KZ Gedenkstätte Neuengamme

Zuletzt aktualisiert am 14. August 2018 um 8:48

Das KZ Neuengamme, ab 1938 zunächst als Außenlager des KZ Sachsenhausen errichtet, wurde ab 20. April 1945 aufgelöst. Aber wie kam es nach 1945 zur heutigen KZ Gedenkstätte Neuengamme ? Und warum besteht sie erst seit 2005?

1938 erwarb ein Unternehmen der SS von der Stadt Hamburg das Gelände einer ehemaligen Ziegelei – zur Errichtung eines Konzentrationslagers und Lieferung von Tonziegeln für das Elbufer, finanziert durch die Stadt Hamburg. Am 12. Dezember 1938 wurde der Betrieb aufgenommen, zunächst als Außenstelle des KZ Sachsenhausen. Schon ab 1940 wurde Neuengamme selbständiges Konzentrationslager.

Insgesamt wurden über 100.000 Menschen im KZ Neuengamme inhaftiert (unter ihnen auch zahlreiche Homosexuelle, siehe ‚Häftlingsart Homo‚), weit überwiegend aus von NS-Deutschland besetzten Gebieten. Mindestens 50.000 von ihnen starben infolge von Mordaktionen, mörderischen Arbeitsbedingungen sowie auf den ‚Todesmärschen‘ bei der Lagerräumung ab 20. April 1945.

Am 4. Mai 1945 übernahmen britische Truppen das geräumte Lager. Zunächst wurde es kurz zur Unterbringung von ‚displaced persons‘, dann als Kriegsgefangenenlager genutzt. Bis August 1948 diente es anschließend als Internierungslager für NS- und SS-Funktionäre. Im Jahr 1948 wurde das Gebiet des KZ Neuengamme wieder der Stadt Hamburg übergeben.

Nach der Übergabe an Hamburg am 13. August 1948 war Neuengamme – wieder ein Gefängnis. Nämlich, ab November 1948, ein ‚Männer-Gefängnis‘, zunächst im Klinkerwerk, dann im früheren Häftlingslager. Baracken und Gebäude des KZ wurden nach und nach abgerissen, das von den KZ-Häftlingen gefürchtete Klinkerwerk wurde – verpachtet.

1953 ließ die Stadt Hamburg nach Protesten ehemaliger Häftlingeam Rande des Geländes (auf dem Gebiet der ehemaligen Gärtnerei) eine kleine Gedenktafel anbringen. Erst am 7. November 1965 (!) wurde erstmals ein offizielles Mahnmal mit einer Stele (auch: ‚Internationales Mahnmal‘) installiert – während das Gefängnis Neuengamme weiter betrieben wurde, ab 1970 auch mit einem trotz Protesten neu errichteten Gebäude als Jugendgefängnis.

Erst 1981 entstand ein erstes Ausstellungsgebäude, das sich der Geschichte des Ortes widmete (das am 18. Oktober 1981 eingeweihte ‚Dokumentenhaus‘, seit 2005 ‚Haus des Gedenkens‘). Drei weitere Jahre später, 1984, nahezu 40 Jahre nach Kriegsende, wurden die wenigen noch vorhandenen Reste der Gebäude aus der Zeit als KZ unter Denkmalschutz gestellt.

Am 11. Mai 1985 setzten Vertreter verschiedener Hamburger Schwulengruppen auf Initiative der UHA Unabhängige Homosexuelle Alternative mit Unterstützung des Hamburger Senats im ehemaligen KZ Neuengamme einen Gedenkstein für homosexuelle NS-Opfer.

Am 17. Juli 1989 beschloss der Hamburger Senat eine Verlegung der Haftanstalten – ein Beschluss, der lange umstritten blieb. Erst 2003 wurde das Jugendgefängnis verlegt, die Justizvollzugsanstalt auf dem Gelände der ehemaligen Tongruben sogar erst im Februar 2006.

Die KZ Gedenkstätte Neuengamme besteht erst seit 4. Mai 2005. 60 Jahre nach Ende des NS-Terrors.Die so genannte ‚JVA IX‘ wurde erst  2006 geschlossenen (Abriss ab 18.10.2006) und im Februar 2006 nach Billwerder verlegten. Ihr Gelände (ehem. Tongrube) kam so erst im Mai 2007 zur Gedenkstätte (19. Mai 2007 Eröffnung mit der Veranstaltung ’63. Jahre nach der Befreiung: Das ehemalige KZ-Gelände – jetzt uneingeschränkt Gedenkstätte‘).

Beate Klarsfeld und die KZ Gedenkstätte Neuengamme

Am 25. Juni 2006 besucht Beate Klarsfeld die damals noch sehr neue KZ Gedenkstätte Neuengamme – an deren Zustandekommen sie nicht eben unbeteiligt ist. Die taz berichtet:

Im Jahr 1979 hat sie eine Petition unterschrieben, die vom Senat die Rückführung des Lagers, das rund 55.000 Menschen den Tod brachte, in ein Lager zu deren Erinnerung verlangte. Ein berühmter Name bringt Publicity. Ohne Sie, sagt der Museumsführer fast ehrfürchtig, wäre das hier noch ein normales Gefängnis. Beate Klarsfeld winkt lächelnd ab. Bestreiten tut sie es nicht.

Beate Klarsfeld am 23.1.2008 bei der Eröffnung der Ausstellung “Sonderzüge in den Tod – Die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn”
Beate Klarsfeld, hier am 23.1.2008 bei der Eröffnung der Ausstellung “Sonderzüge in den Tod – Die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn” in Berlin

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