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Lepenismus – die rechtsextreme Politik-Dynastie Le Pen

Zuletzt aktualisiert am 10. Juli 2024 von Ulrich Würdemann

Lepenismus – seit Jahrzehnten dominiert die Familie Le Pen den Rechtsextremismus (oder: die Wahrnehmung des Rechtsextremismus) in Frankreich. Sie hatte – zumindest in Form von Vater und Parteigründer Jean-Marie Le Pen und früher Zeit der Tochter Marine Le Pen – sogar das Monopol darauf, die drei Säulen der extremen Rechten in Frankreich zu vereinen in einer politischen Struktur.

vom Front national zum Rassemblement national

Tochter Marine verkrachte sich mit ihrem Vater – ob eines Richtungsstreits, der mit ihrem Wechsel an die Parteispitze 2011 offen sichtbar wurde. Sie erkannte: mit den rassistischen, antisemitischen und eindeutig petainistischen Positionen ihres Vaters würde die Partei auf Dauer nicht mehrheitsfähig werden.

Marine Le Pen bewegte die Partei vorsichtig aber deutlich auf den Gaullismus zu (was angesichts zunehmend orientierungsloser Konservativer nicht schwer fiel). Diese (von ihr selbst so genannte) ‚Ent-Dämonisierung‘ des Front national schien erfolgreich.

Den Bruch mit der politischen Position ihres Vatsrs machte schließlich überdeutlich die Umbenennung der Partei in Rassemblement National im Juni 2018.

Die Partei ‚rassemblement national‘ (RN), früher (bis 2018) ‚front national‘ gibt sich heute zwar ‚moderat national‘. Sich als gemäßigt (und nicht mehr rechtsextrem), seriös, volksnah und modern darstellen, um wählbar zu werden – diese ‚Entdämonisierung‘ ist seit Jahrzehnten das verfolgte Ziel von Marine Le Pen.

Doch sich als ‚moderat‘ darzustellen macht den Lepenismus noch nicht moderat. Image-Wandel ist nicht Inhalte-Wandel.

Die Partei stellt sich zwar als ‚Partei nicht der Ideologie, sondern des Handelns‘ dar – doch überall in der Partei und ihrem Umfeld ist rechtsextremes Gedankengut offensichtlich.

In Führungskreisen befinden sich weiterhin Antisemiten, Verschwörungsideologen, Impfgegner und Neonazis. Migrationsfeindliche und antifeministische Positionen prägen weiterhin die Partei.

Auch offiziell gilt die Partei weiterhin als rechtsextrem – laut Einordnung des französischen Innenministeriums und mit Zustimmung des conseil d’etat.

Politik-Dynastie Le Pen

Die Partei ‚Front national‘ bzw. ‚Rassemblement national‘ ist starker Anker des Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in Frankreich seit Jahrzehnten. Sie wird stark von der Familien-Politik-Dynastie Le Pen dominiert.

alle in rechtsextremen Kreisen unterwegs, und überwiegend in der eigenen Partei aktiv

Jean-Marie Le Pen

Jean-Marie Le Pen (inzwischen 96 Jahre alt) ist ein durch das Erbe eines Partei – Gönners reich gewordener Burgois.

Jean-Marie Le Pen im Jahr 2007 (Foto bkbinfrankrijk, Lizenz cc by-sa 2.0)
Jean-Marie Le Pen im Jahr 2007 (Foto bkbinfrankrijk, Lizenz cc by-sa 2.0)

Jean-Marie Le Pen gründete 1972 den ‚Front national‘ aus dem Umfeld des ‚Ordre nouveau‘ (u.a. Leon Gaultier). Die Partei arbeitete in ihren Anfängen eng mit Nazi-Kollaborateuren und Pétain-Verehrern zusammen (so Pierre Émile Bousquet, Victor Barthélémy, François Brigneau, Roland Gaucher).

Die Partei kann bis heute ihre Ursprünge nicht leugnen, nur verstecken.

Marine Le Pen

Marine ist die jüngste Tochter von Jean-Marie Le Pen. Sie übernahm , die die Partie 2011.

Marine Le Pen, die 2027 Präsidentin Frankreichs werden will, war vor der Parlamentswahl 2024 zweitbeliebteste Politikerin Frankreichs. Die rechtsextreme Politikerin hatte bereits im ersten Wahlgang (wie weitere 75 Abgeordnete) mit über 50% der Stimmen direkt einen Sitz in der Assemblé errungen.

Yann

Yann Le Pen (1963 geboren) . Von 1993 bis 2007 war sie mit dem ehemaligen Wahlkampfmanager ihres Vaters Jean-Marie Le Pen, Samuel Maréchal, verheiratet.

Marion Maréchal

Marion ist die 1989 geborene Tochter von Yann Le Pen. Bis 2018 benutzte sie den Nachnamen Maréchal-Le Pen.

Bei der Europawahl 2024 wurde sie für die rechtsextreme Partei Reconquete (Eric Zemmour) ins Europaparlament gewählt. Zuvor war sie von 2012 bis 2017 Abgeordnete (Dep. Vaucluse) des Front national im französischen Parlament.

Marie-Caroline

Marie-Carioline (geboren 1960) ist seit ihrer Jugend politisch aktiv im Front national. Sie näherte sich nach einer Episode außerhalb der Partei (1998 bis 2000, MNR mit dem ex Front national Politiker Megret) 2000 wieder ihrer Schwester Marine an. 2016 trat sie der Partei wieder bei.

Bei der Parlamentswahl 2024 wurde Marie-Caroline Le Pen, die sich um den Parlaments-Sitz Sartre IV als Abgeordnete bewarb, von einem Kandidaten der Linken geschlagen.

Jordan Bardella

Bardella ist nicht Mitglied der Familie Le Pen, aber in ihrem engsten Dunstkreis.

Bardella ist Sohn italienischer Immigranten. Er wuchs in der Pariser Banlieu auf. Nach dem Abitur studierte er einige Semester Geographie. Später absolvierte er ein vierjähriges Kommunikationstraining bei dem früheren Journalisten Pacal Humeau.

Der 28jährige RN- Parteivorsitzende (seit 2022) Bardella, selbst Ziehsohn und enger Vertrauter von Marine, war bis Frühjahr 2024 mit Nolwenn Olivier, Tochter von Marie-Caroline, liiert.

Spitzenkandidat bei der Europawahl 2024

Familie Le Pen bei bisherigen Präsidentschaftswahlen

Am 10. April 2022 erzielte Marine Le Pen beim ersten Wahlgang der Präsidentschafstwahl 2022 ein Ergebnis von 23,41% und zog damit nach Emmanuel Macron als Zweitplatzierte in die Stichwahl ein. Der rechtsextreme Eric Zemmour erreichte mit 7,05% Platz vier.
Im zweiten Wahlgang gewann Macron mit 58,54% gegen Le Pen mit 41,46%. Zemmour kommentierte Le Pens Abschneiden mit ‚zum achten Mal trägt die Niederlage den Namen Le Pen‘.

Bei der Präsidentschaftswahl 2017 erzielte Marine Le Pen im ersten Wahlgang mit (damals noch) Front national 21,3%. Sie lag damit an zweiter Stelle und zog in die Stichwahl ein. Im zweiten Wahlgang gewann Emmanuel Macron mit 66,1% gegen Le Pen mit 33,9%.

Bei der Präsidentschaftswahl 2012 schied Marine Le Pen als drittplatzierte im ersten Wahlgang mit 17,9% aus.

2007 erreichte Jean-Marie Le Pen im ersten Wahlgang der Präsidentschafstwahl 10,4% und schied als Viertplatzierte aus.

Bei der Präsidentschaftswahl 2002 zog Jean-Marie Le Pen mit 16,86% im ersten Wahlgang in die Stichwahl ein. Im zweiten Wahlgang wurde Jacques Chirac mit 82,2% zum Präsidenten gewählt (Le Pen 17,8%).

Von Ulrich Würdemann

einer der beiden 2mecs.
Schwulenbewegt, Aids- und Therapie-Aktivist. Von 2005 bis 2012 Herausgeber www.ondamaris.de Ulli ist Frankreich-Liebhaber & Bordeaux- / Lacanau-Fan.
Mehr unter 2mecs -> Ulli -> Biographisches

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