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Persönliches

Frohe Weihnachten 2020 – Joyeux Noël 2020

Frohe Weihnachten 2020 … Joyeux Noël 2020 …

… wünschen … souhaitent … 2mecs Frank und Ulli 🙂

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Kulturelles

Der Tag an dem der Weihnachtsmann verbrannt wurde

In Gegenwart von 250 Kindern wurde kurz vor Heilgabend 1951 in Dijon der Weihnachtsmann verbrannt. Er sei ein Ketzer. Eine heftige Kontroverse folgte – und der Weihnachtsmann feierte bereits am darauffolgenden Tag Wiederauferstehung.

Weihnachten 1951. Wie in vielen Regionen der Welt freuen sich auch in Lyon in Südfrankreich viele Kinder auf Weihnachten – und auf Geschenke, die der Weihnachtsmann bringt. In Frankreich werden die Geschenke, die Père Noel durch den Kamin des Hauses bringt, üblicherweise am Morgen des 25. Dezember geöffnet.

Doch Weihnachten 1951 ist in Dijon alles ganz anders. Weihnachten – ein Massaker?

hier vor der Kathedrale wurde 1951 der Weihnachtsmann verbrannt
die Kathedrale Saint-Bénigne in Dijon – self made PRA – Lizenz CC BY 2.5

23. Dezember 1951. In Dijon steht auf dem Vorplatz der Kathedrale Saint-Bénigne eine große Puppe mit weißem Bart. Die weißbärtige Puppe symbolisiert Père Noel. Um 15:00 Uhr wird diese Puppe von 250 Kindern auf Veranlassung des örtlichen Klerus in Brand gesteckt.

“Devant les enfants des patronages le Père Noël a été brûlé sur le parvis de la cathédrale de Dijon.”
(Vor den Kindern der Pfarreien wurde der Weihnachtsmann auf dem Vorplatz der Kathedrale von Dijon verbrannt; Übers. UW)

France-Soir, Ausgabe 23. Dezember 1951

Vor der Kathedrale von Dijon, und vor 250 Kindern wird der Weihnachtsmann verbrannt, unter der Schirmherrschaft und auf Aufforderung der Kirche. Der Weihnachtsmann habe sich zu einem Symbol von Kommerz und us-amerikanischer Bräuche entwickelt – und habe den christlichen Kern des Festes verdrängt. Er sei so zum Usurpator und Ketzer geworden.

“Le Père Noël a été sacrifié en holocauste. A la vérité, le mensonge ne peut éveiller le sentiment religieux chez l’enfant et n’est en aucune façon une méthode d’éducation.”
(Der Weihnachtsmann wurde in einem Holocaust geopfert. In Wahrheit kann Lüge bei Kindenr keinerlei religiöse Gefühle hervorrufen und ist in keiner Weise eine Erziehungsmethode.; Übers. UW)

So erklären Kleriker in Dijon ihre Protest-Aktion, als Widerstand gegen das Vordringen us-amerikanischer Weisen das Weihnachtsfest zu feiern.

Sofort entstehen heftige Kontroversen. Die Stadt ist in zwei Lager gespalten, die Grenze verläuft zwischen konservativ-religiösen und weltlich- laizistischen Teilen der französischen Gesellschaft.

Die Aktion und ihre Begründung verweisen so indirekt auch auf eher heidnische Hintergründe der Figur des Weihnachtsmanns. Und erinnern an Bräuche wie die Verbrennung des Nubbel im Karneval.

Schon einen Tag nach der Verbrennung des Weihnachtsmamns wird die Affäre besänftigt – auf dem Dach des Rathauses erscheint, mit Wissen des Bürgermeisters und des Kanonikers Felix Kir (Namespatron des Kir) – – – der Weihnachtsmann.

Doch die Debatten gehen weiter – und die eher weltlich – laizistisch gesinnten Kreise der Gesellschaft werden unversehens zu Verteidigern des Weihnachtsmannes.

Selbst der berühmte Ethnologe Claude Levi-Strauss wird auf den Vorgang aufmerksam:

“Ce n’est pas tous les jours que l’ethnologue trouve ainsi l’occasion d’observer, dans sa propre société, la croissance subite d’un rite, et même d’un culte.”
(Es geschieht nicht alle Tage dass ein Ethnologe Gelegenheit findet, in seiner Gesellschaft das Entstehen eines Ritus, selbst eines Kultes zu beobachten; Übers. UW)

Claude Levi-Straus, Les temps modernes März 1952, S. 1572 – 1590

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Kulturelles

Wallkino Oldenburg (1914 – 2007)

Das Wallkino Oldenburg war einst das älteste Kino Norddeutschlands. Seit seiner Schließung 2007 steht das unter Denkmalschutz stehende Gebäude leer.

Wallkino Oldenburg
das ehemalige Wallkino in Oldenburg im Dezember 2020

Geschichte des Wallkinos in Oldenburg

Am 4. September 1914 wurde das Wallkino Oldenburg unter dem Namen ‘Wall Lichtspiele‘ am Heiligengeistwall als Kino für 750 Zuschauer (auf Holzklappstühlen) eröffnet (mit einer Wohltätigkeitsveranstaltung der Kriegshilfe). Architekt war vermutlich Heinrich Früstück, erste Betreiber Keidel & Bartholomäus). Es war zu dieser Zeit das modernste Kino Norddeutschlands, einem Theater nachempfunden und ausgestattet mit 2 Foyers, Balkons und Logen.

Wie uns mitgeteilt wurde, wollen sie kein Kino im landläufigen Sinne schaffen, vielmehr deuten sie an, ein modernes Lichtspielhaus für Frohsinn, Kunst und Wissenschaft” [schaffen zu wollen].

Nachrichten für Stadt und Land, 24. November 1913

1918 übernimmt Ella Mertens-Rösser den Betrieb und wird neue Eigentümerin. 1922 hält hier anläßlich der ‘Oldenburger Woche ‘ (OWO) der Hamburger Kunsthistoriker Wilhelm Niemeyer einen Vortrag über die Maler der ‘Brücke’ in Dangast. Ob auch die expressionistische Malerin Emma Ritter, ebenfalls in Dangast und mit Schmidt-Rottluff befreundet, Erwähnung findet, ist unklar.

Schon Ende der 1920er Jahre wird der Tonfilm eingeführt. Bereits 1928 zeigt sie León Poiriers Antikriegsfilm “Verdun – Das Heldentum zweier Völker” (Verdun – Visions d’histoire, Frankreich 1928, u.a. über Philippe Pétain). Das Wallkino ist ein Ort der Moderne in Oldenburg.

1932 wird das Wallkino zum ersten Mal renoviert. 1945, das Kino hat den Krieg nahezu unbeschadet überstanden, wird es kurzzeitig als Truppenkino genutzt. Ab 1948 nimmt es wieder den regulären Kino-Betrieb auf. Geschäftsführer wird Hans Westerhaus (den die Erbengemeinschaft nach dem Tod (1957?) von Ella Mertens-Rösser weiter beschäftigt).

1956 kommt die Konkurrenz des Fernsehens – 1956 beginnt der nahe gelegene Sender Steinkimmen mit der Ausstrahlung des Ersten Deutschen Fernsehens. 1957 folgt die Umrüstung des Wallkinos auf Cinemascope.

1969 – nach einer Blütezeit des Wallkinos – veräußert die Betreiber- Familie Mertens-Rösser (seit 1918) das Kino an den Kino-Unternehmer Theo Marseille aus Bremerhaven (der in Bremerhaven von 1957 bis 1983 u.a. auch das seit 2007 nicht mehr existierende Atlantis Kino betrieb). Er benennt die Wall Lichtspiele um in Wall-Kino.

In den 1970er Jahren wird das Wallkino grundlegend umgebaut. Eine Aluminium-Verkleidung verdeckt nun die Fassade. Durch Einziehen einer Zwischendecke entstehen nun zwei Kinosäle ( ‘Kino-Center’, Wall 410 Plätze und Cinema 334 Plätze). Am 24. Juli 1970 folgt die Neu-Eröffnung – mit dem Film “Wir hau’n die Pauker in die Pfanne”. Im Nachbargebäude folgen 1975 zwei ‘Schachtelkinos‘ mit je knapp 90 Plätzen, ‘Studio 1’ und ‘Studio 2’ (später Wall 2 und Cinema 2).

1977 wird das Gebäude nicht in das Denkmalregister eingetragen (aufgrund der Aluminium- Fassaden – ‘Renovierung’?). Ein Jahr zuvor 1976 wird Horst Urhahn neuer Pächter mit seinem Unternehem ‘Atelier Filmtheater GmbH’.

1995 wird Detlef Roßmann (1987 bis 2009 1. Vorsitzender des Verbandes der unabhängigen Filmkunstkinobetreiber in Deutschland, seit 2007 Präsident des internationalen Filmkunsttheaterverbandes CICAE; bis 31.1.2020 Geschäftsführer des 1981 gegründeten Programm-Kino -> Casablanca Kino) neuer Pächter. Er renoviert im Herbst 1997 in Zusammenarbeit mit der Witwe von Theo Marseille , Ilse (bes. Restaurierung Fassade mit Entfernung der Aluminium-Verkleidung) das Gebäude vorsichtig (und als Gegenmodel zu Multiplex-Kinos). Er führt Digitalton und eine neue Bestuhlung (Wall 300 Plätze, Cinema 250 Plätze) ein.

Roßmann führt das Wallkino zu neuen Erfolgen. Die beiden Schachtelkinos der 1970er Jahre stellt er im April 1999 ein. Das Internationale Filmfest Oldenburg findet hier statt.

2006 kündigt Ulrich Marseille, der das Kino von seiner Adoptivmutter übnerahm [genauer: von ihrer Erbengemeinschaft], ihm den Pachtvertrag (nur wenige Tage nach der Grundbucheintragung des Eigentums-Wechsels). Verhandlungen über die Kündigung seien ausgeschlossen. Ulrich Marseille, 1984 Gründer des Klinik- und Altenheim-Imperiums MK-Kliniken (das er 2017 & 2019 verkaufte), war 2002 Spitzenkandidat der rechtspopulistischen sogenannten ‘Schill-Partei‘ in Sachsen-Anhalt (21.4.2002), der er 2001 beigetreten und deren größer Darlehensgeber er war. 2003 trat er aus der Partei aus.

Zum 30. April 2007 (Datum der Kündigung nach nahezu 93 Jahren ununterbrochenem Kino- Betrieb) wurde das Wallkino Oldenburg geschlossen. Letzter gezeigter Film: ‘Cinema Paradiso‘.
Bis dahin war es das älteste noch im Betrieb befindliche Kino Norddeutschlands.

Wie es danach im ehemaligen Wallkino aussieht, zeigt dieses Video aus dem Jahr 2015:

Seit 2007 – Leerstand im Wallkino Oldenburg

2006 erbt Ulrich Marseille das Wallkino Oldenburg von seiner Adoptivmutter Ilse Marseille.

Seit der Schließung 2007 steht das ehemalige Wallkino Oldenburg leer. Im gleichen Jahr 2007 wird das Gebäude als Einzelbaudenkmal in das Verzeichnis der Kulturdenkmale eingetragen.

2001 beantragt Ulrich Marseille, das Gebäude abzureißen bis auf die straßenseitige Fassade, die stehenbleiben solle. Die Stadt Oldenburg lehnt den Antrag ab. 2015 lässt er erneut wissen, er sehe keine Zukunft mehr für das Wallkino.

2011 kommt es zu einer kurzen Scheinbesetzung des ehemaligen Wallkinos (‘squat a cinema‘). Aktivist:innen bringen am 16. April2011 an der Fassade ein Transparent gegen Immobilien-Spekulation an.

2019 kommt es zu einer Debatte über eine Enteignung des Wallkino Besitzers Ulrich Marseille. Ulf Prange, MdL und Chef der SPD-Ratsfraktion, hat dies gefordert. “Sein Umgang mit der Immobilie ist unverantwortlich“, erklärt er gegenüber der Presse. Bereits 2010 hatten die Grünen ähnliches gefordert. 2020 greifen Politiker der Linken den Vorschlag nach geplatzten Gesprächen über die Zukunft des Gebäudes wieder aus.

‘kill the plastic smile’ – altes Veranstaltungs-Plakat am ehemaligen Wallkino Oldenburg (2020)

Noch 2020 bezweifelt Ulrich Marseille, dass das unter Denkmalschutz stehende Kino erhaltenswert sei. Hintergrund: das Souterrain stand teilweise unter Wasser, die Stadt Oldenburg (Denkmalschutzbehörde) hat am 12. April 2019 in Sofortvollzug Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Schäden angeordnet (Dachabdeckung). Am 7. Februar 2020 lehnt das Verwaltungsgericht Oldenburg eine Klage Marseiles dagegen ab (Az. 4 B 3642/19; Pressemitteilung). Es bestehe beim ehemaligen Wall-Kino ein Denkmalwert von öffentlichem Interesse. Der Eigentümer sei zu Instandsetzungs- und Erhaltungsmaßnahmen verpflichtet.

Am 18. Februar 2021 führte eine Fachfirma Instandsetzungsarbeiten am Dach des Wallkinos durch.

Die Stadt Oldenburg hatte im Rahmen einer Ersatzvornahme die Arbeiten auf Kosten des Eigentümers beauftragt. Bei den Arbeiten wurden weitere Schäden auch an der Fassade festgestellt, die kurzfristig zu beheben sind.

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Politisches

Hydrail – Wasserstoff im Schienenverkehr, Beispiel in Bremervörde

Der Einsatz von Wasserstoff im Schienenverkehr mittels Brennstoffzellen (Hydrail) gilt als große Hoffnung für umweltfreundlichen Verkehr auf nicht elektrifiztierten Schienenstrecken.

Über 40 Prozent des Schienennetzes in Deuschland sind derzeit nicht elektrifiziert und werden nahezu ausschließlich im Diesel-Betrieb genutzt. Hier liegt ein großes Potenzial für umweltfreundlichen Schienenverkehr. Voraussetzung: die Verwendung von ‘grünem Wasserstoff‘, Wasserstoff der unter Einsatz von Strom aus erneuerbaren Quellen produziert wurde.

In Bremervörde im Norden von Niedersachsen wird der Einsatz von Wasserstoff im Schienenverkehr bereits seit 2018 erfolgreich getestet.

Inzwischen wird der Regelbetrieb vorbereitet und die erforderliche Infrastruktur aufgebaut.

seit 2018: Wasserstoff-Züge im Personenverkehr zwischen Bremervörde und Cuxhaven

Seit 17. September 2018 setzen die Elbe-Weser-Verkehrsbetriebe EVB auf der – nicht elektrifizierten – knapp 100 km langen Verbindung zwischen Buxtehude und Cuxhaven zwei Fahrzeuge Alstom Coradia iLint ein. Zum ersten Mal weltweit werden hier im öffentlichen Linienverkehr Brennstoffzellen – Schienenfahrzeuge (Vorserienfahrzeuge im Pilotbetrieb) im Regelbetrieb eingesetzt.

Brennstoffzellen-Antrieb: Alstom Coradia iLint 2019 im Bahnhof Bremervörde
Brennstoffzellen-Antrieb: Alstom Coradia iLint 2019 im Bahnhof Bremervörde

Die iLint-Züge von Alstom wurden erstmals am 20. September 2016 vorgestellt (erster Personenzug in Serienfertigung mit Wasserstoff-Antrieb). Sie können eine maximale Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h erreichen, die Reichweite liegt zwischen 600 und 800 km. Am 14. März 2017 fanden die ersten Probefahrten statt.

Alstom Coradia iLint 2019 im Bahnhof Bremervörde Wasserstoff Brennstoffzelle
Alstom Coradia iLint 2019 im Bahnhof Bremervörde

Für die Wasserstoff-Versorgung der Brennstoffzellen (2x 20 kW Leistung) befinden sich zwei jeweils 90kg Wasserstoff fassende Tanks auf dem Dach

Am 11. Juli 2018 wurden die Fahrzeuge des Typ iLINT für den kommerziellen Fahrgasteinsatz in Deutschland zugelasssen.

2020: die weltweit erste Wasserstoff- Tankstelle für Personenzüge entsteht in Bremervörde

In der Region Bremervörde soll 2022 der Regelbetrieb von Wasserstoffzügen im Schienenpersonenverkehr starten. Zu deren Versorgung wird eine Wasserstofftankstelle errichtet.

Die Bauarbeiten für die in der Nähe des Bahnhofs Bremervörde gelegenen Wasserstoff-Tankstelle für Züge begannen im September 2020. Errichtet wird sie im Auftrag der LNVG Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen vom Gas- Unternehmen Linde.

Die LNVG wurde 1996 gegründte und ist zu 100% im Besitz des Landes Niedersachsen. Sie unterhält einen landeseigenen Fahrzeugpool (LNVG beschafft und vermietet).

Die Fertigstellung ist geplant für Mitte 2021. Sie soll eine Kapazität von nominal 1.600 kg Wasserstoff pro Tag haben (und wäre damit eine der größten Wasserstofftankstellen der Welt).

Die Wasserstofftankstelle Bremervörde dient nach Inbetriebnahme der Versorgung der Wasserstoffzüge im Regelbetrieb (s.u.). Sie ist damit die erste Wasserstofftankstelle für Personenzüge.

Eine spätere Erweiterung der Wasserstofftankstelle um eine Anlage zur vor-Ort- Herstellung von grünem Wasserstoff ist angedacht. Zunächst wird der Wasserstoff aus Stade und Hamburg sowie den Niederlanden per LKW angeliefert.

ab 2022: Wasserstoff-Züge im Regelbetrieb in Niedersachsen

Ab 2022 sollen Wasserstoff-Züge in Niedersachsen im Regelbetrieb eingesetzt werden.

Zunächst ist der Einsatz von 14 Alstom- Regionalzügen vorgesehen. Diese hat die Landesverkehrsgesellschaft Niedersachsen zwischenzeitlich bestellt. Der am 9. November 2017 unterzeichnete Vertrag umfasst die Beschaffung sowie 30 Jahre Instandhaltung durch Alstom in der EVB-Werkstatt Bremervörde.

Hergestellt werden die Züge im Alstom-Werk in Salzgitter (Niedersachsen). Die Fahrzeuge werden Teil des Fahrzeugpools der LNVG und an die EVB vermietet. Eingesetzt werden sollen die Wasserstoffzüge zwischen Cuxhaven, Bremerhaven, Buxtehude und Bremervörde.

Wasserrstoffzüge auch in Italien und Frankreich

Ab 2023 sollen Wasserstoffzüge in der Region Lombardei um Turin eingesetzt werden. Ende November 2020 schloss der Hersteller Alstom einen Vertrag über 6 Züge mit Ferrovie Nord Milano (FNM) sowie eine Option über weitere 8 Einheiten des Typs Coradia Stream. Die Brennstoffzellen-Technologie (BZ) wird vom Coradia iLint (wie er in Bremervörde eingesetzt wird) übernommen.

Auch in Frankreich werden absehbar erste Wasserstoffzüge eingestezt. Die SNCF bestellte am 8. April 2021 insgesamt 12 Wasserstoffzüge für den Regionalverkehr in 4 Regionen (Auvergne-Rhône-Alpes, Bourgogne-Franche-Comté, Occitanie und Grand Est).

Der Einsatz der Fahrzeuge des Typs Coradia iLint soll 2023 mit dem Testen erster Prototypen beginnen. Ab 2025 soll der Regelbetrieb folgen.

In Österreich fand 2020 ein dreimonatiger Testbetrieb des iLint statt. zudem hat der Zug die Zulassung für das Strreckennetz in Österreich erhalten (zweiter Staat nach Deutschland).

Tests fanden 2020 auch in der Region Groningen / Niederlande statt.

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Kulturelles

die expressionistische Malerin Emma Ritter

Die heute weitgehend in Vergessenheit geratene expressionistische Malerin Emma Ritter lebte und wirkte ab 1946 bis zu ihrem Tod in Oldenburg.

Emma Ritter wurde am 18. Dezember 1878 in Vechta geboren. 1898 bis 1902 studierte sie Malerei an der ‘Damen-Malschule‘ von Willy Spatz in Düsseldorf, 1903 bis 1905 bei Lovis Corinth (Berliner Secession) in Berlin. Sie war vermutliche eine der ersten Frauen in Deutschland, die Malerei studierte.

Von 1909 bis 1912 verbrachte Ritter immer wieder Zeit in Dangast, in engem Austausch mit den Malern Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel der Künstlergruppe Die Brücke die sich dort zu sommerlichen Studienbesuchen aufhielten. Besonders mit Karl Schmidt-Rottluff war Ritter freundschaftlich verbunden, sowie mit der Kunsthistorikerin Rosa Schapire.

In der NS-Zeit wurde neben zahlreichen Werken anderer Brücke-Künstler auch ein Werk von E. Ritter aus der Sammlung des Oldenburger Landesmuseums als ‘Entartetet Kunst’ beschlagnahmt.

Landesmuseum Oldenburg / Inventarkarte E. Ritter: Gewitter im Anzug, mit Vermerk “als entartet beschlagnahmt”

1944 wurde ihr Berliner Atelier zerstört, zahlreiche Werke gingen verloren. Ritter zog kurzzeitig nach Exten (bei Rinteln im Weserbergland), wo ihre Schwester lebte. 1946 zog sie wieder nach Oldenburg.

Infolge eines Oberschenkelhalsbruchs, den sie 1951 erlitt, konnte sie nicht mehr an der Staffelei arbeiten. Sie konzentrierte sich auf Aquarelle. Zuletzt lebte Emma Ritter in Oldenburg Eversten Bodenburgallee

Emma Ritter starb im Alter von 92 Jahren am 23. März 1972 in Oldenburg. Ihr Grab befindet sich auf dem Gertrudenfriedhof.

Grabstein Emma Ritter Oldenburg
Grabstein Emma Ritter auf dem Gertrudenfriedhof in Oldenburg
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Politisches

Karl Popper über Toleranz

Der österreichisch- britische Philosoph Karl Popper über Toleranz

“Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet und die Toleranz mit ihnen.”

Karl Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, 1945
Karl Popper, etwa 1980 (LSE libraryhttps://www.flickr.com/photos/lselibrary/3833724834/in/set-72157623156680255/, No known Copyright Restrictions)

Karl Popper wurde am 28. Juli 1902 in Wien geboren. Der POhiloisoph gilt als einer der bedeutendsten Verteidiger westlich- liberaler Gesellschaften. Popper starb am 17. September 1994 in London. Er wurde in Wien auf dem Friedhof am Küniglberg beigesetzt.

“Die offene Gesellschaft und ihre Feinde” gilt als wesentliches Werk der politischen Philosophie und prägte (neben Henri Bergson) den Begriff der Offenen Gesdellschaft mit. Popper wendet sich dezidiert gegen totalitaristische Staatsformen und plädiert für Meinungs- Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit sowie religiöse Neutralität [vgl. Trennung von Staat und Kirche in Frankreich]. Popper vertritt die Ansicht, die Demokratie sei die beste Staatsform.

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Kulturelles

August Schwartz Erfinder der Ansichtskarte

Der Oldenburger Drucker und Buchhändler August Schwartz verschickte am 16. Juli 1870 erstmals eine bebilderte Postkarte – Schwartz gilt damit als Erfinder der Ansichtskarte.

August Schwartz (1837 – 1904)

August Schwartz wurde am 29. Mai 1837 in Dortmund geboren. Nach abgebrochenem Philosophie-Studium in Bonn wurde er zum Militärdienst eingezogen.

Auguts Schwartz Erfinder Ansichtskarte Bildpostkarte
August Schwartz 1837 – 1904 (Relief auf seinem Grabstein)

!861 zog Schwartz nach Oldenburg und begann eine Lehre in der Buchhandlung Carl Ferdinand Schmidt (Markt 13). Bereits 1863 gab er die erste Werkausgabe des ebenfalls in Oldenburg lebenden Dichters Julius Mosen heraus.

Im gleichen Jahr heiratete er Maria Berndt (8.8.1842 – 27.7.1921), Tochter des Inhabers der Schulzeschen Buchhandlung – die ab 1875 Hof-Buchhandlung und Hof-Druckerei wurde. Schwartz trat in das Unternehme ein und leitete ab 1877 die Schulzsche Buchhandlung bis zu seinem Tod (bis 1884 mit seinem Schwager Karl Berndt, ab 1893 mit seinem Sohn Rudolf (1864 – 1943)).

August Schwartz starb am 23. Mai 1904 in Oldenburg. Sein Grab befindet sich auf dem Gertrudenfriedhof.

Grabstätte August Schwartz auf dem Gertrudenfriedhof in Oldenburg

August Schwartz – die erste Ansichtskarte

August Schwartz druckte im Sommer 1870 auf eine Postkarte zuzsätrzlich ein kleines Bildmotiv, eine Artillerie-Darstellung eines Kanoniers (es war die Zeit der Mobilmachung Deutsch-Französischer Krieg).

Am 16. Juli 1870 (Tag der Mobilmachung gegen Frankreich) verschickte Schwartz die Karte an seine Schwiegereltern in Magdeburg.

Diese bebilderte Postkarte gilt damit als erste Ansichtskarte der Welt und August Schwartz als Erfinder der Ansichtskarte.

Erfinder der Ansichtskarte - August Schwartz Correspondenz-Karte 1870 - die erste Ansichtskarte bebilderet Vorderseite
August Schwartz Correspondenz-Karte 1870 – die erste Ansichtskarte (bebilderte Vorderseite)

Von der Postkarte zur Ansichtskarte

Bereits 1760 gab es in Paris erste offen lesbare Mitteilungen bei der petit poste. 1840 wurde in England erstmals eine Briefmarke verwendet.

In den USA wurde am 27. Februar 1861 erstmals der Versand privat gedruckter Karten mit der Post per Gesetz erlaubt.

Am 1. Juni 1865 wurde in Preußen die Offene Karte (‘Aviskarte‘) eingeführt, ein Vorläufer der Postkarte in Deutschland. Am 1. Juli 1870 trat im Norddeutschen Bund (in dem das Großherzogtum Oldenburg seit 1867 Mitglied war) die ‘Verordnung betr: die Einführung der Correspondenzkarte‘ in Kraft – die Einführung der Postkarte in Norddeutschland.

Nur gut zwei Wochen später am 16. Juli 1870 verschickte August Schwartz die erste Ansichtskarte von Oldenburg nach Magdeburg …

der erste Ansichtskarten-Verlag

Im Herbst 1875 veröffentlichte August Schwartz erstmals eine kleine Auflage von 25 Ansichtskarten als Handelsartikel. Damit wurde er zum ersten kommerziellen Verleger von Ansichtskarten, begründete den ersten Ansichtskarten-Verlag der Welt.

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Landesbibliothek Oldenburg Digital: Der Litterarisch-gesellige Verein zu Oldenburg : Denkschrift zum 50-jährigen Stiftungsfeste / von August Schwartz

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Erinnerungen

der ehemalige Rockpalast Delmenhorst

Er war Ende der 1970er Jahre kurze Zeit eine Pilgerstätte der musikbegeisterten Jugend aus Delmenhorst und umliegenden Dörfern: der Rockpalast Delmenhorst.

Der Rockpalast Delmenhorst befand sich in Delmenhorst auf der Oldenburger Strasse 112 am Rand des Tiergartens – jenes um 1560 angelegten Mischwalds, der einst den Delmenhorster Grafen bis 1647 zur Jagd diente. Dort war ein ehemaliger Schützenhof zur Pilgerstätte der Jugend geworden …

Der Ort hat auch als Vergnügungsstätte eine bewegte Geschichte: ein zuvor hier existierendes Gasthaus mit Tanzsaal wurde 1867 nach dem Bau der Eisenbahn durch einen Neubau ersetzt – der bis heute steht, wenn auch deutlich umgebaut:

der ehemalige Rockpalast Delmenhorst - heute eine Tanzschule
der ehemalige Rockpalast Delmenhorst – heute eine Tanzschule

In diesem Gebäude – das Einheimische lange den ‘Schützenhof‘ nannten – befand sich u.a. nacheinander ein Hotel, Schützenhaus, Ballhaus, die ‘Tanz- und Vergnügungsstätte zum Tiergarten’ (Friedrich Schmidt), sowie mehrere Tanzschulen.

Und – nachdem Schmidt seine Tanzgaststätte aufgegeben hatte – ab 1977 der ‘Rockpalast‘.

1978 war ich bei der Bundeswehr, in Oldenburg, machte zaghaft meine ersten schwulen Gehversuche. Im Rockpalast Delmenhorst war ich viel und gerne, hörte ich u.a. 1978 Iron Butterfly. Am meisten aber beeindruckte mich ein Konzert: Nina Hagen.

Nina Hagen spielte am 18. November 1978 im Rockpalast Delmenhorst, noch angekündigt als ‘Nina Hagen und ihre Band Lokomotive Kreuzberg‘. Das Konzert war (in heutiger Sprache) ein ‘record release‘ – es fand statt noch vor der offiziellen Veröffentlichung ihres ersten Albums “Nina Hagen Band” zwei Tage später, am 20. 11. 1978.

Nina Hagen hatte am 28. Dezember 1976 die DDR verlassen, aus Solidarität mit ihrem aus der DDR ausgewiesenen Stiefvater Wolf Biermann. Zunächst ging sie nach London, bewegte sich in der dortigen Punk-Szene. Nach Berlin zurückgekehrt, gründete sie 1977 die Nina Hagen Band.

Vom Nina Hagen Konzert im Rockpalast Delmenhorst erinnere ich besonders ihr WPOD ‘White Punks on Dope’ – Cover ‘Ich glotz TV’. Und dass das Konzert nicht besonders gut besucht war. Und das Pubikum sehr gemischt reagierte. Waren die einen sehr begeistert und euphorisch, fand sie bei anderen weniger Begeisterung – die vermutlich eher ‘klassische Rockmusik’ erwartet hatten, schließlich hatte ‘Lokomotive Kreuzberg‘ (1972 – 1977, Vorläufer der Nina Hagen Band) einen guten Ruf als Politrock-Band.

Ulli 1978

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Nina Hagen blieb ich ‘treu’ … z.B. 1988 bei einem wundervollen Konzert mit Julien in den Folies Bergères in Paris …

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Deutschland

Johann Ludwig Mosle, Initiator des Hunte – Ems – Kanals

Johann Ludwig Mosle war Oldenburger Diplomat, Offizier und Minister. Mosle gilt als Mit- Initiator des Hunte – Ems – Kanals. Aus dem Hunte – Ems – Kanal entstand durch Ausbau ab 1922 der Küstenkanal, der am 28. September 1935 in Betrieb genommen wurde.

Johan Ludwig Mosle wurde am 2. Januar 1794 in Varel geboren. Nach Besuch des Gymnasiums in Oldenburg studierte Mosle Jura in Straßburg. Antifranzösisch und national eingestellt, machte er im oldenburgischen Militär Karriere, wurde 1843 Oberst.

1848 Gesandter des Deutschen Bundes in Frankfurt am Main, wurde Mosle bald Vertreter der ‘kleindeutschen Lösung’. 1849 schloss er in Berlin den Vertrag über den Beitritt Oldenburgs zum Dreikönigs-Bündnis von Preußen, Hannover und Sachsen ab. 1849 übernahm er die Leitung des Oldenburger ‘Außenministeriums’.

Johann Ludwig Mosle starb am 24. Oktober 1877 in Oldenburg. Sein Grab befindet sich auf dem Gertrudenfriedhof in Oldenburg.

Grab von Johann Ludwig Mosle auf dem Gertrudenfriedhof in Oldenburg
Grab von Johann Ludwig Mosle auf dem Gertrudenfriedhof in Oldenburg

Hunte – Ems – Kanal

Der Hunte – Ems – Kanal verlief von Oldenburg (Abzweig nahe dem Hunte Wasserkraftwerk) bis Barßel. Die Bauarbeiten begannen am 22. September 1855. Am 1. Oktober 1893 war mit dem Durchstich bei Kampe der Kanal fertiggestellt. Durch die Realisierung einer neuen 29 km langen West-Strecke bis zur Ems entstand der Verlauf, der dem heutigen Küstenkanals entspricht.

Der Hunte – Ems – Kanals sollt sowohl der Anbindung Oldenburgs an die Seefahrt dienen, als auch vornehmlich der Entwässerung und Erschließung von Moorgebieten.

Das alte Aussehen des Hunte – Ems – Kanals kann noch heute erlebt werden: auf dem Elisabethfehn-Kanal. Bereits 1935 wurde dieser frühere Nord – Süd – Ast des Hunte – Ems – Kanals für den Durchgangsverkehr außer Betrieb genommen. So hat sich hier das Aussehen des alten Hunte – Ems – Kanals weitgehend original erhalten. Mit vier Holzschleusen (handbetrieben) und sechs Klappbrücken ist er zudem der letzte durchgängig befahrbare Fehnkanal in Deutschland.

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Deutschland

Eisenbahn Klappbrücke Oldenburg

Die Eisenbahn Klappbrücke Oldenburg überquert die hier 60m breite Hunte. Sie steht unter Denkmalschutz.

Eisenbahn Klappbrücke Oldenburg
Eisenbahn Klappbrücke Oldenburg

Die Brücke dient den beiden Bahnstrecken OldenburgBremen und Oldenburg – Osnabrück. Erbaut wurde sie 1946 bis 1954 nahe dem Bahnwasserturm Oldenburg als Ersatz für die 1945 zerstörte Drehbrücke aus dem Jahr 1866. Sie ist für Zugverkehr (zweigleisig, seit Elektrifizierung 1982 mit Oberleitung) sowie Fußgänger und Radfahrer.

Bhanwasserturm und Klappbrücke vom Zug aus gesehen

Technisch ist die Eisenbahnklappbrücke Oldenburg eine Schwingbrücke Rollklappbrücke nach dem System Scherzer (William Donald Scherzer 1858 – 1893, us-amerikanischer Ingenieur) mit Antrieb am Drehpunkt und Drehlager über Zahnschiene.

Blick auf die Zahnschiene

Zwei jeweils 20m breite Durchfahrten für Schiffe können unabhängig voneinander hydraulisch gesteuert werden können. Der Öffnungs-Winkel beträgt 86 Grad. Die Brücke gehört der Deutschen Bahn und wird gesteuert von einem Stellwerk nördlich direkt an der Brücke.

Blick auf Stellwerk und Klappbrücke

Die Osternburger Klappe (Klappe 2) wurde bereits am 26. Juli 1952 erstmals gehoben, 1953 Klappe 1 (Bahnhofs-Seite). Hergestellt wurde die Brücke von MAN (Gustavsburg).