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Hamburg

Wasserflugplatz Altona (1925 – 1926)

Ab 1925 verband der Wasserflugplatz Altona das noch nicht zu Hamburg gehörende Altona mit Dresden. Heute erinnert fast nichts an die Wasserfluglinie an der Elbe.

Max Brauer, seit 1924 Oberbürgermeister von Altona (damals noch selbständig), eröffnete am 10. August 1925 die Wasserfluglinie, die ‚Blaue Linie‚ nach Dresden. Um 12:45 Uhr startetet der Pilot mit einer F-13 der Dessauer Flugzeugwerke Junkers mit Namen ‚Wildente‘ vom Ponton auf der Elbe Richtung Dresden. Nach einer Zwischenlandung in Magdeburg erreichte er um 16:45 Uhr das Ziel Dresden- Johannistadt.

Der Regelflugbetrieb wurde bereits ab dem nächstem Tag aufgenommen. zweimal täglich außer sonntags verkehrte je ein Flugzeug zwischen Altona und Dresden. Die Fluggäste (maximal 4 pro Flug) wurden mit einem Ruderboot zum in der Elbe verankerten Start-Ponton übergesetzt. Zusätzlich zu den Passagieren wurde (wenig) Gepäck, Zeitungen und Luftpost befördert.

Der Flugpreis betrug pro Person zwischen 90 und 100 Mark. Die Flugtickets erwarben die Fluggäste in einer Holzbaracke. Diese ist heute noch erhalten – in dem Gebäude befindet sich seit den 1990er Jahren ein Ausflugslokal, seit 2017 die ‚Bücke 10 im Strandhaus‘, zuvor seit 1991 die ‚Elbkate‘.

Wasserflugplatz Altona – früheres Gebäude, heute ‚Bücke 10 im Strandhaus‘

Die Linie Altona – Dresden war erst die zweite Wasserfluglinie auf dem Kontinent (nach Danzig – Stockholm). Für Altona war sie von besonderer Bedeutung, hatte Altona (damals preußisch) doch im Gegensatz zu Hamburg keinen Flughafen.

Die Wasserfluglinie Altona – Dresden wurde 10. August 1925 bis zum Sommer 1926 betrieben.

Bereits am 11. November 1925 wurde der Luftpost-Verkehr eingestellt, damit entfiel auch die finanzielle Unterstützung durch die Reichspost. Mit Ende der Sommersaison 1926 endete der gesamte Wasserflugzeug-Betrieb vom Wasserflugplatz Altona. Grund war die zu niedrige Passagierzahl. Insgesamt fanden nur 134 Flüge statt, es kam häufig zu Flugausfällen aufgrund von Elbhochwasser oder Eisschollen.

Zudem startete im Sommer 1926 eine Landflug-Verbindung zwischen Dresden und dem nur 15 km entfernten Flughafen Hamburg- Fuhlsbüttel.

Der Aufschwung der zivilen Luftfahrt geht so an Altona vorbei. Die kurze Geschichte des Wasserflugplatzes Altona fand nach gut einem Jahr Betrieb ein Ende.

In Erinnerung an die einstige Blaue Linie flog am 12. August 1995 (75. Jahrestag der Eröffnung) ein Wasserflugzeug vom ehemaligen Wasserflugplatz Altona nach Dresden.

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Deutschland Kulturelles

Grabstätte Familie Jahn – Entwurf Hans Henny Jahnn

Nahe der Christianskirche in Hamburg Altona befindet sich die Grabstätte Familie Jahn:

Grabstätte Familie Jahn Entwurf Hans Henny Jahnn
Grabstätte Familie Jahn (Entwurf: Hans Henny Jahnn), Hamburg Altona

Hans Henny Jahnn entwarf 1919 / 1920 diese Grabstätte mit drei Bögen aus Granit für seine Familie (seine Mutter). Die Grabstätte befand sich ursprünglich auf dem Friedhof Stellingen. In Stellingen (seit 1937 zu Hamburg, seit 1951 Bezirk Eimsbüttel) kam auch Hans Henny Jahnn 1894 zur Welt (Högenstr. 61).

Hans Henny Jahnn, geboren als Jahn, verwendete ab seinem 18. Lebensjahr das ‚doppelte n‘ in seinem Nachnamen.

Jahnn selbst war beim Umbau der Orgel der Christianskirche 1928/29 als Orgelsachverständiger beratend tätig.

Sie wurde erst am 17. Dezember 1994 nach Altona auf den Hof der Christianskriche Ottensen verlegt. An die Verlegung erninnert eine Gedenkstele.

Gedenkstele zur Verlegung der Grabstätte Familie Jahn

Das Grab von Hans Henny Jahnn befindet sich nicht hier (Altona), sondern auf dem Friedhof Nienstedten.

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Deutschland

Ratzeburg

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Ratzeburg Dominsel im Ratzeburger See, Juni 2021 (von links nach rechts: A. Paul Weber Museum, Kreismuseum, Ratzeburger Dom)

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Der in Wedel (Holstein) geborene Bildhauer und Schriftsteller Ernst Barlach lebte ab Herbst 1876 bis 1884 in Ratzeburg , wo er auch beigesetzt ist.

Dem Grafiker A. Paul Weber (1893 – 1980) ist in Ratzeburg ein Museum gewidmet.

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Deutschland

Fernsehturm Steinkimmen 1956 – 2017

Der Fernsehturm Steinkimmen – das ist für mich vor allem Erinnerung an meine Kindheit, und an einen Spielplatz …

Am 6. August 1956 begann der Sender Steinkimmen (Gemeinde Ganderkesee, südöstlich von Oldenburg), das „Erste Deutsche Fernsehen“ (NDR) für den Bereich Bremen / Oldenburg auszustrahlen. Bereits seit Herbst 1955 war an der Sendeanlage gearbeitet worden.

Fernsehturm Steinkimmen - Sender Steinkimmen des Norddeutschen Rundfunks im März 2012 - DigiAndi - Eigenes Werk - Lizenz CC BY-SA 3.0
Sender Steinkimmen des Norddeutschen Rundfunks im März 2012 – DigiAndi – Eigenes Werk – Lizenz CC BY-SA 3.0

Zuvor war schon am 25. Dezember 1955 ein vorläufiger Sendebetrieb gestartet. Von einer mobilen Sendeanlage wurde Hörfunk über UKW ausgestrahlt. Der Turm begann mit 5 Stunden täglichem Sendebetrieb in zwei Zeitblöcken.

Der rot weiß gestrichene Sendemast hatte ursprünglich 298 Meter Höhe bei nur 2 Meter Durchmesser. Am 31. August 1961 wurde der Mast durch eine zusätzliche Spitze erhöht auf seine endgültige Höhe von 305 Metern. Zu seiner Zeit war er das höchste Bauwerk der Bundesrepublik …

Ab Dezember 1962 wurden erste Farb-Sendungen übertragen.

Da sich eine weitere Umrüstung nicht mehr rechnete, wurde 2016 (Baubeginn 4. April) ein neuer Gittermast errichtet – der alte Fernsehturm Steinkimmen wurde obsolet.

Mitte Mai 2017 begannen die Umschaltung auf den neuen Sendeturm und die Abbau-Arbeiten des Fernsehturms Steinkimmen. Nach und nach wurden bis November 2017 Segmente mit dem Hubschrauber abgetragen.

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Den Fernsehturm Steinkimmen erinnere ich vor allem als Ausflugsziel in meiner Kindheit. Das große Staunen, dass ein so dünner Turm völlig frei nur mit ein paar Seilen stehen konnte. Und natürlich, größte Attraktionen, ein großer Spielpatz und der Kleintierzoo …

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Huntebrücke Oldenburg (1978 – 2022 ?)

Die aus dem Jahr 1978 stammende Huntebrücke Oldenburg über die Autobahn A29 soll abgerisssen und durch einen Neubau ersetzt werden. Der Baubeginn der neuen Huntebrücke Oldenburg ist für das Jahr 2022 geplant, Fertigstellung 2026.

Huntebrücke Oldenburg
Huntebrücke über die Bundesautobahn 29.Luftaufnahmen Oldenburg (Oldenburg), mit Weiterflug nach Westen; 1500 Fuß Flughöhe; Juli 2010; Originalfoto bearbeitet: Tonwertkorrektur und Bild geschärft mit Hochpassfilter – Bin im Garten – Lizenz CC BY-SA 3.0

2022 soll mit dem Abriß der alten Huntebrücke Oldenburg begonnen werden. Grund: den zunehmenden Belastungen durch den Schwerlastverkehr wird die bestehende Brücke auf Dauer nicht mehr standhalten können. Bereits jetzt besteht ein LKW- Überholverbot.
Nach dem Abriss wird ein Ersatzbauwerk realisiert.

Huntebrücke über die A29 in Oldenburg, Mai 2020
Huntebrücke über die A29 in Oldenburg, Mai 2020

Ersatzbauwerk – das bedeutet die vorhandene Autobahnbrücke wird weitgehend abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Vorhandene Unterbauten der alten Huntebrücke (Widerlager, teilweise Pfeiler etc). sollen voraussichtlich für die neue Brücke weiterhin genutzt werden.

Pfeiler der Huntebrücke, Oktober 2020

Allerdings wird die neue Brücke nur noch von 14 statt bisher 36 Pfeilern getragen werden. Der Pfeiler- freie Bereich über der Hunte wird von 55 m auf 77 m verbreitert.

Der Auftrag für die Planung wurde im März 2019 vergeben. Die Baukosten werden auf ca. 50 Mio. € geschätzt.

Die ersten Vorbereitungen für Abross udn Neubau begannen im Herbst 2021. Der Abriss der alten Brücke ist derzeit für 2023 geplant.

Den Bau der neuen Huntebrücke veranschaulicht folgendes Video:

1978 wurde die derzeitige Huntebrücke in Bornhorst errichtet und am 1. November 1978 eingeweiht. Sie ist 441 m lang und 30 m hoch und Teil der Autobahn 29 (Jadelinie). Die Kosten beliefen sich auf 18 Mio. DM.
Die bisherige Brücke sind eigentlich zwei Brücken: je Fahrtrichtung steht ein eigenständiges Brücken-Bauwerk.

Die Autobahn 29 und insbesondere die Huntebrücke beseitigten ab 1978 ein Nadelöhr – zuvor wurde der gesamte Verkehr Richtung Nordwesten durch die Stadt geführt.

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Gute Nachricht für Fußgänger und Radfahrer: der Fußgänger-Steg (Kloster Blankenburg – Bornhorst), der beim Bau der Brücke auf Wunsch und Kosten der Stadt Oldenburg zusätzlich errichtet wurde (untergehängt gebaut), wird auch bei der neuen Brücke mit gebaut.

Huntebrücke Oldenburg
Blick vom Fußgängersteg der ‚alten‘ Huntebrücke Richtung Oldenburg, November 2020

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Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr: A29 Huntebrücke

Bestandsmodell der (alten) Huntebrücke

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Deutschland

Johann Ludwig Mosle, Initiator des Hunte – Ems – Kanals

Johann Ludwig Mosle war Oldenburger Diplomat, Offizier und Minister. Mosle gilt als Mit- Initiator des Hunte – Ems – Kanals. Aus dem Hunte – Ems – Kanal entstand durch Ausbau ab 1922 der Küstenkanal, der am 28. September 1935 in Betrieb genommen wurde.

Johan Ludwig Mosle wurde am 2. Januar 1794 in Varel geboren. Nach Besuch des Gymnasiums in Oldenburg studierte Mosle Jura in Straßburg. Antifranzösisch und national eingestellt, machte er im oldenburgischen Militär Karriere, wurde 1843 Oberst.

1848 Gesandter des Deutschen Bundes in Frankfurt am Main, wurde Mosle bald Vertreter der ‚kleindeutschen Lösung‘. 1849 schloss er in Berlin den Vertrag über den Beitritt Oldenburgs zum Dreikönigs-Bündnis von Preußen, Hannover und Sachsen ab. 1849 übernahm er die Leitung des Oldenburger ‚Außenministeriums‘.

Johann Ludwig Mosle starb am 24. Oktober 1877 in Oldenburg. Sein Grab befindet sich auf dem Gertrudenfriedhof in Oldenburg.

Grab von Johann Ludwig Mosle auf dem Gertrudenfriedhof in Oldenburg
Grab von Johann Ludwig Mosle auf dem Gertrudenfriedhof in Oldenburg

Hunte – Ems – Kanal

Der Hunte – Ems – Kanal verlief von Oldenburg (Abzweig nahe dem Hunte Wasserkraftwerk) bis Barßel. Die Bauarbeiten begannen am 22. September 1855. Am 1. Oktober 1893 war mit dem Durchstich bei Kampe der Kanal fertiggestellt. Durch die Realisierung einer neuen 29 km langen West-Strecke bis zur Ems entstand der Verlauf, der dem heutigen Küstenkanals entspricht.

Der Hunte – Ems – Kanals sollt sowohl der Anbindung Oldenburgs an die Seefahrt dienen, als auch vornehmlich der Entwässerung und Erschließung von Moorgebieten.

Das alte Aussehen des Hunte – Ems – Kanals kann noch heute erlebt werden: auf dem Elisabethfehn-Kanal. Bereits 1935 wurde dieser frühere Nord – Süd – Ast des Hunte – Ems – Kanals für den Durchgangsverkehr außer Betrieb genommen. So hat sich hier das Aussehen des alten Hunte – Ems – Kanals weitgehend original erhalten. Mit vier Holzschleusen (handbetrieben) und sechs Klappbrücken ist er zudem der letzte durchgängig befahrbare Fehnkanal in Deutschland.

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Eisenbahn Klappbrücke Oldenburg

Die Eisenbahn Klappbrücke Oldenburg überquert die hier 60m breite Hunte. Sie steht unter Denkmalschutz.

Eisenbahn Klappbrücke Oldenburg
Eisenbahn Klappbrücke Oldenburg

Die Brücke dient den beiden Bahnstrecken OldenburgBremen und Oldenburg – Osnabrück. Erbaut wurde sie 1946 bis 1954 nahe dem Bahnwasserturm Oldenburg als Ersatz für die 1945 zerstörte Drehbrücke aus dem Jahr 1866. Sie ist für Zugverkehr (zweigleisig, seit Elektrifizierung 1982 mit Oberleitung) sowie Fußgänger und Radfahrer.

Bhanwasserturm und Klappbrücke vom Zug aus gesehen

Technisch ist die Eisenbahnklappbrücke Oldenburg eine Schwingbrücke Rollklappbrücke nach dem System Scherzer (William Donald Scherzer 1858 – 1893, us-amerikanischer Ingenieur) mit Antrieb am Drehpunkt und Drehlager über Zahnschiene.

Blick auf die Zahnschiene

Zwei jeweils 20m breite Durchfahrten für Schiffe können unabhängig voneinander hydraulisch gesteuert werden können. Der Öffnungs-Winkel beträgt 86 Grad. Die Brücke gehört der Deutschen Bahn und wird gesteuert von einem Stellwerk nördlich direkt an der Brücke.

Blick auf Stellwerk und Klappbrücke

Die Osternburger Klappe (Klappe 2) wurde bereits am 26. Juli 1952 erstmals gehoben, 1953 Klappe 1 (Bahnhofs-Seite). Hergestellt wurde die Brücke von MAN (Gustavsburg).

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Deutschland

Wilhelm Heinrich Schüssler in Oldenburg

Ab 1831 lebte der Begründer der Schüßler-Salze, der homöopathische Arzt Wilhelm Heinrich Schüssler in Oldenburg. Dort starb er 1898.

Wilhelm Heinrich Schüßler wurde am 21. August 1821 in Bad Zwischenahn geboren. 1831 kam er nach Oldenburg. Am 1. März 1855 wurde er – laut wikipedia.de ‚ohne Abgabe einer Dissertation, ohne Leistungsnachweise und in Abwesenheit‚ promoviert zum Dr.med.

Sein Antrag auf Zulassung als Arzt wurde aufgrund fehlender Studienbelege sowie fehlenden Abiturs abgelehnt. Nach Reifeprüfung am Alten Gymnasium in Oldenburg bestand er schließlich 1857 die Staatsprüfung mit ‚hinlänglich gut‚.

Am 2. Januar 1858 erhielt Schüßlert die Zulassung zur Niederlassung als Arzt (‚Concession zur medicinischen, chirurgischen und geburtshülflichen Praxis‚) in Oldenburg mit der Zusicherung, nur als homöopathischer Arzt tätig zu werden.

An dem Haus, in dem sich Schüßlers Praxis in Oldenburg befand, erinnert eine Plakette an ihn:

Schüßler in Oldenburg - Gedenktafel an einem Wohnhaus in Oldenburg  Kurwickstrasse
Schüßler in Oldenburg – Gedenktafel an einem Wohnhaus in Oldenburg Kurwickstrasse 23

„In diesem Hause begann im Jahre 1857 Dr.med. Schüßler * 21.8.1821 + 30.3.1898 sein Lebenswerk: ‚Biochemie‘ (natura in minimis maxima)“.

Schüßler entwickelte in den 1870er Jahren eine ‚Therapie‘ der Behandlung vrschiedener Krankheiten mit homöopathisch zubereiteten Salzen (12, später 11 ‚Schüßler-Salze‚). 1874 veröffentlihcte er hierüber ‚Eine abgekürzte Therapie, gegründet auf Histologi und Cellular-Pathologie‚.

Am 30. März 1898 starb der Junggeselle Wilhelm Heinrich Schüssler in Oldenburg an den Folgen eines Schlaganfalls. Bis zu seinem Tod hatte er praktiziert. Sein befindet sich auf dem Gertrudenfriedhof in Oldenburg .

Grab von Wilhelm Heinrich Schüssler auf dem Gertrudenfriedhof in Oldenburg

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Oldenburger Landesbibliothek digital:
Wie urtheilt man in Oldenburg über die Homöopathie?„, Dr. Schüßler 1861

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Für die Wirksamkeit der Schüßler-Salze existiert kein Wirksamkeitsnachweis, der wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Sie können dennoch über Apotheken und Internet erworben werden.

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Hamburg

Michel Foucault in Hamburg

Der französische Philosoph Michel Foucault hielt sich in Hamburg 1959 / 1960 auf und war dort Direktor des Institut francais. Seit 2019 erinnert daran eine Gedenktafel.

Ab Ende September 1959, sein Vater war kurz zuvor (14.9.) gestorben, lebte Michel Foucault in Hamburg. Gerade erst 33 Jahre alt, wurde er vom 1. Oktober 1959 bis 30. September 1960 Direktor des im März 1951 gegründeten Institut francais in Hamburg.

Michel Foucault am 30. Oktober 1974 in Brasilien – Ciclo de conferências do filósofo francês Michel Foucault, no Hospital das Clínicas da Universidade do Estado da Guanabara (UEG) – Public domain / Arquivo Nacional Collection

Foucault lehrte in dieser Zeit an der Universität Hamburg am Romanischen Seminar und arbeitete an seiner Kant– Übersetzung (‚Anthropologie in pragmatischer Hinsicht‘, später Thèse complémentaire der Promotion und 1964 veröffentlicht). Und er schloß hier seine Doktorarbeit (Thèse principale der Promotion in Philosophie) ab, bald darauf publiziert unter dem Titel ‚Histoire de la Folie‘ (deutsch: Wahnsinn und Gesellschaft; publiziert mit der Vorwort- Datierung ‚Hamburg, 5. Februar 1960‘).

Bereits nach kurzer Zeit verließ Michel Foucault Hamburg wieder – die Universität von Clermont-Ferrand hatte ihm eine Stelle mit Aussicht auf eine Professur angeboten (die er am 1. Oktober 1960 auch antrat) … Foucaults Durchbruch als Philosoph nahm in Frankreich seinen Anfang … und er lernt Daniel Defert kennen, seinen Partner bis zu seinem Lebensende …

Seit 12. Juni 2019 erinnert eine Gedenktafel am Eingang des Institut francais in Hamburg an Foucaults Zeit dort:

Gedenktafel für Michel Foucault am Eingang des Institut francais in Hamburg seit 2019
Gedenktafel für Michel Foucault am Eingang des Institut francais in Hamburg

Foucault in Hamburg

Foucault brachte bedeutende französische Intellektuelle seiner Zeit am Institut francais nach Hamburg – und trat in zum Teil engen Dialog mit deutschen Intellektuellen und Denkern.

Den französischen Philosophen Roland Barthes (1915 – 1980) lernte Foucault bereits im Dezember 1955 kennen, beide verband eine lebenslange enge Freundschaft. Foucault holte Barthes während seiner Zeit am institut francais zu Vorträgen nach Hamburg.

Alain Robbe-Grillet lud er Ende 1959 zu einem Vortrag ein, ebenso den Schriftsteller Pierre Gascard.

Foucault ließ im Juni 1960 das Stück ‚L’ecole des veuves‚ von Jean Cocteau am Institut aufführen.

Foucault selbst hielt im Mai 1960 im Institut eine Vortrag ‚Apollinaire et l’art moderne‚.

Er traf mehrfach den Schriftsteller Rolf Italiaander, der sich auch für die Rechte Homosexueller einsetzte, und dessen Partner Hans-Ludwig Spegg. Gemeinsame ‚St. Pauli Bummel‘ folgten. Italiaander (der Foucault 1959 bei einem Vortrag im Institut kenenn lernte) war damals ‚Ständiger Sekretär‘ der Freien Akademie der Künste‘. Foucault regte Italiaander zu einer Ausstellung über afrikanische Kunst an, zeigte Kupferstiche junger Afrikaner im Institut. Auch nach seiner Zeit in Hamburg hielt Foucault Kontakt mit Rolf Italiaander. „Unsere Begegnung, die erste, stand unter dem Zeichen von H. H. Jahnn.“

„Hamburg sollte stolz sein, daß ein so resoluter Denker wie Foucault hier gewirkt hat.“

Rolf Italiaander, Besinnung auf Werte – Persönlichkeiten in Hamburg nach dem Krieg (Hamburg 1984)

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Foucault, der auch in Austauch mit der französischen Homophilen-Bewegung der Zeit (André Baudry (1922 – 2018) und desen Gruppe Arcadie) war, entdeckte in seiner Zeit in Hamburg auch das schwule Leben der Stadt, besonders in St. Pauli.

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„In Hamburgs Kultur-, Wissenschafts- oder Schwulengeschichte hat sein Aufenthalt gar keinen Niederschlag gefunden.“

Rainer Nicolaysen 2016

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zu Foucaults Zeit in Hamburg siehe

Rainer Nicolaysen: Foucault in Hamburg – Anmerkungen zum einjährigen Aufenthalt 1959/60. in: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, 2016

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Hamburg

Sklavenhandel in Hamburg

Kaufleute und Reeder aus Hamburg wie Altona waren am Sklavenhandel beteiligt. Allen voran: Heinrich Carl Schimmelmann.

Im europäischen Kolonialismus war Hamburg eines der Zentren (wie die Ausstellung ‚Grenzenlos – Kolonialismus, Industrie und Widerstand‘ im Museum der Arbeit 2020 gut aufzeigt). Anders als Bordeaux, das eine der Metropolen des Sklavenhandels war, hatte Hamburg im Sklavenhandel allerdings selbst eine kleinere Rolle.

Sklavenhandel war in Hamburg verboten – doch im nahen Altona war er erlaubt. Vieles wurde so über Dänemark und das nahe Altona ‚abgewickelt‘ oder aus Hamburg finanziert. ‚Sklavenschiffe‘ waren im Hamburger Hafen wohl nie zu sehen – dennoch ist die Rolle Hamburgs im und als Profiteur des Sklavenhandel nicht unbedeutend.

Reeder aus Hamburg und aus Altona (damals unter dänischer Verwaltung, erst seit 1937 zu Hamburg) waren im transatlantischen Dreieckshandel aktiv.

Hamburg war aber auch Lebensort zahlreicher Sklaven – unter anderem, wie auf zahlreichen Gemälden zu sehen, als Personal und Diener in so mancher Elbvilla.

Anders als andere Städte hat Hamburg seine Geschichte von Kolonialismus und Sklaverei bisher wenig aufgearbeitet.

Heinrich Carl von Schimmelmann (1724 – 1782)

Der Kaufmann, Sklavenhändler und Sklavenbesitzer Heinrich Carl von Schimmelmann war zu seiner Zeit einer der reichsten Männer Europas. Er war zugleich Finanzberater des Königs von Dänemark und wurde 1779 in den Grafenstand erhoben. Wandsbek damals Teil des Herzogtums Holstein, Lehen des Königs von Dänemark.

Hauptbeteiligt am Sklavenhandel in Hamburg - H. C. Schimmelmann, Portraitbüste von Hartmann Beeken, 1780
H. C. Schimmelmann (Portraitbüste des dänischen Bildhauers Hartmann Beeken, 1780)

Schimmelmann besaß vierzehn Schiffe, vier (vom Staat Dänemark erworbene) Baumwoll- und Zuckerrohr-Plantagen im damaligen Dänisch-Westindien (seit 1917: us-amerikanisches Außengebiet Jungferninseln) und bis zu 1.000 Sklaven. Jedem seiner Sklaven wurde das Zeichen ‚BvS‘ (für Baron von Schimmelmann) auf eine der beiden Brusthälften gebrannt. Schimmelmann war Dänemarks größter Sklavenhändler.

„Sclaven-Handel liegt mir am Herzen“

Heinrich Carl von Schimmelmann
Stammbaum Familie Schimmelmann, Schloss Ahrensburg, 20. Jhdt.

Schloss Ahrensburg – Familiensitz Schimmelmann 1759 – 1932

Von der Familie von Rantzau erwarb H. C. Schimmelmann 1759 das Schloß von Ahrensburg (Wasserschloss, erbaut zwischen 1570 und 1585) sowie 1762 vom König Dänemarks das Gut Wandsbek.

Schloss Ahrensburg, 1759 - 1932 im Besitz der Familie Schimmelmann
Schloss Ahrensburg, 1759 – 1932 im Besitz der Familie Schimmelmann

Schloss Ahrensburg war bis 1932 im Besitz der Familie Schimmelmann (Auszug 1934). 1932 war sie aus finanziellen Gründen zum Verkauf gezwungen.

Familienwappen Schimmelmann, Ahrensburger Schloss
Familienwappen Schimmelmann, Ahrensburger Schloss

Anschließend erwarb es die Sparkasse des Kreises Stormarn von der Famile. 1938 übertrug sie es dem Verein Schloss Ahrensburg e.V., Ende 2002 ging es in die Stiftung Schloss Ahrensburg über.

Seit 1955 ist Schloss Ahrensburg Museum.

Hamburg gedenkt Sklavenhändler Schimmelmann

Schimmelmann wurde in Hamburg lange noch gedacht. So hieß z.B. die Weihnachts-Auführung im Museum für Kunst und Gewerbe bis zum Jahr 2016 ‚Weihnachten bei Schimmelmanns‘.

Doch auch heute noch findet sich Schimmelmann-Gedenken in Hamburg:

nach Schimmelmann benannte Straßen

In Hamburg erinnern gleich drei Straßen an die Familie Schimmelmann:

  • Der Schimmelmannstieg in Hamburg Jenfeld trägt seinen Namen seit 1945
  • Die Schimmelmannallee in Jenfeld (seit 1951)
  • Die Schimmelmannstraße in Jenfeld (Name schon vor 1864) – ausgerechnet hier sitzt seit 1994 die ‚Hamburger Tafel‘.

Zahlreiche Forderungen nach Umbenennung dieser Straßen konnten bisher nicht realisiert werden.

Schimmelmann – Denkmal in Hamburg Wandsbek 2006 – 2008

Am 12. September 2006 (!) wurde für Schimmelmann ein Denkmal in Hamburg Wandsbek eingeweiht (gegenüber dem Rathaus Wandsbek).

Nach massiven Protesten und Protestaktionen allerdings wurde die Büste im Jahr 2008 wieder demontiert (Beschluss der Bezirksaversammlung vom 8. Mai 2008).

Schimmelmann Mausoleum in Hamburg Wandsbek

Schimmelmann, 1782 in Kopenhagen gestorben, hatte in seinem Testament verfügt, in Wandsbek (seinem Lieblingsort) beigesetzt zu werden.

Schimmelmanns Mausoleum befindet sich noch heute in Hamburg Wandsbek nahe der Christuskirche:

Sklavenhandel in Hamburg - Mausoleum Schimmelmann in Wandsbek
Schimmelmann Mausoleum Hamburg Wandsbek