager gebracht. Gedacht wurde ihrer in Lübeck bis Ende 2015 offiziell nicht. Seit 23. Januar 2016 gibt es das Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle in Lübeck:

Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle in Lübeck
Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle in Lübeck

Um diese bisherige Nicht-Nennung zu ändern, initiierte der Verein ‚Lübecker CSD e.V.‘ 2014 die Erweiterung der 1986 geschaffenen ‚Gedenkstätte für Verfolgte des Nationalsozialismus‘ (die in Lübeck der zentrale Ort des Gedenkens und Erinnerns ist) um ein Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle in Lübeck. Der Text an dieser Gedenkstätte lautete bis Ende 2015

„Dem Gedenken der Lübecker Bürger, die in den Jahren 1933 bis 1945 aus politischen, religiösen und rassischen Gründen Opfer der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden. Ihr Leidensweg begann in vielen Fällen hier, in den Haftzellen der Geheimen Staatspolizei im Keller des ehemaligen Zeughauses.“

noch ohne Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle in Lübeck: Gedenkstätte Opfer des Nationalsozialismus in Lübeck im Jahr 2008 (Foto: Kresspahl / cc-zero)
noch ohne Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle in Lübeck: Gedenkstätte Opfer des Nationalsozialismus in Lübeck (Foto 2008: Kresspahl / cc-zero)

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Endlich ein LGBT Archiv in Paris?

Aktivisten vor dem Centre LGBT Paris IdF am Internationalen Tag gegen Homophobie 2012 (Foto: LGBTI75)

Entsteht absehbar endlich ein LGBT Archiv in Paris? Jahrelange Bemühungen scheinen nun Früchte zu tragen – die Stadt Paris bewilligte Mittel für eine Vorstudie für das Archiv. Es soll möglichst mit weiteren bestehenden LGBT-Archiven ein Netzwerk bilden.

Seit Jahren wird gefordert, ein zentrales Archiv für die Materialien und Dokumente der Lesben-, Schwulen-, Bi- und Transgender-Bewegungen in Paris zu schaffen. Nachlässe zahlreicher AktivistInnen und Akten vieler Gruppierungen „schmachtet bisher in diversen Kellern„,wie David Belliard, Ko-Vorsitzender der Grünen in Paris, betonte. Nun sind konkrete Schritte eingeleitet, ein LGBT-Archiv zu installieren.

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Herbert Hoffmann (1919 – 2010)

Herbert Hoffmann (1919 – 2010) war einer der bekanntesten Tätowierer Deutschlands. Dass er schwul war, seine ‚älteste Tätowierstube in Deutschland‘ seit Beginn der 1960er Jahre gemeinsam mit seinem Lebenspartner führte, war weit weniger bekannt.

Herbert Hoffmann wurde am 30. Dezember 1919 in Freienwalde in Pommern als Sohn eines Fleischermeisters geboren. Bald zog die Familie nach Berlin, Hoffmann wuchs in Charlottenburg auf. 1949, gerade zurück aus sowjetischer Kriegsgefangenenschaft,  erhielt er seine erste eigene Tätowierung (‚Glaube Liebe Hoffnung‘, ein ‚klassisches‘ Seefahrer-Motiv). Bald folgen weitere Tätowierungen, u.a. von Christian Warlich, ‚Urvater‘ der Tätowierer in Deutschland.

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Stolperstein Hamburg Hartungstr. 7a – Johann-Nielsen Jebsen (akt.)

Gunter Demnig verlegte am 4. März 2014 in Hamburg Rothenbaum einen Stolperstein für Johann-Nielsen Jebsen.

Am 4. und 5. März 2014 war Gunter Demnig (2009 mit dem Erich-Mühsam-Preis ausgezeichnet) in Hamburg. Am 4. März verlegte er auf der Hartungstrasse (Eimsbüttel / Rotherbaum) einen Stolperstein für Johann-Nielsen Jebsen:

Stolperstein Hamburg Hartungstr. 7 - Gunter Deming bei der Verlegung am 4. März 2014
Stolperstein für Johann-Nielsen Jebsen, Hamburg Hartungstr. 7 – Gunter Deming bei der Verlegung am 4. März 2014

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