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Persönliches

Lombok 1995

Nach einem Urlaub auf Bali waren wir im Juli 1995 auf Lombok. Der Aufenthalt auf Bali hatte uns, nach wunderbaren Wochen in Thailand im Jahr zuvor, weniger begeistert. Am Senggigi Beach verbrachten wir danach einige (im Gegensatz zu Bali ruhige, entspannende) Tage auf der indonesischen Insel.

Lombok Tourismus

Ab Mitte der 1980er Jahre begann die zunächst zaghafte Erschließung von Lombok für den Tourismus. Damals galt Lombok als ‚unverbrauchte‘ Alternative zum zunehmend überlaufenen Bali. Kleine Unternehmen aus der Region prägten den Tourismus.

In den 1990er Jahren begann die indonesische Regierung mit der Förderung des Lombok Tourismus. Die Lombok Tourism Development Corporation (LTDC) wurde gegründet.

Nach der Asien-Krise 1997 brach der Tourismus deutlich ein. Die Probleme verschärften sich ab 2000 mit dem sich ausbreitenden islamistischen Terror der Jemaah Islamiyah sowie den Anschlägen auf Bali 2002 und 2005. Erst ab 2008 erholte sich der Tourismus nach Lombok. Ab 2010 nahm der Lombok Tourismus stark zu.

Im Sommer 2018 wurde Lombok durch mehrere Erdbeben erschüttert, bei denen über 300 Menschen ums Leben kamen.

Indonesien Homosexualität

Auf Lombok sind (im Gegensatz etwa zum benachbarten Bali) ungefähr 90% der Bevölkerung muslimischen Glaubens. Der Islam prägt Umgang und gesellschaftlichen Alltag stark.

In Indonesien ist Homosexualität (bis auf die Provinz Aceh, s.u.) bisher legal.

Seit 2016 radikalisiert sich allerdings die Haltung indonesischer Politiker, gerade auch gegenüber Homosexualität. Es kommt immer wieder zu homophoben Hetzkampagnen, zu Verhaftungen (selbst bei einvernehmlichen Sex in eigenen Privaträumen). Der letzte schwule Club in Jakarta musste 2017 schließen.

2018 wurde ein Gesetzesvorschlag eingebracht, mit dessen Hilfe das noch aus der Kolonialzeit stammende Strafrecht verändert wird. omosexualität soll damit in Indonesien kriminalisiert werden. Bereits 2003 war ein ähnliches Vorhaben gestartet worden, das jedoch scheiterte.

In der Provinz Aceh gilt seit 2002 das Schariarecht. 2014 wurde ein explizit gegen Homosexualität gerichtetes Scharia Gesetz verabschiedet (in Kraft seit 2015). Es sieht Strafen wie 100 Peitschenhiebe vor.

Lombok 1995 – Fotos

Ulli auf Lombok 1995
Ulli auf Lombok 1995
Frank auf Lombok 1995
Frank auf Lombok 1995
Senggigi Beach Lombok Indonesien 1995
Senggigi Beach Lombok Indonesien 1995
Anflug auf Lombok 1995
Anflug auf Lombok 1995
Frank auf Lombok 1995
Frank auf Lombok 1995
Ulli auf Lombok 1995
Ulli auf Lombok 1995
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unterwegs

Sansibar 1991

Touristen aus dem Westen waren Anfang der 1990er Jahre auf Sansibar noch recht ungewöhnlich. Erst kurz zuvor hatte die Regierung die Förderung des Tourismus verkündet. Bilder eines Besuches auf Sansibar 1991.


Ulli auf Sansibar 1991
Ulli auf Sansibar 1991

Sansibar

200 Jahre lang bis zum 6. April 1861 gehörte das überwiegend muslimische Sansibar zum Sultanat Oman. Am 26. April 1964 wurde Sansibar blutig zwangsvereinigt mit dem sozialistischen Tanganjika zum neuen Staat Tansania. Seitdem ist Sansibar halbautonomer Bundesstaat.

Erst 1907 wurde auf Sansibar – als einer der letzten Staaten der Welt – die Sklaverei abgeschafft. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts war sansibart zentrales Drehkreuz des ostafrikanischen Sklavenhandels.

90 Prozent der Bewohner Sansibars leben in N’gambo, der Neustadt. Touristischer Mittelpunkt hingegen ist Stone Town mit etwa 2.000 Häusern der Swahili-Architektur. Indische, arabische und persische Elemente mischen sich. Geschlossene Innenhöfe, beeindruckende geschnitzte Türen.

Stone Town, die Altstadt von Sansibar, ist seit 2000 Weltkulturerbe der UNESCO. Seitdem sind die Touristen-Zahlen deutlich gestiegen (300.000 im Jahr 2016, davon 10% aus Deutschland).

Freddy Mercury und Sansibar

Der wohl berühmteste Sohn Sansibars ist der 1991 verstorbene Sänger Freddy Mercury. Er wurde hier 1946 als Farrokh Bulsara geboren. 1954 floh die wohlhabende Familie, zunächst nach Indien, bald nach England.

Freddy Mercury kehrte nie nach Sansibar zurück. Er dürfte sich auf Sansibar auch kaum wohlgefühlt haben. Zunehmende Homophobie prägend Gesetzgebung und zunehmend auch Alltag.

Am Abend des 23. Oktober 2018 hatte das Freddy Mercury Biopic Bohemian Rhapsody (Regisseur: Brian Singer) in London in der Wembley Arena (12.500 Plätze) Welt-Vor-Premiere – begleitet von Protesten von ACT UP London. Mit Slogans wie „Don’t cut me down“ oder „HIV stigma is real life – not just fantasy“ wandten sich die Aids-Aktivisten u.a. gegen Kürzungen im Gesundheitswesen und mangelhafte Präventions-Bemühungen (PrEP). Zudem in der Kritik: der Film gehe kaum auf das Schwulsein Mercurys ein, noch weniger auf seine Aids-Erkrankung.

Homosexualität auf Sansibar

Sansibar ist zwar Teil von Tansania, hat aber eigene Gesetzgebung. Im Gegensatz zum Festland (altes Kolonialgesetz) ist Homosexualität auf Sansibar strafbar.

Auf Homosexualität steht seit einer Gesetzesverschärfung 2004 eine Haftstrafe von 25 Jahren (Männer) bzw. 7 Jahren (Frauen).

Erst im Herbst 2017 wurden zahlreicher Männer und Frauen in einem Hotel auf Sansibar verhaftet. Ihr ‚Vergehen‘: ein Weiterbildungsprogramm zur HIV Aids – Prävention. Kliniken wurde untersagt, Aids-Aufklärung zu betreiben. Dies fördere, so die Behörden, homosexuellen Geschlechtsverkehr.

Auch im Herbst 2018 wurden auf Sansibar erneut Homosexuelle verhaftet. Auf dem tansanischen Festland kündigte der Gouverneur der Großstadt Darressalam an, eine Liste angeblicher Homosexueller zur Vorbereitung von Anklagen erstellen zu lassen. Die Regierung Tansanias distanzierte sich nach internationalen Protesten. Die EU drohte mit der Einschränkung von Zahlungen der Entwicklungshilfe.

Sansibar Tourismus

Bereits in den 1960er Jahren gab es Tourismus auf Sansibar – allerdings in bescheidenem Umfang. Es gab drei Hotels, alle unter Kontrolle der Regierung. Nach der Revolution und dem Zusammenschluss mit Tanganyika wurde 1964 der Tourismus nach Sansibar mit Erlaß des (neuen sozialistisch geführten) Ministeriums für Äußeres und Handel de facto weitgehend eingestellt (bis auf in geringem Umfang Besucher aus dem ‚befreundeten sozialistischen Ausland‘).

Mitte der 1980er Jahre veränderte sich der Blickwinkel der Politik der Regierung Sansibars langsam hin zu mehr marktwirtschaftlichen Strukturen.

1991 führte Sansibar schließlich neben der ZIPA (Zanzibar Investment Promotion Agency) auch eine Commision for Tourism ein. Touristen aus dem westlichen Ausland waren wieder willkommen.

Sansibar 1991 – Fotos

Im Juni 1991 waren wir – als m.W. erst zweite westliche Touristen-Gruppe nach Öffnung 1991 – während einer Kreuzfahrt mit der MS Royal Star auf Sansibar. Noch gab es kaum touristische Infrastruktur

Sansibar 1991
Frank auf Sansibar 1991
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Homosexualitäten

wenn Sprache Homophobie banalisiert

Wenn Sprache Homophobie banalisiert … Mit einer Kampagne thematisierte ein Zusammenschluss von studentischen LGBT-Gruppen in Frankreich 2010 den sorgsamen Umgang mit Sprache.

„Homo“ (‚pédé), „Schwuchtel“ (‚pédale‚, ‚tapette‚), „Arschloch“ (‚enculé‚, auch „in den Arsch gefickt“). Worte die (nicht nur) im studentischen Alltag wohl häufiger zu hören sind. Oft vielleicht unüberlegt verwendet, beiläufig, ohne konkrete Absicht LGBT zu beleidigen. Und doch – Sprache prägt. Unreflektierter Umgang mit Worten kann Homophobie zu verstärken.

Der Zusammenschluss studentischer LGBT-Organisationen Caélif thematisierte dies 2010 in einer Kampagne:

Homophobie Kampagne 2010 des Caelif (c) Caelif
Homophobie Kampagne 2010 des Caelif (c) Caélif

Die Studentengruppierung erläutert ihre Kampagne „Für dich ist es nur ein Tropen Wasser. Für ihn ist das Maß voll

„Worte haben ihre Bedeutung. Die Verwendung von Worten mit homophobem Charakter, selbst ohne böse Absicht, und in welchem Kontext auch immer, trägt dazu bei, Homophobie zu banalisieren.“

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Das ‚Collectif des associations étudiantes d’Ile-de-France‚ (Caélif) ist ein Zusammenschluss studentischer LGBT-Organisationen in der Hauptstadt-Region Ile de France. Es wurde im September 2001 gegründet.

Die Kampagne wurde 2010 mit Unterstützung des Bürgermeisters von Paris sowie des Maison des Initiatives étudiantes (MIE) realisiert.

Die Frauenzeitschrift Elle (Frankreich-Ausgabe) zählte diese Kampagne im Jahr 2010 zu den 20 markantesten Kampagnen gegen Homophobie. Das Motiv erreichte Platz 7.

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Frankreich

Jean-Marie Le Pen homophob – 800 € Geldstrafe plus Schadenersatz

800 Euro Geldstrafe plus 11.000 Euro Schadenersatz an die Kläger – dazu wurde Jean-Marie Le Pen wegen Homophobie verurteilt. Ein Gericht in Paris verkündete am 28. Oktober 2018 das Urteil darüber, ob der französische Rechtsextreme Jean-Marie Le Pen homophob ist. Er war wegen dreier Fälle angeklagt.

Der Gründer des rechtsextremen Front National Jean Marie Le Pen ist verurteilt wegen Homophobie. Ein Gericht verkündete am 28. November 2018 das Urteil: 800 Euro Geldstrafe plus Schadenersatz von 11.000 Euro an die zivilen Kläger. Hiervon gehen 5.000 Euro an den Witwer von Xavier Jugelé, Etienne Cardiles, sowie 2.000 Euro an einen der Kläger, die Organisation Mousse, die Homophobie bekämpft.

Die Anwältin von Mousse Me Deshoulières betonte anschließend,

Ce jugement confirme que la parole homophobe n’a plus sa place dans la politique française
(Dieses Urteil macht deutlich, dass Homophobie in der französischen Politik keinen Plarz mehr hat)

Jean Marie Le Pen war angeklagt wegen ‚Aufstachelung zum Hass‘ sowie der ‚Forderung der Verbannung von Homosexuellen‘. Le Pens Anwalt kündigte an, Berufung einlegen zu wollen.

Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich eine höhere Geldstrafe gefordert. Verhandlung und Urteilsverkündung hatten sich wegen Erkrankung Le Pens verschoben.

Am Mittwoch 13. Juni 2018, eine Woche vor seinem 90. Geburtstag, sollte ein Gericht in Paris das Urteil über den französischen Rechtsextremen und Gründer der rechtsextremen Partei Front national Jean-Marie Le Pen wegen mehrerer homophober Äußerungen sprechen. Doch am Nachmittag des Vortags wurde Le Pen seinem Anwalt zufolge ‚wegen allgemeiner Erschöpfung‘ zur Beobachtung in ein Krankenhaus eingeliefert. Sein Anwalt beantragte eine Verschiebung des Termins. Die Verhandlung fand daraufhin am 3. Oktober statt.

Jean-Marie Le Pen im Jahr 2007 (Foto bkbinfrankrijk, Lizenz cc by-sa 2.0)
Jean-Marie Le Pen im Jahr 2007 (Foto bkbinfrankrijk, Lizenz cc by-sa 2.0)

Jean-Marie Le Pen im Jahr 2007 (Foto Jean-Marie Le Pen im Jahr 2007 (Foto bkbinfrankrijkP4220068 Uploaded by huhbakker , Lizenz CC BY-SA 2.0)

Wegen ‚andauernden Fiebers‘ war Le Pen ab 25. September 2018 erneut im Krankenhaus. Der 90jährige nahm an der Verhandlung nicht persönlich teil. Sein Anwalt teilte mit, er sei „agonisant sur son lit d’hôpital : ses jours sont comptés“ [„liege sterbend in seinem Krankenhausbett, seine Tage sind gezählt.“]. Zwei Tage später konnte er das Krankenhaus nach Hasue verlassen.

„Attiser la haine par ces propos-là, c’est ce qu’on reproche à Jean-Marie Le Pen“ [„mit seinen Worten Hass hervorrufen zu wollen, das werfen wir Jean-Marie Le Pen vor“], lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Sie sprach von Komplizenschaft mit dem, was manchen Homosexuellen im Alltag widerfahre von Verachtugn bis Verbrechen.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Geldstrafe von 8.000 Euro. Für jeden der beiden Fälle jeweils 40 Tage Geldstrafe zu je 100 Euro, mit der Möglichkeit einer Haftstrafe im Fall des Nichtzahlens.
Le Pens Verteidiger sprach hingegen von ‚Nichtgigkeiten‘ und forderte die Einstellung des Verfahrens.

Le Pen war wegen dreier Serien homophober Äußerungen in den Jahren 2016 und 2017 angeklagt. In zwei Fällen aus dem Jahr 2016 hatte die Organisation Mousse Anzeige erstattet. Die im Juni 2000 gegründete Gruppierung Mousse engagiert sich gegen Homophobie und Sexismus. Im dritten Fall war Zivil-Kläger unter anderem Etienne Cardiles, der Ehemann des 2017 von einem mutmaßlichen Terroristen auf den Champs-Élysées getöteten Polizisten Xavier Jugelé.

Der Anwalt von Jean-Marie Le Pen hatte im Vorfeld abgestritten, dass Jean-Marie Le Pen homohob sei. Er ‚habe nichts gegen Homosexuelle‘. Viele seiner Mitarbeiter seien homosexuell. Er ‚verteidige sein Recht auf freie Meinungsäußerung‘. Er wolle einen Unterschied deutlich machen zwischen Homosexuellen und ‚Homosexualisten‘, die daraus ‚eine politische Ideologie machten‘.

Jean-Marie Le Pen, am 20. Juni 1928 in La-Trinité-sur-mer in der Bretagne geboren, war nahezu 40 Jahre lang, von 1972 bis 2011 Präsident des von ihm gegründeten rechtsextremen Front national (per 1. Juni 2018 umbenannt in Rasemblement national). 2015 bewirkte seine Tochter und Nachfolgerin als Parteivorsitzende Marine Le Pen seinen Ausschluß aus der Partei. Im März 2018 schloß er sich einer neofaschistischen europäischen Partei an. Bereits in mehr als 25 Fällen wurde Jean-Marie Le Pen verurteilt (Chronologie), u.a. wegen Hassrede, Diskriminierung, rassistischer und antisemitischer Äußerungen. Aids-Kranke hatte er zu internieren (’sidatoires‘) gefordert und sie mit Lepra-Kranken verglichen, und später Aids als rassistischen Kampfbegriff gegen Einwanderer und Drogengebraucher benutzt.

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Homosexualitäten

KZ Gedenkstätte Dachau – Homosexuelle NS-Opfer und das einst schwierige Gedenken

Seit 1995, fünfzig Jahre nach Ende der NS-Herrschaft, werden in der KZ-Gedenkstätte Dachau homosexuelle NS-Opfer mit einer Gedenktafel erinnert. Zehn Jahre zuvor war ein erster Versuch eine Gedenktafel anzubringen an Widerstand gescheitert.

Es brauchte zehn Jahre nach Fertigstellung eines Gedenksteins, bis in der KZ-Gedenkstätte Dachau Homosexuelle als Opfergruppe der NS-Herrschaft in Form eines Gedenksteins erinnert werden konnten – 1995, 50 Jahre nach Kriegsende:

Dachau Homosexuelle - die erste für die KZ-Gedenkstätte Dachau erstellte Gedenktafel an homosexuelle NS-Opfer
die erste für die KZ-Gedenkstätte Dachau erstellte Gedenktafel an homosexuelle NS-Opfer
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Berlin Homosexualitäten

Rosa Winkel Berlin Nollendorfplatz – Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

Seit 1989 hängt die Gedenktafel Rosa Winkel am U-Bahnhof Berlin Nollendorfplatz zur Erinnerung die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen – damals das erste Gedenken an homosexuelle NS-Opfer im Öffentlichen Raum.

Die Gedenktafel Rosa Winkel wurde am 24. Juni 1989 am U-Bahnhof Nollendorfplatz (am Ende der Motzstrasse) enthüllt. Die Gedenktafel – eine dreieckige Tafel aus rotem Granit, in Erinnerung an den ‚Rosa Winkel‘ – trägt den Text

TOTGESCHLAGEN
TOTGESCHWIEGEN
DEN
HOMOSEXUELLEN OPFERN
DES
NATIONALSOZIALISMUS

Berlin Nollendorfplatz Rosa Winkel - Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, Berlin Nollendorfplatz
Rosa Winkel – Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, Berlin Nollendorfplatz
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Frankreich Politisches

Francois Fillon – stramm konservativer Ex- Politiker

Der französische Politiker François Fillon war Kandidat der Konservativen für die Wahl des nächsten Präsidenten Frankreichs im Frühjahr 2017. Der Einzug in die Stichwahl gelang ihm jedoch nicht. Der gesellschaftspolitisch stramm konservative Fillon äußert sich immer wieder homophob, vertritt seit Jahrzehnte antihomosexuelle Positionen. Nach seiner erfolglosen Kandidatur zog Fillon sich im Sommer 2017 aus der Politik zurück. Wegen „Veruntreuung öffentlicher Gelder“ wurde Fillon am 29. Juni 2020 zu 2 Jahren Haft und weiteren drei Jahren auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt.

Francois Fillon wurde am 4. März 1954 in Le Mans als erster Sohn eines Notars und einer Historikerin geboren. Er studierte in Le Mans Jura, anschließend in Paris öffentliches Recht und Politikwissenschaft. Fillon ist verheiratet und hat fünf Kinder.

Francois Fillon im November 2008 (Foto Remi Jouan, Lizenz cc-by-sa 2.5)
Francois Fillon im November 2008 (Foto Remi Jouan, Lizenz cc-by-sa 2.5)

Francois Fillon aux cérémonies du 11 Novembre Photo taken by Remi Jouan  CC BY-SA 3.0

Ab 1976 arbeitete Fillon als Parlamentsassistent des Abgeordneten Joël Le Theule, wurde 1977 nach dessen Berufung als Verkehrsminister sein Büroleiter. 1981 wurde er als dessen Nachfolger als Abgeordneter gewählt, mit 27 Jahren als damals jüngster Parlamentarier.

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Homosexualitäten

Homoehe im 16. Jahrhundert

Die Homoehe – eine Erfindung der Neuzeit? Nein, bereits 1581 berichtet Michel de Montaigne über Eheschließungen zweier Männer – Montaigne und Homoehe im 16. Jahrhundert :

Michel de Montaigne, durch seine Essais bekannt gewordener Schriftsteller und Philosoph, erwähnt auch Eheschließungen Homosexueller. In Tagebuch einer Reise nach Italien über die Schweiz und Deutschland berichtet er 1581 über Homoehe im 16. Jahrhundert :

Montaigne und Homoehe im 16. Jahrhundert

Montaigne kommt am 18. März 1581 gerade vom Petersdom, als er einen jungen Mann trifft, der ihm Erstaunliches berichtet. In der Kirche San Giovanni a Porta Latina hätten“vor ein paar Jahren gewisse Portugiesen eine seltsame Bruderschaft geschlossen„.

Roma, San Giovanni a Porta Latina (Foto: Lalupa, cc-by-sa 3.0)
Roma, San Giovanni a Porta Latina (Foto: Lalupa, cc-by-sa 3.0)

Roma, San Giovanni a Porta Latina LalupaCC BY-SA 3.0

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Homosexualitäten

Mahnwache Opfer von Orlando Hamburg 13. Juni 2016

Mehrere Hundert Menschen nahmen am 13. Juni 2016 vor dem US-Generalkonsulat in Hamburg an der Mahnwache Opfer von Orlando am 12. Juni 2016 teil.

Mahnwache Opfer von Orlando - mehrere Hundert Teilnehmer in Hamburg
Mahnwache Opfer von Orlando – mehrere Hundert Teilnehmer in Hamburg

49 Tote, 53 zum Teil schwer Verletzte – das Massaker im Schwulen- und Lesbenclub ‚Pulse‘ in Orlando war ein Anschlag gezielt auf LGBTI, und indirekt auf die Freiheit an sich. Es war das schlimmste Schusswaffen-Massaker eines Einzeltäters in der US-Geschichte. Und es war einer der, wenn nicht der größte Anschlag gegen Lesben und Schwule überhaupt.

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Deutschland Homosexualitäten

Die Konsequenz (1977)

Der Regisseur Wolfgang Petersen verfilmte 1977 den autobiographischen Roman ‚Die Konsequenz‘ von Alexander Ziegler, produziert von Bernd Eichinger. Ein schwules Liebesdrama in schwarz/weiß mit Millionen- Publikum und zugleich mehrfacher Skandal.

Aha, sie sind also der Unzüchtler …

… die Worte mit denen Martin Kurath im Knast begrüßt wird setzen direkt den Ton des Films. Eine autobiographische Geschichte nach dem gleichnamigen Roman von Alexander Ziegler.

homoexuell sein ist ein Fluch, weil den Leuten immer etwas Neues einfällt um die fertig zu machen

(Kurath)

Der Film ist ein Frühwerk des Produzenten Bernd Eichunger und des Regisseurs Wolfgang Petersen. Petersen schrieb hier (wie sonst nur sehr selten bei seinen Filmen) auch das Drehbuch.

Immer wieder Thema: der Gedanke, Schwule würden andere zur Homosexualität verführen.

Thomas Manzoni setzt sich zu Kurath.
Mein Alter mag dich nämlich nicht. Er hat was gegen Schwule.
Kurath antwortet „Trotzdem sitzen wir hier oben zusammen?

„Hat er dich schon rumgekriegt„,
fragt Manzonis Vater seinen Sohn entrüstet.
Und mit den Worten
versau‘ mir meine Gruppe nicht“
begrüßt der Gruppenleiter Manzoni im Knast, und ergänzt
wir werden schon einen Mann aus dir machen„.

ach so einer sind sie also. einer der sene Lustknaben zur schle schickt.
Tomas Chef im Geschäft zu K

Die Protagonisten zerbrechen im Film letztlich – nicht aufgrund ihres Schwulseins, sondern an Hass und Ignoranz der Gesellschaft.

Ist die einzige Lösung aufzugeben?

Die Konsequenz – Roman 1975

Vorlage des Films ist der gleichnamige autobiographische Roman (1975) Die Konsequenz von Alexander Ziegler.

Die Handlung des Romans spielt im Jahr 1974. Ziegler verarbeitet hierin seine eigenen Haft- Erfahrungen in Lenzburg. Der Roman war bei seinem Erscheinen ein Erfolg.

Die Konsequenz – Film 1977

Roman- Autor Alexander Ziegler arbeitete auch an der Entstehung des Films persönlich mit, insbesondere war er beteiligt am Drehbuch gemeinsam mit Wolfgang Petersen und fungierte als Darsteller des Häftlings Lemmi.

Aus künstlerischen Erwägungen heraus drehte Petersen den Film in schwarz-weiß.

Die Konsequenz – Mediengeschichte

‚Die Konsequenz‘ wurde bei den Hofer Filmtagen am 29. Oktober 1977 uraufgeführt. Aus dem Pubhlikum gab es geteilte Reaktionen – von Beifall bis deutliche Ablehnung. Der Film erhielt das Prädikat ‚wertvoll‘ und wurde 1977 mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet.

Dennoch konnte der Film nicht in der ursprünglich geplanten Version erscheinen.

Bei der Fernseh- Erst-Ausstrahlung in der ARD am 8. November 1977 um 21:15 Uhr boykottierte der Bayerische Rundfunk die Sendung, zeigte als Ersatz stattdessen die Verfilmung des Bauern-Melodrams ‚Der Sternsteinhof‘.

Zur Begründung teilte der BR mit

Der Bayerische Rundfunk sieht in dem Film, unbeschadet seiner sonstigen Qualitäten und seiner guten Absichten, die Vorurteule und Voreingenommenheit gegenüber Homophilen in der Bevölkerung verstärkt.

(Pressemitteilung Bayerischer Rundfunk, 8.11.1977)

Zudem wurde auf vermeintliche Verstöße gegen zwingende Vorschriften des Gesetzes über den Bayerischen Rundfunk verwiesen.

Anläßlich der Erstausstrahlung des Films ‚Die Konsequenz‘ wiesen Medien darauf hin, der Film suche „keine Provokation„, beziehe seine Wirkung aus der „Selbstverständlichkeit, mit der sich der Film auf die Gefühlswelt der beiden Männer einläßt“ (Zeit) oder sahen den Film als „Romanze voller heikler Poesie„, die „eher leise rebelliert“  (Spiegel).

Für den Comic-Zeichner Ralf König war der Film „ein erschütterndes Schlüsselerlebnis“ – wegen der Botschaft ‚Schwulsein ist ein großes Drama, ist tragisch‚.

Annähernd gleichzeitig zur Fernseh-Erstausstrahlung kam ‚Die Konsequenz‘ ab 2. Dezember 1977 in die Kinos.

Der Bayerische Rundfunk strahlte den Film schließlich doch aus – erstmals 20 Jahre (!) später, am 17. März 1999.

2022 erschien der Film erstmals auf BluRay (mit verbessertem Ton).

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Der ominöse Herr Krauthagen von der CDU

Im Film bringt Kurath Manzoni in Kontakt mit dem deutschen Politiker und Abgeordneter Clemens Krauthagen. Der könne ihm eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland besorgen. Krauthagen, den sie in seinem Privathaus besuchen, macht Annäherungsversuche. Manzoni berichtet später, Bedingung für die Aufenthaltsgenehmingung sie gewesen, dass er ‚Freund‘ des Krauthagen werde, ihn begleite.

Für die Figur des Krauthagen gab es ein reales ‚Vorbild‘.

Hinter ‚Krauthagen‘ solle sich ein bekannter [bisher öffentlich weiterhin nicht dechiffrierter] Hamburger CDU-Politiker verbergen, berichtet Jörn Voss 1977 im ‚Stern‘ (zitiert von Rosenkranz/Lorenz in ‚Hamburg auf anderen Wegen‘, S. 221).

Dieser, verheiratet, stockschwul, besäße ein abgelegenes Haus im Schwarzwald. 1969 habe er gegen die Reform des Paragraphen 175 gestimmt. Mit einem hohen Scheck solle er das Erscheinen des Buches zu verhindern versucht haben.

Alexander Ziegler selbst geht hierauf (1988 post mortem publiziert) direkt ebenfalls ein. Journalisten der ‚Bild‘ hätten die Figur Krauthagen dechiffriert.
Helmut Kohl selbst habe ihm auf seine Nachfrage in einem persönlichen Schreiben im Juli 1975 versichert, „kein Politiker der CDU [werde] aufgrund seiner privaten Neigungen diskriminiert oder benachteiligt„.

Alexander Ziegler (1944 – 1987)

Der Schweizer Schauspieler und Schriftsteller Alexander Ziegler (1944 Zürich – 1987 Zürich) wurde 1966 wegen Vergehens gegen §175 zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt. In der Haftanstalt schrieb Ziegler seinen ersten autobiographisch geprägten Roman ‚Labyrinth‘.

1971 bis 1979 war Ziegler Chefredakteur der Homosexuellen-Zeitschrift ‚Du & Ich‘ (im November 1969 erstmals erschienen als ‚du + ich – Magazin für Freunde von heute‘).

Ziegler lebte mit seinem Freund Kurt Wernli in Stäfa (nahe Zürich).

Alexander Ziegler starb am am 11. August 1987 nach einer selbst verabreichten Überdosis Schlaftabletten.

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Für die Darstellung Schwuler im Film (bzw. im Mainstream- Film und daraus -TV) mag ‚Die Konsequenz‘ ein Meilenstein gewesen sein. Für mich nicht.

Für mich war ‚Die Konsequenz‘ damals alles andere als ein ‚Schlüsselerlebnis‘. Ich war achtzehn, als Petersen den Film drehte. Wann ich ihn zum ersten Mal sah, kann ich nicht genau erinnern.

Ich hätte damals versucht sein können, mich mit der Figur des ‚Thomas‘ zu identifizieren, zumal Darsteller Hannawaldt nur unwesentlich jünger als ich ist.

‚Die Konsequenz‘ atmete für mich eher den Geist der 60er Jahre, war sehr weit weg von meinen ersten Versuchen, meinen schwulen Weg zu finden. Wies für mich zudem in die falsche Richtung, ich empfand den Film als rückwärtsgewandt, mindestens als nicht emanzipationsfördernd. Weinerlich.

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