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Hamburg

Tuntenexpress nach Sylt

Hamburg hatte in den frühen 1980er Jahren während der Sommermonate etwas besonderes zu bieten: den Tuntenexpress – ein Tagesausflug von der Disco (fast) direkt an den Strand.

Samstag Nacht – Nacht der Party, des Vergnügens, des Tanzens. In Hamburg hieß das Saturday Night Fever in den 1980er Jahren im Sommer auch: und bei gutem Wetter danach ab auf die Insel, ab an den Strand.

Nach durchtanzter Disco Nacht ging es zunächst zum Bahnhof Hamburg Altona. Und von dort dann zweieinhalb Stunden durch den frühen Sonntag Morgen. 237 km mit der Bundesbahn (ja, so hieß die damals noch) im ‚Sonderzug Neptun‘ (so hieß der Tuntenexpress offiziell) „auf die Insel“ – und dann vom Bahnhof Westerland möglichst direkt (zu Fuß oder mit dem Bus) Richtung Strand.

Das besondere: die frühe Verbindung (morgens um 7:41 Uhr fuhr der Zug ab Altona) erlaubte einen Tagesausflug nach Sylt. Nach der Disco- Nacht zum Sonderpreis von 36,- DM an den Strand in die Dünen, und abends schon wieder zurück im heimischen Bett in Hamburg.

Und noch besser: passend zur Disco-Zeit hatte der Zug nach Sylt einen Partywagen (offiziell als ‚Gesellschaftswagen‘ oder WGye bezeichnet) – und so ging es nach durchtanzter Nacht im Zug weiter mit Bier Musik Tanz und Partystimmung … und gut gelaunt an den Strand.

Viele Schwule aus Hamburg und Umgebung nutzten die praktische Verbindung im Sommer für ein schwules Wochenend – Vergnügen zwischen Disco und Dünen – und so kam diese Verbindung bald zu ihrem inoffiziellen Namen: mit dem Tuntenexpress in die Dünen.

Vom Bahnhof Westerland war es ja nicht weit an den schwulen Strand, nahe der damaligen (bereits seit Mitte der 1920er Jahre existierenden) ‚Oase zur Sonne‚, knapp eine halbe Stunde zu Fuß. Und südlich der Oase begannen ‚die schwulen Dünen‘. Ja, damals durfte man noch weit durch die Dünen spazieren, in den Kuhlen liegen, sonnen und allerlei Dinge treiben. Hier war im Sommer das Cruising Eldorado von Sylt.

Nachmittags ging es dann langsam zum Kaffee in die Innenstadt, bevorzugt ins Café Orth. Und am frühen Abend dann zurück zum Bahnhof. Mit dem Zug ab Westerland um 19:10 Uhr zurück nach Hamburg, meist – erschöpft von Nacht und Tag – eher ruhiger als auf der Hinfahrt. Gegen 21:30 Uhr war dann Hamburg Altona wieder erreicht.

Der Tuntenexpress verkehrte damals in den Sommermonaten jeden Sonntag – morgens früh nach Westerland, und abends wieder zurück.

Und Westerland kam so auch aus diesem Grund damals zu seinem Zweitnahmen: Schwesterland.

… und wer doch mehr als nur eine Tagesausflug in die schwulen Dünen machen wollte, blieb einige Tage auf Sylt, und genoß das (im Vergleich zu heute) in den 1980er Jahren vergleichsweise üppige Sylter schwule Nachtleben …

auch im Winter eine Reise wert: Ulli auf Sylt, Januar 1988

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Auch der offen schwule Schriftsteller Detlef Meyer (12. Februar 1948 Berlin – 30. Oktober 1999 Berlin) wußte Sylt zu schätzen:

Steife Brise
Blau wehen an den Masten die Matrosen
Ein schmales Handtuch fliegt auf einen braunen Mann
Die grünen Jungs die pustet’s aus den Badehosen
Sie werden rot und ziehen sich wieder an
Ein Gelbschwanz flattert an den Strand
Das sind die Farben von Westerland

Detlef Meyer, in: Heute Nacht im Dschungel. 50 Gedichte, Berlin 1981

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Der ‚Tuntenexpress‚, als Sonderzug Neptun (15 alte D-Zug-Wagen) bereits seit den frühen 1970er Jahren zwischen Hamburg und Westerland sommers jeden Sonntag im Einsatz, existiert schon lange nicht mehr. Er wurde 1988 eingestellt, nachdem Asbest in den Wagen festgestellt wurde [Danke D.L.].

Die Geschichte der schwulen Dünen auf Westerland endete irgendwann später. Zunächst begann schon ab der zweiten Hälfte der 1980er Jahre das Treiben in den Dünen merklich ruhiger zu werden, wohl auch in Folge der Aids- Krise.

Seit Mai 2014 ist der Dünenbereich zwischen Strandoase (der damaligen Oase zur Sonne) und Jugendherberge Dikjen Deel auf Betreiben des Umweltamts gesperrt und mit Stacheldraht eingezäunt.

mit dem Tuntenexpress an den schwulen Strand - der Hit in den 1980er Jahren, heute längst passé
seit Jahren schon: kein Cruising mehr in den Dünen, Reste schwulen Strandlebens nur noch direkt am Strand

Der ehemalige Cruising Treff in den schwule Dünen von Westerland existiert seitdem nicht mehr, offiziell aus Gründen des Naturschutzes.

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Deutschland

warum sind in Kampen keine Arbeiter? – W. Jens 1972

„Die Reichen bestimmen, die Armen werden bestimmt. Das ist faul an dieser Insel. Sie merken es auf Schritt und Tritt, die Knechte sprechen, und das mit Perfektion, die Sprache der Herrn. … Die Luft ist für die Arbeiter nicht so gut, aber die Preise sind so hoch … sagen wir einmal, eine Riesen-Bockwurst Stundenlohn eines Facharbeiters – da brauchen wir auf die ökonomische Basis rekurrierend nicht lange fragen warum hier keine Arbeiter sind. Sie werden ferngehalten mit der sanftesten Gewalt, der Gewalt der Preise.“

Walter Jens (8.3.1923 Hamburg – 9.6.2013 Tübingen) zur Frage „warum sind in Kampen keine Arbeiter?“ auf Sylt im Jahr 1972 in: Die Schönen und die Reichen – Kampen (Sylt), Dokumentarfilm NDR 1972

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Inge und Walter Jens verbrachten 15 Jahre die Sommerferien auf Sylt, in Kampen.

„Am schönsten, wer wüßte das nicht, ist Sylt im November. Zwischen Allerseelen und Totensonntag zeigt das geballte kein, wie schön die Insel immer noch sein kann: keine Autos, keine bewachten Parkplätze, kein Blech zwischen Asphaltpiste und Stacheldrahtzaun, keine blinkenden Ampeln, keine Kneipen-Schickeria …“

Walter Jens, Die Zeit 23. Mai 1980

„Ach Sylt, schön muss es hier einmal gewesen sein, auch im Sommer, bevor die Spekulation und der Kapitalismus, Anschauungsunterricht erteilend, über das Land zwischen den Meeren triumphierten.“

Walter Jens angesichts der Veränderungen der Skyline von Westerland in den 1960er und 1970er Jahren
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Hamburg

Versorgungsheim Farmsen

Das Versorgungsheim Farmsen war in der Zeit des Nationalsozialismus ein Bestandteil der NS-Rassen- und Aussonderungspolitik. Viele der Bewohner, als ‚Asoziale‘ bezeichnet, wurden zwangssterilisiert, entmündigt, in Lager deportiert. Bisher wird kaum daran erinnert.

Das ‚Werk- und Armenhaus Barmbek‚ richtete 1903 eine Zweigstelle ein. Werk- und Arbeitshäuser hatten den Zweck, Obdachlose, Bettler, Prostituierte etc. durch Arbeit und reglementierten Tagesablauf zu einem ’normalen Leben‘ zu erziehen.

Die neu gegründete Niederlassung, das ‚Versorgungsheim Farmsen‚, war gelegen auf 1899 erworbenem Gelände auf dem Gebiet des damals zwar schon zu Hamburg gehörenden aber von preußischem Gebiet umgebenen Dorfes Farmsen. Hier wohnten und arbeiteten – meist nicht ganz freiwillig – Menschen mit Beeinträchtigungen. Farmsen war die größte Zweigstätte des Werk- und Armenhauses. Es war eine der größten Einrichtungen dieser Art in Deutschland.

1919 erfolgte eine Umbenennung des Werk- und Armenhauses in Versorgungsheim, ab 1920 unter der Ägide des Wohlfahrtsamtes. 1929 wurde es Teil der Hamburger ‚Staatlichen Wohlfahrtsanstalten‚ und gehörte zur Sozialbehörde.

früherer Wasserturm auf dem Gelände des ehemaligen Versorgungsheims Farmsen
früherer Wasserturm (mit ehem. Waschhaus) auf dem Gelände des ehemaligen Versorgungsheims Farmsen – Farmsen – Berne, Hamburg, Germany – hh oldmanCC BY 3.0

Direktor der Staatlichen Wohlfahrtsanstalten und Leiter des Versorgungsheims Farmsen war von 1926 bis 1950 [!] Georg Steigertahl (27.9.1885 Seesen – 3.5.1977 Hamburg), wichtigster Vertreter des Bewahrungsgedankens (staatliche Zwangsmaßnahme, Freiheitsentzug bis zu undefiniertem Zeitpunkt eines Lebens entsprechend den Normen der Gesellschaft).

„In Farmsen waren bis 1938 drei Prozent aller Entmündigungen in Deutschland durchgeführt worden.“

Michaela Freund-Wider: Frauen unter Kontrolle: Prostitution und ihre staatliche Bekämpfung in Hamburg vom Ende des Kaiserreichs bis zu den Anfängen der Bundesrepublik, Münster 2003 (S. 144)

Über die ‚verwahrten‘ Frauen berichtete Steigertahl 1929:

„Bei den bewahrten Frauen äußert sich die Psychopathie vorwiegend nach der sexuellen Seite hin. Bei einigen hätten wir gerne die künstliche Unfruchtbarmachung durchgeführt, die Ärzte hielten sich aber nicht für befugt dazu. …
So bestehen gegenwärtig für bewahrte Frauen: eine Station für alte Schwachsinnige und Psychopathen, die keinerlei Erziehungsmöglichkeiten bieten, – eine weitere Station für ältere, von denen noch manche vorübergehend oder dauernd den Weg in das freie Wirtschaftsleben findet, – eine Station für jüngere Mädchen, die kaum noch Hoffnungen bieten – und eine Station für jüngere, von denen die meisten zur Entlassung kommen.“

Georg Steigertahl, 1929, Deutsche Zeitschrift für Wohlfahrtspflege / ‚Das Bewahrungsgesetz vom Standpunkt der Praxis‘

Das Versorgungsheim Farmsen in der NS-Zeit

Das Versorgungsheim Farmsen wurde während der NS-Zeit umgestaltet zu einer ‚Bewahranstalt für Asoziale‘ „in der Alte, Sieche, chronisch Kranke, Behinderte, Gefährdete und Bewahrungsfälle“ untergebracht wurden (Steigertahl 1936). Ziel war nun nicht mehr Wiedereingliederung, sondern dass die Anstalt sich möglichst selbst finanziert, aus der Arbeitskraft ihrer Bewohner*innen.

Umfunktioniert als geschlossenes Arbeitshaus wurde es auch zur Zwangs-Unterbringung genutzt. Arbeit sollte nicht bezahlt werden, da die Bewohner „einsichtslos und ohne Verständnis für den Zusammenhang
von Recht und Pflicht“
seien (Steigertahl 1933). Ein Verstoß gegen den Arbeitszwang konnte die Einweisung in ein KZ (z.B. Buchenwald) zur Folge haben.

Das Versorgungsheim Farmsen war in der NS-Zeit beteiligt an Sterilisation, Deportation, Aussonderung und Euthanasie. Es war mittelbar einbezogen in die ‚Mordaktion T4‚ durch Deportation von Hunderten Bewohnern in Anstalten, in denen sie ermordet wurden.

„Schließlich zog man auf Antrag von Steigertahl 1935 auch die Kompetenz für das Sterilisationsverfahren nach dem GeVeN an sich, so dass die Begutachtung zur Sterilisation nicht mehr im Allgemeinen Krankenhaus in Langenhorn, sondern im Versorgungsheim Farmsen direkt vorgenommen werden und die Gesamtzahl der von dort veranlassten Sterilisationen von 155 im Jahr 1934 auf 408 im Jahr 1936 gesteigert werden konnte.“

Matthias Willing: Das Bewahrungsgesetz (1918-1967): eine rechtshistorische Studie zur Geschichte der deutschen Fürsorge, Tübingen 2003

Allein bis 1930 wurden 800 männliche und 343 weibliche Bewohner*innen des Versorgungsheims Farmsen zwangssterilisiert. Zuständig für die ‚Begutachtung‘: der leitende Oberarzt Dr. Hans Buchta. Er war auch für die Entmündigungs-Gutachten zuständig, gemeinsam mit Dr. Käthe Petersen (Sozialverwaltung). Im Rahmen der Entmündigung fungierte Petersen für Frauen als ‚amtlicher Sammelpflegerin (Sammelpflegschaft) und Sammelvormund‘ (reichsweit einmalig nur in Hamburg). Buchta begleitete auch Transporte in Tötungsanstalten.

Mit der Auflösung der „Staats-Irrenanstalt Friedrichsberg“ 1935 wurden ‚für die Forschung interessante Fälle‘ in die neu gegründete Universitäts-Psychiatrie unter Prof. Bürger-Prinz verlegt, noch arbeitsfähige Personen hingegen in das Versorgungsheim Farmsen, und ‚hoffnungslos psychisch Kranke‘ in die Staatskrankenanstalt Langenhorn.

Zu den Opfergruppen gehören Alkoholkranke, Prostituierte, männliche und weibliche [vgl. Ingrid Liermann] Homosexuelle, Sicherheitsverwahrte, Jugendliche die nicht bei der ‚Hitlerjugend‘ mitmachen wollen, Jüdinnen und Juden, ‚Geistesschwache‘ und ‚Asoziale‘ [vgl. hier].

lesbische Frauen im Versorgungsheim Farmsen

„Jede Anstalt, die derart üble Elemente aufnimmt, die durch ihr Prostituiertendasein an hemmungslosen Geschlechtsverkehr gewöhnt sind, muß damit gerechnet werden, daß sich die Triebhaftigkeit und Hemmungslosigkeit dieser Menschen innerhalb der Anstalt in homosexuellen Beziehungen äußert. Es ist selbstverständlich, daß in Farmsen gegen derartige lesbische Freundschaften vorgegangen wird. … Gerade die Anstalt Farmsen hat das schwierigste und übelste Menschenmaterial als Insassen. Zum größten Teil sind die Frauen entmündigt … Lesbische Beziehungen der Insassen untereinander sind in der Anstalt wie Farmsen an der Tagesordnung und trotz schärfster Aufsicht und schweren Strafen nicht ganz zu unterbinden …“

Bericht der weiblichen Kriminalpolizei Hamburg vom 4. Juni 1941, zitiert nach Gottfried Lorenz: Töv, di schiet ik an: Beiträge zur Hamburger Schwulengeschichte, Münster 2013

Ingrid Sonja Liermann (18.4.1926 – 12.4.2010), 1950 Gründerin und bis 1997 Cheffin der Lesbenbar ‚Ika-Stuben‚ in Hamburg St. Pauli, lebte in der NS-Zeit in verschiedenen Jugendheimen, darunter auch im Versorgungsheim Farmsen.

schwule Männer im Versorgungsheim Farmsen

Am 12. September 2007 wurden vier Stolpersteine verlegt, die an wegen Homosexualität verfolgte männliche Bewohner des Versorgungsheimes erinnern:

  • Ludwig Döpking (10.4.1881 Hamburg – 3.10.1936 Hamburg)
  • Richard Elkeles (1906 – 12.3.1941 Hamburg)
  • Martin Lentfer (1875 – 3.1.1938 Hamburg, Selbstmord nach Verhör wegen §175))
  • Gustav Remi (4.6.1905 Hamburg – 11.3.1943 KZ Neuengamme; zeitweise Partner von Otto Giering der die NS-Zeit nach ‚freiwilliger Kastration‘ überlebte(pdf)

Bereits kurz nach der Verlegung wurden die Stolpersteine mit NS-Symbolen beschmiert.

Ein weiterer Stolperstein vor seinem letzten Wohnsitz in der Hamburger Neustadt erinnert an einen schwulen Mann, der im Versorgungsheim Farmsen gelebt hat, Kurt Dombeck (8.5.1890 Liegnitz – 28.4.1943 Neuengamme; entmündigt und zwangssterilisiert).

An Georg Jakob Peters (6. Juli 1872 Tating – 6. April 1944 Landesheilanstalt Weilmünster; seit 1906 wegen seiner Homosexualität kriminalisiert) erinnert ein Stolperstein in Hamburg Eppendorf. 1936 bis zu seiner Flucht 1938 nach Köln lebte er im Versorgungsheim Farmsen.

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Während des 2. Weltkriegs wurden Teile der Fläche für Flakstellungen genutzt.

Versorgungsheim Farmsen nach 1945

Nach 1945 kam es für die Bewohner*innen kaum zu Veränderungen. Steigertahl blieb zunächst Leiter des Versorgungsheims Farmsen wie auch der Staatlichen Wohlfahrtsanstalten. Seine Weiterbeschäftigung auch nach 1945 hatte er (eigenen Angaben in seiner Biographie 1974 zufolge) vor allem Sozialsenator Paul Nevermann zu verdanken (laut Schürmann 2018).

Die Praxis der Entmündigung der im Versorgungsheim Farmsen lebenden Menschen wurde nach 1945 zunächst unreflektiert fortgesetzt. Die Verabschiedung des Grundgesetzes erschwerte ab 1949 Entmündigung und Anstaltseinweisung.

1969 führte Hamburg als erstes Bundesland Heimbeiräte als Organ der Mitsprache der Bewohner*innen ein.

Dr. Käthe Petersen, in der NS-Zeit amtlicher Sammel-Vormund und zuständig für Zwangseinweisungen nach Entmündigung, war nach 1945 weiter in der Fürsorge tätig, machte Kariere und erhielt 1973 das Bundesverdienstkreuz.

Das bei der Sozialbehörde angesiedelte ‚Amt für Heime‘ wurde per 1. Januar 1991 aufgelöst. Der Landesbetrieb ‚Pflegen & Wohnen‘ wurde geschaffen. Ab 1. August 1997 wurde er umgewandelt in eine Anstalt öffentlichen Rechts (AÖR) mit der Stadt Hamburg als Eigentümer.

Per 1. November 2005 erfolgte die Privatisierung des Pflegebereichs, die endgültig abgeschlossen wurde per 1.1.2007. Die verbliebenen brerich werden ‚f&w fördern & wohnen‘ benannt und bleiben AÖR.

Nachfolgeunternehmen sind seitdem ‚Pflegen & Wohnen Hamburg‘ sowie ‚Fördern&Wohnen‘. Pflege&Wohnen ist inzwischen größter privater Anbieter stationärer Pflege in Hamburg, Farmsen ist einer von 13 Standorten des Unternehmens.

Gedenken an die Opfer des Versorgungsheims Farmsen

Eine staatliche Gedenkveranstaltung (Bezirksversammlung Wandsbek) fand erstmals am 27. Januar 2013 [!] statt.

Da bisher ein Gedenkort fehlte, pflanzte der ‚Zentralrat der Asozialen Deutschlands‘ ZAID 2015 ein Beet mit Klee auf dem Gelände des ehemaligen Versorgungsheims Farmsen.

Eine Gedenktafel (August-Krogmann-Str. 100) des Denkmalschutzamtes wuerde zwischenzeitlich demontiert. Sie trug den Text

Die Anlage mit Wohn-, Verwaltungs-, Wirtschafts- und Fabrikgebäuden entstand 1903 als Zweigstelle des „Werk- und Armenhauses“ Barmbek. Erweiterungen folgten 1912 und in den 1920er-Jahren. Hier wurden behinderte und hilfsbedürftige Menschen untergebracht und in Fabrik, Wäscherei, Haus- und Landwirtschaft beschäftigt. In der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) wurden viele der eingewiesenen sogenannten asozialen Personen zwangssterilisiert, entmündigt oder deportiert.
Seit 1961 sind hier ein Pflegezentrum sowie sozialtherapeutische Einrichtungen für seelisch behinderte Menschen untergebracht.

Text der derzeit demontierten Gedenktafel

An der Adresse August-Krogmann-Str. 100 erinnern mehrere Stolpersteine an ehemalige Bewohner*innen des Versorgungsheimes Farmsen.

Ein Gedenk- und Lernort ist in Überlegung.

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Hamburg Homosexualitäten

Harald Tangermann und Peter Daun

Harald Tangermann und Peter Daun – ein schwules Unternehmer-Paar, das lange Jahre die schwule Szene von Hamburg maßgeblich mit prägte. Mit der frühen Förderung von Tom of Finland sowie der einst größten schwulen Sauna Club Uhlenhorst und dem Tom’s hatten sie Bedeutung weit über Hamburg hinaus.

Harald Tangermann und Peter Daun

Harald Tangermann (1932 – 1998)

Harald Tangermann kam am 7. Dezember 1932 in Hamburg Fuhlsbüttel zur Welt. Sein Vater Wilhelm führte das Kaufmanns-Unternehmen ‚Tangermanns Kaffee Geschäfte‚. Seine Mutter war Alice Tangermann geb. Lensch (29.8.1907 – 1.7.1981).

Harald machte zunächst eine Lehre als Kaufmann. Anschließend erlernte er den Beruf des Kellermeisters, wurde Destillateur und Weinküfer. Nach Abschluss der Ausbildungen übernahm er im elterlichen Betrieb Tangermann KG die Spirituosen-Herstellung.

Er entwickelte u.a. ein eigenes Rezept für einen Rumtopf. Dieser erste industriell hergestellte Rumtopf wurde von der Spirituosen-Handlung der Tangermann-Gruppe vermarktet – und bildete bald den Grundstock des Vermögens von Harald Tangermann. 1958 gründet er eine neue Vertriebsfirma (die noch heute existiert).

Haralds Mutter (sein Vater war 1959 verstorben) veranlasste aufgrund der Homosexualität ihres Sohnes, dass dieser von Prof. Bürger-Prinz ‚begutachtet‘ wurde.
Bürger-Prinz war zur damaligen Zeit in der Hamburger Gesellschaft hoch angesehen. Sein Handeln in der NS-Zeit war weitgehend in Vergessenheit geraten. Bürger-Prinz riet der Mutter, ihren Sohn so zu akzeptieren wie er ist, mit seiner Homosexualität.

Am 1. Juli 1981 starb Haralds Mutter Alice. Sie wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt. Kurz darauf, 1982 schied Harald aus dem Familienunternehmen aus. Sein Bruder Werner übernahm die Leitung de Unternehmens.

1987 starb Peter Daun. Harald Tangermann lernte 1988 einen neuen Partner kennen, Ulrich. Sie gingen eine Lebenspartnerschaft ein, Ulrich übernahm dabei Haralds Familiennamen.

Harald Tangermann starb am 27. März 1998. Sein Erbe wurde sein Partner Ulrich. Er übernahm damit neben zahlreichen Gebäuden (u.a. dem in dem sich Tom’s und Pit befanden) auch eine der größten Privatsammlungen mit Werken von Tom of Finland.

Peter Daun (1941 – 1987)

Peter Daun wurde am 19. Juni 1941 geboren. 1968 lernte Harald Tangermann den früheren Polizisten und Seemann Peter Daun in Berlin kennen. Bald zogen sie in die gemeinsame Wohnung in Hamburg Uhlenhorst (in ein Wohnhaus, das Harald gehörte).

Peter Daun starb am 15. Dezember 1987 in Hamburg.

Harald Tangermann und Peter Daun wurden in einer gemeinsamen Grabsätte auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg beigesetzt.

Grabstätte von Harald Tangermann und Peter Daun Hamburg 2019
Grabstätte von Harald Tangermann und Peter Daun, 2019

Tangermann Daun als schwule Unternehmer

Club Uhlenhorst

Bereits 1968 (noch vor der Liberalisierung des Paragraphen 175 am 1. September 1969) begannen Harald Tangermann und Peter Daun mit der Planung für eine schwule Sauna. 1969 feierte der Club Uhlenhorst, meist kurz genannt das CU, Eröffnung.

Der Club Uhlenhorst wurde schnell zu einem großen (auch kommerziellen) Erfolg und international bekannt [vgl. detaillietrer Artikel schwule Sauna Club Uhlenhorst 1969 – 1987].

Er war damals die größte schwule Sauna Europas (bis 1975 die schwule Sauna Continental Opera in Paris eröffnete, die noch größer war). Das CU wurde bald legendär im schwulen Leben nicht nur Hamburgs.

1987 schloss das CU, offiziell wegen Lärmbelästigung und Problemen sowohl mit den Nachbarn als auch dem Ordnungsamt.

Pit Club

1973 eröffneten Harald Tangermann und Peter Daun am Pulverteich 17 in Hamburg (Hochparterre) eine schwule Discothek, den Pit Club.

Besonderes Highlight waren lange Zeit aus der Decke herab fahrbare Lichtsäulen, die wohl nicht zufällig an das Studio 54 erinnerten.

Zehn Jahre war das Pit wohl die bedeutendste schwule Disco Hamburgs – bis 1983, als Willy Prange das inzwischen längst legendäre Front eröffnete.

ehemaliger Pit Club Hamburg 2019
Eingang zum Tom’s und (im Erdgeschoss) ehemalige Räume des Pit Club (2019, Umbau)

Das Pit existierte noch viele Jahre, später umbenannt zu Toms Dancehall.

Tom’s Saloon

Am 20. Juni 1974 wurde im Keller unter dem Pit Club (in einem ehemaligen Kohlenkeller) die neue Lederbar Tom’s Saloon eröffnet.

Tom of Finland (mit dem Harald Tangermann und Peter Daun persönlich befreundet waren, s.u.) war nicht nur Namenspate der Bar – er brachte auch zahlreiche Original-Zeichnungen an den Wänden an und entwarf das Logo. Ein Raum wurde mit Birkenstämmen und Querbalken ausgestattet, eine Atmosphäre wie auf manchen Tom-of-Finland – Zeichungen schaffend.

Die zunächst angedachten Planungen, weitere Filialen des Toms in den USA zu eröffnen, wurden nach persönlichen Differenzen verworfen.
Schließlich verkauften Tangermann Daun das Toms im Jahr 1977.

Tangermann Daun, Tom of Finland und Hamburg

Schon 1957 hatte das US-Magazin Physique Pictoral erstmals Zeichnungen von Tom of Finland abgedruckt.

Bedeutend für seine frühe Wahrnehmung in Hamburg war Gerhard Pohl, bekannt u.a. als einer der Gründer des schwulen Lederclubs MSC Hamburg (1974). Der Hamburger Fotograf und Regisseur von Pornofilmen Gerhard Pohl wurde am 8. Dezember 1931 in Hamburg Barmbek geboren. Er starb am 15. Juni 1993 in Hamburg an den Folgen von Aids. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Stellingen. Pohls Nachlass wird im Schwulen Museum Berlin verwahrt.

Gerhard Pohl nahm bereits früh brieflich Kontakt zu Tom auf. Im Laufe der Jahre freundeten sie sich an. Pohl brachte erstmals Zeichnungen von Tom nach Hamburg, stellte sie in der Loreley Bar in St. Pauli aus, damals der Treffpunkt der noch kleinen Hamburger Lederszene.

Und Pohl stellte 1968 den Kontakt von Tom of Finland mit Harald Tangermann und Peter Daun her. Bald befreundeten sich die drei.

„Peter war Toms Liebling“

Harald Tangermann, in ‚Tom of Finland XXL‘

Harald Tangermann erwarb zahlreiche Zeichnungen von Tom – und Tom malte beide (besonders Peter ist auf mehreren Zeichnungen zu erkennen). Einige Bilder zeigen Szenen z.B. in der Sauna CU oder bei gemeinsamen Motorradtouren.

Harald Tangermann und Peter Daun engagierten Tom bald auch für ihre Unternehmungen – u.a. für ein großes Wandbild in der schwulen Sauna Club Uhlenhorst (s.o.)

Die Lederszene in Hamburg wuchs, die Loreley als Treffpunkt war bald zu klein. Harald Tangermann und Peter Daun beschlossen, eine eigene Lederbar zu eröffnen. Und schnell war klar, dass sie nach Tom benannt werden sollte. Tom of Finland stimmte zu, und ‚Tom’s Saloon‘ war geboren (s.o.). Tom stattetet die Bar mit Wandbildern aus, auch das Logo entwarf er.

Tom of Finland, der mit seinen Zeichnungen Ikone der Homomaskulinität schuf, startete seine internationale Karriere also auch und besonders in Hamburg – mit nicht unbeträchtlichem Mitwirken von Harald Tangermann und Peter Daun.

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Ich erinnere mich an Harald und Peter. Das CU war eine wichtige, wenn nicht die zentrale Station bei meinen Entdeckungen der Hamburger Schwulenszene. Viele Wochenenden, Nächte, sonntägliche Früh(spät)stücke in der Sauna. Übernachten plus Spaß nach durchtanzter Disco-Nacht, und das für wenig Geld. Ideal für Ulli als Student.

Harald erinnere ich eher als den ruhigen, fast distinguierten Mann im Hintergrund. Attraktiv aber irgendwie unnahbar. Peter hingegen, eher laut und immer präsent, auch mal am Pool, oder mit Freunden am Tisch neben der Bar.

Und ich erinnere: einen Gegensatz, den ich schon damals nicht verstanden oder zumindest für mich nicht empfunden habe.

Man geht nicht in diese Bars und Kneipen, sagten die die ‚politisch‘ waren. Und meinten verächtlich die „kommerzielle Schwulenszene“. Sondern traf sich in den Schwulengruppen, privat, und im Tuc Tuc oder so.

Das war auch alles gut. Gefiel mir, war – meins. Da fühlte ich mich wohl. Tuc, das war Wohnzimmer. Nur – später in der Nacht – da traf ich den ein oder anderen dann doch auch im Tom’s oder im CU. Und lernte als junger Mann schnell: Hormone und Politik – das ist nicht immer kongruent.

Irritiert war ich, weil: ich selbst spürte diesen vermeintlichen Gegensatz zwischen ‚kommerzieller Sub‘ und ‚Bewegung‘ schon damals nicht.

Harald und Peter, sie hatten damals große Freiräume für mich (und viele andere schwule, oder homosexuelle) Männer ermöglicht. Ich habe beides als Spielwiesen erlebt, das CU wie auch das Tom’s. Hier konnte ich ausprobieren, was ich das mit meiner Sexualität, was hat da zu tun mit Mann-Sein, mit meinen Gelüsten, mit meinen Sehnsüchten. Und wenn ich Lust hatte, konnte ich nachher (oder vorher) sogar noch im Pit dazu tanzen – wunderbar 🙂

Wenn schwule Bewegungen bedeutet: Menschen Freiräume zu eröffnen sich repressionsfrei zu begegnen und zu entdecken – dann haben (im Rahmen ihrer Zeit und Möglichkeiten) Harald und Peter genau das (für mich) ermöglicht (wenn auch vielleicht, aber nur vielleicht auf eine ‚unpolitische‘ Weise).

Harald und Peter – sie haben Freiräume ermöglicht. Freiräume, in denen ich mich entdecken, mich frei und ungezwungen ausprobieren konnte. Meine (vor allem auch sexuellen) Identitäten entdecken. Mich, meinen Weg finden konnte.

Dafür bin ich ihnen dankbar.

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Hamburg

Prosit 2022

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Hamburg

Wasserflugplatz Altona (1925 – 1926)

Ab 1925 verband der Wasserflugplatz Altona das noch nicht zu Hamburg gehörende Altona mit Dresden. Heute erinnert fast nichts an die Wasserfluglinie an der Elbe.

Max Brauer, seit 1924 Oberbürgermeister von Altona (damals noch selbständig), eröffnete am 10. August 1925 die Wasserfluglinie, die ‚Blaue Linie‚ nach Dresden. Um 12:45 Uhr startetet der Pilot mit einer F-13 der Dessauer Flugzeugwerke Junkers mit Namen ‚Wildente‘ vom Ponton auf der Elbe Richtung Dresden. Nach einer Zwischenlandung in Magdeburg erreichte er um 16:45 Uhr das Ziel Dresden- Johannistadt.

Der Regelflugbetrieb wurde bereits ab dem nächstem Tag aufgenommen. zweimal täglich außer sonntags verkehrte je ein Flugzeug zwischen Altona und Dresden. Die Fluggäste (maximal 4 pro Flug) wurden mit einem Ruderboot zum in der Elbe verankerten Start-Ponton übergesetzt. Zusätzlich zu den Passagieren wurde (wenig) Gepäck, Zeitungen und Luftpost befördert.

Der Flugpreis betrug pro Person zwischen 90 und 100 Mark. Die Flugtickets erwarben die Fluggäste in einer Holzbaracke. Diese ist heute noch erhalten – in dem Gebäude befindet sich seit den 1990er Jahren ein Ausflugslokal, seit 2017 die ‚Bücke 10 im Strandhaus‘, zuvor seit 1991 die ‚Elbkate‘.

Wasserflugplatz Altona – früheres Gebäude, heute ‚Bücke 10 im Strandhaus‘

Die Linie Altona – Dresden war erst die zweite Wasserfluglinie auf dem Kontinent (nach Danzig – Stockholm). Für Altona war sie von besonderer Bedeutung, hatte Altona (damals preußisch) doch im Gegensatz zu Hamburg keinen Flughafen.

Die Wasserfluglinie Altona – Dresden wurde 10. August 1925 bis zum Sommer 1926 betrieben.

Bereits am 11. November 1925 wurde der Luftpost-Verkehr eingestellt, damit entfiel auch die finanzielle Unterstützung durch die Reichspost. Mit Ende der Sommersaison 1926 endete der gesamte Wasserflugzeug-Betrieb vom Wasserflugplatz Altona. Grund war die zu niedrige Passagierzahl. Insgesamt fanden nur 134 Flüge statt, es kam häufig zu Flugausfällen aufgrund von Elbhochwasser oder Eisschollen.

Zudem startete im Sommer 1926 eine Landflug-Verbindung zwischen Dresden und dem nur 15 km entfernten Flughafen Hamburg- Fuhlsbüttel.

Der Aufschwung der zivilen Luftfahrt geht so an Altona vorbei. Die kurze Geschichte des Wasserflugplatzes Altona fand nach gut einem Jahr Betrieb ein Ende.

In Erinnerung an die einstige Blaue Linie flog am 12. August 1995 (75. Jahrestag der Eröffnung) ein Wasserflugzeug vom ehemaligen Wasserflugplatz Altona nach Dresden.

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Deutschland Kulturelles

Grabstätte Familie Jahn – Entwurf Hans Henny Jahnn

Nahe der Christianskirche in Hamburg Altona befindet sich die Grabstätte Familie Jahn:

Grabstätte Familie Jahn Entwurf Hans Henny Jahnn
Grabstätte Familie Jahn (Entwurf: Hans Henny Jahnn), Hamburg Altona

Hans Henny Jahnn entwarf 1919 / 1920 diese Grabstätte mit drei Bögen aus Granit für seine Familie (seine Mutter). Die Grabstätte befand sich ursprünglich auf dem Friedhof Stellingen. In Stellingen (seit 1937 zu Hamburg, seit 1951 Bezirk Eimsbüttel) kam auch Hans Henny Jahnn 1894 zur Welt (Högenstr. 61).

Hans Henny Jahnn, geboren als Jahn, verwendete ab seinem 18. Lebensjahr das ‚doppelte n‘ in seinem Nachnamen.

Jahnn selbst war beim Umbau der Orgel der Christianskirche 1928/29 als Orgelsachverständiger beratend tätig.

Sie wurde erst am 17. Dezember 1994 nach Altona auf den Hof der Christianskriche Ottensen verlegt. An die Verlegung erninnert eine Gedenkstele.

Gedenkstele zur Verlegung der Grabstätte Familie Jahn

Das Grab von Hans Henny Jahnn befindet sich nicht hier (Altona), sondern auf dem Friedhof Nienstedten.

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Deutschland

Ratzeburg

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Ratzeburg Dominsel im Ratzeburger See, Juni 2021 (von links nach rechts: A. Paul Weber Museum, Kreismuseum, Ratzeburger Dom)

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Der in Wedel (Holstein) geborene Bildhauer und Schriftsteller Ernst Barlach lebte ab Herbst 1876 bis 1884 in Ratzeburg , wo er auch beigesetzt ist.

Dem Grafiker A. Paul Weber (1893 – 1980) ist in Ratzeburg ein Museum gewidmet.

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Deutschland

Fernsehturm Steinkimmen 1956 – 2017

Der Fernsehturm Steinkimmen – das ist für mich vor allem Erinnerung an meine Kindheit, und an einen Spielplatz …

Am 6. August 1956 begann der Sender Steinkimmen (Gemeinde Ganderkesee, südöstlich von Oldenburg), das „Erste Deutsche Fernsehen“ (NDR) für den Bereich Bremen / Oldenburg auszustrahlen. Bereits seit Herbst 1955 war an der Sendeanlage gearbeitet worden.

Fernsehturm Steinkimmen - Sender Steinkimmen des Norddeutschen Rundfunks im März 2012 - DigiAndi - Eigenes Werk - Lizenz CC BY-SA 3.0
Sender Steinkimmen des Norddeutschen Rundfunks im März 2012 – DigiAndi – Eigenes Werk – Lizenz CC BY-SA 3.0

Zuvor war schon am 25. Dezember 1955 ein vorläufiger Sendebetrieb gestartet. Von einer mobilen Sendeanlage wurde Hörfunk über UKW ausgestrahlt. Der Turm begann mit 5 Stunden täglichem Sendebetrieb in zwei Zeitblöcken.

Der rot weiß gestrichene Sendemast hatte ursprünglich 298 Meter Höhe bei nur 2 Meter Durchmesser. Am 31. August 1961 wurde der Mast durch eine zusätzliche Spitze erhöht auf seine endgültige Höhe von 305 Metern. Zu seiner Zeit war er das höchste Bauwerk der Bundesrepublik …

Ab Dezember 1962 wurden erste Farb-Sendungen übertragen.

Da sich eine weitere Umrüstung nicht mehr rechnete, wurde 2016 (Baubeginn 4. April) ein neuer Gittermast errichtet – der alte Fernsehturm Steinkimmen wurde obsolet.

Mitte Mai 2017 begannen die Umschaltung auf den neuen Sendeturm und die Abbau-Arbeiten des Fernsehturms Steinkimmen. Nach und nach wurden bis November 2017 Segmente mit dem Hubschrauber abgetragen.

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Den Fernsehturm Steinkimmen erinnere ich vor allem als Ausflugsziel in meiner Kindheit. Das große Staunen, dass ein so dünner Turm völlig frei nur mit ein paar Seilen stehen konnte. Und natürlich, größte Attraktionen, ein großer Spielpatz und der Kleintierzoo …

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Deutschland

Huntebrücke Oldenburg (1978 – 2022 ?)

Die aus dem Jahr 1978 stammende Huntebrücke Oldenburg über die Autobahn A29 soll abgerisssen und durch einen Neubau ersetzt werden. Der Baubeginn der neuen Huntebrücke Oldenburg ist für das Jahr 2022 geplant, Fertigstellung 2026.

Huntebrücke Oldenburg
Huntebrücke über die Bundesautobahn 29.Luftaufnahmen Oldenburg (Oldenburg), mit Weiterflug nach Westen; 1500 Fuß Flughöhe; Juli 2010; Originalfoto bearbeitet: Tonwertkorrektur und Bild geschärft mit Hochpassfilter – Bin im Garten – Lizenz CC BY-SA 3.0

2022 soll mit dem Abriß der alten Huntebrücke Oldenburg begonnen werden. Grund: den zunehmenden Belastungen durch den Schwerlastverkehr wird die bestehende Brücke auf Dauer nicht mehr standhalten können. Bereits jetzt besteht ein LKW- Überholverbot.
Nach dem Abriss wird ein Ersatzbauwerk realisiert.

Huntebrücke über die A29 in Oldenburg, Mai 2020
Huntebrücke über die A29 in Oldenburg, Mai 2020

Ersatzbauwerk – das bedeutet die vorhandene Autobahnbrücke wird weitgehend abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Vorhandene Unterbauten der alten Huntebrücke (Widerlager, teilweise Pfeiler etc). sollen voraussichtlich für die neue Brücke weiterhin genutzt werden.

Pfeiler der Huntebrücke, Oktober 2020

Allerdings wird die neue Brücke nur noch von 14 statt bisher 36 Pfeilern getragen werden. Der Pfeiler- freie Bereich über der Hunte wird von 55 m auf 77 m verbreitert.

Der Auftrag für die Planung wurde im März 2019 vergeben. Die Baukosten werden auf ca. 50 Mio. € geschätzt.

Die ersten Vorbereitungen für Abriss und Neubau begannen im Herbst 2021. Die sichtbaren Arbeiten an der Brücke sollen etwa Ende 2022 beginnen.

Der Abriss der alten Brücke ist derzeit für 2023 geplant.

Den Bau der neuen Huntebrücke veranschaulicht folgendes Video:

1978 wurde die derzeitige Huntebrücke in Bornhorst errichtet und am 1. November 1978 eingeweiht. Sie ist 441 m lang und 30 m hoch und Teil der Autobahn 29 (Jadelinie). Die Kosten beliefen sich auf 18 Mio. DM.
Die bisherige Brücke sind eigentlich zwei Brücken: je Fahrtrichtung steht ein eigenständiges Brücken-Bauwerk.

Die Autobahn 29 und insbesondere die Huntebrücke beseitigten ab 1978 ein Nadelöhr – zuvor wurde der gesamte Verkehr Richtung Nordwesten durch die Stadt geführt.

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Gute Nachricht für Fußgänger und Radfahrer: der Fußgänger-Steg (Kloster Blankenburg – Bornhorst), der beim Bau der Brücke auf Wunsch und Kosten der Stadt Oldenburg zusätzlich errichtet wurde (untergehängt gebaut), wird auch bei der neuen Brücke mit gebaut.

Huntebrücke Oldenburg
Blick vom Fußgängersteg der ‚alten‘ Huntebrücke Richtung Oldenburg, November 2020

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Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr: A29 Huntebrücke

Bestandsmodell der (alten) Huntebrücke

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