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Lindenhofsgarten Oldenburg Nadorst (1900 – 2021?)

Tanzdiele, Lazarett, Kino, Billardhalle. Der Lindenhofsgarten Oldenburg Nadorst hat eine bewegte über hundertjährige Geschichte. Und er wird bald ebenso wie die Jahnhalle einem Neubau weichen müssen.

Geschichte des Lindenhofsgarten Oldenburg

An der Nadorster Straße in Oldenburg (früher Friesische Heerstraße) eröffnete um 1900 der Lindenhof. Schon bald wurde er eines der beliebtesten Ausflugsziele der Oldenburger.

Lindenhofsgarten Oldenburg
Lindenhofsgarten Oldenburg im Februar 2021

Ende des ersten Weltkriegs diente der Lindenhof (damaliger Wirt war Georg Strudthoff) als Reservelazarett. Nach dem 1. Weltkrieg wurde er in den 1920er Jahren zum Hotel und Restaurant Lindenhof (unter dem Wirt Hermann Fischer). Später wird im Garten des Lindenhofs ein Anbau errichtet – zunächst für die Tanzdiele.

Ab dem 26. September 1936 ist der Lindenhof mit einer Obus-Linie ab Pferdemarkt erreichbar. Alle Obus-Linien wurden allerdings zwischen 1955 und 1957 zugunsten des autogerechten Umbaus der Stadt stillgelegt.

Lindenhof Lichtspiele und Capitol Kino

Am 29. August 1952 eröffnen im ehemaligen Tanzsaal des Lindenhofs die ‘Lindenhof Lichtspiele‘ mit der Operetten-Verfilmung ‘Die Försterchristl‘. Betrieben wurde das Kino bis 1962 von August Peter und Alfred Osterhaus. Beide waren auch Betreiber der Oldenburger Lichtspiele und Schauburg Lichtspiele. 700 (!) Zuschauer fanden in den Lindenhof Lichtspielen Platz.

Tanzdiele, Kino, und jetzt Billard-Halle und Café - LindenhofsgartenOldenburg Nadorst
Tanzdiele, Kino, und jetzt Billard-Halle und Café – der einstige Lindenhof Oldenburg Nadorst, Eingangsbereich des ehemailgen Kinos

1956 wurden die Lindenhof Lichtspiele für Cinemascope umgerüstet (breitere Leinwand). Betreiber war inzwischen die Erbengemeinschaft August Peter. Sie hielten das Kino bis Ende 1962 und übergaben es dann an die Capitol GmbH (Heinrich Hahnenkamp).

ehemailger Kinosaal Lindenhofsgarten Oldenburg
Lindenhof Oldenburg Nadorst – der ehemalige Kinosaal, rechts die Treppe zum Vorführrraum

1969 übernahm Carl Born das Kino. Er war inzwischen größter Kino-Unternehmer in Oldenburg (allerdings nicht mit dem Wallkino Oldenburg). Born benannt es um in ‘Capitol im Lindenhof‘. Zuvor nahm er einen leichtem Umbau vor, Reduzierung auf 511 statt 700 Plätze mit mehr Beinfreiheit. Hintergrund: das vorige Capitol Kino in der Heiliggeiststrasse wurde 1969 geschlossen und abgerissen (für den Neubau Hertie).

Wandbild am ehemaligen Kinosaal

Mitte 1978 folgte das ‘Aus‘ für das Capitol im Lindenhof KinoKarl Born, inzwischen 76 Jahre alt, ging in Ruhestand.

Eine Tanzschule nutzte nun den Saal. Später folgten ein Café und Richters Dart und Billard Center.

Im Februar 2021 wurde bekannt, das das Lindenhofsgarten-Areal im Ehnernviertel samt angrenzender vom VfL Oldenburg genutzter Jahnhalle (s.u.) abgerissen werden soll. Stattdessen soll ein Neubau-Komplex für Wohn- und Geschäftsräume errichtet werden. Der Abriss soll vermutlich im Sommer 2021 erfolgen.

Blick auf Jahnhalle (rückseitig) und Lindenhofsgarten (Bildmitte Hintergrund), im Vordergrund das Areal das zukünftig Park werden soll

Jahnhalle Oldenburg (1914 – 2021?)

Am 10. Mai 1914 – kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs – fand auf dem Nachbargrundstück die Grundsteinlegung der Jahnhalle statt. Die Einweihung dieser Turnhalle des damaligen TV Jahn Oldenburg erfolgte am 18. April 1920.

Jahnhalle Oldenburg Türschild
Jahnhalle Oldenburg

Der TV Jahn war einer der Vorläufer des VfL Oldenburg von 1894 (Chronik). Er wurde am 21. September 1894 gegründet – in eben der Gaststätte Lindenhof.

Jahnhalle Oldenburg
Jahnhalle Oldenburg

In den 1940er Jahren wurde die Jahnhalle zeitweilig bis zur Befreiung 1945 als Kriegsgefangenenlager für französische Kriegsgefangene (Foto) genutzt [Katharina Hoffmann, Dissertation 1999].

Die Jahnhalle steht unter Denkmalschutz. Eine Sanierung lohne sich wirtschaftlich jedoch nicht, so die Behörden.

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Der Tag an dem der Weihnachtsmann verbrannt wurde

In Gegenwart von 250 Kindern wurde kurz vor Heilgabend 1951 in Dijon der Weihnachtsmann verbrannt. Er sei ein Ketzer. Eine heftige Kontroverse folgte – und der Weihnachtsmann feierte bereits am darauffolgenden Tag Wiederauferstehung.

Weihnachten 1951. Wie in vielen Regionen der Welt freuen sich auch in Lyon in Südfrankreich viele Kinder auf Weihnachten – und auf Geschenke, die der Weihnachtsmann bringt. In Frankreich werden die Geschenke, die Père Noel durch den Kamin des Hauses bringt, üblicherweise am Morgen des 25. Dezember geöffnet.

Doch Weihnachten 1951 ist in Dijon alles ganz anders. Weihnachten – ein Massaker?

hier vor der Kathedrale wurde 1951 der Weihnachtsmann verbrannt
die Kathedrale Saint-Bénigne in Dijon – self made PRA – Lizenz CC BY 2.5

23. Dezember 1951. In Dijon steht auf dem Vorplatz der Kathedrale Saint-Bénigne eine große Puppe mit weißem Bart. Die weißbärtige Puppe symbolisiert Père Noel. Um 15:00 Uhr wird diese Puppe von 250 Kindern auf Veranlassung des örtlichen Klerus in Brand gesteckt.

“Devant les enfants des patronages le Père Noël a été brûlé sur le parvis de la cathédrale de Dijon.”
(Vor den Kindern der Pfarreien wurde der Weihnachtsmann auf dem Vorplatz der Kathedrale von Dijon verbrannt; Übers. UW)

France-Soir, Ausgabe 23. Dezember 1951

Vor der Kathedrale von Dijon, und vor 250 Kindern wird der Weihnachtsmann verbrannt, unter der Schirmherrschaft und auf Aufforderung der Kirche. Der Weihnachtsmann habe sich zu einem Symbol von Kommerz und us-amerikanischer Bräuche entwickelt – und habe den christlichen Kern des Festes verdrängt. Er sei so zum Usurpator und Ketzer geworden.

“Le Père Noël a été sacrifié en holocauste. A la vérité, le mensonge ne peut éveiller le sentiment religieux chez l’enfant et n’est en aucune façon une méthode d’éducation.”
(Der Weihnachtsmann wurde in einem Holocaust geopfert. In Wahrheit kann Lüge bei Kindenr keinerlei religiöse Gefühle hervorrufen und ist in keiner Weise eine Erziehungsmethode.; Übers. UW)

So erklären Kleriker in Dijon ihre Protest-Aktion, als Widerstand gegen das Vordringen us-amerikanischer Weisen das Weihnachtsfest zu feiern.

Sofort entstehen heftige Kontroversen. Die Stadt ist in zwei Lager gespalten, die Grenze verläuft zwischen konservativ-religiösen und weltlich- laizistischen Teilen der französischen Gesellschaft.

Die Aktion und ihre Begründung verweisen so indirekt auch auf eher heidnische Hintergründe der Figur des Weihnachtsmanns. Und erinnern an Bräuche wie die Verbrennung des Nubbel im Karneval.

Schon einen Tag nach der Verbrennung des Weihnachtsmamns wird die Affäre besänftigt – auf dem Dach des Rathauses erscheint, mit Wissen des Bürgermeisters und des Kanonikers Felix Kir (Namespatron des Kir) – – – der Weihnachtsmann.

Doch die Debatten gehen weiter – und die eher weltlich – laizistisch gesinnten Kreise der Gesellschaft werden unversehens zu Verteidigern des Weihnachtsmannes.

Selbst der berühmte Ethnologe Claude Levi-Strauss wird auf den Vorgang aufmerksam:

“Ce n’est pas tous les jours que l’ethnologue trouve ainsi l’occasion d’observer, dans sa propre société, la croissance subite d’un rite, et même d’un culte.”
(Es geschieht nicht alle Tage dass ein Ethnologe Gelegenheit findet, in seiner Gesellschaft das Entstehen eines Ritus, selbst eines Kultes zu beobachten; Übers. UW)

Claude Levi-Straus, Les temps modernes März 1952, S. 1572 – 1590

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Wallkino Oldenburg (1914 – 2007)

Das Wallkino Oldenburg war einst das älteste Kino Norddeutschlands. Seit seiner Schließung 2007 steht das unter Denkmalschutz stehende Gebäude leer.

Wallkino Oldenburg
das ehemalige Wallkino in Oldenburg im Dezember 2020

Geschichte des Wallkinos in Oldenburg

Am 4. September 1914 wurde das Wallkino Oldenburg unter dem Namen ‘Wall Lichtspiele‘ am Heiligengeistwall als Kino für 750 Zuschauer (auf Holzklappstühlen) eröffnet (mit einer Wohltätigkeitsveranstaltung der Kriegshilfe). Architekt war vermutlich Heinrich Früstück, erste Betreiber Keidel & Bartholomäus). Es war zu dieser Zeit das modernste Kino Norddeutschlands, einem Theater nachempfunden und ausgestattet mit 2 Foyers, Balkons und Logen.

Wie uns mitgeteilt wurde, wollen sie kein Kino im landläufigen Sinne schaffen, vielmehr deuten sie an, ein modernes Lichtspielhaus für Frohsinn, Kunst und Wissenschaft” [schaffen zu wollen].

Nachrichten für Stadt und Land, 24. November 1913

1918 übernimmt Ella Mertens-Rösser den Betrieb und wird neue Eigentümerin. 1922 hält hier anläßlich der ‘Oldenburger Woche ‘ (OWO) der Hamburger Kunsthistoriker Wilhelm Niemeyer einen Vortrag über die Maler der ‘Brücke’ in Dangast. Ob auch die expressionistische Malerin Emma Ritter, ebenfalls in Dangast und mit Schmidt-Rottluff befreundet, Erwähnung findet, ist unklar.

Schon Ende der 1920er Jahre wird der Tonfilm eingeführt. Bereits 1928 zeigt sie León Poiriers Antikriegsfilm “Verdun – Das Heldentum zweier Völker” (Verdun – Visions d’histoire, Frankreich 1928, u.a. über Philippe Pétain). Das Wallkino ist ein Ort der Moderne in Oldenburg.

1932 wird das Wallkino zum ersten Mal renoviert. 1945, das Kino hat den Krieg nahezu unbeschadet überstanden, wird es kurzzeitig als Truppenkino genutzt. Ab 1948 nimmt es wieder den regulären Kino-Betrieb auf. Geschäftsführer wird Hans Westerhaus (den die Erbengemeinschaft nach dem Tod (1957?) von Ella Mertens-Rösser weiter beschäftigt).

1956 kommt die Konkurrenz des Fernsehens – 1956 beginnt der nahe gelegene Sender Steinkimmen mit der Ausstrahlung des Ersten Deutschen Fernsehens. 1957 folgt die Umrüstung des Wallkinos auf Cinemascope.

1969 – nach einer Blütezeit des Wallkinos – veräußert die Betreiber- Familie Mertens-Rösser (seit 1918) das Kino an den Kino-Unternehmer Theo Marseille aus Bremerhaven (der in Bremerhaven von 1957 bis 1983 u.a. auch das seit 2007 nicht mehr existierende Atlantis Kino betrieb). Er benennt die Wall Lichtspiele um in Wall-Kino.

In den 1970er Jahren wird das Wallkino grundlegend umgebaut. Eine Aluminium-Verkleidung verdeckt nun die Fassade. Durch Einziehen einer Zwischendecke entstehen nun zwei Kinosäle ( ‘Kino-Center’, Wall 410 Plätze und Cinema 334 Plätze). Am 24. Juli 1970 folgt die Neu-Eröffnung – mit dem Film “Wir hau’n die Pauker in die Pfanne”. Im Nachbargebäude folgen 1975 zwei ‘Schachtelkinos‘ mit je knapp 90 Plätzen, ‘Studio 1’ und ‘Studio 2’ (später Wall 2 und Cinema 2).

1977 wird das Gebäude nicht in das Denkmalregister eingetragen (aufgrund der Aluminium- Fassaden – ‘Renovierung’?). Ein Jahr zuvor 1976 wird Horst Urhahn neuer Pächter mit seinem Unternehem ‘Atelier Filmtheater GmbH’.

1995 wird Detlef Roßmann (1987 bis 2009 1. Vorsitzender des Verbandes der unabhängigen Filmkunstkinobetreiber in Deutschland, seit 2007 Präsident des internationalen Filmkunsttheaterverbandes CICAE; bis 31.1.2020 Geschäftsführer des 1981 gegründeten Programm-Kino -> Casablanca Kino) neuer Pächter. Er renoviert im Herbst 1997 in Zusammenarbeit mit der Witwe von Theo Marseille , Ilse (bes. Restaurierung Fassade mit Entfernung der Aluminium-Verkleidung) das Gebäude vorsichtig (und als Gegenmodel zu Multiplex-Kinos). Er führt Digitalton und eine neue Bestuhlung (Wall 300 Plätze, Cinema 250 Plätze) ein.

Roßmann führt das Wallkino zu neuen Erfolgen. Die beiden Schachtelkinos der 1970er Jahre stellt er im April 1999 ein. Das Internationale Filmfest Oldenburg findet hier statt.

2006 kündigt Ulrich Marseille, der das Kino von seiner Adoptivmutter übnerahm [genauer: von ihrer Erbengemeinschaft], ihm den Pachtvertrag (nur wenige Tage nach der Grundbucheintragung des Eigentums-Wechsels). Verhandlungen über die Kündigung seien ausgeschlossen. Ulrich Marseille, 1984 Gründer des Klinik- und Altenheim-Imperiums MK-Kliniken (das er 2017 & 2019 verkaufte), war 2002 Spitzenkandidat der rechtspopulistischen sogenannten ‘Schill-Partei‘ in Sachsen-Anhalt (21.4.2002), der er 2001 beigetreten und deren größer Darlehensgeber er war. 2003 trat er aus der Partei aus.

Zum 30. April 2007 (Datum der Kündigung nach nahezu 93 Jahren ununterbrochenem Kino- Betrieb) wurde das Wallkino Oldenburg geschlossen. Letzter gezeigter Film: ‘Cinema Paradiso‘.
Bis dahin war es das älteste noch im Betrieb befindliche Kino Norddeutschlands.

Wie es danach im ehemaligen Wallkino aussieht, zeigt dieses Video aus dem Jahr 2015:

Seit 2007 – Leerstand im Wallkino Oldenburg

2006 erbt Ulrich Marseille das Wallkino Oldenburg von seiner Adoptivmutter Ilse Marseille.

Seit der Schließung 2007 steht das ehemalige Wallkino Oldenburg leer. Im gleichen Jahr 2007 wird das Gebäude als Einzelbaudenkmal in das Verzeichnis der Kulturdenkmale eingetragen.

2001 beantragt Ulrich Marseille, das Gebäude abzureißen bis auf die straßenseitige Fassade, die stehenbleiben solle. Die Stadt Oldenburg lehnt den Antrag ab. 2015 lässt er erneut wissen, er sehe keine Zukunft mehr für das Wallkino.

2011 kommt es zu einer kurzen Scheinbesetzung des ehemaligen Wallkinos (‘squat a cinema‘). Aktivist:innen bringen am 16. April2011 an der Fassade ein Transparent gegen Immobilien-Spekulation an.

2019 kommt es zu einer Debatte über eine Enteignung des Wallkino Besitzers Ulrich Marseille. Ulf Prange, MdL und Chef der SPD-Ratsfraktion, hat dies gefordert. “Sein Umgang mit der Immobilie ist unverantwortlich“, erklärt er gegenüber der Presse. Bereits 2010 hatten die Grünen ähnliches gefordert. 2020 greifen Politiker der Linken den Vorschlag nach geplatzten Gesprächen über die Zukunft des Gebäudes wieder aus.

‘kill the plastic smile’ – altes Veranstaltungs-Plakat am ehemaligen Wallkino Oldenburg (2020)

Noch 2020 bezweifelt Ulrich Marseille, dass das unter Denkmalschutz stehende Kino erhaltenswert sei. Hintergrund: das Souterrain stand teilweise unter Wasser, die Stadt Oldenburg (Denkmalschutzbehörde) hat am 12. April 2019 in Sofortvollzug Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Schäden angeordnet (Dachabdeckung). Am 7. Februar 2020 lehnt das Verwaltungsgericht Oldenburg eine Klage Marseiles dagegen ab (Az. 4 B 3642/19; Pressemitteilung). Es bestehe beim ehemaligen Wall-Kino ein Denkmalwert von öffentlichem Interesse. Der Eigentümer sei zu Instandsetzungs- und Erhaltungsmaßnahmen verpflichtet.

Am 18. Februar 2021 führte eine Fachfirma Instandsetzungsarbeiten am Dach des Wallkinos durch.

Die Stadt Oldenburg hatte im Rahmen einer Ersatzvornahme die Arbeiten auf Kosten des Eigentümers beauftragt. Bei den Arbeiten wurden weitere Schäden auch an der Fassade festgestellt, die kurzfristig zu beheben sind.

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die expressionistische Malerin Emma Ritter

Die heute weitgehend in Vergessenheit geratene expressionistische Malerin Emma Ritter lebte und wirkte ab 1946 bis zu ihrem Tod in Oldenburg.

Emma Ritter wurde am 18. Dezember 1878 in Vechta geboren. 1898 bis 1902 studierte sie Malerei an der ‘Damen-Malschule‘ von Willy Spatz in Düsseldorf, 1903 bis 1905 bei Lovis Corinth (Berliner Secession) in Berlin. Sie war vermutliche eine der ersten Frauen in Deutschland, die Malerei studierte.

Von 1909 bis 1912 verbrachte Ritter immer wieder Zeit in Dangast, in engem Austausch mit den Malern Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel der Künstlergruppe Die Brücke die sich dort zu sommerlichen Studienbesuchen aufhielten. Besonders mit Karl Schmidt-Rottluff war Ritter freundschaftlich verbunden, sowie mit der Kunsthistorikerin Rosa Schapire.

In der NS-Zeit wurde neben zahlreichen Werken anderer Brücke-Künstler auch ein Werk von E. Ritter aus der Sammlung des Oldenburger Landesmuseums als ‘Entartetet Kunst’ beschlagnahmt.

Landesmuseum Oldenburg / Inventarkarte E. Ritter: Gewitter im Anzug, mit Vermerk “als entartet beschlagnahmt”

1944 wurde ihr Berliner Atelier zerstört, zahlreiche Werke gingen verloren. Ritter zog kurzzeitig nach Exten (bei Rinteln im Weserbergland), wo ihre Schwester lebte. 1946 zog sie wieder nach Oldenburg.

Infolge eines Oberschenkelhalsbruchs, den sie 1951 erlitt, konnte sie nicht mehr an der Staffelei arbeiten. Sie konzentrierte sich auf Aquarelle. Zuletzt lebte Emma Ritter in Oldenburg Eversten Bodenburgallee

Emma Ritter starb im Alter von 92 Jahren am 23. März 1972 in Oldenburg. Ihr Grab befindet sich auf dem Gertrudenfriedhof.

Grabstein Emma Ritter Oldenburg
Grabstein Emma Ritter auf dem Gertrudenfriedhof in Oldenburg
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August Schwartz Erfinder der Ansichtskarte

Der Oldenburger Drucker und Buchhändler August Schwartz verschickte am 16. Juli 1870 erstmals eine bebilderte Postkarte – Schwartz gilt damit als Erfinder der Ansichtskarte.

August Schwartz (1837 – 1904)

August Schwartz wurde am 29. Mai 1837 in Dortmund geboren. Nach abgebrochenem Philosophie-Studium in Bonn wurde er zum Militärdienst eingezogen.

Auguts Schwartz Erfinder Ansichtskarte Bildpostkarte
August Schwartz 1837 – 1904 (Relief auf seinem Grabstein)

!861 zog Schwartz nach Oldenburg und begann eine Lehre in der Buchhandlung Carl Ferdinand Schmidt (Markt 13). Bereits 1863 gab er die erste Werkausgabe des ebenfalls in Oldenburg lebenden Dichters Julius Mosen heraus.

Im gleichen Jahr heiratete er Maria Berndt (8.8.1842 – 27.7.1921), Tochter des Inhabers der Schulzeschen Buchhandlung – die ab 1875 Hof-Buchhandlung und Hof-Druckerei wurde. Schwartz trat in das Unternehme ein und leitete ab 1877 die Schulzsche Buchhandlung bis zu seinem Tod (bis 1884 mit seinem Schwager Karl Berndt, ab 1893 mit seinem Sohn Rudolf (1864 – 1943)).

August Schwartz starb am 23. Mai 1904 in Oldenburg. Sein Grab befindet sich auf dem Gertrudenfriedhof.

Grabstätte August Schwartz auf dem Gertrudenfriedhof in Oldenburg

August Schwartz – die erste Ansichtskarte

August Schwartz druckte im Sommer 1870 auf eine Postkarte zuzsätrzlich ein kleines Bildmotiv, eine Artillerie-Darstellung eines Kanoniers (es war die Zeit der Mobilmachung Deutsch-Französischer Krieg).

Am 16. Juli 1870 (Tag der Mobilmachung gegen Frankreich) verschickte Schwartz die Karte an seine Schwiegereltern in Magdeburg.

Diese bebilderte Postkarte gilt damit als erste Ansichtskarte der Welt und August Schwartz als Erfinder der Ansichtskarte.

Erfinder der Ansichtskarte - August Schwartz Correspondenz-Karte 1870 - die erste Ansichtskarte bebilderet Vorderseite
August Schwartz Correspondenz-Karte 1870 – die erste Ansichtskarte (bebilderte Vorderseite)

Von der Postkarte zur Ansichtskarte

Bereits 1760 gab es in Paris erste offen lesbare Mitteilungen bei der petit poste. 1840 wurde in England erstmals eine Briefmarke verwendet.

In den USA wurde am 27. Februar 1861 erstmals der Versand privat gedruckter Karten mit der Post per Gesetz erlaubt.

Am 1. Juni 1865 wurde in Preußen die Offene Karte (‘Aviskarte‘) eingeführt, ein Vorläufer der Postkarte in Deutschland. Am 1. Juli 1870 trat im Norddeutschen Bund (in dem das Großherzogtum Oldenburg seit 1867 Mitglied war) die ‘Verordnung betr: die Einführung der Correspondenzkarte‘ in Kraft – die Einführung der Postkarte in Norddeutschland.

Nur gut zwei Wochen später am 16. Juli 1870 verschickte August Schwartz die erste Ansichtskarte von Oldenburg nach Magdeburg …

der erste Ansichtskarten-Verlag

Im Herbst 1875 veröffentlichte August Schwartz erstmals eine kleine Auflage von 25 Ansichtskarten als Handelsartikel. Damit wurde er zum ersten kommerziellen Verleger von Ansichtskarten, begründete den ersten Ansichtskarten-Verlag der Welt.

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Landesbibliothek Oldenburg Digital: Der Litterarisch-gesellige Verein zu Oldenburg : Denkschrift zum 50-jährigen Stiftungsfeste / von August Schwartz

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Die Brücke in Dangast

In den Jahren zwischen 1907 und 1912 hielten sich Maler der Künstlergruppe Die Brücke in Dangast auf, schufen teils zentrale Werke ihres Schaffens.

Am 7. Juni 1905 gründeten Erich Heckel, Karl Schmitt-Rottluff, Ernst Ludwig Kirchner und Fritz Bleyl, damals alle Architektur-Studenten, in Dresden die Künstlergruppe ‘Die Brücke’. Später kamen Max Pechstein, Emil Nolde (beiden 1906) und Otto Mueller (1910) hinzu. 1913 wurde die Künstlergruppe ausgelöst.

Die Brücke in Dangast Ausstellungs-Saal Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg
Die Brücke in Dangast, Blick in den Ausstellungs-Saal im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Oldenburg (von links: Schmidt- Rottluff / Sommer in Dangastermoor 1908 & Dangaster Allee 1911, Heckel / Ziegelei 1908 & Elgernder Mann 1910, Nolde / Stillleben mit Reiterfigur 1919, Podest: Schmidt-Rottluff / Holzkasten mit zwei Köpfen auf dem Deckel um 1920)

Mehrere Brücke Künstler hielten sich zwischen 1907 und 1912 zu sommerlichen Studienbesuchen in Dangast auf: die Freunde Karl Schmidt-Rottluff (1884 – 1976) und Erich Heckel (1883 – 1970) bis 1910 regelmäßig, sowie Max Pechstein (1881 – 1955) im Sommer 1910. 1909 bis 1912 kam die (heute weitgehend unbekannte) expressionistische Malerin Emma Ritter (1878 – 1972; Grab auf dem Gertrudenfriedhof Oldenburg) aus Oldenburg hinzu.

1921 kommt der Maler Franz Radziwill auf Empfehlung von Schmitt-Rottluff nach Dangast. Er bleibt dauerhaft bis zu seinem Tod. Das Kurhaus Dangast wird zu einem Künster-Treffpunkt.

Erich Heckel hatte das Bauern- und Fischerdorf Dangast und Dangastermoor 1907 eher zufällig als Rückzugsort entdeckt – in einem Atlas. Dangast hatte zuvor keinerlei Tradition als Künstler- oder Maler-Ort.

Schmidt-Rottluff wohnte während seiner Dangast Aufenthalte im ‘Parkschloss’ (An der Rennweide; heute Haus Gramberg, Restaurant), Heckel im ‘Hullmann’schen Haus’ (An der Rennweide 3).

Zahlreiche Werke (Gemälde und Druckgrafiken) mit Motiven aus Dangast entstehen, Landschaften, Stillleben, Häuser (darunter 1910 das Kurhaus Dangast in ‘Dangaster Landschaft’ von Max Pechstein).

“Es ist eigentümlich, wie starke und ich möchte behaupten, heimatliche Gefühle mich mit dem Oldenburger Land verbinden – nicht mit meiner eigentlichen Heimat habe ich solchen inneren Zusammenhang. – Was mich hierher zieht, ist die Weite des Landes, und seiner Verwandtschaft mit der Natur Litauens oder Rußlands – wenn es schon nicht jedem leicht fallen wird, da eine zusammenhang zu sehen.”

Schmitt-Rottluff 1921 über seine Zeit in Dangast gegenüber Dr. Beyersdorff

Arbeiten von Künstlern der Brücke die in Dangast entstanden waren, wurden bereits 1908 erstmals im Augusteum in Oldenburg gezeigt. Die Ausstellung war damals sehr umstritten, die malweise eher unverstanden.

1922 folgte einer weitere Ausstellung der Dangster Gruppe im Lappan in Oldenburg. Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte erwarb erste Bilder. Bereits kurz nach seiner Eröffnung 1923 wurden in der ‘Galerie der Gegenwart’ Werke der Brücke-Maler aus Dangast gezeigt. Dies war inspiriert durch Museumsleiter Müller-Wulckow, der später bekämpft wurde von seinem parteitreuen Stellvertreter Werner Meinhof (Vater von Ulrike Meinhof), unter dessen Ägide 1937 in Jena eine umfassende Enmteignung und großenteils Vernichtung eines Konvoluts von Werken des Brücke – Malers Ernst Ludwig Kirchner erfolgte). Ein Großteil der damaligen Oldenburger Erwerbungen von Malern der Brücke in Dangast wurde in der NS-Zeit als ‘Entartete Kunst’ eingestuft und ist ebenfalls verschollen.

Wegweisend war die Ausstellung ‘Maler der Brücke in Dangast von 1907 bis 1912‘, die der Oldenburger Kunstverein vom 2. bis 30. Juni 1957 (zum 50. Jahrestag) zeigte. Erstmals wurde auch die Bedeutung von Dangast in der Kunstgeschichte bewusst gemacht.

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Der kleine Ort Dangast 35 km nördlich von Oldenburg gelegen hat nur wenige hundert Einwohner. Der Badeort liegt direkt am Jadebusen und ist das südlichste Nordseebad. Dank erhöhter Lage auf einem Geestrücken bietet der Ort “deichlosen Meerblick”. Dangast ist Teil der Ortschaft Varel.
Das Kurhaus Dangast wurde 1820 erbaut. Am Strand vor dem Kurhaus Dangast findet seit 2014 jährlich das Watt en Schlick Fest statt.

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Kulturelles

Schlossgarten Oldenburg

Der Schlossgarten in Oldenburg ist eine Parkanlage, die ab 1809 im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegt wurde.

Das heutige Aussehen des Schlossgartens ist im wesentlichen entsprechend der im Frühjahr 1814 beauftragten Neuanlage (die frühere Anlage war durch die französische Besatzung nahezu völlig vernichtet) durch Julius Bosse (1788 – 1864, Grab auf dem Gertrudenfriedhof).

Der erste Abschnitt des Schlossgartens wurde 1819 fertiggestellt. Er war bereits der Öffentlichkeit zugänglich (Ausnahme: herzoglicher Kräuter- und Küchengarten).

Der Schlossgarten befindet sich seit 1920 im Besitz des Landes Niedersachsen (bis 1946 Freistaat Oldenburg).

Schlossgarten Oldenburg – Fotos

Schlossgarten Oldenburg
Schlossgarten Oldenburg
Artischockenblüte im Schlossgarten Oldenburg
Blick auf das Tropenhaus im Schlossgarten Oldenburg
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Hamburg Kulturelles

Ernst Rowohlt Grab

Der Verleger Ernst Rowohlt, 1908 Gründer des Rowohlt Verlag in leipzig, starb 1960 in Hamburg. Das Grab von Ernst Rowohlt befindet sich auf dem Friedhof Volksdorf.

Ernst Hermann Heinrich Rowohlt wurde am 23. Juni 1887 in Bremen geboren. Nach der mittleren Reife ging er in einer Bank in Bremen in die Lehre.

Nach einem Volontariat in einer Druckerei in Leipzig gründete er mit 21 Jahren 1908 den ‘ Rowohlt Verlag Paris – Leipzig’. 1912 übernahm Kurt Wolff den verlag. Seinen zweiten Verlag gründete Rowohlt 1919 in Berlin. Den dritten Verlag rief er 1946 in Stuttgart ins Leben, 1950 folgte der Umzug nach Hamburg.

Bereits im Juni 1950 brachte Rowohlt das erste Taschenbuch auf den Markt:

„Wir drucken die Bände im Rotationsdruck, allerdings auf aufgebessertem Zeitungspapier, und lassen sie im Lumbeckverfahren binden. Das garantiert eine große Haltbarkeit des Rückens, die Bücher liegen flach auf, und da der deutsche Bücherkäufer stets gern Halbleinenbände haben will, haben wir auch einen Halbleinenrücken angewandt.“

Ernst Rowohlt

Mit den rororo Taschenbüchern veränderte Rowohlt den Buchmarkt in der Bundesrepublik wesentlich.

Ernst Rowohlt Grab Hamburg Volksdorf
Ernst Rowohlt Grab, August 2020 (Rowohlts Grabstein befindet sich am Rand des Rhododendron, links davor die Grabsteine seiner Mutter Anna sowie seiner Frau Maria)

Ernst Rowohlt starb am 1. Dezember 1960 in Hamburg an einem Herzinfarkt.

Auf seinem Grabstein stehen seine eigenen (heute kaum noch entzifferbaren) Worte „Hier ruht ein Verleger, der 54 Jahre Buchhändler war und nicht geisteskrank wurde, und der sein Leben lang, fast umsonst, ein alter Kämpfer gegen die Torheit war.“

Grabstein Ernst Rowohlt
Grabstein Ernst Rowohlt, August 2020

Ernst Rowohlt wurde auf dem Friedhof Hamburg Volksdorf beigesetzt (Ernst Rowohlt Grab Friedhof Hamburg Volksdorf Feld A k (das Feld befindet sich gegenüber der Kapelle, Rowohlts Grab am Ende des Feldes zum kleinen Weg / Feld B l hin)

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Watt en Schlick Fest 2020

Watt en Schlick Fest 2020 ? Düster sieht der Festival Sommer 2020 aus – infolge der Coronavirus Epidemie nahezu keine Konzerte, keine Festivals … auich in Niedersachsen sind alle Festivals abgesagt … 2019 war Watt en Schlick grandios, nun nichts … aber …

Watt en Schlick Fest 2020
Watt en Schlick Fest – auch 2020

Auch das WeS20, das für den 31. Juli bis 2. August 2020 geplant war, wurde am 22. April 2020 offiziell abgesagt.

Am 19. Juli dann die Überraschung: es gibt 2020 doch ein Watt en Schlick Fest 2020 in Dangast – in diesem Jahr als “Festival-Programm im kleinen Rahmen” und online, gestreamt auf Arte Concerts.

Unter dem Titel “Zeitgleich Festivals – Watt, Wald, Wassergab es ein online Festival von Watt en Schlick gemeinsam mit dem Rocken Am Brocken Festival im Harz und dem Sound of the Forest Festival im Odenwald, live gestreamt auf Arte Concerts.

Jan und Ulli beim Watt en Schlick Fest 2020

Programm Zeitgleich Festival

* 16:00 – 16:30: Ebow
16:30 – 17:00: Klan
17:00 – 17:30: Cari Cari
* 17:30 – 18:00: Megaloh
18:00 – 18:30: Black Sea Dahu
18:30 – 19:00: Martin Kohlstedt
* 19:00 – 19:30: Die Höchste Eisenbahn
19:30 – 20:00: Ätna
20:00 – 20:35: Hundreds
*20:35 – 21:10: Altin Gün
21:10 – 21:45: Bukahara
21:45 – 22:10: Bosse
* 22:15 – 22:50: Meute
22:39 – 23:15: Joris
23:30 – 24:00: Mighty Oaks
* = live in Dangast

Watt en Schlick 2020
Festival-Gelände vor Beginn

Die Vor-Ort- Veranstaltung fand statt unter zahlreiche Auflagen in Folge der Coronavirus Epidemie. Statt der sonst üblichen 5.000 Teilnehmer:innen waren nur 150 Gäste zugelassen. Es gab nur eine Bühne, die Floß-Bühne. Liegen udn sitzen, kein tanzen.

Festival in Zeiten von Corona – Hygieneregeln

Für zahlreiche Künsterler:innen und Bands war es wohl der erste Live- Auftritt im Sommer 2020 (wie Meute schrieb, “first show this summer!“).

Watt en Schlick Fest 2020 – Fotos

Till Krägeloh Watt en Schlick 2020
Till Krägeloh, Initiator des Watt en Schlick Fests, begrüßt die Gäste
Ebow Watt en Schlick 2020
Ebow beim Watt en Schlick Fest 2020
Megaloh Watt en Schlick 2020
Megaloh beim Watt en Schlick Fest 202
Megaloh Watt en Schlick 2020
Megaloh, WeSW20 Dangast
Megaloh
Megaloh
Die höchste Eisenbahn Watt en Schlick 2020
Die Höchste Eisenbahn
FlowinImmo zu Die Höchste Eisenbahn watt en Schlick 2020
FlowinImmo, urlaubend, mit spontaner Kurz-Einlage
Altin Gün Watt en Schlick 2020
Altin Gün
Meute
Meute
Meute Watt en Schlick 2020
Meute beim Watt en Schlick Fest 2020
Meute Watt en Schlick Dangast 2020
Meute
Meute
Meute @ Watt en Schlick 2020
Meute
Meute auf der Floßbühne

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Watt en Schlick Fest 2020
Watt en Schlick fest – auch 2020

Trotz widriger Situation, trotz zahlreicher Restriktionen aufgrund der Coronavirus Epidemie ist es dem Team vom Watt en Schlick Fest nicht nur gelungen, ein Festival auf die Beine zu stellen, sondern auch Watt en Schlick Atmosphäre zu zaubern – wunderbar, herzlich danke!

Bis zum nächsten Jahr – beim Watt en Schlick 2021 vom 30. Juli bis 1. August 2021

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Kulturelles

Hunte Wasserkraftwerk Oldenburg 1927

Das Hunte Wasserkaftwerk Oldenburg (auch: Wasserkraftwerk Obere Hunte, Achterdiek) wurde zusammen mit Küstenkanal und Schleuse von 1925 bis 1927 erbaut. Architekt des Backsteinbaus war der Baubeamte und Ministerialrat Adolf Rauchheld (1868 bis 1932; auch Architekt der Amalienbrücke und der Cäcilienbrücke (beide abgebrochen); Grab auf dem Gertrudenfriedhof).

Das Laufwasserkraftwerk ist mit zwei Schützenwehren und zwei aus dem Jahr 1930 stammenden KaplanTurbinen ausgestattet. Es weist eine Fallhöhe von 6,20 Meter auf.

Das Kraftwerk steht unter Denkmalschutz.

Hunte Wasserkraftwerk Oldenburg 1927
Hunte Wasserkraftwerk Oldenburg

Hauptsächliches Ziel des Wasserkraftwerks Oldenburg ist die WasserstandsRegulierung von Hunte, Mühlenhunte und Küstenkanal (im Bereich zwischen 4,95 und 5,08 Meter).

Das Kraftwerk erzeugt etwa zwei Millionen Kilowattstunden Öko-Strom jährlich (entsprechend dem Verbrauch von ca. 570 Haushalten).

Wasserkraftwerk Obere Hunte in Oldenburg – Seitenportal

Neben dem Wasserkraftwerk befindet sich eine 2006 nachträglich eingebaute Fischaufstieganlage, betrieben vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

Seit März 2010 wird das Wasserkraftwerk von der EWE AG betrieben. Dazu wurde mit dem Land Niedersachsen ein Pachtverrtag geschlossen.

Zuvor waren Pächter die Nordwestdeutsche Kraftwerke AG Hamburg (ab 1944) und später der staatliche norwegische Energiekonzern Statkraft.