Madeleine de Jessey: Vertreterin der Homoehe-Gegner in Parteispitze der Konservativen und in Kampagnenteam des Präsidentschafts-Kandidaten

Zuletzt aktualisiert am 22. Januar 2017 um 12:52

Nikolas Sarkozy, Parteipräsident der französischen Konservativen (UMP), hat mit Madeleine de Jessey am 12.12.2014 eine Vertreterin der Homoehe-Gegner der ‚manif pour tous‘ (lmpt, ‚Demo für alle‘) zur Generalsekretärin für Ausbildungsprogramme ernannt.

Die 1989 geborene Madeleine de Jessey, an der Eliteschule ENS (Paris) ausgebildet, ist derzeit Sprecherin der aus der ‚manif pour tous‘ 2013 hervorgegangenen und von ihr mit gegründeten Gruppe ‚Sens Commun‘ („gesunder Menschenverstand“, geschätzt 5.000 Anhänger), die dem rechten Rand der Partei UMP verbunden ist. Zudem ist sie Mitgründerin der Splittergruppe ‚Veilleurs‚, die insbesondere mit einem Sit-In gegen die Homoehe vor dem Justizministerium für Aufmerksamkeit sorgte.

Beide Organisationen, beide aus dem rechts-katholischen Umfeld, setzen sich stark gegen die Homoehe (‚marriage pour tous‘) ein. Beide Gruppierungen sind sehr aktiv in der ‚manif pour tous‘ (lmpt, ‚Demo für alle‘), der Organisation der Homoehe-Gegner.

Madeleine Bazin de Jessey wurde vor kurzem in einer TV-Dokumentation in Frankreich als „das neue Gesicht der katholischen Rechten“ beschrieben.

Bazin selbst hatte in einem Interview mit der Tageszeitung Figaro im November 2013 mitgeteilt, sie wolle „sich beteiligen an der Erneuerung der politischen Klasse.“ Die Organsation ’sens commun‘ wolle die Hauptkraft bei einem Regierungswechsel im Jahr 2017 werden. Noch im November 2014 hatte sie allerdings mitgeteilt, sie wolle sich nicht aktiv in der Politik engagieren. „Ich bin 25 Jahre alt. Alles zu seiner Zeit. Vor einem politischen Enaggement sollten man in seinem beruflichen und familiären Leben stabil sein.

Erst am 15. November 2014, kurz vor seiner Wahl als UMP-Vorsitzender) hatte sich der UMP-Politiker und ex-Präsident Frankreichs Sarkozy auf einer Versammlung dieser Gruppierung zu dem Versprechen hinreißen lassen, im Fall seines Wahlsiegs als Präsident Frankreichs die Homoehe wieder abzuschaffen.

Homoehe-Gegnerin Madeleine de Jessey, selbst erst 2014 unter Vermittlung des Rechtsaußen und Homoehe-Gegners Laurent Wauquiez zur UMP zurück gekehrt, hatte diesen Schwenk Sarkozys kommentiert mit den Worten „das ist eine angenehme Überraschung, er war sehr deutlich, das ist eine zufriedenstellende Antwort.

Insgesamt nominierte Sarkozy sieben ‚thematische Generalsekretäre‘ der UMP.

Am 13.12.2014 bedankte sich Madeleine de Jessey auf Twitter bei Laurent Wauquiez (als dessen Schülerin und Protégée Medien sie bezeichnen) für seine Unterstützung bei ihrer Ernennung. Wauquiez, ex Hochschul-Minister und inzwischen UMP-Generalsekretär, gilt unter Frankreichs Konservativen als besonders ausgeprägter Gegner der Homoehe, für deren Abschaffung er auch nach Einführung und Urteil des Verfassungsgerichts weiter kämpft .

Sarkozy bemühte sich seit längerem intensiv, als Kandidat der französischen Konservativen UMP für die Wahl zum Präsidenten der Republik 2017 aufgestellt werden. Die Konservativen entschieden sich in der Vorwahl im November 2017 jedoch für Francois Fillon als Kandidaten. Die Wahl findet im Frühjahr 2017 statt.

Fillon ernannte de Jessey im Januar 2017 als ‚Verantwortliche für la „France périphérique“‚ (etwa: ‚das Frankreich der Vorstädte / Banlieues‘, ein vom Geograph und Sozialforscher Christophe Guilluy als Gegensatz zu den gentrifizierten Großstädten geprägter Begriff) in seinem Kampagnen-Team für die Präsidentschaftswahl 2017. Allerdings entschied sich de Jessey, wie Mitte Januar bekannt wurde, dagegen selbst für einen Parlamentssitz zu kandidieren. Sie wolle sich auf ihre Familie konzentrieren und hoffe auf einen Kabinettsposten.

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Die Homoehegegner der ‚manif pour tous‘, denen immer wieder eine Finanzierung wesentlich durch erzkonservative katholische Kreise sowie durch namhafte Konzerne nachgesagt wird, hatten Anfang Oktober 2014 wesentlich weniger Anhänger als erwartet für zwei Großdemonstrationen in Paris und Bordeaux aufbringen können. Bereits bei der Kommunalwahl 2014 hatten sie versucht, massiv auf Kandidaten Einfluss zu nehmen.

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Text zuletzt aktualisiert 18. Januar 2017

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