Pferdemarkt – die Vier Pferde von Oldenburg (1970)

Die Skulptur Vier Pferde wurde 1970 auf dem Pferdemarkt in Oldenburg aufgestellt. Geschaffen vom Bildhauer und Maler Heinrich Schwarz, soll sie einen der zentralen Plätze der Stadt symbolisieren. Und erzählt nebenbei eine Geschichte über fehlende Bürgerbeteiligung …

Pferdemarkt Vier Pferde Oldenburg
Vier Pferde (Heinich Schwarz, 1970) – Oldenburg, Pferdemarkt

Vier Pferde (1970) – Großplastik auf dem Pferdemarkt Oldenburg

Vier stilisierte Pferde aus Beton – eine Skulptur versinnbildlicht seit 1970 den Namen eines der zentralen Plätze in Oldenburg – der Pferdemarkt.

‚Vier Pferde‘ – eine Großplastik aus Beton mit beeindruckenden Maßen: 4,50 Meter hoch, und jeweils 4 Meter breit und tief, bestehend aus in einander gesteckten ‚Beton-Scheiben‘.

Im April 1970 wurde die Plastik errichtet. Und sie sorgte für heftige Diskussionen und Proteste. So manchem wäre eine ’naturalistischere‘ Darstellung lieber gewesen …

Pferdemarkt Vier Pferde Oldenburg
Vier Pferde (Heinich Schwarz, 1970) – Oldenburg, Pferdemarkt

Hinzu kam die ein wenig problematische Geschichte der Skulptur. Sie wurde ohne jegliche Beteiligung der Bürger errichtet. Mit der Stadtverwaltung in Person des Oberstadtdirektors Heinz Rathert sowie Stadtbaurat Horst Neidhardt fanden ab 1968 zwei Jahre dauernde Gespräche statt. Die Oldenburger Bevölkerung jedoch wurde erst im Frühjahr 1970 unterrichtet – besser, de facto vor vollendete Tatsachen gestellt. Am 25. April 1970 stimmte der Rat der Errichtung der Skulptur trotz lebhafter Proteste zu.

Ein weiterer Grund für das Staunen vieler Bürger: die Skulptur war ein Geschenk – genau derjenigen Baufirmen (Hecker und Stefen), die zuvor an der Umgestaltung des zentralen Platzes Pferdemarkt mit Großaufträgen beteiligt waren.

der Pferdemarkt in Oldenburg

Am nördlichen Rand der Innenstadt von Oldenburg befindet sich seit dem 17. Jahrhundert ein Platz, der auf ein Weidegelände zurück geht: der Pferdemarkt.

1682 wird er erstmals als ‚Marktplatz von Oldenburg‘ erwähnt. Vom 19. Jahrhundert bis Ende der NS-Diktatur wurde der Pferdemarkt als Exerzierplatz genutzt. Später wurde hier zeitweilig der Kramermarkt veranstaltet (seit 1962 auf der Fläche vor der Weser – Ems – halle).

Seit den 1960er Jahren ist der Pferdemarkt im wesentlichen – ein dem Verkehr gewidmeter Platz. Ein Kreisel von Verteiler-Straßen des Straßenverkehrs, ohne echte Funktion als Platz. Auf einen (westlichen) Teil der Fläche findet weiterhin ein Wochenmarkt statt (ansonsten Parkplatz). Den Südrand des Pferdemarkts schneidet zudem die 1967 in Betrieb genommene Hochbrücke der zentralen Bahnstrecke Oldenburg – Leer bzw. Oldenburg – Wilhemshaven (bis 1966 blieben hier die Schranken lange, sehr lange geschlossen).

Der Pferdemarkt ist somit indirekt auch Symbol einer ‚Großstadt über Nacht‘ – einer Stadt, die in den 1960er Jahren neue Aufgaben und Dimensionen bekam, und sich wandelte. Und dem (Straßen-) Verkehr mehr Raum gab …

Nahe dem Pferdemarkt befindet sich der Gertrudenfriedhof, auf dem sich u.a. das Grab von Horst Janssen befindet, etwas südlich des Platzes das Horst-Janssen-Museum.

Polizeikaserne Pferdemarkt in der Reichspogromnacht

In der Reichspogromnacht 9. auf 10. November 1938 wurde die Synagoge von Oldenburg sowie die kleine jüdische Schule zerstört. Alle Oldenburger Juden wurden verhaftet.
Sie wurden in der Polizeikaserne am Pferdemarkt interniert, die als Hauptsammelstelle diente. Frauen und Kinder wurden am nächsten Morgen wieder freigelassen, die Männer in das KZ Sachsenhausen deportiert.

Heinrich Schwarz – Schöpfer der Vier Pferde

Der Bildhauer und Maler Heinrich Schwarz wurde am 19. Dezember 1903 in Berlin geboren. 1922 nahm er das Kunst-Studium an der Staatlichen Kunstschule Berlin auf, wechselte allerdings 1923 zum Jura-Studium nach Jena. Bereits 1948 wurde er aus gesundheitlichen Gründen (Tuberkulose) in den Ruhestand versetzt – und konnte sich ganz der Kunst widmen.

In den Jahren 1966 bis 1972 war Schwarz Vorsitzender des Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler BBK Nodwestdeutschland.

Heinrich Schwarz starb am 9. November 1977 in Oldenburg. Nach Heinrich Schwarz wurde in Ganderkesee- Steinkimmen eine Straße benannt.

Stonewall Momente: Traueranzeige Jean Claude Letist – homosexuell oder schwul ? (Video)

Am Aschermittwoch 28. Februar 1990 starb Jean-Claude Letist an den Folgen von Aids. Jean Claude Letist (1946 – 1990) war einer der bedeutendsten schwulen Aktivisten in Köln in den 1970er und 80er Jahren.

Die größte Lokalzeitung Kölns weigerte sich damals jedoch, eine Traueranzeige zu drucken mit den Worten „Ein beispielgebendes schwules Leben hat sein Ende gefunden“. Das Wort „schwul“ in einer Traueranzeige? Undenkbar! Einzig denkbarer Kompromiss sollte das Wort ‚homosexuell‘ sein. Aber genau das war der entscheidende Unterschied …

Traueranzeige Jean Claude Letist
Traueranzeige Jean Claude Letist – ohne das Wort ’schwul‘

Was dann passierte, und wie die Trauerfeier für Jean-Claude am 12. März 1990 und eine Aktion danach dazu führten, dass bald „schwul“ und „lesbisch“ auch in Traueranzeigen benutzt werden durften, darüber erzähle ich in diesem Video:

Stonewall Momente – Jean Claude Letist Traueranzeige

Das Video entstand für die Kurzfilm-Reihe ‚Stonewall Momente‘ im Rahmen des Projekts ‚queer as german folk‚. #querasgermanfolk ist ein Gemeinschaftsprojekt des Goethe-Instituts Nordamerika mit dem Schwulen Museum* Berlin sowie der Bundeszentrale für politische Bildung bpb.


Stonewall Momente: Ulrich Würdemann

Das Video ist Teil der Ausstellung ‚Love at First Fight! – Queere Bewegungen in Deutschland seit Stonewall‚. Sie ist ab 19. Juli 2019 für mindestens ein Jahr im Schwulen Museum* zu sehen.

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Drei Tage nach der Trauerfeier für Jean-Claude gründete sich am 15. März 1990 ACT UP Köln. Viele von uns nahmen an der Aktion im Verlagsgebäude am 12. März teil. Sie war sozusagen der Auftakt für ACT UP Köln …

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Jean-Claude Letist war für mich ein Vorbild und Ansporn. Von der Gründung und Eröffnung des Schwulen- und Lesbenzentrums SchuLZ bis zu zahlreichen Reisen mit ‚Homoreizen‚ (auf denen sein Sprachgenie immer wieder besonders hilfreich war), von nächtlichen Momenten am Aachener Weiher bis zu aufgeregten politischen Debatten im Bundesverband Homosexualität BVH – er war Inspiration, Herausforderung und – liebenswert.

Ach Gutemiene …

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Zwei kleine Fehler haben sich in dem Video eingeschlichen: natürlich war die Währung damals noch DM und nicht Euro. Und mein Vorname schreibt sich mit einem ‚l‘ – Ulrich … 😉

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Die Bremer Stadtmusikanten 2019

Die Bremer Stadtmusikanten – Interpretation 2019 : Installation pinpointing progress von Maarten Vaanden Eynde vor der Kunsthalle Bremen

die Bremer Stadtmusikanten 2019 - pinpointing progress von Maarten Vaanden Eynde
Die Bremer Stadtmusikanten 2019 – pinpointing progress von Maarten Vaanden Eynde vor der Kunsthalle Bremen , Foto & Bearbeitung Ulli Würdemann 2019

Die Installation pinpointing progress von Maarten Vaanden Eynde war Teil der Sonderausstellung „Tierischer Aufstand“. Sie wurde in der Kunsthalle Bremen vom 23. März bis 1. September 2019 gezeigt. Zuerst war die Installation 2018 auf der Biennale Riga RIBOCA zu sehen. Riga ist Partnerstadt von Bremen.

Der belgische Künstler Maarten Vaanden Eynde wurde 1977 in Leuven geboren. Er lebt und arbeitet in Brüssel. 2017 gewann Eynde den Publikumspreis des Belgischen Kunstpreises BOZAR Brüssel.

Das Märchen

Die Ausstellung in Bremen wird gezeigt anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Veröffentlichung des Märchens ‚Die Bremer Stadtmusikanten‚ durch die Gebrüder Grimm. Ihr Grab befindet sich auf dem Alten St. Matthäus Kirchhof in Berlin Schöneberg.

Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch
Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch

In der Erstauflage 1812 (bzw. 1815 zweiter Band) der Grimm’schen Märchen war ‚Die Bremer Stadtmusikanten‘ nicht nicht enthalten. Es wurde als 27. Märchen in die Zweitauflage aufgenommen, herausgegeben (Vorwort-Datierung) am 3. Juli 1819.

Die Geschichte ist schnell zusammengefasst: vier Tiere laufen fort, Hahn, Katze, Hund und Esel. Ihre Besitzer glauben sie taugten – abgearbeitet  wie sie sind – nichts mehr, seien zu alt. Nun sollen sie getöten werden. Der Esel hat die Idee, es in Bremen als Stadtmusikanten zu versuchen. Und die anderen drei willigen ein – denn ‚etwas Besseres als den Tod finden wir allemal‘ („etwas Besseres als den Tod findest du überall“). Der Hahn, zögernd, doch vom Kochtopf bedroht, wird überzeugt mit den Worten

„Zieh lieber mit uns fort, wir gehen nach Bremen, etwas Besseres als den Tod findest du überall; du hast eine gute Stimme, und wenn wir zusammen musizieren, so muss es eine Art haben.“

die Bremer Stadtmusikanten Plastik Gerhard Marcks 1953
Die Bremer Stadtmusikanten, Plastik von Gerhard Marcks (1953), Rathaus Bremen (Foto 2015)

Die Geschichte findet – es ist ein Märchen – ihr Happy End: Auf dem Weg entdecken die Vier ein altes Räuberhaus. Das sie kurzerhand gemeinsam übernehmen, erfolgreich verteidigen und dort bleiben.

Eine Fabel über tierische Hausbesetzer des 18. Jahrhunderts sozusagen, Autonomie oder die erste bekannte Alten-WG …

Die Bremer Stadtmusikanten – Plastik von Gerhard Marcks 1953

Die von dem Bildhauer Gerhard Marcks realisierte Bronze-Plastik Die Bremer Stadtmusikanten wurde am 30. September 1953 aufgestellt (auf dem Marktplatz, unweit des Roland von Bremen). Zuvor war es zu heftigen Auseinandersetzungen um Kosten und Größe gekommen. Inzwischen steht sie unter Denkmalschutz.

Ein Zweitguß der Plastik steht seit 1973 in Cambridge (Massachusetts) im Busch-Reisinger-Museum der Harvard University.

In Bremens Partnerstadt Riga steht seit 1990 eine von Christa Baumgärtel realisierte Plastik Die Bremer Stadtmusikanten, gestiftetet von der Freien Hansestadt Bremen. Sie interpretiert die Plastik von Marcks.

etwas Besseres als den Tod finden wir allemal - die Bremer Stadtmusikanten
etwas Besseres als den Tod finden wir allemal – die Bremer Stadtmusikanten

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Etwas Besseres als den Tod finden wir allemal - die Bremer Stadtmusikanten, Mosaik, Bremen Hauptbahnhof
Etwas Besseres als den Tod finden wir allemal – die Stadtmusikanten, Mosaik, Bremen Hauptbahnhof

der Roland von Bremen

Er gilt als ältestes erhaltenes steinernes Exemplar seiner Art – der Roland von Bremen aus dem Jahr 1404.

Der Bremer Roland ist eigentlich älter als die heute bekannte Figur. Bereits aus dem Jahr 1366 ist bekannt, dass in der Nacht vom 28. auf den 29. mai eine damals hölzerne Roland-Figur verbrannte. 1404 wurde sie aus Kalkstein neu geschaffen und auf dem Marktplatz (und damit gegenüber dem Bremer Dom) aufgestellt – der Roland von Bremen.

Roland von Bremen im Dezember 2015
Roland von Bremen im Dezember 2015

Seit 2004 ist der Bremer Roland in das UNESCO Welterbe aufgenommen. Bereits seit 1973 steht er unter Denkmalschutz.

Dter Bremer Roland vor dem rathaus im Juli 2019

Rolandstatuen gelten als Symbol für Statdrechte und bürgerliche Freiheiten. Sie sind in zahlreichen Städten Nord- und Ostdeutschalnds zu fidnen, so z.B. der Roland von Wedel, der Roland von Quedlinburg oder der Roland von Brandenburg.

Weisse Rose Hamburg – Denkmal in Hamburg Volksdorf

Die Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus Weiße Rose entstand in München 1942 um die Studenten Hans und Sophie Scholl und Alexander Schmorell. Im ersten Halbjahr 1943 wurde die Gruppe aufgedeckt, zahlreiche Mitglieder ermordet.

Bereits ab 1942 engagierten sich auch in Hamburg zwei Gruppen von Studenten und Eltern gegen das NS-Regime. Die Münchner Gruppe um die Geschwister Scholl hatte starke Impulse in die Hamburger Gruppe. Auch wenn sie älter ist, wird die Hamburger Gruppe oft als Hamburger Weiße Rose bezeichnet.

Weiße Rose Hamburg

Die Weiße Rose Hamburg umfasste ungefähr 50 Personen. Ab 1943 wurde die Gruppe unter anderem vom Gestapo-Spitzel Maurice Sachs ausspioniert. Er war wesentlich an der Aufdeckung der Widerstandsgruppe beteiligt. Sachs, französischer Schriftsteller der in Hamburg lebte, war früher Sekretär von André Gide und eng mit Jean Cocteau befreundet.

Der Name ‚Weiße Rose Hamburg‘ wurde von den Mitgliedern der damaligen Gruppe selbst nicht verwendet. Er entstand erst nach Kriegsende (vermutlich erstmals 1948 vom VVN verwendet).

Denkmal Weiße Rose Hamburg Volksdorf

Der damalige Ortsausschuss-Vorsitzende von Volksdorf Dr. Martin Meier-Siem (SPD) erreichte 1977, dass ein Platz in der nach Verlegung des Ferck’schen Hofes neu gestalteten Mitte Volksdorfs sowie das angrenzende Einkaufszentrum nach der Weißen Rose benannt wurden.

Zudem wurde eine Skulptur bei dem Hamburger Maler und Bildhauer Franz Reckert (1914 – 2004) in Auftrag gegeben. Die über 2 Meter hohe weiße Muschelkalk-Skulptur wurde am 1. Juni 1978 eingeweiht.

Denkmal Weisse Rose in Hamburg Volksdor

Meier-Siem erinnerte sich 1977 an die Beweggründe für die Benennung:

„Wir entschieden uns schließlich dafür in dem Bewußtsein, daß die Erinnerung an die Taten und das Opfer des Kreises der Weißen Rose in der Öffentlichkeit viel zuwenig lebendig ist und daß man sie nicht wachhalten kann mit Zeichen an wenig besuchten, meist friedhofsähnlichen Gedenkstätten.“

Dr. Martin Meier-Siem 1977 in der ‚Zeit‘

1981 wurde das Denkmal ergänzt um eine Tafel mit den Namen der hingerichteten Mitglieder der Münchner Weißen Rose. 1993 wurden die Namen von acht ermordeten Mitgliedern der Hamburger Weißen Rose auf einer neuen Tafel ergänzt.

Gedenktafel am Denkmal Weisse Rose in Hamburg Volksdorf

2006/07 wurde die Skulptur während der Bauarbeiten einer Umgestaltung auf einen Bauhof ausgelagert. Seit Mai 2007 hat sie ihren neuen Standort im Eingangsbereich der Fußgängerzone. Im Januar 2012 wurde eine (blaue) Informationstafel ergänzt, die in deutscher und englischer Sprache über die Skulptur informiert.

Erinnerungen an Bremerhaven 1979 – 1982

Vom Sommer 1979 bis Sommer 1982 lebte ich in Bremerhaven (nachdem ich kurz vorher noch eine Reise nach London machte, als erste Reise alleine, im Marquee Club erstmals Clash hörte – London calling).

Ulli 1977, in der Nähe von Bad Segeberg
Ulli 1977, in der Nähe von Bad Segeberg

Bremerhaven feierte damals gerade das 150jährige Besteehn, wovon noch 2019 ein weandbild im Hauptbahnhof kündet:

1977: 150 Jahre Bremerhaven (Foto: 2019)

Die Stadt hatte damals noch nicht eine so beeindruckende Skyline wie 2019:

Bremerhaven Skyline 2019

Grund für den Umzug nach Bremerhaven: ich studierte an der dortigen Hochschule. Erinnerungen an Bremerhaven 1979 bis 1982 – an die Hochschule, an schwule und andere Kneipen, an Lieblingsorte und mein beginnendes politisches und schwulenpolitisches Engagement.

Ulli in Bremerhaven im April 1981 (Foto: U-K. Bäcker)

Die ‚Hochschule Bremerhaven‘ hatte damals ihren Hauptsitz im Gebäude der ehemaligen Seefahrtschule Bremerhaven (Bussestrasse, am Anleger der Blexen-Fähre):

Hochschule ex Seefahrtschule Bremerhaven

Die ‚Seefahrtschule Geestemünde‚ ging 1916 aus der 1879 gegründeten Navigationsschule hervor. Das heutige Gebäude wurde 1952 errichtet als Ersatz für das 1944 ausgebrannte Bauwerk. Ab 1953 begann die Kapitäns-Ausbildung, die 1960 in den Neubau an der Columbusstrasse verlegt wurde. Ab 1968 kurzzeitig Seefahrtsakademie, wurde die frühere Seefahrtsschule 1970 umbenannt in Hochschule für Nautik Bremen mit Institut Bremerhaven. Im Sommer 1973 beendeten die ersten Diplom-Nautiker ihre Ausbildung.

die ehemalige Seefahrtsschule Bremerhaven, früher Hauoptsitz der Hochschule Bremerhaven (heute AWI)

Mit der Ausflaggung einer zunehmenden Zahl von Schiffen in Billigflaggen-Staaten sank ab Mitte der 1970er Jahre die Zahl der Studienbewerber als Nautiker. Dem drohenden Abwärtstrend und der diskutierten kompletten Verlegung der Ausbildung nach Bremen entzog sich die Schule durch Entwicklung zweier neuer Studiengänge, Betriebs- und Versorgungstechnik sowie Transportwesen.

Am 1. September 1975 wurde die Hochschule Bremerhaven gegründet. Nautiker wurden noch bis 1984 ausgebildet. Im Sommer 1976 nahm der neu eingerichtete Studiengang Transportwesen seinen Betrieb auf.

Ulli 2019 auf der Blexen – Fähre, im Hintergrund das ffrühere Hauptgebäude der Hochschule Bremerhaven

Ein Jahr später, im Sommer 1977 begann ich hier das Studium, das ich im Sommer 1982 beendete.

Der Neubau auf dem Gelände der früheren Karlsburg-Brauerei (Grundsteinlegung 1983, Architekt Gottfried Böhm, Köln) wurde 1985 fertiggestellt und 1989 sowie 2005 erweitert. Derzeit hat sie etwa 3.000 Studierende.

Neben der Blexen-Fähre legten damals die ‚Butterfahrten‘ ab – manche anstrengende oder nervende Vorlesung schwänzten wir, indem wir eine kurze einstündige Tour mit dem Butterschiff in die Wesermündung machten, zollfrei Alkohol und Tabak kaufen …

Etwas südlich von Bremerhaven lebte mein ‚Lieblings-Prof‘, bei dem ich auch meinen Abschluss machte. Vom direkt vor seinem Haus liegenden Deich blickte man – direkt auf das gegenüber liegende ‚Kernkraftwerk Unterweser‘ aka AKW Esenshamm.

Wohnungen

Ulli Januar 1982
Ulli Januar 1982

Nach einem ersten selbst gemieteten Zimmer in Delmenhorst kurz nach meinem 18. Geburtstag war Bremerhaven ein großer Schritt in ein Leben auf eigenen Füßen. Er begann mit einem Zimmer in der Grazer Straße – über einer Großraum-Disco …

ex Tivoli Bremerhaven

In diesem Gebäudekomplex Tivoli an der Grazer Straße befand sich seit 1927 ein Groß-Kino, das mit zeitweise 1.261 Plätzen größte Kino von Bremerhaven: das Tivoli. Nach Ausbombung am 18.9.1944 wurde es am 16. April 1949 neu eröffnet. Im Saal gastierten u.a. Heinz Erhard (1954), Caterina Valente (1955) sowie Zarah Leander, Marika Rökk, Evelyn Künnecke, Peter Frankenfeld und Charlie Rivel. Am 2. April 1964 wurde das Tivoli geschlossen.

Im Saal des Tivoli befand sich später die Großraum-Discothek Christopher of Bremen (danach auch: Mayflower / ab 1985 bis 5.4.1995 Enterprise), die Platz für über 2.000 Gäste bot.

Tivoli – Komplex Bremerhaven Grazer Strasse 2019, früher Kino später Grpßraum-Discothek


Seit 2018 arbeitet Beate Kühnau, die Betreiberin der bereits seit 1982 bestehenden Bar Blattlaus und nach Versteigerung neue Besitzerin des Gebäudes, an einem Konzept zur Reaktivierung des Tivoli

In diesem Komplex hatte ich mein erstes Zimmer in Bremerhaven – ganz oben (siehe Foto). Es war laut, an Wochenenden extrem laut. Die Musik der Discothek Christopher of Bremen war nicht zu überhören.

Ich wohnte nicht lange hier, zog bald mit einem Komilitonen in eine WG, später dann in meine erste eigene Wohnung.

Erdgeschoß unten rechts – hier war mein erstes WG-Zimmer in Bremerhaven …

Ausgehen in Bremerhaven

Wally / Alte Bürger

Es war schon bald etwas wie mein zweites Wohnzimmer in Bremerhaven, das Wally in der früheren Kaiserstraße, Alte Bürger – die damals insgeamt eine große Ausgeh-Zone und Kneipen-Meile war.

Das Wally war ein ganz eigenes Biotop, hier trafen sich Popper und Punker, Ökos und Rest-Hippies, Stammgäste. Ein weitgehend friedliches Miteinander verschiedenster Subkulturen, tanzen trinken …

Wally-Wirt und Musiker Mick (i.e. Rolf) Kaiser hatte das Wally 1976 vom namensgebenden Wirt Wally übernommen. Und machte daraus schon bald eine über Bremerhaven hinaus bekannte Jugendkneipe mit Kult-Status.

1989 kam das Ende des Wally – zumindest für Gäste, Angestellte und Au0enstehende trotz gelegentlich grassierender Gerüchte völlig unerwartet. Auf Betreiben einer Bank und einer Brauerei wurde die Schließung des Wally in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar 1989 zwangsweise durchgesetzt. In den folgenden Tagen kam es zu massiven Protesten, Demonstrationen mit über 1.000 Teilnehmer_innen und Krawallen sowie einer kurzzeitigen Besetzung („ohne Wally gibt’s Krawally“). Sie blieben erfolglos, das Wally ist seit dem 6. Januar 1989 nur noch Geschichte – und längst zum Mythos geworden.

Rolf Kaiser eröffnete das Wally zwar am 14. Mai 1989 in der Rickmersstraße 45 neu – doch erfolglos (Schließung am 23. September 1990). Ein weiterer Wiederbelebungsversuch ehemaliger Mitarbeiter scheiterte 1991 ebenfalls …

Bremerhaven Alte Bürger / Standort des ehemaligen Wally

Micky Kaiser, im Januar 1946 in Wesermünde geboren, war Sänger, Bassist und Komponist. Er spielte in zahlreichen Bands (als erste die „Raggamuffins“, später „Soulbeats“, „Just us“, „Cravinkel“ / Album „Heuhafen“).

Kaiser studierte Pädagogik in Oldenburg, bevor er 1976 das Wally übernahm (über dem auch seine große Wohnung lag). Nach der Schließung des Wally ging Kaiser zurück nach Oldenburg, arbeitete als Jugend- und Drogenberater. Rolf ‚Mick‘ Kaiser starb am 9. Februar 1997 in Oldenburg.

„Das war keine Kneipe – das war das Leben!

Micky Kaiser über das Wal ly

Gabys ‚Vacuum’…

Hier verbrachten wir viele ungezählte Nächte, Liebslingsbeschäftigung nachdem Gaby die Bar offiziell geschlossen hatte: Cocktails erfinden – einer hinter der Theke mixte was ihm gerade einfiel, alle mussten trinken … Die Folgen waren umwerfend …

ehemaliges Vacuum

Atlantis Kino, Hafenstraße 144

Das Atlantis Kino in der Hafenstrasse in Bremerhaven verbinde ich ganz besonders mit einem Film – der Rocky Horror Picture Show. Diesen Film sah ich hier unzählige Male, und nicht nur als ‚braver Kinobesucher‘, sondern mit Bier, Reis werfend und mit singend … Diese Vorführungen waren Feste …

Das Atlantis Kino wurde am 18. April 1954 in der Hafenstraße 144 (erste Etage im damaligen Hotel Norddeutscher Hof) eröffnet. Das Kino für maximal 250 Gäste galt damals als ein Kino „im Stil eines kleinen Studios“.

Das Atlantis Kino wurde 2002 geschlossen. Nach der Schließung des Aladin Kinos war es bis zur endgültigen Schließung im April 2007 noch einmal in Betrieb.

Das Gebäude wurde 2012 abgerisen, hier befindet sich 2019 ein Parkplatz.

schwule Kneipen in Bremerhaven – Karls ‚Minerva‘

Meine ersten Schritte in schwule Welten war ich schon in Oldenburg gegangen. In Oldenburg besuchte ich 1978 auch zum ersten Mal eine Schwulenbar. In Bremerhaven war die Auswahl nicht größer als in Oldenburg, und – nicht eben erfreulich für einen jungen Mann …

Karls Minerva war etwas besonderes. Eine einfache Eck-Kneipe mit langgezogenem Tresen, dahinter ein zweiter Gastraum mit Billard. Und Karls Minerva lag, wie das Gildestübchen, bei meinen ersten beiden Wohnungen in Bremerhaven gleich um die Ecke …

Karl, der Wirt, war damals wohl in seinen 50ern. Und ein echter Grantler. Karl konnte unbequem sein, laut, und wen er nicht mochte, dem zeigte er dies deutlich. Aber Karl war gleichzeitig auch ‚eine Sele von Mensch‘

Dieses Weihnachten 1980 habe ich in bleibender Erinnerung. An dem Abend, an dem das Foto mit mir im Minerva entstand, überzeugte mich Karl. Nein, er faltete mich regelrecht zusammen. Ich solle mich mal zusammenreissen, Weihnachten nicht alleine in ’ner Kneipe rumhängen sondern – zu meinen Eltern fahren und ihnen endliuch sagen das ich schwul bin. Am nächsten Tag machte ich mich auf den Weg … Karl sei dank … 😉

schwule Kneipen in Bremerhaven – Gildestübchen

Eigentlich war es … mir anfangs echt unangenehm, das Gildestübchen. Ältere Herren saßen am Tresen, tranken Bier ohne ein Wort zu sagen. Dazu Musik aus der Jukebox. Betrat ein junger Mann das Lokal, setzte sich ebenfalls an die Theke, hatte er bald ein oder zwei oder drei Bier vor sich stehen, offeriert von freundlich erwartungsvoll dreinschauenden Herren. Und noch vor dem ersten Schluck mindestens eine Hand auf dem Obverschenkel oder ..

Auch wenn ich oft im Gildestübchen war (nun ja, es gab eben in Bremerhaven nicht viel Alternativen) – genau Situationen wie diese waren für mich einer der Gründe, 1981 eine Gruppe mit zu gründen (die SAB Schwule Aktion Bremerhaven, für die ich auch mein erstes Flugblatt schrieb), in der sich Schwule anders begegnen, und aktiv werden könnten

Und außerdem gab es in Bremerhaven gottseidank gut besuchte Klappen

Straßenbahn Bremerhaven

In meinen Bremerhavener Jahren gab es sie noch, die Straßenbahn von Bremerhaven. 1982 stellte sie ihren Dienst ein.

Bereits 1881 bekam Bremerhaven eine Pferdebahn – elektrifiziert ab 1908 als Straßenbahn. Im Jahr 1949 fuhtren 6 Straßenbahn-Linien in Bremerhaven. Nach 101 Jahren war dann am 30. Juli 1982 endgültig Schluß – die letzte Straßenbahn-Linie wurde auf Busbetrieb umgestellt. Über eine Wiedereinführung der Straßenbahn Bremerhaven wurde merhfach diskutiert – bisher ohne positives Ergebnis.

Reste der ehemaligen Straßenbahn von Bremerhaven sind heute noch zu entdecken – bei einer Zugfahrt von Bremerhaven nach Bremervörde. Dort stehen im Bahnhof von Heinschenwalde (Hipstedt) drei Wagen der ehemaligen Straßenbahn Bremerhaven:

drei Wagen der früheren Straßenbahn Bremerhaven 2019 im Bahnhof Heinschenwalde

Die Wagen werden hier seit 2010 übergangsweise bis zu einer Sanierung aufbewahrt durch den Verein Bewahrung der historischen Werte Bremerhavens e. V..

von Bremerhaven nach Hamburg

Schon bald entdeckte ich, Bremerhaven hatte gerade in schwuler Hinsicht halt sehr wenig zu bieten, Hamburg für mich. Oft fuhr ich mit meinem froschgrünen Fiat …

Ulli mit seinem froschgrünen Fiat 127, auf dem Land in der Nähe von Bremerhaven

Meist aber nahm ich den Zug. Bis Anfang der 1990er Jahre gab es zunächst eine Verbindung von Bremerhaven über Bremervörde nach Stade, von dort weiter nach Hamburg, bedient mit Schienbus.

Schienenbus „wie damals“, 2019 EVB Bahnhof Bremervörde

Bald aber gab es zu akzeptablen Zeiten ab Bremervörde nur noch den Bahnbus, und am 25.9.1993 wurde der Personenverkehr Bremervörde – Stade endgültig eingestellt. Seitdem besteht eine Verbindung der EVB (die die Strecken übernommen hat) über Buxtehude.

Seit 17. September 2018 setzt die EVB auf der – nicht elektrifizierten – Verbindung zwei Fahrzeuge Alstom Coradia iLint ein. Zum ersten Mal weltweit werden hier im öffentlichen Linienverkehr Brennstoffzellen – Schienenfahrzeuge (Vorserienfahrzeuge im Pilotbetrieb) im Regelbetrieb eingesetzt.

Brennstoffzellen-Antrieb: Alstom Coradia iLint 2019 im Bahnhof Bremervörde

Thieles Garten

… gab’s damals noch nicht. Jedenfalls nicht zugänglich als öffentlichen Park. Inzwischen aber schon – und: sehr sehenswert!

Thieles Garten in Bremerhaven / Ringer vor dem maurischen Haus
Thieles Garten / Jüngling neben dem maurischen Haus

SCHWUSEL unabhängige Zeitung der schwul-lesbischen Jugend Hamburgs (1982 / 1983)

Ab Mitte 1980 existierte in Hamburg eine Gruppe für junge Lesben und Schwule: SCHWUSEL.

Schwusel hatte auch eine eigene (kleine) Zeitung „SCHWUSEL – unabhängige Zeitung der schwul-lesbischen Jugend Hamburgs“ . Hier die Cover der Ausgaben 1982 (2) sowie 1 bis 4 aus dem Jahr 1983:

Schwusel Zeitung Ausgabe 2 / 1982 (Format A4)
Schwusel Zeitung Ausgabe 1 / 1983 (Format A5)
Schwusel Zeitung Ausgabe 2 / 1983 (Format A5)
Schwusel Zeitung Ausgabe 3 / 1983 (Format A5)
Schwusel Zeitung Ausgabe 4 / 1983 (Format A5)

Antifa – Veranstaltungsreihe SchuLZ Köln 1989 / 1990

In den Jahren 1989 und 1990 organisierte die glf-Politgruppe im Schwulen- und Lesbenzentrum SchuLZ in Köln eine Veranstaltungsreihe zum Thema Antifaschismus.

Zur Veranstaltungsreihe wurde begleitend eine Dokumentation Gewalt gegen Schwule und Lesben – Nährboden für Faschismus? (1989) erstellt. Im Umfeld wurde der Aufkleber verwendet Stoppt die braune Gefahr – Schwule und Lesben gegen Nazis.

An die Auftaktveranstaltung am 31. August 1989 sowie eine Gedenkveranstaltung am 1. September schlossen sich folgende (von mir mit organisierte und moderierte) Veranstaltungen an

  • 6. September 1989: Günter Dworek: Gewalt gegen Schwule – Nährboden für Faschismus
  • 4. Oktober 1989: Hartmut Meyer: Faschismus – was ist das?
  • 8. November 1989: Margret feit: Faschismus und die ‚Neue Rechte‘ heute
  • 4. Dezember 1989: Hans-Georg Stümke: Schwule im Nationalsozialismus
  • 24. Januar 1990: Ilse Kokula: Lesben im Nationalsozialismus
  • 7. Februar 1990: Brocher et al.: Befreiung ’45 – Hoffnung und Realität
  • 17. März 1990: Georg Roth: Wohnstübchen oder Politikbüro?
  • 4. April 1990: Claudia Roth: Strategien im Umgang mit Faschismus
  • 9. Mai 1990: Christiane Hoß: Intoleranz, Ausgrenzung, Diskriminierung – unser altäglicher Faschismus

Sämtliche Veranstaltungen fanden im Schwulen- und Lesbenzentrum SCHULZ in Köln statt.

Naturschutzgebiet Höltigbaum

Das Naturschutzgebiet Höltigbaum im Nordosten Hamburgs ist heute eines der größen Naturschutzgebiete Hamburgs. Teile des Naturschutzgebiets gehören zu Schleswig-Holstein (Stapelfeld Kreis Stormarn).

Das heutige NSG Höltigbaum wurde bis 1992 militärisch genutzt.

Umnittelbar an das Naturschutzgebiet Höltigbaum grenzen zwei weitere Naturschutzgebiete an: das Stellmoorer Tunneltal sowie das Ahrensburger Tunneltal.

Der Name Höltigbaum soll zurückgehen auf einen bis Mitte des 19. Jahrhunderts existierenden Gutshof an der L222, der als Zollstation mit einem Schlagbaum ausgestattet war.

Geschichte des Naturschutzgebiets Höltigbaum

Bis 1930 wurde die Landschaft des heutigen Naturschutzgebiets Höltigbaum landwirtschaftlich genutzt.

1930 wurde es in einen Standort-Übungsplatz umgewandelt und von 1937 bis 1945 sowie von 1958 bis 12992 militärisch genutzt, zuletzt ab 1959 durch die Panzergrenadierbrigade 17 (Boehn-Kaserne in Hamburg – Rahlstedt; 1993 aufgelöst).

1995 wurde die Aufgabe des Militärstandorts bekannt gegeben.

Der Teil des heutigen NSG Höltigbaum im Landkreis Stormarn steht seit 1997 unter Naturschutz, der Hamburger Teil seit 1998. Betreut wird es durch den Naturschutzbund, den Verein Jordsand, die Schutzgemeisnchaft Deutscher Wald, die Stiftung Natur im Norden sowie durch Naturschutzamt Hamburg und Forstamt Wandsbek.

Außer den Panzerstraßen ist auf dem Gelände heute von der militärischen Infrastruktur kaum noch etwas erhalten.

Höltigbaum – Erschießung von Deserteuren 1945

Die ab 1. Januar 1934 wieder eingeführte Militärjustiz fällte in Hamburg in der NS-Zeit Hunderte von Todesurteilen. An 225 Männern und zwei Frauen wurde die Todesstrafe vollstreckt. Die meisten wurden mit dem Fallbeil enthauptet (Untersuchungsgefängnis Holstenglacis) oder erschossen (Schießplatz Höltigbaum). Neben Soldaten gehörten zu den Verurteilten auch Kriegsgefangene und Zivilisten. Überwiegender Verurteilungsgrund war ‚Fahnenflucht‘.
Besonders viele Todesurteile wurden in den letzten Monaten vor der Kapitulation Deutschlands gefällt

Ende des Zweiten Weltkriegs wurden auf dem Schießplatz Höltigbaum zahlreiche Deserteure und Fahnenflüchtige erschossen. Nur 5 Tage vor Eintreffen britischer Truppen am 3. Mai 1945 fand am 28. April 1945 die letzte Erschießung von Deserteuren durch ein Kommando der Wehrmacht auf dem Schießplatz Höltigbaum statt.

In der Nähe des ehemaligen Exekutionsplatzes (Neuer Höltigbaum Ecke Sieker Landstraße) befindet sich seit 5. September 2003 eine kleine Gedenkstätte für die Soldaten, die sich dem weiteren Kriegsdienst für die NS-Gewaltherrschaft verweigerten und dafür verfolgt und getötet wurden.

Diese Tafel war bis 2015 die einzige Form des Gedenkens an die Ermordung von Deserteuren in Hamburg. Im November 2015 wurde der Gedenkort für Deserteure und andere Opfer der NS-Militärjustiz in der Innenstadt am Stephansplatz nahe Dammtor eingeweiht.

Gedenktafel ehemaliger Schiessplatz Höltigbaum

Später wurde eine Informationstafel ergänzt (siehe Infoseite bei Gedenkstätten in Hamburg):

Informationstafel zum Schiessplatz Höltigbaum

Stolperstein Höltigbaum für Herbert Klein

Seit 26. September 2019 erinnert an der Gedenktafel Höltigbaum auch ein Stolperstein an ein Opfer der NS- Militärjustiz. Herbert Klein (1922 – 1945), der von der Ostfront zurück aus Genesungsurlaub nicht mehr zu seiner Einheit zurück kehrte, wurde wegen ‚Fahnenflucht‘ als Deserteur verurteilt und kurz vor Kriegsende am 10. März 1945 auf dem Schießplatz Höltigbaum ermordet.

Hambrug Rahlstedt Höltigbaum / Stolperstein für Herbert Klein, Opfer der NS- ;ilitärjustiz

Naturschutzgebiet Höltigbaum – Fotos Februar 2019

Naturschutzgebiet Höltigbaum – Blick Richtung Stellmoorer Tunneltal
Naturschutzgebiet Höltigbaum – Lauf der Wandse
Naturschutzbgebiet Höltigbaum
NSG Höltigbaum
Galloway – Rinder im NSG Höltigbaum

Stoppt die braune Gefahr – Schwule und Lesben gegen Nazis

“ Stoppt die braune Gefahr – Schwule und Lesben gegen Nazis ! “ – diesen Aufkleber verwandten wir 1989 / 1990 unter anderem im Umfeld der Veranstaltung „Gewalt gegen Schwule und Lesben – Nährboden für Faschismus?“ und der Antifa-Veranstaltungsreihe.

Stoppt die braune Gefahr – Schwule und Lesben gegen Nazis ! (Aufkleber, 1999)

Die Veranstaltung „Gewalt gegen Schwule und Lesben – Nährboden für Faschismus?“ organiserte die glf– Politgruppe (in der ich mitarbeitete). Sie war Auftakt einer Veranstaltungsreihe Antifaschismus mit mehreren Veranstaltungen in den Jahren 1989 und 1990 im Schwulen- und Lesbenzentrum SCHuLZ in Köln.

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Es ist mir heute nicht mehr möglich herauszufinden, wer von uns wie an der Erstellung dieses Aufklebers beteiligt war. Sollte jemand meinen Rechte daran zu haben, bitte ich um Kontaktaufnahme.