Südturm Kölner Dom – nach Turm-Durchbruch 2009 neuer Zugang

Turm-Durchbruch: Der neue Zugang Südturm Kölner Dom bietet beeindruckende Perspektiven:

Der neue Zugang Südturm Kölner Dom – Fotos

Der neue Zugang Südturm Kölner Dom

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Zur Besteigung des Südturms des Kölner Doms steigt man seit kurzem zunächst hinab. Hinab in die Fundamente des Südturms.
Innerhalb des Fundaments des Südturms befindet sich der neue Zugang zur Turmbesteigung. Den man betritt durch einen beeindruckenden Durchbruch – das hier fast 12 Meter dicke Turmfundament wird in einem vor einigen Monaten gebohrten Tunnel durchquert.

Der bneue Zugang zum Südturm des Kölner Doms wurde nach jahrelangen Planungen am 3. April 2009 geweiht und der Öffentlichkeit übergeben. Ein 1994 bei Ausgrabungen neu entdeckter Raum hatte die Planung des neuen Zugangs ermöglicht. Haupt-Vorteil des neuen, vom Architekturbüro Kraemer geplanten Zugangs: Touristen, die die Aussichts-Plattform des Südturms besuchen wollen (jährlich über 500.000), müssen nun nicht mehr durch den Dom – und dort etwaige Gottesdienste stören.

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der ‘ Prunksaal ’ der Österreichischen Nationalbibliothek (Fotos)

Eine der schönsten Bibliotheken der Welt ist in Wien zu bewundern – der ‘ Prunksaal ’ der Österreichischen Nationalbibliothek.

Ein Juwel profaner Barock-Architektur ist er, der ‘ Prunksaal ‘ der Österreichischen Nationalbibliothek in der Wiener Hofburg.

Kaiser Karl V. (1685 / 1711 – 1740) veranlasste den Bau des Saals für seine Hofbibliothek. Realisiert wurde der Prunksaal nach Entwürfen von Hofarchitekt Johann Bernhard Fischer von Erlach durch seinen Sohn Joseph Emanuel.

Bis ins 19. Jahrhundert befand sich im Prunk-Saal die ‘Hofbibliothek’.
1920 wurde die ‘Hofbibliothek’ (in Folge der Gründung der Republik Österreich 1918) in ‘Nationalbibliothek’ umbenannt, 1945 in ‘Österreichische Nationalbibliothek’.

Heute befindet sich hier ein Teil der Österreichischen Nationalbibliothek mit etwa 200.000 Büchern der zeit zwischen 1501 und 1850, unter ihnen insbesondere die Sammlung des Prinzen Eugen von Savoyen (15.000 Bände).

Der Prunk-Saal ist als Museum zu besichtigen.

‘ Prunksaal ’ der Österreichischen Nationalbibliothek (Fotos)

Prunk-Saal der Österreichischen Nationalbibliothek
Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek
Prunksal der Österreichischen Nationalbibliothek
Prunk-Saal der Österreichischen Nationalbibliothek
Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek
Prunk-Saal der Österreichischen Nationalbibliothek

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Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek
Josefsplatz 1, 1010 Wien
sehenswert auch: dazugehörige Papyrus-Sammlung (Heldenplatz) und das weltweit einzigartige Globen-Museum (Herrengasse 9)

weitere Informationen:
Österreichische Nationalbibliothek
Prunksaal
Globen-Museum

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Neues Museum: Die Stüler-Chipperfield-Synthese

1841 bis 1859 nach Plänen von Stüler erbaut, im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und seitdem Ruine  – und 2009 als Wiederaufbau in neuem Glanz: das Neue Museum war vom 6. bis 9. März 2009 erstmals im Rahmen von Tagen der offenen Tür zu besichtigen, bevor es am 16. Oktober 2009 nach 70 Jahren wieder eröffnet wird.

Elf Jahre wurde gebaut, davor und währenddessen viel diskutiert – und nun stehen BerlinerInnen und Besucher Schlange, um zu sehen, zu staunen und zu photographieren (… siehe Fotos unten).

Neben allem Wundern und Staunen ob des Zusammenspiels von alter Stüler- und neuer Chipperfield-Architektur gibt es eine weitere ‘Kleinigkeit’, die zu bestaunen lohnt: die Baukosten. Der Kostenrahmen für die Wiedererrichtung des Neuen Museums wurde ursprünglich auf 233 Mio. Euro veranschlagt. Chipperfield und sein Team benötigten letztlich knapp 200 Mio. € – und blieben 33 Mio. € unter dem Plan.

Grundgedanke des Wiederaufbaus: das ‘Primat der Geschichte’ – was die Zeit überdauert hatte, wurde erhalten, wiederhergestellt, restauriert. Was verloren war, wurde ergänzt, in heutiger, zurückhaltender Formensprache, als Ergänzung erkennbar. Ein Konzept, das Architekt Chipperfield “historische Ehrlichkeit” nennt.

Bereits nach Abschluss der restauratorischen Vorsicherung war das neue Museum im Sommer 2003 erstmals für wenige Tage für die Öffentlichkeit zugänglich – damals noch im Zustand “Kriegsruine”.
Zum Tag des Denkmals 2006 war dann das Neue Museum bereits während der Bauarbeiten zu besichtigen, im Rahmen einer “offenen Restaurierungswerkstatt”.

Vom 6. bis 9. März 2009 ist es nun im fertigen Zustand zu bewundern, das neue Museum, bevor anschließend die Kultur einzieht. Nach den Tagen der offenen Tür wird das Neue Museum für die Ersteinrichtung als Museum geschlossen. Am 16. Oktober 2009 ist dann (Wieder-) Eröffnung des Neuen Museums – und erstmals seit 1939 werden dann wieder alle Museen der Museumsinsel der Öffentlichkeit als Museen komplett zugänglich sein.

Doch gebaut wird auf der Museumsinsel weiter – 2010 beginnt der Neubau des zentralen Eingangsgebäudes, der ‘James-Stirling-Galerie’ (Architekt ebenfalls David Chipperfield). Anschließend folgt ab 2012 die Generalsanierung des Pergamon-Museums.
Endgültig abgeschlossen werden alle Bauarbeiten erst 2023 sein – dann ist es vollständig, das Weltkulturerbe Museumsinsel …

Das “Neuen Museum” – eine gelungene Synthese zwischen altem Stüler-Bau und neuer Chipperfield-Architektur, zwischen Respekt vor der Vergangenheit und Mut zur Moderne.

Neues Museum, Bodestr. 2-3
Tag der offenen Tür noch am Sonntag, 08.03.2009 von 10 bis 18 Uhr

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Neues Museum: Die Stüler-Chipperfield-Synthese – Fotos 2009

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Neue Museum
Neues Museum

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Florenz

15.4.2008 – Florenz

Es war gutes Wetter, als wir morgens an Deck frühstückten. Livorno. Sonne, leichter Wind, ein wenig kühl. Aber es war ja noch Morgen. Auf in den Bus gen Florenz …
Schon nach wenigen Kilometern, Pisa im Blick, zeigen sich dicke Wolken in den Bergen.

Nach knapp eineinhalb Stunden kommen wir in Florenz an, eine freundliche alte Dame begrüßt uns, die Stadtführerin. Führt uns zunächst Richtung Palazzo Medici-Riccardi. Den wir auch noch trocken zu sehen bekommen. Allerdings, der Himmel verdüstert sich. Und nur kurze Zeit später schüttet es in Strömen. Sturzbäche ergießen sich auf die Massen von Touristen, die sich plötzlich alle ratlos vor der Kathedrale tummeln, alle irritiert Unterschlupf suchend.

Genervte Touristen geraten sich untereinander und mit der Touri-Führerin in die Haare, erste “wir wollen wieder zum Bus”-Rufe werden laut. Der Regen wird nicht besser, eher heftiger. Der Himmel immer dunkler, ein einziger grauer Brei, keine Besserung in Sicht. Auch nicht bei der Stimmung der werten Mitreisenden – irgendwann setzen wir uns ab, bevor der Nerv auf uns übergreift. Schauen uns, ausgestattet mit schnell gekauftem Schirm und Regenjacke, die Stadt auf eigen Faust an – wie gut, dass der Mann Florenz kennt.

Sind später wieder am vereinbarten Treffpunkt, genervte Mitreisende schauen uns entgeistert an, ja, wir haben uns tatsächlich die Stadt angeschaut, das kann man auch im Regen.

Im Bus allerdings müssen wir uns erstmal trockene Sweatshirts anziehen, die wir vorsichtshalber im Rucksack hatten …

Neapel und Pompeji

14.4.2008 – Neapel und Pompeji

Nach dem beeindruckenden Messina und der Fahrt durch den Stretto werden wir morgens wach in Neapel.
Zeitig bringt der Bus uns vorbei am Vesuv nach Pompeji, der viel besuchten und viel beschriebenen antiken Stadt.
So viel besucht und viel photographiert, dass einige Bilder wohl als Eindruck reichen.

Nach den interessanten Stunden in Pompeji machen wir uns auf zurück in die Stadt. Zu Fuß vom Hafen quer durch die Stadt zum Archäologischen Museum. Lärm Krach Hektik beherrschen die Strassen. Besonders aggressiv die massenhaft auftretenden Scooter, jegliche Fahrtrichtung, Ampel oder (zwar vorhandene aber eh bedeutungslose) Zebrastreifen ignorierend, sich durch jegliche kleinste Lücke auch zwischen Fußgängern durchdrängelnd. Fußwege manchmal kaum erahnbar schmal, jegliche Möglichkeit am Straßenrand auf’s Engste zugeparkt. Selbst auf dem schmalsten verbleibenden Bürgersteig findet sich noch ein Plätzchen für einen ambulanten Straßenhändler und seine Decke, einen kleinen Tisch nebst Stühlen, oder zwei drei Mamas nebst Bambini beim geistesabwesenden intensiven Plausch. Jungmänner, gern Goldkettchen-behangen, führen ihre weibliche Begleitung aus, meist wie an der Leine, mit paschahaften Gesten, gelegentlich dem demonstrativen Griff in’s Gemächte. Werden wir alt? Diese Stadt ist anstrengend …

Irgendwann schaffen wir es etwas geschafft in’s Archäologische Museum von Neapel.

Sehen neben vielem anderen (erotisches ‘Geheimes Kabinett’, dazu später mehr) u.a. das bekannte Alexander-Mosaik sowie auch die beiden Athleten aus Herculaneum im Original, die u.a. schon in Berlin in der sehenswerten Herculaneum- Ausstellung (’Die letzten Stunden von Herculaneum, Pergamonmuseum, 2005) zu sehen waren.

Zurück zum Schiff gehen wir wieder zu Fuß, auf anderem Weg quer durch die Stadt. Ähnlich anstrengend und nervenaufreibend wie der Hinweg.
“Südlich von Rom beginnt Afrika”, hatten Bekannte meines Mannes des öfteren geulkt. Die Stadt hat sich heute alle Mühe gegeben, diesem Klischee gerecht zu werden.

Abends, dem frenetischen Neapel entkommen, sind wir froh, wieder an Bord zu sein, genießen die relative Ruhe des Schiffs. Pompeji war klasse, das Museum sehr interessant, aber Neapel sehr anstrengend. Nein, wir sind uns einig, für uns keine Stadt für einen erholsamen Urlaub. Das Umland gerne wieder, aber nicht diese frenetische anstrengende Stadt.

Ein Blick auf Neapel, schon von See bei der Ausfahrt des Schiffs, auf den Vesuv zeigt noch einmal die riskante Lage der Stadt.

Neapel und Pompeji – Fotos

Vesuv
Vesuv
Pompeji Lupanare
Pompeji Lupanare
Pompeji Forum
Pompeji Forum
Pompeji Forum mit Blick auf Vesuv
Pompeji Forum mit Blick auf Vesuv
Pompeji Gipsausguss
Pompeji Gipsausguss
Pompeji Casa dei fauno
Pompeji Casa dei fauno
Neapel Museum Pompeji Modell
Neapel Museum Pompeji Modell
Neapel Museum Athleten aus Herculaneum
Neapel Museum Athleten aus Herculaneum
Neapel Museum Alexandermosaik
Neapel Museum Alexandermosaik
Neapel von See
Neapel von See

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Malta

12.4.2008 – Malta

Frühmorgens gleitet das Schiff in den Hafen von Valletta, Hauptstadt der Insel-Republik Malta (maltesisch: Repubblika ta’ Malta).
Malta, dieser Name soll von der punischen Bezeichnung für ‘Fluchtort’ abstammen, und ein wenig bestätigt Valletta diesen Eindruck immer noch. Strategisch gut gelegen auf einer Landzunge, weit ins Land hinein von Meeresarmen umströmt, zahlreiche Befestigungsanlagen und Bastionen sind vom Schiff aus auszumachen.

Erst seit dem 21. September 1964 ist Malta unabhängig (früher zu Großbritannien gehörend), seit 1. Januar 2004 Mitglied der EU.

Das Schiff liegt sehr nahe an der Altstadt, fußläufige Entfernung. dennoch überbieten sich Taxi- und Kutschenfahrer in ihren Angeboten zu einer Fahrt in die City – der Tourismus ist die wichtigste Einnahmequelle Maltas, unübersehbar.

Wir besichtigen die St. Johns-Co-Cathedral (1573 bis 1577 errichtet), mehr als 200 Jahre lang die Konventkirche der Ritter des Johanniterordens (Souveräner Malteserorden, 1798 von Napoleon aus Malta vertrieben, derzeit Sitz in Rom).
Die von außen recht unauffällige Kathedrale fällt innen sofort durch ihren üppigen Schmuck, die reichhaltige Ausstattung auf – und durch ihren Boden: eine riesige Fläche nur aus Marmor. Dicht an dicht bedecken Grabplatten mit reichen Einlegearbeiten den Boden. Unverkennbar in den Symbolen sowohl auf den Grabplatten als auch immer wieder auf dem Wandschmuck: der Orden war, nun ja, recht weltlich. Alle möglichen Ausprägungen der Bezeugung weltlicher Macht und Herrschaft, Schlachtendarstellungen und Waffen finden sich reichlich. Eine eigentümliche, auf mich persönlich abstoßend wirkende Mischung. Einzig Caravaggios “Die Enthauptung Johannes des Täufers” im Oratorium begeistert mich.

Einen ähnlich überladenen Eindruck vermittelt der Großmeister-Palast, das prächtigste Gebäude Maltas.
Von 1575 bis 1798 (Vertreibung des Ordens durch Napoleon) residierten im 1571 fertiggestellten Palast die Großmeister des Ordens. Später Sitz des britischen Gouverneurs, befinden sich hier heute (seit 1976) der Sitz des maltesischen Parlaments und der Amtssitz des Staatspräsidenten.
Bemerkenswert die Gobelin-Sammlung. Sie wurden nach um 1640 gefertigten Gemälden in Belgien hergestellt und stellen Fauna und Flora der Tropen dar. Insgesamt 8 Sätze der 12 Gobelins wurden gefertigt (der erste für Louis XIV), der in Valletta soll der einzig komplett an einem Ort vorhandene sein.

Valletta ist seit 1980 aufgrund der zahlreichen Zeugnisse der Vergangenheit UNESCO-Welterbe.
Wir haben einiges gesehen, und gehen mit dem Gefühl, es war auch genug.
Mit einem Sekt in der Hand genießen wir die abendliche Ausfahrt, das Panorama, den milden armen Wind.

Split

10.4.2008 – Split

“Think big”, mag sich Kaiser Diokletian gedacht haben, als er seinen Altersruhesitz in Auftrag gab. Denn heraus kam eine Palastanlage, innerhalb deren Außenmauern heute die gesamte Altstadt von Split Platz findet.

Um 300 herum ließ der nur wenige Kilometer nördlich von Split geborene römische Kaiser Diokletian (Gaius Aurelius Valerius Diocletianus, etwa 243 – 316) an der dalmatischen Küste innerhalb von zehn Jahren eine gewaltige Palastanlage errichten, die ihm als Altersruhesitz diente. Bald nach seinem Tod geriet die Anlage in Vergessenheit, war lange verlassen. Bis sich im siebten Jahrhundert die erste Bewohner neu ansiedelten – die Stadt Split entstand.

Die heute 205.000 Einwohner umfassende zweitgrößte Stadt Kroatiens hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Sie war Teil des byzantinischen Reichs (’Thema Dalmatien’), war mehrmals Hauptstadt des Königreichs Kroatien, gehörte lange Zeit (14. bis 18. Jahrhundert) immer wieder zu Venedig, fiel 1797 an Österreich-Ungarn, kam nach dem ersten Weltkrieg zu Jugoslawien, war während des Zweiten Weltkriegs von 1941 – 43 italienisch, gehörte dann zu Jugoslawien und seit 1991 zur unabhängigen Republik Kroatien.

Die Zeit Diokletians ist noch heute in weiten Teilen der Altstadt erlebbar. Das für ihn gebaute Mausoleum ist heute die Kathedrale Sveti Duje (heiliger Duje). Der Turm der Kathedrale bietet eine hervorragende Aussicht auf die Stadt. Nahe der Kathedrale ist noch heute ein Teil der riesigen Keller (Podrumi) zugänglich (heute gut genutzt von zahlreichen Souvenirshops).

Modetechnisch ist Split zwar nicht mehr auf dem Stand Diokletians, aber die Jugend der Stadt scheint gerade auf der Jogging-Welle zu reiten, besonders Teenie-Boys und Jung-Männer in allen denkbaren Varianten von Jogginghosen, solange sie dunkelblau oder schwarz sind. Dazu ein prägnant-machohaftes Gehabe, das in Kombination mit der Optik zwar einen gewissen Reiz ausstrahlt – aber ganz klar signalisiert, hier ist kein toller Platz für’s Homo-Glück.

Split – Fotos

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Venedig

6. bis 9. April 2008 – Venedig

Venedig, Original und Fälschung, Kulisse für eine Phantasie von Venedig, Kulisse die Original ist. Und doch, Venedig wie wir es erleben erweist sich als so völlig anders als erwartet, befürchtet, gehofft.

Vermutlich jeder zweite Venedig-Tourist wird wohl versuchen, den Wellen des Massentourismus zu entkommen, irgendwo noch ein Eckchen ‘echtes Venedig’ zu entdecken, jenen Rest ‘Authentizität’, ein Stück ‘wahren Lebens’ hinter den Kulissen einer manchmal geradezu Disney-haft scheinenden Touristen-’Idylle’.
Wir haben diesen Versuch “echtes Venedig entdecken” nie gezielt unternommen – in der nicht ganz unbegründeten Vermutung, eh zu scheitern. Doch auch uns stellt sich oft die Frage, wo ist das stille Venedig?

Es scheint eine Illusion zu sein, den Menschenmassen aus dem Weg zu gehen. Schon bei der Anreise vom Vaporetto aus der Anblick von Touristenhorden (’il gregge di pecore’). Dazu Preise, vermutlich gedacht als Abschreckung, um bestimmte Touristen fern zu halten. Kein neues Phänomen …

… und wenn die bizarre Fahrt durch Venedig ihren Zauber zu üben begann, so tat der beutelschneiderische Geschäftsgeist der geschundenen Königin das Seine …” (Thomas Mann, Der Tod in Venedig)

Ein weiteres klischeehaftes Bild, das spätestens in der Phantasie aufkommt als wir Wasser durch die Deckel der Kanalisation hochdrücken sehen: Hochwasser in Venedig – Holzstege – katastrophal die Sturmflut am 4. November 1966, 2m über dem Meeresspiegel, unvorstellbar heute, und doch noch konkrete Bedrohung, solange ‘Mose’ noch nicht bereit steht (’Mose’ ist der bezeichnende Name des neuen Sperrwerks, das ab 2012 die Pegelstände in Venedig regulieren soll).

Einen Weg, den Touristenmassen zu entgehen, finden wir – früh am Morgen (sehr früh, beinahe noch nachts, gegen 5:30 Uhr) aufstehen und gen Markusplatz, einige aufgeschreckte Tauben, Dunst über der Lagune, die Massen an weißen Caféhausstühle stehen noch feinsortiert und unbenutzt – Ruhe, kein Trubel, (fast) keine Menschen. (Ein weiterer Weg: spät am Abend, wenn viele Touristen wieder zu ihren Hotels auf dem Festland zurück gekehrt sind.)

Erleben ganz in Ruhe den Markusplatz, Dogenpalast. Dann zurück zum Hotel, in Ruhe ausgiebiges Frühstück. Anschließend gemütliches Stromern durch etwas abseits der absoluten Touristen-Highlights gelegene Viertel. Entdecken viele alte Straßen, Häuser, Kanäle, Paläste, Kirchen, einige ruhige Cafés. Moderne in Venedig hingegen kaum – Venedig scheint stehengeblieben, konserviert.

Am (wohl obligatorischen) Regentag allerdings, während einiger Museumsbesuche, können wir ihnen nicht immer entgehen, den Touristenhorden, Massen an Besuchern durchströmen aufgeregt den Dogenpalast.

Wie angenehm, dass wir uns jederzeit gen Sant’ Elena in die ein wenig abgeschiedene Stille unseres Hotels zurück ziehen können. Im Grünen gelegen, ein großes modern eingerichtetes Zimmer mit Blick auf einen ruhigen Seitenkanal, sehr gutes Frühstücksbuffet – ein Hotel, das sich geradezu als unser geschätzter Ruhepol erweist.

Und nein, ich bemühe jetzt nicht das Tadzio-Klischee von 1912 (’Der Tod in Venedig’ beim Projekt Gutenberg hier), obwohl wir von unserem Hotel aus in der Ferne den Lido sehen, das ‘Hotel des Bains’ erahnen können.

Thomas Mann erreichte Venedig mit dem Schiff, blickte zunächst von der See auf die Stadt. Wir verlassen Venedig auf diesem Weg …