4 Millionen Euro Spenden im ersten Jahr – wer finanziert die Homoehe-Gegner in Frankreich?

Zuletzt aktualisiert am 29. Januar 2018 um 14:26

Über 4 Millionen Euro konnten sie seit Gründung für ihre homophoben Aktivitäten sammeln – die Homoehe-Gegner der ‚Manif pour tous‘ in Frankreich. Wer sind die Finanziers der Homogegner?

4,38 Millionen Euro konnte die ‚Manif pour tous‘ (mpt) allein im ersten Jahr ihres Bestehens (Geschäftsjahr Oktober 2012 bis 31. Dezember 2013) sammeln, erklärte die Organisation. Man veröffentliche (erstmals) die Daten nicht aufgrund einer Verpflichtung, sondern aus Gründen der Transparenz, so der Präsident.

Seit 17. Mai 2013 können auch Personen gleichen Geschlechts in Frankreich die Ehe schließen (‚marriage pour tous‘, Ehe für alle). Über 7.000 so genannte Homoehen wurden allein im ersten Jahr in Frankreich geschlossen.

Demonstration für Homoehe Frankreich am 27. januar 2013 in Paris ( "Mieux vaut un mariage _GAY_ qu'un mariage triste" - 'Lieber eine Homoehe als eine triste Ehe'), Foto Oliver H.)
Demonstration für Homoehe Frankreich am 27. Januar 2013 in Paris ( „Mieux vaut un mariage _GAY_ qu’un mariage triste“ – ‚Lieber eine Homoehe als eine triste Ehe‘), Foto Oliver H.)

Two protesters during the marriage equality demonstration in Paris, 27 January 2013 wave a sign with the French slogan „Mieux vaut un mariage _GAY_ qu’un mariage triste“ meaning in English „Better a _GAY_ marriage a sad marriage“. The photo is taken in front of the headquarters of w:International Union Against Tuberculosis and Lung Disease  – User:Oliver HCC BY-SA 3.0

Bereits im Vorfeld der Verabschiedung des Gesetzes hatte insbesondere die Organisation ‚manif pour tous‘ (‚Demonstration für alle‘) zu massiven Demonstrationen gegen die Homoehe aufgerufen.

Bisher war über die Geldquellen der Homoehe-Gegner-Organisation nur wenig bekannt. Die Organisation war zu kostenaufwändigen Aktionen in der Lage, nicht nur zahlreiche Großdemonstrationen quer in ganz Frankreich, sondern auch eine umfangreiche ‚Sommer-Universität‘.

Öffentliche Gelder erhalten die Gegner der Homoehe (die ’nicht mehr homofeindlich sein wollen‘) in Frankreich nicht. Allerdings konnte die ‚manif pour tous‘ den von ihnen veröffentlichten Daten zufolge allein 3,231 Mio. € (74%) bei ihren eigenen Anhängern einsammeln. Gesammelt wird nicht nur bei Demonstrationen und Veranstaltungen, sondern auch per Mailings oder Internet-Aktionen. Der Rest stamme überwiegend aus dem Verkauf von Produkten der Organisation (T-Shirts, Sweatshirts etc.).

Die Organisation, die immer wieder mit ultrakonservativen Kirchenkreisen und den ‚Integristen‚ und ‚Civitas‘ in Verbindung gebracht wird und sich gern bemüht sich als breite Volksbewegung zu inszenieren, gibt an sie habe keine Mäzene. Die höchste Einzel-Spende habe sich auf 10.000 Euro belaufen, dies sei ein Einzelfall.

Die bedeutendsten Kostenblöcke der Organisation, die keine bezahlten Mitarbeiter beschäftige, seien drei nationale Großdemonstrationen im ersten Halbjahr 2013 mit durchschnittlich 874.000 € Kosten gewesen.

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Andere Quellen wie die Recherche-Internetseite Mediapart oder das schwule Portal Yagg [2], nennen Organisationen aus dem Mitgliederkreis der mpt als bedeutende Geldquellen, so die (als ‚von öffentlichem Interesse‘ anerkannten) Organisationen ‚Alliance VITA‘, die ‚Associations familiales catholiques‘ sowie ‚Familles de France‘. Manche Organisationen würden die ‚manif pour tous‘ zudem indirekt finanziell unterstützen, z.B. indem sie ihren Mitgliedern Teile der Fahrtkosten zu den mpt-Großdemonstartionen erstatten, heißt es.

Die bedeutende satirische Wochenschrift ‚Le Canard enchaîné‘ meldete [1], der Gründer und Aufsichtsrats-Vorsitzende des französischen Versicherungskonzerns AXA, Claude Bébéar (auf den andererseits auch die französische ‚Charta der Vielfalt‘ zurück geht) habe einen sehr bedeutenden Finanzierungs-Beitrag zur mpt-Großdemonstration gegen die Homoehe am 13. Januar 2013 in Paris geleistet.

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Hinter Großdemonstrationen wie gegen die Homoehe (und in jüngerer Zeit umformuliert gegen vermeintliche ‚Familienfeindlichkeit‘), hinter Organisationen wie mpt stehe weit mehr als „nur“ der Kampf gegen ein Gesetz, betonen politische Analysten. Es gebe eine ‚hidden agenda‘, eine tiefer liegende Strategie der Ultrarechten (nicht nur) in Frankreich. Es gehe darum, ein bestimmtes Gesellschaftsmodell (wieder) zu etablieren, emanzipatorische Erfolge der 1968er Bewegungen zurück zu drehen und Begrifffe wie Ordnung, Familie und Nation wieder in den Mittelpunkt zu rücken [Begriffe, die mich an unseelige Pétain-Vichy-Zeiten erinnern].

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Liberation 30.06.2014: Manif pour tous : la quête fait recette

[1] Le Canard enchaîné: „La manif fourre-tout était cousue d’or“, 16. Januar 2013
[2] Yagg 11.01.2013: Manif anti-mariage du 13: derrière Barjot, la puissance des réseaux cathos

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