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Deutschland

Fernsehturm Steinkimmen 1956 – 2017

Der Fernsehturm Steinkimmen – das ist für mich vor allem Erinnerung an meine Kindheit, und an einen Spielplatz …

Am 6. August 1956 begann der Sender Steinkimmen (Gemeinde Ganderkesee, südöstlich von Oldenburg), das “Erste Deutsche Fernsehen” (NDR) für den Bereich Bremen / Oldenburg auszustrahlen. Bereits seit Herbst 1955 war an der Sendeanlage gearbeitet worden.

Fernsehturm Steinkimmen - Sender Steinkimmen des Norddeutschen Rundfunks im März 2012 - DigiAndi - Eigenes Werk - Lizenz CC BY-SA 3.0
Sender Steinkimmen des Norddeutschen Rundfunks im März 2012 – DigiAndi – Eigenes Werk – Lizenz CC BY-SA 3.0

Zuvor war schon am 25. Dezember 1955 ein vorläufiger Sendebetrieb gestartet. Von einer mobilen Sendeanlage wurde Hörfunk über UKW ausgestrahlt. Der Turm begann mit 5 Stunden täglichem Sendebetrieb in zwei Zeitblöcken.

Der rot weiß gestrichene Sendemast hatte ursprünglich 298 Meter Höhe bei nur 2 Meter Durchmesser. Am 31. August 1961 wurde der Mast durch eine zusätzliche Spitze erhöht auf seine endgültige Höhe von 305 Metern. Zu seiner Zeit war er das höchste Bauwerk der Bundesrepublik …

Ab Dezember 1962 wurden erste Farb-Sendungen übertragen.

Da sich eine weitere Umrüstung nicht mehr rechnete, wurde 2016 (Baubeginn 4. April) ein neuer Gittermast errichtet – der alte Fernsehturm Steinkimmen wurde obsolet.

Mitte Mai 2017 begannen die Umschaltung auf den neuen Sendeturm und die Abbau-Arbeiten des Fernsehturms Steinkimmen. Nach und nach wurden bis November 2017 Segmente mit dem Hubschrauber abgetragen.

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Den Fernsehturm Steinkimmen erinnere ich vor allem als Ausflugsziel in meiner Kindheit. Das große Staunen, dass ein so dünner Turm völlig frei nur mit ein paar Seilen stehen konnte. Und natürlich, größte Attraktionen, ein großer Spielpatz und der Kleintierzoo …

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Politisches

Gedenken an die Deportation Oldenburger Juden 1938 und die Novemberpogrome

In den Novemberpogromen 1938 wurde die Synagoge von Oldenburg sowie die kleine jüdische Schule zerstört. Alle Oldenburger Juden wurden von SA-Männern verhaftet. Auf vielfache Weise wird der Novemberpogrome, der Zerstörung der Synagoge und der Deportation der Oldenburger Juden 1938 gedacht.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 (Novemberpogrom, sog. Reichspogromnacht) drangen zahlreiche SA-Leute in die Synagoge an der Peterstraße in Oldenburg ein. Sie setzten die Synagoge ebenso wie das nebenan gelegene Schulgebäude in Brand. Alle Juden Oldenburgs wurden verhaftet.

Sie wurden über Nacht in der Polizeikaserne (damalige Ordnungspolizei) am Pferdemarkt interniert, die als Hauptsammelstelle diente. Frauen und Kinder wurden am nächsten Morgen wieder freigelassen. 43 verhaftete Männer wurden am 10. November 1938 gezwungen durch die Stadt an der zerstörten Synagoge vorbei zum Gerichtsgefängnis zu gehen.

Am 11. November wurden 32 Männer (11 waren u.a. aufgrund ihres hohen Alters freigelassen worden) zurück zum Pferdemarkt gebracht. Zusammen mit verhafteten Juden Ostfrieslands und aus dem Oldenburger Land wurden die insgesamt etwa 500 Männer nach einem Fußmarsch zum Hauptbahnhof Oldenburg in das KZ Sachsenhausen deportiert.

Erinnerungsgang Oldenburg

1981 veranstalteten Bürger:innen von Oldenburg den damals so genannten ‘Judengang’. Er vollzog in Form eines Schweigegangs den Weg der inhaftierten Oldenburger Juden vom Pferdemarkt zum Gerichtsgefängnis nach.

Dieser Erinnerungsgang findet seit 1982 jährlich (Ausnahme 2020 aufgrund der Coronavirus Pandemie) am 10. November statt, veranstaltet vom Arbeitskreis Erinnerungsgang. Die konkrete Gestaltung übernimmt seit 2005 jeweils eine Oldenburger Schule.

Synagoge Oldenburg

Die Überreste der zerstörten Synagoge wurden abgeräumt. Ein Teil davon wurde für Wegepflatserung verwendet.

Das Grundstück der zerstörten Synagoge wurde 1951 an die Jüdische Gemeinde zurückübertragen.

Angesichts der geringen Mitgliederzahl verkaufte sie das Grundstück an die Gemeinde.

Gedenken an die Deportation Oldenburger Juden 1938

Gedenktafel an der ehemaligen Polizeikaserne Pferdemarkt

Das Gebäude der ehemaligen Ordnungspolizei wird heute als Landesbibliothek Oldenburg genutzt.

Im Hof- Durchgang erinnert eine Gedenktafel an die Deportation Oldenburger Juden:

Gedenktafel Deportation Oldenburger Juden 1938 Landesbibliothek Oldenburg
Gedenktafel zur Erinnerung an die Deportation Oldenburger Juden 1938

Gedenkstein von 1967

1967 wurde neben dem Grundstück der zerstörten Synagoge ein Gedenkstein errichtet (Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit).

Der in Beton realisierte Gedenkstein wurde von dem Künstler Franz Joseph Kampmann (geb. 16.8.1931 Essen) entworfen. Kampmann war 1960 bis 1968 Kunsterzieher an der Hindenburgschule in Oldenburg (danach tätig bis 1991 in Velbert).

Der Gedenkstein wurde am 24. September 1967 eingeweiht. Er trägt die Inschrift (in deutscher und hebräischer Schrift):

„HABEN WIR NICHT ALLE EINEN VATER
HAT UNS NICHT EIN GOTT GESCHAFFEN
WARUM DENN VERACHTEN WIR EINANDER“
[hebräischer Text- Teil]
HIER STAND BIS 1938 DAS GOTTESHAUS DER JÜDISCHEN GEMEINDE“

Text des Gedenksteins 1967

Denkmal von 1990

1990 wurde ein Denkmal aus 170 stürzenden Säulen aus schwarzem Basalt, gelegt auf dem Fundament der ehemaligen Synagoge, errichtet. Es wurde von dem Bildhauer Udo Reimann (geb. 22.7.1939 in Jauer, Schlesien; seit 1968 in Oldenburg) entworfen.

Denkmal Synagoge Oldenburg 1990 Udo Reimann
Denkmal an der ehemaligen Synagoge Oldenburg

Das im November 1990 eingeweihte Denkmal trägt den Text

„ZUM GEDENKEN AN ALLE OPFER
WÄHREND DER ZEIT
DES NATIONALSOZIALISMUS
IN OLDENBURG 1933 BIS 1945
IHR OPFER VERPFLICHTET UNS,
FÜR FREIHEIT, FRIEDEN
UND GERECHTIGKEIT
EINZUTRETEN“

Mahnmal 1990 Text 1. Platte

Die zweite Platte trägt folgende Inschrift:

„KOMMT IHR ALLE,
DIE VORÜBERGEHT,
SCHAUET UND SEHT
OB EIN SCHMERZ
SEI WIEDER SCHMERZ,
DER MIR ANGETAN WORDEN
Klagelieder Jeremias Kap. 1,12“.

Mahnmal 1990 Text 2. Platte

Denkmal 2013 / 2015

Auf der dem Standort der ehemaligen Synagoge gegenüberliegenden Straßenseite wurde 2013 auf Beschluss des Rats der Sadt Oldenburg ein Denkmal errichtet, entworfen von dem Architekten Hans-Dieter Schaal.

Die Gedenkwand neben dem Gebäude des Kulturzentrums PFL wurde eingeweiht am 11. November 2013. Aufgrund fehlender und falscher Personendaten fand am 4. Juni 2015 eine Korrektur statt.

Deportation Oldenburger Juden 1938 Denkmal 2013 2015
Denkmal aus dem Jahr 2013 (Korrektur 2015)

Das Denkmal trägt den Text

Wir erinnern an die
Bürgerinnen und Bürger
der Stadt Oldenburg,
die während der
nationalsozialistischen
Judenverfolgung ermordet
wurden.
Wir gedenken Ihrer in tiefer
Trauer und Scham.
2013
Der Rat der Stadt Oldenburg
Arbeitskreis Erinnerung gestalten

Inschrift Denkmal von 2013 / 2015

Am 27. Juli 2021 wurde die Gedenkwand mittags auf Vorder- und Rückseite mit antisemitischen Parolen beschmiert. Der Staatsschutz ermittelt. Die Parolen wurden am Morgen des Folgetags von einer Reinigungsfirma entfernt. Am gleichen Tag fand eine Mahnwache statt.

Gedenkstein an der ehemaligen Justizvollzugsanstalt Gerichststraße

Am gelände der ehemaligen Justizvollzugsanstalt in der Gerichtsstraße befindet sich ein Gedenktstein, eingeweiht 1988.
Er trägt die Inschrift

„ERINNERUNG
IST DIE
GRUNDLAGE
DER VERSÖHNUNG“

Eine kleinen Zusatztafel neben dem Gedenkstein vermerkt

„Im Gedenken
an die jüdischen Mitbürger, die
am 10. November 1938
im Anschluß an das Pogrom Reichskristallnacht
über das hiesige Gefängnis in das
Konzentrationslager Sachsenhausen-Oranienburg
verbracht wurden.“

der wiederentdeckte Grundstein der Synagoge Oldenburg

Der Grundstein der Synagoge von Oldenburg wurde 1959 bei Bauarbeiten wiederentdeckt. Der Inhalt wurde dem Verein ‘Jüdische Kultusvereinigung zu Oldenburg e.V.’ übergeben (inzwischen im Besitz des Braunschweigischen Landesmuseums).

Der leere zweiteilige Grundstein selbst gelangte in den Besitz des Stadtmuseums Oldenburg. Im Rahmen eines Festakts wurde er am 19. Juni 2019 der Jüdischen Gemeinde Oldenburg zurückgegeben.

Er verbleibt als Dauerleihgabe im Stadtmuseum und wird Teil der Dauerausstellung.

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Fotografie Ulli

ElbEis

ElbEis (Hamburg Landungsbrücken, Februar 2021)
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Nachdenkliches

Corona, Grundrechte und Impfung

Im Zuge der Bekämpfung bzw. Eindämmung der Corona- Pandemie wurden zahlreiche Grundrechte eingeschränkt.

Mit den Impfung gegen das Coronavirus stellt sich absehbar die Frage, ist eine weitere Einschränkung der Grundrechte für Geimpfte zulässig? Ist eine weitere Einschränkung von Grundrechten vertretbar?

Einige persönliche Gedanken zum Thema Corona Grundrechte Impfung …

(die folgenden Gedanken gehen von der Annahme aus, dass eine erfolgreich geimpfte Person nicht infektiös ist. Dies bestätigt seit April 2021 auch das RKI.)

Die Frage der Begründung

Grundrechtseinschränkungen sind immer die Ausnahme, die begründungspflichtige Ausnahme.

Ich muss nicht begründen warum ich meine Grundrechte ausüben will. Ich muss mich für die Wahrnehmung meiner Grundrechte nicht rechtfertigen.

Wer meine Grundrechte einschränkt, muss diese Einschränkung rechtfertigen und begründen.

Ich habe meine Freiheit, meine Grundrechte – sie auszuüben ist der Normalzustand, nicht die zu begründende Ausnahme. Sie wiederherzustellen sollte selbstverständlich sein.

Wer von ‘Impf-Privilegien”, “Vorteilen” oder”Sonderrechten” spricht (wie zu Beginn der Debatte zu Jahresbeginn Jens Spahn oder Karl Lauterbach) verkennt das Wesen von Grundrechten. Grundrechte sind keine Privileg. Ich habe sie.

Die Bezeichnung als ‘Privilegien’ ist nicht nur wegen der Formulierung problematisch, sondern auch aufgrund der dahinter stehenden Haltung. Sie kann manipulativ eingestezt werden. Diese Rechte werden nicht etwa netterweise von einer Obrigkeit als Belohnung gewährt. Sie stehen mir per Verfassung zu.

“Es gibt nicht nur keinen Grund, es wäre aus meiner Sicht sogar verfassungswidrig, Gerimpften Freiheiten zu verwehren.”

Prof. Thorsten Kingreen, Lehrstuhl für öffentliuches Recht, Universität Regensburg in der SZ 10./11. April 2021

Auch Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, betont am 12. April 2021 individuelle Freiheitsbeschränkungen seien “rechtlich sehr schwierig durchzusetzen, wenn die Infektiösität wegfalle”.

Grundrechte sind keine Privilegien. Sondern jeder hat sie. Sie stehen jedem zu. Jedem, individuell, als Mensch bzw. als Staatsbürger.

Die Folge der Impfung ist nicht etwa die Gewährung von Vorteilen oder Privilegien – sondern die Rückkehr zur Normalität. Zur Normalität der Ausübung der Grundrechte.

Die Frage der Solidarität

Neben der rein auf mich bezogenen Sicht meiner Rechte als Individuum, als Mensch und Bürger gibt es auch die Ebene der gemeinsamen Interessen. Und damit auch die Frage der Solidarität. Des gemeinsamen Eintretens für gemeinsame Interessen.

Ja, aus Solidarität zum Beispiel weiterhin im öffentlichen Raum Masken zu tragen zum Infektionsschutz, auch wenn ich geimpft bin – das kann solidarisches Handeln sein. Solche Auflagen mögen vertretbar erscheinen.

(Nur nebenbei: wann wer geimpft wird, dies beruht nicht auf meiner freien Entscheidung. Nicht auf einem solidarischen Zurücktreten der später zu Impfenden zugunsten von Menschen mit höherem Risiko. Sondern rein auf einem Rechtsakt den Bürger zu befolgen hat. Auf einer Verordnung des Gesundheitsministers – der dann von Solidarität spricht, (s)eine rehtliche Entscheidung moralisch überhöht)

Aber der Besuch von Restaurants, von Museen, von Konzerten, von Tanz- und Theater-Aufführungen etc. – wie steht es da mit Solidarität? Solange nicht alle dies dürfen, darf es neimand? Was hätte das mit Solidarität zu tun?

Was wäre daran solidarisch nicht zu einem Konzert zu gehen (zu dem ich aus epidemiologischer Sicht gehen könnte da nicht infektionsrelevant)? Wem würde dadurch potenziell geschadet?

Der oder die Ungeimpfte hat ja nicht ein Quentchen mehr Rechte dadurch dass ich als Geimpfter etwa meine Rechte nicht zurück erhalte. Selbst-Kasteiung verkauft als Akt der Solidarität?

Durch was wäre für eine erfolgreich geimpfte Person ein weiteres Verbot Konzerte zu besuchen zu rechtfertigen?
(Zumal ein ‘Ausgleich’ erfolgen könnte, eine Möglichkeit der ‘Gleichstellung’ durch Vorlage eines negativen Corona-Tests)

“Solidarität ist kein verfassungsrechtlich greifbarer Begriff, der irgendeine Form von Rechtfertigung bereithielte, um Geimpften ihre Freiheiten weiter vorzuenthalten.”

Tristan Barczak, Verfassungsrecht, in: Berliner Zeitung vom 9. April 2021
Konzerte – auch für gegen das Coronavirus Geimpfte weiterhin verbieten, aus Solidarität?

Zudem, Solidarität kann auch ‘andersherum’ gedacht werden.

Gerade Künstler (und all diejenigen die dazu beitragen im Vorfeld, Backstage, im Büro, in der Technik …) gehören zu den Gruppen, die (erzwungenermaßen) in besonderem Ausmaß Solidarität zeigten. Indem sie komplett auf Auftritte verzichteten – weil es im Interesse der Gesellschaft war.

Ist es nun nicht auch ein Akt von solidarischer Unterstützung, dort wo vertretbar Konzerte zu ermöglichen, und damit eben auch den Besuch von Konzerten durch diejenigen, die kein Risiko für sich haben und kein Risiko für andere darstellen?

eine Phase des Übergangs

Angesichts der derzeit (Mitte Januar 2021) noch niedrigen Impfquote (erst recht derjenigen von Personen die beide Impfungen erhalten haben) mag diese Debatte verfrüht erscheinen und sich praktisch noch nicht stellen.

Doch spätestens wenn in nennenswertem Umfang Menschen erfolgreich geimpft sind, an Corona / COVID-19 nicht mehr erkranken können und das Virus auch nicht übertragen können, wird sich diese Frage drängender stellen.

Wir wären gut beraten, diese Frage frühzeitig offen und auf eine nicht moralisierende Weise zu diskutieren. (Konzertbesuch nur gegen Corona – Impf-Nachweis – Ticketverkäufer bereiten sich auf diese Möglichkeit bereits vor …)

Ja, es wird eine Übergangszeit, schrittweiser Lockerungen geben, geben müssen.

Aber mittelfristig wird sich die Abwägung zwischen Risiken und Infektionsschutz einerseits und Grundrechten und Freiheit andererseits deutlich verändern.

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zum Themenbereich Corona Grundrechte Impfung siehe auch
Ad hoc Empfhelung des Deutschen Ethikrats vom 4.2.2021 .

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Kulturelles

Lindenhofsgarten Oldenburg Nadorst (1900 – 2022?)

Tanzdiele, Lazarett, Kino, Billardhalle. Der Lindenhofsgarten Oldenburg Nadorst hat eine bewegte über hundertjährige Geschichte. Und er wird bald ebenso wie die Jahnhalle einem Neubau weichen müssen.

Geschichte des Lindenhofsgarten Oldenburg

An der Nadorster Straße in Oldenburg (früher Friesische Heerstraße) eröffnete um 1900 der Lindenhof. Schon bald wurde er eines der beliebtesten Ausflugsziele der Oldenburger.

der Lindenhof (später Lindenhofsgarten) auf einer Postkarte aus dem Jahr 1903

Ende des ersten Weltkriegs diente der Lindenhof (damaliger Wirt war Georg Strudthoff) als Reservelazarett. Nach dem 1. Weltkrieg wurde er in den 1920er Jahren zum Hotel und Restaurant Lindenhof (unter dem Wirt Hermann Fischer). Später wird im Garten des Lindenhofs ein Anbau errichtet – zunächst für die Tanzdiele.

Ab dem 26. September 1936 ist der Lindenhof mit einer Obus-Linie ab Pferdemarkt erreichbar. Alle Obus-Linien wurden allerdings zwischen 1955 und 1957 zugunsten des autogerechten Umbaus der Stadt stillgelegt.

Lindenhofsgarten Oldenburg
Lindenhofsgarten Oldenburg im Februar 2021

Lindenhof Lichtspiele und Capitol Kino

Am 29. August 1952 eröffnen im ehemaligen Tanzsaal des Lindenhofs die ‘Lindenhof Lichtspiele‘ mit der Operetten-Verfilmung ‘Die Försterchristl‘. Betrieben wurde das Kino bis 1962 von August Peter und Alfred Osterhaus. Beide waren auch Betreiber der Oldenburger Lichtspiele und Schauburg Lichtspiele. 700 (!) Zuschauer fanden in den Lindenhof Lichtspielen Platz.

Tanzdiele, Kino, und jetzt Billard-Halle und Café - LindenhofsgartenOldenburg Nadorst
Tanzdiele, Kino, und jetzt Billard-Halle und Café – der einstige Lindenhof Oldenburg Nadorst, Eingangsbereich des ehemailgen Kinos

1956 wurden die Lindenhof Lichtspiele für Cinemascope umgerüstet (breitere Leinwand). Betreiber war inzwischen die Erbengemeinschaft August Peter. Sie hielten das Kino bis Ende 1962 und übergaben es dann an die Capitol GmbH (Heinrich Hahnenkamp).

ehemailger Kinosaal Lindenhofsgarten Oldenburg
Lindenhof Oldenburg Nadorst – der ehemalige Kinosaal, rechts die Treppe zum Vorführrraum

1969 übernahm Carl Born das Kino. Er war inzwischen größter Kino-Unternehmer in Oldenburg (allerdings nicht mit dem Wallkino Oldenburg). Born benannt es um in ‘Capitol im Lindenhof‘. Zuvor nahm er einen leichtem Umbau vor, Reduzierung auf 511 statt 700 Plätze mit mehr Beinfreiheit. Hintergrund: das vorige Capitol Kino in der Heiliggeiststrasse wurde 1969 geschlossen und abgerissen (für den Neubau Hertie).

Wandbild am ehemaligen Kinosaal

Mitte 1978 folgte das ‘Aus‘ für das Capitol im Lindenhof KinoKarl Born, inzwischen 76 Jahre alt, ging in Ruhestand.

Eine Tanzschule nutzte nun den Saal. Später folgten ein Café und Richters Dart und Billard Center.

Im Februar 2021 wurde bekannt, das das Lindenhofsgarten-Areal im Ehnernviertel samt angrenzender vom VfL Oldenburg genutzter Jahnhalle (s.u.) abgerissen werden soll. Stattdessen soll ein Neubau-Komplex für Wohn- und Geschäftsräume errichtet werden. Der Abriss war ursprünglich für Sommer 2021 geplant, wird nach Verzögerungen aber vermutlich erst im Frühjahr 2023 erfolgen.

Blick auf Jahnhalle (rückseitig) und Lindenhofsgarten (Bildmitte Hintergrund), im Vordergrund das Areal das zukünftig Park werden soll

Jahnhalle Oldenburg (1914 – 2022?)

Am 10. Mai 1914 – kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs – fand auf dem Nachbargrundstück die Grundsteinlegung der Jahnhalle statt. Die Einweihung dieser Turnhalle des damaligen TV Jahn Oldenburg erfolgte am 18. April 1920.

Jahnhalle Oldenburg Türschild
Jahnhalle Oldenburg

Der TV Jahn war einer der Vorläufer des VfL Oldenburg von 1894 (Chronik). Er wurde am 21. September 1894 gegründet – in eben der Gaststätte Lindenhof.

Jahnhalle Oldenburg
Jahnhalle Oldenburg

In den 1940er Jahren wurde die Jahnhalle zeitweilig bis zur Befreiung 1945 als Kriegsgefangenenlager für französische Kriegsgefangene (Foto) genutzt [Katharina Hoffmann, Dissertation 1999].

Die Jahnhalle steht unter Denkmalschutz. Eine Sanierung lohne sich wirtschaftlich jedoch nicht, so die Behörden.

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Deutschland

Huntebrücke Oldenburg (1978 – 2022 ?)

Die aus dem Jahr 1978 stammende Huntebrücke Oldenburg über die Autobahn A29 soll abgerisssen und durch einen Neubau ersetzt werden. Der Baubeginn der neuen Huntebrücke Oldenburg ist für das Jahr 2022 geplant, Fertigstellung 2026.

Huntebrücke Oldenburg
Huntebrücke über die Bundesautobahn 29.Luftaufnahmen Oldenburg (Oldenburg), mit Weiterflug nach Westen; 1500 Fuß Flughöhe; Juli 2010; Originalfoto bearbeitet: Tonwertkorrektur und Bild geschärft mit Hochpassfilter – Bin im Garten – Lizenz CC BY-SA 3.0

2022 soll mit dem Abriß der alten Huntebrücke Oldenburg begonnen werden. Grund: den zunehmenden Belastungen durch den Schwerlastverkehr wird die bestehende Brücke auf Dauer nicht mehr standhalten können. Bereits jetzt besteht ein LKW- Überholverbot.
Nach dem Abriss wird ein Ersatzbauwerk realisiert.

Huntebrücke über die A29 in Oldenburg, Mai 2020
Huntebrücke über die A29 in Oldenburg, Mai 2020

Ersatzbauwerk – das bedeutet die vorhandene Autobahnbrücke wird weitgehend abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Vorhandene Unterbauten der alten Huntebrücke (Widerlager, teilweise Pfeiler etc). sollen voraussichtlich für die neue Brücke weiterhin genutzt werden.

Pfeiler der Huntebrücke, Oktober 2020

Allerdings wird die neue Brücke nur noch von 14 statt bisher 36 Pfeilern getragen werden. Der Pfeiler- freie Bereich über der Hunte wird von 55 m auf 77 m verbreitert.

Der Auftrag für die Planung wurde im März 2019 vergeben. Die Baukosten werden auf ca. 50 Mio. € geschätzt.

Den Bau der neuen Huntebrücke veranschaulicht folgendes Video:

1978 wurde die derzeitige Huntebrücke in Bornhorst errichtet und am 1. November 1978 eingeweiht. Sie ist 441 m lang und 30 m hoch und Teil der Autobahn 29 (Jadelinie). Die Kosten beliefen sich auf 18 Mio. DM.
Die bisherige Brücke sind eigentlich zwei Brücken: je Fahrtrichtung steht ein eigenständiges Brücken-Bauwerk.

Die Autobahn 29 und insbesodnere die Huntebrücke beseitigten ab 1978 ein Nadelöhr – zuvor wurde der gesamte Verkehr Richtung Nordwesten durch die Stadt geführt.

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Gute Nachricht für Fußgänger und Radfahrer: der Fußgänger-Steg (Kloster Blankenburg – Bornhorst), der beim Bau der Brücke auf Wunsch und Kosten der Stadt Oldenburg zusätzlich errichtet wurde (untergehängt gebaut), wird auch bei der neuen Brücke mit gebaut.

Huntebrücke Oldenburg
Blick vom Fußgängersteg der ‘alten’ Huntebrücke Richtung Oldenburg, November 2020

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Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr: A29 Huntebrücke

Bestandsmodell der (alten) Huntebrücke

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HIV/Aids

der Pillenwecker – Symbol für Durchbruch bei Behandelbarkeit der HIV-Infektion

Der Pillenwecker wurde geradezu zum Symbol für endlich verfügbare Aids-Medikamente und damit für einen Durchbruch in der Behandelbarkeit der HIV-Infektion. Und er verdeutlicht die damals komplexen Einnahme-Vorschriften. Inzwischen ist meiner von Anfang der 1990er Jahre ein Stück für’s Museum:

inzwischen Museumsstück – mein Pillenwecker aus den frühen 1990er Jahren

1987 wurde mit AZT das erste Medikament gegen Aids zugelassen. Es war zunächst der einzige Wirkstoff, eingesetzt in Mono-Therapie, zudem sehr (für damalige Verhältnisse) hochpreisig (was u.a. zu Protestaktionen von ACT UP gegen die AZT-Preispolitik führte).

Bald folgten weitere Medikamente. Die, um eine Resistentzentwicklung zu vermeiden, in Kombination eingesetzt wurden. Zudem waren die Medikamente gerade zu Beginn strikt zu bestimmten Zeiten einzunehmen. Ein Pillenwecker wurde erforderlich – und ständiger Begleiter vieler Menschen mit HIV und Aids.

Pillenwecker wie in der 'frühen AZT Zeit' gebräuchlich
Pillenwecker wie in der ‘frühen AZT Zeit’ gebräuchlich

Dieser Pillenwecker war zu seiner Zeit praktisch und weit verbreitet. Er diente dazu, die Medikamente immer bei sich zu haben und durch den Wecker an die Einnahme-Zeit erinnert zu werden. Damals war es sehr wichtig, die Aids-Medikamente möglichst regelmäßig in vorgeschriebenen Abständen einzunehmen.

Doch schon bald wurden die Therpaien vielfältiger, komplizierter und hatten mehr Pillen als in diesen kleinen Pillenwecker passten. Ich legte mir eine digitale Armbanduhr zu, die drei oder vier Alarme pro Tag beherrschte. Und mein Pillenwecker wurde … Jahre später ein Fall für’s Museum:

der Pillenwecker (rechts) im Themenraum Sexualitäten der Dauerausstellung „Abenteuer Mensch“ des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden

Der Pillenwecker steht für einen Durchbruch in der Behandelbarkeit der HIV-Infektion. Für mich persönlich war der eigentliche Durchbruch ganz klar Indinavir – ohne diese Substanz und einen sehr engagierten Arzt wäre ich heute nicht mehr da. Darüber habe ich in diesem Interview erzählt.

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Mein Pillen- Wecker aus den frühen 1990er Jahren ist inzwischen Teil der Sammlung des Hygiene Museums und wird im Themenraum Sexualitäten gezeigt:

“Pillenwecker zur Einnahme von HIV-Medikamenten, 1990er Jahre, Kunststoff, Schenkung Ulrich Würdemann
Mit der Einführung der Kombinationstherapie wandelte sich Aids ab 1996 von einer tödlichen zu einer behandelbaren, chronischen Krankheit: ein Meilenstein für Betroffene und die Aids-Forschung.”

Absehbar soll er auch in der Sammlung online recherchierbar sein.

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Die Fotos Nr. 1 und Nr. 3 wurden im Themenraum „Sexualitäten“ der Dauerausstellung „Abenteuer Mensch“ des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden aufgenommen. Herzlichen Dank an Anina Falasca für die Bereitstellung der Fotos!

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Persönliches

Frohes Neues Jahr 2021 – Pros Niejohr 2021 – Bonne Année 2021

Frohes Neues Jahr 2021 – Pros Niejohr 2021 – Bonne Année 2021

Frohes Neues jahr 2021

Frank et Ulli vous souhaitent une bonne et heureuse année 2021 !

Frank und Ulli wünschen für 2021 Glück und Gesundheit !

Pros Niejohr 2021!

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Persönliches

Silvester 2020 – ein Jahr geht zuende

Ab damit durch den Ausgang …

Silvester 2020 – ein wahrlich bemerkenswertes Jahr geht zuende

Ein wahrlich bemerkenswertes Jahr 2020 geht zuende.

Und auch wenn ich seit Jahrzehnten keine Böller kaufe – dieses Silvester hätte ich das abgelaufene Jahr 2020 gerne mit einem großen Knall verabschiedet, es durch den Ausgang laut hinaus komplimentiert … doch auch das geht in Corona-Zeiten nicht …

… möge uns ein glückliches gesundes und in jeder Hinsicht freudvolles Jahr 2021 bevorstehen 🙂

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Persönliches

Ulli 2020

Okay, verlieren wir nicht zu viele Worte über dieses seltsame Jahr 2020

auch 2020 gab es was zu lachen — 2mecs Frank und Ulli 🙂

Die Coronavirus Epidemie brachte so einiges durcheinander … Dabei war der Lockdown des Frühjahrs 2020 erst der Vorbote dessen, was im Winter folgte …

Es gäbe viel zu sagen über das Jahr 2020, über abgesagten Urlaub in Lacanau, über Beeinträchtigungen Veränderungen Probleme und Schlimmeres durch das Coronavirus. Das wird sicherlich zahlreich an verschiedensten Stellen geschehen. Und anderen erging es wesentlich schlechter als mir und uns mit unseren kleinen Malaisen. Für mich eine der wesentlichen Veränderungen über die ich öffentlich schreiben mag:

  • keine Konzerte, und
  • die Frage was (u.a.) Berührung bedeutet, und
  • ob Kulturveranstaltungen durch virtuelle Dingens, durch Streams & co wirklich ersetzt werden können …

Konzerte 2020

Das Jahr fing gut an, was Konzerte angeht, mit einem umwerfenden Konzert von Frittenbude im Schlachthof in Bremen (siehe Foto weiter unten).

Doch Corona führte ab März dazu dass zuerst Verschiebungen, bald vor allem Absagen sich binnen kurzer Zeit häuften. Inzwischen sitzen wir vor einem umfangreichen Plan für 2021 anstehender Konzerte – nahezu alle verschoben aus dem Jahr 2020 …

Doch, es ging dann nach langer Phase des Suchens im Sommer auch einiges in Sachen Konzerte. Fatoni gab drei Konzerte (wir waren in Stade dabei) – ‘Sitz-Konzerte’. Er fand eine Form, dennoch hohe Präsenz zu zeigen, sehr mit dem Publikum in Dialog zu sein. Und doch, trotz allen Engagements, ein Konzert, bei dem man sitzen muss (nicht darf), bei dem tanzen pogen trinken feiern mitgehen geradezu als Gefahr betrachtet wird – ist das noch ein Konzert? Ganz abgesehen von der Frage, wie sich ein Konzert für (Corona– Auflagen bedingt) so wenige Zuschauer:innen überhaupt für Künstler und Veranstalter rechnen soll …

Sogar ein Festival gab es im Sommer 2020 – zumindest in ‘klein’. Wir hatten das Glück, beim Watt en Schlick 2020 dabei sein zu dürfen, das mit nur 160 Zuschauer:innen live in Dangast stattfand und auf Arte als Teil des Zeitgleich Festival gestreamt wurde.

unter Corona- Bedingungen – Festival auf Distanz: Watt en Schlick Fest 2020 (streaming, Arte)
Jan und Ulli beim Watt en Schlick 2020

Doch überwiegend bestand das Konzert-Jahr 2020 aus Absagen und Verschiebungen. Großstadtgeflüster, Sophie Hunger [vgl. le vent nous protera], Juhse Ju, Eunique, die NDR Big Band, ach die Reihe ist lang …

Aber letztlich … schön dass es 2020 außerhalb der Lockdown- Zeiten engagierte Veranstalter:innen und Künstler:innen gab die Konzerte ‘pandemiegerecht’ veranstalteten. Nur: “moshpit bleibt moshpit” – ohne Berührung, ohne Begegnung ist ein Konzert nur …

“… damals als es noch echte Konzerte gab …” – Frittenbude Konzert in Bremen, Januar 2020

Und so auch als Aufruf für das Neue Jahr 2021 … einer der besten Songs vom besten Konzert 2020: Frittenbude Die Dunkelheit darf niemals siegen

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