Erinnerungen an Bremerhaven 1979 – 1982

Vom Sommer 1979 bis Sommer 1982 lebte ich in Bremerhaven (nachdem ich kurz vorher noch eine Reise nach London machte, als erste Reise alleine, im Marquee Club erstmals Clash hörte – London calling).

Ulli 1977, in der Nähe von Bad Segeberg
Ulli 1977, in der Nähe von Bad Segeberg

Bremerhaven feierte damals gerade das 150jährige Besteehn, wovon noch 2019 ein weandbild im Hauptbahnhof kündet:

1977: 150 Jahre Bremerhaven
1977: 150 Jahre Bremerhaven (Foto: 2019)

Die Stadt hatte damals noch nicht eine so beeindruckende Skyline wie 2019:

Bremerhaven Skyline 2019
Bremerhaven Skyline 2019

Grund für den Umzug nach Bremerhaven: ich studierte an der dortigen Hochschule. Erinnerungen an Bremerhaven 1979 bis 1982 – an die Hochschule, an schwule und andere Kneipen, an Lieblingsorte und mein beginnendes politisches und schwulenpolitisches Engagement.

Ulli in Bremerhaven im April 1981 (Foto: U-K. Bäcker)

Die ‚Hochschule Bremerhaven‘ hatte damals ihren Hauptsitz im Gebäude der ehemaligen Seefahrtschule Bremerhaven (Bussestrasse, am Anleger der Blexen-Fähre):

Hochschule ex Seefahrtschule Bremerhaven

Die ‚Seefahrtschule Geestemünde‚ ging 1916 aus der 1879 gegründeten Navigationsschule hervor. Das heutige Gebäude wurde 1952 errichtet als Ersatz für das 1944 ausgebrannte Bauwerk. Ab 1953 begann die Kapitäns-Ausbildung, die 1960 in den Neubau an der Columbusstrasse verlegt wurde. Ab 1968 kurzzeitig Seefahrtsakademie, wurde die frühere Seefahrtsschule 1970 umbenannt in Hochschule für Nautik Bremen mit Institut Bremerhaven. Im Sommer 1973 beendeten die ersten Diplom-Nautiker ihre Ausbildung.

die ehemalige Seefahrtsschule Bremerhaven, früher Hauoptsitz der Hochschule Bremerhaven (heute AWI)

Mit der Ausflaggung einer zunehmenden Zahl von Schiffen in Billigflaggen-Staaten sank ab Mitte der 1970er Jahre die Zahl der Studienbewerber als Nautiker. Dem drohenden Abwärtstrend und der diskutierten kompletten Verlegung der Ausbildung nach Bremen entzog sich die Schule durch Entwicklung zweier neuer Studiengänge, Betriebs- und Versorgungstechnik sowie Transportwesen.

Am 1. September 1975 wurde die Hochschule Bremerhaven gegründet. Nautiker wurden noch bis 1984 ausgebildet. Im Sommer 1976 nahm der neu eingerichtete Studiengang Transportwesen seinen Betrieb auf.

Ulli 2019 auf der Blexen – Fähre, im Hintergrund das ffrühere Hauptgebäude der Hochschule Bremerhaven

Ein Jahr später, im Sommer 1977 begann ich hier das Studium, das ich im Sommer 1982 beendete.

Der Neubau auf dem Gelände der früheren Karlsburg-Brauerei (Grundsteinlegung 1983, Architekt Gottfried Böhm, Köln) wurde 1985 fertiggestellt und 1989 sowie 2005 erweitert. Derzeit hat sie etwa 3.000 Studierende.

Neben der Blexen-Fähre legten damals die ‚Butterfahrten‘ ab – manche anstrengende oder nervende Vorlesung schwänzten wir, indem wir eine kurze einstündige Tour mit dem Butterschiff in die Wesermündung machten, zollfrei Alkohol und Tabak kaufen …

Etwas südlich von Bremerhaven lebte mein ‚Lieblings-Prof‘, bei dem ich auch meinen Abschluss machte. Vom direkt vor seinem Haus liegenden Deich blickte man – direkt auf das gegenüber liegende ‚Kernkraftwerk Unterweser‘ aka AKW Esenshamm.

Wohnungen

Ulli Januar 1982
Ulli Januar 1982

Nach einem ersten selbst gemieteten Zimmer in Delmenhorst kurz nach meinem 18. Geburtstag war Bremerhaven ein großer Schritt in ein Leben auf eigenen Füßen. Er begann mit einem Zimmer in der Grazer Straße – über einer Großraum-Disco …

ex Tivoli Bremerhaven

In diesem Gebäudekomplex Tivoli an der Grazer Straße befand sich seit 1927 ein Groß-Kino, das mit zeitweise 1.261 Plätzen größte Kino von Bremerhaven: das Tivoli. Nach Ausbombung am 18.9.1944 wurde es am 16. April 1949 neu eröffnet. Im Saal gastierten u.a. Heinz Erhard (1954), Caterina Valente (1955) sowie Zarah Leander, Marika Rökk, Evelyn Künnecke, Peter Frankenfeld und Charlie Rivel. Am 2. April 1964 wurde das Tivoli geschlossen.

Im Saal des Tivoli befand sich später die Großraum-Discothek Christopher of Bremen (danach auch: Mayflower / ab 1985 bis 5.4.1995 Enterprise), die Platz für über 2.000 Gäste bot.

Tivoli – Komplex Bremerhaven Grazer Strasse 2019, früher Kino später Grpßraum-Discothek


Seit 2018 arbeitet Beate Kühnau, die Betreiberin der bereits seit 1982 bestehenden Bar Blattlaus und nach Versteigerung neue Besitzerin des Gebäudes, an einem Konzept zur Reaktivierung des Tivoli

In diesem Komplex hatte ich mein erstes Zimmer in Bremerhaven – ganz oben (siehe Foto). Es war laut, an Wochenenden extrem laut. Die Musik der Discothek Christopher of Bremen war nicht zu überhören.

Ich wohnte nicht lange hier, zog bald mit einem Komilitonen in eine WG, später dann in meine erste eigene Wohnung – praktischerweisde nicht weit entfernt von meinem ‚zweiten Wohnzimmer‘, dem Wally.

Erdgeschoß unten rechts – hier war mein erstes WG-Zimmer in Bremerhaven …

Ausgehen in Bremerhaven

Wally / Alte Bürger

siehe getrennter Text Wally Bremerhaven (1976 – 1989)

Gabys ‚Vacuum’…

Hier verbrachten wir viele ungezählte Nächte, Liebslingsbeschäftigung nachdem Gaby die Bar offiziell geschlossen hatte: Cocktails erfinden – einer hinter der Theke mixte was ihm gerade einfiel, alle mussten trinken … Die Folgen waren umwerfend …

ehemaliges Vacuum

Atlantis Kino, Hafenstraße 144

Das Atlantis Kino in der Hafenstrasse in Bremerhaven verbinde ich ganz besonders mit einem Film – der Rocky Horror Picture Show. Diesen Film sah ich hier unzählige Male, und nicht nur als ‚braver Kinobesucher‘, sondern mit Bier, Reis werfend und mit singend … Diese Vorführungen waren Feste …

Das Atlantis Kino wurde am 18. April 1954 in der Hafenstraße 144 (erste Etage im damaligen Hotel Norddeutscher Hof) eröffnet. Das Kino für maximal 250 Gäste galt damals als ein Kino „im Stil eines kleinen Studios“.

Das Atlantis Kino wurde 2002 geschlossen. Nach der Schließung des Aladin Kinos war es bis zur endgültigen Schließung im April 2007 noch einmal in Betrieb.

Das Gebäude wurde 2012 abgerisen, hier befindet sich 2019 ein Parkplatz.

schwule Kneipen in Bremerhaven – Karls ‚Minerva‘

Meine ersten Schritte in schwule Welten war ich schon in Oldenburg gegangen. In Oldenburg besuchte ich 1978 auch zum ersten Mal eine Schwulenbar. In Bremerhaven war die Auswahl nicht größer als in Oldenburg, und – nicht eben erfreulich für einen jungen Mann …

Karls Minerva war etwas besonderes. Eine einfache Eck-Kneipe mit langgezogenem Tresen, dahinter ein zweiter Gastraum mit Billard. Und Karls Minerva lag, wie das Gildestübchen, bei meinen ersten beiden Wohnungen in Bremerhaven gleich um die Ecke …

Karl, der Wirt, war damals wohl in seinen 50ern. Und ein echter Grantler. Karl konnte unbequem sein, laut, und wen er nicht mochte, dem zeigte er dies deutlich. Aber Karl war gleichzeitig auch ‚eine Sele von Mensch‘

Dieses Weihnachten 1980 habe ich in bleibender Erinnerung. An dem Abend, an dem das Foto mit mir im Minerva entstand, überzeugte mich Karl. Nein, er faltete mich regelrecht zusammen. Ich solle mich mal zusammenreissen, Weihnachten nicht alleine in ’ner Kneipe rumhängen sondern – zu meinen Eltern fahren und ihnen endliuch sagen das ich schwul bin. Am nächsten Tag machte ich mich auf den Weg … Karl sei dank … 😉

schwule Kneipen in Bremerhaven – Gildestübchen

Eigentlich war es … mir anfangs echt unangenehm, das Gildestübchen. Ältere Herren saßen am Tresen, tranken Bier ohne ein Wort zu sagen. Dazu Musik aus der Jukebox. Betrat ein junger Mann das Lokal, setzte sich ebenfalls an die Theke, hatte er bald ein oder zwei oder drei Bier vor sich stehen, offeriert von freundlich erwartungsvoll dreinschauenden Herren. Und noch vor dem ersten Schluck mindestens eine Hand auf dem Obverschenkel oder ..

Auch wenn ich oft im Gildestübchen war (nun ja, es gab eben in Bremerhaven nicht viel Alternativen) – genau Situationen wie diese waren für mich einer der Gründe, 1981 eine Gruppe mit zu gründen (die SAB Schwule Aktion Bremerhaven, für die ich auch mein erstes Flugblatt schrieb), in der sich Schwule anders begegnen, und aktiv werden könnten

Und außerdem gab es in Bremerhaven gottseidank gut besuchte Klappen

Straßenbahn Bremerhaven

In meinen Bremerhavener Jahren gab es sie noch, die Straßenbahn von Bremerhaven. 1982 stellte sie ihren Dienst ein.

Bereits 1881 bekam Bremerhaven eine Pferdebahn – elektrifiziert ab 1908 als Straßenbahn. Im Jahr 1949 fuhtren 6 Straßenbahn-Linien in Bremerhaven. Nach 101 Jahren war dann am 30. Juli 1982 endgültig Schluß – die letzte Straßenbahn-Linie wurde auf Busbetrieb umgestellt. Über eine Wiedereinführung der Straßenbahn Bremerhaven wurde merhfach diskutiert – bisher ohne positives Ergebnis.

Reste der ehemaligen Straßenbahn von Bremerhaven sind heute noch zu entdecken – bei einer Zugfahrt von Bremerhaven nach Bremervörde. Dort stehen im Bahnhof von Heinschenwalde (Hipstedt) drei Wagen der ehemaligen Straßenbahn Bremerhaven:

drei Wagen der früheren Straßenbahn Bremerhaven 2019 im Bahnhof Heinschenwalde

Die Wagen werden hier seit 2010 übergangsweise bis zu einer Sanierung aufbewahrt durch den Verein Bewahrung der historischen Werte Bremerhavens e. V..

von Bremerhaven nach Hamburg

Schon bald entdeckte ich, Bremerhaven hatte gerade in schwuler Hinsicht halt sehr wenig zu bieten, Hamburg für mich. Oft fuhr ich mit meinem froschgrünen Fiat …

Ulli auf dem Land nahe Bremerhaven 1981
Ulli mit seinem froschgrünen Fiat 127, auf dem Land in der Nähe von Bremerhaven

Meist aber nahm ich den Zug. Bis Anfang der 1990er Jahre gab es zunächst eine Verbindung von Bremerhaven über Bremervörde nach Stade, von dort weiter nach Hamburg, bedient mit Schienbus.

Schienenbus „wie damals“, 2019 EVB Bahnhof Bremervörde

Bald aber gab es zu akzeptablen Zeiten ab Bremervörde nur noch den Bahnbus, und am 25.9.1993 wurde der Personenverkehr Bremervörde – Stade endgültig eingestellt. Seitdem besteht eine Verbindung der EVB (die die Strecken übernommen hat) über Buxtehude.

Seit 17. September 2018 setzt die EVB auf der – nicht elektrifizierten – Verbindung zwei Fahrzeuge Alstom Coradia iLint ein. Zum ersten Mal weltweit werden hier im öffentlichen Linienverkehr Brennstoffzellen – Schienenfahrzeuge (Vorserienfahrzeuge im Pilotbetrieb) im Regelbetrieb eingesetzt.

Brennstoffzellen-Antrieb: Alstom Coradia iLint 2019 im Bahnhof Bremervörde

Thieles Garten

… gab’s damals noch nicht. Jedenfalls nicht zugänglich als öffentlichen Park. Inzwischen aber schon – und: sehr sehenswert!

Thieles Garten in Bremerhaven / Ringer vor dem maurischen Haus
Thieles Garten / Jüngling neben dem maurischen Haus

Jürgen Zeltinger 70

Am 25. Mai 2019 wurde Jürgen Zeltinger ( Hans Jürgen Maria Zeltinger, aka de Plaat)70.

Jürgen Zeltinger kurz vor seinem 70. Gebrutstag bei einer Filmpremiere in Hamburg
Jürgen Zeltinger kurz vor seinem 70. Geburtstag in Hamburg bei der Premiere von ‚ Asi mit Niwoh – Die Jürgen Zeltinger Story‘

1979 Debut-Auftritt im Roxy in Köln (im Keller mitgeschnitten von Conny Plank)

Bekannt u.a. durch ‚Müngersdorfer Stadion‚ (August 1979), Cover-Version des Ramones – Hits ‚RockawayBeach‚ (mit Text von Arno Steffen).

Im Herbst 20196 erschien ‚Best of Zeltinger

SCHWUSEL unabhängige Zeitung der schwul-lesbischen Jugend Hamburgs (1982 / 1983)

Ab Mitte 1980 existierte in Hamburg eine Gruppe für junge Lesben und Schwule: SCHWUSEL, die sich oft in den Räumen über dem Café Tuc Tuc traf.

Schwusel hatte auch eine eigene (kleine) Zeitung „SCHWUSEL – unabhängige Zeitung der schwul-lesbischen Jugend Hamburgs“ . Hier die Cover der Ausgaben 1982 (2) sowie 1 bis 4 aus dem Jahr 1983:

Schwusel Zeitung Ausgabe 2 / 1982 (Format A4)
Schwusel Zeitung Ausgabe 1 / 1983 (Format A5)
Schwusel Zeitung Ausgabe 2 / 1983 (Format A5)
Schwusel Zeitung Ausgabe 3 / 1983 (Format A5)
Schwusel Zeitung Ausgabe 4 / 1983 (Format A5)

Antifa – Veranstaltungsreihe SchuLZ Köln 1989 / 1990

In den Jahren 1989 und 1990 organisierte die glf-Politgruppe im Schwulen- und Lesbenzentrum SchuLZ in Köln eine Veranstaltungsreihe zum Thema Antifaschismus.

Zur Veranstaltungsreihe wurde begleitend eine Dokumentation Gewalt gegen Schwule und Lesben – Nährboden für Faschismus? (1989) erstellt. Im Umfeld wurde der Aufkleber verwendet Stoppt die braune Gefahr – Schwule und Lesben gegen Nazis.

An die Auftaktveranstaltung am 31. August 1989 sowie eine Gedenkveranstaltung am 1. September 1989 schlossen sich folgende (von mir mit organisierte und moderierte) Veranstaltungen an

  • 6. September 1989: Günter Dworek: Gewalt gegen Schwule – Nährboden für Faschismus
  • 4. Oktober 1989: Hartmut Meyer: Faschismus – was ist das?
  • 8. November 1989: Margret feit: Faschismus und die ‚Neue Rechte‘ heute
  • 4. Dezember 1989: Hans-Georg Stümke: Schwule im Nationalsozialismus
  • 24. Januar 1990: Ilse Kokula: Lesben im Nationalsozialismus
  • 7. Februar 1990: Brocher et al.: Befreiung ’45 – Hoffnung und Realität
  • 17. März 1990: Georg Roth: Wohnstübchen oder Politikbüro?
  • 4. April 1990: Claudia Roth: Strategien im Umgang mit Faschismus
  • 9. Mai 1990: Christiane Hoß: Intoleranz, Ausgrenzung, Diskriminierung – unser altäglicher Faschismus

Sämtliche Veranstaltungen fanden im Schwulen- und Lesbenzentrum SCHULZ in Köln statt.

Naturschutzgebiet Höltigbaum

Das Naturschutzgebiet Höltigbaum im Nordosten Hamburgs ist heute eines der größen Naturschutzgebiete Hamburgs. Teile des Naturschutzgebiets gehören zu Schleswig-Holstein (Stapelfeld Kreis Stormarn).

Das heutige NSG Höltigbaum wurde bis 1992 militärisch genutzt.

Umnittelbar an das Naturschutzgebiet Höltigbaum grenzen zwei weitere Naturschutzgebiete an: das Stellmoorer Tunneltal sowie das Ahrensburger Tunneltal.

Der Name Höltigbaum soll zurückgehen auf einen bis Mitte des 19. Jahrhunderts existierenden Gutshof an der L222, der als Zollstation mit einem Schlagbaum ausgestattet war.

Geschichte des Naturschutzgebiets Höltigbaum

Bis 1930 wurde die Landschaft des heutigen Naturschutzgebiets Höltigbaum landwirtschaftlich genutzt.

1930 wurde es in einen Standort-Übungsplatz umgewandelt und von 1937 bis 1945 sowie von 1958 bis 1992 militärisch genutzt, zuletzt ab 1959 durch die Panzergrenadierbrigade 17 (Boehn-Kaserne in Hamburg – Rahlstedt; 1993 aufgelöst).

1995 wurde die Aufgabe des Militärstandorts bekannt gegeben.

Der Teil des heutigen NSG Höltigbaum im Landkreis Stormarn steht seit 1997 unter Naturschutz, der Hamburger Teil seit 1998. Betreut wird es durch den Naturschutzbund, den Verein Jordsand, die Schutzgemeisnchaft Deutscher Wald, die Stiftung Natur im Norden sowie durch Naturschutzamt Hamburg und Forstamt Wandsbek.

Außer den Panzerstraßen ist auf dem Gelände heute von der militärischen Infrastruktur kaum noch etwas erhalten.

Höltigbaum – Erschießung von Deserteuren 1945

Die ab 1. Januar 1934 wieder eingeführte Militärjustiz fällte in Hamburg in der NS-Zeit Hunderte von Todesurteilen. An 225 Männern und zwei Frauen wurde die Todesstrafe vollstreckt. Die meisten wurden mit dem Fallbeil enthauptet (Untersuchungsgefängnis Holstenglacis) oder erschossen (Schießplatz Höltigbaum). Neben Soldaten gehörten zu den Verurteilten auch Kriegsgefangene und Zivilisten. Überwiegender Verurteilungsgrund war ‚Fahnenflucht‘.
Besonders viele Todesurteile wurden in den letzten Monaten vor der Kapitulation Deutschlands gefällt

Ende des Zweiten Weltkriegs wurden auf dem Schießplatz Höltigbaum zahlreiche Deserteure und Fahnenflüchtige erschossen. Nur 5 Tage vor Eintreffen britischer Truppen am 3. Mai 1945 fand am 28. April 1945 die letzte Erschießung von Deserteuren durch ein Kommando der Wehrmacht auf dem Schießplatz Höltigbaum statt.

In der Nähe des ehemaligen Exekutionsplatzes (Neuer Höltigbaum Ecke Sieker Landstraße) befindet sich seit 5. September 2003 eine kleine Gedenkstätte für die Soldaten, die sich dem weiteren Kriegsdienst für die NS-Gewaltherrschaft verweigerten und dafür verfolgt und getötet wurden.

Diese Tafel war bis 2015 die einzige Form des Gedenkens an die Ermordung von Deserteuren in Hamburg. Im November 2015 wurde der Gedenkort für Deserteure und andere Opfer der NS-Militärjustiz in der Innenstadt am Stephansplatz nahe Dammtor eingeweiht.

Gedenktafel ehemaliger Schiessplatz Höltigbaum

Später wurde eine Informationstafel ergänzt (siehe Infoseite bei Gedenkstätten in Hamburg):

Informationstafel zum Schiessplatz Höltigbaum

Stolperstein Höltigbaum für Herbert Klein

Seit 26. September 2019 erinnert an der Gedenktafel Höltigbaum auch ein Stolperstein an ein Opfer der NS- Militärjustiz. Herbert Klein (1922 – 1945), der von der Ostfront zurück aus Genesungsurlaub nicht mehr zu seiner Einheit zurück kehrte, wurde wegen ‚Fahnenflucht‘ als Deserteur verurteilt und kurz vor Kriegsende am 10. März 1945 auf dem Schießplatz Höltigbaum ermordet.

Hambrug Rahlstedt Höltigbaum / Stolperstein für Herbert Klein, Opfer der NS- ;ilitärjustiz

Naturschutzgebiet Höltigbaum – Fotos Februar 2019

Naturschutzgebiet Höltigbaum – Blick Richtung Stellmoorer Tunneltal
Naturschutzgebiet Höltigbaum – Lauf der Wandse
Naturschutzbgebiet Höltigbaum
NSG Höltigbaum
Galloway – Rinder im NSG Höltigbaum

Stoppt die braune Gefahr – Schwule und Lesben gegen Nazis

“ Stoppt die braune Gefahr – Schwule und Lesben gegen Nazis ! “ – diesen Aufkleber verwandten wir 1989 / 1990 unter anderem im Umfeld der Veranstaltung „Gewalt gegen Schwule und Lesben – Nährboden für Faschismus?“ und der Antifa-Veranstaltungsreihe.

Stoppt die braune Gefahr – Schwule und Lesben gegen Nazis ! (Aufkleber, 1999)

Die Veranstaltung „Gewalt gegen Schwule und Lesben – Nährboden für Faschismus?“ organiserte die glf– Politgruppe (in der ich mitarbeitete). Sie war Auftakt einer Veranstaltungsreihe Antifaschismus mit mehreren Veranstaltungen in den Jahren 1989 und 1990 im Schwulen- und Lesbenzentrum SCHuLZ in Köln.

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Es ist mir heute nicht mehr möglich herauszufinden, wer von uns wie an der Erstellung dieses Aufklebers beteiligt war. Sollte jemand meinen Rechte daran zu haben, bitte ich um Kontaktaufnahme.

Tri-Ergon – 1919 wird in Berlin ein Verfahren für Tonfilm erfunden

Wie können stumme Bilder im Kino tönen? Drei Berliner Erfinder hatten 1919 eine Lösung – Tri Ergon. In Berlin-Wilmersdorf erinnert eine Gedenktafel an ihr ‚Laboratorium für Kinematographie‘.

Tri-Ergon – ein Begriff, der inzwischen nahezu in Vergessenheit geraten ist. Ganz anders in den 1920er Jahren. Die Anfänge des Tonfilms. In Berlin sind drei Männer ganz vorne mit dabei, bei der Entwicklung von Techniken zur Kombination von Bild und Ton.

Wie läßt sich Schall photographisch auf einem  Medium mit Bild kombinieren – zum Tonfilm? Damit beschäftigen sich in den 1920er Jahren Josef Engl, Hans Vogt und Joseph Massolle. Sie entwickeln das ‚Lichtton – Verfahren‘. Und gründen nebenbei auch noch ein Schallplattenlabel.

Tri Ergon - Gedenktafel für das 'Laboratorium für Kinematographie in Berlin'
Tri Ergon – Gedenktafel für das ‚Laboratorium für Kinematographie in Berlin‘

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Berlin Nollendorfplatz Rosa Winkel – Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

Seit 1989 hängt am U-Bahnhof Berlin Nollendorfplatz eine Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen – damals das erste Gedenken an homosexuelle NS-Opfer im Öffentlichen Raum.

Die Gedenktafel wurde am 24. Juni 1989 am U-Bahnhof Nollendorfplatz (am Ende der Motzstrasse) enthüllt. Die Gedenktafel – eine dreieckige Tafel aus rotem Granit, in Erinnerung an den ‚Rosa Winkel‘ – trägt den Text

TOTGESCHLAGEN
TOTGESCHWIEGEN
DEN
HOMOSEXUELLEN OPFERN
DES
NATIONALSOZIALISMUS

Berlin Nollendorfplatz Rosa Winkel - Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, Berlin Nollendorfplatz
Rosa Winkel – Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, Berlin Nollendorfplatz

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ex Maritim Grand Hotel Hannover

In exponierter Lage gegenüber dem ‚Neuen Rathaus‘ von Hannover entstand Anfang der 1960er Jahre am Friedrichswall 11 ein Hotel-Neubau, das spätere Maritim Grand Hotel Hannover. Es wurde zu einem Sinnbild für Betonarchitektur, für den Stil des Brutalismus der 1960er und 1970er Jahre – ‚Moderne mit neuer Urbanität‚.

ex Maritim Grand Hotel Hannover
ex Maritim Grand Hotel Hannover

Der 100 Meter lange und sieben Etagen hohe Riegel wurde in den Jahren 1962 bis 1965 erbaut nach Plänen der Architekten Apel, Beckert & Ing. Becker (ABB, Frankfurt am Main; Otto Apel (1906 – 1966), Hannsgeorg Beckert (1927 – 1978) & Gilbert Becker). Es war der erste Neubau eines Großhotels in Hannover nach dem zweiten Weltkrieg.

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KZ Gedenkstätte Neuengamme

Das KZ Neuengamme, ab 1938 zunächst als Außenlager des KZ Sachsenhausen errichtet, wurde ab 20. April 1945 aufgelöst. Aber wie kam es nach 1945 zur heutigen KZ Gedenkstätte Neuengamme ? Und warum besteht sie erst seit 2005?

1938 erwarb ein Unternehmen der SS von der Stadt Hamburg das Gelände einer ehemaligen Ziegelei – zur Errichtung eines Konzentrationslagers und Lieferung von Tonziegeln für das Elbufer, finanziert durch die Stadt Hamburg. Am 13. Dezember 1938 wurde der Betrieb aufgenommen, zunächst als Außenstelle des KZ Sachsenhausen. Hierfür brachte die SS 100 Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen nach Neuengamme. Schon ab 1940 wurde Neuengamme selbständiges Konzentrationslager und war bald das größe Norddeutschlands.

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