Charles Trenet (1913 – 2001)

Charles Trenet, französischer Sänger, Interpret und Schauspieler, wurde am 18. Mai 1913 in Narbonne (Aude) geboren. Trenet wegen seines Verhaltens während der NS-Zeit Kollaboration vorgeworfen. Zweimal wurde er wegen seiner Homosexualität verhaftet, verbarg  sein Schwulsein selbst aber zeitlebens vor der Öffentlichkeit. Charles Trenet starb am 19. Februar 2001 in Créteil (südöstlich von Paris).

‚Douce France‘ (1943) oder ‚La mer‘ (1946), Charles Trenet hat – besonders in den 1930er und 1940er Jahren – unvergessene Chansons geschrieben oder interpretiert, annähernd 1.000 insgesamt.

Charles Trenet (voller Name: Louis Charles Auguste Claude Trenet) ging nach dem Besuchen eines kirchlich geführten Internats nahe Béziers und Abitur 1927 nach Berlin (wo seine Mutter mit ihrem neuen Partner lebte) und studierte Kunst. Anfang der 1930er zog er nach Paris, freundete sich u.a. auf Vermittlung von Max Jacob mit Jean Cocteau an (der später über ihn sagte „du hast den Surrealismus in deine Lieder gepackt„).

Von 1933 bis 1936 trat er gemeinsam mit dem Schweizer Pianisten Johnny Hess als ‚Charles et Johnny‘ auftrat. 1936 wurde Trenet zum Militärdienst eingezogen. 1937 begann er seine Solo-Karriere und erhielt bald den Spitznamen „Le Fou chantant“ (der singende Verrückte) – ein Name, der ihn sein Leben lang begleiten sollte, und der doch oft mehr Fassade des „glücklich Lächelns“ war.

Charles Trenet im April 1977 (Foto: Paul kiujcom)
Charles Trenet im April 1977 (Foto: Paul kiujcom, cc by-sa 3.0)

Charles Trenet lors de son arrivée au premier Printemps de Bourges en 1977 – Paul kiujcom derivative work: Gilbertus CC BY-SA 3.0

Während der NS-Besatzung von Paris widmete sich Trenet insbesondere dem Film, war Darsteller in sechs Spielfilmen. Nach Kriegsende lebte Trenet einige Jahre – mit großem künstlerischem Erfolg –  in den USA, freundete sich u.a. mit Charlie Chaplin an.

1951 kehrte er nach Paris zurück. Zunächst konnte er an seine großen Erfolge anknüpfen. In den 1960er und 1970er Jahren jedoch galt Trenet als gestrig, altmodisch, unmodern. Er trat seltener öffentlich auf, widmete sich eher der Malerei und dem Schreiben. 1969 startete er sein Comeback als Chansonnier und erklärte 1975 seinen endgültigen Rückzug nach einem letzten Konzert im Pariser ‚Olympia‘.

Nach dem Tod seiner Mutter 1979 zog er sich völlig aus der Öffentlichkeit zurück (er leide an der Nostalgie, der „zartlila Krankheit“ wie er es formulierte) – um 1981 erneut ein Comeback zu machen. 1988 rief er mit einem Lied zur Wiederwahl von Staatspräsident Francois Mitterrand auf.

1999 nahm Charles Trenet sein letztes Album auf. Im Mai 1993 beging er seinen 80. Geburtstag in der Opera Bastille in Anwesenheit von Staatspräsident Francois Mitterrand. Im April 2000 erlitt er einen Schlaganfall, erholte sich jedoch wieder.

Am 19. Februar 2001 starb Charles Trenet in Creteil. Trenets Urne wurde im Grab seiner Mutter in Narbonne beigesetzt.

Charles Trenet Büste in Narbonne nahe seinem Geburtshaus (Foto: Fred Seiller)
Charles Trenet Büste in Narbonne nahe seinem Geburtshaus (Foto: Fred Seiller, cc by-sa 3.0)

statue de Charles Trénet près de sa maison natale à NarbonneFredSeillerCC BY-SA 3.0

Charles Trenet – Kollaboration

Ich war nie ein Anhänger von Pétain„, betonte Trenet oft. Und doch – er wollte Erfolg, passte sich an die Zeiten an. Komponierte Auftrags-Lieder für das Vichy-Regime (die er von anderen, wie Tino Rossi, singen ließ).

Während der Zeit der Besetzung von Frankreich durch die Nazis war Trenet auch vor deutschen Offizieren und Soldaten aufgetreten (z.B. in den Folies Bergère sowie in der Gaîté Parisienne). Insbesondere aber ein Auftritt vor französischen Kriegsgefangenen im ‚Wintergarten‘ in Berlin (gemeinsam mit Edith Piaf und Tino Rossi), bei dem er auch Hitler persönlich begegnete,  wurde Trenet immer wieder vorgeworfen. [4]

Trenet sei eigentlich jüdischer Abstammung, sein Name laute ursprünglich ‚Netter‘ (silbenweise rückwärts gelesen) – Vorwürfe dieser Art wurden hingegen in der Kollaborations-Presse Frankreichs geäußert. Trenet wies nach, nicht jüdischer Abstammung zu sein – was ihm wiederum nach 1945 (u.a. als vermeintliches weiteres Indiz für Kollaboration) vorgeworfen wurde. [1]

Nach der Befreiung Frankreichs von den Nazis sowie dem Fall des Vichy-Regimes von Marschall Pétain wurde Charles Trenet vorgeworfen, ein Kollaborateur gewesen zu sein (mit den NS-Besatzern Frankreichs sowie mit Nazi-Deutschland kollaboriert zu haben). Trenet wurde 1944 durch das ‚Säuberungs-Komitee‘ vom Vorwurf der Kollaboration freigesprochen. [2]

Charles Trenet – Homosexualität

Charles Trenet hat seine Homosexualität immer vor der Öffentlichkeit verborgen. Zweimal wurde er – jeweils nach Denunziationen – aufgrund von Vorwürfen homosexueller Handlungen verhaftet, in New York sowie in Aix-en-Provence.

1948 reiste Charles Trenet von Paris nach New York. In der Sammelstelle Ellis Island wurde er wegen des Verdachts der Homosexualität für 26 Tage festgehalten – anonyme Tippgeber hatten Presseberichte nach New York gesandt, denen zufolge er als 15jähriger zusammen mit einem anderen männlichen Jugendlichen nackt in einem Garten von der Polizei geschnappt worden war. Nach seiner Entlassung gab er medienwirksam seine baldige Hochzeit bekannt – die nie erfolgte.

In Aix-en-Provence wurde Trenet am 13. Juli 1963 für 28 Tage inhaftiert. Ihm wurden nach einer anonymen Anzeige ‚unmoralische Kontakte‘ [genau: ‚Erregung öffentlichen Ärgernisses‘ sowie ‚Verstoß gegen die guten Sitten‘] mit vier Minderjährigen unter 21 Jahren, darunter zwei deutsche Camper, auf seinem Anwesen ‚Domaine des Esprits‘  vorgeworfen [Homosexualität war damals in Frankreich strafbar, vgl. Artikel ‚Strafrecht gegen Homosexuelle in Frankreich‚]. Sein (kurz zuvor entlassener) Chauffeur gab an, Trenet habe ihn als Lockvogel benutzt. Trenet lehnte eine Freilassung auf Kaution ab, saß die 28 Tage ab; der Staatspräsident hatte sich zuvor geweigert, die Haft zu verkürzen. Einige Monate nach seiner Freilassung wurde Trenet zu einem Jahr Haft sowie einer Geldstrafe von 10.000 Francs verurteilt. Die Haftstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, allerdings wurde Trenets Homosexualität auf diese Weise einer größeren Öffentlichkeit bekannt [3].

Trenet selbst äußerste sich nie öffentlich zu seiner Homosexualität. Auf Fragen in interviews, ob er Frauen oder Männer liebe, antwortete Trenet „“ich bevorzuge Menschen„.

Charles Aznavour kommentierte seinen Umgang mit den Worten

Er verbarg es nicht, aber man sprach nicht darüber.“

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‚La mer‘ – Liedtext französisch und englisch

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[1] vgl. André, Halimi: La délation sour l’occupation, Paris 1983; sowie Richard Cannavo: Monsieur Trenet
[2] vgl. Behr, Edward: Maurice Chevalier. Paris, London 1993
[3] zur Verhaftung Trenets in Aix-en-Provence siehe u.a. seine Online-Biografie
[4] Zu Trenets Begegnung mit Hitler siehe auch seine Bemerkungen in ‚Le Nouvel Observateur‘ 19.02.2001:  Charles Trenet – bio-express et discographie
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