Homosexualität_en Ausstellung Berlin – Eröffnung 24.6.2015

Die Ausstellung Homosexualität_en wurde am 24. Juni 2015 in Berlin im Deutschen Historischen Museum DHM und im Schwulen Museum* eröffnet

Homosexualität_en Ausstellung Berlin – Eröffnung Deutsches Historisches Museum 24.6.2015 – Fotos

Homosexualität_en Berlin 2015 Eröffnung
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Homosexualität_en Berlin 2015 Eröffnung
Homosexualität_en Berlin 2015 Eröffnung

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HIV-Community-Preis 2015 an zwei Projekte aus Frankfurt und Köln

Das Projekt „Helping Hand” des HIVCENTER der JW Goethe-Universität Frankfurt sowie der „Kontaktladen Vision e.V.” des JES Bundesverbandes sind heute im Rahmen des Deutsch-Öster­reichischen AIDS-Kongresses (DÖAK) mit dem HIV-Community-Preis 2015 ausgezeichnet worden. Die Deutsche AIDS-Gesellschaft, die Deutsche AIDS-Hilfe, die Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (dagnä) und Janssen haben den Förderpreis 2013 ins Leben gerufen, um wegweisende gemeinnützige lokale Projekte und Netzwerke auszuzeichnen, in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und damit zur Nachahmung anzuregen. Das Preisgeld in Höhe von insgesamt 12.000 Euro wird je hälftig von dagnä und Janssen gestiftet.

HIV Community Preis

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Hans Borgward und die Gesellschaft für Reform des Sexualrechts

Der Kaufmann Hans Borgward (1895 – ?) war ein bedeutender Aktivist der 50er-Jahre-Homosexuellenbewegung.

Hans Borgward war Gründer und wichtigster Kopf der Gesellschaft für Reform des Sexualrechts (1949 – 1960), einer der wesentlichen Gruppen der zweiten Homosexuellenbewegung – und die einzige Gruppierung, die erfolgreich eine Eintragung als Verein erreichte.

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Hans Borgward (1895 – ?)

Hans Borgward wurde am 27. Februar 1895 in Berlin als Sohn eines Schneiders geboren. Er wuchs in Schöneberg nahe der Apostel-Paulus-Kirche auf. In den 1930er Jahren (1934 bis 1938) betrieb er hier als Juwelier eine Silberwarenhandlung.

In der NS-Zeit wurde Hans Borgward wegen Homosexualität verhaftet (Juni 1935), für drei Monate ins KZ Lichtenberg deportiert und zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt.

In Nachkriegs-Deutschland engagierte sich Hans Borgward für die Rechte Homosexueller. Er gründete 1950 die Gesellschaft für Reform des Sexualrechts (s.u.).

Seit den 1930er Jahren lebte Hans Borgward in Berlin-Schöneberg in der Grunewaldstraße 78:

Wohnsitz von Hans Borgward und Geschäftsstelle der Gesellschaft für Reform des Sexualstrafrechts
ehemaliger Wohnsitz von Hans Borgward und in den 1950er Jahren Sitz der Geschäftsstelle der Gesellschaft für Reform des Sexualstrafrechts

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Gesellschaft für Reform des Sexualrechts (1950 – 1960)

1949 kam es  in Frankfurt auf Impuls von Hans Giese unter anfänglicher Beteiligung von Kurt Hiller zum Versuch, das WhK (wissenschaftlich-humanitäre Komitee) in der Tradition der Homosexuellenbewegung der Weimarer Republik in West-Deutschland wieder zu gründen.

In Berlin bemühten sich Homosexuelle, als ‚Gruppe Groß-Berlin des WhK‘ eine Regionalgruppe zu gründen. Doch es gelang nicht, Widerstände im Berliner Magistrat gegen den 1949 gestellten Antrag auf Zulassung als Verein zu überwinden. Auf den entsprechenden Antrag von Erich Ritter hieß es „Herr Oberbürgermeister Reuter konnte sich nicht entschließen, dieser Organisation die Lizenz zu erteilen.“ (Pretzel).

In Reaktion (und Trennung von Gieses Frankfurter Gruppierung) wurde 1950 die Gesellschaft für Reform des Sexualrechts gegründet. Die Eintragung als Verein war erfolgreich (9. Juni 1951) – in der Satzung tauchten Worte wie homosexuel oder Homosexualität nicht auf. Die Gesellschaft für Reform des Sexualrechts (GfRdS) war damit in den 1950er Jahren die einzige (!) Vereinigung Homosexueller, die erfolgreich den offiziellen Rechtsstatus des Vereins erreichte.

Politisch engagierte sich die Gesellschaft für Reform des Sexualrechts für die Abschaffung oder Reform des Paragraphen 175 (der auch nach 1945 in der von den Nazis 1935 verschärften Fassung weiter bestand), sowie für eine einheitliche Schutzaltersgrenze bei einvernehmlichen sexuellen Kontakten von 16 Jahren.

Daneben bot die GfRdS ihren Mitgliedern Rechtsberatung und Rechtsbeistand, sowie ein umfangreiches Clubleben. Die GfRdS unterhielt Kontakte zu anderen Homosexuellenorganisationen in Deutschland und international. Ab 1951 arbeitete sie mit im International Committee for Sexual Equality (ICSE). 1954 wurde sie kooperatives Mitglied der ‚Gesellschaft für Menschenrechte‘ (GfM, Hamburg).

Vorsitzender  der Gesellschaft für Reform des Sexualrechts war bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1960 der Kaufmann Hans Borgward (der zuvor auch schon einer der Vorsitzenden im Berliner WhK war). Der Verein hatte eine Geschäftsstelle in Berlin-Schöneberg in der Grunewaldstraße 78, wo sich seit den 1930er Jahren Borgwards Wohnung befand. Vereinslokal war die Gaststätte ‚Pilsator‘ (Potsdamer Str. 102). Ein weiterer Treffpunkt der GfRdS war ab 1954 das Lokal „Die Hütte“, das die Berliner Sektion der GfM betrieb.

Weitere bedeutende Aktivisten der Gesellschaft für Reform des Sexualrechts waren Karl Schorpp (Sekretär der Geschäftsstelle), der Arzt Werner Becker (1927 Spandau – 1980), der Mediziner Wolfgang Boroffka (geb. 1920), Wolfgang Rothe (Nachbar von Borgward), der Schöneberger Rechtsanwalt Dr. Werner Hesse (1906 – 1989, Anwalt des Vereins, bekannter Strafrechtsexperte für Homosexuelle, „Gibt’s Prozesse geh zu Hesse“), sowie Richard Schulz (1899-1977). Zu den Mitgliedern gehörten u.a. Otto Warlich und Bruno Balz (Textdichter u.a. für Zarah Leander und Caterina Valente), unterstützt wurde die GfRdS auch von Künstlern wie dem Regisseur Ludwig Berger, sie hielt Kontakt mit dem Schriftsteller und Mitglied der Widerstandsgruppe ‚Rote Kapelle‘ Arnold Bauer (1910-2006).

Ende der 1950er Jahre hatte die Gruppe noch um die 50 Mitglieder. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts 1957 und intensivierter Repression gegen Homosexuelle und ihre Organisationen in Westdeutschland kam es 1958 zu einer  Hausduchsuchung bei Borgward. Im gleichen Jahr war die GfRdS noch präsent auf dem ICSE-Kongress in Brüssel (als eine von nur noch zwei Gruppen aus Deutschland, neben der IFLO).

Im Oktober 1959 beschloss der Vorstand die Auflösung der Gesellschaft für Reform des Sexualrechts, am 13. Janaur 1960 billigten die Mitglieder dies bei der Generalversammlung des Vereins. Im Sommer 1960 veranlasste Hans Borgward die Löschung des Eintrags im Vereinsregister. Vereinsunterlagen wurden der am 22. September 1951 gegründeten (aber nie im Vereinsregister eingetragenen) Internationalen Freundschaftsloge (IFLO) in Bremen überlassen. Dort wurden sie bei der Sturmflut 1962 vernichtet; im gleichen Jahr löste sich die IFLO auf.

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Andreas Pretzel: NS-Opfer unter Vorbehalt – homosexuelle Männer in Berlin nach 1945
Landestelle für Gleichberechtigung – gegen Disktriminierung: Persönlichkeiten in Berlin 1825 – 2006. Erinnerungen an Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen (pdf)

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Krise queerer Medien in Frankreich – nach Tetu jetzt auch Yagg in Schwierigkeiten?

Das französische LGBT-Internetportal Yagg ist in größeren finanziellen Schwierigkeiten, die die Zukunft der Seite bedrohen. Damit vergrößert sich die Krise von queeren Medien in Frankreich. Erst vor kurzem hatte das Homo-Magazin Tetu Konkurs angemeldet.

Das Internetportal Yagg berichtet von ernsthaften finanziellen Problemen.  Bis zum Ende des Sommers sollen, so das Ziel der Redaktion, 3.000 neue Abonnent/innen gefunden werden, um das Überleben der Seite zu sichern.

Yagg habe seit seinem Bestehen zu wenig Unterstützung von öffentlichen oder privaten Stellen erhalten, beklagen die Redakteure. Auch ein Antrag auf 140.000€ aus einem von Google finanzierten Fonds zur Förderung elektronischer Medien (FINP) sei soeben abgelehnt worden.

Yagg setzte zu Beginn auf gratis lesbaren Content und wechselte erst vor kurzem teilweise auf Artikel mit einem Bezahlmodell (Yagg-Plus).

Yagg startete am 4. November 2008 und wurde von vier Journalist/innen gegründet, unter ihnen Christophe Martet, zuvor von 1999 bis 2007 stellvertretender Chefredakteur des Homo-Magazins Tetu und 1994 bis 1996 Präsident von ACT UP Paris.

2013 / 2014 hatten Tetu und Yagg im Internet-Bereich zusammen gearbeitet – de facto hatte Yagg die redaktionellen Inhalte geliefert und technische Dienstleistungen für Tetu erbracht.

Tetu musste nach 20jährigem Bestehen vor kurzem Konkurs anmelden, ob das Magazin nach der viermonatigen Frist des Konkursverfahrens eine Überlebens-Chance hat, hängt vor allem auch davon ab, ob ein finanzstarker Partner gefunden werden kann.

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Aktualisierung
19.06.2015: Die Vereinigung französischer LGBT-Journalisten (AJL, Association des journalistes LGBT) zeigte sich in einer Stellungnahme besorgt über die Schwierigkeiten bei zwei der wichtigsten LGBT-Medien in Frankreich.
Der französische Geschäftsmann Jean-Jacques Augier, Inhaber von Tetu, bemerkte zur Krise der LGBT-Medien und der ‚Demobilisierung von Lesern‘, in Zeiten von Ehe für alle und Ende der Stigmatisierung Homosexueller fehle vielen lesern und Internetnutzern die Einsicht in die Notwendigkeit von Medien, die für ihre Rechte eintreten.  Unter Verweis auf sein Lieblingsbuch (‚Gay Berlin‘, Roberrt Beachy) betonte er, die Geschichte zeige dass Gleichberechtigung ein ständiger Kampf sei.
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Yagg 15.06.2015: Yagg en difficulté financière

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Adieu positiv e.V.

Am Wochenende (12. bis 14. Juni 2015) traf sich positiv e.V., einer der Organisatoren und Veranstalter der Bundesweiten Positiventreffen im Waldschlößchen, zu seiner jährlichen Klausur-Tagung. Ich habe mit dieser Klausur meine Mitgliedschaft bei positiv e.V. beendet.

Ich bleibe dem Verein positiv e.V. in Gedanken verbunden. Ich werde sicher auf dem ein oder anderen Treffen zukünftig als Teilnehmer sein – und mich auch inhaltlich einbringen, wie zum Beispiel bei der Konzeption der ‚Positiven-Uni‘ im kommenden Januar. Dafür aber muss ich nicht Mitglied sein.

Wie Positiventreffen zukünftig gestaltet sein sollen, welche Inhalte und Themen, welche Zielgruppen – da sollen jüngere Positive (als ich es bin) sich vermehrt einbringen.

Ich hoffe weiterhin, den Zeitpunkt zu erleben an dem für Positiventreffen – da es keine Aidskrise mehr gibt, Leben mit HIV mit keinen Probleme mehr verbunden ist – kein Bedarf mehr besteht. Bis es soweit ist, wünsche ich positiv e.V. und den Bundesweiten Positiventreffen alles Gute.

Appell vom 18. Juni 1940 – Charles de Gaulle

Frankreichs Widerstand gegen die Besatzung wird weitergehen – in seinem Appell vom 18. Juni 1940 ruft Charles de Gaulle zum Widerstand und zum Kampf auf. Er legt damit den Grundstein für Frankreichs Zukunft und rettet die Ehre der Franzosen.

„Aber ist das letzte Wort gesprochen? Muss die Hoffnung weichen? Ist die Niederlage endgültig? Nein!“

„Was auch geschieht: Die Flamme des französischen Widerstandes darf und wird nicht erlöschen.“

Mit eindringlichen Worten wendet sich Charles de Gaulle in seinem Appell vom 18. Juni 1940 an das französische Volk. Der britische Premierminister Winston Churchill hatte de Gaulle genehmigt, sich über BBC direkt an das französische Volk zu weden.

De Gaulle fordert energischen Widerstand gegen die Besetzung Frankreichs und gegen die NS-Truppen. Die Niederlage sei nicht endgültig. Er fordert insbesondere Offiziere und Soldaten, Facharbeiter und Ingenieure der Rüstungsindustrie auf sich ihm anzuschließen, und kündigt weitere Ansprachen für die folgenden Tage an.

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Frankreich: Homo-Magazin Tetu konkurs

Tetu konkurs – kurz vor seinem 20jährigen Jubiläum steht  das 1995 gegründeten Homo-Magazin vor dem Aus. Vier Monate Zeit bleiben, das weitere Schicksal des Magazins zu klären.

Frankreichs bedeutendstes Homo-Magazin Tetu ist konkurs. Die Redaktion teilte am Abend des 1. Juni 2015 mit, das Handelsgericht habe am gleichen Tag über die Herausgeberin und Muttergesellschaft CPPD auf Antrag des Direktors das Konkursverfahren eröffnet. Diese hatte am 28. Mai ihre Zahlungen eingestellt.

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Frankreich: Konservative jetzt ‚Les républicains‘ – Homogegner in Führungskreis

Frankreichs Konservative haben sich umbenannt – statt UMP nun ‚Die Republikaner‘. Homogegner einer Tochter-Organisation der ‚la manif pour tous‘ können ihren Einfluss in der Parteiführung weiter ausbauen.

Aus der UMP (Union pour un mouvement populaire,  ‚Union für eine Volksbewegung‘) wird ‚Les Républicains‘ (‚Die Republikaner‘) – so beschlossen die Mitglieder der Partei Ende Mai 2015 auf Vorschlag der Parteiführung um ex-Präsident Nikolas Sarkozy mit großer Mehrheit von über 83%. Eine weitere Entwicklung in der verwirrenden Vielfalt des französischen Parteiensystems?

Neuer Name, neues Logo, neues Programm – doch ist für Schwule, Lesben, Bis und Trans* wirklich Neues von der neu benannten Partei zu erwarten? Frischer Wind – oder doch nur Schall und Rauch?

Sarkozy bleibt Sarkozy – auch wenn er sich derzeit ‚zahmer‘ gibt, ‚mitfühlender‘. Kontinuität gibt es nicht nur an der Spitze der Paertei, auch bei Personal und (mangelnder) Offenheit für LGBT-Themen.

schart auch als Chef der 'Républicains' Homogegner um sich: Nicolas Sarkozy 2014 (Foto: Bfauvergue)
schart auch als Chef der ‚Républicains‘ Homogegner um sich: Nicolas Sarkozy 2014 (Foto: Bfauvergue)

Sarkozy bemüht sich seit längerem intensiv, als Kandidat der französischen Konservativen UMP für die Wahl zum Präsidenten der Republik aufgestellt werden. Die Wahl findet 2017 statt. Der Kandidat der Konservativen wird 2016 in einer parteiinternen Vorwahl bestimmt.

Sein aussichtsreichster Gegenkandidat, der Bürgermeister von Bordeaux und frühere Premierminister Alain Juppé, hatte die ‚Ehe für alle‘ als de facto in der französischen Gesellschaft angekommen bezeichnet und einer Abschaffung widersprochen. Eine Haltung, die er am 31. Mai 2015 (kurz nach dem umbenennungs-Partietag der ‚Répubilains‘) erneut bestätigte.

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Homogegner bei den ‚Républicains‘

Auch wenn die Partei umbenannt, das Politbüro teils neu besetzt wurde – auch für LGBT bleibt die Partei ‚alter Wein in neuen Schläuchen': viele Spitzenpolitiker der ‚Republikaner‘ lehnen eine Gleichberechtigung von LGBT ab. Im Gegenteil, Homogegner können ihre Position in der Parteiführung weiter ausbauen. Insbesondere scheinen Bemühungen zunehmend erfolgreich, die Gruppe ‚sens commun‘ in die Parteispitze zu integieren.

Das Politbüro, das früher bei der UMP 61 Personen umfasste, besteht bei den ‚Republikanern‘ seit 19. Mai 2015 aus 115 Politiker/innen. Unter den Führungskräften der neuen alten Partei befinden sich zahlreiche engagierte Gegner von Homosexuellenrechten, so z.B.

  • Sébastien Pilard: Präsident von ‚Sens commun‘, der Organisation, die sich besonders dafür einsetzt, die Homogegner der ‚Manif pour tous‘ in die UMP zu integrieren.
  • Madeleine de Jessey, bereits Ende 2014 zur Generalsekretärin für Ausbildungsprogramme der UMP ernannt und Sprecherin der aus der ‘manif pour tous’ 2013 hervorgegangenen Bewegung ‘Sens Commun’.

Sowohl Pilard als auch de Jessey, beide Spitzenkräfte von ‚sens commun‘,  setzen sich besonders dafür ein, die Gruppierung in die ‚Républicains‘ zu integrieren. Hinter den Bemühungen um Integration der Homogegner in die früher UMP steht ein Ziel: Die Organsation ‘sens commun’ wolle die Hauptkraft bei einem Regierungswechsel im Jahr 2017 werden, hatte Sprecherin de Jessey bereits Ende 2013 geäußert.

‘Sens Commun’ (“gesunder Menschenverstand”, geschätzt 5.000 Anhänger) ist eine Tochter-Organisation der ‚la manif pour tous‘ (lmpt), die ab 2012 die Massenproteste gegen die Einführung der ‚Ehe für alle‘ (Homoehe) organisiert hatte. Schon 2013 hatte UMP-Vorsitzender Sarkozy Repräsentanten von ‚sens commun‘ offiziell empfangen.

Laurent Wauquiez (als dessen Schülerin und Protégée Medien zufolge de Jessey sich bezeichnet) ist weiterhin als Generalsekretär Nummer 3 der Konservativen (auch wenn zwischenzeitlich Gerüchte über seine baldige Ablösung ‚wegen mangelnder Loyalität‘ die Runde machten). Wauqiez gilt unter Frankreichs Konservativen als besonders ausgeprägter Gegner der Homoehe, für deren Abschaffung er auch nach Einführung und Urteil des Verfassungsgerichts weiter kämpft.

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Konservative in Frankreich – viele Namen, ein Konzept

Die (gaullistischen) Konservativen in Frankreich haben ab 1947 bereits mehrfach den namen gewechselt.

  • 1947 gründet Charles de Gaulle in der Vierten Republik (1946 – 1959) das RPR (Rassemblement du peuple français; Versammlung bzw. Sammlungsbewegung des französischen Volkes). Enttäuscht beendet er 1953 seine Aktivitäten für das RPF nach internen Spannungen. Das RPF wird aufgelöst, de Gaulle zieht sich zurück.
  • 1958 wird mit der Verabschiedung einer neuen Verfassung die Fünfte Republik gegründet. Einige gaullistische Gruppierungen gründen 1958 die UNR (Union pour la Nouvelle République; Union für die neue Republik), ab 1962 unter Einbeziehung der 1959 gegründeten ‚linken Gaullisten‘ der Union démocratique du travail (UDT).
  • Bei den Wahlen 1967 tritt die UNR unter dem Namen UDR oder UD-Ve an (Union des Démocrates pour la Ve République, Union der Demokraten für die Fünfte Republik). Seit kurz nach der Wahl wird nur noch die Bezeichnung UDR verwendet.
  • 1971 folgt eine erneute Namensänderung. Nachdem sich anch dem maiunruhen 1968 die Fünfte Republik stabilisiert hat, lautet der Name der Partei Union des démocrates pour la République (Union der Demokraten für die Republik).
  • 1976 gründet Jacques Chirac nach dem Bruch mit Valéry Giscard d’Estaing und in der Zeit seiner Kandidatur als Bürgermeister von Paris die Nachfolge-Partei RPR (Rassemblement pour la République, Versammlung bzw. Sammlungsbewegung für die Republik).
  • Die RPR und die Zentristen sowie Liberale Demokraten (DL) schließen sich 2002 zum Bündnis UMP (Union pour un mouvement populaire ; Union für eine Volksbewegung) zusammen.
  • Diese UMP benennt sich schließlich im Mai 2015 um in Les Républicains (Die Republikaner).

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Les Républicains – mehr als nur ein Name?

‚Republikaner‘ – ein Parteiname, der für deutsche Ohren vorbelastet erscheint, klingt, so mögen konservative Parteistrategen in Frankreich hoffen, einfach besser als UMP. Doch der neue Name ist alles andere als unumstritten.

Schon die Geschichte des Parteinamens zeigt: es gab immer wieder gewisse Tendenzen, den Gedanken der Republik für sich zu vereinnahmen.

Kritiker bemerken angesichts des neuen Namens bereits, dieser könne nun auch ‚monopolisieren‘, könne dazu dienen, alle diejenigen, die sich nicht den ‚Republikanern‘ zugehörig fühlen, die außerhalb dieses ‚strahlenden Ideals‘ stünden auszugrenzen. Philosophen kritisierten es als unverantwortlich, einer Partei einen Namen zu gebnen der vorspiegele alle die Republik schätzenden Bürger zu vereinen, so als gäbe es keine außerhalb dieser Partei.

Entsprechend bemerken rechte Konservative bereits, so wie sie ‚Sozialisten‘ mit ihrem Partei-Namen den Sozialismus verteidigen, würden die Konservativen mit dem neuen Partei-Namen ‚die republikanische Identität verteidigen‘. Und selbst Sarkozy erläutert die Umbenennung, man wolle sich „zur Belebung der Republik“ nun an alle Franzosen wenden. Den Linken warf er vor, diese verteidigten nicht die Republik, sondern karikierten sie.

Mehrere Abgeordnete der Linken, einige Organisationen sowie 107 Einzelpersonen haben Beschwerde gegen den neuen Namen eingelegt- dessen Zulässigkeit die Justiz prüfte, die Einsprüche jedoch zurück wies.

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Auch die Homogegner der ‚manif pour tous‘ haben sich jüngst als Partei konstituiert. Ob neben Steuervorteilen (Absetzbarkeit von Spenden) doch auch politische Absichten dahionter stehen, blieb zunächst unklar.

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Hamburgs erstes Stadttor – der Bischofsturm

Die Überreste des ältesten erhaltenen Baus Hamburgs sind mitten in der Stadt zu sehen – etwas unscheinbar, im Keller unter einem Bäckerei-Café: der Bischofsturm.

Eines der bedeutendsten archäologischen Denkmale Hamburgs liegt mitten in der Hamburger Innenstadt, unscheinbar unter einem Bäckerei-Café nahe der St. Petri – Kirche: der Bischofsturm.  Sein noch erhaltenes und zugängliches Fundament weist einen Außen-Durchmesser von 19 Metern auf; es ist der älteste erhaltene Bau Hamburgs.

Bei Aufräumarbeiten, bei der Räumung von Trümmerschutt wurde 1962 an der Ecke Speersort / Kreuslerstraße ein Fundament entdeckt und bis 1965 ausgegraben, ein großer Ring aus Findlingen, der sich bald als Überrest des Bischofsturms erwies.

Der Bischofsturm war vermutlich ein Späh-Turm, Teil der ersten Hamburger Stadtbefestigung (des sog. Heidenwalls). Er wurde erstmals erwähnt 1074 in einer Kirchenchronik als ‚Steinernes Haus‘, das sich Erzbischof Adalbrandt von Bremen habe errichten lassen.

Im Helms-Museum in Hamburg – Harburg ist ein Modell der Rekonstruktion der Bischofsburg im Maßstab 1 : 75 zu sehen:

Bischofsturm - Modell im Helms-Museum Hamburg
Bischofsturm – Modell im Helms-Museum Hamburg

Die Bischofsburg war vermutlich Teil des ältesten Hamburger Stadttors (12. Jahrhundert) – und ist bereits auf dem ersten Staatssiegel Hamburgs zu sehen

erstes Staatssiegel Hamburgs mit Bischofsturm, 1241, Replik
erstes Staatssiegel Hamburgs mit Bischofsturm, 1241, Replik

Replik des ersten Staatssiegels Hamburgs (1241; Helms-Museum Hamburg) – die Tortürme entsprechen der Bischofsburg, deren Nordturm Teil des ältesten Hamburger Stadttors war.

Der Bischofsturm ist als Außenstelle des Archäologischen Museums Hamburg  Montag bis Freitag von 7:00 Uhr bis 19:00 UIhr sowie Samstag von 07:00 Uhr bis 18:00 Uhr zugänglich (Schauraum unter dem Bäckerei-Café ‚Dat Backhuis‘, Speersort 10, siehe Langeplan unten). Außerhalb der Öffnungszeiten ist der Bischofsturm durch die großen Glasscheiben sichtbar:

Bischofsturm Hamburg
Bischofsturm Hamburg

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Lageplan Bischofsturm Hamburg

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Querelen um CSD Paris – Motto nach Kritik geändert

Querelen um den CSD Paris – ist er zu unpolitisch? In Paris versucht ein feministisches Kollektiv, mit einem Nachtmarsch am Vorabend des ‚Marche des fiertés‘ 2015 zu zeigen, dass der CSD Paris auch ein Protest-Potential hat. Das ursprünglich geplante Motto wurde nach massiver Kritik Ende Mai geändert.

Am 27. Juni 2015 findet in Paris der ‚Marche des Fiertés de Paris‘ statt, der CSD Paris. Zu unpolitisch sei er geworden, mehr ein Spektakel, eine Party als eine politische Demonstration – solche (auch von CSDS in Deutschland nicht unbekannten) Klagen sind in Paris seit einigen Jahren zu hören. Nun versucht eine feministische Gruppierung, dem CSD neues politisches Bewusstsein einzuhauchen.

CSD
CSD Paris wieder politischer machen? „mon corps – mes choix – nos luttes“ – Transparent (etwa: mein Körper, meine Wahl(en), unsere Kämpfe)  (Foto: Collectif 8 Mars pour ToutES !)

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