Schilleroper Hamburg (1889 – ?)

Das ehemalige Zirkus-Gebäude Schilleroper in Hamburg St. Pauli wurde ursprünglich für den Zirkus Busch erbaut. Die Rotunde gilt in Deutschland als einmalig. Das Gebäude steht seit 2006 komplett leer. Seine Zulunft ist unsicher.

die Schilleroper in Hamburg St. Pauli, ehemaliges Zirkus-Gebäude, im November 2019

Die Schilleroper wurde in den Jahren 1889 (Baugesuch) bis 1891 für den Circus Busch (heute Circus Busch-Roland) gebaut. 1891 wurde der Stahlskelettbau mit einer Gala-Vorstellung eröffnet.

1899 übernimmt der erfolgreiche Zirkus Busch den Konkurrtenten Renz – und zieht um in dessen Gebäude am Millerntor. 1905 wird das Gebäude zum Schiller-Theater umgebaut. Es eröffnet am 19. April 1905. 1916 geht das Theater in Konkurs, auch aufgrund kriegsbedingter Einnahme-Rückgänge.

In den Folgejahren finden zahlreiche Besitzerwechsel statt. Im April 1931 wird das Gebäude zwangsversteigert. Nach Umbau wird es 1932 neueröffnet als Oper. 1939 wird es behördlich geschlossen. Im 2. Weltkrieg wird das Gebäude als Wartungshalle für Militär-Fahrzeuge, später als Kreigsgefangenenlager genutzt und im Krieg teilweise zerstört.

Ab den 1950er Jahren wird das Gebäude als Hotel genutzt, als „Hotel Schiller-Oper“. Nach erneutem Konkurs erfolgt 1952 eine weitere Zwangsversteigerung. In den 1960er Jahren wird das Gebäude als Wohnhaus für so genannte ‚Gastarbeiter‘ genutzt, im Foyer ein Restaurant eröffnet. Mitte der 1970er Jahre führt ein Brand zu weiteren Zerstörungen.

In dne 1990er Jahren sind in den Abbauten Asylbewerber untergebracht; das Foyer wird wieder asls Restaurant genutzt. Zwischen 2003 und 31. März 2006 wird das Foyer ein letztes Mal genutzt – für den beliebten Club ‚Schilleroper‘.

Schilleroper Hamburg St. Pauli November 2019
Die Schilleroper im November 2019

Seit 2012 steht die Schilleroper unter Denkmalschutz (nachdem dies bereits 1998 angekündigt wurde). Zuvor hatte das Denkmalamt 2007 bereits einem Abriss-Antrag der Eigentümer widersprochen.
Der ‚Denkmalschutz‘ heißt bei der Schilleroper allerdings: das Objekt steht zwar auf der ‚Verzeichnis erkannter Denkmäler‘ der Hansestadt Hamburg (pdf). Es ist allerdings bisher kein eingetragenes Kulturdenkmal. (Welche Gefahren darin liegen können, zeigt 2019 erneut der Abriss des Cityhofs in Hamburg).

Im April 2018 zeigte ein Gutachten, dass das Gebäude zwar Schäden aufweist, akut aber keine Einsturzgefahr besteht. Es sei sanierungsfähig. Allerdings seien umfassende Sanierungsmaßnahmen erforderlich. Zuvor hatte der Eigentümer mit mehreren Gutachten versucht, eine Befreiung von Denkmalschutz-Auflagen zu erreichen.

Der Eigentümer des Gebäudes (eine immobilienforma) ist anonym, die Interessenwahrnehmung erfolgt durch die Schilleroper GmbH. Persönliche Gesprächsversuche scheiterten bisher, die Kommunikation mit der Stadt erfolgt ausschließlich schriftlich.

Die Stadt bereitete Ende 2018 eine Sicherungsverfügung an den Eigentümer (der Neubauten planen soll) vor, um das Gebäude zu erhalten. Diese sollte Anfang 2019 zugestellt werden. Sollte der Eigentümer die angeordneten Reparaturen nicht vornehmen lassen, werde eine Ersatzvornahmen angeordnet – die Stadt werde die Reparaturen selbst veranlassen, auf Kosten des Besitzers.

„Rettet die Schilleroper …“

Eine Intiative sammelte mehrere Tausend Unterschriften für den Erhalt der Schilleroper.

Cleews Velay (1964 – 1994)

Der französische Aids-Aktivist und Präsident von ACT UP Paris Cleews Velay prägte intensiv die Aids-Bekämpfung in Frankreich in den frühen 1990er Jahren.

Cleews Velay, famous second president of ACT UP Paris in the 90s, in 2019 will be honoured by the city of Paris with a memorial plaque as well as naming a street in paris.

Cleews Velay wurde am 3. Februar 1964 in Gonesse (Val d’Oise) geboren. Sein Vater warf ihn aus dem Haus, als er von Cleews Homosexualität erfährt. Ende der 1980er Jahre erfuhr er von seiner HIV-Infektion.

Seit der Gründung im Juli 1989 war Cleews Velay bei ACT UP Paris aktiv. Von September 1992 bis September 1994 (kurz vor seinem Tod) war er als Nachfolger des Gründers Didier Lestrade Präsident von ACT UP Paris.

Cleews starb am 18. Oktober 1994 in Paris an den Folgen von Aids. Im Krankenhaus war er u.a. von Chansonstar Barbara besucht worden, die sich bereits seit 1988 sehr im Kampf gegen Aids engagierte.

Politisch war Cleews bis über den Tod hinaus. Auf seine Anweisung hin war seine Beisetzung am 26. Oktober 1994 ein ‚politischer Akt‘. Cleews Sarg wurde in einer Art ‚politischer Prozession‘ vom Schwulen- und Lesbenzentrum zum Friedhof Pere Lachaise getragen. Über 500 Personen nahmen teil. Auf Pere Lachaise fand die Einäscherung statt.
Einige Tage später wurde seine Asche öffentlich verstreut – unter anderem im Rahmen einer Aktion bei einer Versammlung von Versicherungsvertretern (die Versicherung UAP schloss damals HIV-Positive von der Deckung aus), sowie bei einem treffen mit Vertretern des Pharmakonzerns Glaxo (bei dem es darum ging, wie schnell das damals neue Medikament 3TC verfügbar wird).

2019 – Paris gedenkt Clews Velay

Die Stadt Paris ehrt 2019 Cleews Velay auf besondere Weise. An den ACT UP Aktivisten wird mit einer Gedenkplakette erinnert, zudem wird eine Promenade nach ihm benannt. Beides wird am 30. November 2019 eingeweiht.

Stadt Paris – Einladung zur Einweihung der gedenk-Plakette für Cleews Velay am 30. November 2019

An der Fassade des Hauses Nr. 44 in der rue René Boulanger wird eine Gedenkplakette angebracht. Sei soll den Text „En mémoire de Cleews Vellay (1964-1994) mort du sida PrésidentE d’Act Up-Paris dont le local se trouvait dans cet immeuble“ (In Gedenken an Cleews Velay (1996 – 1994), der hier wohnte, gestorben an den Folgen von Aids, Präsident von ACT UP Paris) tragen. Die Promenade zwischen dieser Straße und dem Boulevard Saint-Martin soll nach velay benannt werden.

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„Au fait, docteur, si demain vous me proposez des quetsches pour durer encore un peu, je les prendrai, jusqu’au dégoût, parce qu’il faut bien l’avouer ici : j’ai envie de vivre, et pas seulement pour faire chier le monde.“
(Herr Doktor, und wenn Sie mir morgen Zwetschgen verschreiben würden damit ich ein wenig länger lebe, ich würde sie bis zum Erbrechen nehmen. Denn es geht darum: ich habe Lust zu leben, und das nicht nur um die Welt wütend zu machen. [Übers. UW])

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In dem Film 120 BPM hat Regisseur Robin Campillo Cleews portraitiert in Form der Film-Figur des Sean [siehe auch ACT UP und Gewaltfreiheit].

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Cleews hat mich damals zutiefst beeindruckt. Er war politisch aus tiefster Überzeugung, auf eine radikale Weise offen mit seiner HIV-Infektion und Aids-Erkrankung. Er stand für einen Mut, wie ihn nur wenige hatten. Und Cleews stand beispielhaft dafür, über die Schranken der eigenen Betroffenheit als schwuler Mann weit hinaus zu blicken – ihm war es immer ein wichtiges Anliegen, auch Frauen, Drogengebraucher, Menschen mit Migrationshintergrund mit einzubeziehen.

City Hof Hamburg (1958 – 2019)

1958 wurde in Hamburg der Hochhaus-Komplex City Hof eingeweiht (Fertigstellung 1997). Es war eine der ersten Hochhaus-Anlagen die nach Ende des 2. Weltkriegs in Hamburg errichtet wurden, und ein bedeutendes Beispiel der Nachkriegsmoderne.

2019 wurde der City Hof nach langen Kontroversen trotz Denkmalschutz abgerissen.

City Hof Hamburg Abriss 2019
City Hof Hamburg, Abriss, November 2019

Cityhof Architekt Rudolf Klophaus

Architekt des Cityhofs war Rudolf Klophaus Klophaus wurde 1885 nahe Solingen geboren. Er starb 1957 in Hamburg.

Klophaus, Zeitgenosse des Hamburger Architekten Werner Kallmorgen, realisierte u.a. das Kontorhaus Mohlenhof, den Altstädterhof, den Umbau und die Aufstockung des Klockmann-Hauses sowie das Pressehaus Speersort und das Bartholomayhaus im Kontorhausviertel.

Klophaus war in der NS-Zeit an zahlreichen offiziellen Großaufträgen beteiligt. In der Entnazifizierung wurde er zunächst als ‚minderbelastet‘, später als ‚Mitläufer‘ eingestuft.

City Hof

Der City-Hof wurde ab 1952 auf dem Grundstück des ebenfalls von Klophaus entworfenen monumentalen Baus der Verwaltungszentrale der Hamburger Hochbahn errichtet. Dieser wurde 1938 begonnen, jedoch nicht fertiggestellt und nach Kriegsende wieder abgerissen.

Klophaus, der im benachbarten Kontorhausviertel bereits mehrere Bauten errichtet hatte, bekam den Auftrag zur Errichtung des Cityhofs. Er entwarf einen Gebäudekomplex aus vier quergestellten aufgeständerten Hochhaus-Scheiben, die durch eine Ladenpassage miteinander verbunden wurden.

Die Hochhäuser wurden mit weißen Keramikplatten (Leca) verkleidet [auf den Fotos des Abrisses gut zu erkennen]. 1977 wurden über diesen (teilweuise beschädigten) Keramikplatten graue Eternitplatten montiert.

City Hof Hamburg zur Zeit des Abrisses, November 2019

Die Fertigstellung des City Hofs erlebte Klophaus selbst nicht mehr, er starb kurz vorher am 3. Juli 1957.

Im Mai 2013 wurde der Cityhof unter Denkmalschutz gestellt. Am 31. März 2016 stimmte der Hamburger Senat einem Verkauf des Gebäudes zu. Den Zuschlag erhielt ein ortsansässiges Bauunternehmen. Dessen Konzept sah einen Abriss und Neubebauung der Fläche vor. Intensive Diskussionen um Erhalt oder Abriss des City Hofs unter Einbeziehung der UNESCO / ICOMOS (aufgrund es Welterbe-Status von Speicherstadt und Kontorhausviertel) folgten. Denkmalschützer, Architekten und Initiativen protestierten.

Am 20. März 2019 wurde der Abbruch des City Hofes trotz Denkmalschutz genehmigt.

SEENEOH Bordeaux – Nutzung von Gezeitenströmung zur Energiegewinnung

Mitten in Bordeaux, in der Gironde-Mündung befindet sich seit 2017 mit SEENEOH eine experimentelle Anlage zur Erforschung der Nutzbarkeit von Strömungen zur umweltfreundlichen Energiegewinnung.

SEENEOH, die ‚Site Expérimental Estuarien National pour l’Essai et l’Optimisation d’Hydroliennes‚ (Nationale Versuchs-Anlage zur hydroelektrischen Energiegewinnung), dient dazu, die Chancen der Energiegewinnung aus Gezeitenströmung zu untersuchen.

SENEOH Bordeaux hydroelektrische Versuchanalage (Anlage am Quai)
SENEOH Bordeaux hydroelektrische Versuchanalage (Anlage am Quai)

Die Mündung der Gironde ist die größte Flussmündung Europas. Ein Tidenhub von maximal über 5 Meter sowie starke Strömungen von bis zu 3,6 Meter pro Sekunde kennzeichnen die Strömung. Zu 80% der Zeit liegt die Strömungsgeschwindigkeit sicher über 1 m/s. (Surfer nutzen dies bei der Gezeitenwelle Mascaret)

SENEOH Bordeaux hydroelektrische Versuchanalage (Anlage am Fluss) SENEOH Bordeaux hydroelektrische Versuchanalage (Anlage am Fluss,im Hintergrund die Strassenbahn Bordeaux auf der pont de Pierre )

Die zentrale Anlage mit dem 27m langen und 11m breiten Turbinengehäuse wurde Mitte Feburar 2017 nahe der pont de Pierre positioniert. Sie weist insgesamt eine Kapazität von 250 kW auf.

Am 1. März 2018 ging die Anlage offiziell in Betrieb. Zuvor wurden bereits ab Mitte 2017 HydroQuest Turbinen untersucht.

Die Anlage SEENEOH (tidal test site #tidalenergie ) ist mit dem Stromversorgungs-Netz der Stadt Bordeaux verbunden. Die Gezeitenstrom-Versuchsanlage ist einzigartig in Frankreich.

Auf drei schwimmenden Platformen, benannt Quebec, Bristol und Bilbao, werden technische und Umwelt- Untersuchungen durchgeführt. Verschiedenste Typen von Strömungs-Turbinen können hier unter realen Bedingungen auf ihre Einsatzfähigkeit untersucht werden.

Seeneoh ist seit 2012 als private Gesellschaft (SAS) verfasst. Eigentümer sind Cerenis, Energie de la Lune, Valorem und Route des Lasiers.

Horst Janssen (1929 – 1995)

Horst Janssen wurde geboren am 14. November 1929 in Wandsbek bei Hamburg. Er wuchs zusammen mit seiner Mutter bei den Großeltern in Oldenburg auf.

1945 zog Janssen nach Hamburg zu seiner Adoptivmutter, der Schwester seiner 1943 verstorbenen Mutter. Von 1946 bis 1951 studiert er in der Landeskunstschule am Lerchenfeld, seit Beginn als Meisterschüler von Alfred Mahlau. In seiner Klasse u.a. auch Vicco von Bülow (aka Loriot) und der Grafiker Herbert Grunwaldt (1928 – 2014).

Jannsen gilt als einer der herausragenden Zeichner und Grafiker des 20. Jahrhunderts.

Horst Janssen in seinem Atelier in Hamburg-Blankenese 1968 (Foto: MoSchle, Lizenz cc-by-sa 3.0)
Horst Janssen in seinem Atelier in Hamburg-Blankenese 1968 (Foto: MoSchle, Lizenz cc-by-sa 3.0)

Horst Janssen Museum Oldenburg

Im November 2000 wurde in Oldenburg nahe dem Pferdemarkt das Horst Janssen Museum eröffnet.

Horst Janssen Museum Oldenburg-1
Horst Janssen Museum Oldenburg

Das neu gegründete Museum findet seine Wurzeln in der über 1.800 Blatt umfassende Sammlung des Ehepaars Carin und Carl Vogel. 2016 wurde der Museumsbestand bedeutend ergänzt durch die Erwerbung der privaten Sammlung von Stefan Blessin.

Um das (weniger bekannte) Lebens Janssens in Oldenburg zu entdecken, bietet das Musem u.a. einen entdeckenswerten ‚Stadtplan Horst Janssen auf der Spur‘ (erhältlich imm Musuem sowie in der Tourist Info am Lappan).

Horst Janssens Grab Oldenburg

Janssen starb am 31. August 1995 in Hamburg an den Folgen eines Schlaganfalls. Er wurde seinem eigenen Wunsch entsprechend beigesetzt auf dem Gertrudenkirchhof in Oldenburg.

Horst Janssen, Grabstätte
Janssens Grabstätte auf dem Gertrudenkirchhof Oldenburg

Janssen zum 90. Geburtstag

Zu seinem 90. Geburtstag am 14. November 2019 widmet das Janssen Museum in Oldenburg ihm eine Sonderausstellung unter dem Titel „Kosmos Janssen: wie er schreibt_“. Im Vorfeld lasen Schauspieler_innen wie Alexander Fehling,Robert Stadlober oder Anna Thalbach ausgewählte Texte von Janssen.

Anna Thalbach liest Texte von Janssen, Janssen Museum Oldenburg, 4.11.2019

die Strassenbahn Clermont Ferrand – Translohr NTL

In der Stadt Clermont Ferrand im Zentrum Frankreichs südwestlich des Regionalpark Morvan ging am 14. Oktober 2006 der erste Streckenabschnitt der Strassenbahn Clermiont Ferran in Betrieb. Das neu gebaute Straßenbahn-System wurde seit 2000 geplant – die Tramway de Clermont Ferrand. Zuvor hatte es bereits zwischen 1890 und 1956 ein Straßenbahn-System in Clermont Ferrand gegeben.

Strassenbahn Clermont Ferrand
Strassenbahn Clermont Ferrand, August 2019

Für Kosten in Höhe von insgesamt 350 Mio. € (Fahrweg, Fahrzeuige, Infrastruktur) entstand ein Netz aus einer Linie mit 15,4 km Strecke und 34 Haltestellen.

Ursprünglich wurde für Clermont Ferrand ein System auf Basis von Alstom Citadis Strassenbahnen geplant und 1996 bestellt. Doch nach massiven Interventuionen der Industrie- und Handelskammer (insbesondere auch des in Clermont Ferrrand ansässigen unternehmens Michelin) wurde die ursprüngliche Planung überarbeitet. Nach erneuter Ausschreibung fiel 2002 die Entscheidung für das System Translohr.

Am 14. Oktober 2006 ging der erste Teilabschnitt (Strecke Champratel – CHU Gabriel Montpied) in Betrieb. Der Teilabschnitt CHU Gabriel Montpied – La Pardieu Gare mit zusätzlichen 9 Haltestellen wird seit 27. August 2007 bedient. Der letzte Streckenabschnitt ging am 14. Dezember 2013 in Betrieb: Champratel – Les Vergnes.

Technisch wurde ein gummibereiftes mittig zwangs-spurgeführtes System des Konzepts Translohr errichtet:

Straßenbahn Cermont Ferrand, Blick auf die Spurführung

das gummibereifte System Translohr

Beim System Translohr werden die Fahrzeuge über eine mittig gelegene Schiene zwangsgeführt. Sie sind gummibereift auf Michelin-Reifen (in Clermont Ferrand produziert).

Strassenbahn Clermont Ferrand System Translohr Spurführung
Straßenbahn Clermont Ferrand, System Translohr, Modell der Spurführung (in L’Aventure Michelin

Die Fahrzeuge haben einen Mindest- Wendekreis 10,5 Meter, Steigungen bis 13% sind möglich (in Clermeont Ferrand im Betrieb: bis zu 12% Steigung).

Dieses System ist ein indirekter Nachfolger der ‚Micheline‘, ein mit Luftreifen ausgestatteter Schienenbus, der in den 1930er Jahren von Michelin entwickelt wurde.

Straßenbahn-Systeme des Konzepts Translohr wurden neben Cermont Ferrand auch gebaut in Tianjin (China, Inbetriebnahme 2006), Padua (Italien, 2007), Shanghai (Chuina, 2009), Venedig (Italien, 2010)Saint-Denis (Frankreich (2013), Chatillon (Frankreich, 2014) und Medelin (Kolumbien, 2015). Ein für L’Aquila geplantes und bereits im Bau befindliches System wurde nicht mehr realisiert.

Strassenbahn Clermont – Ferrand – Zukunfts-Aussichten

Das in Cermont Ferrand realisierte System hat sich als nicht zukunftweisend erwiesen. Ende 2018 wurde die Produktion von Fahrzeugen des Systems Translohr eingestellt.

ein Fahrzeug der Strassenbahn Clermont Ferrand an der Haltestelle 1er Mai, August 2019

Eine zusätzliche 7 km lange Linie B in Clermont Ferrand wird bereits angedacht als ‚konventionelle‘ Straßenbahn.

Aufgrund der Produktionseinstellung des Systems Translohr wird auch eine Umstellung der 15 km langen Linie A auf ‚konventionellen‘ Strassenbahn- Betrieb erwogen.


Pferdemarkt – die Vier Pferde von Oldenburg (1970)

Die Skulptur Vier Pferde wurde 1970 auf dem Pferdemarkt in Oldenburg aufgestellt. Geschaffen vom Bildhauer und Maler Heinrich Schwarz, soll sie einen der zentralen Plätze der Stadt symbolisieren. Und erzählt nebenbei eine Geschichte über fehlende Bürgerbeteiligung …

Pferdemarkt Vier Pferde Oldenburg
Vier Pferde (Heinich Schwarz, 1970) – Oldenburg, Pferdemarkt

Vier Pferde (1970) – Großplastik auf dem Pferdemarkt Oldenburg

Vier stilisierte Pferde aus Beton – eine Skulptur versinnbildlicht seit 1970 den Namen eines der zentralen Plätze in Oldenburg – der Pferdemarkt.

‚Vier Pferde‘ – eine Großplastik aus Beton mit beeindruckenden Maßen: 4,50 Meter hoch, und jeweils 4 Meter breit und tief, bestehend aus in einander gesteckten ‚Beton-Scheiben‘.

Im April 1970 wurde die Plastik errichtet. Und sie sorgte für heftige Diskussionen und Proteste. So manchem wäre eine ’naturalistischere‘ Darstellung lieber gewesen …

Pferdemarkt Vier Pferde Oldenburg
Vier Pferde (Heinich Schwarz, 1970) – Oldenburg, Pferdemarkt

Hinzu kam die ein wenig problematische Geschichte der Skulptur. Sie wurde ohne jegliche Beteiligung der Bürger errichtet. Mit der Stadtverwaltung in Person des Oberstadtdirektors Heinz Rathert sowie Stadtbaurat Horst Neidhardt fanden ab 1968 zwei Jahre dauernde Gespräche statt. Die Oldenburger Bevölkerung jedoch wurde erst im Frühjahr 1970 unterrichtet – besser, de facto vor vollendete Tatsachen gestellt. Am 25. April 1970 stimmte der Rat der Errichtung der Skulptur trotz lebhafter Proteste zu.

Ein weiterer Grund für das Staunen vieler Bürger: die Skulptur war ein Geschenk – genau derjenigen Baufirmen (Hecker und Stefen), die zuvor an der Umgestaltung des zentralen Platzes Pferdemarkt mit Großaufträgen beteiligt waren.

der Pferdemarkt in Oldenburg

Am nördlichen Rand der Innenstadt von Oldenburg befindet sich seit dem 17. Jahrhundert ein Platz, der auf ein Weidegelände zurück geht: der Pferdemarkt.

1682 wird er erstmals als ‚Marktplatz von Oldenburg‘ erwähnt. Vom 19. Jahrhundert bis Ende der NS-Diktatur wurde der Pferdemarkt als Exerzierplatz genutzt. Später wurde hier zeitweilig der Kramermarkt veranstaltet (seit 1962 auf der Fläche vor der Weser – Ems – halle).

Seit den 1960er Jahren ist der Pferdemarkt im wesentlichen – ein dem Verkehr gewidmeter Platz. Ein Kreisel von Verteiler-Straßen des Straßenverkehrs, ohne echte Funktion als Platz. Auf einen (westlichen) Teil der Fläche findet weiterhin ein Wochenmarkt statt (ansonsten Parkplatz). Den Südrand des Pferdemarkts schneidet zudem die 1967 in Betrieb genommene Hochbrücke der zentralen Bahnstrecke Oldenburg – Leer bzw. Oldenburg – Wilhemshaven (bis 1966 blieben hier die Schranken lange, sehr lange geschlossen).

Der Pferdemarkt ist somit indirekt auch Symbol einer ‚Großstadt über Nacht‘ – einer Stadt, die in den 1960er Jahren neue Aufgaben und Dimensionen bekam, und sich wandelte. Und dem (Straßen-) Verkehr mehr Raum gab …

Nahe dem Pferdemarkt befindet sich der Gertrudenfriedhof, auf dem sich u.a. das Grab von Horst Janssen befindet, etwas südlich des Platzes das Horst-Janssen-Museum.

Polizeikaserne Pferdemarkt in der Reichspogromnacht

In der Reichspogromnacht 9. auf 10. November 1938 wurde die Synagoge von Oldenburg sowie die kleine jüdische Schule zerstört. Alle Oldenburger Juden wurden verhaftet.
Sie wurden in der Polizeikaserne am Pferdemarkt interniert, die als Hauptsammelstelle diente. Frauen und Kinder wurden am nächsten Morgen wieder freigelassen, die Männer in das KZ Sachsenhausen deportiert.

Heinrich Schwarz – Schöpfer der Vier Pferde

Der Bildhauer und Maler Heinrich Schwarz wurde am 19. Dezember 1903 in Berlin geboren. 1922 nahm er das Kunst-Studium an der Staatlichen Kunstschule Berlin auf, wechselte allerdings 1923 zum Jura-Studium nach Jena. Bereits 1948 wurde er aus gesundheitlichen Gründen (Tuberkulose) in den Ruhestand versetzt – und konnte sich ganz der Kunst widmen.

In den Jahren 1966 bis 1972 war Schwarz Vorsitzender des Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler BBK Nodwestdeutschland.

Heinrich Schwarz starb am 9. November 1977 in Oldenburg. Nach Heinrich Schwarz wurde in Ganderkesee- Steinkimmen eine Straße benannt.

Stonewall Momente: Traueranzeige Jean Claude Letist – homosexuell oder schwul ? (Video)

Am Aschermittwoch 28. Februar 1990 starb Jean-Claude Letist an den Folgen von Aids. Jean Claude Letist (1946 – 1990) war einer der bedeutendsten schwulen Aktivisten in Köln in den 1970er und 80er Jahren.

Die größte Lokalzeitung Kölns weigerte sich damals jedoch, eine Traueranzeige zu drucken mit den Worten „Ein beispielgebendes schwules Leben hat sein Ende gefunden“. Das Wort „schwul“ in einer Traueranzeige? Undenkbar! Einzig denkbarer Kompromiss sollte das Wort ‚homosexuell‘ sein. Aber genau das war der entscheidende Unterschied …

Traueranzeige Jean Claude Letist
Traueranzeige Jean Claude Letist – ohne das Wort ’schwul‘

Was dann passierte, und wie die Trauerfeier für Jean-Claude am 12. März 1990 und eine Aktion danach dazu führten, dass bald „schwul“ und „lesbisch“ auch in Traueranzeigen benutzt werden durften, darüber erzähle ich in diesem Video:

Stonewall Momente – Jean Claude Letist Traueranzeige

Das Video entstand für die Kurzfilm-Reihe ‚Stonewall Momente‘ im Rahmen des Projekts ‚queer as german folk‚. #querasgermanfolk ist ein Gemeinschaftsprojekt des Goethe-Instituts Nordamerika mit dem Schwulen Museum* Berlin sowie der Bundeszentrale für politische Bildung bpb.


Stonewall Momente: Ulrich Würdemann

Das Video ist Teil der Ausstellung ‚Love at First Fight! – Queere Bewegungen in Deutschland seit Stonewall‚. Sie ist ab 19. Juli 2019 für mindestens ein Jahr im Schwulen Museum* zu sehen.

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Drei Tage nach der Trauerfeier für Jean-Claude gründete sich am 15. März 1990 ACT UP Köln. Viele von uns nahmen an der Aktion im Verlagsgebäude am 12. März teil. Sie war sozusagen der Auftakt für ACT UP Köln …

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Jean-Claude Letist war für mich ein Vorbild und Ansporn. Von der Gründung und Eröffnung des Schwulen- und Lesbenzentrums SchuLZ bis zu zahlreichen Reisen mit ‚Homoreizen‚ (auf denen sein Sprachgenie immer wieder besonders hilfreich war), von nächtlichen Momenten am Aachener Weiher bis zu aufgeregten politischen Debatten im Bundesverband Homosexualität BVH – er war Inspiration, Herausforderung und – liebenswert.

Ach Gutemiene …

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Zwei kleine Fehler haben sich in dem Video eingeschlichen: natürlich war die Währung damals noch DM und nicht Euro. Und mein Vorname schreibt sich mit einem ‚l‘ – Ulrich … 😉

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Watt en Schlick 2019 Festival

Watt en Schlick 2019 – Chillen, feiern, tanzen, alles direkt am Wattenmeer. Seit 2014 geht das in Dangast beim Kultur- und Musikfestival Watt en Schlick, ganz zauberhaft direkt am Strand unterhalb des Kurhaus Dangast. 6.000 Besucher kamen 2019.

Watt en Schlick 2019
Watt en Schlick 2019 – das Festival am Schlick

Watt en Schlick 2019 Festival

Es ist eines der kleineren, und eines der neueren Festivals in Deutschland: Watt en Schlick in Dangast.

2012 hatte Initiator Till Krägeloh die Idee, und 2014 war es soweit, das erste Festival ging über die Bühne. Krägeloh hatte zuvor jahrelang im Kurhaus Dangast gearbeitet, war aber nie vorher selbst auf einem Festival.

Und der Erfolg des Newcomers kam schnell – bereits 2017 wurde das Festival beim Helga auf dem Reeperbahn-Festival als bestes Festival Deutschlands ausgezeichnet.

2019 fand die sechste Ausgabe von Watt en Schlick vom 2. bis 4. August statt. U.a. traten Sophie Hunger, Moop Mama, Irma, Fatoni, Lars Eidinger, The Black Seeds, Say Yes Dog, Die Goldenen Zitronen, das Golden Dawn Arkestra, Dendemann und Bilderbuch auf.

Watt en Schlick Fest 2019 – Fotos

Sophie Hunger beim Watt en Schlick Fest 2019
LGoony bei Watt en Schlick Fest 2019
Moop Mama bei Watt en Schlick Fest 2019 (mein Favorit …)
Dendemann bei Watt en Schlick 2019
Dendemann bei Watt en Schlick Fest 2019
Fatoni und Keno Moop Mama bei Watt en Schlick 2019
Fatoni und Keno (Moop Mama) bei Watt en Schlick 2019
Mavi Phoenix bei Watt en Schlick Fest 2019
Till Krägeloh Watt en Schlick 2019
Till Krägeloh, der Initiator von Watt en Schlick

Watt und Schlick

Watt, das ist jene Fläche im Gezeitenbereich an Küsten, die bei Ebbe trocken fällt. Der Begriff Watt soll vom Ostfriesischen abstammen – weil man durch diese Flächen waten muss.

Hat Watt einen besonders hohen Ton-Anteil, wird es rutschig – und wird Schlick oder Schlickwatt. Schlickwatt ist meist nur in geschützten Bereichen und in Buchten zu finden (so eben am Jadebusen in Dangast / Norddeutschland).

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Vor 40 Jahren waren die Festivals, die ich besuchte, kleine Veranstaltungen mit wenigen Hundert Besucher_innen (siehe Umsonst und Draußen Wardenburg 1979). Inzwischen sind viele Festivals Großveranstaltungen mit mehreren Zehntausend Teilnehmern.

Wie angenehm, dass Dangast mit Watt en Schlick noch ein Festival mit überschaubaren Dimensionen und fast ‚familärer‘ Atmosphäre ist.Und wie wunderbar 2019 zu erleben wie friedvoll das Miteinander ist, fast erinnert es mich an …

... die Utopie, die wir damals in Wardenburg hatten … umsonst, und draußen und frei … wie der Wind so frei …

…und ich hoffe wir sehen uns 2020 wieder … beim Watt en Schlick #WES20 in Dangast … 🙂

Die Bremer Stadtmusikanten 2019

Die Bremer Stadtmusikanten – Interpretation 2019 : Installation pinpointing progress von Maarten Vaanden Eynde vor der Kunsthalle Bremen

die Bremer Stadtmusikanten 2019 - pinpointing progress von Maarten Vaanden Eynde
Die Bremer Stadtmusikanten 2019 – pinpointing progress von Maarten Vaanden Eynde vor der Kunsthalle Bremen , Foto & Bearbeitung Ulli Würdemann 2019

Die Installation pinpointing progress von Maarten Vaanden Eynde war Teil der Sonderausstellung „Tierischer Aufstand“. Sie wurde in der Kunsthalle Bremen vom 23. März bis 1. September 2019 gezeigt. Zuerst war die Installation 2018 auf der Biennale Riga RIBOCA zu sehen. Riga ist Partnerstadt von Bremen.

Der belgische Künstler Maarten Vaanden Eynde wurde 1977 in Leuven geboren. Er lebt und arbeitet in Brüssel. 2017 gewann Eynde den Publikumspreis des Belgischen Kunstpreises BOZAR Brüssel.

Das Märchen

Die Ausstellung in Bremen wird gezeigt anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Veröffentlichung des Märchens ‚Die Bremer Stadtmusikanten‚ durch die Gebrüder Grimm. Ihr Grab befindet sich auf dem Alten St. Matthäus Kirchhof in Berlin Schöneberg.

Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch
Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch

In der Erstauflage 1812 (bzw. 1815 zweiter Band) der Grimm’schen Märchen war ‚Die Bremer Stadtmusikanten‘ nicht nicht enthalten. Es wurde als 27. Märchen in die Zweitauflage aufgenommen, herausgegeben (Vorwort-Datierung) am 3. Juli 1819.

Die Geschichte ist schnell zusammengefasst: vier Tiere laufen fort, Hahn, Katze, Hund und Esel. Ihre Besitzer glauben sie taugten – abgearbeitet  wie sie sind – nichts mehr, seien zu alt. Nun sollen sie getöten werden. Der Esel hat die Idee, es in Bremen als Stadtmusikanten zu versuchen. Und die anderen drei willigen ein – denn ‚etwas Besseres als den Tod finden wir allemal‘ („etwas Besseres als den Tod findest du überall“). Der Hahn, zögernd, doch vom Kochtopf bedroht, wird überzeugt mit den Worten

„Zieh lieber mit uns fort, wir gehen nach Bremen, etwas Besseres als den Tod findest du überall; du hast eine gute Stimme, und wenn wir zusammen musizieren, so muss es eine Art haben.“

die Bremer Stadtmusikanten Plastik Gerhard Marcks 1953
Die Bremer Stadtmusikanten, Plastik von Gerhard Marcks (1953), Rathaus Bremen (Foto 2015)

Die Geschichte findet – es ist ein Märchen – ihr Happy End: Auf dem Weg entdecken die Vier ein altes Räuberhaus. Das sie kurzerhand gemeinsam übernehmen, erfolgreich verteidigen und dort bleiben.

Eine Fabel über tierische Hausbesetzer des 18. Jahrhunderts sozusagen, Autonomie oder die erste bekannte Alten-WG …

Die Bremer Stadtmusikanten – Plastik von Gerhard Marcks 1953

Die von dem Bildhauer Gerhard Marcks realisierte Bronze-Plastik Die Bremer Stadtmusikanten wurde am 30. September 1953 aufgestellt (auf dem Marktplatz, unweit des Roland von Bremen). Zuvor war es zu heftigen Auseinandersetzungen um Kosten und Größe gekommen. Inzwischen steht sie unter Denkmalschutz.

Ein Zweitguß der Plastik steht seit 1973 in Cambridge (Massachusetts) im Busch-Reisinger-Museum der Harvard University.

In Bremens Partnerstadt Riga steht seit 1990 eine von Christa Baumgärtel realisierte Plastik Die Bremer Stadtmusikanten, gestiftetet von der Freien Hansestadt Bremen. Sie interpretiert die Plastik von Marcks.

etwas Besseres als den Tod finden wir allemal - die Bremer Stadtmusikanten
etwas Besseres als den Tod finden wir allemal – die Bremer Stadtmusikanten

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Etwas Besseres als den Tod finden wir allemal - die Bremer Stadtmusikanten, Mosaik, Bremen Hauptbahnhof
Etwas Besseres als den Tod finden wir allemal – die Stadtmusikanten, Mosaik, Bremen Hauptbahnhof