Richard Ferrand

Der französische Politiker Richard Ferrand, bis 2016 PS-Abgeordnete des Finistère, unterstützte als erster Abgeordneter bereits früh die erst im April 2016 gegründete Bewegung En marche!, deren Generalsekretär er inzwischen ist. Richard Ferrand gilt als Macron sehr nahe stehend und ‚rechte Hand‘ des Präsidenten.

Richard Ferrand wurde am 1. Juli 1962 in Rodez im Aveyron geboren. In seiner Jugend verbrachte er zwei Jahre in Bünde (NRW) zur Vorbereitung auf sein Abitur. Er studierte anschließend in Toulouse (Universität 1) und Paris (Universität Paris-Descartes) Germanistik und Jura. Im Jahr 1980 tritt er in den Parti socialist (PS) ein.

1991 wird Richard Ferrand Mitglied des Kabinetts des franco-togolesischen Politikers Kofi Yamgane, Staatssekretär für Integration (1991 bis 1993). 1993 geht er zum Mutuelles de Bretagne (Krankenversicherer), wird dort 1998 Generaldirektor (bis 2012).

Richard Ferrand 2008 auf dem kongress der PS in Reims (Foto: jyc1 Lizenz cc-by-2.0)
Richard Ferrand 2008 auf dem kongress der PS in Reims (Foto: jyc1 Lizenz cc-by-2.0)

Richard Ferrand – politische Laufbahn

Bei der Regionalwahl 2010 kandidiert Richard Ferrand für die PS im Finistère. Er wird er Mitglied des Regionalrats der Bretagne an der Seite von Jean-Yves Le Drian (Vorsitzender des Regionalrats, später auch Verteidigungsminister unter Präsident Hollande), führt dort die Gruppe der PS an.

Am 17. Juni 2012 wird Ferrand (nach einem erfolglosen Versuch 2007) im zweiten Anlauf zum Abgeordneten des 6. Wahlbezirks im Finistère (Carhax / Camaret)  gewählt. Er gehört eher zum linken Flügel der Partei und der Abgeordneten des PS.

Am 3. Oktober 2014 wird Richard Ferrand vom Premierminister zu Wirtschaftsminister Emmanuel Macron abgeordnet. Er erarbeitet Vorschläge zur Reform der regulierten Berufe in Justiz und Gesundheitswesen (wie Notare), die in das spätere ‚loi Macron‚ einfliessen, für das er im Parlament zum Berichterstatter gewählt wird.

Im April 2016 gründet Emmanuel Macron seine Bewegung En marche!. Richard Ferrand ist der erste Abgeordnete, der die neue Bewegung am 6. April 2016 offen unterstützt. Im Oktober 2016 wird Richard Ferrand zum Generalsekretär von En marche! (im Mai 2017 umgewandelt zur Partei La République en marche) ernannt. Während der gesamten Präsidentschaftswahl-Kampagne gelang es Ferrand, den Kontakt zum Kandidaten der Sozialisten, Benoit Hamon, nicht abreissen zu lassen.

Am 8. Mai 2017, dem Tag nach der Präsidentschaftswahl 2017, bei der Emmanuel Macron zum 8. Präsidenten der V. Republik gewählt wurde, tritt Richard Ferrand aus dem PS aus. Er kündigt an, bei der folgenden Parlamentswahl 2017 im 6. Wahlbezirk im Finistère für La République en marche zu kandidieren.

Am 17. Mai 2017 wurde Richard Ferrand in der Regierung von Premierminister Edouard Philippe zum Minister für Kohäsion der Territorien ernannt. Er ist damit auch für Themen wie die Banlieus genauso zuständig wie für die Innenstädte.

Ende Mai 2017 geriet Ferrand unter Druck, nachdem Medien ihm vorwarfen, er habe in seiner Zeit bei Mutuelles berufliche und private Belange nicht ausreichend getrennt. Ferrand antwortete sein handeln sei völlig transparent, legal und öffentlich gewesen. Er habe sich nichts vorzuwerfen, lehne einen Rücktritt ab und suche die Bestätigung durch den Wähler bei den anstehenden Parlamentswahlen.

Am 18. Juni 2017 wurde er im zweiten Wahlgang der Parlamentswahl mit 56.53% zum Abgeordneten gewählt. Am darauffolgenden 19. Juni teilte Ferrand mit, er werde im Kabinett (das der Premierminister traditionsgemäß nach Parlaments-Wahlen neu bildet) nicht mehr Minister sein. Präsident Macron habe ihn, so Medien, gebeten, im neuen Parlament die Fraktion von La République en Marche LREM zu leiten. Am 24. Juni 2017 wurde er von den 308 LREM-Abgeordneten zum Fraktionsvorsitzenden gewählt.

Seine Einstellung zur Politik formulierte Ferrand einst

„Je suis allergique aux préjugés idéologiques pour aborder une situation.“
(Ich reagiere allergisch auf ideologische Vorurteile bei der Klärung einer Situation. Übers. UW)

Richard Ferrand gilt als enger Vertrauter und ‚rechte Hand‘ von Emmanuel Macron – und als scharfzüngiger und schlagfertiger Politiker.

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Text zuletzt aktualisiert 24. Juni 2017

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