Wien: Eröffnung Heinz Heger Park

Wien 30.11.2009: Eröffnung Heinz Heger Park . Die Benennung erinnert an Heinz Heger, Autor des Buches “Die Männer mit dem Rosa Winkel”.

Am kommenden Montag, 30.11.2009 wird in Wien am Zimmermannplatz der “Heinz Heger-Park” eröffnet. Die Benennung erinnert an Heinz Heger (1915-1994), der direkt am Zimmermannplatz gewohnt hat.

Während der Nazi-Zeit wurde Josef K., der homosexuell war, von den Nazis inhaftiert und musste, so wie viele andere Homosexuelle, den “Rosa Winkel” tragen. K., der nach 1945 wieder in seine Wohnung zurückkehrte, erzählte später seine Erinnerungen, die als Buch mit dem Titel “Die Männer mit dem Rosa Winkel” im Jahr 1972 erschienen. Beim Namen Heinz Heger handelt es sich um ein Pseudonym.

Die Eröffnung durch Bezirksvorsteherin Martina Malyar findet ab 10.00 Uhr statt. Unter anderem wird der österreichische Autor und TV-Moderator Günter Tolar, u.a. langjähriger Unterstützer schwuler Bürgerrechtsbewegungen und Gründer des HIV-Soforthilfe-Vereins ‘Positiv Leben’, aus Hegers Buch “Die Männer mit dem Rosa Winkel” lesen.

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Zuf Frage ob der Park richtig benannt ist, siehe hier: 2mecs – Josef Kohout und Hans Heger

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weitere Informationen:
Programm der Eröffnungs-Veranstaltung am 30.11.2009
Kurt Krickler: Heinz Heger – Der Mann mit dem Rosa Winkel (pdf)
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der ‘ Prunksaal ’ der Österreichischen Nationalbibliothek (Fotos)

Eine der schönsten Bibliotheken der Welt ist in Wien zu bewundern – der ‘ Prunksaal ’ der Österreichischen Nationalbibliothek.

Ein Juwel profaner Barock-Architektur ist er, der ‘ Prunksaal ‘ der Österreichischen Nationalbibliothek in der Wiener Hofburg.

Kaiser Karl V. (1685 / 1711 – 1740) veranlasste den Bau des Saals für seine Hofbibliothek. Realisiert wurde der Prunksaal nach Entwürfen von Hofarchitekt Johann Bernhard Fischer von Erlach durch seinen Sohn Joseph Emanuel.

Bis ins 19. Jahrhundert befand sich im Prunk-Saal die ‘Hofbibliothek’.
1920 wurde die ‘Hofbibliothek’ (in Folge der Gründung der Republik Österreich 1918) in ‘Nationalbibliothek’ umbenannt, 1945 in ‘Österreichische Nationalbibliothek’.

Heute befindet sich hier ein Teil der Österreichischen Nationalbibliothek mit etwa 200.000 Büchern der zeit zwischen 1501 und 1850, unter ihnen insbesondere die Sammlung des Prinzen Eugen von Savoyen (15.000 Bände).

Der Prunk-Saal ist als Museum zu besichtigen.

‘ Prunksaal ’ der Österreichischen Nationalbibliothek (Fotos)

Prunk-Saal der Österreichischen Nationalbibliothek
Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek
Prunksal der Österreichischen Nationalbibliothek
Prunk-Saal der Österreichischen Nationalbibliothek
Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek
Prunk-Saal der Österreichischen Nationalbibliothek

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Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek
Josefsplatz 1, 1010 Wien
sehenswert auch: dazugehörige Papyrus-Sammlung (Heldenplatz) und das weltweit einzigartige Globen-Museum (Herrengasse 9)

weitere Informationen:
Österreichische Nationalbibliothek
Prunksaal
Globen-Museum

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‘A schöne Leich’ – Der Wiener Zentralfriedhof Fotos

Eine “schöne Leiche” – in einer schönen Umgebung, davon hat der Wiener Zentralfriedhof viel zu bieten. Eine lohnenswerte Exkursion der ganz eigenen Art …

Der am 18. November 1874 offiziell seiner Bestimmung übergebene Wiener Zentralfriedhof war ein Ergebnis kommunaler Stadtplanung – die ständig wachsende Stadt machte neue Flächen erforderlich, innerstädtische Friedhöfe sollten baldmöglichst aufgegeben werden – eine neue Begräbnisstätte musste her.

Heute ist der Wiener Zentralfriedhof mit beinahe 2,5 km² der flächenmäßig zweitgrößte Friedhof Europas („halb so groß wie Zürich, aber doppelt so lustig“) und eine der Sehenswürdigkeiten Wiens – und ein Fest des Jugendstils, bes. die Friedhofskirche ‘Zum Heiligen Karl Borromäus’.

Kaiser Josef II. Plädierte noch für ‘Sparbegräbnisse’ und propagierte mehrfach benutzbare Klappsärge. Doch seine Sparsamkeit hielt nicht lange vor – bereits ab Mitte des 19. Jahrhunderts wollte auch das Bürgertum sich präsentieren, selbst im Tod und über den Tod hinaus.

Heute befindet sich eine Vielzahl sehens- oder bemerkenswerter Grabstätten auf dem Zentralfriedhof (siehe Fotos unten), von Arthur Schnitzler über Joe Zawinul bis Falco, von Bruno Kreisky bis Helmut Waltinger, von Ernst Jandl bis Curd Jürgens.

Aufgrund seiner Größe ist auf dem Friedhof Autofahren gestattet – gegen eine tägliche Gebühr, und außer am 1. November (wegen des zu Allerheiligen bei 300.000 Besuchern befürchteten Verkehrs-Chaos’). Zudem verkehrt ein extra ‘Friedhofs-Bus’ im Halbstunden-Takt.

Gar nicht zentral, sondern recht weit außerhalb des Zentrums gelegen, ist der Zentralfriedhof am besten mit der Tram erreichbar, der „71er“, sowie mit der U3 (deren Station allerdings 2km vom Friedhof entfernt liegt).

Wer sich noch eingehender mit Wiener Friedhofs-Kultur befassen möchte,. wird fündig im ‘Wiener Bestattungsmuseum’ im vierten Bezirk.

Weitere Informationen:
Friedhöfe Wien

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Wiener Zentralfriedhof Fotos

Grab Joe Zawinul
Grab Joe Zawinul

Wien Zentralfriedhof Wien_Zentralfriedhof02 Wien_Zentralfriedhof03 Wien_Zentralfriedhof04

Grab Curd Jürgens
Grab Curd Jürgens
Grab Dumba
Grab Dumba
Grab Falco
Grab Falco
Grab Fatty
Grab Fatty
Grab Alfred Hridlicka
Grab Alfred Hridlicka
Grab Ernst Jandl
Grab Ernst Jandl
Grab Bruno Kreisky
Grab Bruno Kreisky
Grab Lihotzky
Grab Lihotzky
Grab Qualtinger
Grab Qualtinger
Grab  Arnold Schönberg
Grab Arnold Schönberg
Grab Franz Werfel
Grab Franz Werfel

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Wien: die ehemalige Opern-Klappe

In der Frage, was man aus Klappen machen kann, jenen einst von so manchem schwulen Mann so gern besuchten Ort, sind Stadtväter ja gelegentlich sehr kreativ.

Da werden Klappen einfach geschlossen, scheinbar renovierungsbedürftig, und nie wieder geöffnet. Oder eine freundlich die Hand aufhaltende Klofrau schreckt die unerwünschte Kundschaft ab – bis sie von geldschluckenden Maschinen an Stahlbarrieren ersetzt wird.

Andernorts mutieren Klappen zu Kiosken, Pizzeria oder Imbiss.

Besonders kreativ zeigt sie Wien. Eine der (einst?) beliebtesten Klappen der Stadt, die Opern-Klappe, kommt nun so daher:

Wien: ehemalige Opern - Klappe
Wien: ehemalige Opern – Klappe

Die frühere ‘Opern-Klappe’  –  nun eine ‘Opera Toilet’ mit kleiner Klavier-Bar im ehemaligen Pissoir und ständiger Strauß-Walzer-Berieselung … wohl bekomm’s …

Wiener Porno-Identität – porn identity

Pornographie und Kunst stehen im Mittelpunkt einer Ausstellung in der Kunsthalle Wien. Porn identity –  Kunst? Porno? Spektakel?

“Die Sexualität ist die Triebkraft unseres Lebens”, betont Kunsthallen-Direktor Gerald Matt, bekannt für seine publikumswirksamen Ausstellungen. Und zeigt dem Publikum nun unter dem Titel ‘The Porn Identity’ “Expeditionen in die Dunkelzone”.

Porno ist überall, jeder ist Porno, wenn er will.
Von Anzeigen bis Pop-Video, von Erotik-Messe bis Pay-TV und literarischen Feuchtgebieten – Porno ist längst nicht mehr nur die Domäne schmieriger Hinterzimmer und Kaschemmen. Die Gesellschaft wird sexualisiert, pornografiert. Porno ist scheinbar nahezu Mainstream.
Warum dann nicht auch Porno als Kunst?

Deftig, deutlich geht es zu in der Wiener Ausstellung.

Eines der bemerkenswerten Exponate: eine Rekonstruktion eines Polizei-Überwachungsvideo von 1962, das schwulen Klappensex zeigt (‘Mansfield 1962′ von William E. Jones). Strafverfolgung, Homosexuellenverfolgung von einst – inzwischen zur Kunst gewandelt?

Elmgreen Dragset (die auch das Berliner ‘Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen‘ schufen) sind mit einer ‘Queer Bar’ vertreten, die sich auf Foucault und seine “machtverweigernden Architekturentwürfe” (so der Begleittext) bezieht.

Immerhin, Porno ist noch nicht so allgemein akzeptierst, als dass die Ausstellung frei zugänglich wäre. “Zutritt ab 18″ heißt es auch in Wien …

Eine offene, aufgeschlossene Auseinandersetzung der Kunst, des Kunstbetriebs, der Museen mit Porno ist noch selten – Wien hat hier einen bemerkenswerten Aufschlag gemacht.
Allerdings mit einer Ausstellung, die manchmal ein schales Gefühl hinterlässt – geht es um mehr als geschmäcklerisches Spektakel? Wo ist die tiefere Auseinandersetzung mit Porno, z.B. damit welche Auswirkungen Porno und dessen ‘Normalisierung’ auf unser Zusammenleben, unser Sexleben, unser Geschlechteridentitäten hat? Oftmals vermittelt die Ausstellung den Eindruck, zu sehr im Oberflächlichen zu verharren.
Sperma als Kunst-Objekt (Terence Koh), Dildos zu Kubrick  – zum Schluss bleibt oftmals, so auch in Wien, die Frage – ist es Kunst? ist es Porno?

The Porn Identity – Expeditionen in die Dunkelzone
Kunsthalle Wien Museumsplatz 1, 1070 Wien
bis 1. Juni 2009, Halle 2
täglich 10 – 19 Uhr, Do 10 – 22 Uhr

weitere Informationen:
FR 23.02.2009: Hosen runter
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Wiener Notizen

2mecs Wiener Notizen :

Sprechen die aufgeregten Teenies am Tisch vor uns im Zug nun Ungarisch? Oder ist es doch nur irgend ein besonders schwer verständliches Österreichisch? Irgendeine Linzer Spezialität? Ein niederösterreichischer Dialekt? Doch Magyar? Es bedarf genauen Hinhörens, eine gewisse Ratlosigkeit bleibt.

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Es ist seltsam, in einem Land zu sein, dessen Sprache man meint zu sprechen, und in dem man dennoch bei nahezu jeder sich bietenden Gelegenheit an sprachliche Grenzen stößt. Was um Himmels Willen ist Karfiol? Und kann man Fisolen essen? Oder gar Paradeiser? Was macht man mit Kukuruz? Bekommt man Topfengolatschn beim Schuster, oder ist das was Unanständiges? Fragen über Fragen, die nur Piefkes stellen können …

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Er sieht nett aus, der hochgeschossene junge Mann mit den schwarzen Haaren, den dunklen Augen.Gute Figur, schön anzufühlen, körperliche Harmonie. „Geh, soag amoal, würd’st mie vielloacht fieggn möagn, dua?“, grinst er mich nach Momenten mit eher wenig Wortkontakt unvermittelt an, strahlt. Das singende Auf und Ab seiner Stimme erinnert mich an KuK-Jodler, jegliche Erotik, sexuelle Spannung ist im Nu verflogen. „Sorry, aber …“ Lachend lösen wir die Situation auf, nicht ohne dass er mich mit einem “schoade ist’s joa schoo“ verabschiedet.

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Museen, Ausstellungen, Kultur sind einer der wesentlichen Bestandteile unseres Programms, wenn wir fremde Städte besuchen. In Wien kommen wir irgendwann an die Grenzen unseres ökonomischen Willens. Zehn Euro Eintritt pro Person, in beinahe jedem Museum, für beinahe jede Ausstellung – irgendwann denken wir „es reicht (finanziell, nicht kulturell), das ist zu viel“.
Kultur muss jedermann, jederfrau frei oder doch zu möglichst geringen Beträgen zugänglich sein. Sollen die hohen Eintritte in Wien abschrecken? Prohibitive Preise für Kunst und Kultur?
Immerhin, der Zentralfriedhof ist noch kostenfrei zu besuchen. Bis auf das Informationsblatt – der A4-Bogen kostet sparsame 20 Cent.

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Ob in Gaststätte, Kaffeehaus, Bar oder Restaurant – die Nichtraucher-Ecke ist abgelegen, meist die schlechteren Plätze, entweder nicht nahe dem Fenster, den Flaneuren zuzuschauen, oder gar ganz hinten in der Ecke, direkt bei den WCs. Selbst im Restaurant zieht einem der Rauch des Nachbarn über’s Essen. Wie schön ist’s doch in Köln oder Berlin, unverqualmt lecker essen. Werde ich doch noch ein Fan des Rauchverbots?

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Zu unserer Abreise noch das ganz große Staats-Trara? Das wäre doch nicht nötig gewesen …

(Auf den Fotos: der Präsident Rumäniens, Traian Basescu, wird zum Auftakt seines Staatsbesuchs von Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer in der Hofburg begrüßt.)

Nebenbei: 2 lange Fahrten, beinahe 20 Stunden im Zug – und die Bahn war pünktlich, beide Male …

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Wenn du nach Wien reist, verraten wir zwar nicht unser Lieblings-Hotel und eines der schönsten Cafés. Und die üblichen Tipps hat auch der Touri-Führer. Aber probier doch mal dies hier:

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Brauchtum

20. März. Das Essen war lecker gestern – also abends zum zweiten Mal in’s Bio-Restaurant “Dreiklang”, direkt beim Hotel um die Ecke.
Fast jeder Platz besetzt, mit Glück finden wir ein Eckchen.
Eine große Gruppe, laut sich unterhaltend, uns gegenüber.
Frank ißt gerade seine Vorspeise. Plötzlich Stimmen, mehr ein Summen zunächst. Der Nachbartisch hat begonnen  zu singen. Dreizehn Frauen und Männer, im Chor, angenehm ruhiger Gleichklang.
Wir verstehen kein Wort, außer einem Vokal-Brei ungefähr wie “a liu da di döoö oi hui oahoooh” – aber es klingt schön, und vor allem – in den Augen einiger der Singenden liegt ein seltsam verklärter Glanz, eine Freude, ein Blick voller Begeisterung.

‘Warum nur’, schießt es mir spontan angesichts meines Wohlfühlens durch den Kopf, ‘muss Brauchtum immer mit Konservatismus, mit Repression assoziiert sein?’
‘Täusche dich nicht’, erwidere ich im inneren Dialog, ‘es gab auch Hannes Wader, Franz-Josef Degenhardt & Co.” Lang ist’s her.

“Spiel nicht mit den Schmuddelkinder”, möchte meine innere Stimme glattweg spontan anheben zu singen – allein, nach ‘Frida’ fehlen mir die Verse.

Drei leckere ‘Tofu-Laibchen mit Teriyaki-Sauce und Sprossen’ sowie einen ‘besoffenen Kapuziner mit Schlagobers’ später, zwei lecker Weitra dazu, zahlen wir wohlgemuth.
‘Schade, dass am Wochenende geschlossen ist’, denken wir beim Gehen, ‘wo sollen wir denn dann hin?’
Ich bin gespannt, ob Michi, den wir nach bestimmt zehn Jahren morgen Abend wiedersehen, eine spannende Idee hat.

Bio-Restaurant “Dreiklang”
Wasagasse 28
A – 1090 Wien
www.3klang.info