Alter St. Matthäus Kirchhof Berlin-Schöneberg

Alter St. Matthäus Kirchhof in Berlin Schöneberg: einer meiner Lieblings-Orte in Berlin, ein Ort zum Zur-Ruhe-kommen, zum Spazieren, zum Freunde treffen …

Alter St. Matthäus Kirchhof, Berlin-Schöneberg, Eingang
Alter St. Matthäus Kirchhof, Berlin-Schöneberg, Eingang

Der Alte St. Matthäus Kirchhof ist seit den 1970er Jahren zu „dem“ schwulen Friedhof von Berlin geworden.
Neben vielen anderen haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden

… und auch Friedrich Drake hat hier seine letzte Ruhestätte gefunden, der Schöpfer der ‚Goldelse‘, der Pastik der Siegessäule, ebenso wie

… die Frauenrechtlerin Hedwig Dohm.

Für zahlreiche Menschen, die in Berlin lebten, aber nach ihrem Tod an anderen Orten beigesetzt wurden, fand hier eine Trauerfeier statt, so z.B. für

… Thomas Gerards (Melitta Sundström)

Gute Informationen zu vielen interessanten Gräbern gibt die Infomappe ‚Kreuz & Queer‘, die im Café ausliegt.

Kreuz & Queer Infomappe
Kreuz & Queer Infomappe

Sehr empfehlenswert zudem: ein Besuch im ‚Café Finovo‘, das Bernd (Ischgola Androgyn) mit seinen Mitstreiter/innen seit 2006 in der ehemaligen Friedhofsverwaltung am Eingang betreibt.

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Rio Reiser Todestag – 20. August 1996

Rio Reiser Todestag 20. August: Am 20. August 1996 starb Rio Reiser auf seinem Bauernhof in Fresenhagen (Rio Reiser Haus). Dort befand sich bis zum Verkauf von Rios Bauernhof in Fresenhagen auch sein Grab – seit Anfang 2011 befindet sich Rio Reisers Grab nun in Berlin auf dem Alten St. Matthäus Kirchhof.

Grab Rio Reiser in Berlin – Zustand Juni 2011

Rio Reiser Todestag Grab in Berlin, Juni 2011
Rio Reiser Grab in Berlin, Juni 2011

Rio, das war immer auch: Sehnsucht. Sehnsucht nach Leben. Sehnsucht nach Radikalität. Sehnsucht nach Intimität. Sehnsucht nach Hoffnung.

Rio wollte (in späteren Jahren) am liebsten Schlager-Sänger sein. Schaut man heute auf die zahlreichen Cover-Versionen seiner Lieder, ist er dem wohl recht nahe gekommen.

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„Ich will nicht, dass du wie’n Schmuckstück an mir hängst“
R. Reiser in „Laß uns ’n Wunder sein“

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Hier gibts weitere Fotos vom Rio Reiser Grab in Berlin.

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Anläßlich des 17. Rio Reiser Todestag wurde am 20. August 2013 eine Gedenktafel am Haus Tempelhofer Ufer 32 in Berlin übergeben –  dort lebten Ton Steine Scherben mit ihrem Sänger Rio Reiser von 1971 bis 1975.

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Friedrich Drake , der Schöpfer der Goldelse

Friedrich Drake? Nur noch wenige kennen heute seinen Namen, auch nur noch wenige Berliner. Sein bekanntestes Werk hingegen kennen viele … die so genannte Goldelse .

Friedrich Drake, am 23. Juni 1805 in Bad Pyrmont geboren und am 6. April 1882 in Berlin gestorben, war Bildhauer (Schüler von Christian Daniel Rauch).

Bekanntestes Werk von Friedrich Drake ist die ‚Viktoria‘ – die bronzene Skulptur der (römischen) Siegesgöttin Viktoria (angeblich nach dem Vorbild seiner Tochter Margarethe gestaltet) auf der 1873 eingeweihten und 2010/11 aufwendig sanierten und neu vergoldeten Siegessäule.

1938 / 1939 wurde die Siegessäule vom früheren Standort, dem heutigen Platz der Republik an den heutigen Standort am Großen Stern versetzt.

Friedrich Drake konnte 1873 wohl noch nicht ahnen, dass die Siegessäule und seine Viktoria später an neuem Platz zu dem Symbol des bekanntesten schwulen Cruising-Gebiets im Tiergarten werden sollte, mit seiner Siegesgöttin Viktoria verballbornt als ‚Goldelse‘. Oder doch? Sein Grab jedenfalls befindet sich auf dem Alten St. Matthäus Kirchhof – der sich seit vielen Jahren bei schwulen Verstorbenen und ihren Angehörigen großer Beliebtheit erfreut …

Grab Friedrich Drake, Schöpfer der Goldelse – Foto

Grab Friedrich Drake, Schöpfer der Goldelse / Alter St. Matthäus Kirchhof Berlin
Grab Friedrich Drake, Schöpfer der Goldelse, Grab auf dem Alten St. Matthäus Kirchhof Berlin

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Rio Reiser Grab in Berlin (Fotos)

Rio Reiser Grab jetzt in Berlin: Rio Reiser, 1996 in Fresenhagen gestorben und bis vor kurzem dort beigesetzt, hat seit dem 11. Februar 2011 seine (hoffentlich wirklich letzte) Ruhestätte in Berlin gefunden.

Die Umbettung war notwendig geworden, nachdem Rios Bruder Gert Möbius den Bauernhof in Fresenhagen verkaufen musste. Rios Grab, mit Ausnahmegenehmigung der damaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidentin Heide Simonis im Garten seines Hauses in Fresenhagen, konnte nicht dort verbleiben – Rio musste umgebettet werden, nach Berlin auf Wunsch des Bruders.

Das Grab befindet sich seit dem 11. Februar 2011 auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof in Berlin Schöneberg (direkt an der Mittel-Allee, etwa auf der Hälfte des Weges auf der linken Seite).

Rio Reiser Grab in Berlin – Zustand Februar 2011

Rio Reisers Grab in Berlin, Februar 2011
Rio Reisers Grab in Berlin, Februar 2011
Rio Reisers Grab in Berlin, Februar 2011
Grab in Berlin, Februar 2011
Rio Reisers Grab in Berlin, Februar 2011, mit Grabstein aus Fresenhagen
Grab in Berlin, Februar 2011, mit Grabstein aus Fresenhagen
Rio Raisers Grab in Berlin, Februar 2011, Detail
Grab in Berlin, Februar 2011, Detail

Fotos vom 26. Februar 2011
Auf dem Grab befindet sich derzeit noch der Stein vom Grab in Fresenhagen (siehe Foto im Artikel „Rio Reiser kommt zurück nach Berlin„). Auf Dauer soll einem Wunsch seines Bruders entsprechend ein neuer Stein auf das Grab, mit Krone und dem Text seines Liedes ‚Sternchen‘.

Rio Reiser Grab in Berlin – Zustand Mai 2011

Das Grab auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof in Berlin ‚ziert‘ nun eine Bank …

Rio Reiser Grab in Berlin im Mai 2011
Grab in Berlin im Mai 2011
Rio Reiser Grab in Berlin im Mai 2011
Grab in Berlin im Mai 2011

(Fotos vom 12. Mai 2011)

Rio Reiser Grab in Berlin – Zustand Juni 2011

Rio Reiser Grab in Berlin, Juni 2011
Rio Reisers Grab in Berlin, Juni 2011

(Foto vom 15. Juni 2011)

Rio Reisers Grab in Berlin – Zustand März 2012

Rio Reiser Grab März 2012
Rio Reiser Grab März 2012

(Foto vom 21. März 2012)

Rio Reiser Grab in Berlin – Zustand August 2014

Zwei Tage vor Rio Reisers 18. Todestag 2014 sieht sein Grab so aus:

Rio Reiser Grab August 2014
Rio Reiser Grab August 2014

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Rio Reiser kommt nach Berlin zurück (akt.)

Rio Reiser, 1996 gestorben, kam 2011 nach Berlin zurück – sein Leichnam wurde umgebettet, nachdem Reisers Bauernhof in Fresenhagen verkauft wurde.

Rio Reiser starb am 20. August 1996. Mit einer Sondergenehmigung durch die damalige Ministerpräsidentin Heide Simonis wurde er seinem Wunsch entsprechend im Hof seines Hauses in Fresenhagen beigesetzt.

Rio Reisers bisheriges Grab an seinem Bauernhof in Fresenhagen (Foto: wikimedia / Eckhard Driessen)
Rio Reisers bisheriges Grab an seinem Bauernhof in Fresenhagen (Foto: wikimedia / Eckhard Driessen)

Lange Zeit war Fresenhagen ‚die‘ Pilgerstätte für Rio-Fans. Gert Möbius, seine Frau und ein weiterer Bruder Peter waren  zuletzt Eigentümer des Hofes in Fresenhagen.  Doch Rios Bruder Gert Möbius konnte sich die Finanzierung von Fresenhagen nach eigener Aussage nicht weiter leisten – der Bauernhof wurde verkauft. Das kleine Museum wird aufgelöst. Nach dem Verkauf soll dort nun eine Einrichtung der Jugendhilfe entstehen.

Seit Freitag, 11. Februar 2011 ist Rio Reiser zurück in Berlin. Die Umbettung fand in kleinem Kreis statt.

Gert Möbius, seine Frau und ein weiterer Bruder Peter waren  zuletzt Eigentümer des Hofes in Fresenhagen. Doch Rios Bruder Gert Möbius konnte sich die Finanzierung von Fresenhagen nach eigener Aussage nicht weiter leisten – der Bauernhof wurde verkauft. Das kleine Museum wurde aufgelöst. Nach dem Verkauf soll dort nun eine Einrichtung der Jugendhilfe entstehen.

Und Rio? Der sollte nicht in Fresenhagen bleiben – und wurde nach Berlin umgebetttet. Seit Freitag, 11. Februar 2001 befindet sich sein Grab auf den Alten St. Matthäus-Kirchhof in Schöneberg. Das ‚alte‘ Grab in Fresenhagen wurde eingeebnet.

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Rio Reiser Erbe

Nach Rio Reisers Tod hatte es lange (auch gerichtliche) Auseinandersetzungen um den Nachlass von Rio Reiser und ‚Ton Steine Scherben‘ gegeben, besonders zwischen der Möbius-Familie und Scherben-Musiker R. P. Lanrue. Auch im Internet kam es zu teils bizarren Streitereien, wer was über Rio sagen dürfe. Zuletzt war es zu Streitigkeiten um die Biographie Rio Reisers von Hollow Skai gekommen, sowie 2010 (zwischen allen noch lebenden Scherben-Musikern und der Familie Möbius) um Musik-Veröffentlichungsrechte. Nun allerdings scheint eine Einigung bevor zu stehen – Möbius spricht gegenüber dem ‚Spiegel‘ von Gesprächen mit einander und einer bald erscheinenden CD-Box der Gesamtwerke Rio Reisers (bisher (!) : tendenziell m.E.: die ‚Scherben Famliy vertritt das idelle, die Brüder Möbius das materielle Erbe von Rio).

Seine – hoffentlich letzte – Ruhestätte (mit neuem Grabstein) findet er nun ganz in meiner Nachbarschaft, auf meinem ‚Lieblings-Friedhof‘, dem Alten St. Matthäus-Kirchhof.

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Aktualisierung
10.05.2014: Das ehemalige Rio-Reiser-Haus in Fresenhagen sollte Ende April 2014 am Amtsgericht Niebüll zwangsversteigert werden. Doch für das Reetdach-Haus mit 18 Zimmern fand sich kein Käufer. Auf Antrag der Gläubigerin, einer Bank, soll die Versteiergung fortgesetzt werden. Voraussichtlich im Sommer 2014 soll es einen neuen Versteigerungstermin geben.
Rio Reisers Brüder hatten das Haus verkauft; zuletzt befand sich eine Einrichtung der Jugendhilfe in dem Gebäude.

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„das alles und noch viel mehr …“

Ovo Maltine (1966 – 2005)

Ovo Maltine, geb. 16.4.1966, starb am 8. Februar 2005 in Berlin.

“Ovo (das Ei) legte sich ins Nest der Berliner Tuntenbewegung und brütete an verschiedenen politischen Projekten: Schwules Überfalltelefon, Act up, AIDS Benefize, Marihuana Legalisierung, Anerkennung von Prostitution als Beruf, Anerkennung der Gehörlosensprache, Transgender Visibility, …
Ovo Maltine war die erste Berliner Kabaretttunte, die sich 1998 zur Direktwahl zum deutschen Bundestag gestellt hat. Sie bekam 534 Stimmen, das waren mehr Menschen, als in ihrem Heimatdorf leben. Dort hätte sie Bürgermeister/in werden können.”

(spreedosen)

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Ovo Maltine („das Ovo“) wurde am 16. April 1966 als Christoph Josten in Rech an der Ahr geboren. Am 8. Februar 2005 starb Ovo im Alter von 38 Jahren im AVK in Berlin an den Folgen von Aids.

Das Grab befindet sich auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof. Die historische Grabstätte hatte Ovo bereits 2003 in Pflege übernommen und zur Patenschaft registriert.

Ovo Maltine Grab
Ovo Maltine Grab

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Ovo Maltine 1998 beim CSD (Foto: StMatthaeus, Lizenz cc-by-sa 4.0)
Ovo Maltine 1998 beim CSD (Foto: StMatthaeus, Lizenz cc-by-sa 4.0)

Es kommt nicht darauf an, wie sich eine Tunte bewegt, sondern was sie bewegt.
Ovo Maltine

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Napoleon Seyfarth (31.8.1953 – 2.12.2000)

Napoleon Seyfarth war eine Sau. Eine schwule Sau.” So beginnt der Nachruf auf Napoleon Seyfarth, der am 2. Dezember 2000 in Berlin an den Folgen von Aids starb.

Der am 31. August 1953 in Oggersheim geborene Seyfarth, der als Hans zur Welt kam und von Beruf Postbeamter war, erkor sich früh das Schwein zum Sinnbild. “Schweine sind das Symbol der Wollust”, erklärte er gerne. An seinen Lederklamotten hing meist ein kleines rosa Plüsch-Schweinchen … und als Sau machte er sich in Berlin einen Namen.

Einem größeren Publikum bekannt wurde Napoleon u.a. durch seine zwei Bücher “Schwein Oder Nicht Schwein” und “Schweine müssen nackt sein”.

Napoleon wusste seit 1988 von seiner HIV-Infektion. 1998 erkrankte er. Medikamente, antiretrovirale Therapie lehnte er ab.

Am 2. Dezember 2000 starb N. Seyfarth an den Folgen von Aids. Sein Grab, das sich auf dem Alten St. Matthäus Kirchhof in Berlin befindet,  ziert der Spruch “Das Ende des Schweins ist der Anfang der Wurst.

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Napoleon Seyfarth Grab (Fotos)

Grab Napoleon Seyfart
Grab Napoleon Seyfarth
Grab Napoleon Seyfarth, Detail
Grab N. Seyfarth, Detail

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Hans-Georg Stümke (1941 – 2002)

Am 29. September 2002 starb in Berlin der Historiker, Publizist und Schwulen-Aktivist Hans-Georg Stümke.

Ein junger Schüler wird wieder einmal von seinen Mitschülern gehänselt. Einer jedoch springt ihm bei, des öfteren.
Der gehänselte Schüler hieß Hans-Georg, der ihm helfende heißt Gerhard. Gerne erzählte Hans-Georg Stümke die Anekdote, wie der Mit-Schüler Gerhard Schröder, der spätere Bundeskanzler, ihn in seiner Jugend unterstützte.

Hans-Georg Stümke wurde am 16. September 1941 in Königsberg geboren. Er wuchs in Celle auf, machte später auf dem zweiten Bildungsweg Abitur und studierte Geschichte in Berlin. Zunächst war hans-Georg Stümke aktiv im ‘Kommunistischen Bund’, engagierte sich bald in der westdeutschen Schwulenbewegung. Als erster berichtete er, gerade aus einem Urlaub in New York zurück,  in der westdeutschen Homo-Presse über eine Schlägerei – über die Aufstände im Stonewall Inn gegen Polizei-Verfolgung.

Besondere Bedeutung erlangte Stümke mit einem Buch – erstmals überhaupt dokumentierte er umfassend, wie homosexuelle Männer in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgt, unterdrückt und vernichtet wurden, schrieb über Nazi-Terror gegen Homosexuelle:

Hans-Georg Stümke, Rudi Finkler: “Rosa Winkel, rosa Listen: Homosexuelle und ‘gesundes Volksempfinden’ von Auschwitz bis heute” (1981)

Stümke engagierte sich besonders bei der Realisierung des Hamburger Schwulenzentrums ‘Magnus-Hirschfeld-Zentrum’ mhc – und war verbittert, dass die Kölner Schwulen und Lesben ihr bald darauf eröffnetes Zentrum aus wohlüberlegten Gründen nicht ebenfalls nach Magnus Hirschfeld benennen wollten.

Bekanntheit erlangte später eine Kunstfigur Stümkes, sein ‘alter ego’ ‘Elvira Klöppelschuh’ mit ihrem Roman “Elvira auf Gran Canaria” (1994) – Stümke verbrachte seine Urlaube besonders gerne auf der Insel.

Hans-Georg Stümke starb am 29. September 2002, kurz nach seinem 61. Geburtstag, in Berlin an Krebs. “Ein Darling konnte er niemals sein“, begann Jan Feddersen seinen Nachruf auf den verstorbenen Weggefährten, und ergänzt “Hans-Georg Stümke darf als Nervensäge beschrieben werden.” Und prägte schon damals einen “-isten” (wie später den unsäglichen “Menschenrechtist”): “Stümke – das war ein, wenn es das Wort gäbe, Schwulist“.

Hans-Georg Stümkes Grab befindet sich auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin (Haupteingang, erstes Feld rechts des Hauptweges).

Hans-Georg Stümke, Grab in Berlin
Hans-Georg Stümke, Grab in Berlin

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Kennengelernt haben wir uns 1982/83, in der Phase der Gründung des Magnus Hirschfeld Centrum in Hamburg, als es u.a. um die Frage ging, ob die Schwul-Lesbische Schüler- und Jugendgruppe Schwusel (in der ich damals aktiv war) sich am MHC beteilige.

Was haben wir damals in Köln debattiert, bitter gestritten um den Namen des Schwulen- und Lesbenzentrums- und dann mit einem Wettbewerb den Namen ‚SCHULZ‚ gefunden, der sich passenderweise auch noch aus den von der Vorbesitzerin hinterlassenen Buchstaben des 50er-Jahre Neon-Schriftzugs ‚Tanzschule Meyer‘ bilden ließ – viel zu banal, unverständlich für Hans-Georg, zudem von ihm als unpolitisch empfunden.

Hans-Georg war zutiefst empört über unsere ‚unpolitische‘ Namenswahl – kam aber doch mich in Köln besuchen, und auch Ende 1989 zu einer Veranstaltung ins SCHULZ im Rahmen der ‚Antifa-Reihe‘ „Gewalt gegen Schwule und Lesben – Nährboden für Faschismus?„.

Mitte der 1990er Jahre wurden unsere Kontakte seltener – zu sehr war ich im Aids-Aktivismus engagiert, mit dem wohl er nur wenige (politische) Berührungspunkte empfand.

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Andreas Meyer-Hanno (1932 – 2006)

Am 7. September 2006 starb in Frankfurt am Main der Opernregisseur und Schwulen-Aktivist Andreas Meyer-Hanno.

Andreas Meyer-Hanno wurde am 18. Februar 1932 in Berlin geboren. Ab 1976 war er Professor an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (Frankfurt am Main).

In Frankfurt war Meyer-Hanno, auch genannt Hannchen, Mitglied im Frankfurter Schwulenzentrum „anderes Ufer“. Er gründete gemeinsam mit Freunden das schwule Theaterensemble „Die Maintöchter“.

1981 gründete er gemeinsam mit anderen die ‚Homosexuelle Selbsthilfe e.V.‘. Zehn Jahre später, 1991 gründete er die ‚Hannchen Mehrzweck Stiftung‘, in die ers ein gesamtes Vermögen einbrachte.

1989 bis 1994 engagierte Meyer-Hanno sich für das „Mahnmal Homosexuellenverfolgung“ in Frankfurt am Main am (zu diesem Anlass neu benannten) Klaus-Mann-Platz. Es war das erste Denkmal in Deutschland, das an die vom NS-Regime verfolgten und ermordeten Homosexuellen erinntere.

Andreas Meyer-Hanno starb am 7. September 2006 in Frankfurt am Main an den Folgen von Aids. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Matthäus-Kirchhof in Berlin.

Andreas Meyer-Hanno Grab
Andreas Meyer-Hanno Grab

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