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Patrice Evra wegen Homophobie vor Gericht

Zuletzt aktualisiert am 18. Oktober 2022 von Ulrich Würdemann

Der französische Fußballspieler Patrice Evra, 2004 bis 2016 Spieler und zeitweise Kapitän der Fussball-Nationalmannschaft Frankreichs, sollte am 17. Oktober 2022 wegen homophober Beleidungungen vor Gericht stehen. Das Verfahren wurde vertagt auf den 15. Dezember.

Patrice Evra sollte sich am 17. Oktober 2022 vor dem Polizeigericht Paris (Tribunal de Police de Paris) wegen homophober Beleidigungen gegen PSG im Jahr 2019 verantworten. Auf Antrag seines Anwalts wurde das Verfahren auf den 15. Dezember 2022 vertagt.

Patrice Evra before UEFA Euro 2012 match between France and England played in Donetsk at Donbas Arena. Final result was 1:1 (Nasri, Lescott). – Football.ua – Lizenz CC BY-SA 3.0

Am 15. März 2019 soll Evra nach einem Sieg von Manchester United gegen PSG in der Champions League den ehemaligen Pariser Spieler Jérôme Rothen beleidigt haben. An die Mannschaft wandte er sich inbesondere auch mit den Worten „Paris, vous êtes des pédés, vous êtes des PD… Ici, c’est [sic] les hommes qui parlent.“ [‚Paris, ihr seid alles Schwuchteln, ihr seid schwul … Hier sprechen die Männer‘; Übers. UW].

Später entschuldigte sich Evra in sozialen Medien und betonte, er sei nicht homophob. Es gebe ein ‚massives Missverständnis‘, er sei ‚ungünstig übersetzt‘ worden

Mehrere Organisationen (darunter Stop Homophobie) erstatteten am 26. März 2019 Anzeige. Es wurde Anklage erhoben wegen ‚öffentlicher Beleidigung einer Gruppe von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung‘.

Vor dem Untersuchungsrichter hatte Evra die Bemerkungen am 5. Mai 2022 zugegeben. Er habe sich allerdings, so der Untersuchungsrichter, in privatem Rahmen geäußert, ohne zu wissen dass dies auf ein soziales Netzwerk hochgeladen werde. Die Äußerungen seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen.
Hätte der Untersuchungsrichter den Tatbestand öffentlicher Beleidigung aufrecht erhalten, so hätte Evra vor einem Strafgericht erscheinen müssen. In diesem Fall hätten ihm bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe und bis zu 45.000 € Geldstrafe gedroht. Die nichtöffentliche Beleidigung hingegen hat nur eine Geldstrafe (1.500 €) zur möglichen Konsequenz.

Homophobie ist immer wieder Thema im französischen Fussball. Bereits 2009 finanzierte die französische Profiliga einen Spot ‚Rote Karte gegen Hoimophobie‘.
Ein Jahr zuvor hatte 2008 mit Olivier Rouyer erstmals ein Fussball-Profi und Liga-Spieler sein Coming-out.

Evra beendete seine Profi- Karriere im jahr 2019.

Von Ulrich Würdemann

einer der beiden 2mecs.
Schwulenbewegt, Aids- und Therapie-Aktivist. Von 2005 bis 2012 Herausgeber www.ondamaris.de Ulli ist Frankreich-Liebhaber & Bordeaux- / Lacanau-Fan.
Mehr unter 2mecs -> Ulli -> Biographisches

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