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Frankreich

Impfpass pass vaccinal in Frankreich ab 2022

Ab Jahresbeginn 2022 ist der bisherige Test- und Impfnachweis in Frankreich (pass sanitaire) in einen reinem Impfpass pass vaccinal umgewandelt.

Das ab 1. Juli 2021 in der EU eingeführte digitale COVID-19 Impfzertifikat wurde in Frankreich ab 9. Juli 2021 als pass sanitaire (elektronische Version des Gesundheitsnachweises) umgesetzt. Der Nachweis kann erfolgen mit der App TousAntiCovid (ähnlich wie mit der Corona Warn App CWA in Deutschland).

Der pass vaccinal ersetzt ab 2022 den bisherigen pass sanitaire. Er dient ab 15. Januar 2022 als Mittel bei der Umsetzung der 2G Regelung (geimpft oder genesen). Getestet reicht nicht mehr.

Der pass vaccinal ist Zugangsvoraussetzung zum Beispiel in Bars, Restaurants, Kinos, Museen, Theatern und bei Sport-Veranstaltungen sowie im Fernverkehr. Hier ist der pass vaccinal Pflicht für alle Prsonen ab 18 Jahre (da noch nicht alle unter 18 Jahren geimpft werden konnten).

Ab 15. Januar kann der Impfpass pass vaccinal in Frankreich auch automatisch deaktiviert werden (und seine Gültigkeit damit verlieren). Diese Deaktivierung erfolgt bei Personen, die nicht spätestens sieben Monate nach der letzten Impfung eine Auffrisch-Impfung (Booster) erhalten haben.

EU- Bürger können ihre digitalen Impfzertifikate direkt in die französische Corona App Tous Anti COVID importieren.

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Hamburg

Versorgungsheim Farmsen

Das Versorgungsheim Farmsen war in der Zeit des Nationalsozialismus ein Bestandteil der NS-Rassen- und Aussonderungspolitik. Viele der Bewohner, als ‚Asoziale‘ bezeichnet, wurden zwangssterilisiert, entmündigt, in Lager deportiert. Bisher wird kaum daran erinnert.

Das ‚Werk- und Armenhaus Barmbek‚ richtete 1903 eine Zweigstelle ein – das ‚Versorgungsheim Farmsen‚, gelegen auf 1899 erworbenem Gelände auf dem Gebiet des damals zwar schon zu Hamburg gehörenden aber von preußischem Gebiet umgebenen Dorfes Farmsen. Hier wohnten und arbeiteten – meist nicht ganz freiwillig – Menschen mit Beeinträchtigungen. Farmsen war die größte Zweigstätte des Werk- und Armenhauses. Es war eine der größten Einrichtungen dieser Art in Deutschland.

1919 erfolgte eine Umbenennung des Werk- und Armenhauses in Versorgungsheim, ab 1920 unter der Ägide des Wohlfahrtsamtes. 1929 wurde es Teil der Hamburger ‚Staatlichen Wohlfahrtsanstalten‚ und gehörte zur Sozialbehörde.

Direktor der Staatlichen Wohlfahrtsanstalten und Leiter des Versorgungsheims Farmsen war von 1926 bis 1950 [!] Georg Steigertahl (27.9.1885 Seesen – 3.5.1977 Hamburg), wichtigster Vertreter des Bewahrungsgedankens (Freiheitsentzug bis zu undefiniertem Zeitpunkt eines Lebens entsprechend den Normen der Gesellschaft).

„In Farmsen waren bis 1938 drei Prozent aller Entmündigungen in Deutschland durchgeführt worden.“

Michaela Freund-Wider: Frauen unter Kontrolle: Prostitution und ihre staatliche Bekämpfung in Hamburg vom Ende des Kaiserreichs bis zu den Anfängen der Bundesrepublik, Münster 2003 (S. 144)

Das Versorgungsheim Farmsen in der NS-Zeit

Das Versorgungsheim Farmsen wurde während der NS-Zeit umgestaltet zu einer ‚Bewahranstalt für Asoziale‘ „in der Alte, Sieche, chronisch Kranke, Behinderte, Gefährdete und Bewahrungsfälle“ untergebracht wurden (Steigertahl 1936).

Umfunktioniert als geschlossenes Arbeitshaus wurde es auch zur Zwangs-Unterbringung genutzt. Arbeit sollte nicht bezahlt werden, da die Bewohner „einsichtslos und ohne Verständnis für den Zusammenhang
von Recht und Pflicht“
seien (Steigertahl 1933).

Das Versorgungsheim Farmsen war in der NS-Zeit beteiligt an Sterilisation, Deportation, Aussonderung und Euthanasie. Es war mittelbar einbezogen in die ‚Mordaktion T4‚ durch Deportation von Hunderten Bewohnern in Anstalten, in denen sie ermordet wurden.

„Schließlich zog man auf Antrag von Steigertahl 1935 auch die Kompetenz für das Sterilisationsverfahren nach dem GeVeN an sich, so dass die Begutachtung zur Sterilisation nicht mehr im Allgemeinen Krankenhaus in Langenhorn, sondern im Versorgungsheim Farmsen direkt vorgenommen werden und die Gesamtzahl der von dort veranlassten Sterilisationen von 155 im Jahr 1934 auf 408 im Jahr 1936 gesteigert werden konnte.“

Matthias Willing: Das Bewahrungsgesetz (1918-1967): eine rechtshistorische Studie zur Geschichte der deutschen Fürsorge, Tübingen 2003

Mit der Auflösung der „Staats-Irrenanstalt Friedrichsberg“ 1935 wurden ‚für die Forschung interessante Fälle‘ in die neu gegründete Universitäts-Psychiatrie unter Prof. Bürger-Prinz verlegt, noch arbeitsfähige Personen hingegen in das Versorgungsheim Farmsen, und ‚hoffnungslos psychisch Kranke‘ in die Staatskrankenanstalt Langenhorn.

Zu den Opfergruppen gehören Alkoholkranke, Prostituierte, männliche und weibliche [vgl. Ingrid Liermann] Homosexuelle, Sicherheitsverwahrte, Jugendliche die nicht bei der ‚Hitlerjugend‘ mitmachen wollen, ‚Geistesschwache‘ und ‚Asoziale‘ [vgl. hier].

lesbische Frauen im Versorgungsheim Farmsen

„Jede Anstalt, die derart üble Elemente aufnimmt, die durch ihr Prostituiertendasein an hemmungslosen Geschlechtsverkehr gewöhnt sind, muß damit gerechnet werden, daß sich die Triebhaftigkeit und Hemmungslosigkeit dieser Menschen innerhalb der Anstalt in homosexuellen Beziehungen äußert. Es ist selbstverständlich, daß in Farmsen gegen derartige lesbische Freundschaften vorgegangen wird. … Gerade die Anstalt Farmsen hat das schwierigste und übelste Menschenmaterial als Insassen. Zum größten Teil sind die Frauen entmündigt … Lesbische Beziehungen der Insassen untereinander sind in der Anstalt wie Farmsen an der Tagesordnung und trotz schärfster Aufsicht und schweren Strafen nicht ganz zu unterbinden …“

Bericht der weiblichen Kriminalpolizei Hamburg vom 4. Juni 1941, zitiert nach Gottfried Lorenz: Töv, di schiet ik an: Beiträge zur Hamburger Schwulengeschichte, Münster 2013

schwule Männer im Versorgungsheim Farmsen

Am 12. September 2007 wurden vier Stolpersteine verlegt, die an wegen Homosexualität verfolgte männliche Bewohner des Versorgungsheimes erinnern:

  • Ludwig Döpking (10.4.1881 Hamburg – 3.10.1936 Hamburg)
  • Richard Elkeles (1906 – 12.3.1941 Hamburg)
  • Martin Lentfer (1875 – 3.1.1938 Hamburg, Selbstmord nach Verhör wegen §175))
  • Gustav Remi (4.6.1905 Hamburg – 11.3.1943 KZ Neuengamme; zeitweise Partner von Otto Giering der die NS-Zeit nach ‚freiwilliger Kastration‘ überlebte(pdf)

Bereits kurz nach der Verlegung wurden die Stolpersteine mit NS-Symbolen beschmiert.

Ein weiterer Stolperstein vor seinem letzten Wohnsitz in der Hamburger Neustadt erinnert an einen schwulen Mann, der im Versorgungsheim Farmsen gelebt hat, Kurt Dombeck (8.5.1890 Liegnitz – 28.4.1943 Neuengamme; entmündigt und zwangssterilisiert).

An Georg Jakob Peters (6. Juli 1872 Tating – 6. April 1944 Landesheilanstalt Weilmünster; seit 1906 wegen seiner Homosexualität kriminalisiert) erinnert ein Stolperstein in Hamburg Eppendorf. 1936 bis zu seiner Flucht 1938 nach Köln lebte er im Versorgungsheim Farmsen.

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Während des 2. Weltkriegs wurden Teile der Fläche für Flakstellungen genutzt.

Versorgungsheim Farmsen nach 1945

Nach 1945 blieb Steigertahl zunächst Leiter des Versorgungsheims Farmsen wie auch der Staatlichen Wohlfahrtasanstalten. Seine Weiterbeschäftigung auch nach 1945 hatte er (eigenen Angaben in seiner Biographie 1974 zufolge) vor allem Sozialsenator Paul Nevermann zu verdanken (laut Schürmann 2018).

Die Praxis der Entmündigung der im Versorgungsheim Farmsen lebenden Menschen wurde nach 1945 zunächst unreflektiert fortgesetzt. Die Verabschiedung des Grundgesetzes erschwerte ab 1949 Entmündigung und Anstaltseinweisung.

1969 führte Hamburg als erstes Bundesland Heimbeiräte als Organ der Mitsprache der Bewohner*innen ein.

Das bei der Sozialbehörde angesiedelte ‚Amt für Heime‘ wurde per 1. Januar 1991 aufgelöst. Der Landesbetrieb ‚Pflegen & Wohnen‘ wurde geschaffen. Ab 1. August 1997 wurde er umgewandelt in eine Anstalt öffentlichen Rechts (AÖR) mit der Stadt Hamburg als Eigentümer.

Per 1. November 2005 erfolgte die Privatisierung des Pflegebereichs, die endgültig abgeschlossen wurde per 1.1.2007. Die verbliebenen brerich werden ‚f&w fördern & wohnen‘ benannt und bleiben AÖR.

Nachfolgeunternehmen sind seitdem ‚Pflegen & Wohnen Hamburg‘ sowie ‚Fördern&Wohnen‘. Pflege&Wohnen ist inzwischen größter privater Anbieter stationärer Pflege in Hamburg, Farmsen ist einer von 13 Standorten des Unternehmens.

Gedenken an die Opfer des Versorgungsheims Farmsen

Eine staatliche Gedenkveranstaltung (Bezirksversammlung Wandsbek) fand erstmals am 27. Januar 2013 [!] statt.

Da bisher ein Gedenkort fehlte, pflanzte der ‚Zentralrat der Asozialen Deutschlands‘ ZAID 2015 ein Beet mit Klee auf dem Gelände des ehemaligen Versorgungsheims Farmsen.

Eine Gedenktafel (August-Krogmann-Str. 100) des Denkmalschutzamtes wuerde zwischenzeitlich demontiert. Sie trug den Text

Die Anlage mit Wohn-, Verwaltungs-, Wirtschafts- und Fabrikgebäuden entstand 1903 als Zweigstelle des „Werk- und Armenhauses“ Barmbek. Erweiterungen folgten 1912 und in den 1920er-Jahren. Hier wurden behinderte und hilfsbedürftige Menschen untergebracht und in Fabrik, Wäscherei, Haus- und Landwirtschaft beschäftigt. In der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) wurden viele der eingewiesenen sogenannten asozialen Personen zwangssterilisiert, entmündigt oder deportiert.
Seit 1961 sind hier ein Pflegezentrum sowie sozialtherapeutische Einrichtungen für seelisch behinderte Menschen untergebracht.

Text der derzeit demontierten Gedenktafel

An der Adresse August-Krogmann-Str. 100 erinnern mehrere Stolpersteine an ehemalige Bewohner*innen des Versorgungsheimes Farmsen.

Ein Erinnerungsort ist in Planung.

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Hamburg Homosexualitäten

Harald Tangermann und Peter Daun

Harald Tangermann und Peter Daun – ein schwules Unternehmer-Paar, das lange Jahre die schwule Szene von Hamburg maßgeblich mit prägte. Mit der frühen Förderung von Tom of Finland sowie der einst größten schwulen Sauna Club Uhlenhorst und dem Tom’s hatten sie Bedeutung weit über Hamburg hinaus.

Harald Tangermann und Peter Daun

Harald Tangermann (1932 – 1998)

Harald Tangermann kam am 7. Dezember 1932 in Hamburg Fuhlsbüttel zur Welt. Sein Vater Wilhelm führte das Kaufmanns-Unternehmen ‚Tangermanns Kaffee Geschäfte‚. Seine Mutter war Alice Tangermann geb. Lensch (29.8.1907 – 1.7.1981).

Harald machte zunächst eine Lehre als Kaufmann. Anschließend erlernte er den Beruf des Kellermeisters, wurde Destillateur und Weinküfer. Nach Abschluss der Ausbildungen übernahm er im elterlichen Betrieb Tangermann KG die Spirituosen-Herstellung.

Er entwickelte u.a. ein eigenes Rezept für einen Rumtopf. Dieser erste industriell hergestellte Rumtopf wurde von der Spirituosen-Handlung der Tangermann-Gruppe vermarktet – und bildete bald den Grundstock des Vermögens von Harald Tangermann. 1958 gründet er eine neue Vertriebsfirma (die noch heute existiert).

Haralds Mutter (sein Vater war 1959 verstorben) veranlasste aufgrund der Homosexualität ihres Sohnes, dass dieser von Prof. Bürger-Prinz ‚begutachtet‘ wurde.
Bürger-Prinz war zur damaligen Zeit in der Hamburger Gesellschaft hoch angesehen. Sein Handeln in der NS-Zeit war weitgehend in Vergessenheit geraten. Bürger-Prinz riet der Mutter, ihren Sohn so zu akzeptieren wie er ist, mit seiner Homosexualität.

Am 1. Juli 1981 starb Haralds Mutter Alice. Sie wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt. Kurz darauf, 1982 schied Harald aus dem Familienunternehmen aus. Sein Bruder Werner übernahm die Leitung de Unternehmens.

1987 starb Peter Daun. Harald Tangermann lernte 1988 einen neuen Partner kennen, Ulrich. Sie gingen eine Lebenspartnerschaft ein, Ulrich übernahm dabei Haralds Familiennamen.

Harald Tangermann starb am 27. März 1998. Sein Erbe wurde sein Partner Ulrich. Er übernahm damit neben zahlreichen Gebäuden (u.a. dem in dem sich Tom’s und Pit befanden) auch eine der größten Privatsammlungen mit Werken von Tom of Finland.

Peter Daun (1941 – 1987)

Peter Daun wurde am 19. Juni 1941 geboren. 1968 lernte Harald Tangermann den früheren Polizisten und Seemann Peter Daun in Berlin kennen. Bald zogen sie in die gemeinsame Wohnung in Hamburg Uhlenhorst (in ein Wohnhaus, das Harald gehörte).

Peter Daun starb am 15. Dezember 1987 in Hamburg.

Harald Tangermann und Peter Daun wurden in einer gemeinsamen Grabsätte auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg beigesetzt.

Grabstätte von Harald Tangermann und Peter Daun Hamburg 2019
Grabstätte von Harald Tangermann und Peter Daun, 2019

Tangermann Daun als schwule Unternehmer

Club Uhlenhorst

Bereits 1968 (noch vor der Liberalisierung des Paragraphen 175 am 1. September 1969) begannen Harald Tangermann und Peter Daun mit der Planung für eine schwule Sauna. 1969 feierte der Club Uhlenhorst, meist kurz genannt das CU, Eröffnung.

Der Club Uhlenhorst wurde schnell zu einem großen (auch kommerziellen) Erfolg und international bekannt [vgl. detaillietrer Artikel schwule Sauna Club Uhlenhorst 1969 – 1987].

Er war damals die größte schwule Sauna Europas (bis 1975 die schwule Sauna Continental Opera in Paris eröffnete, die noch größer war). Das CU wurde bald legendär im schwulen Leben nicht nur Hamburgs.

1987 schloss das CU, offiziell wegen Lärmbelästigung und Problemen sowohl mit den Nachbarn als auch dem Ordnungsamt.

Pit Club

1973 eröffneten Harald Tangermann und Peter Daun am Pulverteich 17 in Hamburg (Hochparterre) eine schwule Discothek, den Pit Club.

Besonderes Highlight waren lange Zeit aus der Decke herab fahrbare Lichtsäulen, die wohl nicht zufällig an das Studio 54 erinnerten.

Zehn Jahre war das Pit wohl die bedeutendste schwule Disco Hamburgs – bis 1983, als Willy Prange das inzwischen längst legendäre Front eröffnete.

ehemaliger Pit Club Hamburg 2019
Eingang zum Tom’s und (im Erdgeschoss) ehemalige Räume des Pit Club (2019, Umbau)

Das Pit existierte noch viele Jahre, später umbenannt zu Toms Dancehall.

Tom’s Saloon

Am 20. Juni 1974 wurde im Keller unter dem Pit Club (in einem ehemaligen Kohlenkeller) die neue Lederbar Tom’s Saloon eröffnet.

Tom of Finland (mit dem Harald Tangermann und Peter Daun persönlich befreundet waren, s.u.) war nicht nur Namenspate der Bar – er brachte auch zahlreiche Original-Zeichnungen an den Wänden an und entwarf das Logo. Ein Raum wurde mit Birkenstämmen und Querbalken ausgestattet, eine Atmosphäre wie auf manchen Tom-of-Finland – Zeichungen schaffend.

Die zunächst angedachten Planungen, weitere Filialen des Toms in den USA zu eröffnen, wurden nach persönlichen Differenzen verworfen.
Schließlich verkauften Tangermann Daun das Toms im Jahr 1977.

Tangermann Daun, Tom of Finland und Hamburg

Schon 1957 hatte das US-Magazin Physique Pictoral erstmals Zeichnungen von Tom of Finland abgedruckt.

Bedeutend für seine frühe Wahrnehmung in Hamburg war Gerhard Pohl, bekannt u.a. als einer der Gründer des schwulen Lederclubs MSC Hamburg (1974). Der Hamburger Fotograf und Regisseur von Pornofilmen Gerhard Pohl wurde am 8. Dezember 1931 in Hamburg Barmbek geboren. Er starb am 15. Juni 1993 in Hamburg an den Folgen von Aids. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Stellingen. Pohls Nachlass wird im Schwulen Museum Berlin verwahrt.

Gerhard Pohl nahm bereits früh brieflich Kontakt zu Tom auf. Im Laufe der Jahre freundeten sie sich an. Pohl brachte erstmals Zeichnungen von Tom nach Hamburg, stellte sie in der Loreley Bar in St. Pauli aus, damals der Treffpunkt der noch kleinen Hamburger Lederszene.

Und Pohl stellte 1968 den Kontakt von Tom of Finland mit Harald Tangermann und Peter Daun her. Bald befreundeten sich die drei.

„Peter war Toms Liebling“

Harald Tangermann, in ‚Tom of Finland XXL‘

Harald Tangermann erwarb zahlreiche Zeichnungen von Tom – und Tom malte beide (besonders Peter ist auf mehreren Zeichnungen zu erkennen). Einige Bilder zeigen Szenen z.B. in der Sauna CU oder bei gemeinsamen Motorradtouren.

Harald Tangermann und Peter Daun engagierten Tom bald auch für ihre Unternehmungen – u.a. für ein großes Wandbild in der schwulen Sauna Club Uhlenhorst (s.o.)

Die Lederszene in Hamburg wuchs, die Loreley als Treffpunkt war bald zu klein. Harald Tangermann und Peter Daun beschlossen, eine eigene Lederbar zu eröffnen. Und schnell war klar, dass sie nach Tom benannt werden sollte. Tom of Finland stimmte zu, und ‚Tom’s Saloon‘ war geboren (s.o.). Tom stattetet die Bar mit Wandbildern aus, auch das Logo entwarf er.

Tom of Finland, der mit seinen Zeichnungen Ikone der Homomaskulinität schuf, startete seine internationale Karriere also auch und besonders in Hamburg – mit nicht unbeträchtlichem Mitwirken von Harald Tangermann und Peter Daun.

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Ich erinnere mich an Harald und Peter. Das CU war eine wichtige, wenn nicht die zentrale Station bei meinen Entdeckungen der Hamburger Schwulenszene. Viele Wochenenden, Nächte, sonntägliche Früh(spät)stücke in der Sauna. Übernachten plus Spaß nach durchtanzter Disco-Nacht, und das für wenig Geld. Ideal für Ulli als Student.

Harald erinnere ich eher als den ruhigen, fast distinguierten Mann im Hintergrund. Attraktiv aber irgendwie unnahbar. Peter hingegen, eher laut und immer präsent, auch mal am Pool, oder mit Freunden am Tisch neben der Bar.

Und ich erinnere: einen Gegensatz, den ich schon damals nicht verstanden oder zumindest für mich nicht empfunden habe.

Man geht nicht in diese Bars und Kneipen, sagten die die ‚politisch‘ waren. Und meinten verächtlich die „kommerzielle Schwulenszene“. Sondern traf sich in den Schwulengruppen, privat, und im Tuc Tuc oder so.

Das war auch alles gut. Gefiel mir, war – meins. Da fühlte ich mich wohl. Tuc, das war Wohnzimmer. Nur – später in der Nacht – da traf ich den ein oder anderen dann doch auch im Tom’s oder im CU. Und lernte als junger Mann schnell: Hormone und Politik – das ist nicht immer kongruent.

Irritiert war ich, weil: ich selbst spürte diesen vermeintlichen Gegensatz zwischen ‚kommerzieller Sub‘ und ‚Bewegung‘ schon damals nicht.

Harald und Peter, sie hatten damals große Freiräume für mich (und viele andere schwule, oder homosexuelle) Männer ermöglicht. Ich habe beides als Spielwiesen erlebt, das CU wie auch das Tom’s. Hier konnte ich ausprobieren, was ich das mit meiner Sexualität, was hat da zu tun mit Mann-Sein, mit meinen Gelüsten, mit meinen Sehnsüchten. Und wenn ich Lust hatte, konnte ich nachher (oder vorher) sogar noch im Pit dazu tanzen – wunderbar 🙂

Wenn schwule Bewegungen bedeutet: Menschen Freiräume zu eröffnen sich repressionsfrei zu begegnen und zu entdecken – dann haben (im Rahmen ihrer Zeit und Möglichkeiten) Harald und Peter genau das (für mich) ermöglicht (wenn auch vielleicht, aber nur vielleicht auf eine ‚unpolitische‘ Weise).

Harald und Peter – sie haben Freiräume ermöglicht. Freiräume, in denen ich mich entdecken, mich frei und ungezwungen ausprobieren konnte. Meine (vor allem auch sexuellen) Identitäten entdecken. Mich, meinen Weg finden konnte.

Dafür bin ich ihnen dankbar.

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Hamburg

Prosit 2022

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Persönliches

Frohes Neues Jahr 2022 – Pros Niejohr 2022 – Bonne Année 2022

Frohes Neues Jahr 2022 – Pros Niejohr 2022 – Bonne Année 2022

Frank et Ulli vous souhaitent une bonne et heureuse année 2022 !

Frank und Ulli wünschen für 2022 Glück und Gesundheit !

Pros Niejohr 2022!

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Persönliches

Frohe Weihnachten 2021 – Joyeux Noël 2021

Frohe Weihnachten 2021 … Joyeux Noël 2021 …

… wünschen … souhaitent … 2mecs Frank und Ulli 🙂

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HIV/Aids Paris

Platz der Kämpfer*innen gegen Aids in Paris 2021

Paris bekommt einen Platz der Platz der Kämpfer*innen gegen Aids. Dies beschloss der Rat der Stadt Paris am Mittwoch 17. November 2021 einstimmig. Die Einweihung durch Bürgermeisterin Anne Hidalgo erfolgt am 1. Dezember 2021, dem Welt-Aids-Tag.

Platz der Platz der Kämpfer*innen gegen Aids Paris
place des combattantes et combattants du sida

Mit der Benennung des Platzes soll der Verstorbenen und Kranken, sowie dem Engagement des Pflegepersonals und der Aids- Aktivisten Tribut gezollt werden.

Paris sei gemeinsam mit London die in Europa von der Aids-Epidemie am stärksten betroffene Stadt, so die Bürgermeisterin von Paris. Etwa 10.000 Menschen seien in Paris allein in den Jahren zwischen 1989 und 1996 an den Folgen von Aids gestorben. In einigen Szenen sei eine ganze Generation ‚verschwunden‘.

HIV stigmatisiert auch heute noch „mehr denn je Drogenkonsumenten, Schwule, Migranten oder Sexarbeiter„, betonte Jean-Luc Romero-Michel, Antidiskriminierungsbeauftragter der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo, der sich selbst seit Jahren in der Aids-Bekämpfung engagiert.

Der Platz der Kämpfer*innen gegen Aids – place des combattantes et combattants du sida – befindet sich im Marais, dem Schwulenviertel von Paris, nahe der Metro-Station St. Paul (bisher unbenannte Fläche zwischen rue de Rivoli und rue Saint-Antoine).

Dieser Ort wird es ermöglichen, im Herz von Paris die Geschichte der Aids-Epidemie im Bewusstsein zu halten, sich auch an die aktuellen Ereignisse zu erinnern und natürlich allen Menschen zu gedenken, die gegen diese Epidemie gekämpft haben, die Millionen Menschen getötet hat: denken wir an diejenigen, die das HI-Virus entdeckt haben, diejenigen, die nach einem Heilmittel suchten, diejenigen, die sich in der Aids-Bekämpfung engagierten, diejenigen, die von der Krankheit betroffen waren.

Ariel Weil, Bürgermeister Paris Centre

Anläßlich der Einweihung des Platzes am 1. Dezember 2021 wurde die Gedenktafel mit einem Red Ribbon dekoriert. Mit Aids Quilts wird gedacht an an den Fiolgen von Aids Verstorbene.

Die Namenswahl dieses Ortes ist eine Hommage an eine ganze von der Krankheit betroffene Generation, aber auch an ihre Angehörigen, an das Pflegepersonal, an die Forscher, an die Begleitpersonen und an die Aktivisten, die sich im Kampf gegen die HIV/AIDS.

Bürgermeisterin von Paris anläßlich der Einweihung des Platzes am 1. Dezember 2021

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Die Benennung des Platzes wurde vielerseits begrüßt. Allerdings wurden auch Stimmen laut die darauf hinwiesen, diese Ehrerbietung sei notwendig und richtig, dürfe aber konkretes Handeln nicht ersetzen.

Die heutigen Lebensbedingungen von Menschen mit HIV, Serophobie, prekäre Lebenssituationen, Sexismus, Rassismus, Transphobie – die Benennnung und Gedenktafel dürfe nicht zur Ausrede werden sich damit weiterhin auseinanderzusetzen. Eine Plakette reiche nicht im Kampf gegen Aids, die Epidemie sei nicht vorbei.

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‚place des combattants‘ (rein männliche Form, ohne ‚du sida‘) ist in Frankreich eine häufige Bezeichnung von Plätzen, mit denen an Kämpfer in den beiden Weltkriegen oder der Kriege in Afrika gedacht werden soll.

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Kulturelles

Albert Philibert Schrenck von Notzing (1800 – 1877)

Der Oldenburger Geodät Albert Philibert Schrenck von Notzing wurde am 22. November 1800 in Aurich geboren. Er starb am 1. August 1877 in Oldenburg.

Albert Philibert Schrenck von Notzing entstammte der ursprünglich aus München stammenden Adelsfamilie Schrenck, deren Oldenburger Linie Franz Xaver Schrenck von Notzing (gest. 1772) nach seinem Übertritt zu den Protestanten begründete.

Albert Philibert Schrenck von Notzing
Albert Philibert Freiherr von Schrenck (gemeinfrei)

Nach Schule in Emden und Studium des Vermessungswesens an der Universität Göttingen (u.a. bei Carl Friedrich Gauß) arbeitet er im preußischen Vermessungswesen. zunächst in Münster tätig, kam er 1834 als Geodät nach Oldenburg. Hier übernahm er die Leitung der Landesvermessung.

Er erstellte zahlreiche Kartenwerke, u.a. ein 14blättriges Topographisches Kartenwerk sowie eine Generalkarte.

Schrenck von Notzing war maßgeblich beteiligt an der Mitarbeit des Großherzogtums Oldenburg bei der mitteleuropäischen Gradmessung, hierfür wurde er zum Kommissar ernannt (vgl. ‚die Vermessung von Oldenburg‚).

Schrenck von Notzing starb am 1. August 1877 in Oldenburg.

Die Grabstätte von Albert Philibert Schrenck von Notzing befindet sich auf dem Gertrudenfriedhof Oldenburg.

Sein Sohn Wilhelm Philibert Freiherr von Schrenck (1828 Burgsteinfurth – 1898 Hamburg) war von 1875 bis 1890 (Suspoendierung wegen Unterschlagung) Bürgermeister, davon ab 1877 Oberbürgermeister von Oldenburg.

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Topographische Karte des Herzogthums Oldenburg im Maasstabe 1:50000, in 14 Blättern. Gegründet auf die in den Jahren 1835 bis 1850 unter der Direction des Vermessungs-Directors von Schrenck ausgeführten allgemeinen Landesvermessung. Entworfen vom Verm.-Director von Schrenck. Gezeichnet vom Verm.-Conducteur Francke. Blatt IX-X. – Oldenburg: Gerh. Stalling 1880. (Blatt online Stadtmuseum Oldenburg)

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Politisches

Stedingsehre – vergessene Blut und Boden -Kultstätte

Die „Stedingsehre auf dem Bookholzberg“ bei Oldenburg sollte einst eine Nazi- Kultstätte werden. Eine Freilichtbühne und Volksbelustigung mit Blut-und-Boden – Ideologie, die später in Vergessenheit geriet.

1934 (Uraufführung 27.5.34) wurde das Volksschauspiel „De Stedinge“ des Oldenburger Heimatschriftstellers August Hinrichs (1879 Oldenburg – 1956 Huntlosen) sehr erfolgreich aufgeführt auf der 700-Jahr-Feier der Schlacht bei Altenesch (für die er es extra verfasst hatte). Freie Stedinger Bauernfamilien wurden in der Schlacht bei Altenesch 1234 von Bremer und Oldenburger Bischof unterworfen (Stedingerkrieg).

„Stedingsehre ist ein Beispiel für Geschichtsverfälschung im Sinne ideologischer Indoktrination.“

Gerhard Kaldewei, Professor für Geschichte

Hinrichs war zuvor bereits u.a. mit der ‚Swienskomödi‚ (Titel hochdeutsch ‚Krach um Jolanthe‚) bekannt geworden. Die in großen Teilen in Wiefelstede gedrehte Verfilmung hatte im August 1934 Uraufführung im 2007 geschlossenen ‚Wallkino‘, damals noch Wall- Lichtspiele.

„Heimat als schicksalhafte Verbundenheit mit der Erde“

dem NS-Heimatfilm ‚Das alte Recht‘ vorangestelltes Zitat von August Hinrichs, der Film hatte am 27. Januar 1934 Premiere in den Wall Lichtspielen Oldenburg

NS-Gauleiter Carl Röwer (selbst gebürtiger Stedinger) beschloss nach dem großen Erfolg von ‚De Stedinge‘ die Errichtung einer ‚Thingstätte‘ mit Freilichtbühne und monumentalem Kulissendorf – ‚Stedingsehre‘.
Das Kulissendorf (Entwurf: Architekten Walter Reimann, Berlin & Ernst Behrens, Delmenhorst) soll im Stück das Dorf Altenesch darstellen. Es bestand neben zahlreichen reetgedeckten Fachwerkhäusern aus einer großen Kirche (Beton-Bau, Feldsteine nur außen als Verkleidung), Wassergraben und Deich.
Von den umgebenden nach Norden geöffneten Zuschauerränge hatten Besucher einen Blick auf Dorf und die dahinter liegende Wesermarsch-Landschaft – Theaterbühne und Landschaft vermischen sich.
Die Freilichtbühne bot Platz für über 20.000 Menschen.

 Stedingsehre Bookholzberg
Stedingsehre Bookholzberg, September 2010, Von Matthias Süßen – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11423120

Am 29. Oktober 1934 fand die Grundsteinlegung für die ‚Weihestätte Stedingsehre‘ statt, in Anwesenheit von Alfred Rosenberg und Heinrich himmler. Am 14. Juli 1935 folgte die Einweihung.

Hinrichs Stück wurde hier als ‚Spiel vom Untergang eines Volkes‘ von 1935 bis 1937 von der Niederdeutschen Bühne Oldenburg mit großem Erfolg aufgeführt (Spielzeiten 1935 ca. 80.000 Zuschauer, 1937 ca. 150.000 Zuschauer). Hinrichs überließ die Rechte an seinem Heimatstück der ‚Stiftung Stedingsehre‘. Die UFA realisierte 1936 einen Kurzfilm über die Aufführungen.

1939 fand in Stedingsehre die Uraufführung des Stücks ‚Steding Renke. Spiel vom Opfergang eines Volkes‘ statt (Autor wieder August Hinrichs). Stedingsehre wurde neben seiner Verwendung als Freilichtbühne auch als Ort für Massenaufmärsche oder am 19. Juni 1939 eine Sonnenwendfeier (mit Rede des 1946 als Kriegsverbrecher hingerichteten NS- Chefideologen Alfred Rosenberg) genutzt. Planungen, Stedingsehre zu einer gigantischen Schulungsstätte (‚Gauschulungsburg‘, Planmung Architekt Ernst Behrens (1901 – 1988), Delmenhorst) und einem Nationaldenkmal auszubauen wurden nicht mehr realisiert.

Auch nach Ende der NS-Diktatur wurde das Gelände weiter genutzt – zunächst als ‚Kriegsversehrtendorf‘, später u.a. für Musikveranstaltungen und Theater-Aufführungen (so in den 1970er Jahren ‚Pipi Langstrumpf‘). Später geriet das Gelände in Vergessenheit.

August Hinrichs starb am 20. Juni 1956. Sein Grab befindet sich auf dem Gertrudenfriedhof Oldenburg. Seine Rolle in der NS-Zeit ist bis heute umstritten.

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Zuschauerränge und Reste des Kulissen-Dorfes (Spieldorf) stehen noch heute (auf dem Gelände des Berufsförderungswerks Bookholzberg, Dporfplatz weitgehend zugewachsen). Das Gebäude der Kirche wurde 1943 durch eine Fliegerbombe zerstört. Das Gelände steht seit 1992 unter Denkmalschutz. Es ist derzeit nicht frei zugänglich.

,,Dieser Ort muss zugänglich gemacht werden. Aber nur unter Bedingung, dass über den Hintergrund informiert wird.“

Prof. Lutz Walk

Mit der Geschichte von Stedingsehre befasste sich u.a. 2007 eine Ausstellung im Nordwestdeutschen Museum für Industriekultur auf der Nordwolle Delmenhorst. Die Kulturetage Oldenburg widmete ihre Proiduktion ‚Visionen für einen Unort‘ 221 der Auseinandnersetzung mit diesem belasteten Ort. Ein Förderverein plant ein IDZ Informations- und Dokumentationszentrum.

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Hamburg

Wasserflugplatz Altona (1925 – 1926)

Ab 1925 verband der Wasserflugplatz Altona das noch nicht zu Hamburg gehörende Altona mit Dresden. Heute erinnert fast nichts an die Wasserfluglinie an der Elbe.

Max Brauer, seit 1924 Oberbürgermeister von Altona (damals noch selbständig), eröffnete am 10. August 1925 die Wasserfluglinie, die ‚Blaue Linie‚ nach Dresden. Um 12:45 Uhr startetet der Pilot mit einer F-13 der Dessauer Flugzeugwerke Junkers mit Namen ‚Wildente‘ vom Ponton auf der Elbe Richtung Dresden. Nach einer Zwischenlandung in Magdeburg erreichte er um 16:45 Uhr das Ziel Dresden- Johannistadt.

Der Regelflugbetrieb wurde bereits ab dem nächstem Tag aufgenommen. zweimal täglich außer sonntags verkehrte je ein Flugzeug zwischen Altona und Dresden. Die Fluggäste (maximal 4 pro Flug) wurden mit einem Ruderboot zum in der Elbe verankerten Start-Ponton übergesetzt. Zusätzlich zu den Passagieren wurde (wenig) Gepäck, Zeitungen und Luftpost befördert.

Der Flugpreis betrug pro Person zwischen 90 und 100 Mark. Die Flugtickets erwarben die Fluggäste in einer Holzbaracke. Diese ist heute noch erhalten – in dem Gebäude befindet sich seit den 1990er Jahren ein Ausflugslokal, seit 2017 die ‚Bücke 10 im Strandhaus‘, zuvor seit 1991 die ‚Elbkate‘.

Wasserflugplatz Altona – früheres Gebäude, heute ‚Bücke 10 im Strandhaus‘

Die Linie Altona – Dresden war erst die zweite Wasserfluglinie auf dem Kontinent (nach Danzig – Stockholm). Für Altona war sie von besonderer Bedeutung, hatte Altona (damals preußisch) doch im Gegensatz zu Hamburg keinen Flughafen.

Die Wasserfluglinie Altona – Dresden wurde 10. August 1925 bis zum Sommer 1926 betrieben.

Bereits am 11. November 1925 wurde der Luftpost-Verkehr eingestellt, damit entfiel auch die finanzielle Unterstützung durch die Reichspost. Mit Ende der Sommersaison 1926 endete der gesamte Wasserflugzeug-Betrieb vom Wasserflugplatz Altona. Grund war die zu niedrige Passagierzahl. Insgesamt fanden nur 134 Flüge statt, es kam häufig zu Flugausfällen aufgrund von Elbhochwasser oder Eisschollen.

Zudem startete im Sommer 1926 eine Landflug-Verbindung zwischen Dresden und dem nur 15 km entfernten Flughafen Hamburg- Fuhlsbüttel.

Der Aufschwung der zivilen Luftfahrt geht so an Altona vorbei. Die kurze Geschichte des Wasserflugplatzes Altona fand nach gut einem Jahr Betrieb ein Ende.

In Erinnerung an die einstige Blaue Linie flog am 12. August 1995 (75. Jahrestag der Eröffnung) ein Wasserflugzeug vom ehemaligen Wasserflugplatz Altona nach Dresden.

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