Präsident Emmanuel Macron – Politiker jenseits von links und rechts?

Emmanuel Macron, ehemaliger Investmentbanker und  Wirtschaftsminister, ist neuer Präsident Frankreichs. Er sei ‚nicht links, nicht rechts‚, betont Macron, der nach Giscard zweite zentristische Politiker im Amt des Staatspräsidenten.

Emmanuel Macron wurde am 7. Mai 2017 zum 8. Präsidenten der V. Republik gewählt – der ‚unteilbaren, laizistischen, demokratischen, sozialen Republik Frankreich‘ (Rede Laurent Fabius, Präsident des Verfassungsrats, bei der Investitur). Mit 39 Jahren ist Emmanuel Macron der jüngste Staatspräsident der V. Republik. Zum Generalsekretär des Elysée ernannte Macron seinen engen Vertrauten Alexis Kohler.

Emmanuel Macron im April 2015 ( © Claude Truong-Ngoc / Wikimedia Commons)
Emmanuel Macron im April 2015 ( © Claude Truong-Ngoc / Wikimedia Commons)

Emmanuel Macron Biographie

Emmanuel Macron wurde am 21. Dezember 1977 in Amiens als Kind eines Neurologen und einer Kinderärztin geboren. Er studierte Philosophie an der Eliteschule SciencePo in Paris (u.a. Diplomarbeit über Hegel, später Assistent von Paul Ricœur (1913 – 2005)), danach an der ENA. 2006 trat er in die Sozialistische Partei (PS) ein.

Als junger Finanzinspektor wurde er Mitglied der ‚commission Attali‘ (die Reformvorschläge erarbeiten soll), wird dort stellvertretender Berichterstatter. Im Januar 2008 beendet die Kommission ihre Arbeiten. Die (konseravtive) Wirtschaftsministerin Lagarde möchte ihn in ihr Kabinett holen, doch Macron (der nicht für eine rechte Regierung arbeiten möchte) lehnt ab. Aus dem gleichen Grund geht er zwei Jahre später nicht auf Avancen ein, Mitglied im Team des damaligen Premiers Francois Fillon im Matignon zu werden.

Am 1. September 2008 (zwei Wochen vor der Lehman-Pleite) beginnt Macron als Investmentbanker bei der Investmentbank Rothschild (wie vor ihm auch der spätere Präsident Pompidou). Er wird zunächst ‚directeur‘ mit einer Probezeit von sechs Monaten, später Partner, arbeitet an ‚fusacs‘ (fusion acquisition, mergers and acquisitions) und erlebt die Finanzkriese von innen. Macron wirkte mit an der Rettung der auf Verbraucherkredite spezialisierten Cofidis, ist verantwortlich für komplexe Dossiers wie die Restrukturierung der Finanzierung des Immobilenunternehmens Gecina, berät pro bono die Redakteure-Vereinigung SRM bei der Rekapitalisierung der Zeitung Le Monde, ist an der Fusion des IT-Unternehmens Atos mit der früheren IT-Sparte von Siemens beteiligt. Sein wohl bekanntester ‚Deal‘: kurz vor seinem Ausscheiden vermittelt er die Übernahmen der Pfizer-Babymlich-Sparte durch den schweizer Konzern Nestlé (ohne dass Nestlé Kunde von Rothschild war, sondern durch persönlichen Kontakt zu Konzernchef Peter Brabeck, den er aus der gemeinsamen Zeit in der ‚commission Attali‘ kennt).

Ende Mai 2012 scheidet Macron bei Rothschild aus. Auf Empfehlung des früheren Mitterrand-Beraters Jacques Attali wird er Generalsekretär im Elysée und  Berater des neugewählten Präsidenten Hollande.

Für Staatspräsident Hollande dient er als Sherpa z.B. für die Vorbereitung auf die G7- und G20 – Treffen sowie auf die europäischen Spitzengespräche während der Finanzkrise um Griechenland.

Von August 2014 bis zum 30. August 2016 war Macron Wirtschaftsminister. Am 10. November 2016 gab er die Kandidatur als Unabhängiger für die Präsidentschaftswahl Frankreich 2017 bekannt. Hierfür hatte er bereits im April 2016 seine Bewegung ‚En marche!‘ (etwa ‚Auf geht’s!‚; abgekürzt sicher nicht zufällig mit seinen Initialen) begründet. Im Mai 2017 wurde sie zur Partei La République En Marche! (LRM) umgewandelt.

Am 7. Mai 2017 wurde er zum 8. Präsidenten der V. Republik gewählt. Die Amtsübergabe (Amtseinführung) erfolgt am 14. Mai 2017.

wofür steht Macron?

Macron schätzt den österreichischen Philosophen Karl Popper. Er gilt als proeuropäisch und Verfechter einer pluralistischen Gesellschaft

Politisch formuliert Macron die These vom ‚leer gebliebenen Platz‘ in der Mitte der Republik. Durch die aus ihrem Wesen resultierende Unvollkommenheit weise die Republik in ihrer Mitte eine Leerstelle auf, in Frankreich symbolisiert in Form des abwesenden Königs.

Gegen Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National (die für einen Ausstieg aus dem Euro und der EU eintritt) positioniert der aus Amiens in Nordwestfrankreich stammende Macron sich wiederholt, so auch in einer TV-Debatte am 4. April 2017 deutlich:

„Ce que vous proposez, c’est le nationalisme. Le nationalisme c’est la guerre. Je viens d’une région, qui est pleine de ces cimetières (…) Vous réitérez les mensonges qu’on entend depuis quarante ans et qu’on entendait dans la bouche de votre père“
(„Sie fordern Nationalismus. Das aber bedeutet Krieg. Ich stame aus einer Region voller Friedhöfe. … Sie wiederholen Vorschläge die wir seit vierzig Jahren hören, und die wir schon aus dem Mund Ihres Vaters hörten.“ Übers. UW)

Seine Politik (gelegentlich bereits als ‚macronisme‘, Macronismus bezeichnet)  wird als sozialliberal, wirtschaftsfreundlich und pragmatisch beschrieben. Im Wahlkampf verwendet er zunehmend die ‚Werte der Republik‘ Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit als wesentliches Motto.

„Il est indispensable de réinventer un solidarisme contemporain .“
(Es ist notwendig einen Solidarismus der Gegenwart neu zu erfinden. (Übers. UW))

Er spottet gerne über die vermeintliche Zweiteilung der politischen Welt ‚entweder Thatcher oder Trotzki‘ (eine in Frankreich traditionelle Bipolarität, der er dennoch mit seine politische Karriere verdankt),

„Je ne suis pas d’un côté ni de l’autre, je suis pour la France.“
(Ich bin weder auf der einen noch der anderen Seite. Ich bin für Frankreich. (Übers. UW))

Macron – ein Politiker, der weder links noch rechts ist? Am ehesten und treffendsten verdeutlicht dies wohl die Stichwahl der Präsidentschaftswahl 2017. Hier trafen weniger links und rechts auf einander. Hier war vielmehr die Auseinandersetzung zwischen zwei Weltbildern – ein abgeschlossenes, protektionistisches und vom Grundgefühl ängstliches Frankreich mit Vorrechten für gebürtige Franzosen gegen ein aufgeschlossenes, Europa und der Welt zugewandtes Frankriech mit einer pluralistischen Gesellschaft.

„Europa und die Welt erwarten, dass wir überall die Werte der Aufklärung verteidigen. … Wir werden nicht nachgeben gegenüber Angst und Spaltung. … Wir werden einen neuen Humanismus schaffen.“
(Präsident Macron am 7. Mai 2017 abends vor 15.000 Anhänger/innen auf dem ‚Carrousel du Louvre‘)

Es genügt nicht mehr, nur in kleinen Schritten voranzugehen. Wir müssen das Wesen Europas verändern.“
(Interview SZ Herbst 2015)

Je ne peux pas garder l’Europe telle qu’elle est.
(Europa kann in meinen Augen nicht so bleiben, wie es derzeit ist. Übers. UW; 5. mai 2017 in Le Parisien)

Geradezu als ‚Blaupause‘ seiner europapolitischen Konzepte gelesen werden kann die achtseitige, von Macron (F) und Meyer-Landrut (D) im Auftrag von Merkel und Hollande entwickelte und am 30. Mai 2013 in Paris präsentierte deutsch-französische Absichtserklärung – ein Katalog gemeinsamer Lösungsansätze.

Ein eigenes Programm stellte Macrons Bewegung ‚En marche!‘ vergleichsweise spät Ende Februar 2017 der Öffentlichkeit vor.  Im Kern: derBegriff der Erneuerung.

Ich glaube nicht an Heilsbringer. Aber die Art und Weise, wie unser Land regiert wird, muss sich radikal ändern.“ (Macron im Spiegel 73/2017)

Als erste Amtshandlung werde er nach seiner Wahl zum Präsidenten Frankreichs „die drei großen Reformen“ angehen, „der Arbeitsmarkt muss geöffnet werden, die Ausbildung muss verbessert werden, und das Schulsystem soll wieder die Chancengleichheit befördern.“ Politik betrachte er selbst nicht als Lebensaufgabe, in 20 Jahren sei er ’nicht mehr in der Politik‘.

Er wolle eine Regierung bilden, deren Kabinett maximal 15 Personen umfasse. Diesem solle sowohl Politiker „der Linken, der Mitte und der Konservativen“ als auch Männer und Frauen der Zivilgesellschaft angehören.

Nachs einer Wahl zum Präsidenten Frankreichs trat Macron am 8. Mai 2017 vom Vorsitz seiner Bewegung zurück. Seine Nachfolgerin als Interims-Präsidentin von La République En Marche (LRM) wurde Catherine Barbaroux.

Macron ein Zentrums-Politiker?

Politische Beobachter äußerten bereits, Macron (bzw. der ‚Macronismus‘) erinnere sehr an Valery Giscard d’Estaing (VGE). Der Zentrist Giscard war 1974 bis 1981 der in der 5. Republik bisher einzige Präsident, der nicht entweder von den Rechten oder den Linken gestellt wurde. Auch er trat an als reformorientierter Modernisierer. Und auch Giscard schrieb bereits 1984 davon, die Gegensätze zwischen links und rechts zu überwinden, und stattdessen eine ‚Äzentrale Gruppe‘ zu schaffen, die sich um gleiche oder ähnliche Werte herum versammele.

Andere vergleichen Macron mit Pierre Mendès France (1907 – 1982). Der Gründer der auf Modernisierung und Erneuerung der Repubik ausgerichteten ‚parti radical‚ war u.a. 1954/55 Ministerpräsident der Vierten Republik.
Politisch vegleichbar ist Macrons Bewegung En marche! vielleicht am ehesten mit der spanischen Bewegung und inzwischen Partei Ciudadanos, mit deren Leiter Macron auch gut bekannt ist.

Macron und die Präsidentschaftswahl 2017

Emmanuel Macron, ehemaliger Wirtschaftsminister unter dem PS-Präsidenten Hollande, ließ vergleichsweise früh sein Interesse an einer Kandidatur für das Amt des Präsidenten Frankreichs erkennen. Lange wurden ihm jedoch nur mäige Chancen eingeräumt. Der Sozialist Manuel Valls sowie der Konservative Alain Juppé galten neben der Rechtsaußen Le Pen als aussichtsreichste Kandidat/innen. Doch seit Ende 2016 änderte sich die Situation gravierend.

Macron profitiert insbesondere auch von zwei Entwicklungen anderer Parteien

  • die Sozialisten PS haben mit Benoît Hamon einen ‚Parteirebellen‘ (frondeur) zum Kandidaten gewählt. Hamon vertritt eher das linke Spektrum der Partei. Zahlreiche eher zur Mitte tendierenden PS-Politiker fühlen sich von seinem Programm nicht ausreichend vertreten.
  • die Konservativen Les Républicains LR haben mit François Fillon einen sehr konservativen Kandidaten aufgestellt. Fillon vertritt konservativ-katholische Positionen. Vertreter der ‚Bewegung‘ sens commun (aus der Homoeehegegner-Gruppierung manif pour tous hervorgegangen) sind in seiner Kampagne sehr präsent. Nach mehreren Affären (‚Penelopegate‘) und drohender Anklageerhebebung gilt Fillon als zunehmend geschwächt.

Beide Entwicklungen lassen ‚in der Mitte‘ eine große Leerstelle. Sowohl zur Mitte tendierende Sozialdemokraten als auch gemäßigte Konservative und Liberale finden in den beiden Kandidaten der großen Parteien kein ‚Zuhause‘.

Damit eröffnete sich eine neue, wenige Monate zuvor noch nicht absehbare Konstellation. Macron gelang es auch mithilfe der Allianz mit dem Zentristen Bayrou (MoDem), gemäßigte Konservative (besonders von Fillon enttäuschte) genauso zu erreichen wie gemäßigte Sozialisten – und so sein Wähler-Potential deutlich zu erweitern.

Macron erzielte im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl Frankreich 2017 das höchste Stimmergebnis und trat am 7. Mai in der Stichwahl gegen Marine Le Pen an, gegen die er sicht deutlich durchsetzte.

Damit traten in der Stichwahl am 7. Mai auch Vertreter zweier konträrer Gesellschaftsmodelle gegen einander an, ‚Zuversicht gegen Angst‘, ‚Globalisierung als Chance oder als Bedrohung‘ und ‚Europäische Integration oder französischer Nationalismus‘.

Gleichzeitig liegt herin auch die größte Herausforderung Macrons, sollte er Präsident werden: ihm muß in den kommenden fünf Jahren der Präsidentschaft gelingen, deutliche Verbesserungen bei den großen Aufgabenfeldern der französischen Politik (wie Arbeitsloigkeit, insbes. Jugendarbeitslosigkeit, Wirtschaftswachstum, Situation in den Vorstädten etc.) zu errichen. Sollte auch Macron an dieser Aufgabe scheitern, ist die Gefahr groß, dass den Rechtsextremen eine Regierungsübernahme gelingt.

Ein Erfolg Macrons bei der Modernisierung der französischen Gesellschaft liegt damit nicht nur im Interesse seiner eigenen Anhänger, sondern auch aller Freiheit und Demokratie schätzenden Kräfte. Und auch Deutschland ist gefordert, seinen europapolitisch bedeutendsten Partner Frankreich im Sinn einer gemeinsamen zukunftsorientierten Problemlösung aktiv zu unterstützen.

Das Team von En Marche! und Emmanuel Macron

Zum Team von Emmanuel Marcon zur Zeit von En marche! zählen zahlreiche Spitzenpolitiker und Abgeordnete der Sozialisten (PS), aber auch viele Experten aus der Wirtschaft:

  • Jean Pisany-Ferry (Wirtschaftswissenschaftler, 2005 – 2013 Direktor der von Frankreich und Deutschland gegründeten Denkfabrik Bruegel) – Verantwortlich für das Programm der Partei
  • Laurence Haïm (Journalistin, früher Canal+ und iTélé) & Benjamin Griveau (ehem. Abgeordneter PS) – Pressesprecher/in von Emmanuel Macron
  • Richard Ferrand (früher Abgeordneter PS, Finistère) – Generalsekretär En marche!
  • Bernard Mourad (ehem. Banker und Berater des Unternehmers Patrick Drahi) – Berater für Sonderfragen
  • Ismaël Emelien (ehem. Berater ‚Kommunikation und Strategie‘ von Macron in seiner Zeit als Wirtschaftsminister; verließ das Wirtschaftsministerium 4 Monate vor Macron, um En marche! aufzubauen)

LGBT-Themen im Programm von Emmanuel Macron

Am 2. März 2017 stellte Emmanuel Macron in Paris sein Programm vor.

Im Bereich ‚Famile und Gesellschaft‘ (Internetseite) kündigt er im Vorwort an, er wolle die Gesellschaft befrieden und für gleiche Rechte aller eintreten. Es gebe nicht eine einzige Art der ‚wahren‘ Familie. Es gelte anzuerkennen dass Familie vielmehr zunehmend divers sei. Jedem sei sein Lebensstil als Familie und seine ihm/ihr  eigene Verantwortlichkeit als Eltern zuzugestehen.

Die Homoehe, die er zu verteidigen verspricht, sei seit der Präsidentschaft von François Holland zwar im Gesetz verankert. Dennoch sei Gleichheit im realen Leben immer noch nicht Realität, Ungerechtigkeiten bestünden weiterhin. Immer noch würden Menschen aufgrund ihrer Homosexualität diskriminiert.

Gerade auch die ‚alltägliche Homophobie‘ gelte es zu bekämpfen, besonders auch im Öffentlichen Dienst, in der Schule und im Arbeitsleben, auch durch Stichproben-Kontrollen und öffentliches Benennen von Vorfällen.

Kinder zu haben könne auf natürlicher Zeugung, auf Adoption und auf künstlicher Befruchtung beruhen. Alle drei Arten gelte es gleich zu behandeln. Er werde dafür eintreten, die künstliche Befruchtung (procréation médicalement assistée. PMA) auch alleinstehenden Frauen sowie Frauen-Paaren zu ermöglichen. Zunächst solle die Empfehlung des Nationalen Ethikrats (Comité consultatif national d’éthique; erwartet für Ende Frühjahr 2017) abgewartet werden, danach strebe er einen ‚größtmöglichen gesellschaftlichen Konsens‘ an in Debatten frei von Angriffen auf ‚gleichgeschlechtliche Beziehungen und ihre Familien‘. Im Ausland aufgrund künstlicher Befruchtung geborene Kindern sollten in Frankreich juristisch anerkannt werden (statt sie wie Ausländer zu behandeln).

Gesundheitspolitisch spricht Macron sich für eine Intensivierung der HIV-Präventions-Kampagnen sowie von HIV-Tests und Tests auf sexuell übertragbare Infektionen aus, gerade auch für junge Schwule. Auch sollten spezifische Probleme bei lesbischen Frauen Berücksichtigung finden.

Zum Zustandekommen der Homoehe hatte Macron Ende Februar (und damit nahezu zeitgleich mit der homophoben Kampagne gegen ihn, s.u.) mit einer konroversen Äußerung kurzzeitig für Aufsehen gesorgt. Angesichts der heftigen Debatten 2012/13 um die Einführung sagte er einem französischen Magazin, damals seien nicht ‚alle Teile Frankreichs‚ berücksichtigt, einige ‚gedemütigt‚ worden. Bereits kurze Zeit später ergänzte er, offensichtlich überrascht von heftigen Reraktionen und Vorwürfen, die homosexuelle Community werde in ihm ‚immer einen Fürsprecher‚ haben.

Am 16. April 2017 wiederholte Macron siene Positionen zu LGBT-Themen in einem ‚offene Brief LGBTI‘ (‚Lettre ouverte d’Emmanuel Macron – LGBTI, Link). Wiederum werden – anders als der Titel andeutet – Trans* und Intersexuelle im Text nicht erwähnt. Andere Positionen wie Prävention von LGBT-Phobie werden konkretisiert.

Macron – woher eine Parlaments-Mehrheit?

Auch nach der Wahl von Emmanuel Macron zum Präsidenten Frankreichs ist eine entscheidende Frage weiterhin offen:  woher soll die für die Umsetzung seiner Politik der ‚Transformation‘ erforderliche Mehrheit im Parlament kommen?

Frankreich wählt nicht nur im Frühjahr den Präsidenten der Republik – im Sommer (11. und 18. Juni 2017) folgen auch Parlamentswahlen. Kann es Macrons noch sehr junger Partei ‚La République en Marche‚ (LREM) gelingen, bis zur Wahl in jedem der 577 Wahlbezirke möglichst aussichtsreiche Kandidat/innen aufzustellen? Einer Partei, die im Frühsommer 2016 gegründet wurde und damals ‚bei Null‘ anfing, ohne Mitglieder, ohne Strukturen, ohne Abgeordnete, ohne Finanzierung?

Im März 2017 hatte En Marche! etwa 214.000 Mitglieder und 3.755 lokale Gliederungen. Auch wenn die Zahl der Unterstützer/innen Macrons steigt – für das Ziel einer eigenen Mehrheit bei der Parlamentswahl liegt noch viel Arbeit vor der jungen Patrei.

Zahl der Unterstützer von Emmanuel Macron wächst

Präsident Hollande hat die Mitglieder der Regierung gebeten, sich bis zum offiziellen Start der Wahlkampagne (24. März) ‚bedeckt zu halten‘. Ab diesem Zeitpunkt wird die Unterstützung zahlreicher Regierungs-Mitglieder für Macron erwartet.

Mit Barbara Pompili, Staatssekretärin für Biodiversität, erklärte am 21. März 2017 das erste Regierungs-Mitglied, Macron zu unterstützen. Am gleichen Tag erklärte Bernard Poignant, ein enger Berater von Präsident Hollande, Macron zu unterstützen und verliße den Elysée. Am 23. März folgte Thierry Braillard, Staatssekretär für Jugend und Sport. Der bisherigen Verteidigungsminister und Präsident der Region Bretagne Jean-Yves Le Drian erklärte am 23. März seine Unterstützung, ebenso der frühere Transportminister Frédéric Cuvillier.

Manuel Valls, lange Zeit Ministerpräsident, kündigte am 29. März an Macron ab dem ersten Wahlgang zu wählen (ohne Macrons Bewegung beizutreten). Valls deutete an, er halte eine zukünftige ’sozialdemokratischen Platform‘ innerhalb der ‚zukünftigen Präsidenten-Mehrheit‘ für denkbar, mit ihm an der Spitze.

Macron-Unterstützer aus der PS vor der Wahl zum Präsidenten

Ex-Premierminister und Außenminster Jean-Marc Ayrault erklärte bereits vor der Wahl von Hamon, er werde nicht zwangsläufig den Sieger der Vorwahl der PS unterstützen. Es komme darauf an, eine Dynamik zu entfalten, es gehe um die Zukunft des Landes und Europas. Hier könnte sich eine Unterstützung für den in Umfragen weiter zulegenden Macron andeuten.

Der frühere Außenminister und Ärzte-ohne-Grenzen – Mitgründer Bernard Kouchner erklärte offen, Macron unterstützen zu wollen.

Bereits am Abend der Stichwahl der PS und in den ersten Tagen danach erklärten erste Politiker/innen der Partei, bei der Präsidentschaftswahl Frankreich 2017 Emmanuel Macron zu unterstützen, wie Mao Peninou (Paris XIX.). Weitere Politiker/innen folgten, wie Alain Calmette (Cantal), François Loncle (Eure), Gérard Collomb (Lyon), Richard Ferrand (Finistère), Christophe Castaner (Var), Christophe Caresche (Paris), Jean-Louis Missika (Paris).

Am 8. März erklärte ein weiterer Spitzenpolitiker der PS, Emmanuel Macron zu unterstützen:  Bertrand Delanoë, 13 Jahre bis 2014 Bürgermeister von Paris. Delanoë, 1998 erster Spitzenpolitiker Frankreichs mit öffentlichem Coming out als Schwuler, erklärte er halte Hamons politischen Kurs für ‚gefährlich‘. Am 6. April ließ Daniel Vaillant, Innenminister unter Jospin, wissen er werde ab dem ersten Wahlgang Macron wählen.

Macron-Unterstützung außerhalb der PS

Der Vorsitzende der Zentristen der MoDem, Francois Bayrou (der während der Vorwahlen der Konservativen Alain Juppé unterstützt hatte) bot Macron Ende Februar 2017 eine Allainz an. Macron akzeptierte Bayrous politische Bedingungen für eine Allianz (insbesondere die Einführung des Verhältniswahlrechts) noch am gleichen Tag. Auch die stellvertretende MoDem-Vorsitzende und frühere Umweltministerin Corinne Lepage unterstützt Macron.
Mit Ary Chalus (Gruppe RRDP, liberal/ Zentrum) unterstützt erstmals ein Regional-Präsident (Guadeloupe) Macron.

Am 26. März wechselten gleich neun Senatoren der rechtszentristischen UDI aus dem Lager von Fillon zu Macron hinüber – per Zeitungsanzeige. Auch der Europa-Abgeordnete Jean Arthuis wechselte zu Fillon, seine kleine Formation ‚alliance centriste‘ wurde deswegen aus der UDI ausgeschlossen.

Auch der frühere Grünen-Kandidat der offenen Linken-Vorwahl François de Rugy erklärte Mitte Februar seine Unterstützung für Macron, ebenso wie , ehemaliger Sprecher der Umweltstiftung

Mitte März erklärte der ehemalige Generalsekretär der Partie communiste (PC), Robert Hue, er schließe sich Macron an.

Aus den Kreisen der Konservativen wird Macron u.a. unterstützt von Jérôme Grand d’Esnon (ehemaliger Kampagnen-Direktor (Vorwahl) von Bruno Le Maire), Renaud Dutreil (ehem. Staatssekretär und Minister), von Jean-Paul Delevoye (2002 – 2004 Minister für den öffentlichen Dienst unter Chirac) und dem Senator (Yonne) Jean-Baptiste Lemoyne (gegen den die LR daraufhion ein Ausschlußverfahren einleiteten). Es folgen Dominique Perben (Justizminister unter Chirac), Alain Madelin (u.a. Minister für Post und Fernmeldewesen unter Chirac), Jean-Jacques Aillagon (ehem. Minister für Kultur- und Kommunikation) und Pierre Méhaignerie (ehem. Justizminister). Kurz vor dem ersten Wahlgang erklärte auch der frühere Premierminister Dominique de Villepin seine Unterstützung.

Pierre Berger, früherer Besitzer von Tetu und Witwer von Yves Saint-Laurent, erklärte am 30. Januar 2017 ebenfalls, Macron unterstützen zu wollen.

Emmanuel Macron schwul ?

Mitte Februar 2017 wurde auf diversen Internetseiten (oftmals russischen Hintergrunds) teils unter Berufung auf wikileaks das Gerücht gestreut, Emmanuel Macron sei homosexuell, habe ein Verhältnis mit einem Radio-Direktor. Zudem werde er von einer ’sehr reichen Homo-Lobby‘ unterstützt. Ein konservativer Politiker der LR griff dies auf, verbreiteet Teile in Interviews weiter.

Macron reagierte auf die Gerüchte gelassen. Dies sei zwar für seine Frau (er ist seit 2007 mit seiner ehemaligen deutlich älteren Französisch-Lehrerin verheiratet) ‚unangenehm‘. Zwei Dinge seien besonders abscheulich an den Gerüchten, erklärte Macron gegenüber dem französischen LGBT-Magazin Tetu, die Homophobie sowie die unterschwellige Behauptung, wenn ein Mann mit einer deutlich älteren Frau zusammen lebe, könne er nur homosexuell sein. „Wäre ich homosexuell, würde ich es sagen und leben.

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Text zuletzt aktualisiert 22. Mai 2017

Valery Giscard d’Estaing

Valery Giscard d’Estaing, 1926 in Koblenz geboren, war vom 27. Mai 1974 bis zum 21. Mai 1981 Staatspräsident Frankreichs. In seine Amtszeit fallen zahlreiche Schritte einer vorsichtigen Modernisierung der Gesellschaft, andere bleiben seinem Nachfolger François Mitterrand vorbehalten.

Der frühere französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing nahm ebenfalls an dem Staatsakt für Helmut Schmidt am 23.11.2015 teil (Foto: WDKrause, Lizenz cc-by-sa 4.0)
Der frühere französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing beim Staatsakt für Helmut Schmidt am 23. November 2015 teil (Foto: WDKrause, Lizenz cc-by-sa 4.0)

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LGBT Internetportal Yagg zurück aus Insolvenz

Französisches LGBT Internet-Portal Yagg zurück. Dies teilte die Seite selbst in einer Stellungnahme mit. Erst Ende 2016 hatte das Handelsgericht das Insolvenzverfahren eröffnet.

Nach ernsthaften finanziellen Problemen kam die bisher Yagg herausgebende Gesellschaft LGNET im September 2016 unter Zwangsverwaltung. Ende Oktober 2016 beschloss das Handelsgericht Paris die Liquidation des Unternehmens – das vermeintliche endgültige Aus für das LGBT-Internetportal Yagg.

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citizen gay – David Girard (1959 – 1990)

Er prägte das schwule Nachtleben von Paris Ende der 1980er Jahre wie kaum ein anderer: der Geschäftsmann David Girard. Als einer der ersten baute er ein ’schwules Imperium‘ auf. Als ‚König des schwulen Nachtlebens‘ erwarb er sich den Spitznamen ‚citizen gay‘.

David (Jacques) Girard wird 1959 in der Kleinstadt Saint-Ouen nordwestlich von Paris (Départment Seine-Saint-Denis) geboren. Sein Vater ist ein aus Tunesien stammender Jude, seine Mutter arbeitet als Prostituierte. 1974, David ist 15 Jahre alt, stirbt seine Mutter. Er verläßt die Schule, schlägt sich zunächst mit Gelegenheitsarbeiten durch, bevor er nach Paris umzieht und als Jungkoch arbeitet.

David Girard

Mit 21 beginnt er als Stricher auf der rue Saint-Anne und im Bois de Boulogne zu arbeiten – ein Anfang einer Karriere als Geschäftsmann, den er auch später (ebenso wie die Arbeit seiner Mutter) nie leugnet.

Je ne sais pas si c’est vraiment le plus vieux métier du monde, en tout cas, c’est celui que faisait ma mère.“ (Beginn des Textes auf der Rückseite des Außenumschlags seiner Autobiographie)
(Ich weiß nicht, ob es wirklich das ‚älteste Gewerbe der Welt‘ ist, auf jeden Fall war es das, was eine Mutter machte. Übers. UW)

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Le Continental Opéra – legendäre schwule Sauna in Paris

Die Continental Opéra nahe der Oper Garnier in Paris war einst die größte schwule Sauna Europas. 1992 musste sie schließen.

Im 2. Arrondissement nahe der (alten) Oper von Paris (Palais Garnier) wurde 1975 (teils in den Räumen eines ehemaligen Kinos) eine schwule Sauna eröffnet: Le Continental Opéra.

Nach dem ebensfalls 1975 eröffneten zweiten Raum des ‚Bronx‚ (Paris‘ erster damals noch nicht so genannter Darkroom, ein Raum mit Pornofilmen und Liegen) war die Continental Opéra damls der zweite institutionalisierte und kommerzielle schwule Ort in Paris mit Möglichkeit zum sofortigen Sex. Gefolgt 1976 von der ersten ‚Sex-Disco‘ Frankreichs, dem ‚Le Manhattan‚.

Hinter einem kleinen, bescheiden wirkenden Eingang verbarg sich eine ‚Mega-Sauna‘ auf drei Etagen. Zu ihrer Zeit galt sie als die größte schwule Sauna Europas und warb selbst mit dem Hinweis ‚unique en europe‚.

Continental Opéra - Türschild der längst nicht mehr existierenden legendären Pariser schwulen Sauna
Continental Opéra – Türschild der längst nicht mehr existierenden legendären Pariser schwulen Sauna (ehem. 32, rue Louis Legrand)

1981 – Polizei-Kontrollen, Diskriminierung älterer Gäste ?

1981, im Jahr der Präsidentschaftswahl, bei der Francois Mitterrand schließlich neuer Präsident wurde und bald das Sonderstrafrecht gegen Homosexuelle abschaffte, verschärfte die Polizei Maßnahemn gegen Orte schwulen Lebens in Paris. Einige Bars wie das Trap und das BH wurden gezwungen, bereits nachts um 2:00 Uhr zu schließen. Auf der Rue Saint Anne oder im (Cruising-) Park der Tuilerien kam es häufiger zu Polizeikontrollen, und auch die Continental Opéra berichtete über häufgere Feststellung der Identität von Gästen durch die Polizei.

Doch auch die Saunen selbst machten manchen Gästen das Leben schwer. Immer mehr von ihnen gingen dazu über, älteren Gästen den zutritt zu verwehren.
Der Inhaber der Continental Opéra berichtet schließlich gegenüber dem Gai Pied den Grund der von betroffenen Gästen als diskriminierend empfundenen Maßnahme: seine Betriebs-Haftpflicht-Versicherung weigerte sich, die Risiken durch Unfälle und Zwischenfälle, insbesondere Herz-Kreislauf-Probleme für Personen über 50 Jahre zu übernehmen.

1985 – Anschlag auf die Continental Opéra

In der Nacht vom 10. Juni 1985 wurde die Sauna bei einem Anschlag stark zerstört.

Kurz nach Schließung  drangen zwei Personen in das Gebäude ein. Sie knebelten den Wächter und entzündeten zuvor verschüttetes Benzin. Das Feuer zerstörte zwei Drittel der Sauna. Drohbriefe oder sonstige Drohungen waren nicht erfolgt; niemand bekannte sich zu dem Anschlag.

1992 – das Aus für die Continental Opéra

Nach sechzehn Jahren musste die Continental Opéra Ende März  1992 endgültig schließen. Aus einem banalen Grund, der Pachtvertrag wurde nicht verlängert.

Continental Opéra – ich erinnere mich

Ich war seit Mitte der 1980er Jahre oft in dieser Sauna. Hatte hier viele schöne Momente, einige spannende Begegungen. Und ich lernte im Frühsommer 1989 Jean-Philippe hier kennen.

Aus dieser Zeit erinnere mich an die Sauna und meine Besuche dort:

„Eine Sauna, so groß dass Frank und ich uns beim Cruisen lange Zeit nicht be­gegnen. Ein Standard an Ausstattung, der die meisten deutschen Schwulen-Saunen damals alt aussehen lässt. Zudem ist die Sauna gut besucht, selbst tagsüber an einem Werktag viele junge, gut aussehende Gäste. Gäste, die wissen, aus welchem Grund sie in diese Sauna gegan­gen sind.
Ich streife durch ein Laby­rinth ver­winkelter Gänge. Kabinen wie Karnickelställe über einander ge­stapelt lie­gen im Halbdunkel. Jungs und Männer streu­nen herum, schein­bar ziellos und doch offensichtlich ein klares Ziel vor Augen.
Viele Kabinen sind besetzt, die meisten mit offen stehender Tür. Ich beobachte die In­sassen, oftmals anmutig posierend an der Wand gelehnt, oder lasziv auf der mit einer Art Gummituch bezogenen Matratze ausgestreckt. Durch Bewe­gungen ihrer Augen signalisieren sie, ob an einem der vorbei schlen­dernden Männer Interesse besteht.“

sie war etwas Besonderes – die Continental Opéra

Jean Le Bitoux beschreibt die Continental Opéra in seinen Memoiren:

„Cet établissement relativement cher avait mes faveurs. On y déambulait nu sous une simple serviette de bain nouée aux hanches. C’était un espace que je fréquentais depuis des années, étrange et merveilleux, avec des mosaïques d’inspiration gréco-romaine, une salle de musculation, plusieurs bains de vapeur, un restaurant, un bar américain, une grande piscine et de nombreuses cabines de repos et de baise.“
(Ich mochte diese vergleichsweise teure Einrichtung sehr gerne. Hier spazierte man nackt herum, ein einfaches Badetuch um die Hüften geknotet. Seit Jahren kam ich hierher, an diesen seltsamen und wunderbaren Ort, mit Mosaiken im griechisch-römischen Stil, einem Fitness-Raum, mehreren Dampfbädern, einem Restaurant, einer amerikanischen Bar, einem großen Swimming Pool und unzähligen Kabinen zum Relaxen und Ficken. [Übers. UW])

Der aus Argentinien stammende, in Paris lebende Zeichner und Autor Copi (i.e. Raúl Damionte Botana, 1939 – 1987) setzte der ‚Conti‘ literarisch ein Denkmal in seinem Roman Le Bal des Folles (1977; dt. 1983 Die Schlange von New York):

„C’est mardi, mais c’est mardi gras. Aujourd’hui, les folles du Continental sont permises de se travestir, elles vont et viennent sans arrêt des galeries Lafayette qui se trouvent tout près, ce soir il y a un grand bal autour de la piscine.“
(Es ist Dienstag, aber es ist Karneval. Heute dürfen die Tunten der Continental sich verkleiden, sie kommen und gehen ohne Unterlaß ins nahe gelegene Kaufhaus Lafayette, heute Abend ist ein großer Ball am Swimming Pool. [Übers. UW])

Michel Foucault über die Bedeutung schwuler Saunen

Michel Foucault, der ‚die Conti‘ ebenfalls besuchte, bemerkte über schwule Saunen und ihre Bedeutung (Gespräch mit Jean Le Bitoux) 1978:

„Je dis que c’est important qu’il y ait des endroits comme les saunas où, sans qu’on soit emprisonné, épinglé dans sa propre identité, dans son propre état civil, son passé, son nom, son visage, etc, on puisse rencontrer des gens qui sont là et qui ne sont pour nous, comme l’on est pour eux, rien d’autre que des corps avec lesquels les combinaisons, les fabrications de plaisir les plus imprévue sont possible. Cela fait absolument partie d’expériences erratiques qui sont importantes, et qu’il est je dirais politiquement important que la sexualité puisse fonctionner comme cela.“ (Bitoux S. 307)
(Ich sage es ist wichtig solche Orte wie Saunen zu haben, an denen wir, ohne dass wir in unserer eigenen identität gefangen sind, in unserem zivilen Zustand, unserer Vergangenheit, unserem Namen, unserem Gesicht etc., andere Menschen treffen können, die für uns – wie wir für sie – einzig Körper sind, mit denen Verbindungen, Hervorbringung unvorhersehbarer Vergnügungen möglich sind. Dies ist absolut ein wichtiger Bestandteil unserer erratischen Erfahrungen, und ich halte es für politisch bedeutsam, dass Sexualität so funktionieren kann. [Übers. UW])

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Text zuletzt aktualisiert 17. Februar 2017

Francois Hollande Bilanz verregnet, oder auch Sonne?

Francois Hollande gilt als ‚unbeliebtester Präsident der V. Republik‘ und kandidiert nicht für eine Wiederwahl. Eine Hollande Bilanz sieht bei genauerem Hinsehen nicht so trübe aus wie oft dargestellt.

Sieben von zehn Franzosen halten Francois Hollande gegen Ende seiner Amtszeit für einen ’schlechten Präsidenten‘, zeigte eine am 6. April 2017 veröffentlichte Umfrage für franceinfo. Er ‚erreicht‘ damit ähnlich schlechte Werte wie sein Vorgänger Sarkozy zum Ende seiner Amtszeit.

Allerdings: 54% der Befragten halten seine sozialen Reformen für positiv. Und 48 Prozent halten die Einfühjrung der ‚Ehe für alle‘ (marriage pour tous; ‚Homoehe‘) für das markanteste Ereignis seiner Amtszeit.

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KZ Gedenkstätte Dachau – Homosexuelle NS-Opfer und das einst schwierige Gedenken

Seit 1995, fünfzig Jahre nach Ende der NS-Herrschaft, werden in der KZ-Gedenkstätte Dachau homosexuelle NS-Opfer mit einer Gedenktafel erinnert. Zehn Jahre zuvor war ein erster Versuch eine Gedenktafel anzubringen an Widerstand gescheitert.

Es brauchte zehn Jahre nach Fertigstellung eines Gedenksteins, bis in der KZ-Gedenkstätte Dachau Homosexuelle als Opfergruppe der NS-Herrschaft in Form eines Gedenksteins erinnert werden konnten – 1995, 50 Jahre nach Kriegsende:

Dachau Homosexuelle - die erste für die KZ-Gedenkstätte Dachau erstellte Gedenktafel an homosexuelle NS-Opfer
die erste für die KZ-Gedenkstätte Dachau erstellte Gedenktafel an homosexuelle NS-Opfer

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Berlin Nollendorfplatz Rosa Winkel – Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

Seit 1989 hängt am U-Bahnhof Berlin Nollendorfplatz eine Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen – damals das erste Gedenken an homosexuelle NS-Opfer im Öffentlichen Raum.

Die Gedenktafel wurde am 24. Juni 1989 am U-Bahnhof Nollendorfplatz (am Ende der Motzstrasse) enthüllt. Die Gedenktafel – eine dreieckige Tafel aus rotem Granit, in Erinnerung an den ‚Rosa Winkel‘ – trägt den Text

TOTGESCHLAGEN
TOTGESCHWIEGEN
DEN
HOMOSEXUELLEN OPFERN
DES
NATIONALSOZIALISMUS

Berlin Nollendorfplatz Rosa Winkel - Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, Berlin Nollendorfplatz
Rosa Winkel – Gedenktafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, Berlin Nollendorfplatz

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