Homophobie in Frankreich 2013 stark zugenommen

Zuletzt aktualisiert am 4. März 2018 um 16:09

2013 hat Homophobie in Frankreich stark zugenommen. Auf einen deutlichen Anstieg homophober Attacken und Gewalttätigkeiten weist der Jahrsbericht der Organisation SOS Homophobie hin. Inzwischen käme es jeden zweiten Tag zu einer homophoben Gewalttat.

Im Jahr der Einführung der Homoehe in Frankreich ist es zu einem bisher nie dagewesenen Anstieg von Gewalt gegen Schwule, Lesben und Trans* gekommen, so SOS Homophobie. Die Organisation spricht von einer wahren ‚Explosion‘ der dokumentierten Berichte über schwulen-, lesben- und trans-feindliche Angriffe in Frankreich.

FLAG!-Mitgleider bei einer Demonstration gegen Homophobie und Transphobie in Frankreich, Paris  Bastille,  21. April 2013
FLAG!-Mitglieder bei einer Demonstration gegen Homophobie und Transphobie in Frankreich, Paris Bastille, 21. April 2013 (Foto: (c) FLAG! Verband der LGBT Polizisten und Gendarmen Frankreichs)

Das Jahr 2013 sei gekennzeichnet gewesen vom Beginn des Gesetzgebungsprozesses zur Einführung der Homoehe sowie des Adoptionsrechts auch für gleichgeschlechtliche Paare  in Frankreich. Dies war verbunden mit breiten gesellschaftlichen Debatten, Demonstrationen und Auseinandersetzungen.

Im Jahr 2013 nahm SOS Homophobie dem Jahresbericht zufolge 3.500 Meldungen über Gewalt gegen Lesben und Schwule entgegen. Überwiegend seien die Meldungen durch Männer im Alter zwischen 25 und 50 Jahren erfolgt, die außerhalb der Region Paris (Ile de France) leben. Dies stelle einen Anstieg von 78% gegenüber dem Vorjahr dar.

Über ein Drittel der gemeldeten Fälle stehe mehr oder weniger direkt mit der Homoehe (in Frankreich ‚marriage pour tous‘, Ehe für alle genannt) in Zusammenhang, so die Organisation.

Besonders besorgniserregend sei ein deutlicher Anstieg bei den gewalttätigen Attacken gegen Lesben, Schwule und Trans*. Jeden zweiten Tag sei  im Durchschnitt ein physischer Angriff gemeldet worden, ein Anstieg um 54% gegenüber 2012.

Geradezu explodiert sei 2013 auch die Zahl homophober Äußerungen, Beleidungen und Beschimpfungen über das Internet (die 51% der Meldungen an die Organisation ausmachen). Mit 1.723 Meldungen sei deren Zahl um 162% höher als im Vorjahr.

Der „Rapport annuel 2014“ ist bereits der 18. Jahresbericht der Organisation SOS Homophobie. Am 20. April 2014 feierte die Organisation ihr zwanzigjähriges Bestehen. SOS Homophobie nimmt Meldungen über homophobe Gewalt per Telefon-Hotline, Email, Brief oder persönlich entgegen. Die Organisation berät und betreut Menschen, die homophoben Attacken ausgesetzt waren.

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In Frankreich ist seit einem Jahr die Homoehe möglich sowie die Adoption von Kindern auch durch gleichgeschlechtliche Paare zugelassen.

Homophobie ist auch in Frankreich immer noch gesellschaftliche Realität. In zahlreichen Städten kam es jüngst zu homophoben Attacken, wie in Lille, wo die Täter zu Haftstrafen von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt wurden. Ein junger Mann, der die erste Zeremonie einer Homoehe in Frankreich massiv gestört hatte, wurde vor kurzem zu zwei Monaten Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Und Bertrand Delanoë, damals Bürgermeister von Paris, erhielt homophob motivierte Morddrohungen, der Täter wurde vor kurzem zu zwei Monaten Haft verurteilt.

Doch Frankreich engagiert sich deutlich gegen Homophobie und ergreift aktive Maßnahmen zur Homophobie-Prävention.

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Auch aus den Niederlanden war eine deutliche Zunahme homophober Attacken berichtet worden. Nach Angaben des Verwey-Jonker Instituts soll sich die Zahl gewalttätiger Angriffe auf Schwule in den Niederlanden von 2011 auf 2012 verdoppelt haben. Insgesamt seein 1.134 Fälle gemeldet worden.

Die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) veröffentlichte am 13. Mai 2014 Ergebnisse einer EU-weitem Umfrage, die ebenfalls ein hohes Maß an Diskriminierung und Intoleranz gegenüber Homosexuellen in der EU zeigen. „Wir haben verstörende Muster von Gewalt und Diskriminierung gegenüber LGBT Personen ins besondere bei jungen und Transgender-Personen beobachtet”, sagt FRA Direktor Morten Kjaerum.

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SOS Homophobie 13.05.2014: SOS homophobie publie le Rapport annuel 2014 sur l’homophobie
SOS Homophobie 13.05.2014: Rapport annuel 2014
Agentur der Europäischen Union für Grundrechte 13.05.2014: Transgender und jugendliche LGBT-Personen stärker von Diskriminierung und feindseligem Verhalten betroffen

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