Frankreich: erste Homoehe-Trauung gestört – 2 Monate Haft auf Bewährung

Zuletzt aktualisiert am 31. Januar 2018 um 17:05

Am 29. Mai 2013 heirateten Vincent Autin und Bruno Boileau in Montpellier – die erste Homoehe in Frankreich, nachdem das Gesetz erst kurz zuvor in Kraft getreten war. Ein junger Mann störte ihre Vermählungs-Zeremonie vor dem Rathaus mit homophoben Parolen, Feuerwerkskörpern und Rauchbomben, und protestierte gegen die Homoehe. Am 22. April 2014 wurde er zu einer Haftstrafe von zwei Monaten auf Bewährung verurteilt.

Die Homoehe wurde in Frankreich möglich durch das ‚Gesetz vom 17. Mai 2013‘. Durch dieses Gesetz wurde die Ehe in Frankreich auch für Personen gleichen Geschlechts geöffnet (‚mariage pour tous‘, Ehe für alle). Nach der entscheidenden Abstimmung in der französischen Nationalversammlung am 23. April 2013 wurde die erste Homoehe am 29. Mai 2013 in Montpellier geschlossen – die von Vincent Autin und Bruno Boileau, bei der der Angeklagte mit homophoben Aktionen störte.

Justizministerin Christiane Taubira und Premierminister Jean-Marc Ayrault am 23.4.2013 in der Nationalversammlung nach der entscheidenden Abstimmung über das Gesetz, das in Frankreich die Homoehe möglich machte (Foto: Ericwaltr)
Justizministerin Christiane Taubira und Premierminister Jean-Marc Ayrault am 23.4.2013 in der Nationalversammlung nach der entscheidenden Abstimmung über das Gesetz, das in Frankreich die Homoehe möglich machte (Foto: Ericwaltr, cc by-sa 3.0)

Christiane Taubira et Jean-Marc Ayrault après le vote solennel de la loi ouvrant le mariage aux couples de personnes de même sexe – Assemblée nationale – Ericwaltr –  CC BY-SA 3.0

Das Strafgericht in der südfranzösischen Stadt folgte mit dem Strafmaß den Forderungen des Staatsanwalts, der zwei Monate Haftstrafe auf Bewährung für den jungen Ingenieurs-Studenten gefordert hatte. Zudem wurde er zu einem Schadenersatz in Höhe von 3.900 Euro an einen der beiden Ehepartner verurteilt, sowie zur Zahlung von 1.300 Euro an das ‚Collectif contre l’homophobie‘ von Montpellier und 100 Euro an den ‚Lesbian & Gay Pride‘ von Montpellier.
Der Verteidiger hatte hingegen auf Freispruch plädiert und als Argument das Recht auf freie Meinungsäußerung ins Feld geführt.

In der mündlichen Verhandlung, die am 4. März stattfand, hatte der Angeklagte konkrete homophobe Beleidigungen geleugnet, aber bestätigt gegen die ‚marriage pour tous‘ demonstriert zu haben. Sicherheitskräfte identifizierten ihn als Urheber der Beleidigungen (vier weitere zuvor per Internet kontaktierte Personen beteiligten sich an der ‚Demonstration‘). Er wurde bereits kurz nach der Tat noch während der Hochzeits-Zeremonie festgenommen.

Die Störungen ihrer Hochzeits-Zeremonie blieben nicht die einzigen homophoben Attacken gegen das Paar – sie erhielten z.B. auch via Twitter Morddrohungen.

Die französische Justiz geht konsequent gegen Homophobie vor. Erst am 19.4.2014 wurde ein 21-Jähriger in Bordeaux wegen Angriff auf eine Schwulenbar zu zwei Monaten Haft, teils auf Bewährung, verurteilt.

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Liberation 22.04.2014: Deux mois avec sursis pour avoir insulté les premiers mariés homosexuels
e-illico 22.04.2014: Montpellier: Deux mois avec sursis pour ses propos homophobes lors du premier mariage gay

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