Bordeaux Homophobie : Bürgermeister vereinbart mit Schwulen- und Lesbengruppen Maßnahmen (akt.)

Der Bürgermeister von Bordeaux, Alain Juppé, traf sich am vergangenen Freitag 26.4.2013 mit den Vereinen von Schwulen und Lesben, um über Wege zur Bekämpfung der Homophobie in der südwestfranzösischen Stadt zu diskutieren.

Im Zuge der Debatten über die Einführung der Ehe sowie des Adoptionsrechts für Homosexuelle ist es in Frankreich an vielen Orten nicht nur zu Demonstrationen von Befürwortern und Gegnern der Homo-Ehe, sondern auch zu homophob motivierten Übergriffen und Gewalttaten gekommen, auch in Bordeaux. So wurde u.a. der Inhaber wie auch ein Gast einer Bar (‚Le Go West‘) Mitte April angegriffen (auch wenn der konkrete homophobe Hintergrund noch fraglich ist).

Alain Juppé, Bürgermeister von Bordeaux, hat in dieser Situation ein bereits seit längerem geplantes Treffen mit Schwulen- und Lesbengruppen der Stadt vorgezogen. Im Mittelpunkt: in Bordeaux Homophobie zu bekämpfen.

Alain Juppé 2008 (Foto: wikimedia / Medef)
Alain Juppé 2008 (Foto: wikimedia / Medef)

Juppé bekräftigte hierbei seine Entschlossenheit, für die Gleichheit aller einzutreten und jeglicher Form von Diskriminierung entgegen zu treten, und hierfür die notwendige technische und finanzielle Unterstützung der Stadt für das ‚Girofard‚ als Mitglied des COBADE (Comité de veille et d’action contre les discriminations et pour l’égalité) sicherzustellen.

Das Girofard ist das Schwulen- und Lesbenzentrum Bordeauxs. Das COBADE, in dem das Girofard Mitglied ist, koordiniert Aktivitäten gegen Diskriminierung. Juppé bot auf dem Treffen an, den Vorsitz der Kommission „signalement des faits discriminatoires“ (Berichterstattung über Diskriminierungsfälle) zu übernehmen.

Die Gruppen diskutierten mit Juppé die Möglichkeit, städtische Bedienstete für den Kampf gegen Diskriminierungen zu sensibilisieren. Zudem wurde die Möglichkeit eines Stadtrundgangs „Bordeaux Gay“ über die schwullesbische Geschichte der Stadt (in Zusammenarbeit mit dem Office de Tourisme) erörtert. Es wurden Möglichkeiten diskutiert, wie die Stadt das Filmfestival ‚Cinémarge‚ unterstützen könne, das jährlich anlässlich der Aktuionswoche der Aidshilfe-Organisation Aidesla semaine des sexualités“ in Bordeaux stattfindet.

Diskutiert wurde auch, welche Möglichkeiten bestehen, homosexuelle Jugendliche zu unterstützen, die von ihren Eltern wegen ihrer Homosexualität vertrieben werden. Juppé bot hier Unterstützung für das Zentrum ‚Girofard‚ an.

Zudem wurde die Einrichtung einer Kontaktgruppe vereinbart, die die Umsetzung der vereinbarten Projekte kontrollieren  sowie die Entwicklung von Homophobie in Bordeaux überwachen soll

Anlässlich des Treffens betonte Juppé erneut, er persönlich befürworte die Ehe für Homosexuelle, nicht jedoch das Adoptionsrecht. Als Bürgermeister der Stadt werde er jedoch sicherstellen, dass das nun vom Parlament verabschiedete Gesetz „in einem republikanischen Geist“ strikt angewendet werde.

Kritiker merken an, es handele sich bei den Äußerungen Juppés bisher ’nur um Ankündigungen‘, für die noch keine Finanzierung bestehe. Es bestehe kein Anlass für vorzeitigen Jubel. Zudem empfange Juppé kommende Woche auch die Gegner der Homo-Ehe. Zu besonderen Irritationen führte, dass der für Diversity und Kampf gegen Diskriminierungen zuständige Mitarbeiter der Stadt Bordeaux sich an den Kundgebungen der Gegner der Homo-Ehe beteiligt haben soll.

Der konservative Politiker (UMP) Alain Juppé ist seit 2006 wieder Bürgermeister von Bordeaux. Zudem war Juppé 2010 bis 2012 Mitglied der Regierung von Nikolas Sarkozy, zunächst als Verteidigungs-, ab Februar 2011 als Außenminister.
Juppé war bereits von 1995 bis 2004 Bürgermeister von Bordeaux als Nachfolger von Jacques Chaban-Delmas (dem Namenspatron der neuen Garonne-Brücke pont Chaban-Delmas). Juppé verlor dieses Amt damals jedoch durch Aberkennung der Wählbarkeit nach seiner Verurteilung zu einer 14monatigen Gefängnisstrafe wegen Verwicklung in eine Affäre um illegale Parteienfinanzierung.

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Aktualisierung
29.04.2013, 10:00: An dem Treffen mit dem Bürgermeister von Bordeaux nahmen neben Vertretern des Girofard Mitglieder folgender Schwulen- und Lesbengruppen aus Bordeaux teil: APGL, Les Enfants d’arc en ciel, SOS Homophobie, SNEG , LGP Bordeaux, GLIMPY, WAKE UP , GAYLIB und HES.

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France 3 Aquitaine 27.04.2013: Des mesures contre l’homophobie à Bordeaux
Le parisien 26.04.2013: Mariage : Juppé a rencontré des associations d’homosexuels
Tetu 18.04.2013: Bordeaux: le gérant et une cliente d’un bar gay agressés
Yagg 18.04.2013: Agression dans un bar gay bordelais: la motivation homophobe n’est pas confirmée

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7 Antworten auf „Bordeaux Homophobie : Bürgermeister vereinbart mit Schwulen- und Lesbengruppen Maßnahmen (akt.)“

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