Potenz bald rezeptfrei?

Auch Gesundheit und Medikamente sind ein Markt. Klar doch.
Oder nicht?
Geht es nicht um mehr als „nur“ darum, möglichst viel Profit zu machen mit Krankheit und Gesundheit? Sind Medikamente wirklich das gleiche wie Autoreifen oder Fastfood, nämlich nur ein Wirtschaftsgut, mit dem Konzerne versuchen möglichst viel Gewinn zu machen?
Manchmal befürchte ich, ja, auch Medikamente sind nur ein Markt, ein Monopoly, Geschäftemacherei.

Wie bei der Meldung jüngst, der Pharmakonzern Pfizer überlege, seine Potenzpille Viagra ohne Rezept zugänglich zu machen.

Und warum, gerade bei Viagra (das ja trotz Rezeptpflicht nicht von den Kassen erstattet wird, sondern vom Anwender selbst zu bezahlen ist)? Hat sich vielleicht bei den vielen Millionen Anwendungen bisher gezeigt, dass dieses Medikament harmlos, ohne potenzielle Nebenwirkungen oder Schäden ist? Oder macht sich ein selbstloser Pharmakonzern Sorgen, dass vielleicht nicht alle Männer in der Lage sein könnten, von den Vorteilen seines tollen Produkts zu profitieren?

Mitnichten, keineswegs.

Der Grund ist vielmehr, ganz profan: Umsatz. Gewinn. Geld.
Auch bei Potenzmittel ist seit der Zulassung der Viagra-Konkurrenten Cialis und Levitra der Wettbewerb ausgebrochen, wenn auch nicht über den Preis, so doch über die ‚Leistung‘. Und diesen Wettbewerb scheint Pfizer nun zu merken, am Viagra-Umsatz (der, nebenbei, allein im dritten Quartal 2006 bei 423 Millionen US-$ lag).

Und klar doch, was liegt da näher, als ein Medikament, zudem ein in seiner Anwendung nicht immer gerade risikoloses, rezeptfrei zugänglich zu machen? Nehmen wir’s mal schnell aus der Rezeptpflicht, wird sich schon ein Weg zu finden (z.B. Dosisänderung).
Umsatzförderung durch Senken der Schwellen?
Dann braucht der schüchterne Mann nicht einmal mehr seinen Arzt zu fragen, sondern kann gleich in den Supermarkt um die Ecke gehen und vielleicht einfach so neben H-Milch und Billig-Bier auch noch eine Packung Potenz kaufen? Und nebenbei stimmt der Umsatz dann auch wieder?

Und wann dreht die BZgA dann einen Spot mit „Tina, wat kosten die Viagra?“
Und wo bleibt der Unterschied zwischen Medikamenten und Waschmittel?

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Text 26. Januar 2017 von ondamaris auf 2mecs

Aidshilfe und Selbsthilfe – Guck mal wer da spricht ?

„Nicht über uns reden, sondern mit uns“ forderte ACT UP Ende der 80er / Anfang der 90er Jahre, ging mit Aktionen und Inhalten in die Aids-Kongresse, zwang Mediziner Forscher und Pharmaindustrie zum Dialog, zum Streitgespräch mit ‚Betroffenen‘.

Und heute?

Manchmal scheint mir, die gleichen ACT UP – Aktionen müssten heute in so einigen Aidshilfen stattfinden. Damit Positive endlich (wieder) nicht nur als Klienten, als zu bespaßende und beratende Kundschaft (und, nebenbei, als Existenzgrundlage der Jobs vieler Mitarbeiter) betrachtet werden, sondern als Partner mit denen zusammen Aidshilfen handeln, und die selbstverständlich aktiv mit einbezogen werden.

Viele Aidshilfen haben sich inzwischen zu Organisationen entwickelt, in denen Selbsthilfe, aktives Einbeziehen von Positiven (auch in Entscheidungen) oder Fördern von positivem Selbst-Engagement Fremdworte zu sein scheinen, die höchstens noch zu dunklen Schatten einer fernen Vergangenheit gehören.

Dazu ist es nicht ohne Grund gekommen – welche/r Positive will sich denn heute noch einmischen, sich auch nur Gedanken machen? Ich fürchte, ihre Zahl ist gering, ihr Alter eher hoch.

Und dennoch – brauchen wir nicht neben aller Bespaßung Betreuung Befütterung -auch- wieder eine Kultur, in der die, die es angeht, selbstverständlich aktiv mit eingebunden werden? In der Positive ermuntert, aktiv unterstützt werden sich zu beteiligen? In der Selbsthilfe und positives Engagement wieder selbstverständlich und erwünscht sind? In der Kritik geschätzt, Diskussionen und Debatten gewürdigt (und nicht als unerwünschtes Einmischen abgekanzelt) werden?

Oder müssen wir uns von der Illusion verabschieden, dass Aids-Hilfe noch etwas mit Selbsthilfe, mit aus eigener Betroffenheit engagierter Interessenvertretung zu tun hat?

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Text 22. Februar 2017 von ondamaris auf 2mecs

Erleuchtung

Dicht aneinander gebaute Einfamilienhäuser und Reihenhaus-Siedlungen prägen den Vorort. Der kleine Traum vom Glück, my home is my castle, wenigstens ein paar Quadratmeter Grün drumherrum.

In solchen Vierteln finden sich gar seltsame Läden, gerne ab und an auch bizarre Lampen-Geschäfte, die noch gruseligere Be- (oder Er-?)leuchtungs- Kreationen feil bieten.

Buddha-Leuchte
Buddha-Leuchte

Bergfrieden

Wie schön, dass es noch Bahnhöfe mit derart poetischen Namen gibt …

Welch schöne, romantische Geschichten könnten einem einfallen, wenn man über “Bergfrieden” sinniert, Geschichten vielleicht von einem verwegenen Landmann (ersatzweise: Arbeiterführer), der den verschlafenen Flecken Jeber aus der Knechtschaft eines dunklen Herren befreit und auf dem nahe gelegenen Berg Frieden schließt. Oder die von Herrn Jeber, der, enttäuscht und sinnentleert nach dem kargen Leben auf dem Feld, in den Bergbau geht, dort den Mann und das Glück seines Lebens findet, seinen Bergfrieden …

All diese Geschichten wollen wohl erst noch ge-, erfunden werden – so verschlafen, wie der Bahnhof da liegt, irgendwann im Winter, auf irgendeinem Weg plötzlich auftauchend und genauso schnell wieder im grauen Nichts verschwindend.

Dazwischen 4 – Stereo extrem

Ein letzter Gruß aus dem ‘alten’ Jahr, aus der Zeit ‘zwischen den Jahren‘ – mit leichten Gedanken über Vergänglichkeit – wie das Jahr, wie die Zeit vergeht.

Ein Weihnachtsabend, ein Blättern in der schwiegerelterlichen Schallplatten-Sammlung (ja, diese schwarzen runden Dinger, knarz knack knirsch spring). Wunderbare Kunst auf den Platten-Covern, heute schon wieder wert als Wandschmuck genutzt zu werden.

Ich entdecke diverse Schätze, wie die ‘Original-Musik zum Einzug der Nationen – XX. Olympische Spiele 1972′ (Kurt Edelhagen) oder, ganz aktuell, ‘Ein Weihnachtsabend mit Franz Lambert an der Wersi-Orgel’, und für später am Abend dann ‘Oper im A GoGo Sound – Jo James und sein Orchester’.

Und eine Extremität, eine akustische Extremität – eine ‘Hör Zu Sonderanfertigung’: “Stereo Extrem – Akustische Sensationen mit den Orchestern …”

Wahrlich extrem, diese leider nicht mit Jahresringen versehene Schallplatte, die mich auf dem rückseitigen Cover weiter warnt “akustische Sensationen in den eigenen vier Wänden daheim. Gäste staunen, Nachbarn versinken in dumpfes Brüten. Ein völlig neues Ohrengefühl: Musik bewegt sich mitten im Raum!” [Nein, diesen Text hat sich der Blog-Autor nicht etwa unter dem Einfluss von Zimt, Kardamom und anderen saison-bedingten Drogen aus dem Kugelschreiber gesogen, der ist ‚authentisch‘.]

Stereo Extrem
Stereo Extrem

Wie gut immerhin, dass der Text mich weiter warnt “Einstellung M, 33 rpm! Falsche Einstellung beschädigt die Langspielplatte!” – na und wohl -bei den gebotenen akustischen Sensationen- auch das Gehör, obwohl, wenn ich vielleicht direkt auf 78 gehe …?

Immerhin, ich werde auch geholfen, mit Bildung. Noch ein O-Ton: “Die Stereophonie wendet sich an Menschen mit mindestens zwei Ohren!” Wie beruhigend, dass ich ganz klein gedruckt erfahre “auch mono abspielbar!”

Da kann ich nur der Aufforderung folgen “Testen Sie Ihr Gerät mit dieser Super-Stereo-LP!” – und erspare Ihnen das weitere [nein, es gibt keine Hör-Probe, is ja kein Hör-Blog. Obwohl … sollte man… ?] – und wünsche gutes Stereo — ähhh, guten Rutsch!

Dazwischen 3 – sleepsex

Auch heute, ja, immer noch ‘zwischen den Jahren‘, denk ich nochmal über ungewöhnliche Dinge nach.

Heute über Schlafen. Und über Sex.
Klasse Thema, oder?

Entweder, oder. Schlafen, oder Sex. Denke Sie doch auch?
Denkste!

Wir machen ja vieles und oft gleichzeitig. Aber schlafen und Sex machen, gleichzeitig? Das wäre doch zumindest unhöflich, und überhaupt, wie soll das denn gehen? Wo bleibt denn da der Spaß?

Um den geht’s hier nicht.
Denn – man mag es kaum glauben, es gibt ein neues Krankheitsbild.

Ach! Sie beginnen sich da was zusammen zu reimen.
Genau.

Das Jahr 2006 ging (auch) dadurch in die Annalen der Medizin ein, dass ein neues Krankheitsbild nach seiner Aufnahme in die „Internationale Klassifikation der Schlafstörungen“ ‘bekannt gemacht’ wurde: ‘Sex im Schlaf’, auch genannt ‘ Sleepsex ’ oder ‘SBS’ (sexual behaviour in sleep).

Es geht nicht um den (klassischen) Beischlaf, auch wenn Sie das jetzt denken. Sondern tatsächlich um Sex im Schlaf.
Zu Sleepsex gehört nach Ansicht von Wissenschaftlern jegliche Art von Sexualität, also z.B. auch Masturbation oder sexuelle Handlungen am Bettgenossen. [Mensch, waren wir damals krank? ;-) ]
Viele Betroffene empfinden Sleepsex als schwere Belastung, tauschen sich in Foren aus, suchen professionelle Hilfe, z.B. auf http://sleepsex.org/. Besonders schwerwiegend wird es, wenn es während des Schlafs zu sexuellen Handlungen ohne Einverständnis, zu Vergewaltigungen kommt.

Und selbst Wikipedia widmet sich inzwischen diesem Thema, ausführlich in der englischen Version, kurz und knapp in der deutschen.

Zwischen den Jahren

Die Zeit nach Weihnachten und vor dem Jahreswechsel ist ja immer eine etwas seltsame Zeit – bei uns heißt sie „zwischen den Jahren“.

Der Stress der Weihnachtsvorbereitung ist vorbei, die Weihnachtstage selbst waren (hoffentlich) ruhig und angenehm, vielleicht nur etwas viel gegessen, wieder einmal. Arbeiten muss man, wenn man/frau glücklich ist, vielleicht auch nicht. Da kann man sich ja die ruhige Stimmung der Weihnachtstage noch ein wenig verlängern, sozusagen aufheben bis ja eh schon wieder bald Silvester und Neujahr sind, danach dann der neue alte Trott des Alltags droht. Jetzt aber könnt’ man sich ja mal Zeit für längst Liegengebliebenes nehmen, in dieser Zeit so irgendwo dazwischen.

„ Zwischen den Jahren “ hieß diese Zeit bei uns zuhause früher immer.
Vollkommen blöder Begriff, ‘zwischen den Jahren’. Da ist doch nichts ‘dazwischen’. Selbst wenn ich auf die Millisekunde runterschaue. Entweder ist noch das ‘alte’ Jahr, oder schon das ‘neue’. Nur nie irgendwas ‘dazwischen’, zumindest nicht zwischen zwei Jahren. Nichtmal mit Hilfe von Elementarteilchen oder irgendwelchen Quanten. Hü oder Hott, Fisch oder Fleisch. Entweder oder.

Aber andererseits, diese Tage sind ja auch nie „nur“ banaler Alltag, für mich jedenfalls nicht. Ich versuche, mir den normalen Alltag dann vom Hals zu halten. Ruhe nutzen, für Schönes, für Zweisamkeit, Entspannung, einen kleinen privaten Kurzurlaub zuhause. Das alte Jahr irgendwie doch schon ‘abgehakt’, und das neue, ja das kann auch ruhig noch ein paar Tage warten.

Für viele ist „zwischen den Jahren“ die Zeit der Ruhe, der Rückbesinnung, zur Besinnung kommen, Stille statt Stress und Hektik. Stille zunächst um ‚runterzukommen‘, aber letztlich auch um Freiraum für Neues zu schaffen.

Dennoch, vollkommen blöder Begriff, ‘ zwischen den Jahren ’. Und doch irgendwie nicht so ganz verkehrt…

Übrigens, der Begriff ‘ zwischen den Jahren ’ ist religiösen Ursprungs und sowohl im Christentum als auch im Judentum bekannt. Erst im 17. Jahrhundert wurde zunehmend einheitlich der 1. Januar als Tag des Jahreswechsels begangen. Zuvor wurde Jahresbeginn oft am 25. Dezember, am 1. Januar oder am 6. Januar gefeiert, aber auch der 1. und der 25. März wurden einst als Jahresanfang betrachtet.

‚ Zwischen den Jahren ’ hat sich als Bezeichnung für den Zeitraum ‘dazwischen’, zwischen diesen früher unterschiedlich gefeierten Jahresanfängen eingebürgert und bis heute erhalten.

dazwischen? (Isotopne-Tabelle, Darstellung: wikimedia / Matt, Sjlegg)
dazwischen? (Isotopen-Tabelle, Darstellung: wikimedia / Matt, Sjlegg)

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Dazwischen 2- die ideale Stufe

Zwischen den Jahren [ja, hatten wir gestern schon ;-) ] denkt man ja manchmal über ungewöhnliche Dinge nach.

Zum Beispiel über Stufen.
Stufen?
Ja, Stufen.

Haben Sie schon mal überlegt, warum eine Treppe gut zu gehen ist?
Wahrscheinlich nicht. Oder nur selten.

Aber wenn eine Treppe unbequem ist, fällt das doch irgendwie sofort als sehr störend auf, irgendwas stimmt hier nicht.
Aber was?

Da haben Ingenieure und Architekten schon viel drüber nachgedacht, und inzwischen längst auch oft ihre Erkenntnisse in Normen kodifiziert.
Eigentlich ist ja alles klar, eine Treppe sollte immer gleich lange Stufen haben. Sonst klappt das nicht, kommt man/frau ‘aus dem Tritt’, Stürze sind die Folge.

Aber ganz so einfach ist die Chose nicht, die um die ideale Stufe . Oder?

Eigentlich ist die ‘bequeme’ Stufe ja doch eine ganz einfache Sache:
Sie benötigen nur zweierlei, was jede Stufe hat, die Stufenhöhe (nennen wir sie ’s’) und die Auftrittbreite (a). dann gibt es eine einfache Regel für die Schrittweite in Zentimetern:

a + 2s = 63

Diese hübsche kleine und sehr einfache Formel hat der französische Baumeister Francois Blondel schon 1683 entwickelt – und sie wird noch heute angewandt.

Aber – so einfach ist das nicht!
Da gibt es auch noch die ‘Sicherheits-Formel’.
Auf einer Treppe, die mit a + s = 46 (in anderen Quellen: 48) gebaut ist, sollen Sie besonders sicher herabgehen können dank der Sicherheitsformel …

Und, wenn Sie’s ganz besonders bequem mögen – auch da gibt’s noch was: mit der Bequemlichkeits-Formel a – s = 12 geht’s angeblich am bequemsten, da wird die Treppe nicht zu steil.

Bequem, sicher, steil – muss das alles sein? Furchtbar kompliziert. Und dann soll ich mich entscheiden, ob eine Treppe sicher, oder bequem ist?

Nicht ganz. Wenn Sie ein Mathematik-Genie sind (oder Architekt), wissen Sie’s längst, ansonsten sei’s hier verraten:

Es gibt genau eine (!) Konstellation, die alle drei Bedingungen erfüllt – die ideale Stufe :
eine Treppe mit der Auftrittbereite a = 29 cm und der Stufenhöhe s = 17 cm ist sowohl bequem als auch sicher – die ideale Stufe , und das Ziel des Baumeisters.

Geht nicht? Na, dann müssen Sie doch Kompromisse machen …