Denunziation Homosexueller, Hamburg 1937

Zuletzt aktualisiert am 26. Juni 2016 um 11:30

Die Verfolgung Homosexueller (nicht nur) während der NS-Zeit hatte willfährige Helfer – Denunziation .

„Ein Großteil der Verurteilungen wegen homosexueller Handlungen ging auf Denunziationen zurück“, bemerkt die ‚KZ-Gedenkstätte Neuengamme“ (‚Homosexuelle Häftlinge im KZ Neuengamme‘). Und Stefan Micheler betont (in ‚Der Fall Heinrich Erich Starke ‚): „Zählt man zu den Denunziationen Dritter jene Anzeigen von Männern hinzu, die von gleichgeschlechtlich orientierten Männern gefragt wurden, ob sie nicht mit ihnen schlafen wollten, und die nicht wirklich als deren „Opfer“ anzusehen sind, scheint fast die Hälfte aller Ermittlungen auf Denunziationen zurückgegangen zu sein.“

Viele Hamburger Homosexuelle wurden nach ihrer Verhaftung in das KZ Neuengamme eingewiesen – auch sie oft aufgrund von Denunziation durch Nachbarn oder Kollegen:

„An die Geheime Staatspolitzei
Hamburg
Stadthaus

Wir machen Sie hiermit, auf das homosexuelle Treiben und das Zusammen-leben mit seinem freunde, wie Mann und Frau, des Herren Ladislaus Kaspersky aufmerksam. Wohnhaft in Hamm Sorbenstr. 14, arbeitet im Kurbad Esplanade. Wie wir erfuhren, wollen beide ins Ausland. Es liegt uns daran, dass selbe aus der Wohung und aus dem haus heraus kommen.

einige Anwohner“

Denunziation Homosexueller, Hamburg 1937
Denunziation Homosexueller, Hamburg 1937

Der Brief wurde am 13.10.1937 an die Gestapo Hamburg gesandt

Denunziation Homosexueller, Hamburg 1937
Denunziation Homosexueller, Hamburg 1937

und hatte prompte Folgen: „vorläufige Festnahme am 4.12.37 11 Uhr“ vermerkt lakonisch ein Aufkleber auf dem Schreiben:

Denunziation Homosexueller, Hamburg 1937, Vermerk Festnahme
Denunziation Homosexueller, Hamburg 1937, Vermerk Festnahme

Besonders viele Homosexuelle waren in einem der Emslandlager, dem berüchtigten ‚Lager V Neusustrum‘ („vergessenes Lager der Homosexuellen“) inhaftiert (Hoffschild: “an keinem Ort im Deutschen Reich [waren] mehr Homosexuelle in Haft … als in den Emslandlagern“).

Im Mai 1985 wurde auf Initiative der UHA (Gründerin des MHC Hamburg) ein Gedenkstein für die homosexuellen Opfer des KZ Neuengamme enthüllt (Platz 1996 neu gestaltet).

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siehe auch: Häftlingsart Homo

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