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Spanien

Madrid – Museo Reina Sofia

Das Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía ( Museo Reina Sofia oder MNCARS) in Madrid wurde 1992 eingeweiht von Namenspatronin Königin Sofia und ihrem Mann Juan Carlos I. Es ersetzt das frühere Museo Español de Arte Contemporaneo.

Es zeigt auf zwei Etagen insbesondere bedeutende Werke der spanischen Avantgarde wie z. B. Joan Miró, Juan Gris, Pablo Picasso und Salvador Dalí sowie Werke zeitgenössischer Künstler wie z. B. Antoni Tàpies, Eduardo Chillida und Gerardo Rueda.

Madrid Museo Reina Sofia – Fotos 2011

Madrid Museo Reina Sofia
Madrid Museo Reina Sofia

Das Museum ist untergebracht im ehemaligen ‘Hospital General’ (Krankenhaus bis 1965), versehen mit einem Erweiterungsbau des französischen Architekten Jean Nouvel.

Das Museo Reina Sofia ist ‘Pflicht-Programm’, schon und vor allem wegen Pablo Picassos Guernica. Mein persönliches Highlight im Museo Reina Sofia: das Modell (1937/87) des Pavillons für die Weltausstellung 1937 von Josep Lluís Sert.

Die Architektur von Jean Nouvel, besonders den Anbau am Museum, muss man wohl nicht mögen. Ich empfinden den Anbau, besonders die Eingangs-Situation, als den Menschen klein machenden Gigantismus unangenehmer Art. Das Café wirkt auf mich wie ein Kunststoff-Futurismus seltsam altmodischer Anmutung, mit ein wenig Geschmack nach Orion und spaciger Sixties-Musik.

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Spanien

Escorial 5.11.2010

Nicht weit von Madrid, mit einer Fahrt mit dem Regionalzug gut erreichbar, liegt in der Gemeinde San Lorenzo de El Escorial der “Escorial” – eine Schloss- und Klosteranlage, die zwischen 1563 und 1584 auf Initiative Philipps II. von Spanien gebaut wurde.

Escorial – Fotos

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Das Schloss gilt als größter Renaissance-Bau der Welt. Es gilt als frühes Beispiel des Herrera-Stils (auch Desornamentado-Stil), der durch Nüchternheit und Prunklosigkeit gekennzeichnet ist. Benannt ist der Baustil nach dem Baumeister Juan de Herrera, der zwischen 1567 und 1586 hier arbeitete.

In der barocken Gruft des Schlosses sind nahezu alle spanischen Könige beigesetzt. Seit 1861 ist El Escorial keine königliche Residenz mehr. Die UNESCO erklärte die Schlossanlage am 2. November 1984 zum Weltkulturerbe.

Ein nüchternes Gebäude, das auf mich sehr abweisend wirkt. Eine Eintönigkeit, manchmal Düsterheit ausstrahlt, die wohl dem Naturell Philipps II. entsprochen haben könnte. Kein Ort zum Wohlfühlen, keine Spur von Heiterkeit; selbst die Natur in den nahen Gärten ist in strenge Formen gestutzt, nahezu jeglicher Liebreiz fehlt.

Monasterio de San Lorenzo
el Real de El Escorial
Patrimonia Nacional

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Köln Kulturelles

Rautenstrauch Joest Museum – Kulturen der Welt

Lange war es geschlossen, das 1906 eröffnete ehemalige ‘Museum für Völkerkunde Rautenstrauch-Joest’. Seit dem 22. Oktober 2010 ist es wieder für die Öffentlichkeit da, das neue ‘ Rautenstrauch Joest Museum – Kulturen der Welt’. Beeindruckend in Sammlung, Präsentation – und neuem Gebäude (Neubau des Braunschweiger Architekturbüros Schneider & Sendelbach).

Rautenstrauch Joest Museum – Kulturen der Welt – Fotos (2010)

Rautenstrauch-Joest-Museum - Kulturen der Welt
Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt
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Deutschland

Historisch-Technisches Zentrum Peenemünde

Technische Hochleistungen und Massenvernichtung – das Historisch-Technische Zentrum Peenemünde zeigt eindrucksvoll die Ambivalenz moderner Technik, den mit dem Leid Tausender Toter und Verletzter erkauften technischen Fortschritt, wirkt erfolgreich falscher Glorifizierung entgegen.

Peenemünde, einst einfach Name eines kleinen Örtchens am westlichen Ende der Insel Usedom, steht heute für Raketen und Raumfahrt, für Großtechnologie und Rüstungswahnsinn, für Himmel und Hölle (wie das Museum selbst schreibt).

Hier gelang 1942 der erste Start einer Flüssigbrennstoff-betriebenen Rakete ins All. In Peenemünde wurden Waffen entwickelt, die die NS-Propaganda als Wunder- oder Vergeltungswaffen bezeichnete, Waffen, die Tausenden den Tod brachten. Hier wurden die Grundlagen für die Massenproduktion von Raketenwaffen gelegt, einer Produktion, die allein in Mittelbau-Dora (einer Außenstelle des KZ Buchenwald) etwa 20.000 KZ-Häftlingen den Tod brachte.

Ein Ort, um den sich Mythen ranken.
Ein Ort mit einer schwierigen Geschichte.

Das HTZ Peenemünde sieht sich selbst als “ein Museum, das sich besonders Völkerverständigung, Toleranz und Aufklärung verpflichtet” fühlt.
2002 erhielt das Historisch-Technische Informationszentrum Peenemünde das Nagelkreuz von Coventry für seine friedensstiftende und versöhnungsfördernde Arbeit.

Fieseler Fi103 ("V1") und A4 ("V2") auf dem Außengelände des Museums
Fieseler Fi103 (“V1”) und A4 (“V2”) auf dem Außengelände des Museums
Peenemünde - die Folgen
Peenemuende – die Folgen
ehemaliges Kraftwerk - Sitz des Historisch-Technischen Informationszentrums
ehemaliges Kraftwerk Penemünde – Sitz des Historisch-Technischen Informationszentrums
Ruine des Sauerstoff-Werks
Ruine des Sauerstoff-Werks

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Italien Kulturelles

‘ Geheimes Kabinett ’ von Neapel (Fotos)

Das Archäologische Museum von Neapel hat neben zahlreichen Mosaiken, Plastiken und weiteren Funden insbesondere aus Pompeji und Herculaneum auch ein ‘Cabinetto oder Gabinetto Segreto’, ein ‘ geheimes Kabinett ’ zu bieten.

Geheimes Kabinett Neapel

1819 besuchte Franz I. (damals noch Herzog von Kalabrien) das Archäologische Museum in Neapel. Hier werden Fundstücke der Ausgrabungen in Pompeji und Herculaneum gezeigt. Doch er war schockiert – so viele ‘eindeutige’ Exponate in einem öffentlichen Museum? Er ordnete an, sie zukünftig in ein ‘ Geheimes Kabinett ‘ zu verbringen.

In diesem Geheimen Kabinett (Archäologisches Museum von Neapel, Saal 65) werden Fundstücke aus der Antike gezeigt. Alle erotische Motive darstellend, Phallus-Motive, Liebespositionen, Fruchtbarkeistgötter.

Ab 1821 war dieses Kabinett der Erotika (auch. ‘die pornographische Sammlung’) der Öffentlichkeit überhaupt nicht (meistens) oder nur sehr eingeschränkt (unter Garibaldi; in den 1960er Jahren) zugänglich. Wenn ja, war eine Sondergenehmigung erforderlich (‘reifes Alter und verbürgte Moral‘; eine ganz eigene Geschichte über Privilegien und Moral …). Noch bis 1989 (!) war Frauen der Zutritt prinzipiell untersagt. Erst seit 2000 ist die Sammlung komplett der Öffentluichkeit zugänglich, seit 2005 in einer eigenen Galerie.

2008 war zu diesem Kabinett nur sporadisch und auf Anmeldung Einlass – nicht (mehr) aus Prüderie, sondern damit die kleinen Räumlichkeiten nicht von Besuchern überrannt werden. Inzwischen (2017) besteht eine zeitliche Limitierung auf 15 Minuten.

In diesem Kabinett finden sich einige erotische Objekte aus Pompeji und Herculaneum, die auf einen entspannteren und unverkrampfteren Umgang mit Sexualität in klassischer Zeit hindeuten, darauf dass Erotik in der Antike viel ‘normaler’ war als heute oftmals vorgestellt. Einige Beispiele:

– Amphore mit der Darstellung von Männern beim Analverkehr, 5. Jhdt. v.Chr. (Sammlung Carolina Murat)
– Sammlung von 24 Terrakotta-Penissen (Votivgaben, 4. Jhdt. v.Chr.)
– Marmorplastik Pan und Ziege (Villa dei papirii, Herculaneum, 1. Jhdt. v.Chr.)
– Bronze-Statue (Pompeji, Casa dll’ Efebo, 1. Jhdt. v.Chr.)
– Satyrn darstellende Terrakotta-Figuren (Pompeji, 1. Jhdt. v.Chr.)
– Vasen (Herculaneum, 1. Jhdt. v.Chr.)

‘ Geheimes Kabinett ’ von Neapel – Fotos

Amphore mit der Darstellung von Männern beim Analverkehr
Amphore mit der Darstellung von Männern beim Analverkehr
Geheimes Kabinett - Sammlung von 24 Terrakotta-Penissen
Geheimes Kabinett – Sammlung von 24 Terrakotta-Penissen
Marmorplastik Pan und Ziege
Marmorplastik Der Satyr und die Ziege
Bronze-Statue
Bronze-Statue
Satyrn darstellende Terrakotta-Figuren
Satyrn darstellende Terrakotta-Figuren
Vasen
Vasen

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zuletzt aktualisiert 10. Februar 2018

 

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Deutschland

Ein Tag in Lüdenscheid

Haste morgen schon was vor?
Nee, nix Bestimmtes.
Muss morgen nach Lüdenscheid. Will’ste mitkommen?
Oh. Äh. Was? Wo?

Na ja, warum eigentlich nicht. Liegt ja im Sauerland, wird wohl zumindest landschaftlich ganz schön sein.
Also früh morgens auf den Weg gemacht, den Mann begleitend nach Lüdenscheid. Bis Hagen mit dem IC, dort umsteigen. Die Bimmelbahn moderner Bauart schlängelt sich durch das landschaftlich reizvolle Tal der Volme, kämpft sich ab Brügge den Berg hinauf. Rechts und links der Strecke sind die traurig-trostlosen Folgen des weitgehenden Rückzugs der Bahn aus der Fläche zu bestaunen. In Lüdenscheid empfängt uns ein Bahnhof, den ich so höchstens in den Untiefen vorpommerscher Provinznester erwartet hätte.

Lüdenscheid – erste Assoziationen gehen in Richtung Loriot und seines unvergessenen ‘Müller-Lüdenscheid“, in der Wanne streitend mit Herrn Dr. Klöbner, “mit Ihnen teilt meine Ente das Wasser nicht!”.

Loriot: Müller Lüdenscheid
Loriot: Müller Lüdenscheid

Beide habe ich nicht getroffen, wenn auch einige Knollennasen ihnen recht nahe kamen.

Statt dessen: eine Stadt mit recht ansehnlich herausgeputzter Innenstadt, schönem Altstadt-Viertel und zahlreichen Wunden städtebaulicher Exzesse der Siebziger.

Doch Lüdenscheid hat auch Bedeutendes zu bieten. So meint die Stadt, der wohl größte Autohersteller der Welt zu sein. Alles nur eine Frage des Maßstabs. Denn täglich werden an die 45.000 Siku-Modellautos verkauft – und die kommen aus Lüdenscheid.

Und noch etwas, wo wir schon bei Modellbau sind: die Wilesco-Dampfmaschinen wecken Erinnerungen an die Kindheit (und an einen Film, den mit den drei ‘f’) – und diese Modell-Dampfmaschinen kommen ebenfalls aus … Lüdenscheid.

Einige Jahre früher (von Mitte des 18. bis Mitte des 20. Jahrhunderts) war Lüdenscheid aber auch Hauptstadt der Knopf-Herstellung – ebenfalls eine Errungenschaft, die man ja nun nicht missen möchte …
Und noch ein kleines Detail – exklusiv nur in Lüdenscheid wird seit seiner Stiftung 1951 das Bundesverdienstkreuz hergestellt.

Das alles erfährt man auch bei einem Besuch im erfreulich großzügigen und gut aufbereiteten Stadtmuseum.
Dort findet sich leider auch ein erstaunlicher Kontrast: einerseits in einem eigenen Raum der Versuch, Geschichte und Situation der Stadt in der NS-Zeit darzustellen und ansatzweise aufzuarbeiten.

zerstörte Thora-Rolle, Stadtmuseum Lüdenscheid
zerstörte Thora-Rolle, Stadtmuseum Lüdenscheid

Und andererseits, nur wenige Schritte entfernt, in einem Saal oppulenter Präsentationen städtischer Ordens-Produktionen eine umfassende Sammlung betitelt “Orden in der NS-Zeit”. Einzig teilweise kommentiert durch die Montage auf ein Foto einer kriegszerstörten Stadt.
Orden, die wohl teilweise eher für Untaten als Gute Taten ‘verliehen’ wurden, ausgestellt in einer zeitlichen Kontinuität, präsentiert mit dem Gestus ‘wir haben die Orden ja nur hergestellt – weswegen die verliehen wurden, das ging (und geht?) uns ja nichts an’.

Museale Unschuld, Naivität, die mich erschüttert.

Dabei ist das kleines Städtchen (ca. 80.000 Einwohner) mal ganz seiner Zeit kulturell voraus gewesen – Kurt Weill hatte seit Ende 1919 hier sein erstes Engagement als Kapellmeister am Stadttheater Lüdenscheid, bevor er anschließend 1921 nach Berlin zurück ging und dort später u.a. in der Zusammenarbeit mit Brecht große Erfolge feierte.

Gedenktafel Kurt Weill in Lüdenscheid
Gedenktafel Kurt Weill in Lüdenscheid

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Hamburg Kulturelles

Arbeit im Museum

In Hamburg kommt die Arbeit ins Museum. In das ‘Museum der Arbeit’.

Anfang Februar. Die Schneeglöckchen blühen, viel zu früh. In meiner Kindheit, nach vielen Tagen mit Schlittenfahren und Schneemännern, waren Schneeglöckchen der erste Blumengruß der Natur, meist blühten die ersten Ende Februar (und waren der erste Blumengruß der Natur zu meinem Geburtstag). Dieses Jahr werden Ende Februar wohl schon die Krokusse blühen – oder die Osterglocken?

Der Tag, der so schön sonnig, frühlingshaft begann, kippt schon vor Mittag in trübe Regenwolken. Das richtige Wetter für einen Museumsbesuch. Also auf nach Barmbeck.

Nach beinahe vier Stunden komme ich aus dem Museum – begeistert, angenehm überrascht, was alles in diesem ungewöhnlichen Museum zu entdecken ist.

Auf mehreren Etagen im ehemaligen Barmbecker Werk der ‘New York Hamburger Gummiwaaren Compagnie AG’ sowie in mehreren Nebengebäuden wird ein breites Spektrum des Arbeitslebens gezeigt. Nur zwei Beispiele:

So zeigt eine große Abteilung zum Buchdruck nahezu alle Entwicklungsschritte von der Spindelpresse bis zur Linotype – welche handwerkliche und Kunst-Fertigkeit einst für die Herstellung von Zeitungen und Büchern erforderlich war, ist hier live zu sehen und erleben.

Informationen sind heute überall und jederzeit verfügbar, Emails rasen in Sekunden um den Erdball. Dabei ist die Zeit noch nicht lange vorbei, zu der Nachrichten noch durch Land- und Tiefsee-Kabel flossen, und nur Orte schnell erreichbar waren, die an ‘das Kabel’ angeschlossen waren. Nachrichten mussten, um Worte (und damit Geld) zu sparen, kryptisch verkürzt werden, und brauchten Ende des 19. Jahrhunderts selbst mit ‘Kabel’ noch mindestens 50 Minuten ‘um die Welt’.

Thematisiert werden aber immer wieder auch patriarchalische Strukturen und Geschlechterrollen der Arbeitswelt, Arbeitsbedingungen und Arbeitskämpfe, selbst das schwedische Modell des Wohlfahrtsstaats. Männer bevorzugende Arbeitsbedingungen in Kontor und Buchführung. Während das Räuchern von Fisch eine Domäne der Männer war, wurden Frauen zum Fisch-Säubern und -Verpacken eingesetzt. Eben kein ‘Museum der Arbeiter’, sondern der Versuch, auch Geschlechterperspektiven darzustellen.

In einer Sonderausstellung wird derzeit unter dem Titel ‘Gib Gummi’ über die Hamburger Kautschuk-Industrie erzählt. Erstaunlich zu erleben, was für Arbeit in Kühlwasserschläuchen und Klarinetten-Mundstücken steckt, wie aufwändig und arbeitsintensiv es ist, ein so einfaches Alltagsprodukt wie einen (Hartgummi-) Kamm herzustellen.

Bei aller Geschichte der Arbeit vermisse ich dennoch manchmal die Geschichte der Arbeiter- und Arbeiterinnen-Bewegung. Insgesamt wirkt die Ausstellung bei aller begeisternden thematischen Breite ein wenig „Stehengeblieben“ – selbst die Aspekte der Automatisierung werden nur ansatzweise (beim Buchdruck) angedeutet. Die Folgen von Globalisierung und Welthandel, von Verlagerung von Arbeit (in sog. ‘Billiglohn-Länder’) und das ganze Thema Arbeitslosigkeit vermisse ich im ‘Museum für Arbeit’ leider weitgehend.

Insgesamt aber – ein Museum, das mich stundenlang in Beschlag nimmt, auf’s Angenehmste, und einen Besuch immer wert ist. Auf nach Barmbeck, ins Museum der Arbeit!

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Berlin Kulturelles

Neues Museum 2006 – Chipperfield statt Joseph R.

Nein, es gibt heute nichts zum Staatsbesuch von Herrn Joseph R. aus R. …

Stattdessen ein wenig Kultur:

Neues Museum 2006
Neues Museum 2006

Zum Tag des Denkmals ist am Samstag, 9.9. und Sonntag 10.9.2006 das Neue Museum in Berlin während der Bauarbeiten zu besichtigen („offene Restaurierungswerkstatt“).

Bereits nach Abschluss der restauratorischen Vorsicherung war das neue Museum im Sommer 2003 erstmals für wenige Tage (noch als „Kriegsruine“) für die Öffentlichkeit zugänglich (vor allem auch die Säle im zweiten Geschoss). Seitdem ist der Bau wieder unzugänglich, die Restaurierungsarbeiten laufen.
An diesem Wochenende nun kann erstmals seit Beginn der Arbeiten ein Blick „in die Baustelle“ geworfen werden, leider nur in der ersten Etage.

Den derzeit sichtbaren Restaurierungsarbeiten ist der Respekt vor dem Stüler’schen Bau anzumerken – zurückhaltend, statt offensiv das Neue, Moderne (Chipperfield) einzubauen.
Wo möglich, wo genügend Alt-Substanz vorhanden ist, wird Stüler repariert (bis hin zur aufwändigen Neu-Herstellung von Ton-Zylindern für die Decken eines Saales). Wo zu wenig oder keine Original-Substanz mehr vorhanden ist, wird die Stüler’sche Raumaufteilung wahrend, aber immer als Rekonstruktion erkennbar neu gebaut, Geschichte und Verfall des Gebäudes bleiben sichtbar, werden nicht hinter Geschichtsklitterung verborgen.

Neues Museum 2006 Treppe
Neues Museum 9. September 2006, Treppe

Dieser Neu-Bau erfolgt wo sichtbar immer aus einem Material, einer Art Grob-Beton, mal gesandstrahlt, fast in Werkstein-Optik, mal geschliffen und poliert in der Art von Terrazzo.
Besonders eindrucksvoll wird die Kombination von Stüler und Chipperfield im neuen Treppenhaus …

Neues Museum, Bodestr. 2-3, noch offen am Sonntag, 10.9.2006 von 10 bis 16 Uhr (und nächstes Jahr hoffentlich wieder zum Tag des offenen Denkmals)

siehe auch 8. März 2009: Neues Museum: Die Stüler-Chipperfield-Synthese

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Köln

Heinrich Böll Platz – Betreten verboten!

Heinrich Böll Platz – Betreten verboten

Köln: Betreten Verboten
Köln: Betreten Verboten

… hier immerhin nett formuliert …

Ist Deutschland eigentlich an Platz eins oder an Platz zwei auf der Liste der Länder mit den meisten “Betreten verboten” – Schildern?

Köln hat ein schönes Museum Ludwig (mit der sehenswerten Ausstellung ‘Das achte Feld’ zu sexuellen Identitäten) und mit einer besonders schönen Philharmonie.
Diese Philharmonie liegt sozusagen im Keller des Museums, und auf ihrem Dach ist einer der sehr schön gelegenen Plätze des Museums, der Heinrich Böll Platz – direkt zum Rhein hin. Sehr schön, um hier spazieren zu gehen, Kaffee zu trinken – oder Skateboard zu fahren…

Was wiederum die Musiker in der Philharmonie in den Wahnsinn zu treiben scheint – denn gut gebaut wie das alles ist (in Köln wird nur gut gebaut) …

Köln Museum Ludwig / Heinrich Böll Platz
Köln Museum Ludwig / Heinrich Böll Platz

… werden die Schallwellen vom Platz direkt in die Philharmonie übertragen und stören bei Proben und Konzerten. Und deswegen kann man/frau bei jedem Konzert, bei jeder Probe das wunderbare Schauspiel beobachten, das auf obigen etwas dunklem Foto nur zu erahnen ist: Bedienstete der Philharmonie sperren den Platz ab, fordern alle Fußgänger (Skater erst recht!) auf, außen herum zu gehen.
Immerhin, Köln will ja modern und weltoffen sein, die Schilder gibt’s in drei Sprachen…

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Köln Kulturelles ondamaris Texte zu HIV & Aids

Das achte Feld

Ein riesiger ‚David‘ blickt vor dem Museum Ludwig über den Rhein. Eine pinkfarbene, neun Meter hohe Skulptur des Künstlers Hans-Peter Feldmann weist schon von weitem den Weg zur Ausstellung „ Das achte Feld “.

das achte Feld

Innen drin: Lass einmal deine herkömmlichen Vorstellungen außer Acht, gehe auf die Reise. Experimentiere, probiere aus. Alles ist möglich, nur nicht „das Normale“. Dazu scheint die Ausstellung „Das achte Feld“ ihre Besucher aufzufordern.

Als erstes unter den „großen“ der deutschen Kunstmuseen wagt das Kölner Museum Ludwig eine umfassende Schau künstlerischer Auseinandersetzung mit Formen sexuellen Begehrens jenseits des Hetero-Mainstreams.

Der Titel der von Frank Wagner kuratierten Ausstellung, das „achte Feld“, spielt dabei an auf das Schachspiel: rückt ein Bauer auf das achte Feld vor, kann er sich in jede andere Spielfigur verwandeln, auch in eine Dame – die stärkste Spielfigur im Schach. Dieser Wandel, der Bauer wird Dame, der Schwache wird zum Starken – die Ausstellungsmacher haben diesen „Geschlechterwechsel“ auf die Kunst übertragen und als Metapher verwendet für alle Möglichkeiten der Sexualität, die „außerhalb“ des heterosexuellen Mainstreams liegen, von Homo- bis Inter- und Transsexualität, Gender und Transgender, Queer und Travestie.

Die Ausstellung zeigt auf mehreren Etagen strukturiert in thematischen Feldern über 250 Werke von 80 Künstlern, darunter bekannte wie David Hockney oder Andy Warhol, aber auch für den ein oder anderen vielleicht erst zu entdeckende Künstler wie Piotr Nathan, Kaucylia Brooke oder Sunil Gupta.

Sehr intensiv haben mich selbst (wieder einmal) die Fotografien Nan Goldins berührt – besonders (auch: wieder) das Triptychon eines schwulen Paares, einer von beiden an Aids erkrankt; sowie eine Installation aus Klappen-Türen und Fotografien, die das Spannungsfeld zwischen dem Suchen nach schnellem Sex und der Sehnsucht nach Nähe thematisiert.
Einer meiner ersten Gedanken hinterher, nach Verlassen der Ausstellung: jetzt kommen Homosexualitäten schon ins (Kunst-) Museum. Ist das jetzt ein Fortschritt? Oder ein weiterer Hinweis auf die (selbst gewählte) Selbstauflösung des Schwulseins?

Das achte Feld – Leben und Begehren in der Kunst seit 1960
Museum Ludwig, Köln
noch bis 12. November 2006
weitere Informationen: Museum Ludwig

Zur Ausstellung ist ein Band mit Erzählungen erschienen („Feldforschung“, im Eintrittspreis der Ausstellung enthalten; erhältlich auch in der Edtion Suhrkamp): Thomas Meinecke berichtet anhand einzelner Exponate über historische Ereignisse, erzählt Geschichten und Geschichtchen von und zu Kunstwerken, Tief- und Vordergründiges, erweitert mit seiner ‚Feldforschung‘ diese Studie sexuellen Begehrens.

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Text 01.06.2016 von ondamaris auf 2mecs