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Homosexualitäten

als Homosexueller im Emslandlager – wie Paul B. in Delmenhorst verhaftet wurde, ins KZ kam und doch überlebte

1937 wurde der aus Bremen stammende Paul Gerhard B. in Delmenhorst wegen Vergehens gegen §175 verhaftet. Er war als Homosexueller im Emslandlager (Konzentrationslager Papenburg). B. überlebte die NS-Zeit indem er sich zum Dienst in der Wehrmach meldete.

1983 berichtet er über seine Verhaftung in Delmenhorst, seine Zeit als ‚Rosa Winkel‘ im Konzentrationslager und wie er die NS-Zeit überlebte:

„Von meinen sozialdemokratischen Genossen wußten nur wenige,. daß ich homosexuell war. … Ich hielt es damals auch für die illegale Arbeit der Partei für gefährlich, mich auf intensive Kontakte einzulassen. Sicher hatte ich auch Angst als Homosexueller ‚enttarnt‘ zu werden. Besonders seit 1935, als die Strafandrohungen uns gegenüber verschärft worden waren, hatte bei mir diese Angst zugenommen. Ich kann mich noch erinnern, daß die wenigen homosexuellen Freunde, mit denen ich mich noch traf, ähnlich empfunden haben.“

Der Bremer, auch nach 1933 parteipolitisch für die SPD aktiv, musste bald aus der Stadt fliehen:

„Anfang 1937 bin ich dann nach Delmenhorst gegangen. Für mich war der Aufenthalt in Bremen zu gefährlich geworden. In Delmenhorst hielt ich noch Kontakt zu Genossen, aber an illegale Arbeit war für mich nicht mehr zu denken. Ich hörte dann auch, daß die Polizei in Bremen nach mir gesucht hatte.“

Mit knapp 30 Jahren wurde B. in Delmenhorst nach einer Denunziation verhaftet. Er berichtet

„Die Verhaftung erfolgte in den ersten April-Tagen 1937. Ich hatte in dem Betrieb in dem ich Arbeit gefunden hatte, einen Kollegen kennengelernt, von dem ich erst später erfuhr, dass er in der NSDAP mitarbeitete … In politischer Hinsicht war ich sehr zurückhaltend. … Aber sonst hatte ich ihn wohl ein wenig umworben. An einem Abend hatte ich mich mit ihm verabredet. Doch statt seiner erschienen zwei Polizisten in Zivil, die mich festnahmen. … Erst in einem Wachlokal erfuhr ich, daß mir der Verstoß gegen §175 Strafgesetzbuch zur Last gelegt wurde. … eine Anzeige von Herrn Alfred D. vorläge. Jetzt erst begriff ich, dass mich mein Bekannter ‚ausgeliefert‘ hatte.“

Schon bald folgte die Verlegung von Delmenhorst in eines der Emslandlager – als ‚Rosa Winkel‘, B. zog vor seine illegale politische Arbeit zu verbergen:

„Ich blieb etwa vier Wochen in Polizeigewahrsam, dann wurde ich ohne Gerichtsverhandlung in das Konzentrationslager Papenburg eingewiesen. … Ich hatte in Delmenhorst den Verstoß gegen den §175 auch deswegen so schnell zugegeben, weil ich befürchtete, daß bei Ermittlungen meine illegale politische Tätigkeit herauskommen würde.“

„Papenburg war ein Justizlager … Ich traf dann ja auch zwei SPD-Genossen aus Bremen wieder. … Wir bekamen KZ-Kleidung und ich den ‚Rosa Winkel‘. … Es war nicht so dass wir mit dem ‚Rosa Winkel‘ im Lager der letzte Dreck waren. Aber wir waren ziemlich isoliert. … Die Vorurteile gegen uns waren leicht immer wieder neu aufzuwiegeln. Und so konnten wir mit breiter Zustimmung verfolgt werden.“

Nach 1939 konnte B. der KZ-Haft entkommen, indem er sich zum Dienst in der Wehrmacht bereit erklärte:

„… stellte er [Justizbeamter, nach Kriegsbeginn September 1939] aus KZ-Insassen eine Einheit zusammen. Das war halb freiwillig und halb erpreßt. Ich war jedenfalls bereit, die Wehrmachtsklamotten anzuziehen, um dem KZ zu entkommen. Warum man zugelassen hat, dass ich als ‚Rosawinkel‘-Träger zur Wehrmacht konnte, weiß ich nicht und kann es mir auch nicht erklären. Für mich bedeutete das jedoch Lebensrettung.“

Nach Kriegende die Enttäuschung:

„Als dann nach dem Krieg die faschistische Fassung des §175 in Kraft blieb, war ich sehr entmutigt. … Ich bin dann aus Enttäuschung über die Haltung der SPD aus der Partei ausgetreten

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Strafgefangenenlager Papenburg: vermutlich: mit dem SammelbegriffStaatliches Konzentrationslager Papenburg‚ wurden die Konzentrationslager Börgermoor, Esterwegen und Neusustrum bezeichnet, die bereits im Sommer 1933 eröffnet und mit ‚politischen Schutzhäftlingen‘ belegt wurden. Im Sommer 1934 erfolgte eine Neuorganisation unter Aufsicht der SS, Neusustrum und Börgermoor wurden Strafgefangenenlager, Esterwegen blieb bis 1936 Konzentrationslager, ab 1937 bis 1945 ebenfalls Strafgefangenenlager.

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[Quelle: Zeitzeugengespräch mit Paul Gerhard B., Jahrgang 1908, aus Bremen; in: Heinz-Dieter Schilling (Hg.): Schwule und Faschismus, Berlin 1983

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Homosexualitäten

Verfolgung Homosexueller in Oldenburg während der NS-Zeit

Die Verfolgung Homosexueller in Oldenburg und im Oldenburger Land während der NS- Zeit ist bisher wenig erforscht.

Oldenburg war eines der 18 Länder in der Kernzeit der Weimarer Republik. Es wurde bereits seit 1932 von einer absoluten Mehrheit der NSdAP regiert, der NSDAP- Gauleiter wurde Ministerpräsident. Damit war Oldenburg das einzige Land, das bereits vor 1933 eine NS-Regierung hatte.

Die Geschichte Homosexueller in Oldenburg und im Oldenburger Land während der NS-Zeit ist bisher nur sehr rudimentär Gegenstand der Forschung gewesen.

Heil- und Pflegeanstalt Wehnen

Einer der Orte der Verfolgung und Ermordung Homosexueller im Oldenburger Land während der NS-Zeit war die damalige ‚Heil- und Pflegeanstalt Wehnen‘ (heute Karl-Jaspers-Klinik Wehnen – Medizinischer Campus Universität Oldenburg). Mindestens 1.500 Patient:innen kamen hier ums Leben (Harms 1997).

Im Rahmen der NS-Krankenmorde (zu denen auch die ‚Mordaktion T4‚ zählt) kamen hier auch Homosexuelle in ‚Sicherungsverwahrung‘ und wurden psychiatrisiert.

Entsprechend befindet sich auch eine Gruppe Homosexueller unter den Opfern der Krankenmorde (etwa 2.000 noch erhaltene ‚Euthanasie-Meldebögen‘ aus den Jahren 1940 bis 1944). Ihre genaue Zahl ist nicht bekannt.

in KZs und Lagern ermordete Homosexuelle aus Oldenburg und dem Oldenburger Land

Im Emsland westlich von Oldenburg befanden sich ab 1933 zahlreiche Konzentrations- und Straflager, die so genanten Emslandlager (vgl. das in Börgermoor entstandene Lied der Moorsoldaten). Die Güterwagons, in denen Gefangene zu den Emslandlagern transportiert wurden, müssen zumindest teilkweise auch den Oldenburger Pferdemarkt passiert haben, können kaum unbemerkt geblieben sein.

Zu den Emslandlagern zählte auch das Lager V Neustustrum, es gilt als derjenige Ort in Deutschland, an dem in der NS-Zeit die meisten Homosexuellen inhaftiert waren.

KZ Sachsenhausen

Johannes Müller und Andreas Sternweiler nennen in der ‚Liste der Toten (der bisher namentlich bekannten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen)‚ (Totenbuch online) im Jahr 2000 u.a. Elimar Wagner, geb. 10.12.1884 in Heppens, heute Stadtteil von Wilhelmshaven, gest. 10.7.1942 KZ Sachsenhausen [in: Müller/Sternweiler, Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen, Berlin 2000]. An Wagner, 1935, 1936 und 1939 wegen § 175 in Hamburg verhaftet, erinnert in Hamburg ein Stolperstein für Elimar Wagner.

Zeitzeugen-Berichte

Bisher sind kaum Zeitzeugenberichte Homosexueller im Oldenburger Land aus der NS-Zeit bekannt.

Flucht 1945 aus Emslandlager nach Nordenham

Der Buchhalter und ‚überzeugte Katholik‘ Johann-Rudolf Braehler (1914 – ?) wurde in der NS-Zeit wegen seiner Homosexualität inhaftiert. Deportiert in eines der Emslandlager, gelang ihm kurz vor Ende des Kriegs die Flucht.

In dem 1981 erschienenen Buch Rosa Winkel, Rosa Listen von Hans-Georg Stümke und Rudi Finkler berichtete Braehler ausführlich.

Bei der Wehrmacht wurde er 1942 inhaftiert:

„… wurde ich wegen eines Verbrechens nach § 175 und wegen Wehrkraftzersetzung angeklagt … Das Urteil lautete zwei Jahre Zuchthaus …“

Zusammen mit weiteren verurteilten Soldaten wurde er in ein Lager im Emsland gebracht:

„Wir landeten in Lingen im Emsland. Noch am selben Tag ging es weiter ins Nebenlager Brual-Rhede III. … Meine übrigen Mitgefangenen waren überwiegend ‚kriminelle‘ Soldaten, Fahnenflüchtige und eben Homosexuelle.“

Kurz vor Kriegsende wurde Braehler angesichts heranrückender Truppen wieder zum Soldat gemacht. Nach dem Waffenstillstand „verdünnisierte“ er sich und machte sich auf die Flucht nach Nordenham (Oldenburger Land):

„Um die Ortschaften, die bereits von den Kanadiern besetzt waren, machten wir einen großen Bogen und kamen unbeschadet bis nach Nordenham, wo wir von der Familie eines Kameraden gastlich aufgenommen wurden. … Nach ein paar Tagen kam ein Freund des Kameraden, der von nun am im gleichen Bett zwischen mir und ihm schlief. Die beiden waren jede Nacht sexuell sehr miteinander beschäftigt. Ich nahm davon keine Notiz, weil ich den festen Vorsatz hatte, von der Geschlechtlichkeit loszukommen.“

alle Zitate: Johann-Rudolf Braehler, Jahrgang 1914, Wehrmachststraflager Brual-Rhede [Lager III der 15 Emslandlager], zitiert nach Stümke/Winkler: Rosa Winkel. Rosa Listen, Reinbek 1981

Braehler wurde auch nach 1945 wegen seiner Homosexualität strafrechtlich verfolgt. Er lebte nach 1945 u.a. in Stuttgart, später in der Eifel und in Köln.

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Der aus Bremen stammende Paul B. wurde in Delmenhorst verhaftet. Er überlebte die KZ-Haft im Lager Papenburg, indem er sich zum Dienst in der Wehrmacht meldete (Zeitzeugenbericht).

Aufarbeitung der Verfolgung Homosexueller in Oldenburg

2011 startete die Arbeitsgruppe ‚Geschichte der Gesundheits- und Sozialpolitik‘ an der Universität Oldenburg den Versuch, Schicksale Homosexueller aus dem Oldenburger Raum aufzuklären.
Knappe Mittel erschwerrten die Arbeit. Die Arbeitsgruppe wurde inzwischen aufgelöst.

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Hamburg Homosexualitäten

Café Tuc Tuc (1979 – 1995)

Von 1979 bis 1995 existierte in Hamburg das Café Tuc Tuc – insbesondere in der ersten Hälfte der 1980er Jahre eine Institution im schwulen Leben der Stadt.

Sechs schwule Männer aus dem Kreis um die HAH (Homosexuelle Aktion Hamburg) gründeten 1979 das Café Tuc Tuc. Am Ostersamstag 14. April 1979 war Eröffnung. Endlich gab es eine Alternative zu klemmigen und kommerziellen Orten.

Schwusel trifft sich über'm Tuc Tuc (Schwusel Nachrichten 2/1983, Grafik Martin D.)
das Café Tuc Tuc auf dem Cover der Schwusel Nachrichten 2/1983 (Grafik Martin D.)

Mit dem Café Spund hatte in Hamburg fünf Jahre zuvor am 3. September 1974 Deutschlands erstes schwules Tages-Café eröffnet.
Das Café Tuc Tuc allerdings war ab 1979, ähnlich wie das ‚Andere Ufer‚ in Berlin Schöneberg, in Hamburg das erste schwule Café ohne Klingel und abgedunkelte oder verdeckte Fenster, sondern frei einsehbar. Und es war ein nicht-kommerzielles Lokal und über den Konsum und Spaß hinaus Raum für Politik und Experimente jeglicher Art.

Café Tuc Tuc (Reklame, 1981)
Café Tuc Tuc (Reklame, 1981)

Das Café und die darüber liegenden Räume war über Spaß hinaus auch ein politischer Ort. Hier wurde 1980 der Protestzug nach der Aufdeckung der Spitzel- und Rosa Listen-Affäre (‚Hamburger Spiegel-Affäre‘) geplant.
In den Räumen über dem Tuc traf sich Schwusel, die Gruppe schwuler und lesbischer Jugendlicher, hier wurde auch die Schwusel Zeitung mit produziert.

Im Tuc Tuc sahen hörten feierten wir den (1980 von Gunther Schmidt gegründeten) Hamburger Tuntenchor (1980 – 1981), die Alsterelsen, später Georgette Dee oder ‚Familie Schmidt‚ (ich hab jetzt noch „wetten das ist Frau Witten?“ in den Ohren klingen). Lange bevor 1988 das Schmidt Theater eröffnete

Effi Effinghaus zog dann mit Kai Reineke Ende 1986 aus dem Café aus. Und übernahm zum 1. Januar 1987 von Ella Gnosa in St. Georg das 1947 gegründete und noch heute existierende Café Gnosa. Effi (1950 geboren) starb am 23. Dezember 1995 im Alter von 45 Jahren an den Folgen von Aids.

Das Tuc Tuc machte 1995 endgültig dicht – die städtische Wohnungsbau-Gesellschaft Saga als Vermieterin hatte wegen Mietschulden gekündigt. Die Zeiten hatten sich geändert … das Front (1983 – 1997) war längst der heißeste Ort der Stadt …

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Homosexualitäten Köln

Stonewall Momente: Traueranzeige Jean Claude Letist – homosexuell oder schwul ? (Video)

Am Aschermittwoch 28. Februar 1990 starb Jean-Claude Letist an den Folgen von Aids. Jean Claude Letist (1946 – 1990) war einer der bedeutendsten schwulen Aktivisten in Köln in den 1970er und 80er Jahren. Die Traueranzeige für Jean-Claude Letist löste auch eine politische Aktion aus …

Die größte Lokalzeitung Kölns weigerte sich damals jedoch, eine Traueranzeige zu drucken mit den Worten „Ein beispielgebendes schwules Leben hat sein Ende gefunden“. Das Wort „schwul“ in einer Traueranzeige? Undenkbar! Einzig denkbarer Kompromiss sollte das Wort ‚homosexuell‘ sein. Aber genau das war der entscheidende Unterschied …

Traueranzeige Jean Claude Letist
zensierte Traueranzeige Jean Claude Letist – ohne das Wort ’schwul‘

Was dann passierte, und wie die Trauerfeier für Jean-Claude am 12. März 1990 und eine Aktion danach dazu führten, dass bald „schwul“ und „lesbisch“ auch in Traueranzeigen benutzt werden durften, darüber erzähle ich in diesem Video:

Stonewall Momente – Jean Claude Letist Traueranzeige

Das Video entstand für die Kurzfilm-Reihe ‚Stonewall Momente‘ im Rahmen des Projekts ‚queer as german folk‚. #querasgermanfolk ist ein Gemeinschaftsprojekt des Goethe-Instituts Nordamerika mit dem Schwulen Museum* Berlin sowie der Bundeszentrale für politische Bildung bpb.


Stonewall Momente: Ulrich Würdemann

Das Video ist Teil der Ausstellung ‚Love at First Fight! – Queere Bewegungen in Deutschland seit Stonewall‚. Sie ist ab 19. Juli 2019 für mindestens ein Jahr im Schwulen Museum* zu sehen.

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Drei Tage nach der Trauerfeier für Jean-Claude gründete sich am 15. März 1990 ACT UP Köln. Viele von uns nahmen an der Aktion im Verlagsgebäude am 12. März teil. Sie war sozusagen der Auftakt für ACT UP Köln …

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Jean-Claude Letist war für mich ein Vorbild und Ansporn. Von der Gründung und Eröffnung des Schwulen- und Lesbenzentrums SchuLZ bis zu zahlreichen Reisen mit ‚Homoreizen‚ (auf denen sein Sprachgenie immer wieder besonders hilfreich war), von nächtlichen Momenten am Aachener Weiher bis zu aufgeregten politischen Debatten im Bundesverband Homosexualität BVH – er war Inspiration, Herausforderung und – liebenswert.

Ach Gutemiene …

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Zwei kleine Fehler haben sich in dem Video eingeschlichen: natürlich war die Währung damals noch DM und nicht Euro. Und mein Vorname schreibt sich mit einem ‚l‘ – Ulrich … 😉

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Hamburg Homosexualitäten

SCHWUSEL unabhängige Zeitung der schwul-lesbischen Jugend Hamburgs (1982 / 1983)

Ab Mitte 1980 existierte in Hamburg eine Gruppe für junge Lesben und Schwule: SCHWUSEL, die sich oft in den Räumen über dem Café Tuc Tuc traf.

Schwusel hatte auch eine eigene (kleine) Zeitung „SCHWUSEL – unabhängige Zeitung der schwul-lesbischen Jugend Hamburgs“ . Hier die Cover der Ausgaben 1982 (2) sowie 1 bis 4 aus dem Jahr 1983:

Schwusel Zeitung Ausgabe 2 / 1982 (Format A4)
Schwusel Zeitung Ausgabe 1 / 1983 (Format A5)
Schwusel Zeitung Ausgabe 2 / 1983 (Format A5)
Schwusel Zeitung Ausgabe 3 / 1983 (Format A5)
Schwusel Zeitung Ausgabe 4 / 1983 (Format A5)
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Homosexualitäten Köln

Antifa – Veranstaltungsreihe SchuLZ Köln 1989 / 1990

In den Jahren 1989 und 1990 organisierte die glf-Politgruppe im Schwulen- und Lesbenzentrum SchuLZ in Köln eine Veranstaltungsreihe zum Thema Antifaschismus.

Zur Veranstaltungsreihe wurde begleitend eine Dokumentation Gewalt gegen Schwule und Lesben – Nährboden für Faschismus? (1989) erstellt. Im Umfeld wurde der Aufkleber verwendet Stoppt die braune Gefahr – Schwule und Lesben gegen Nazis.

An die Auftaktveranstaltung am 31. August 1989 sowie eine Gedenkveranstaltung am 1. September 1989 schlossen sich folgende (von mir mit organisierte und moderierte) Veranstaltungen an

  • 6. September 1989: Günter Dworek: Gewalt gegen Schwule – Nährboden für Faschismus
  • 4. Oktober 1989: Hartmut Meyer: Faschismus – was ist das?
  • 8. November 1989: Margret feit: Faschismus und die ‚Neue Rechte‘ heute
  • 4. Dezember 1989: Hans-Georg Stümke: Schwule im Nationalsozialismus
  • 24. Januar 1990: Ilse Kokula: Lesben im Nationalsozialismus
  • 7. Februar 1990: Brocher et al.: Befreiung ’45 – Hoffnung und Realität
  • 17. März 1990: Georg Roth: Wohnstübchen oder Politikbüro?
  • 4. April 1990: Claudia Roth: Strategien im Umgang mit Faschismus
  • 9. Mai 1990: Christiane Hoß: Intoleranz, Ausgrenzung, Diskriminierung – unser altäglicher Faschismus

Sämtliche Veranstaltungen fanden im Schwulen- und Lesbenzentrum SCHULZ in Köln statt.

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Bordeaux Homosexualitäten

Trans- und Homophobie in Bordeaux – Stadt startet Umfrage

Wie sicher fühlen sich LGBT+ in Bordeaux? Dies will die Stadt mit einer Befragung zu Transphobie und Homophobie in Bordeaux herausfinden. Ziel ist Felder zu definieren auf denen Handlungsbedarf der Stadt besteht.

Die Befragung wird durchgeführt vom Observatoire bordelais de l’égalité (Beobachtungsstelle der Stadt Bordeaux für Gleichheit; vgl. die drei Grundwerte der französischen Republik Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit). Begleitet wird die Umfrage von den Soziologen Arnaud Alessandrin und Johanna Dagorn von der Universität Bordeaux. Zahlreiche LGBT+- Organisationen aus Bordeaux wurden an der Erarbeitung des Fragebogens beteiligt.

Die Befragung zu Transphobie und Homophobie in Bordeaux startete am 5. November 2018 und wird bis Ende Dezember 2018 durchgeführt. Ziel ist es, über 1.000 Teilnehmer zu erreichen.

Im Begleittext zur Umfrage wird betont, Bordeaux habe bereits seit Jahren ein Monitoring-System zur Bekämpfung von Diskriminierungen. Nach mehreren Erhebungen z.B. zu Diskriminierung in Stadtteilen oder Benachteiligung von Frauen sei für 2018 / 2019 nun eine erneute Erhebung zu homophober und transphober Diskriminierung vorgesehen.

Die Erhebung zu homo- und transphober Diskriminierung in Bordeaux bezieht sich auf drei Sektoren: öffentlicher Raum, privater und öffentlicher Dienst sowie Arbeitswelt. Die Befragung ist anonym.

Trans- und Homophobie in Bordeaux – Link zur Umfrage.

Eine erste Erhebung zu Homophobie in Bordeaux ist vom Observatoire bordelais de l’égalité bereits 2015 durchgeführt worden. Damals hatten 82% der Befragten angegeben, mindestens einmal im Zeitraum 2013 / 2014 bereits im öffentlichen Raum Angst vor Beleidigungen oder Diskriminierung erlebt zu haben. Das Sicherheitsgefühl von LGBT+ im städtischen Raum sei, so die Autoren damals, etwas schlechter als das von Frauen insgesamt.

Inzwischen habe die Debatte um die Einführung des Rechts auf PMA (Procréation Médicalement Assistée; medizinisch unterstützte Fortpflanzung, künstliche Befruchtung) zu einer Reaktivierung von Gewalt gegen LGBT+ geführt.

Die seit Jahren boomende Metropole und Kulturstadt Bordeaux hat eine vergleichsweise kleine sichtbare LGBT+ – Szene. Bereits 2013 gab es ein Treffen von LGBT+-Organisationen mit Bürgermeister Alain Juppé, um einen Maßnahmen-Katalog gegen Homophobie zu vereinbaren. In der Zeit der Einführung der Homoehe in Frankreich kam es auch in Bordeaux zu Groß-Demonstrationen von Homogegner.


Familie hat kein Alter, kein Geschlecht, keine Religion - Transparent in Bordeaux, Oktober 2014
Familie hat kein Alter, kein Geschlecht, keine Religion – Transparent in Bordeaux, Oktober 2014
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Homosexualitäten

CSD Oldenburg 2018

Rekord-Beteiligung beim CSD in Oldenburg 2018 – geschätzt 16.000 Menschen beteiligten sich am 16. Juni 2018 am CSD, in der Parade und als Zuschauer am Wegrand.

Was wollt ihr denn noch? Akzeptanz!„, unter diesem Motto demonstrierten Tausende am 16. Juni 2018 durch die Oldenburger Innenstadt vom Oldenburger Schloß bis zum Oldenburger Pferdemarkt.

34 Gruppen beteilgten sich. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer an der Parade auf 11.000. Etwa 5.000 Teilnehmer an der Wegstrecke kommen hinzu laut Sprecher des Oldenburger CSD.

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Homosexualitäten

wenn Sprache Homophobie banalisiert

Wenn Sprache Homophobie banalisiert … Mit einer Kampagne thematisierte ein Zusammenschluss von studentischen LGBT-Gruppen in Frankreich 2010 den sorgsamen Umgang mit Sprache.

„Homo“ (‚pédé), „Schwuchtel“ (‚pédale‚, ‚tapette‚), „Arschloch“ (‚enculé‚, auch „in den Arsch gefickt“). Worte die (nicht nur) im studentischen Alltag wohl häufiger zu hören sind. Oft vielleicht unüberlegt verwendet, beiläufig, ohne konkrete Absicht LGBT zu beleidigen. Und doch – Sprache prägt. Unreflektierter Umgang mit Worten kann Homophobie zu verstärken.

Der Zusammenschluss studentischer LGBT-Organisationen Caélif thematisierte dies 2010 in einer Kampagne:

Homophobie Kampagne 2010 des Caelif (c) Caelif
Homophobie Kampagne 2010 des Caelif (c) Caélif

Die Studentengruppierung erläutert ihre Kampagne „Für dich ist es nur ein Tropen Wasser. Für ihn ist das Maß voll

„Worte haben ihre Bedeutung. Die Verwendung von Worten mit homophobem Charakter, selbst ohne böse Absicht, und in welchem Kontext auch immer, trägt dazu bei, Homophobie zu banalisieren.“

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Das ‚Collectif des associations étudiantes d’Ile-de-France‚ (Caélif) ist ein Zusammenschluss studentischer LGBT-Organisationen in der Hauptstadt-Region Ile de France. Es wurde im September 2001 gegründet.

Die Kampagne wurde 2010 mit Unterstützung des Bürgermeisters von Paris sowie des Maison des Initiatives étudiantes (MIE) realisiert.

Die Frauenzeitschrift Elle (Frankreich-Ausgabe) zählte diese Kampagne im Jahr 2010 zu den 20 markantesten Kampagnen gegen Homophobie. Das Motiv erreichte Platz 7.

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Frankreich Homosexualitäten

Gay Pride CSD Frankreich 2018

Gay Pride Frankreich 2018 – kalendarische Übersicht über die Termine für  / Gay Pride in Frankreich 2018

Toutes les dates des Marches des Fiertés en France 2018
Gay Pride in France 2018 – overview of the dates for Gay Pride in France in 2018

Lille Pride 2018 (c) Lille Pride
Lille Pride 2018 (c) Lille Pride

Der Begriff CSD ist in Frankreich wenig geläufig. Häufiger wird die Formulierung Gay Pride verwendet, und seit den 2000er Jahren Marche des Fiertés.

Die erste große Demonstration von Schwulen und Lesben in Frankreich fand am 4. April 1981 in Paris statt. Zur Geschichte des CSD in Frankreich siehe Gay Pride CSD in Frankreich – seit 1981.

Gay Pride CSD Frankreich 2018

19. Mai 2018

Croisière des fiertés Brest
5e Marche de l’egalité, contre l’homophobie et la transphobie de Orlérans