Homophobie-Prävention in Frankreich – aktueller Stand 2014

Zuletzt aktualisiert am 31. Januar 2018 um 17:07

Wie steht es um Homophobie und Homophobie-Prävention in Frankreich ? Der Rechtswissenschaftler Daniel Borillo stellte am 17. April 2014 in einer Präsentation vor der Nationalen Beratungskommission für Menschenrechte den Sachstand vor.

Homophobie ist auch in Frankreich immer noch gesellschaftliche Realität. In zahlreichen Städten kam es jüngst zu homophoben Attacken, wie in Lille, wo die Täter zu Haftstrafen von sechs Monaten auf bewährung verurteilt wurden. Und Bertrand Delanoë, damals Bürgermeister von Paris, erhielt homophob motivierte Morddrohungen, der Täter wurde vor kurzem zu zwei Monaten Haft verurteilt.

Doch in Frankreich wie auch auf europäischer Ebene wird aktiv gegen Homophobie vorgegangen. Erstmals wurden vor kurzem offizielle Zahlen zu Trans- und Homophobie in Frankreich vorgelegt. In zahlreichen Städten wie in Bordeaux vereinbaren Bürgermeister und Schwulen- und Lesbengruppen Maßnahmen gegen Homophobie.

Nun befasste sich erstmals im Rahmen einer Präsentation des Rechtswissenschaftlers und Publizisten Daniel Borillo auch der Nationale Menschenrechts-Beirat mit Fragen der Homophobie-Prävention in Frankreich. Borillo, aus Argentinien stammend, lehrt an der Universität Paris-Nanterre Jura, er war zudem viele Jahre juristischer Berater der französischen Aidshilfe-Organisation Aides. Borillo ist Mitglied der European Commission on Sexual Orientation Law ECSOL und engagiert sich seit vielen Jahren in der Bekämpfung von Homophobie (siehe u.a. unten verlinktes Interview).

Homophobie-Prävention in Frankreich

Aufgabe der Homophobie-Prävention seien in Frankreich noch zu oft delegiert an Verbände und Gruppen, und offizielle Organisationen engagierten sich zu wenig. Prävention von Homophobie sei in Frankreich, so der Bericht, weiterhin noch nicht Teil der Richter-Ausbildung. Ebenso seien Maßnahmen, mit denen Polizisten oder Strafvollzug-Bedienstete für die Belange Homosexueller sensibilisiert werden, noch die große Ausnahme.

In offiziellen Statistiken über Selbstmord finde sich seit 1978 kein einziger Hinweis auf eine Selbsttötung eines heranwachsenden jungen Homosexuellen, während zahlreiche Umfragen zeigten, dass die Suizid-Rate bei homosexuellen Jugendlichen deutlich höher sei als bei heterosexuellen Jugendlichen (siehe auch: 2mecs 5.2.15: Präventionskampagne gegen Suizid bei LGBT).

Auf dem Bildungs-Bereich habe sich das Schulwesen zwar des Themas Homophobie seit einigen Jahren angenommen und unterstütze Opfer homophober Attacken. Aber Schulbücher ebenso wie de Lehrpläne zu Philosophie, Geschichte oder Sozialkunde seien weiterhin von heterosexistischen Vorstellungen geprägt. Selbst vorhandene Homoerotik z.B. in geschichtlichen Texten werde unkenntlich gemacht oder verdeckt.

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Daniel Borillo: Prévention de l’homophobie, où en est-on?
Präsentation vor der Commission Nationale Consultative des Droits de l’Homme
16. April 2014

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Yagg 17.04.2014: «Prévention de l’homophobie, où en est-on?», par Daniel Borrillo
Le Monde 17.05.2008: Entretien avec Daniel Borillo : „contre l’homophobie le combat est mondial“
Daniel Borillo: Contre l’homophobie le combat est mondial (pdf)

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