Emsland- Lager Versen

Zuletzt aktualisiert am 25. März 2019 um 10:22

Das Lager Versen ist eines der heute weniger bekannten ehemaligen Emslandlager. Nach 1945 wurde es als Strafgefangenen-Lager genutzt – auch für Homosexuelle, die wegen Vergehen nach Paragraph 175 verurteilt wurden.

Lager Versen – 1938 bis 1945

Im Sommer 1938 wurde das ‚Lager Versen‘ als ‚Lager IX‘ der Emslandlager errichtet, für geplant 1.500 Häftlinge. Im Sommer 1939 war es mit 900 Häftlingen belegt.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs übernahm die Wehrmacht das Lager und betrieb es als Stalag ‚VI B Neu-Versen‘ (Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager, Stalag VI B Neu Versen (Emslandlager IX)).

Von November 194 bis März 1945 war das Lager Versen eines der Außenkommandos des KZ Neuengamme. Gefangene sollten hier den so genannten ‚Friesenwall‘ bauen. Der ‚Friesenwall‘ sollte eine ‚Verteidigungsanlage‘ werden, die von der Grenze zu Dänemark entlang der Nordseeküste und entlang der deutsch-niederländischen Grenze verlaufen sollte. Die Insassen wurden insbesondere bei den in der Nähe des Lagers gelegenen Anlagen „Nordsüd-Kanal-Stellung“ und „Ems-Rhein-Stellung“ eingesetzt. Viele Häftlinge starben, aufgrund des harten Arbeitseinsatzes, schlechter Kleidung, schlechter Ernährung, schlechter Unterbringung, Willkür der Wachmannschaften.

Ende März 1945 wurde das Lager Versen geräumt (Verlegung über Cloppenburg), am 25. März 1945 wurde das Lager Versen aufgelöst.

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Lager Versen – nach 1945

Doch mit der Räumung 1945 war zwar die Geschichte des „Emslandlager Versen“ zuende, nicht jedoch die als Strafgefangenen-Lager. Das Lager Versen kam organisatorisch zu den ‚Strafanstalten Emsland‘ mit Sitz in Papenburg, wurde weiterhin als Strafgefangenenlager genutzt. Später wurde es der JVA Lingen I unterstellt.

Lange Zeit wurden zur Unterbringung der Häftlinge weiterhin die vorhandenen Lager-Baracken genutzt – erst nachdem es 1972 zu einem Brand in Groß-Hesepe  und dem Tod von Häftlingen gekommen war, wurden auch für das Lager Versen Sanierungsmaßnahmen beschlossen und ab 1974 realisiert.

Auf dem Gelände des ehemaligen Lagers Versen befindet sich noch heute eine Justizvollzugsanstalt.

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Straflager Versen – auch Lager der Homosexuellen

Heinz Dörner, bereits in der NS-Zeit u.a. in Emslandlagern (Aschendorfer Moor, Brual Rhede), wurde 1951 nach dem (von den Nazis 1935 verschärften und nach Kriegsende weiterhin gültigen) Paragraphen 175 zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, die er im ehemaligen Emslandlager Versen verbüßte. Er wurde dort am 1. Juli 1954 entlassen und lebte anschließend in Solingen.

Heinz Dörner berichtete hierüber später [1]:

„In meinem Lager, in Versen, waren die Schwulen über alle Baracken verteilt, da wo Platz war. Wo ein, zwei, vier Mann dazukommen, um die Bettenzahl zu halten. Sonst gab es keine Einschränkungen, Bevorzugungen oder Auswahlen. Und wir waren auch in keiner Weise gekennzeichnet. Man hat sich als Schwuler aber trotzdem bald untereinander erkannt.“

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Das ehemalige ‚Lager Versen‘ existiert heute nicht mehr – inzwischen befindet sich auf dem Gelände die JVA Meppen. Vom Lager ‚Versen‘ ist einzig der Turm der Transformatorenstation erhalten.

ehemaliges Emsland- Lager Versen, Transformatorenstation (Foto: Dennis Peeters)
ehemaliges Emsland- Lager Versen, Transformatorenstation (Foto: Dennis Peeters, gemeinfrei)

Stromanlage. Kamp Versen – DennisPeetersGemeinfrei

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Ein weiteres Emslandlager: das Lager Neusustrum in dem in der NS-Zeit zahlreiche Homosexuelle waren.

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[1] Andreas Sternweiler (Hg.): Und alles wegen der Jungs – Pfadfinderführer und KZ-Häftling: Heinz Dörner. Berlin, 1994
Luftaufnahmen Lager Versen, Dezember 1944

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