Vor 20 Jahren

Zuletzt aktualisiert am 25. März 2014 um 13:25

„20 Jahre Mauerfall“, unübersehbar, unüberhörbar ist dieses Thema derzeit omnipräsent in den Medien. Berichte à la „wie ich die Wende erlebte“ oder „“wo warst du am 9.- November?“ füllen Spalten und Sendeminuten. Wo war ich in jenen Wochen? Was bewegte mich vor 20 Jahren?

Berlin? Damals für mich weit weg, wenig interessant, es sei denn ich war beruflich dort. Viel näher: Paris. Dort, in Paris gab es einen jungen Mann, der es mir sehr angetan hatte. Mit dem bald eine große Nähe war, die in der Gemeinsamkeit des Serostatus eine weitere Dimension fand.

Ein junger Mann, der im Herbst jenes Jahres 1989 erstmals ins Krankenhaus kam. Ein Ort, den er wegen Lungenentzündungen, bakterieller Infektionen, Toxoplasmose und was Aids und seine Folgen damals alles zu „bieten“ hatten in den folgenden Monaten nur zu oft sehen, erleben müssen sollte. An dem ich ihn so oft es möglich war besuchte, mich abwechselnd mit seinem Mann um ihn kümmerte.

Diese zwölf Monate vom Herbst 1989 bis zum Herbst 1990, sie sind in meiner Erinnerung eine Zeit vieler Aufenthalte in Paris. Wenige von ihnen mit einigen unbeschwerten, glücklichen Momenten., Viele hingegen voller Sorge, Ungewissheit, Angst..

Mauerfall, Wende – all das war weit weg für mich damals. Ein mal näheres, meist eher entferntes Grummeln, das ich wohl wahr nahm, das mich allerdings nicht wirklich erreichte.
Mein Bezug war in diesen Monaten 1989 / 1990 viel weiter westlich. Viele Stunden, Tage, Wochen verbrachte ich in Paris, bei einem jungen Mann, mit dem mich so viel verband, verbindet. Bei einem jungen Mann, der zunehmend verfiel, dessen einst strahlendes jungenhaftes Lächeln zerbröselte zu einem Gesicht voller Trauer und Hoffnunglosigkeit. Am 3. Oktober 1990 starb Jean-Philippe in Paris an den Folgen von Aids.

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