der Roland – Symbol für Stadtrechte und bürgerlicher Freiheiten

Zuletzt aktualisiert am 2. Mai 2016 um 10:40

In zahlreichen Städten Nord- und Ostdeutschlands ist er zu finden: eine Figur, gern aus Sandstein, der Roland – als Symbol der Stadt- und Marktrechte sowie bürgerlicher Freiheiten.

Viele Städte errichteten im Mittelalter Rolandfiguren, zunächst oft hölzern, später aus Stein. Sie sollten Sinnbild sein für das eigene Marktrecht der Stadt sowie das Recht einer eigenen Gerichtsbarkeit und damit Freiheit. Oft waren sie zudem Ausdruck städtischen Wohlstands.

Entlehnt ist die Figur des Roland einem Volkshelden – dem Gefährten Karls des Großen, Hruotland, gefeiert im Rolandslied.

Hruotland – ein Held wird zum Vorbild für die Roland – Statuen

Hruotland (736 – 778), Graf der Markgrafschaft Bretagne (Cenomanien, heutige östliche Bretagne), war ein mächtiger Paladin und enger Vertrauter von Karl dem Großen.

Hruotland fiel am 15. August 778 in der Schlacht bei Roncesvalles / frz. Ronceveaux (Navarra) – als seine Truppen, die Nachhut des Heeres Karls des Großen beim Rückzug nach dem erfolglosen Feldzug gegen muslimische Herrscher in Spanien (Sarazenen-Feldzug) leitend, in den Pyrenäen von (christlichen) Basken angegriffen wurde. Er soll in Blaye beigesetzt, sein Grab jedoch in der Französischen Revolution zerstört worden sein. Sein Horn Olifant, mit dem er sterbend versuchte die Haupt-Truppen Karls zur Unterstützung herbei zu rufen, soll der Legende zufolge in Bordeaux vergraben sein.

Tod des Roland / Schlacht bei Ronceveaux 778, Jean Fouquet, Tours, um 1455-1460
Tod des Roland / Schlacht bei Ronceveaux 778, Jean Fouquet, Tours, um 1455-1460

Hruotland wurde zum Helden des Rolandslieds (La Chanson de Roland), eines zwischen 1075 und 1110 entstandenen Gedichtes, das Rolands Leben verherrlicht. Rolland wurde zunächst zu einem Gegen-Symbol zu kirchlicher Herrschaft, in den folgenden Jahrhunderten dann zur bekanntesten Heldenfigur Frankreichs – und wurde wesentlich später (ab ca. 1900) zu einem frühen National-Epos verklärt.

der Roland als Symbol bürgerlicher Freiheit

Ab dem 14. Jahrhundert wurde Hruotland zudem unter dem Namen Roland (aus der Symbolik des Gegen-Bildes zu kirchlicher Herrschaft) zu einem Symbol für die Freiheit der Städte gegenüber Territorial-Fürsten (wie beispielhaft die Geschichte des Roland von Quedlinburg deutlich zeigt). Besonders im nord- und ost-deutschen Kulturraum wurden in Städten oft Rolands-Statuen aufgestellt um diese Freiheiten zu versinnbildlichen – überwiegend in Städten im Geltungsbereich sächsischen Rechts.

Der Sachsenspiegel war das bedeutendste mittelalterliche Gesetzbuch, es fand von den Niederlanden bis ins Baltikum Verbreitung und galt z.B. in Preußen bis 1794, in Sachsen bis 1865. Der Sachsenspiegel floß mit ein in den das ab 1130 entwickelte Magdeburger Stadtrecht, dessen Ausbreitung (bes. nach Osteuropa) mit der Ausbreitung des Sachsenspiegel einher geht.

Aus 37 Städten sind heute Roland-Statuen bekannt, darunter

Zahlreiche weitere Städte besaßen Rolandfiguren, die jedoch die Zeit nicht überdauerten. So ist der von Hamburg z.B. 1389 letztmalig erwähnt (Ausbesserung), auch in Berlin wurde 1397 eine Figur im Stadtbuch genannt. Das riesige Bismarck-Denkmal in Hamburg (Hugo Lederer, 1906) ist errichtet in der Art einer Rolandstatue.

Einige Städte (wie Wedel) nahmen den Roland zudem in ihr Wappen auf. Die Post der DDR widmete 1987 und 1989 eine Briefmarken-Serie den in der DRR aufgestellten Rolandstatuen.

Zudem gibt es einige neuzeitlichere Rolandstatuen und -Plastiken, wie den ‚Roland mit dem Olifant‘ (Jules Jacques Labatut, 1888) in Toulouse.

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