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Berlin Homosexualitäten

Post Daddies (2024)

Zwei ältere Männer, beide queer, treffen sich in einer Sauna. Sie kommen ins Gespräch, über Dating, über das Älterwerden, über die Frage ob es vielleicht ‚eine Art kollektive Weisheit der Älteren‘ gibt – und wer das wissen will.

„Wir sind tatsächlich die Alten. Da gibt es eine Kluft. Wir wissen so wenig voneinander.“

Konstantin Achmed Bürger, Regisseur von Post Daddies
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Post Daddies (Aushang am Heimathafen Neukölln)
Post Daddies
addiesPost Daddies (Aushang am Heimathafen Neukölln)
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Kulturelles

Shane MacGowan (1957 – 2023)

Irischer Folk, Rock, Punk (Celtic Punk) – Shane MacGowan kombinierte sie unverwechselbar, als Sänger, Songwriter und frontman der Pogues.

„It became obvious that everything that could be done with a standard rock format had been done, usually quite badly. We just wanted to shove music that had roots, and is just generally stronger and has more real anger and emotion, down the throats of a completely pap-orientated pop audience.“

Shane MacGowan, NME 1983

Das Leben von Shane MacGowan wurde 2020 verfilmt von Julien Temple unter dem Titel ‚A Few Rounds with Shane MacGowan‘ (deutsch: ‚Shane (Mein Leben mit den Pogues)‘), produziert u.a. von Johnny Depp.

Film ‚Shane‘ im open air Kino des 3001 Kino, Juli 2021

Shane MacGowan wurde am 25. Dezember 1957 in Tunbridge Wells (Kent, England) als Kind irischer Eltern geboren.

Bekannt wurde er erstmals 1976 – Wochen nach einem Konzert von The Clash (am 23. Oktober 1976 im Institute of Contemporary Arts) erschien der NME am 6. November 1976 mit der Schlagzeile ‚Cannibalism at Clash gig‘ und einem Foto, auf dem Blut aus dem rechten Ohr von Shane MacGowan (damals Sänger The Nipple Erectors, später The nips) lief.
Joe Strummer, legendärer Frointman von The Clash, kommentierte später

„Without Mad Jane’s teeth and Shane’s earlobe, we wouldn’t have got in the papers that week.“

Joe Strummer, The Clash

1987 veröffentlichten die 1982 gegründeten The Pogues den (von MacGowan mit Finer geschriebenen) ‚anti christmas Song‘ „Fairytale of New York“. Mit einer Textzeile, die unschwer als homophob zu verstehen ist. Ab 1992 veränderte MacGowan den Text. 2020 zeigte die Band sich einverstanden damit, dass die umstrittene Version nicht mehr gespielt wird.

Shane MacGowan starb nach langer Krankheit am 30. November 2023 im Alter von 65 Jahren.

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Persönliches

Älter werden

Februar 1959. Februar 2016. Mai 1996.
57 Jahre alt werde ich dieses Jahr.
Und eine seltsame Art von 20. Geburtstag darf ich auch feiern, wenig später an einem nicht konkret bestimmten Tag, eher einem Zeitraum, irgendwann zwischen Mai und Juli.

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Ich hadere manchmal damit, älter zu werden. Ich erfreue mich manchmal an meinen Jahren. Ich fühle gelegentlich die Narben, die Schmerzen, die Teil meines Lebenswegs sind. Ich bin dankbar für jeden Moment, jedes Jahr das ich habe obwohl einst sicher schien, dass es ganz anders kommen würde.

Ich genieße harmonische kreative gefühlvolle Momente wie auch vertraute Stille mit Menschen die ich liebe, die mir Freund sind.

Ich bin zutiefst dankbar und glücklich in meinem Mann Geliebten, Weggefährten, Herzensfreund und engsten Vertrauten zugleich gefunden zu haben.

Ich freue mich auf die Momente die mir noch gegönnt sein mögen.

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Mai ’96. Niedergeschlagenheit. Verzweiflung. Angst. Schwarz. Einige Worte kommen mir in den Sinn wenn ich an diese Zeit auf Station ‚Rita‘ im ‚Klösterchen‘ denke. Keines dieser Worte vermag so recht wiederzugeben wie ich mich damals fühlte. Viele andere Momente in meinem Leben die mich erschütterten, selbst jene des Leidens und Todes von Jean-Philippe, vermag ich inzwischen für mich in Worte zu fassen, in Worte die für mich ‚treffend‘ und ‚rund‘ sind. Die besondere Zeit des Frühlings der für mich keiner mehr war, sie in Worte zu fassen vermag ich immer noch nur sehr unbefriedigend.

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Bei all der Freude und Dankbarkeit für all die „doch gelebten Jahre“, und Hoffnung auf kommende, bleibt ganz leise dieses Gefühl „warum ich, warum er nicht?“

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Älter werden. Welch ein Geschenk 🙂

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HIV/Aids

Lebenssituation von Lesben, Schwulen und Menschen mit HIV im Alter verbessern – Bericht an französische Ministerin

Die Lebenssituation von Lesben, Schwulen und Menschen mit HIV im Alter verbessern – am Mittwoch, 27. November 2013 haben drei französische Organisationen aus dem LGBT- und HIV-Bereich der französischen Stellvertretenden Ministerin für Alter und Autonomie ihre Vorschläge vorgelegt.

23 Vorschläge zur Verbesserung der Lebenssituation von alternden Lesben, Schwulen und Menschen mit HIV haben die drei Organisationen SOS Homophobie, die Gruppe SOS sowie die französische Aidshilfe-Organisation Aides zusammengestellt.

Michèle Delaunay, Stellvertretenden Ministerin für Alter und Autonomie, betonte in Paris bei der Übergabe, es sei Aufgabe ihres Ministeriums, dafür Sorge zu tragen dass alternde LGBT keine Diskriminierungen erfahren. Aus diesem Grund habe sie den Bericht in Auftrag gegeben.

Delaunay wies darauf hin, dass es auch um eine Generation gehe, die die Erfahrung der Aids-Krise gemacht habe. Sie habe selbst als Ärztin für Hautkrebs Patienten begleitet und dabei erfahren, wie sie halfen die Medizin weiterzuentwickeln. „Diejenigen die die HIV-Epidemie überlebt haben, kommen jetzt in ein Alter von dem sie selbst nicht geglaubt hatten es zu erreichen, und nicht an [Vorsorge für] ihren Ruhestand gedacht haben.“

Im Mittelpunkt des Berichts der drei Organisationen stehen mehrere Themenfelder, insbesondere Maßnahmen gegen Isolation in der Gesellschaft, aber auch praktische Fragen wie ob in manchen Fällen in denen Paare nicht mehr zu Lebzeiten beider Partner heiraten konnte, die Ehe nicht posthum ermöglicht werden könnte, oder ob nicht verpartnerten Paaren (Pacs) bei denen ein Partner verstorben ist nachträglich die Witwer-Rente ermöglicht werden sollte. Aber auch medizinische Fragen werden behandelt (wie die Frage der Verträglichkeit und Wechselwirkungen von HIV-Medikamenten mit den Hormon-Therapien bei Trans-Menschen. Anderes großes Thema: wie kann das Tabuthema Sexualität von Menschen in höherem Lebensalter enttabuisiert werden.

Einige Vorschläge aus dem Bericht könnten vielleicht bereits in das kommende Gesetz über Autonomie aufgenommen werden, so die Ministerin, das demnächst zur Beratung vorgelegt werden solle. Zudem solle der Bericht dazu beitragen, alternden LGBT und Menschen mit HIV deutlich zu machen, welche Rechte sie haben.

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Der Bericht der drei Organisationen an die französische Ministerin:

Rapport sur le vieillissement des personnes lesbiennes, gays, bisexuelles  et transsexuelles (LGBT) et des personnes vivant avec le VIH (PVVIH).
Michèle Delaunay
Ministre déléguée aux Personnes agées et à l’Autonomie
27. November 2013
(pdf)

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HIV/Aids

50plusHIV : Teilnehmer gesucht – Online-Fragebogen zu Altern mit HIV und Aids

Das Projekt “ 50plusHIV “ sucht Teilnehmer für eine Online-Befragung über Altern mit HIV.

Etwa ein Drittel der 70.000 Menschen, die in Deutschland mit HIV/AIDS leben, haben bereits das 50. Lebensjahr erreicht. Schon für das Jahr 2015 wird erwartet, dass die Hälfte aller Menschen mit HIV/AIDS in den USA 50 Jahre und älter sein wird. Auch in Deutschland zeichnet sich eine solche Entwicklung ab.

Während sich in den frühen Jahren der Aids-Krise die Frage „Altern mit HIV“ überhaupt nicht stellte, treten jetzt völlig neue Fragen auf – nicht nur für Medizin und Sozialstaat, sondern vor allem auch für HIV-Positive selbst. Neben medizinischen Fragen sind das vor allem Gedanken wie: Wie will ich im Alter leben, wenn mein Unterstützungsbedarf größer wird? Wird mein soziales Netzwerk aus Familie und Freunden mich tragen können? Habe ich ausreichend für das Alter vorgesorgt? Wie bewältige ich die psychischen Belastungen, die mit der HIV-Infektion und dem Alterungsprozess verbunden sind? Wo bekomme ich Antworten auf meine Fragen sowie Hilfe und Unterstützung bei meinen Problemen?

Aber sind Medizinsystem oder Institutionen wie Aidshilfen überhaupt ausreichend auf die Belange der größer werdenden Gruppe von älteren Menschen mit HIV/AIDS eingestellt? Und welche Angebote werden zukünftig erforderlich? Zur Beantwortung dieser Fragen beizutragen ist das Ziel der Studie „50 plus HIV“ – die jetzt einen breit angelegten Online-Fragebogen gestartet hat. Die von der Deutschen Aids-Hilfe unterstützte Studie wird durchgeführt von Dr. Jochen Drewes von der FU Berlin und Prof. Phil Langer von der Universität Frankfurt. Ein Projektbeirat, in dem auch HIV-Positive vertreten sind, begleitet Planung und Durchführung der Studie.

50plusHIV online-Fragebogen (Screenshot UW)
50plusHIV online-Fragebogen (Screenshot UW)

Im Mittelpunkt des jetzigen Fragebogens: die gesundheitliche, sozialen und materielle Lage HIV-Positiver über 50, ihre aktuellen Herausforderungen des Lebens mit HIV/AIDS sowie ihre Wünsche und Befürchtungen für die Zukunft.

online – Umfrage

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Artikel für queer.de, dort erschienen 15.10.2013

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Offenlegung: Ich (UW) war ehrenamtlich Mitglied des Projektbeirats der Studie 50plusHIV

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Erinnerungen

Schwul altern

Alt zu werden ist ja doch ein Thema, an das wohl jeder schwule Mann irgendwann einmal sorgenvoll denkt. Ich bin froh, schon in jungen Jahren eine Bekanntschaft gemacht zu haben, die mir auch die Freuden des Alters vorlebte.

Älter werden. Jeder versucht auf seine Weise damit umzugehen. Wir rennen in die Muckibude, achten auf unsere Kleidung, laufend Trends hinterher, versuchen alles mögliche, um attraktiv zu bleiben.
Sicher, mit der Generation der BabyBoomer wird bald ein Berg an älteren Schwulen in den Szenen unterwegs sein (oder sich ins Private zurückziehen). Das Thema Jugend, (körperliche) Attraktivität wird dennoch weiter präsent bleiben, sowohl darin, wie wir wahrgenommen werden, als auch in den eigenen Präferenzen, im eigenen Selbstbild.

Bernd zeigte mir, dass im Alter auch als schwuler Mann sehr viel Wertvolles, Schätzenswertes liegen kann:

In meiner Studentenzeit lernte ich über einen Freund jemanden kennen, nennen wir ihn Bernd. Bernd war emeritierter Professor für Architektur, hatte sich in einem Bremer Vorort ein Haus gebaut, in dem er etwas zurückgezogen lebte. Ein Haus ganz Bauhaus, weitgehend im Bauhaus-Stil eingerichtet, ‘alles echt, nicht diese Nachbauten’, wie er gern betonte. Als ich ihn kennen lernte, war Bernd bereits Anfang siebzig. Wir mochten uns, bald kam ich öfter. Half ihm bei Gartenarbeiten, begegnete ihm in immer tiefer werdenden Gesprächen intensiver.

Durch Bernd lernte ich bald, dass es durchaus möglich ist, als schwuler Mann respektvoll (vor allem auch mit Respekt vor und für sich selbst) zu altern.
Durch Bernd lernte ich damals, wie schön es sein muss, alt zu sein, reif zu sein: zu wissen, wer man ist, nicht mehr durch alles und jeden verunsichert werden können, sich seiner selbst gewiss zu sein. Mit sich, seinem Leben weitgehend im Reinen zu sein. Ruhigen Herzens zu wissen, dass das eigene Leben irgendwann, irgendwann recht absehbar, zuende sein wird [was mir, als junger Mensch, damals einfach unvorstellbar schien]. Bernd war alt, manchmal mit etwas Wehmut, aber immer: selbstbewusst alt.

Durch Bernd lernte ich noch einmal mehr (wie schon früher durch Onkel Brenner, der in Kindheitsjahren fast mein zweiter Vater war), wie schön ein Gesicht eines alten Menschen sein kann. Augen, lebendig bei jeder Erinnerung, bei jeder Freude funkelnd. Mit Tränensäcken, bei denen ich mich oft fragte, für wen und wie viele Tränen diese Augen wohl vergossen haben mögen. Falten, die auch ohne Worte viele Geschichten eines bewegten, nicht immer leichten Lebens erzählten.

Bernd bezeichnete sich immer als „homoerotisch veranlagt“, nie als „schwul“ oder „homosexuell“. Nein, dieses „schw-Wort“, das sei doch so ordinär, das sei er nicht.
Natürlich ging er nur aus ‘kulturellem Interesse’ ins Theater, besonders gern ins Ballett, erste Reihe, ‘damit ich auch alles sehe’. Wir grinsten dann immer, gingen aber doch gerne mit – zumal zu Reinhild-Hoffmann – Ballettabenden. Grinsten auch, wenn er dem jungen Kellner im vegetarischen Restaurant, in dem er zweimal die Woche essen ging, mit einem warmen Lächeln ein besonders gutes Trinkgeld gab.

Sicher, es gab auch Tabu-Themen. Ganz gewiss das mit dem Sex. ‘Hat man in deinem Alter noch Sex’, hätte ich Bernd immer gerne fragen wollen. Sex war damals ein furchtbar wichtiges Thema für mich. ‘Und wenn ja, wie ist das? Wie und wo organisiert man sich den? Gibt’s den als alter Mnan nur noch für Geld?’
Doch all diese Fragen eines unwissenden lebenshungrigen jungen schwulen Mannes Anfang zwanzig blieben ungestellt, unbeantwortet. Auch wenn wir gut befreundet waren, diese Fragen hätte Bernd als einen viel zu offensiven Eingriff in seine Privat-Sphäre empfunden.

Kein Tabu-Thema hingegen war das Altern, sein Alter. Gern erzählte er von ‘damals’, auch von ‘den schlimmen Jahren’. Oft mit einem ‘ja ihr habt es ja besser heute, freut euch darüber’, manchmal sogar wehmütig. Nie aber bitter, verbittert. Er war froh, alt zu sein, litt höchstens daran, keinen Partner, keinen Freund mehr zu haben. Was er vielleicht durch einen kleinen Kreis junger Menschen, die er um sich scharte, auszugleichen versuchte.

Als ich Jahre später wieder einmal in Bremen war, stand ein anderer Name an der Türklingel. Eine Nachbarin, die ich fragte, erzählte, der Herr Bernd sei im Herbst letzten Jahres gestorben. Wo er begraben liege, nein das wisse sie leider nicht.

In meine Herzen lebt er irgendwie immer noch, in einer kleinen Ecke tief hinten. Und mit ihm lebt in mir die Erinnerung, ja, alt zu werden, alt zu sein, muss etwas sehr Schönes sein können. Er hat es mir damals vorgelebt.