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Esso-Häuser Hamburg (1958 – 2014)

Zuletzt aktualisiert am 12. April 2021 von Ulrich Würdemann

Am 12. Februar 2014 begannen die (vorbereitenden) Abriss-Arbeiten – inzwischen sind sie nach über 50 Jahren Geschichte, die Esso-Häuser in Hamburg St. Pauli. Ab 2019 entsteht an gleicher Stelle das ‚ Paloma Viertel ‚.

Die Esso-Häuser, das war ein Plattenbau-Komplex der sechziger Jahre am Spielbudenplatz in Hamburg St. Pauli. Zwei Wohnhäuser mit insgesamt 110 Wohnungen. Dazu ein Hotel, Geschäfte und Clubs. Und natürlich die bekannte Esso-Tankstelle.

Esso Häuser im Februar 2014
Esso Häuser im Februar 2014

Die Esso Häuser wurden 1958 bis 1961 gebaut auf dem Gelände des ehemaligen, im Krieg zerstörten ‚Theater Eden‘:

Eden Theater Hamburg Spielbudenplatz 1908 (gemeinfrei)
Eden Theater Hamburg Spielbudenplatz 1908 (gemeinfrei)

die Esso-Häuser vor dem Abriss

Die namengebende Tankstelle wurde auch Kiez-Tanke genannt. Ihre Internetseite war lange (bis 2020) noch erreichbar: www.reeperbahn-garagen.de. Sie war mehr als ’nur‘ Kraftstoff-Vertriebsanlage. Sie wurde auch als Supermarkt, Spätkauf und Kneipe genutzt. Hier soll sich zudem eine der ersten Waschstraßen befunden haben, die in Deutschland nach dem Krieg gebaut wurde.

Esso Häuser in Hamburg St. Pauli Anfang Januar 2014, der baldige Abriss steht bevor
die Esso Häuser in Hamburg St. Pauli Anfang Januar 2014, unten rechts die Tankstelle

Bis 2009 befand sich das Gelände mit Gebäuden im Familienbesitz. Dann erwarb die ‚Bayrische Hausbau‘ das Grundstück für einen Kaufpreis von 16,9 Millionen Euro. Nach Abriss der Esso-Häuser sollten hier Gewerbeflächen und Wohnungen (darunter ein Drittel Eigentumswohnungen) entstehen.

Gegen den geplanten Abriss und die Neubebauung sowie die Vernichtung günstigen Wohnraums bildete sich bald Protest. Mehrere Demonstrationen mit jeweils mehreren Tausend Teilnehmer/innen fanden statt.

2013 wurde der Abriss-Antrag gestellt. In der Nacht zum 15. Dezember 2013 mussten die Häuser plötzlich geräumt werden. Bewohner hatten Erschütterungen gemeldet, es bestand Einsturzgefahr.

Ende Januar 2014 lag die Abriss-Genehmigung vor. Am 12. Februar 2014 begannen morgens die vorbereitenden Abriss-Arbeiten von Vordächern und anderen Nebenbauten. Der Abriss der eigentlichen Esso-Häuser fand Anfang März 2014 statt.

Baulücke nach Abriss der Esso-Häuser

Baulücke ehemalige Esso-Häuser nach dem Abriss, Juli 2014
ehemalige Esso Häuser / Baulücke nach dem Abriss, Juli 2014

statt Esso-Häuser ab 2019 Paloma-Viertel

In vierjähriger Arbeit wurde für die Fläche der ehemaligen Esso-Häuser mit intensiver Bürgerbeteiligung ein neues Konzept entwickelt. Die Stadt Hamburg hatte den Investor um eine intensive Bürgerbeteiligung gebeten. Die Planungen wurden im Mai 2018 vorgestellt.

Hier soll ab 2019 das Paloma-Viertel entstehen – ein Viertel mehrerer Baukörper von vier verschiedenen Architektur-Büros.Etwa 180 bis 200 Wohnungen sollen entstehen (40 Prozent davon öffentlich gefördert mit 25 Jahren Mietpreisbindung).

Auch der Name wurde von Anwohner_innen vorgeschlagen. Es wird zuigleich das erste Viertel eines neuen Bautyps sein. Der Typ ‚urbanes Gebiet‘ wurde erst kurz zuvor neu eingeführt; er soll innerstädtisches Bauen zwischen Wohnen und Gewerbe erleichtern.

Die Fertigstellung war für Mitte 2022 geplant.

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Von Ulrich Würdemann

einer der beiden 2mecs.
Schwulenbewegt, Aids- und Therapie-Aktivist. Von 2005 bis 2012 Herausgeber www.ondamaris.de Ulli ist Frankreich-Liebhaber & Bordeaux- / Lacanau-Fan.
Mehr unter 2mecs -> Ulli -> Biographisches

2 Antworten auf „Esso-Häuser Hamburg (1958 – 2014)“

Traurig, aber wahr…

Als ich vor längerer Zeit intensiv -und heftig- an Aktivitäten/Demos gegen solche Zustände in „HH“ teilnahm, hatte ich noch die ‚leiseweinende‘ Hoffnung, dass sich daran, langfristig gesehen, ‚was ändern würde…

Bis ich vor einigen Jahren während einer ‚MoDemo‘ von Passanten zu hören bekam: „Halt’s Maul, wir wollen einkaufen !“
Seitdem ist mir klar, was in dieser Stadt wirklich abgeht…

Und mit’m demonstrieren, etc., habe ich -ab der Zeit- aufgehört. Wozu auch, wenn das Gros in „HH“ sich nicht wirklich für St.Pauli, die Schanze interessiert, ausser zum Saufen, Party machen, „chillen“ !

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