2014: Bilanz – ein Jahr Homoehe in Frankreich (akt. 3)

Zuletzt aktualisiert am 31. Januar 2018 um 17:05

Am 23. April 2013, heute vor einem Jahr, beschloß die Nationalversammlung endgültig die Einführung der Homoehe in Frankreich. Die Mehrheit der Franzosen sagt nach einem Jahr: eine gute Reform. Ein Jahr Homoehe in Frankreich – eine Zwischen-Bilanz.

Sie war eines der Prestige-Objekte der neuen französischen Regierung unter Präsident Hollande: die Einführung der Homoehe in Frankreich. Am 23. April 2013 war es soweit, die Assemblée National, die französische Nationalversammlung stimmte dem Gesetz endgültig zu, und mit deutlicher Mehrheit: 331 Stimmen Ja bei 225 Nein-Stimmen und zehn Enthaltungen.

Am 17. Mai 2013 erklärte das Verfassungsgericht das Gesetz für verfassungskonform. Das Gesetz wurde am gleichen Tag offiziell verkündet, am folgenden Tag trat es in Kraft – die Homoehe in Frankreich war am 18. Mai 2013 rechtskräftig eingeführt. Durch das ‘Gesetz vom 17. Mai 2013′ wurde die Ehe in Frankreich auch für Personen gleichen Geschlechts geöffnet (‘mariage pour tous’, Ehe für alle).
Vorher war bereits seit dem 15. November 1999 (Regierung Jospin) auch für gleichgeschlechtliche Paare der so genannte „pacte civil de solidarité“ (PACS) möglich, ein Rechtskonstrukt mit wesentlich weniger Rechten als die Eheschließung.

Der Gesetzentwurf zur Homoehe in Frankreich wurde am 7. November 2012 von Justizministerin Christiane Taubira dem Ministerrat vorgestellt und ins Parlament eingebracht. Taubira gilt als bedeutendste Verfechterin des Gesetzes, das auch als ‚loi Taubira‘ bezeichnet wird (voller offizieller Name: „Loi no 2013-404 du 17 mai 2013 ouvrant le mariage aux couples de personnes de même sexe“, Gesetzestext). Gegenüber Medien bezeichnete sie ihr Vorhaben als „Reform der Zivilisation“.

Justizministerin Christiane Taubira und Premierminister Jean-Marc Ayrault am 23.4.2013 in der Nationalversammlung nach der entscheidenden Abstimmung über das Gesetz, das in Frankreich die Homoehe möglich machte (Foto: Ericwaltr)
Justizministerin Christiane Taubira und Premierminister Jean-Marc Ayrault am 23.4.2013 in der Nationalversammlung nach der entscheidenden Abstimmung über das Gesetz, das in Frankreich die Homoehe möglich machte (Foto: Ericwaltr, cc by-sa 3.0)

Christiane Taubira et Jean-Marc Ayrault après le vote solennel de la loi ouvrant le mariage aux couples de personnes de même sexe – Assemblée nationale – Ericwaltr –  CC BY-SA 3.0

Die erste Homoehe in Frakreich wurde bereits kurze Zeit später geschlossen – am 29. Mai 2013 in Montpellier, zwischen Vincent Autin und Bruno Boileau. Ihre Trauungszeremonie wurde mit homophoben Aktionen gestört, einer der Täter wurde am 22. April 2014 verurteilt.

ein jahr Homoehe in Frankreich – Zwischenbilanz

Inzwischen kann eine erste Bilanz gezogen werden. Zwar hat das französische Justizministerium keine offiziellen Zahlen zur Homoehe in Frankreich veröffentlicht, es liegen aber Daten zur Homoehe in Frankreich 2013 vor. Etwa 7.000 mal wurde 2013 in Frankreich eine Homoehe geschlossen (bei insgesamt 238.000 Eheschließungen in Frankreich 2013).

Knapp 3 Prozent aller 2013 in Frankreich geschlossenen Ehen waren zwischen Personen gleichen Geschlechts (verkürzt Homoehe). Dies geht aus Angaben des französischen Statistik-Instituts Insee (Institut national de la statistique) hervor.

In drei von fünf Fällen seien die Eheschließenden Männer, so das Statistikamt. Im Durchschnitt seien Paare gleichen Geschlechts deutlich älter gewesen als heterosexuelle Paare, bemerkt das Statistikamt und verweist auf einen ‚Nachhol-Effekt‘, da zuvor keine Ehen zwischen Paaren gleichen Geschlechts möglich gewesen seien.

Besonders hoch ist der Anteil der Homoehen 2013 in Paris gewesen: Im gesamten Jahr betrug der Anteil der Eheschließungen von Paaren gleichen Geschlechts in Paris 15,1 Prozent. 6.849 Ehen wurden in Paris 2013 geschlossen, 1.034 davon waren zwischen Personen gleichen Geschlechts.

Für 2014 hat Paris auch schon Zahlen zu bieten: 298 gleichgeschlechtliche Paare gingen den Bund der Ehe in den ersten drei Monaten des Jahres 2014 ein (von 1.673 Paaren insgesamt). Besonders hoch lag der Anteil im ‚Schwulenviertel‘ Marais mit 40%.

In der Zeit der parlamentarischen Debatte über die Einführung der Homoehe in Frankreich 2013 kam es zu teils massiven Demonstrationen von Homoehe-Gegnern. Nach Verabschiedung des Gesetzes änderten die Homoehe-Gegner ihre Taktik teilweise, formulierten um – die bekämpfen nun eine vermeintliche ‚Familien-Feindlichkeit‘, und versuchten die Homoehe zum Thema des Kommunalwahlkampfs in Frankreich im März 2014 zu machen.

Die Organisation SOS Homophobie weist anlässlich des Jubiläums auf immer noch bestehenden Probleme hin, wie z.B. die Weigerung zahlreicher Bürgermeister, gleichgeschlechtliche Eheschließungen zu vollziehen.

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Hohe Zustimmung für Homoehe in Frankreich

Ein Jahr Homoehe in Frankreich – inzwischen äußerten in einer aktuellen Befragung 55%, die sei „eine gute Reform“ gewesen. 42% hielten dies für negativ, 3% äußerten keine Meinung. Beasonders hioch waren die Zustimmungswerte bei Anhängern linker Parteien: 81% hielten die Einführung der Homoehe für eine gute Sache.

Unwesentlich anders das Bild beim Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare: jeweils 48% halten dies für eine gute bzw. eine schlechte Reform (4% Enthaltung). Auch hier lag die Zustimmung mit 74% bei Anhängern linker Parteien deutlich höher.

Für die repräsentative Umfrage  waren am 24. und 25. April 2014 insgesamt 987 Franzosen über 18 Jahre befragt worden.

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Aktualisierung
13.11.2014: Seit Einführung der Homoehe wurden allein in Paris (von Ende Mai 2013 bis Ende Oktrober 2014) 2.204 Ehen gleichgeschlechtlicher Paare geschlossen – auf diese 17 Monate gerechnet ein Anteil von 14,25% an der Gesamtzahl der Eheschließungen in Paris.

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