Gestatten, mein Name ist Teddy

Nun gut, es ist also Teddybärenwoche …

Nun, mein Teddy heißt einfach “Teddy” und hatte nie einen besonderen Namen, meine Phantasie oder Sprachbegabung reichte damals wohl noch nicht sehr weit 😉 .

Allerdings – auch heute hat Teddy immer noch seinen Ehrenplatz in der Wohnung – auch wenn er normalerweise selten am Notebook sitzt ;-) .

Ob Teddy damals schon schwul war? Keine Ahnung, hab ihn nie gefragt, auch ohne es zu wissen war er heiß geliebt. Allerdings, im Gegensatz zum gut gekleideten ‘Martin‘ war Teddy immer schon nackt … und weist einige benutzungsbedingte Flick-Spuren auf …

Und – die Familiengeschichte berichtet, Teddy sei ein geborener ‘Bärenmarke’ – einer der Werbe-Teddys, die es wohl zu der Zeit damals gab …

Plasticant – 60er und 70er Jahre Spielzeug

„plasticant®“ war ein auf Konstruktion angelegtes 70er Jahre Spielzeug – System aus Kunststoff-Teilen. Im wesentlichen bestand es aus blauen röhrenartigen Teilen, die mit gelben Kunststoff-‚Dübeln‘ verbunden wurden, sowie roten und gelben Flächen-Füllsteinen.

„Erfunden“ wurde das Systemspielzeug von dem Ungar Jenö Paksy, der es sich auch am 18. November 1958 patentieren ließ (US-Patent eingereicht 1959).

Das Spielzeug kam in Deutschland 1961 erstmals auf den Markt, produziert vom Unternehmen ‚Franken Plastik‘ in Fürth (die Rechte wurden später an einen US-Spielzeugkonzern verkauft). Die Produktion wurde 1974 eingestellt, es gibt allerdings seit 2008 ein identisches Produkt eines ungarischen Unternehmens unter dem Namen ‚Jáva‘, das auch in Deutschland vertrieben wird.

Plasticant – Fotos

Plasticant Bausteine
Plasticant Bausteine
Plasticant Schachtel, 1960/70er Jahre
Plasticant Schachtel, 1960/70er Jahre
Plasticant Bausteine
Plasticant Bausteine
Plasticant Schachtel, 1960/70er Jahre
Plasticant Schachtel, 1960/70er Jahre

plasticant oder pastikant?

Auch wenn es gelegentlich anders zu sehen ist, plasticant wurde mit “c” geschrieben (nicht ‚ plastikant ‚) … und da es “plasticant 120″ hieß, vermute ich es gab auch plasticant 60 und plasticant 163³ ???

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Kindheitserinnerungen aus plasticant

Beim weihnachtlichen Besuch in Kindheitserinnerungen gewühlt. Unter anderem nach dem Kindheitstraum aus Plasticant gestöbert.

Nein, keinen knackigen jungen Kunststoff-Technologen gefunden (obwohl, die Verpackung …). Wohl aber viele blaue und gelbe Kunststoff-Bausteine, und die Entdeckung, dass es doch einiges mehr gab an Bausteinen als ich erinnerte.

Ich muss so etwa vier oder fünf Jahre alt gewesen sein, als ich meine ersten ‘Plasticant’-Steine bekam. Sie wurden schnell mein Lieblings-Spielzeug, über Jahre. Und der Vorrat an Plastikant-Steinen wurde größer und größer. Irgendwann reichten all die Kartons nicht mehr, eine Waschpulver-Trommel (ja, Waschpulver wurde damals in riesigen runden Trommeln verkauft) wurde mit dc-fix beklebt, sah dann hübsch peppig aus (meinte mein Vater) – und hatte viel Platz für viel Plasticant.

Plasticant kennt heute leider kaum noch jemand. Plasticant war ein System aus verschiedenen Steinen, besser Bau-Elementen, die man zusammenstecken und damit alles mögliche bauen konnte.
Da gab es blauen Röhren in den verschiedensten Formen. Nun gut, groß war die Auswahl wohl nur für meine Kinder-Augen, es gab Röhren, Kreuze, T-Stücke, Ecken und Kurven, mehr (soweit ich mich erinnere) nicht. Diese Röhren konnte man mit Dübel-artigen Steckern miteinander recht stabil verbinden (hmmm, war das schon erotisch?).
Und es gab gelbe und rote Quadrate, mit denen man den Zwischenraum zwischen den Röhren, wenn man Flieger, Windmühle oder Haus fertig gebaut hatte, ausfüllen konnte.

Das Resultat war dann meist ein etwas arg bunt aussehendes ‘Etwas’ – aber immer mit viel Spaß und Spannung, denn – meiner kindlichen Phantasie waren mit Plastickant, so empfand ich es damals, wohl kaum Grenzen gesetzt. Mein Bruder hatte ‘Lego®’, das fand ich furchtbar langweilig. Und mochten andere Jungs sich später in ihrer ‘Fischer-Technik®’ austoben – ich hatte Plasticant und fand das viel toller!

Immer höher, immer gewagter konnte man bauen, das Zeug war recht stabil. Und robust – die zahlreichen Abstürze, die meine selbst entwickelten Flugzeuge und Raketen hatten, die Einstürze all der seltsamen Häuser, die Steine überlebten sie weitgehend unbeschadet.

Irgendwann wurde der Junge dann älter, die Bausteine doch langweiliger. Schließlich landeten die inzwischen zwei Waschtrommeln voll blauer, gelber und roter Steinchen erst hinten im Kleiderschrank, dann unten im Keller. Wo sie wohl heute noch stehen müssten – ich werd beim nachweihnachtlichen Elternbesuch mal kramen gehen …

Plasticant ist inzwischen meist nur noch Erinnerung, wenn überhaupt. Vielen fällt dazu nur noch der ‘Kunststoff-Technologe’ als Berufsbild ein, wie unromantisch ,-)

Plastikant übrigens gibt es heute noch – bei Ebay, als nostalgisches Spielzeug aus den 1960er Jahren. Aber ich werd meins wenn ich’s wiederfinde nicht verkaufen – zu viele schöne Kindheitserinnerungen … :-)

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Von der Nordwolle zur Bankenkrise

Wie es von der Nordwolle in Delmenhorst zur Bankenkrise kam …

Delmenhorst, ‘Tristesse in der Provinz‘. Und doch, einmal sollte Delmenhorst Geschichte machen. Eine Geschichte, die angesichts der jüngeren Entwicklungen an den Finanzmärkten (wieder) in die Zeit passt:

In Delmenhorst gab es einst ein blühendes Unternehmen, das sein Geld mit Wolle und Garnen verdiente, die 1884 von dem Bremer Kaufmann Martin Christian Leberecht Lahusen gegründete ‘Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarn-Spinnerei’ (NWK), genannt ‘Nordwolle’.

Nordwolle 2007
Nordwolle 2007

Die Besitzer, die Familie Lahusen, war (in der vierten Generation) auch äußerst geltungsbewußt – und ließ Anfang des 20. Jahrhunderts eine große Konzernzentrale in Bremen sowie ein pompöses Herrenhaus ‘Gut Hohehorst’ errichten. Beide Bauten strapazierten die Leistungsfähigkeit des Konzerns über Gebühr. Management-Fehler, Bilanzfälschungen (vorgetäuschtes Wachstum) und Weltwirtschaftskrise kamen hinzu – am 21. Juli 1931 ging die NWK in (betrügerischen) Konkurs.

Doch es sollte noch schlimmer kommen. Größter Geldgeber der NWK war die ‘Danat-Bank‘ (Darmstädter und Nationalbank). Heute ein beinahe vergessener Name, damals die zweitgrößte Bank Deutschlands. In Folge des Konkurses der NWK wurde die Danatbank zahlungsunfähig. Sie musste bereits am 13. Juli 1931 wegen Zahlungsunfähigkeit schliessen und später mit der Dresdner Bank fusionieren.

Dass die zweitgrößte Bank Deutschlands ‘einfach so’ pleite ging, erschütterte das Vertrauen der Bevölkerung in das gesamte Bankensystem massiv. Ein Run auf die Bankschalter wurde ausgelöst. Jeder wollte schnellstmöglich sein Guthaben abheben, sein mühsam erspartes Geld vor befürchteten weiteren Konkursen retten – und verstärkte dadurch die Zahlungsprobleme nur weiter. Die Bankenkrise nahm ihren Lauf …

Die Konzernzentrale der NWK in Bremen überstand die Pleite – und wurde bald zum sog. ‘Haus des Reichs‘. ‘Gute Hohehorst’ wurde unter dem Namen ‘Friesland’ eines der Heime des von der SS getragenen Vereines ‘Lebensborn‘. Auf Geltungswahn folgte noch fürchterlicherer Wahn.

Und Delmenhorst hatte seinen gehörigen Teil zur Inflationskrise beigetragen …

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Delmenhorst Tristesse in der Provinz

Besuch in der Vergangenheit – Delmenhorst Tristesse in der Provinz

Delmenhorst – einst ein halbwegs blühendes Regionalzentrum. Eine Stadt, deren Politiker und Einwohner allen Ernstes glaubten, der selbst gegebene Titel „Industriestadt im Grünen“ mache ihre Stadt liebens- und lebenswerter.

Eine Stadt, die einst von drei oder vier Industrien lebte, von Wolle (Nordwolle), Kork, Hanf und Linoleum. Industrien einer längst vergange­nen Welt, heute wenig bedeutend. Daneben geprägt war durch drei große Kaser­nen, zahlreiche Behörden und Ämter. Später dann Mode (Delmod et al.). Vergangenheit. Industrieller und politischer Wandel führten zum Niedergang auch der Stadt selbst, nicht nur ihrer Industrien und einst prägenden Strukturen.

Nur noch vereinzelte Rudimente blieben. Selbst die Ruinen der ehemaligen Werke, oft Schmuckstücke der Industriearchitektur ver­gangener Jahrhunderte, wurden weitgehend geschliffen, abgerissen, aus dem Stadtbild ver­bannt. Schamhaft fast, als gelte es die Spuren des Unvermögens städtischer Po­litik, die allzu sichtbaren Beweise des Niedergangs zu tilgen. Kreisfrei zu bleiben wurde zum größten Erfolg städtischer Politik.

Die Fußgängerzone der Kleinstadt, für die Geschichten erzählende Kaufmannshäuser und imposante Kinopalast-Fassaden weichen mussten. Anfang der 70er Jahre geschaffene einstige Zierde der ‚City’, ist diese Fußgängerzone heute kaum mehr als ein bedrückendes Abbild des Niedergangs. Eine Tristesse von Waschbetonplatten-Chic und Karstadt-Beton, dekoriert mit Glücksspielstätten, Billigläden und Fastfood-Verkauf. Größe ‚Perle’ dieser Innenstadt die Filiale einer weltweit agierenden Textilkette, die billig in Südostasien genähte Textilien teuer an trendige junge Leute verkauft.
Und ein Stückchen Flussufer, das dem Marktplatz ein wenig Charme zurück geben soll.

Delmenhorst – traurige ‘Perle der Provinz’ …

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Kleiner Nachtrag, nach sechs Jahren, 2013:
Sehe ich heute die Delmenhorster Innenstadt, den erschreckenden Leerstand, die Apathie und das Desinteresse („da kann man eh nichts machen, so ist Delmenhorst halt„), ist die Formulierung Delmenhorst Tristesse noch gelinde …

… auch wenn hier einst das Paradies meiner Kindheit war …

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Schwul altern

Alt zu werden ist ja doch ein Thema, an das wohl jeder schwule Mann irgendwann einmal sorgenvoll denkt. Ich bin froh, schon in jungen Jahren eine Bekanntschaft gemacht zu haben, die mir auch die Freuden des Alters vorlebte.

Älter werden. Jeder versucht auf seine Weise damit umzugehen. Wir rennen in die Muckibude, achten auf unsere Kleidung, laufend Trends hinterher, versuchen alles mögliche, um attraktiv zu bleiben.
Sicher, mit der Generation der BabyBoomer wird bald ein Berg an älteren Schwulen in den Szenen unterwegs sein (oder sich ins Private zurückziehen). Das Thema Jugend, (körperliche) Attraktivität wird dennoch weiter präsent bleiben, sowohl darin, wie wir wahrgenommen werden, als auch in den eigenen Präferenzen, im eigenen Selbstbild.

Bernd zeigte mir, dass im Alter auch als schwuler Mann sehr viel Wertvolles, Schätzenswertes liegen kann:

In meiner Studentenzeit lernte ich über einen Freund jemanden kennen, nennen wir ihn Bernd. Bernd war emeritierter Professor für Architektur, hatte sich in einem Bremer Vorort ein Haus gebaut, in dem er etwas zurückgezogen lebte. Ein Haus ganz Bauhaus, weitgehend im Bauhaus-Stil eingerichtet, ‘alles echt, nicht diese Nachbauten’, wie er gern betonte. Als ich ihn kennen lernte, war Bernd bereits Anfang siebzig. Wir mochten uns, bald kam ich öfter. Half ihm bei Gartenarbeiten, begegnete ihm in immer tiefer werdenden Gesprächen intensiver.

Durch Bernd lernte ich bald, dass es durchaus möglich ist, als schwuler Mann respektvoll (vor allem auch mit Respekt vor und für sich selbst) zu altern.
Durch Bernd lernte ich damals, wie schön es sein muss, alt zu sein, reif zu sein: zu wissen, wer man ist, nicht mehr durch alles und jeden verunsichert werden können, sich seiner selbst gewiss zu sein. Mit sich, seinem Leben weitgehend im Reinen zu sein. Ruhigen Herzens zu wissen, dass das eigene Leben irgendwann, irgendwann recht absehbar, zuende sein wird [was mir, als junger Mensch, damals einfach unvorstellbar schien]. Bernd war alt, manchmal mit etwas Wehmut, aber immer: selbstbewusst alt.

Durch Bernd lernte ich noch einmal mehr (wie schon früher durch Onkel Brenner, der in Kindheitsjahren fast mein zweiter Vater war), wie schön ein Gesicht eines alten Menschen sein kann. Augen, lebendig bei jeder Erinnerung, bei jeder Freude funkelnd. Mit Tränensäcken, bei denen ich mich oft fragte, für wen und wie viele Tränen diese Augen wohl vergossen haben mögen. Falten, die auch ohne Worte viele Geschichten eines bewegten, nicht immer leichten Lebens erzählten.

Bernd bezeichnete sich immer als „homoerotisch veranlagt“, nie als „schwul“ oder „homosexuell“. Nein, dieses „schw-Wort“, das sei doch so ordinär, das sei er nicht.
Natürlich ging er nur aus ‘kulturellem Interesse’ ins Theater, besonders gern ins Ballett, erste Reihe, ‘damit ich auch alles sehe’. Wir grinsten dann immer, gingen aber doch gerne mit – zumal zu Reinhild-Hoffmann – Ballettabenden. Grinsten auch, wenn er dem jungen Kellner im vegetarischen Restaurant, in dem er zweimal die Woche essen ging, mit einem warmen Lächeln ein besonders gutes Trinkgeld gab.

Sicher, es gab auch Tabu-Themen. Ganz gewiss das mit dem Sex. ‘Hat man in deinem Alter noch Sex’, hätte ich Bernd immer gerne fragen wollen. Sex war damals ein furchtbar wichtiges Thema für mich. ‘Und wenn ja, wie ist das? Wie und wo organisiert man sich den? Gibt’s den als alter Mnan nur noch für Geld?’
Doch all diese Fragen eines unwissenden lebenshungrigen jungen schwulen Mannes Anfang zwanzig blieben ungestellt, unbeantwortet. Auch wenn wir gut befreundet waren, diese Fragen hätte Bernd als einen viel zu offensiven Eingriff in seine Privat-Sphäre empfunden.

Kein Tabu-Thema hingegen war das Altern, sein Alter. Gern erzählte er von ‘damals’, auch von ‘den schlimmen Jahren’. Oft mit einem ‘ja ihr habt es ja besser heute, freut euch darüber’, manchmal sogar wehmütig. Nie aber bitter, verbittert. Er war froh, alt zu sein, litt höchstens daran, keinen Partner, keinen Freund mehr zu haben. Was er vielleicht durch einen kleinen Kreis junger Menschen, die er um sich scharte, auszugleichen versuchte.

Als ich Jahre später wieder einmal in Bremen war, stand ein anderer Name an der Türklingel. Eine Nachbarin, die ich fragte, erzählte, der Herr Bernd sei im Herbst letzten Jahres gestorben. Wo er begraben liege, nein das wisse sie leider nicht.

In meine Herzen lebt er irgendwie immer noch, in einer kleinen Ecke tief hinten. Und mit ihm lebt in mir die Erinnerung, ja, alt zu werden, alt zu sein, muss etwas sehr Schönes sein können. Er hat es mir damals vorgelebt.

Tales of Mystery

Im Zug nach Köln. ‚Tales of Mystery and Imagination’ – nach bestimmt zwanzig Jahren höre ich dieses Album von ‚The Allan Parsons Project’ wieder, und oft in den letzten Tagen. Versinke erneut in dieser Musik meiner Jugend. Stehe wie­der in einer dieser Dorf-Discos, die Rockpalast oder ähnlich hießen. Tanze, wie hypnotisiert, für mich und doch unter Freunden, jeder glück­lich und frei. Die riesige Eiche in der Mitte der Scheune, abwechselnd angestrahlt von blau grün roten Scheinwerfern [ja, war Disco-Licht noch eine einfa­che Sache, nix Lasershow]. The dream is never ending. Wie schön diese Musik wieder zu hören. Wie frappierend immer wieder das Erleben, dass einzelne Gerüche Worte Musikstücke ganze Schwälle von Erinnerungen auslösen können, Bilder die so intensiv so leuchtend vor meinem geistigen Auge stehen, dass ich beinahe glaube in ihnen zu sein, wieder der Ulli von damals, im Rockpalast, tanzend, zu den ‚Tales of Mystery and Imagina­tion’.

Diese sich immer stärker, immer pulsierender aufbauende Spannung, be­gleitet von Regen – Schauer laufen mir den Rücken runter, Spannung steigt immer mehr, beinahe unerträglich werdend, blau grün alles, dann, endlich, Stroboskop, Pulsieren, eine warme Erleichterung in Rot, eine Me­lodie die mich trägt, überströmende Glücksgefühle… könnte euch allen um dern Hals fallen …. (Rise and Fall of the House of Usher – Arrival) Tränen des Glücks stehen mir in den Augen. Endgültiger Klimax und langsame Auflösung in der ‘Pavane’ – komm, jetzt brauch ich ein Ein­becker. If my mind could be set free… Bilder von damals …