Landheim Immer – Jugend-Erinnerungen

Das Landheim Immer – ein einzelnes Haus, für Selbstversorger, mitten im Wald, rings herum Bäume und Ruhe. Mitte der siebziger Jahre verbrachte ich hier viele schöne Tage und Nächte, als Mitglied und als Betreuer von Jugend- und Konfirmanden-Gruppen.

Das ‚ Landheim Immer der evangelischen Jugend Delmenhorst‘ liegt etwa 15 km von Delmenhorst (meiner Geburtsstadt) entfernt im ‚Havekoster Sand‘ (Gemeinde Ganderkesee, Landkreis Oldenburg), sehr ruhig abseits einer Straße in einem großen Waldgebiet.

Landheim Immer, Oktober 2013
Landheim Immer, Oktober 2013

Die Anfänge des ‚Landheim Immer‘ gehen zurück in das Jahr 1931 – von einer Initiative junger Erwachsener erbaut, konnte das Landheim Immer im Sommer 1931 eingeweiht werden. Seit 1966 wird es von einem Kuratorium in Selbstverwaltung betrieben. 2009 wurde eine Stiftung zum Erhalt des Landheims Immer gegründet.

Das Landheim Immer ist eher „rustikal“ eingerichtet. Es bietet 26 Betten in vier Schlafräumen, davon zwei Schlafsäle mit jeweils 10 Betten. Das Haus ist explizit ein Selbstversorger-Haus, heißt: Essen mitbringen, selbst zubereiten, Abwasch und Reinigen selbst organisieren, damals auch: selbst Holz hacken.

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Ich erinnere mich an viele Aufenthalte im Landheim Immer, Mitte der siebziger Jahre – als ich selbst Konfirmand war, später als Mitglied einer Jugendgruppe und selbst als Leiter von Jugendgruppen und Freizeiten.

Ulli 1975 im Landheim Immer
Ulli 1975 im Landheim Immer

Meine Mitarbeit in kirchlichen Jugendgruppen endete irgendwann im Jahr 1977 recht abrupt.Der zuständige Pastor wollte einem Mitglied der Jugendgruppe, in der ich selbst war, nach dessen Austritt aus der Kirche den Zutritt zu den Räumen im Gemeindehaus (in dem wir uns trafen) verbieten. Mit der Folge, dass die gesamte Gruppe sich solidarisch zeigte – wir zogen alle aus, trafen uns zukünftig (und noch für lange Zeit) privat.

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Landheim Immer

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Brenners

Vor einigen Wochen war ich in Delmenhorst, meiner Geburtsstadt, die mir längst so fremd geworden ist. Nur weniges ist mir noch nah an Delmenhorst. Darunter, ganz weit oben in der Liste der schönen Erinnerungen, Brenners – die mir ‚Paradiese der Kindheit‚ bescherten. Heute noch in mir sind.

Nun ist ihr Grab eingeebnet. Liegezeit abgelaufen. Nichts mehr erinnert dort an sie. Nichts, wo lange das zunehmend weniger gepflegte Grab war. Nur eine grüne Rasenfläche.

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Traurig. Betrübt.
Wissend um die ‚Normalität‘ des Vorgangs.
Und dass sich faktisch eigentlich nichts verändert hat.
In mir haben sie ihren Platz.

Vorbilder

Vorbilder sind etwas Seltsames. Und etwas Schönes.

Manche denken, Vorbilder seien etwas Gefährliches.
Und verwechseln vielleicht Vorbild und Idol.

Manche denken, Vorbilder seien etwas Infantiles.
Und verwechseln Popstars mit Vorbildern.

Für mich waren und sind Vorbilder etwas Wichtiges.

Ich hatte einige (wenige) ‚gelebte‘ Vorbilder in meinem Leben, und ich bin glücklich sie zu haben. Zwei oder drei möchte ich vorstellen.

Da war ‚Onkel Brenner‚.
Heute Synonym (für mich) für ‚glückliche Kindheit‚. Onkel Brenner, der eine Freude darin empfand, sich Zeit zu nehmen für den kleinen Jungen, das Leuchten in seinen Augen wahrzunehmen, hinzuhören – und ihn machen, ausprobieren zu lassen. Garten, Hühner-Hock, Werkstatt. Sein Reich, und er ließ es mich entdecken. Ließ mich auf die Beine fallen, wieder aufstehen. Ließ mich ’selber machen‘, auch mit ‚aua haben‘, und mit Trösten – und sehen, dass ‚es doch geht‘. Ließ mich Knirps lernen, dass es lohnt (mich) auszuprobieren, meinen Weg zu suchen, zu gehen.

Da war Frau O.
Eine meiner Lehrerinnen. Sie lehrte mich weniger das, was laut Lehrplan ihre Aufgabe war (obwohl sie sich redlich bemühte). Sie lehrte mich eines, das mir viel wichtiger ist als jeder Lehrplan, jede Schulstunde. Sie lehrte mich, den damals wohl etwa 14- oder 15-Jährigen, dass es möglich ist, seinen Idealen treu zu bleiben allen Widrigkeiten zum Trotz. Dass es ihn gibt, den ‚aufrechten Gang‘. Dass persönliche Integrität und Ehrlichkeit vor sich selbst zu den höchsten Werten zählen. Dass sie größer sind als all die Dinge, die uns wichtig scheinen im Leben, und die sich doch bei genauerem Betrachten oft als Oberflächlichkeiten erweisen.

Da war Horst.
Er trat in das Leben des damals Anfang 20-jährigen Studenten durch einen jungen Mann, den ich toll (seien wir ehrlich: geil) fand. Bald wurde Horst (in dem früheren Artikel ‚schwul altern‚ noch hinter ‚Bernd‚ verborgen), der damals schon emeritierter Professor und wesentlich älter war als ich, zu so etwas wie einem ‚väterlichen Freund‘. Ja, ich fand es albern, dass Horst nie das Wort ’schwul‘ in den Mund nehmen konnte. Dass er ins Ballett ging, natürlich rein der Kunst zuliebe (und doch die jungen Tänzer anhimmelte). Dass er sich höchstens als ‚homophil‘ bezeichnet haben wollte (geradezu ein Affront, eine Herausforderung für den jungen Ulli, der begann, sich schwulenpolitisch zu interessieren und engagieren).
Zu Horst hatte ich bald Vertrauen, grenzenloses Vertrauen. Ihn konnte ich alles fragen (bis auf, wie es ihm damals erging, in der Nazizeit, diese Erinnerung schmerzte ihn zu sehr). Horst war offen für all meine Fragen, unbedachten Antworten, dummen und unsicheren Bemerkungen. Und er lehrte mich ganz nebenbei, dass es möglich ist, sich selbst treu zu bleiben, ein Leben lang. Er zeigte mir durch sein Leben, was Integrität bedeutet und dass man sie leben kann.
Und Horst hinterließ mir einen besonderen Schatz. Mit ihm lernte ich zu vertrauen. Anders, als ich es bis dahin kannte. Es war irgendwann da, ich weiß nicht wann, noch warum. Irgendwann begann ich, Horst zuzuhören, auch: auf ihn, seine Erfahrung, seine Meinung zu hören, selbst dann, wenn mein Herz, mein Verstand, anderes, gar das Gegenteil sagten. Ich vertraute, weil ich erfahren hatte, dass er, wenn er wieder einmal etwas sagte, was ich nicht recht verstand (oder verstehen wollte) durchaus recht haben konnte. Verstand, nein fühlte, dass er das was ich gerade nicht hören wollte, nicht sagte um mich zu ärgern, mit den Spaß nicht zu gönnen. Nicht, um ‚den Älteren‘, ‚den Erfahrenen‘ heraus hängen zu lassen. Nicht aus unlauteren, eigensüchtigen Interessen. Sondern aus Interesse, aus Sorge, vielleicht auch aus einem liebevollen Gefühl zu mir.
Horst begegnet zu sein, diese Erfahrung machen zu dürfen, war vielleicht die wichtigste Begegnung in meinen Studienjahren.

Onkel Brenner, Frau O., Horst – sie leben längst nicht mehr. Ich erinnere mich ihrer gerne, frage mich in schwierigen Situationen ab und an, was hätte sie getan, wie hätte er mich schräg angeschaut und gesagt …?
Und – sie haben ihren Teil dazu beigetragen, dass ich geworden bin was und wie ich bin. Und zu vielem mehr.

Vorbilder? Für mich eines der Geschenke, die ich in meinem Leben empfangen habe.

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Ich solle doch auch berichten, wie mir diese Vorbilder und die Erfahrungen mit ihnen später im Leben konkret nützlich und hilfreich waren, meint Frank, um Feedback gebeten. Gute Anregung – die ich in einem späteren Post vielleicht aufgreife 🙂

Barbie schockiert – Ken schwul!

Barbie ist schockiert. Kurz vor ihrem 50. Geburtstag musste sie erfahren, das Ken schwul ist …

Barbie feiert Geburtstag. Am 9. März 2009 wird wird die Ikone von Mädchen-Klischees 50 Jahre alt. Doch vorher muss Barbie noch mit einer anderen Nachricht klarkommen …

Denn jetzt.de, die ‘junge Webseite der Süddeutschen Zeitung’, vermittelt uns zum Wochenstart Bedeutendes: Ken war schwul, Ken starb an Aids.

Ken? Welcher Ken?
Kennen Sie Barbie?
Nein, Barbie nicht, aber Ken …
… jawohl, Ken war schwul …
… sagt zumindest jetzt.de unter dem schönen Titel ‘Trivialwissen der Woche’:

“Die Puppen Barbie und Ken wurden nach den Kindern von Ruth und Elliott Handler benannt, den Gründern von Barbie-Hersteller „Mattel“. Sohn Ken fühlte sich dadurch sein Leben lang gedemütigt. Offiziell war er zwar verheiratet und hatte drei Kinder, doch nachdem er 1994 an AIDS starb, wurde seine Homosexualität bekannt.”

Ob die Barbie-Puppe das zu ihrem 50. Geburtstag (am 9. März) hören möchte?

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Ken wurde 1961 eingeführt und angeblich benannt nach benannt nach Ruth und Elliots Sohn Kenneth.

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Ken schwul, Tim schwul …was kommt bloß als nächstes?

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Hausarbeit mit Käse: so wird die Woche ab dem 12. Januar
jetzt.de / SZ online vom 11.01.2009

Tim ist schwul, fragen Sie Struppi !

Tim und Struppi, wer kennt sie nicht. ‘Klar, Tim ist schwul …’, behauptet die Times Online.

Tim und Struppi, Kindheitserinnerungen werden wach. Tim, von Geburt eigentlich “Tintin”, und sein Hund Struppi, ein geborener “Milou”, durchstreifen die Welt und gelangen in immer neue Abenteuer.

Doch – wer ist dieser Tim? Fragen sich nicht nur -zig junge und nicht mehr so junge Leser, sondern auch die Times Online. ‘Wer ist dieser androgyne Blonde mit den seltsamen Hosen und einem Schal, der seinen besten Freund, einen Seemann mittleren Alters, besucht?’, fragt sich Matthew Parris.

Matthew Parris ist nicht irgendwer. Der Journalist (geb. 1949) arbeitet u.a. für The Times und The Spectator – und war von 1979 bis 1986 Abgeordneter der britischen Konservativen.

Parris nun findet auf die Frage, wer denn dieser junge Herr Tim eigentlich sei, eine klare und eindeutige Antwort. Tim schwul?

Klar ist Tim schwul, fragen Sie doch Struppi …

Und Parris begründet sein Urteil ausführlich, beleuchtet Abstammung, Herkunft und andere Hintergründe, macht sich Gedanken über sein früheres Berufsleben und seine Karriere als Journalist und hinterfragt Tims Freundeskreis (der im übrigen in erdrückender Mehrzahl aus Männern bestehe).

Um dann zu dem Schluß zu kommen

Oh please, what more could Hergé do to flag up the subtext? Well, you say, how about a real affair of the heart, a proper gay relationship, rather than a convenient domestic arrangement with an old sailor?

Tim als Schwulen-Aktivist, das könne man von einem 1907 geborenen belgischen Katholiken nun doch nicht erwarten, aber …

Tim schwul? ‘Hab ich’s doch damals irgendwie schon gespürt’, mag der ein oder andere nun schmunzelnd denken …

Die Franzosen waren scheinbar schockiert von dem Bericht der Times. Le Figaro fragte erschreckt einen Psychologen, und der fand heraus “nein schwul, nix da. Die Figuren in ‘Tim und Struppi’ sind alle Kinder.

Of course Tintin’s gay. Ask Snowy
Times online vom 07.01.2009
(Artikel hinter Paywall – lesenswert sind auch die Kommentare unter dem Artikel …)

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Tims Geburtstag

Tim  erblickte am 10. Januar 1929 das Licht der Welt. Und heißt eigentlich, als gebürtiger Belgier, Tintin …

Erstmals tritt Tim in Erscheinung in dem Comic ‚Tintin au pays des Soviets‚ (vollständiger Titel: „Les Aventures de Tintin, reporter du ‚Petit Vingtième‘, au pays des Soviets„) des belgischen Zeichners Hergé. Als Album wird dieser Comic in Belgien erstmals im September 1930 veröffentlicht.

Allerdings erscheint ein Vorabdruck in der Zeitschrift ‚Petit Vingtième‚, der Jugendbeilage der konservativ-katholischen belgischen Tageszeitung ‚Le Vingtième Siècle‚ (erschienen 1895 bis 1940) – in den Ausgaben vom 10. Januar 1929 bis 8. Mai 1930.

Als Tims Geburtstag kann also der 10. Januar 1929 gelten, der Tag seiner Erstveröffentlichung.

Ab Oktober 1930 werden die Tintin-Comics auch in Frankreich veröffentlicht, in der (1929 gegründeten, ebenfalls katholischen) Wochenzeitschrift ‚Cœurs vaillants‚ – Tims Weltkarriere beginnt …

… und es kann vermutet werden, Tim ist schwul und katholisch …

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Nachtrag
12.01.2009: pinknews berichtet über wütende Proteste gegen Tims Outing; er sei doch so macho …

Tim ist schwul, Ken schwul …was kommt bloß als nächstes?

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Paradiese der Kindheit und von heute

Heute erzähl ich ein wenig über mich. Ein klein wenig. Mir ist gerade danach.

Ich hatte eine glückliche Kindheit. Die ersten sechs Jahre meines Lebens – kein anderer Begriff als ‘Paradies’ kommt mir in den Sinn. Meine Eltern wohnte in einer kleinen Dachgeschoss-Wohnung, draußen am Kleinstadtrand.

Onkel Brenner, mein großer Held. Der nachmittags, wenn er von der Arbeit in der Korkfabrik kam, sofort stürmisch begrüßt wurde. Schon lange hatte ich wohl am Gitter in der ersten Etage gewartet, beim ersten Geräusch seines Schlüssels in der Haustür ‘Onkel Bemmer bim bim’ gerufen. Kindlicher Sprachfehler, noch jahrelang wurde ich damit geneckt.

Sein nachmittäglicher Kaffee mit einem Stück frisch gebackenen Königskuchen, in der ‘kleinen Stube’. Danach eine Zigarre aus einer dieser tollen spannenden Holzkistchen mit den bunten Aufklebern. Mein Königreich, wenn ich auf seinem Schoss sitzen, die Welt um ihn, um mich herum lachend bestaunen durfte.

Tante Brenner, gutmütige liebe Frau im Hintergrund. Die tagsüber in der Küche stand, ich sobald ich durfte immer um sie herum, zwischen Herd Spüle und Küchentisch herumflitzend. Zum Entdecken oder Naschen gab’s immer was …

Der Kindergarten um die Ecke, mit dem damals ganz bestimmt größten Spielplatz der Welt. Und mit Tante Irene, die immer die allertollsten Dampfnudeln machte, mit heißen Sauerkirschen.

Onkel Brenner, der wenn es dann zu kalt, zu nass oder zu dunkel für den Garten war, in seine Werkstatt ging. Ein eigentümliches Reich, vollgestopft mir Regalen, Kästen und Kästchen, mit den seltsamsten Geräten und komischen Dingern. Die er mir geduldig und gutmütig alles erklärte, während er Uhren reparierte, Dinge machte die ich nicht verstand – oder mir Spielzeug baute, wie den Tunnel für die Eisenbahn.

Aber wenn und sobald es trocken war, ging es hinaus in den Garten. Durch die Waschküche, vorbei an der Werkstatt, am Außenklo. Direkt neben dem Haus stand ein Haselnusstrauch, so riesig, dass ich mich gerne darin versteckte. Daneben der Hühner-Hock mit riesigem Auslauf – und dem großen Gegacker, wenn Tante Brenner morgens die Eier holte. Der Schuppen an der anderen Seite des Gartenttors, dunkelgrün gestrichen wie die Minze, die an der schattigeren Seite wuchs, nach der im Herbst der ganze Hof so süßlich-frisch roch.

Der so unendlich groß und lang scheinende Garten. Die Karnickelställe, mit Mümmelchen und Hansi. Die immer irgendwann im Winter verschwanden, um im Frühjahr, mit etwas anderem Fell, leicht anderen Farben, wieder aufzutauchen. Die Obstbäume im Garten, Äpfel, Walnuss und Birnen, mit lustigen grün-weißen klebrigen Binden um den Bauch. Die kleinen Gräben links und rechts zu den Nachbarn. Weiter hinten, hinter Johannis- und Stachelbeer-Büschen, der Gemüsegarten. Mit lustigen bizarren Gestellen aus langen Ästen, an denen die Stangenbohnen wuchsen, daneben die Erbsen, Lauch, Kohl, Salat.

Dahinter die Bäke, letztes Spiel-Terrain vor dem verbotenen Land, großes Abenteuer Wasser-Stauen. Aber ja nicht über den Steg krabbeln! Streng verboten! Gegenüber, das gefährliche Moor. Niemals darfst du dahin, hatten die Eltern mir eingeprägt. ich war brav, hielt mich daran. Zu groß war die Angst vor den Moorleichen.

Ja, ich hatte wahrlich eine glückliche Kindheit. Meine Welt war riesengroß, vielfarbig, lebendig, und voller Zukunft.
Nur – ich hatte mein paradiesisches Riesen-Königreich für mich allein. Was ich nicht hatte, war ein Freund.

Heute, viele viele Jahre später.
Meine Welt ist immer noch recht vielfarbig, wenn auch einige Grenzen sichtbar wurden. Lebendig, und immer noch voller Zukunft. Ich habe Erinnerungen an eine glückliche Kindheit, und ein Urvertrauen an das Gute im Menschen – wohl das Geschenk, das Brenners mir für mein Leben machten.

Und ich habe ein glückliches Leben, mit einem Mann, der die Liebe meines Lebens ist – und zugleich mein bester Freund.

Für F.
Und für M., R., St. und T. die mir Freund sind.

Gestatten, mein Name ist Teddy

Nun gut, es ist also Teddybärenwoche …

Nun, mein Teddy heißt einfach “Teddy” und hatte nie einen besonderen Namen, meine Phantasie oder Sprachbegabung reichte damals wohl noch nicht sehr weit 😉 .

Allerdings – auch heute hat Teddy immer noch seinen Ehrenplatz in der Wohnung – auch wenn er normalerweise selten am Notebook sitzt ;-) .

Ob Teddy damals schon schwul war? Keine Ahnung, hab ihn nie gefragt, auch ohne es zu wissen war er heiß geliebt. Allerdings, im Gegensatz zum gut gekleideten ‘Martin‘ war Teddy immer schon nackt … und weist einige benutzungsbedingte Flick-Spuren auf …

Und – die Familiengeschichte berichtet, Teddy sei ein geborener ‘Bärenmarke’ – einer der Werbe-Teddys, die es wohl zu der Zeit damals gab …

Plasticant – 60er und 70er Jahre Spielzeug

„plasticant®“ war ein auf Konstruktion angelegtes 70er Jahre Spielzeug – System aus Kunststoff-Teilen. Im wesentlichen bestand es aus blauen röhrenartigen Teilen, die mit gelben Kunststoff-‚Dübeln‘ verbunden wurden, sowie roten und gelben Flächen-Füllsteinen.

„Erfunden“ wurde das Systemspielzeug von dem Ungar Jenö Paksy, der es sich auch am 18. November 1958 patentieren ließ (US-Patent eingereicht 1959).

Das Spielzeug kam in Deutschland 1961 erstmals auf den Markt, produziert vom Unternehmen ‚Franken Plastik‘ in Fürth (die Rechte wurden später an einen US-Spielzeugkonzern verkauft). Die Produktion wurde 1974 eingestellt, es gibt allerdings seit 2008 ein identisches Produkt eines ungarischen Unternehmens unter dem Namen ‚Jáva‘, das auch in Deutschland vertrieben wird.

Plasticant – Fotos

Plasticant Bausteine
Plasticant Bausteine
Plasticant Schachtel, 1960/70er Jahre
Plasticant Schachtel, 1960/70er Jahre
Plasticant Bausteine
Plasticant Bausteine
Plasticant Schachtel, 1960/70er Jahre
Plasticant Schachtel, 1960/70er Jahre

plasticant oder pastikant?

Auch wenn es gelegentlich anders zu sehen ist, plasticant wurde mit “c” geschrieben (nicht ‚ plastikant ‚) … und da es “plasticant 120″ hieß, vermute ich es gab auch plasticant 60 und plasticant 163³ ???

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Kindheitserinnerungen aus plasticant

Beim weihnachtlichen Besuch in Kindheitserinnerungen gewühlt. Unter anderem nach dem Kindheitstraum aus Plasticant gestöbert.

Nein, keinen knackigen jungen Kunststoff-Technologen gefunden (obwohl, die Verpackung …). Wohl aber viele blaue und gelbe Kunststoff-Bausteine, und die Entdeckung, dass es doch einiges mehr gab an Bausteinen als ich erinnerte.

Ich muss so etwa vier oder fünf Jahre alt gewesen sein, als ich meine ersten ‘Plasticant’-Steine bekam. Sie wurden schnell mein Lieblings-Spielzeug, über Jahre. Und der Vorrat an Plastikant-Steinen wurde größer und größer. Irgendwann reichten all die Kartons nicht mehr, eine Waschpulver-Trommel (ja, Waschpulver wurde damals in riesigen runden Trommeln verkauft) wurde mit dc-fix beklebt, sah dann hübsch peppig aus (meinte mein Vater) – und hatte viel Platz für viel Plasticant.

Plasticant kennt heute leider kaum noch jemand. Plasticant war ein System aus verschiedenen Steinen, besser Bau-Elementen, die man zusammenstecken und damit alles mögliche bauen konnte.
Da gab es blauen Röhren in den verschiedensten Formen. Nun gut, groß war die Auswahl wohl nur für meine Kinder-Augen, es gab Röhren, Kreuze, T-Stücke, Ecken und Kurven, mehr (soweit ich mich erinnere) nicht. Diese Röhren konnte man mit Dübel-artigen Steckern miteinander recht stabil verbinden (hmmm, war das schon erotisch?).
Und es gab gelbe und rote Quadrate, mit denen man den Zwischenraum zwischen den Röhren, wenn man Flieger, Windmühle oder Haus fertig gebaut hatte, ausfüllen konnte.

Das Resultat war dann meist ein etwas arg bunt aussehendes ‘Etwas’ – aber immer mit viel Spaß und Spannung, denn – meiner kindlichen Phantasie waren mit Plastickant, so empfand ich es damals, wohl kaum Grenzen gesetzt. Mein Bruder hatte ‘Lego®’, das fand ich furchtbar langweilig. Und mochten andere Jungs sich später in ihrer ‘Fischer-Technik®’ austoben – ich hatte Plasticant und fand das viel toller!

Immer höher, immer gewagter konnte man bauen, das Zeug war recht stabil. Und robust – die zahlreichen Abstürze, die meine selbst entwickelten Flugzeuge und Raketen hatten, die Einstürze all der seltsamen Häuser, die Steine überlebten sie weitgehend unbeschadet.

Irgendwann wurde der Junge dann älter, die Bausteine doch langweiliger. Schließlich landeten die inzwischen zwei Waschtrommeln voll blauer, gelber und roter Steinchen erst hinten im Kleiderschrank, dann unten im Keller. Wo sie wohl heute noch stehen müssten – ich werd beim nachweihnachtlichen Elternbesuch mal kramen gehen …

Plasticant ist inzwischen meist nur noch Erinnerung, wenn überhaupt. Vielen fällt dazu nur noch der ‘Kunststoff-Technologe’ als Berufsbild ein, wie unromantisch ,-)

Plastikant übrigens gibt es heute noch – bei Ebay, als nostalgisches Spielzeug aus den 1960er Jahren. Aber ich werd meins wenn ich’s wiederfinde nicht verkaufen – zu viele schöne Kindheitserinnerungen … :-)

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Gerhard Behrendt, Vater des ‘Sandmann’

Gerhard Behrendt, der ‘Vater des Sandmann’, ist am 26. September 2006 in Berlin gestorben.

1959 schuf Gerhard Behrendt, von Beruf Regisseur, Autor, Puppen- und Bühnenbildner, den ‘Sandmann‘ im Auftrag des DDR-Fernsehens DFF. Am 22.11.1959 ging der ‘Ost-Sandmann’ erstmals auf Sendung – erst am 29.10.1962 folgte ihm das West-Sandmännchen.

Beinahe 30 Jahre gab es nun ein Ost-und ein West-Sandmännchen – bis 1990 zunächst das Ost-Sandmännchen eingestellt wurde. Nicht lange – es gab zu viele Proteste. So überlebte das West-Sandmännchen noch einige Jahre in den West-’Dritten’, wurde dann aus Kostengründen eingestellt. Der Ost-’Sandmann’ landete bald heutigen RBB – wo er noch heute (wie auch auf MDR und KiKa) gesendet wird.

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Ja, ich bin ja nun mit dem West-Sandmännchen aufgewachsen. Kann mich gut erinnern, ich hab in Kindertagen jeden Morgen kontrolliert, ob da noch Sand in den Augenwinkeln ist…
Die “Ost-Konkurrenz” Sandmännchen läuft mir manchmal noch heute beim Zappen über den Weg, und manchmal schau ich ihm dann zu, mit träumerischem Blick 😉

Und für Nostalgiker: hier gibt’s das längst verblichene West-Sandmännchen – sogar mit Original-Sound…

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