KZ Gedenkstätte Dachau – Homosexuelle NS-Opfer und das einst schwierige Gedenken

Seit 1995, fünfzig Jahre nach Ende der NS-Herrschaft, werden in der KZ-Gedenkstätte Dachau homosexuelle NS-Opfer mit einer Gedenktafel erinnert. Zehn Jahre zuvor war ein erster Versuch eine Gedenktafel anzubringen an Widerstand gescheitert.

Es brauchte zehn Jahre nach Fertigstellung eines Gedenksteins, bis in der KZ-Gedenkstätte Dachau Homosexuelle als Opfergruppe der NS-Herrschaft in Form eines Gedenksteins erinnert werden konnten – 1995, 50 Jahre nach Kriegsende:

Dachau Homosexuelle - die erste für die KZ-Gedenkstätte Dachau erstellte Gedenktafel an homosexuelle NS-Opfer
die erste für die KZ-Gedenkstätte Dachau erstellte Gedenktafel an homosexuelle NS-Opfer

Die Gedenktafel war bereits 1985 auf Veranlassung der Münchner Schwulengruppen VSG und HuK hergestellt worden. Doch das ‚Comité International de Dachau‘ (CID) verweigerte im Mai 1986 endgültig und ohne Begründung eine Aufstellung im Gedenkraum. Auch die Bayerische Schlösser- und Seen-Verwaltung lehnte ab.

Schon lange zuvor hatte der Bürgermeister Dachaus, Hans Zauner (CSU) 1960 gesagt

„Bitte machen Sie nicht den Fehler und glauben Sie, dass nur Helden in Dachau gestorben sind (. . . ). Sie müssen sich daran erinnern, dass viele Verbrecher und Homosexuelle in Dachau waren. Wollen Sie ein Ehrenmal für solche Leute?“

Und auf dem 1968 errichteten internationalen Mahnmal wird der Häftlinge gedacht, die aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen verfolgt wurden – nicht jedoch der Häftlinge mit schwarzem, grünem oder rosa Winkel.

Ab 1988 wurde der 1985 realisierte Gedenkstein für homosexuelle NS-Opfer als Ersatz übergangsweise im frei zugänglichen Innenhof der Evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte gezeigt. Hier hatte schon 1984 eine erste Ausstellung über die ‚Häftlinge mit dem Rosa Winkel‘ stattfinden können.

Bei der Gedenkveranstaltung zum 42. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau im Jahr 1987 kam es dann zu Protesten gegen die Ablehnung des Gedenksteins für homosexuelle NS-Opfer. Teilnehmer zeigten Transparente mit Aufschriften wie

„Wer die Verbrechen an Homosexuellen totschweigt, billigt sie letztlich.“.

Ab 1990 war als Kompromiss eine Kranzniederlegung durch schwule Gruppen bei der Befreiungsfeier möglich – solange diese auf Transparente und Plakate verzichteten.

Erst am 29. April 1995 (50. Jahrestag der Befreiung) konnte die Gedenktafel offiziell in der 1965 eröffneten KZ-Gedenkstätte eingeweiht werden – zehn Jahre nach dem ersten deutschen (und zweiten international) Gedenkstein für homosexuelle NS-Opfer, in Hamburg Neuengamme.

„Totgeschlagen – Totgeschwiegen – Den homosexuellen Opfern des Nationalsozialismus – Die homosexuellen Initiativen Münchens – 1985.“

Allerdings wurde 1995 eine zweite Fassung der Gedenktafel gehängt – der erste Stein war während der Zeit der Aufstellung im offenen Innenhof von der Witterung beschädigt worden.

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siehe auch Übersicht über die Denkmale für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

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