Erinnerungen an Ernst Meibeck gest. 10.10.1995

Ernst Meibeck, Schauspieler, Musiker, Sänger, Kabarettist und ACT UP Aktivist, starb am 10. Oktober 1995 in Hamburg.

Ernst Meibeck lernte ich kennen, kurz nachdem er sein HIV-positives Testergebnis bekommen hatte, Ende der 1980er oder ganz zu Beginn des Jahres 1990 muss das gewesen sein. Wir waren zu einem Koordinierungs-Treffen der ACT UP – Gruppen in Deutschland, und Ernst war einer der aktivsten Hamburger ACT UP Aktivisten. Der Präsident des Deutschen Aids-Kongresses, der bald in Hamburg stattfinden sollte, wollte uns nicht teilnehmen lassen? ‚Da machen wir ne Aktion draus!‘, Ernst hatte gleich eine Idee, ein Bild im Kopf, ‚die sollen schon mal sehen, ob sie uns draußen halten können‘. Bald waren Krankenhaus-Klamotten, ein Krankenbett und allerlei medizinisches Zubehör organisiert, eine Gruppe HIV-Positiver, teils als Patient im Krankenbett, teils als ‚Professor‘ vorneweg, steuerte direkt auf den Eingang des Kongresses zu – und war bald drin. ‚Nicht über uns, mit uns‘, ‚Wir sind nicht das Problem, wir sind Teil der Lösung‘.

Auch in den folgenden Jahren war Ernst (oft gemeinsam mit Klaus Knust) engagierter Mitstreiter, Strippenzieher, Organisator, so z.B. beim damals recht erfolgreichen ‚Marlboro Boykott‘, bei dem ACT UP weltweit dagegen protestierte, dass der Marlboro herstellende Zigarettenkonzern den ultrarechten und inzwischen längst verstorbenen US-Politiker Jesse Helms unterstützte – eben jenen Helms, dem wir das erst Anfang 2010 wieder abgeschaffte Einreiseverbot für HIV-Positive in die USA zu ‚verdanken‘ hatten.

Irgendwann konzentrierte sich Ernst mehr auf die Fragen Hospiz und Pflegedienst – er hatte bei einem Besuch in London (wieder: mit Klaus Knust) das ‚London Lighthouse‘ besucht, brachte die Idee mit nach Hamburg – und wurde einer der aktiven Mitstreiter für ein ähnliches Hamburger Projekt. ‚Hamburg Leuchtfeuer‚ wurde 1994 gegründet – und Ernst konnte als er selbst schwer erkrankte längere Zeit von Ehrenamtlichen von ‚Leuchtfeuer‘ zuhause in seiner Wohnung auf der ‚Langen Reihe‘ gepflegt und betreut werden.

Grab Ernst Meibeck

Ernst Meibeck, am 14. April 1950 in Essen geboren, starb am 10. Oktober 1995 in Hamburg – nicht zuhause, wie er es sich gewünscht hatte, sondern im UKE (Universitäts-Krankenhaus Eppendorf). Beigesetzt ist er auf dem Friedhof Hamburg Ohlsdorf in der Gemeinschaftsgrabstätte ‚Memento 1‘ (Lageplan K10, 13-22).

Gemeinschafts-Grabstätte Memento 1
Gemeinschafts-Grabstätte Memento 1
Gemeinschafts-Grabstätte Memento 1
Gemeinschafts-Grabstätte Memento 1
Gemeinschafts-Grabstätte Memento 1, Grabplatte u.a. mit dem Namen Ernst Meibecks
Gemeinschafts-Grabstätte Memento 1, Grabplatte u.a. mit dem Namen Ernst Meibecks

Ernst Meibeck war viel mehr als ’nur‘ der Aids-Aktivist, als den ich ihn 1989 kennen lernte. Ernst war Schauspieler, Musiker, Sänger, Kabarettist – ein Multitalent. Aktivist der frühen Schwulenbewegung. Mitglied der legendären ‚Brühwarm‘ (Ernst ist u.a. der Sänger des wunderbaren Liedes „Sie ham mir ein Gefühl geklaut …“ auf der ‚Brühwarm‘-LP ‚entartet‘). Mitglied des Hamburger Tuntenchors. Model. Alleinunterhalter. Herausgeber der ersten beiden Ausgaben von ‚Hamburg von hinten‘ (1982, 1984/85).
Das ‚virtuelle Kulturhaus‘ auf der (längst eingestellten aber seit 2013 wieder online als Archiv verfügbaren) schwulen Platform etuxx wurde ihm zu Ehren am 12.12.2001 „Kulturhaus Ernst Meibeck“ benannt.

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Ernst war eine Inspiration.
Ernst war anstrengend.
Ernst war liebenswert.
Ernst war eine Bereicherung.
Ernst – ich vermisse dich.

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Ernst hören?
Das geht noch – sich um die Brühwarm-LP ‚entartet‘ bemühen, und das wirklich wunderbare Lied ‚Sie ham mir ein Gefühl geklaut‘ anhören.
Oder bei radioaton anhören, wie Ernst Meibeck und Onan Onair Weihnachten 1987 von der Talstrasse zur Hafenstraße pilgern, in der Heiligen Nacht auf der Suche nach dem wahrhaft Heiligen.

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Onan Onair erinnert sich auf etuxx an Ernst Meibeck: Erinnerung an schwule Cliquenbildung

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2 Antworten auf „Erinnerungen an Ernst Meibeck gest. 10.10.1995“

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