MS Panther Köln e.V.

Zuletzt aktualisiert am 28. Oktober 2019 um 15:46

Eine kleine Trouvaille beim Aufräumen, Köln späte 1980er Jahre, der Karnevalsorden des MS Panther. Erinnerung an einen einst bedeutenden Lederclub – und an gelebte Solidarität in Zeiten von Aids.

MS Panther Karnevalsorden
MS Panther Karnevalsorden

MS Panther e.V. Köln

Am 27. Oktober 1974 kamen 15 schwule Männer in Köln zusammen, um einen ihren Interessen entsprechenden Verein zu gründen, den ‚MS Köln‘. Durch den Kater eines Mitglieds (Horst Weinhoefer, in dessen Wohnung die Gründung stattfand) inspiriert, schuf Peter J. † bald darauf das Vereinslogo. Es wurde bald sehr bekanntes Signet, und aus dem MS Köln wurde der MS Panther.

Ein erster noch privat gehaltener Barbetrieb entstand bald, im Keller unter dem ‚Monte Christo‚. Im Frühjahr 1976 folgte mit der ‚Almhütte‘ Kölns erster Darkroom. Bald wurde der Monte-Christo-Keller zum Vereinslokal, dem ‚Panther-Keller‘.

1981 begann der MS Panther mit der Ausrichtung der Karnevalsbälle. Sie zählten – neben den regionalen und internationalen Ledertreffen – bald zu den beliebtesten Veranstaltungen des Vereins.

MS Panther in Zeiten von Aids – gelebte Solidarität

Ende der 1980er Jahre wurde die schwule Lederszene in Köln wesentlich sichtbarer – zu Karneval war die hohe Pforte zeitweise ’schwarz‘. Und zeitgleich waren die Mitglieder der Lederszene, so auch des MS Panther, besonders stark von Aids betroffen. Entsetzen, Angst, viel Leid folgten – und zugleich wichtige Schritte an die Öffentlichkeit.

Der MS Panter führte Ende der 1980er Jahre das Amt des ‚Aids-Beauftragten‘ ein. Aus ihm wurde bald der ‚Sozialbeauftragte‘, aus dem schließlich im November 1993 das ‚Sozialwerk MS Panther Köln e.V.‘ entstand. Und der Club engagierte sich nun auch offen politisch, so 1993 mit der Veranstaltung ‚Leder gegen rechts‘.

1994 präsentierte der MS Panther anläßlich des 20jährigen Bestehens stolz eine Chronik ‚Aufbrüche aus dem Kohlenkeller – 30 Jahre Kölner Ledergeschichte‘ (wobei die 30 Jahre sich auf 1974 und die Gründung von MSC / ECMC s.u. beziehen).

1995 hatte der MS Panther noch etwa 100 Mitglieder – und führte eine neue Erfolgs-Veranstaltung ein, ‚Kerle vor die Säue‚. Eine weitere der Erfolgs-Veranstaltungen aus dieser Zeit: das bekannte ‚Leder am Rhein‚. Anfang der 2000er Jahre bezeichnete der Verein sich auf seiner Internetseite als ‚Verein für schwule Ledermänner und Freunde der Fetisch-Szene‘, mit dem programmatischen Zusatz „Wir sind ein Club für Freundschaft, Kontakte und Solidarität„.

MS Panther Vorläufer – MSC, Lederoma und ECMC

Der MS Panther war bei seiner Gründung 1974 nicht der erste Kölner ‚Lederclub‘, er hatte Vorläufer. Der bedeutendste war sicher der MSC Köln, der m.W. erste schwule Lederclub in Deutschland, gegründet bereits 1968 von Helmut Klein †. Bald schon war der MSC sehr mitgliederstark (1972 sollen es nahezu 1.000 gewesen sein).

Schon 1971 eröffnete zudem in Köln die erste sich gezielt an die Lederszene wendende Bar, das ‚Platzjabbek‚. Weitere Bars folgten, die Lederszene begann zu wachsen.

Im Januar 1974 wurde in London auf Einladung des ‚Sixty Nine Club‚ ein europäischer Dachverband gegründet, die ECMC European Conferdaration of Motorcycle Clubs. Mitglied wurde – der neu geründete MS Panther. Der MSC, der zunehmend an Bedeutung verloren hatte, löste sich später auf.

Helmut Klein, bekannter in Köln als ‚Lederoma‚, betrieb ab 1979 in der Stephanstraße in Köln den ‚Amts-Schimmel‘ (später ‚Teddy-Treff‘). Helmut starb 1992 an den Folgen von Aids.

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Der wieder gefundene Karnevalsorden weckt Erinnerungen, an spaßige aufregende langdauernde Karnevalsbälle des MS Panther in der ‚Comedia Colonia‘, an gelegentlich intensiven Begegnungen. Der Orden muss von Mitte oder Ende der 1980er Jahre stammen. Zeiten, zu denen ich den Karneval sehr mochte. Wofür konkret ich wann dieses Orden bekommen habe, da fehlt mir die genaue Erinnerung …

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